Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog

Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Papst hat keine Dubia

Etwas heimlich, aber doch deutlich hat Franziskus Zweifel an einem zentralen Punkt seines Apostolischen Schreibens Amoris laetitia ausgeräumt. Wie findige Kollegen jetzt herausgefunden haben, hat der Papst im „Päpstlichen Amtsblatt“ eine Handlungsempfehlung der Bischöfe der Seelsorgeregion Buenos Aires vom September 2016 veröffentlichen lassen, zusammen mit seinem Lobesbrief für das Schreiben der Bischöfe und dem Hinweis, dass dies nun als „authentisches Lehramt“ gelte. Indirekt ist das eine Antwort auf eine der Anfragen der Dubia-Kardinäle. Dass Franziskus den Vorgang mehr oder weniger heimlich in den „Acta Apostolicae Sedes“ (AAS) versteckt, ist allerdings seltsam. Es sei denn, er möchte damit signalisieren, dass es eigentlich keine Dubia gibt, er es aber sozusagen fürs Protokoll nur noch einmal festgehalten haben möchte, wie vor allem die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene geregelt werden soll.

Bei der Generalaudienz heute Morgen richtete Papst Franziskus einen „dringenden Appell“ an alle, den Status quo der Stadt Jerusalem und die Resolutionen der Vereinten Nationen zu respektieren. Das war eine klare Absage an die Pläne von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. (Quelle: ap)

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Papst in Asien – die Pressekonferenz

Wie immer endet eine Auslandsreise von Papst Franziskus nicht mit dem Abflug im Gastland, sondern mit der „fliegenden Pressekonferenz“ auf dem Rückweg nach Rom. Gestern Abend nahm er sich eine gute Stunde Zeit, um die Fragen der rund 70 mitreisenden Journalisten zu beantworten. Wie schon während der knapp einwöchigen Reise waren die „Rohingya“ da bestimmende Thema. Franziskus wiederholte aber auch den Wunsch, nach China reisen zu können sowie seine scharfe Kritik am Besitz von Atomwaffen. Durch eine geschickte Regie von Seiten des Papstes, und einer Journalistenschar, die sich vom Papst hat lenken lassen, vermied Franziskus Fragen zu anderen Themen als der Reise.

Papst Franziskus hat viele aufmerksame Zuhörer. Unter anderem rechts im Gang der vatikanische Sicherheitschef Domenico Giani, den der Papst beim Treffen mit den Rohingya scharf zurechtgewiesen hatte, und den vatikanische Innenminister, Erzbischof Giovanni Angelo Becciu (daneben im weißen Talar), der sich vielleicht etwas sorgt, was Franziskus wohl erzählen wird. Neben dem Papst links sein Pressesprecher Greg Burke und rechts der Reisemarschall, der aus Kolumbien stammende Vatikandiplomat Mauricio Rueda Beltz. (Quelle: Erbacher)

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Papst in Asien – Tag 6

Jede Software braucht ein Update! Das war die Botschaft von Papst Franziskus an die Jugendlichen in Bangladesch. „Es ist, als hätte er uns eine Software eingesetzt, die uns hilft, sein göttliches Programm zu erkennen und in Freiheit darauf zu antworten“, erklärte Franziskus. Das Update funktioniere, indem die Jugendlichen auf Gott hörten und seinen Willen annähmen. Franziskus warnte vor falschen Glücksversprechungen und mahnte die Jugendlichen „mit Offenheit und Akzeptanz denen zu begegnen, die anders handeln und denken als wir.“ Am Morgen hatte er bei einem Treffen mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen davor gewarnt, schlecht über andere zu sprechen. „Hütet eure Zunge“, rief er ihnen mehrere Male zu. Viele Gemeinschaften litten unter Geschwätz, weil das wie eine Bombe wirke. Zuvor besuchte Franziskus ein Haus der Mutter Teresa-Schwestern. Die kümmern sich um Obdachlose, Kranke und Menschen mit Behinderung. Es war ein Termin ohne große Worte. Franziskus ging allein durch die Räume, wo Kranke auf ihren Betten lagen, und grüßte sie einzeln. Anschließend traf er noch mit rund 200 Waisenkindern zusammen. Das waren die einzigen Termine mit sozialem Akzent während der ganzen knapp einwöchigen Reise.

Papst Franziskus sprach beim beim Treffen mit den Priestern, Ordensleuten und Seminaristen heute frei – auf Spanisch. Ein Mitarbeiter des Vatikanischen Staatssekretariats übersetzte ins Englische. (Quelle: Erbacher)

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Der Papst in Asien – Tag 5

Und er sagt es doch. Am fünften Tag seiner Reise hat Papst Franziskus eine Gruppe von 16 Rohingya-Flüchtlingen getroffen. Er bat sie um Vergebung und nannte zum ersten Mal die muslimische Minderheit beim Namen. Anlass war ein interreligiöses Friedensgebet in Dhaka am Freitagnachmittag. Zuvor hatte er die Vertreter der verschiedenen Religionen aufgerufen, „die Andersheit nicht als Bedrohung, sondern als mögliche Quelle der Bereicherung und des Wachstums“ zu verstehen. Kirchlich wie gesellschaftlich setzt Franziskus auf die kreative Kraft der Verschiedenheit. Schon den Bischöfen Bangladeschs hatte er bei einer Begegnung am Mittag ins Stammbuch geschrieben: „Bemüht euch unablässig, Brücken zu bauen und den Dialog zu fördern; das erleichtert nicht nur die Verständigung zwischen verschiedenen religiösen Gruppen, sondern weckt auch neu die geistlichen Kräfte, die für die Aufbauarbeit des Landes in Einheit, Gerechtigkeit und Frieden nötig sind.“

 

Am Ende sprach der Imam ein Dankgebet. Papst Franziskus mit den Vertretern der Rohingyas. (Quelle: ap)

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Der Papst in Asien – Tag 4

Zum Abschluss seines Besuchs in Myanmar hat Papst Franziskus sich heute mit den Jugendlichen des Landes getroffen. Er forderte sie auf, selbstbewusst als Christen zu leben und sich angesichts von Ungerechtigkeit, Armut und Elend nicht entmutigen zu lassen. „Ihr seid eine gute Botschaft“, rief er ihnen zu und zwar für die Kirche und Myanmar. Das Land brauche ihren Einsatz für Menschenrechte, für Gerechtigkeit „und für das Wachstum dessen, was Jesus schenkt: Liebe und Frieden“. Das war der Seelsorger Franziskus, der die Jugendlichen, die angesichts von mangelnder Arbeit und Zukunftsperspektiven, versuchte aufzubauen, der ihnen sagt: „Ihr seid wichtig und der Papst zählt auf euch!“ Bei seiner Ankunft in Bangladesch war er dann wieder ganz Politiker. Eindringlich forderte er Religionsfreiheit ein. Er erinnerte an den ersten Präsidenten des Landes, Scheich Mujibur Rahmann, und die Verfassung: „Sie hatten eine moderne, pluralistische und inklusive Gesellschaft vor Augen, in der jeder Mensch und jede Gemeinschaft in Freiheit, Frieden und Sicherheit leben kann und in der die angeborene Würde und die Gleichheit der Rechte aller respektiert werden.“ Zugleich würdigte er den Einsatz Bangladeschs für die Rohingya und forderte internationale Unterstützung in der Sache für das Land.

Papst Franziskus mit dem Präsidenten Bangladeschs Abdul Hamid. (Quelle: Erbacher)

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Papst in Myanmar – Tag 3

Wenn Buddha für den Papst zum Wegweiser wird, dann geht es wohl um den interreligiösen Dialog. Am Nachmittag traf Franziskus die obersten Vertreter des Buddhismus im Land. Zweiter Schwerpunkt am dritten Tag in Myanmar war die Ermutigung der Katholiken, die in schwierigen Umständen ihren Glauben leben. Selbst gegenüber den Bischöfen war Franziskus heut weitaus weniger mahnend als sonst bei diesen Treffen und zeigte sich als Hirte, der seine Brüder stärken will. Wie schon in den letzten Tagen zogen sich die Gedanken der „Einheit in Verschiedenheit“, des konstruktiven Beitrags der Katholiken für die Gesellschaft sowie der Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit durch die Begegnungen des Tages.

Religionen müssen sich für den Frieden einsetzen. (Quelle: Erbacher)

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Papst in Myanmar – Tag 2

Papst Franziskus ist mit einer deutlichen, aber freundlichen Botschaft in den offiziellen Teil seines Besuchs in Myanmar gestartet. Er rief dazu auf, „Konflikte durch Dialog zu lösen und nicht im Rückgriff auf Gewalt“. Beim Treffen mit Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Diplomatischem Korps betonte er: „Die Zukunft Myanmars muss der Friede sein – ein Friede, der sich auf die Achtung der Würde und der Rechte eines jeden Mitglieds der Gesellschaft gründet, auf die Achtung jeder ethnischen Gruppe und ihrer Identität, auf die Achtung des Rechtsstaates und einer demokratischen Ordnung, die es dem Einzelnen und jeder Gruppe – niemand ausgeschlossen – erlaubt, seinen legitimen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten.“ Den im Land umstrittenen Begriff Rohinyga verwendete er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nicht. Aber er wurde nicht müde zu betonen, dass „jeder“ Rechte habe und „die Achtung der Rechte aller zu garantieren [sei], die dieses Land als ihr Zuhause ansehen“. Doch den Anwesenden war klar, wen Franziskus meinte. Auch als er mahnte, dass der Friede nur durch „Gerechtigkeit und die Achtung der Menschenrechte“ vorankommen werde. Menschenrechtsaktivisten werden von der diplomatischen Sprache des Papstes enttäuscht sein.

Die Religionen können entscheidend zum Frieden beitragen, sind die Teilnehmer des interreligiösen Treffens am Morgen in Rangun überzeugt. (Quelle: Osservatore Romano)

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Papst in Myanmar – Tag 1

Rom, Sonntagabend 21.45h – ein kalter Nordwind weht über den Flughafen Fiumicino, als Papst Franziskus das Flugzeug besteigt. Zehn Stunden später erwarten ihn 32 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent bei seiner Ankunft in Rangun, der ehemaligen Hauptstadt. Am Flughafen gab es heute nur einen kleinen Empfang. Erstmals legt Papst Franziskus bei einer Reise eine Pause zur Akklimatisierung ein. Eigentlich waren 24 Stunden vorgesehen. Doch der Erzbischof von Rangun, Kardinal Charles Maung Bo, war vor wenigen Tagen eigens in den Vatikan gereist, um Franziskus zu einer interreligiösen Begegnung zu überreden. Die findet jetzt am Dienstagmorgen statt. Am Montagabend kam schon überraschend der Oberbefehlshaber der Armee, General Min Aung Hlaing, im Erzbischöflichen Palais vorbei. So wurde die Pause für den Papst immer kürzer. Der wirkte am Sonntagabend bei der Begegnung mit den Journalisten entspannt, obwohl ihm eine der schwersten Auslandsreisen seines Pontifikats bevorsteht. Die politische Situation in Myanmar und Bangladesch ist schwierig. Dazu der Konflikt um die Rohingyas, die zu Zehntausenden von Myanmar ins Nachbarland fliehen. Mit Spannung wird erwartet, wie sich Franziskus positionieren wird.

Papst Franziskus ist in Rangun angekommen. (Quelle: Erbacher)

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Was wünscht die Jugend?

Authentische Zeugen, nachhaltige und dauerhafte Gesprächspartner, einen Glauben und eine Liturgie, die lebensrelevant und alltagsnah sind und konkrete Veränderungen auch in dogmatischen Fragen. Das ist es kurz und knapp, was Jugendliche in Deutschland von der katholischen Kirche wünschen. So sieht das zumindest die Deutsche Bischofskonferenz. Sie hat jetzt ihre Antworten veröffentlicht, die sie an das Synodensekretariat nach Rom schicken wird. Das hatte im Vorfeld der Jugendsynode nicht nur eine weltweite Online-Umfrage gestartet, sondern den Bischofskonferenzen einen Fragebogen geschickt. Ein knappes Jahr dauert es noch bis zur Synode im Oktober 2018. Der Vatikan ringt noch darum, wie die Jugendlichen an der Synode beteiligt werden können. Denn, nomen est omen, dort haben die Bischöfe das sagen. Im März 2018 soll es daher ein vorsynodales Treffen von Jugendlichen aus der ganzen Welt geben. An der Online-Umfrage haben laut Vatikan bisher mehr als 100.000 Jugendliche und junge Erwachsene teilgenommen.

Mehrere hunderttausend Jugendliche kommen zu den katholischen Weltjugendtagen – wie hier 2016 in Krakau. Doch was erwarten die jungen Menschen von der Kirche, die nicht dorthin kommen? Auch darüber will Papst Franziskus bei der Jugendsynode im Oktober 2018 sprechen. (Quelle: dpa)

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Was bleibt vom Reformationsgedenken?

Kirche, Eucharistie und Amt – diese drei Themen wollen Lutheraner und Katholiken als nächstes anpacken. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung des Vatikans und des Lutherischen Weltbundes hervor, die heute zum Abschluss des 500-Jahr-Gedenkens des Beginns der Reformation veröffentlicht wurde. Das Jahr begann mit großen Hoffnungen und endete mit vielleicht ebenso großer Ernüchterung. Zwar hat sich das Klima zwischen Katholiken und Evangelischen weiter verbessert. In der Substanz ist man in den vergangenen zwölf Monaten nicht vorangekommen. Aber immerhin: die Chemie stimmt, und das darf bei einem Dialog nicht unterschätzt werden. Und bis vor wenigen Jahren war noch undenkbar, was jetzt in der gemeinsamen Erklärung von Lutherischem Weltbund und Vatikan steht. Man empfinde „tiefe Dankbarkeit für die spirituellen und theologischen Gaben, die uns die Reformation geschenkt hat“. Dass Luther heute gar eine Briefmarke der Vatikanpost ziert, hätte sich der Reformator vor 500 Jahren wohl auch nicht träumen lassen. Es ist ein Zeichen dafür, dass in den vergangenen 50 Jahren viel erreicht wurde. Das wird in der Erklärung auch gewürdigt. Doch für viele Gläubige ist das zu wenig.

Ökumenisches Zeichen der Vatikanpost: Links und rechts neben dem Kreuz knien Martin Luther mit der Bibel und Philipp Melanchthon, der die von ihm verfasste Confessio Augustana (Augsburger Bekenntnis) in den Händen hält. Das Bild stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist über dem Thesenportal der Schlosskirche in Wittenberg zu sehen, die man Hintergrund erkennen kann. (Quelle: Vatikan)

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