Mit Spannung blickt das katholische Deutschland diese Woche nach Rom. Im Vatikan startet an diesem Montag der Ad Limina-Besuch der Deutschen Bischofskonferenz. Bis Freitag führen die rund 60 Bischöfe Gespräche in den verschiedenen Dikasterien, am Freitag ist ein Treffen mit Papst Franziskus geplant. Daran nehmen auch mehrere Leiter vatikanischer Behörden teil. Im Mittelpunkt der Gespräche: der Synodale Weg. Viele im Vatikan beäugen die Reformbemühungen in Deutschland kritisch. Papst Franziskus goss jüngst noch einmal Öl ins Feuer, als er seine Kritik wiederholte, Deutschland brauche keine zweite evangelische Kirche. Es gebe bereits eine sehr gute. Er warnte davor, dass die Bischöfe „den religiösen Sinn des Volkes“ nicht verlieren sollten. Das verwundert, denn die Mehrheit der Bischöfe sieht sich in ihren Reformbemühungen von einer großen Mehrheit der Gläubigen getragen. Es gibt also viel zu besprechen in den „heiligen Hallen“.

Der Ad Limina-Besuch startete am Montagmorgen mit einem gemeinsamen Gottesdienst am Grab des Apostels Petrus in der Krypta des Petersdoms. (Quelle: M.Kopp/DBK)
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Einmal mehr war Franziskus auf Friedensmission unterwegs. Seine 39. Auslandsreise nach Bahrain stand ganz im Zeichen des Dialogs, des Brückenbauens zwischen Kulturen und Religionen. Technischer Fortschritt allein bringt der Welt keine Gerechtigkeit und keinen Frieden. Die Geschwisterlichkeit aller Menschen ist für Franziskus der Schlüssel: „Fratelli tutti“. Das bedeutet für ihn aber auch, dass alle auf Augenhöhe miteinander sprechen. Dafür müssen alle die gleichen Rechte haben – überall. Entsprechend wagte er sich weit vor mit seinen Forderungen nach Religionsfreiheit und „vollwertigen Bürgerrechten“ für alle, die nicht nur auf dem Papier bestehen dürfen, sondern „Menschenrechte für alle“ in Wort und Tat seien. Dass Franziskus so deutlich sprechen würde als Gast auf der Arabischen Halbinsel, hat viele Beobachter überrascht. Für die rund 3,5 Millionen Katholiken in der Region war der Besuch eine Stärkung. Für sie waren gerade die Aussagen zur Religionsfreiheit, die nicht nur auf dem Papier bestehen dürfe, sondern jede Diskriminierung verhindern müsse, wichtig in ihrem oft beschwerlichen Alltag als Minderheit.

Zum Abschluss seines Besuchs in Bahrain hat Papst Franziskus am Sonntagmorgen Kleriker, Ordensleute und Pastoralmitarbeiter getroffen. (Quelle: Erbacher)
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Am Samstag ist Papst Franziskus als Seelsorger unterwegs gewesen in Bahrain. Am Vormittag machte der den Gläubigen aus der Region Mut, trotz Unterdrückung, Feindschaft und Konflikten sich um ein gutes Miteinander zu bemühen. Es gehe nicht darum, nur von einer geschwisterlichen Welt zu träumen, „sondern uns zu engagieren und bei uns selbst anzufangen, die universale Geschwisterlichkeit konkret und mutig zu leben, im Guten zu verharren, auch wenn uns Böses widerfährt, die Spirale der Rache zu durchbrechen, die Gewalt zu entwaffnen, das Herz zu entmilitarisieren“. An dem Gottesdienst im Nationalstadion von Bahrain nahmen knapp 30.000 Gläubige aus der ganzen Golfregion teil. Am Nachmittag ermutigte er die jungen Menschen der Region, „Vorurteile und ideologische Zäune zu überwinden“ und zu „Säulen der Geschwisterlichkeit“ zu werden, denn die Welt werde nur „in Geschwisterlichkeit eine Zukunft haben“.

Es war der zweite große Gottesdienst eines Papstes auf der Arabischen Halbinsel nach der Messe von Franziskus in Abu Dhabi 2019. (Quelle: Erbacher)
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Papst Franziskus hat am Freitag die Religionen, allen voran den Islam, darauf eingeschworen, dass die Religionen sich gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen müssen. Angesichts „so vieler katastrophaler Konflikte in allen Teilen der Welt, inmitten von Anschuldigungen, Drohungen und Verurteilungen“ stehe die Welt auf der Kippe, „und wir wollen nicht abstürzen“, mahnte der Pontifex zum Abschluss einer Religionskonferenz in Bahrain. Scharf kritisierte er die aktuellen Kriege, die durch Partikularinteressen „weniger Mächtiger“ verursacht würden. „So scheinen wir ein auf dramatische Weise kindisches Szenario mitzuerleben: Statt sich um das Ganze zu kümmern, spielt man im Garten der Menschheit mit Feuer, mit Raketen und Bomben, mit Waffen, die Tränen und Tod verursachen und das gemeinsame Haus mit Asche und Hass überziehen.“ Der Großscheich der Al-Azhar Universität, Ahmed Al-Tayyeb, einer der bedeutendsten Vertreter des sunnitischen Islam, schlug bei der Konferenz eine inner-islamische Dialoginitiative vor und lud dazu eigens die Schiiten ein, „mit offenen Herzen und ausgestreckten Händen, damit wir uns gemeinsam an einen runden Tisch setzen können, um unsere Differenzen beiseite zu legen und unsere islamische Einheit zu stärken“.

Der Abschluss der Religionskonferenz am Freitagmorgen war eigentlicher Anlass der Reise nach Bahrain. (Quelle: Erbacher)
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Was will der Papst in Bahrain? Diese Frage stellen sich nicht nur viele Journalisten in diesen Tagen. Die Antwort gab er selbst bei seiner Ankunft auf der Insel im Golf. „Diese Tage markieren eine wertvolle Etappe auf dem Weg der Freundschaft, der sich in den letzten Jahren mit verschiedenen islamischen Religionsführern intensiviert hat“, erklärte Franziskus beim Treffen mit Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft im Königspalast von Bahrain. Seit seinem ersten historischen Besuch auf der Arabischen Halbinsel im Februar 2019 in Abu Dhabi standen bei knapp der Hälfte der 13 Auslandsreisen der interreligiöse Dialog im Zentrum des Programms. „Fratelli tutti“ ist zu einem der zentralen Themen des Pontifikats geworden. In Bahrain sprach er zum Beginn seines Aufenthalts auch heikle Themen wie Menschenrechte und Religionsfreiheit offen an.

Papst Franziskus sprach bei der Ankunft in Bahrain auch über die kritischen Themen wie Religionsfreiheit, Menschenrechte und Arbeitsbedingungen. (Quelle: Erbacher)
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Etwas überraschend kam es schon, das Mea Culpa des Alt-Erzbischofs von Freiburg, Robert Zollitsch, zum Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt in seiner Zeit als Personalchef und Erzbischof in Freiburg sowie als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Am Donnerstag verschickte sein Pressebeauftragter eine Mail mit dem Link zu einem knapp 10-minütigen Video, in dem der 84-Jährige „gravierende Fehler“ zugibt in seinem „Verhalten, Handeln, Dokumentieren und Entscheiden“. Er bittet die Betroffenen und deren Angehörige um Entschuldigung. Aus den Reihen von Betroffenen gab es Anerkennung für den Schritt des Alt-Erzbischofs. Zugleich forderte der Betroffenenbeirat des Erzbistums Freiburg, Zollitsch müsse sich nun aktiv an der Aufarbeitung beteiligen. In Rom gab es Anfang der Woche ein Treffen zwischen dem Nach-Nachfolger Zollitschs als Vorsitzendem der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und Kurienkardinal Kurt Koch. Dabei legten die beiden offenbar den Streit um die umstrittenen Äußerungen Kochs zu Reformforderungen der Katholiken in Deutschland bei.

Erzbischof Robert Zollitsch im März 20210 bei einer Pressekonferenz in Rom. Er bittet um Entschuldigung für Fehler. (Quelle: ap)
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Einmal mehr wird deutlich, wie aufgeheizt die Debatte um Reformen in der katholischen Kirche ist. Der vatikanische Ökumeneminister, Kardinal Kurt Koch, bemühte jetzt in einem Interview mit der Zeitung „Die Tagespost“ einen Vergleich mit der NS-Zeit. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, reagierte empört und stellt eine Beschwerde bei Papst Franziskus in Aussicht, sollte Koch sich nicht umgehend entschuldigen. Angesichts dieser weiteren Eskalation, geraten die Inhalte in den Hintergrund. Kardinal Koch gehört zu den Vertretern, die seit Monaten von der Seitenlinie offen und verdeckt die aktuelle Reformdebatte kritisieren, ohne sich aufs Spielfeld zu begeben, um mit den Bischöfen selbst zu diskutieren. Der Ad Limina-Besuch der Bischofskonferenz im November wird hier eine Gelegenheit bieten. Am Abend erklärt Koch, er sei missverstanden worden.
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Der Aachener Bischof Helmut Dieser ist neuer „Missbrauchsbeauftragter“ der Deutschen Bischofskonferenz. Er löst den Trierer Bischof Stefan Ackermann ab, der seit zwölf Jahren das Amt innehatte. Der Freiburger Erzbischof Stefan Burger wird Stellvertreter Diesers. Schon allein diese Personalentscheidungen sind Ausdruck der „neuen Phase“, in die die Aufarbeitung aus Sicht der Bischofskonferenz jetzt kommt. Sie soll breiter aufgestellt und breiter in der Bischofskonferenz verankert werden. Künftig soll es auch einen Expertenrat geben, der unabhängig agiert und die Arbeit der Bischofskonferenz mit Blick auf Aufarbeitung und Verhinderung von sexuellem Missbrauch und von Gewalterfahrungen kritisch begleiten soll.

Bischof Stefan Ackermann (l) übergibt die Aufgabe des „Missbrauchsbeauftragten“ an Bischof Helmut Dieser (M), Erzbischof Stefan Burger (r) wird dessen Stellvertreter. (Quelle: Erbacher)
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Kommt Bewegung in die festgefahrene Situation innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz? Bei der Vollversammlung des Synodalen Wegs Anfang September wurde deutlich, wie groß der Graben zwischen Reformern und den Gegnern von Veränderungen ist. Bischof Stefan Oster von Passau sprach gar im Nachgang zu dem Treffen davon, dass unter den Bischöfen viele Positionen „kaum mehr versöhnbar“ erscheinen. Der Konferenzvorsitzende Bischof Georg Bätzing antwortete ihm heute mit der Feststellung, dass jeder sich fragen müsse, wo er sich auf den anderen zu bewegen könne. „Immer nur ‚Nein‘ stimmen, ist sicher nicht der richtige Weg“, so der Limburger Bischof. Dass sich die gegensätzlichen Positionen aufeinander zu bewegen, scheint unwahrscheinlich. Die vier Tage von Fulda bieten die Chance. Papst Franziskus vergab heute übrigens eine große Chance, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Statt an die Spitze des neuen Dikasteriums für Kultur und Bildung Laien zu berufen, besetzte er die Position eins mit einem Kardinal und die Position zwei ebenfalls mit einem Kleriker.

Die Bischöfe wurden vor dem Tagungsort von Anhängern der Bewegung Maria 1.0 empfangen. (Quelle: Erbacher)
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Mit einem eindringlichen Appell zum Dialog hat Papst Franziskus am Ende seiner 38. Auslandsreise die Religionen zu mehr Zusammenarbeit aufgefordert. „Es gibt zu viel Hass und Spaltung, zu viel Mangel an Dialog und Verständnis für den Anderen“, so der Pontifex. „Wir können nicht so weitermachen, gleichzeitig verbunden und getrennt, vernetzt und zerrissen durch zu viel Ungleichheit.“ Zentrale Punkte für eine friedliche Zukunft der Menschheit sind für ihn: mehr Gerechtigkeit, mehr Macht für Frauen und mehr Bildung für junge Menschen. Der interreligiöse Dialog sei heute nicht mehr eine Möglichkeit, sondern er sei „ein dringender und unersetzlicher Dienst an der Menschheit“. In seiner Rede warb er einmal mehr für Religionsfreiheit und eine „gesunde Verbindung“ zwischen Politik und Religion, die beide Bereiche weder vermischt noch völlig trennt.

Es wirkt wie eine große Vollversammlung der Religionen – der Saal im Palast der Unabhängigkeit in Nur Sultan. (Quelle: VaticanMedia)
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