Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog

Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Der Papst ein Häretiker?

Eine Gruppe von 62 Katholiken hat dem Papst am Wochenende öffentlich vorgeworfen, in seinem Schreiben Amoris laetitia Häresien zu verbreiten. Zusammen mit dem Papst sieht sie die Kardinäle, Bischöfe und Gläubigen auf dem falschen Weg, die sich die irrigen Positionen von Franziskus zu eigen machten. Sie sähe sich daher gezwungen, gegenüber Franziskus „eine Zurechtweisung auszusprechen“. Im Grunde führt die kleine Gruppe konservativer Katholiken das fort, was die vier Dubia-Kardinäle bereits formuliert hatten. Während die Kardinäle allerdings den Papst zur Klarstellung aufforderten, geht das Grüppchen nun einen Schritt weiter und schickt dem Papst gleich eine Zurechtweisung. Sie soll ihm im August zugegangen sein. Weil es, wie schon bei den Dubia-Kardinälen, offensichtlich keine Antwort gab, sind sie jetzt an die Öffentlichkeit gegangen. Den Weg hat am Wochenende auch der im Juni überraschend zurückgetretene oberste Wirtschaftsprüfer des Vatikans, Libero Milone, gesucht. In mehreren Medien sprach er von Intrigen und Widerständen im Vatikan, die das Werk von Papst Franziskus zu sabotieren suchten. Diese Kräfte hätten letztendlich zu seinem Rücktritt geführt. Der Vatikan reagierte ungewöhnlich scharf. Nicht nur, dass man sein Befremden über die öffentlichen Aussagen Milones zum Ausdruck brachte, obwohl man doch Stillschweigen über die Gründe vereinbart habe. In einer Erklärung wurden auch Gründe für den „Vertrauensverlust“ genannt, der zum Rücktritt Milones geführt habe. Neben einer Straftat, die der Wirtschaftsfachmann begangen habe, lastet ihm der Vatikan an, „illegal“ eine externe Firma mit „investigativen Ermittlungen über das Privatleben von Vertretern des Heiligen Stuhls“ beauftragt zu haben. Milone wies die Vorwürfe zurück.

Papst Franziskus – nahe bei den Menschen, aber weit weg von den konservativen Hardlinern – am Freitag beim Besuch eines Zentrums für junge Menschen mit Behinderung? (Quelle: L’Osservatore Romano)

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Papst gesteht Fehler ein

Es ist schon ein ungewöhnlicher Vorgang, der sich gestern beim Treffen von Papst Franziskus mit der Päpstlichen Kinderschutzkommission ereignete. Vielleicht sind es weniger die Ereignisse beim Treffen selbst als das „vatikanische Nachspiel“ dazu. Der Vatikan verteilte den vorbereiteten Text, den Franziskus so auch gehalten hat. Doch die Einleitung, die Franziskus frei sprach, wurde bisher nicht veröffentlicht. Allerdings hatten es diese Worte durchaus in sich; auch wenn die Vatikanzeitung Osservatore Romano versucht, sie herunterzuspielen, und schreibt, der Papst habe lediglich „einige Überlegungen ohne Manuskript“ vorgetragen. Ein paar Punkte dieser „Überlegungen“ hatte Radio Vatikan gestern im Anschluss an das Treffen bereits veröffentlicht – etwa dass die katholische Kirche „recht spät“ auf das Problem des Kindesmissbrauchs reagiert habe und dass die Gewissen „geschlafen“ hätten. Was Radio Vatikan nicht berichtete, dafür heute aber der „Avvenire“, die Tageszeitung der italienischen Bischofskonferenz: Franziskus gestand einen Fehler ein im Umgang mit einem Priester, der des Missbrauchs überführt worden war. Am Ende der Rede habe der Papst die Teilnehmer um Vertraulichkeit gebeten. Warum dann gerade die Zeitung der Italienischen Bischofskonferenz die frei gehaltenen Passagen ausführlich zitiert, wird wohl immer ein Rätsel bleiben.

Papst Franziskus beim Treffen mit der Päpstlichen Kinderschutzkommission gestern im Vatikan. (Quelle: reuters)

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Papst bekräftigt „Null-Toleranz“ bei Missbrauch

Papst Franziskus hat heute noch einmal bekräftigt, dass in der katholischen Kirche weiterhin die „Null-Toleranz-Politik“ beim Thema Missbrauch gilt. Er nutzte das Treffen mit der Päpstlichen Kinderschutzkommission, um deutlich zu machen, dass es ihm bei diesem Thema ernst ist. Allerdings gestand er auch ein, dass es einen Personalengpass in der zuständigen Glaubenskongregation gebe. Man versuche neue Mitarbeiter zu finden, damit die Fälle abgearbeitet werden können, so Franziskus gegenüber den Mitgliedern der Kommission. Er ermutigte die Kommission, noch enger mit der Glaubenskongregation und der Kongregation für die Evangelisierung der Völker zusammen zu arbeiten. Vor allem im Verhältnis zwischen Kinderschutzkommission und Glaubenskongregation hatte es in der Vergangenheit wiederholt Schwierigkeiten gegeben. Die Kommission hatte vorgeschlagen, auch Bischöfe und Ordensobere zu belangen, wenn sie Missbrauch vertuscht oder die Aufklärung verschleppt haben. Doch bei der konkreten Umsetzung dieses Anliegens kam es zum Streit.

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Religionen für den Frieden

5000 Vertreter unterschiedlicher Religionen aus der ganzen Welt haben sich Anfang der Woche in Münster und Osnabrück zu einem internationalen und interreligiösen Friedenstreffen versammelt. Es stand in der Tradition des Friedensgebets von Assisi, zu dem 1986 Papst Johannes Paul II. erstmals Religionsvertreter eingeladen hatte. Seitdem organisiert die römische Basisgemeinschaft Sant’Egidio jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt ein solches Treffen. Dieses Jahr waren es ausnahmsweise zwei Städte: Münster und Osnabrück. „Nie darf man sich an das Übel gewöhnen, nie darf man ihm gegenüber gleichgültig sein“, mahnte Papst Franziskus in seiner Botschaft an die Teilnehmer und betonte: „Die Religionen können nichts anderes als Frieden wollen; sie sind tätig im Gebet, sie sind bereit, sich über die Wunden des Lebens und über die Unterdrückten der Geschichte zu beugen, und sie sind wachsam, der Gleichgültigkeit entgegenzuwirken und Wege der Gemeinschaft zu fördern.“ Zum Abschluss der dreitägigen Veranstaltung unterzeichneten Vertreter der verschiedenen Religionen eine gemeinsame Verpflichtung zum Einsatz für den Frieden. Darin heißt es unter anderem: „Die Begegnung und der Dialog entwaffnen und halten die Gewalttäter auf. Denn wir wissen, dass der Krieg niemals heilig ist und dass jene, die im Namen Gottes töten, weder im Namen einer Religion noch im Namen der Menschen handeln. Voller Überzeugung sagen wir Nein zum Terrorismus.“

Der Abschluss des internationalen Friedenstreffens der Religionen in Osnabrück. (Quelle: Bistum Osnabrück/Hermann Pentermann)

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Papst Franziskus in Kolumbien – die Pressekonferenz

Der Klimawandel, der Friedensprozess in Kolumbien, die Krise in Venezuela, Migration und die Entscheidung von US-Präsident Trump, das Dreamers-Programm abzuschaffen, waren Themen bei der fliegenden Pressekonferenz auf dem Rückweg von Cartagena nach Rom. Mit 38 Minuten war sie ungewöhnlich kurz für einen Flug von über 10 Stunden. Offiziell wurde das mit Turbulenzen begründet; doch die waren nicht wirklich stark gewesen. Franziskus wirkte nach einem langen Tag in der schwülheißen Karibikmetropole Cartagena doch etwas müde. Dazu kam sein kleiner Unfall am Morgen, bei dem er sich ein geschwollenes Jochbein und eine kleine Wunde an der linken Augenbraue zugezogen hatte. „Ich habe mich umgedreht, um die Kinder zu grüßen, und – bumm…“ So schilderte Franziskus lachend den Vorfall. Das Papamobil bremste bei der Fahrt durch die Menschenmassen in Cartagena plötzlich ab und Franziskus schlug gegen einen Pfosten des Glasverdecks. Aus seinem Umfeld war später zu hören, man sei froh, dass der kleine Zwischenfall so glimpflich verlaufen sei und es dem Papst gut gehe. Mit Blick auf seinen Besuch in Kolumbien brachte Franziskus bei der Pressekonferenz seine Hoffnung zum Ausdruck, dass nun der zweite Schritt getan werde. Das Motto der Reise war „Machen wir den ersten Schritt“ – gemeint war in Richtung Versöhnung. Ausdrücklich würdigte der Papst den jüngsten Waffenstillstand, den die Regierung und die ELN-Rebellen wenige Tage vor dem Papstbesuch vereinbart hatten.

Der Papstflieger in den Nationalfarben Kolumbiens beim Abschied von Papst Franziskus am Sonntagabend in Cartagena. (Quelle: Erbacher)

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Papst Franziskus in Kolumbien – Tag 5

Angeschlagen kehrt Papst Franziskus von seiner 20. Auslandsreise nach Rom zurück. Bei einem plötzlichen Abbremsen des Papamobils in Cartagena schlug er mit dem Kopf gegen einen Stützholm des Glasdaches und zog sich Verletzungen am Jochbein und der Augenbraue zu. Der Vatikan erklärte gleich, alles sei in Ordnung. Franziskus nahm den Vorfall mit Humor. „Ich habe mich selbst geschlagen“, scherzte er später gegenüber Journalisten. Inhaltlich setzte der Papst noch einmal starke Akzente zum Abschluss seines fünftägigen Besuchs in Kolumbien. Dabei schlug er auch kritische Töne gegenüber der Kirche in Bezug auf die Gewalt im Land an; ohne allerdings allzu deutlich zu werden. In Cartagena, der Stadt, in der im 17. Jahrhundert der heilige Pedro Claver wirkte, der Patron der Menschenrechte, prangerte er einmal mehr Ausbeutung und Drogenhandel an, die Zerstörung der natürlichen Ressourcen und moderne Sklaverei, den illegalen Geldhandel und Finanzspekulationen. Am Ende seiner Reise forderte er die Kolumbianer auf, zu „Sklaven des Friedens“ zu werden. Cartagena war einst der größte Umschlagplatz für Sklaven auf dem Kontinent.

Papst Franziskus auf dem Weg zur Kirche, in der Pedro Claver begraben liegt. (Quelle: Erbacher)

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Papst Franziskus in Kolumbien – Tag 4

Medellín, das ist der Ort, der wie vielleicht kein zweiter weltweit für den Drogenhandel steht. Medellín ist aber auch die Stadt, in der 1968 die zweite Vollversammlung des Rats der Bischofskonferenzen Lateinamerikas und der Karibik stattfand. Hier wurde das Fundament für die Befreiungstheologie mitgelegt. Also verwundert es nicht, dass am vierten Tag des Papstbesuchs in Kolumbien in Medellín die Kirche im Mittelpunkt stand. Zum Thema Drogen hatte sich Franziskus bereits in den vergangenen Tagen geäußert. Am Vormittag beim Gottesdienst mit rund einer Million Gläubigen mahnte der Papst, die Kirche dürfe nicht zu statisch sein, sondern müsse sich erneuern: „Wie Jesus die Gesetzeslehrer ‚aufrüttelte‘, damit sie aus ihrer Verhärtung herausfänden, so wird jetzt auch die Kirche vom Geist ‚geschüttelt‘, damit sie ihre Bequemlichkeit und ihre Anhänglichkeiten loslasse.“ Am Nachmittag ermutigte er die Priester, Ordensleuten und Seminaristen, mit einer „ansteckenden Freude“ für die Menschen die ersten Zeugen die „Nähe und die Liebe Gottes“ zu sein. Bei der Begegnung kritisierte Franziskus die Machenschaften der Drogenkartelle scharf, die die Jugendlichen missbrauchten. Das Thema Jugend beschäftigt Franziskus in diesen Tagen immer wieder. Mehrfach kam er auf das besondere Engagement von Jugendlichen im Ehrenamt zu sprechen. Für ihn ist es ein Beispiel dafür, dass die junge Generation bereit ist, sich zu engagieren. Umso mehr zeigte er sich heute betroffen vom Schicksal vieler Jugendlichen, die Gewalt erleiden. Gerade in Medellín müsse er daran denken. „Mir kommen viele junge Leben in den Sinn, die zerbrochen, weggeworfen und zerstört sind.“ Er lade alle ein, daran zu denken. Zugleich bat er um „Vergebung für diejenigen, die die Illusionen so vieler Menschen zerstörten“. Er bitte Gott, deren Herzen zu bekehren.

Jeden Abend trifft Papst Franziskus vor der Nuntiatur kleine Gruppen. (Quelle: Osservatore Romano)

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Papst Franziskus in Kolumbien – Tag 3

Es dürfte der Höhepunkt der Reise von Papst Franziskus nach Kolumbien gewesen sein: das Gebet für die nationale Versöhnung. Es war auch einer der emotionalsten Momente. Mit vier Zeugnissen bekam der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt im Rahmen der Reise konkrete Gesichter. Der Papst machte deutlich, dass für ihn Versöhnung nicht bedeutet, „Unterschiede und Konflikte zu verkennen oder zu verschleiern“. Für ihn sind Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit die zentralen Säulen für das Gelingen des Friedensprozesses. Er machte damit deutlich, dass der Frieden einen hohen Preis fordert. Die Täter müssen zu ihren Taten stehen, bereuen und zur Wiedergutmachung bereit sein. Die Opfer müssen den schweren Schritt gehen, die „verständliche Versuchung zur Rache“ zu überwinden. Franziskus vermeidet jegliche Form der Schuldzuweisung, denn Täter gibt es auf vielen Seiten.

Im Zentrum der großen Bühne beim Gebet für Versöhnung stand ein Kreuz. (Quelle: Erbacher)

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Papst Franziskus in Kolumbien – Tag 2

Ermutigung und Ermahnung haben den zweiten Tag von Papst Franziskus in Kolumbien gekennzeichnet. Er ließ keine Gelegenheit aus, für Frieden und Versöhnung zu werben. Er forderte zu einer „Kultur der Begegnung“ auf, die aus seiner Sicht dem konfliktgeplagten Land in eine friedliche Zukunft helfen kann. Vor allem die jungen Menschen ermutigte er, das Schicksal des Landes in ihre Hände zu nehmen. „Ich bin sicher, dass in euch das notwendige Potential steckt, um das Land aufzubauen, von dem wir immer geträumt haben“, rief er den Jugendlichen zu. Bei seinen Treffen mit den Bischöfen Kolumbiens und Vertretern des CELAM, des Bischofsrats von Lateinamerika und der Karibik, hatte Franziskus viel Mahnendes im Gepäck. Er warnte vor „Sakralfunktionären“ und forderte dazu auf, sich „Tag für Tag auf die Arbeit im Feld einzulassen, wo das Volk Gottes lebt“, anstatt sich „durch die klimatisierte Luft der Büros, durch die Statistiken und die abstrakte Strategie lähmen zu lassen“. Die kolumbianischen Bischöfe forderte er auf, sich dezidiert hinter den Friedensprozess zu stellen. Die Bischöfe, wie schon am Morgen die Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft, rief er auf, sich „der Wurzel aller sozialen Übel“ und Konflikte anzunehmen: der Ungleichverteilung der Einkünfte sowie der Armut. Immer wieder mahnte Franziskus den Schutz des Lebens an sowie den Einsatz für die Familien.

Präsident Santos und Papst Franziskus entzünden ein „Ewiges Licht“ des Friedens. (Quelle: Erbacher)

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Papst Franziskus in Kolumbien – Tag 1

„Diese Reise ist etwas speziell“, mit diesen Worten hat Papst Franziskus am Morgen kurz nach dem Start in Rom die 70 mitreisenden Journalisten begrüßt. Er wolle mit seinem Besuch „Kolumbien helfen, dass es auf dem Weg des Friedens vorangehen kann“. Und weil der Weg nach Bogota über Venezuela führt, forderte der Pontifex zum Gebet für das krisengeschüttelte Land auf, damit es „eine gute Stabilität“ finde und ein „Dialog mit allen“ möglich werde. Weitere Reden gab es am ersten Tag der Reise nicht. Die Ankunft in Bogota fand mit einer kurzen Begrüßungszeremonie ohne Ansprachen statt. Für Franziskus waren die ersten Stunden in Kolumbien dennoch anstrengend. Nach dem mehr als 12-stündigen Flug hatte er eine 15 Kilometer lange Strecke bis zur Päpstlichen Nuntiatur zu bewältigen – im offenen Papamobil. Die Straßen säumten hunderttausende Menschen. Wegen des Hurrikans Irma konnte der Papstflieger nicht die geplante direkte Route über Porto Rico und die Antillen nehmen, sondern musste das Unwettergebiet südlich umfliegen.

Zur Begrüßung gab es auch Folklore. Franziskus wurde von Präsident Santos und dessen Gattin begrüßt. (Quelle: Erbacher)

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