Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog

Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Zwischen Zweckoptimismus und echter Hoffnung

Missbrauch, Synodaler Weg, neue Leitlinien zur Jugendpastoral und die Ungewissheit, was passiert in Köln und wie sieht der Neuanfang von Erzbischof Heße in Hamburg aus. Das war die Herbstvollversammlung 2021 der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Dazu kamen jede Menge Personalentscheidungen, die einen Generationenwechsel manifestieren. Der Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, fand zum Auftakt deutlich Worte. Es brauche mehr als „bloß etwas Anpassung und Fortschreibung“ beim Synodalen Weg. Er sprach davon, „wie erbarmungslos sündhafte Strukturen in der Kirche Menschen mitsamt ihrem Glauben verletzten und an Gottes Liebe Zweifeln lassen“. Am Ende der viertägigen Beratungen in Fulda bleibt offensichtlich die Gewissheit, dass weiter alle Bischöfe beim Synodalen Weg mitmachen. Die Hoffnung von Betroffenen sexualisierter Gewalt, das neue Entschädigungsverfahren könne noch einmal grundlegend überarbeitet werden, hat sich nicht erfüllt. Hier wollen die Bischöfe mit etwas Anpassung den eingeschlagenen Weg weitergehen.

Einmal mehr haben Frauen für gleiche Rechte in der katholischen Kirche demonstriert. (Quelle: Erbacher)

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Mahnung aus Rom: Denkt an die Einheit!

Ende nächster Woche findet die 2. Vollversammlung des Synodalen Wegs statt. „Es geht auf den Endspurt zu“, sagte am Montag Bischof Georg Bätzing zum Auftakt der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. In den kommenden vier Tagen beraten die Bischöfe auch über den Reformprozess. Steigen nächste Woche die ersten Bischöfe aus? Was passiert dann? Ein solches Szenario steht zwar nicht offiziell auf der Tagesordnung, wird aber in den Fluren durchaus diskutiert. Daneben geht es auch um die umstrittene Praxis der Entschädigungszahlung für Opfer sexualisierter Gewalt in der Kirche. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung liest sich auf dem Papier zwar langweilig, doch in der Praxis sind damit Richtungsentscheidungen verbunden: die Wahl der Kommissionen der Bischofskonferenz und ihrer Vorsitzenden.

Die Bischöfe tagen pandemiebedingt im Fuldaer Schloss. (Quelle: Erbacher)

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Papst fordert „prophetische Kirche“ und bekräftigt: „Abtreibung ist Mord“

Öffnet die Tür, verlasst das Haus und seid eine prophetische Kirche. Das war die Botschaft von Papst Franziskus an die Gläubigen zum Abschluss seines Besuchs in der Slowakei. Zu dem Gottesdienst im Marienwallfahrtsort Sastin kamen mehrere zehntausend Menschen, weit weniger als ursprünglich erwartet. Bei der fliegenden Pressekonferenz bekräftigte er sein Nein zur Homo-Ehe. Abtreibung bezeichnete er erneut als Mord. Allerdings warnte er davor, die Abtreibungsfrage zu politisieren. Hier gehe es um eine theologische und eine pastorale Frage.

Papst Franziskus beim Gottesdienst in Sastin. (Quelle: Erbacher)

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Erzbischof Heße darf weitermachen

Papst Franziskus hat entschieden: nach Kardinal Reinhard Marx soll auch Erzbischof Heße im Amt bleiben. Die Untersuchungen zu den Vorgängen im Erzbistum Köln hätten zwar „persönliche Verfahrensfehler festgestellt“, doch seien diese nicht mit der Absicht begangen worden, Fälle sexuellen Missbrauchs zu vertuschen. Das geht aus einer Erklärung der Apostolischen Nuntiatur hervor, die die Bischofskonferenz heute veröffentlichte. Heße erklärte in einem Brief an die Gläubigen des Erzbistums, es werde nun „um einen Neu-Anfang gehen müssen“. Wie dieser aussehen wird, will er mit Gremien und Einzelpersonen beraten. Zum Erzbistum Köln gibt es nach wie vor keine Entscheidung. Möglich aber, dass es auch hier vor der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in der kommenden Woche noch eine Antwort aus Rom gibt.

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Papst in Slowakei: Von der Verschlossenheit zur Integration

Es war sicherlich einer der Höhepunkt der 34. Auslandsreise von Papst Franziskus: die Begegnung mit Roma in einem sozialen Brennpunktviertel von Košice, im Osten der Slowakei. „Keiner halte euch oder jemand anders von der Kirche fern!“ rief er den Anwesenden zu. Integration sei „ein organischer, langsamer und vitaler Prozess, der mit dem gegenseitigen Kennenlernen beginnt, mit Geduld fortschreitet und die Zukunft im Auge behält“. Am Morgen hatte Franziskus bei einem Gottesdienst zum Fest Kreuzerhöhung, das am 14. September gefeiert wird, davor gewarnt, das Kreuz als politisches Symbol zu missbrauchen. „Denn das Kreuz ist nicht als Fahne gedacht, die es zu hissen gilt, sondern als reine Quelle für eine neue Lebensweise“, erklärte er vor mehreren zehntausend Gläubigen. Am Abend versuchte sich der Papst bei einem Treffen mit Jugendlichen als Ratgeber zu Liebe und Partnerschaft.

Papst Franziskus bei der Ankunft im Viertel der Roma, Lunik IX. (Quelle: Erbacher)

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Papst wirbt für solidarisches Europa

Papst Franziskus ist im „Herzen Europas“ angekommen. So formulierte er es heute Morgen in Bratislava beim Treffen mit Vertretern aus Politik, Diplomatie und Gesellschaft. Seine Botschaft gilt daher auch dem ganzen Kontinent. Die Stichworte bleiben dabei: Geschwisterlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit. Wahrer Reichtum bestehe „nicht so sehr in der Vermehrung dessen, was man hat“, sondern „im gerechten Teilen mit den Menschen in unserem Umfeld“. Beim Treffen mit den Bischöfen, Priestern und Ordensleuten der Slowakei forderte er einmal mehr ein Umdenken: weg von starren Strukturen und Machtgehabe, hin zu den Menschen mit ihren Sorgen und Nöten. Dabei ging er am Nachmittag mit gutem Beispiel voran und besuchte eine kirchliche Sozialeinrichtung für Obdachlose und Menschen mit Behinderung. Bei einer bewegenden Feier gedachte Franziskus gemeinsam mit Vertretern des Judentums der Opfer des Holocausts und verurteilte erneut scharf jede Form des Antisemitismus.

Zum Auftakt führte Papst Franziskus heute politische Gespräche – unter anderem mit der slowakischen Präsidentin Zuzuna Caputova. (Quelle: Erbacher)

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Papst über Freiheit, Einheit und Geschwisterlichkeit

„Wir reisen wieder und das ist sehr wichtig.“ Mit diesen Worten beim Treffen mit den Journalisten startete Papst Franziskus am Sonntagmorgen in seine 34. Auslandsreise. Ungarn und die Slowakei sind die Länder 53 und 54, die er in seinem Pontifikat besucht. Beides keine leichten Ziele für den Pontifex, denn so richtig willkommen, scheint er in den Ländern nicht. Im Falle Ungarns konnte im Vorfeld ein diplomatischer Eklat gerade noch verhindert werden, wenn sich auch Ministerpräsident Orbán eine indirekte Spitze nicht verkneifen konnte. Der Jubel blieb in Budapest trotz offiziell 100.000 Teilnehmern beim Abschlussgottesdienst des Eucharistischen Weltkongresses verhalten. In Bratislava säumten dann am späten Nachmittag immerhin hunderte Menschen den Weg des Papstes vom Flughafen in die Stadt. Franziskus bleibt sich trotz des Gegenwinds treu, wirbt für eine geschwisterliche Gesellschaft, für eine positive Sicht der Freiheit und die Einheit unter den Christen.

Papst Franziskus bei der Ankunft in Budapest am Morgen. Es ist vermutlich die letzte Papstreise mit Alitalia nach 57 Jahren. Denn Mitte Oktober wird die Fluglinie aufgelöst. (Quelle: Erbacher)

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Papst zu Marx: Mach weiter!

Die Entscheidung kam überraschend schnell. Papst Franziskus nimmt das Rücktrittsangebot von Kardinal Reinhard Marx nicht an. Der Münchner Erzbischof wurde heute, wie viele andere auch, von der Post aus Rom überrascht. Dass das Kirchenoberhaupt so rasch Klarheit schafft, war nicht zu erwarten. Marx muss sich nun erst einmal sortieren, machte aber gleich deutlich, dass es ein „weiter so“ wie vor seinem Rücktrittsangebot nicht geben kann. Die Reformer sind durch die Entscheidung des Papstes gestärkt. Für Marx bedeutet das Votum, dass er sich im Amt den Ergebnissen der Untersuchungen zu seinem Handeln in Missbrauchsfällen als Bischof in Trier und Erzbischof von München und Freising stellen muss. Nachvollziehbar ist, dass Betroffene sexualisierter Gewalt enttäuscht sind von dem Vorgehen des Papstes, weil er mit der Annahme des Rücktritts ein klares Signal hätte setzen können, dass Verantwortung übernehmen für die Institution auch wirklich Konsequenzen hat.

Kardinal Marx nimmt die Entscheidung des Papstes „im Gehorsam“ an. Was es konkret bedeutet, müsse sich erst noch zeigen. (Quelle: dpa)

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Der Paukenschlag des Kardinal Marx

Für einen Moment haben viele Katholiken an diesem Freitag den Atem angehalten. Kardinal Reinhard Marx bietet Papst Franziskus seinen Rücktritt an. Er will Verantwortung übernehmen für die Fehler im System und das Handeln seiner Vorgänger, die Missbrauch und Vertuschung ermöglicht haben. Zugleich äußert er die Sorge, dass notwendige Reformen nicht angegangen werden. Die Entscheidung von Marx hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Denn Marx ist einer der engsten Berater des Papstes. Je nachdem wie Franziskus entscheidet, wirft das auch ein Licht auf das Kirchenoberhaupt und seinen Kurs mit Blick auf Missbrauchsaufarbeitung und Reformen selbst.

Großes Medieninteresse bei der Erklärung von Kardinal Reinhard Marx am Nachmittag in München. (Quelle: dpa)

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Köln: Der Papst lässt prüfen

Gab es Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln? Wer hat sie zu verantworten und welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen? Darum geht es bei der Apostolischen Visitation, die Papst Franziskus jetzt angeordnet hat. Am Ende stellt sich aber auch die Frage, ob Kardinal Rainer Maria Woelki weiter Erzbischof von Köln bleiben kann. Das Vertrauen vieler Gläubigen in den Oberhirten ist tief erschüttert. Auch aus dem Klerus kommen immer mehr Forderungen nach einem Rücktritt. Selbst wenn er am Ende der Untersuchungen entlastet wird, stellt sich die Frage nach seiner Zukunft. Dass der Vatikan nicht abschließend handelt auf der Grundlage eines Rechtsgutachtens, wie es Mitte März veröffentlicht wurde, war klar. Damit ist die offizielle Visitation jetzt die logische Konsequenz nach den Monaten der Kölner Wirren.

Gläubige zeigen Kardinal Woelki bei seinem Besuch in einer Gemeinde in Düsseldorf am Donnerstagabend die Rote Karte. (Quelle: dpa)

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