Die katholische Kirche hat fünf neue Kardinäle. Papst Franziskus nahm heute Nachmittag fünf Bischöfe in den Senat der Kirche auf. Dabei mahnte er die neuen Purpurträger, ihre Aufgabe sei es, so wie Jesus und mit ihm zu dienen. Es gehe darum, die Wirklichkeit wahrzunehmen und sich nicht durch „andere Sichtweisen ablenken zu lassen“. Die kurze Predigt des Papstes zeigte einmal mehr, dass für Franziskus der Dienst an Gott durch den Dienst am notleidenden Menschen passiert. Die Wirklichkeit seien die Unschuldigen, „die aufgrund von Kriegen und Terrorismus leiden und sterben“; sei die Sklaverei, „die nicht aufhört, die Würde des Menschen auch im Zeitalter der Menschenreche zu leugnen“; die Wirklichkeit sei jene der Flüchtlingslager, „die zuweilen mehr einer Hölle als einem Fegefeuer ähneln“; die Wirklichkeit sei „die systematische Entsorgung all dessen, was nicht mehr gebraucht wird, und seien es Menschen“. Bischöfe, die in solchen Situationen ihre Stimme erheben oder deren Gläubige, und sei die Herde auch noch so klein, in solchen Situationen leben, werden unter Franziskus zu Kardinälen erhoben. Das Kardinalat wird in erster Linie zur moralischen Unterstützung. Franziskus scheint weniger den Aspekt des Beratens im Blick zu haben. Mit den fünf neuen verschieben sich die Stimmenverhältnisse erneut, wenn auch nur gering, weiter in Richtung der südlichen Halbkugel.

(Quelle: ap)
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Dieser Papst hat noch eine Mission. Das machte er heute bei einem Gottesdienst aus Anlass seines 25-jährigen Bischofsjubiläums deutlich. Dazu hatten sich die in Rom anwesenden Kardinäle in der Cappella Paolina im Apostolischen Palast versammelt. Dabei wehrte er sich gegen den Vorwurf, die Kirche sei eine „Greisenherrschaft“. Wer das sage spotte und wisse nicht, wovon er rede. Die Kardinäle seien keine Greise, sondern Großväter, zu denen die Enkel aufblickten. „Wir müssen ihnen mit unserer Erfahrung einen Sinn des Lebens vermitteln.“ Die Kardinäle sollten sich daher nicht melancholisch in sich selbst verschließen, sondern offen sein, der Jugend das zu geben. „Wir sind gerufen, zu träumen und der Jugend von heute unseren Traum weiterzugeben: Sie brauchen das“, zeigte sich Franziskus überzeugt. Es klang ein bisschen so wie vor wenigen Tagen bei der Begegnung des Papstes mit Priestern. Da rief er den älteren unter ihnen zu: „Einmal Priester, immer Priester!“. Ein Priester kenne keinen Ruhestand.

Der Ton macht die Musik. Das musste Jorge Mario Bergoglio schmerzlich lernen. Auch als Papst trifft er nicht immer den richtigen Ton, sagen seine Kritiker. (Quelle: reuters)
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Papst Franziskus hat den am Freitag verstorbenen langjährigen Bundeskanzler Helmut Kohl als „großen Staatsmann und überzeugten Europäer gewürdigt“. Er habe „mit Weitblick und Hingabe für das Wohl der Menschen in Deutschland und der europäischen Nachbarn gearbeitet“. Mit dem Tod Helmut Kohls gehe eine Ära zu Ende, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. „Die Kirche in Deutschland ist dankbar für das christliche Zeugnis von Helmut Kohl. Wo die Werte einer freiheitlichen Gesellschaft mit den Füßen getreten wurden – wo auch immer auf der Welt -, da setzte er sich für die Beachtung dieser Werte ein“, unterstrich Marx. Der Katholik Helmut Kohl war ein Mann der Ökumene. Seine erste Ehefrau, Hannelore, war evangelisch. Daher war es ihm zeitlebens ein Anliegen, das Miteinander der christlichen Kirchen zu fördern. Kohl baute auf eine aktive Mitgestaltung der Kirchen in der Gesellschaft. Umgekehrt fanden Kirchenvertreter bei dem Politiker ein offenes Ohr für ihre Anliegen. Stark persönlich war sein Engagement für den Speyrer Dom begründet. Bis zu seinem Tod war er der Chef der „Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer“, die er selbst gründete. In den Kriegsjahren fand Helmut Kohl in dem romanischen Gotteshaus Schutz vor Fliegerangriffen. Später, als Kanzler, führte der Pfälzer viele Staatsgäste durch die Kirche. Das Gotteshaus war für ihn Symbol der Einheit Europas.

Papst Johannes Paul II. empfängt im Oktober 1998 den scheidenden Bundeskanzler Helmut Kohl. (Quelle: dpa)
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Es passt nicht so recht ins Bild des lieben und freundlichen Franziskus, was sich da seit Ende vergangener Woche abspielt. In einem beispiellosen Akt verlangt der Papst Gehorsam vom Klerus der nigerianischen Diözese Ahiara. Die rund 70 Priester des Bistums sowie viele Laien verweigern seit mehreren Jahren die Anerkennung des noch von Papst Benedikt XVI. ernannten Bischofs für ihr Bistum, Peter Ebere Okpaleke. Der 54-Jährige musste außerhalb seines Bistums geweiht werden und konnte bisher nicht von diesem Besitz ergreifen. Franziskus forderte die Priester des Bistums nun auf, binnen 30 Tagen in einem Brief, den sie das Kirchenoberhaupt persönlich richten müssen, um Vergebung für das bisherige Verhalten zu bitten sowie die Entscheidung seines Vorgängers anzuerkennen. Wer das Schreiben nicht in der geforderten Frist schicke, werde suspendiert.
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Es wäre zu schön gewesen, wenn der Papst hätte etwas bewegen können! Doch auch sein Gespräch mit Donald Trump konnte den US-Präsidenten nicht umstimmen. Wie schon im Wahlkampf angekündigt, werden sich die USA vom Pariser-Umweltabkommen verabschieden. Ein Vertrauter des Papstes, der Leiter der Päpstlichen Sozialakademie Erzbischof Marcelo Sanchez-Sorondo, hatte gestern bereits erklärt, ein Ausstieg der USA aus dem Klimaschutzabkommen wäre „auch eine große Schmach“ für den Vatikan. Nun ist Franziskus nicht nachtragend, dennoch wird sich diese Entscheidung auf die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und der US-Regierung negativ auswirken. Es ist ein weiteres Feld, auf dem beide Seiten unterschiedliche Positionen vertreten – zusätzlich zu Fragen der Sozialpolitik, der Migration und der Bildung. Für Papst Franziskus ist Lebensschutz mehr als die Frage: „Wie hältst Du’s beim Thema Abtreibung?“ Die Übereinstimmung in dieser Frage mit Donald Trump wird nicht ausreichen als Basis für ein gutes Miteinander, auch wenn Franziskus immer wieder von dem kleinen offenen Spalt in der Tür spricht, der Ausgangspunkt für die Suche nach weiteren Gemeinsamkeiten sein soll. Die US-Bischofskonferenz kritisierte den Präsidenten scharf: „Präsident Trumps Entscheidung wird den Menschen in den Vereinigten Staaten und der Welt Schaden zufügen, insbesondere den ärmsten, schutzbedürftigsten Gemeinden.“

Papst Franziskus ließ die Entscheidung von Präsident Trump heute zunächst unkommentiert. Er traf sich mit Kindern und Jugendlichen und beantwortete deren Fragen.(Quelle: reuters)
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30 Minuten dürften nicht reichen, um die vielen Meinungsverschiedenheiten zwischen Papst Franziskus und US-Präsident Donald Trump zu klären. Doch ein Anfang ist gemacht. Zu Beginn der Audienz wirkten beide noch sichtlich angespannt. Am Ende lachte zumindest der Papst viel. Er werde seine Worte nicht vergessen, versicherte Präsident Trump dem Pontifex. Der hatte ihm zuvor viel Lektüre mit auf den Weg gegeben: seine Botschaft zum Katholischen Weltfriedenstag 2017, sowie seine drei großen Lehrschreiben Evangelii gaudium, Laudato si und Amoris laetitia. Vor allem die Umweltenzyklika dürfte für Trump keine leichte Kost sein. Gehen hier die Positionen von Papst und Präsident doch weit auseinander. Wie schon bei anderen Politikeraudienzen schenkte Franziskus zudem ein Medaillon mit einem Olivenbaum und machte damit deutlich, was er von Trumps Politik erwartet. „Ein Symbol des Friedens“, so der Papst zum Präsidenten. „Frieden können wir brauchen“, entgegnete der und revanchierte sich mit mehreren Büchern von Martin Luther King. Der Papst hatte eine klare Botschaft für den mächtigsten Mann der Welt. Die Audienz hat gezeigt, auch wenn hier zwei Welten aufeinandertrafen, Brücken sind möglich und der Pontifex ist gewillt, sie zu bauen. Und weil Franziskus Twitter beinahe so sehr liebt wie sein heutiger Gast, hatte er gestern bereits die Losung des Tages ausgegeben: „Im Dialog kann man eine geteilte Zukunft planen. Durch den Dialog bauen wir den Frieden und tragen füreinander Sorge.“

US-Präsident Trump nach der Audienz: „Er hat etwas. Er ist wirklich gut. Wir hatten ein fantastisches Treffen und eine fantastische Tour, es war wunderschön. (…) Es war eine Ehre, mit dem Papst zusammen zu sein.“ (Foto: reuters)
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Es ist dem Papst einmal mehr eine Überraschung gelungen. Mit der Ankündigung, Ende Juni fünf neue Kardinäle ins Kardinalskollegium aufzunehmen, hatte niemand gerechnet. Bei der Auswahl blieb Franziskus seinem Prinzip treu: Er geht an die Ränder mit je einem Kardinal aus Mali, Laos, Schweden und El Salvador. Lediglich den Erzbischof von Barcelona, Juan José Omella, kann man zu den „Must“ zählen. Mit Anders Arborelius, dem Bischof von Stockholm, wird sogar der erste Schwede überhaupt Kardinal, mit Gregorio Rosa Chávez aus San Salvador sogar ein Weihbischof. Neben der Prämisse, an die Ränder gehen zu wollen, zählt also stark die Person bei der Auswahl neuer Kardinäle. Mit dem Konsistorium am 28. Juni werden das Kardinalskollegium insgesamt, vor allem aber der Kreis der Papstwähler, internationaler und die Dominanz der Europäer nimmt weiter ab. Nach bisherigem Stand kommen dann von den 121 Papstwählern nur noch 53 vom Alten Kontinent. Bei der Wahl von Papst Franziskus im März 2013 waren es noch 60 von damals 115 anwesenden Wählern.

Und plötzlich stand der Papst im Wohnzimmer – Franziskus hatte am Freitag spontan einen Teil der traditionellen Wohnungssegnungen in der Hafenstadt Ostia bei Rom übernommen. (Quelle: ap)
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Die Audienz für US-Präsident Donald Trump, die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, die Vorgänge in Medjugorje und der Text, in dem Franziskus eine Anspielung auf das Dritte Geheimnis von Fatima machte, waren Themen bei der Pressekonferenz auf dem Weg von Fatima nach Rom am Samstagabend. Franziskus nahm sich eine Stunde Zeit für die mitreisenden Journalisten. Am Ende musste er von seinem Pressesprecher gezwungen werden, die PK zu beenden, damit das Kabinenpersonal noch einen kurzen Snack reichen konnte. Franziskus hatte sichtlich Spaß an der Beantwortung der Fragen und trotz intensiven Programms und einer kurzen Nacht schien er nicht müde.

Die fliegende Pressekonferenz ist gute Tradition bei Reisen von Papst Franziskus. Es gibt keine Tabus; doch nicht immer gibt es sehr konkrete Aussagen. (Quelle: Erbacher)
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Mit einem großen Gottesdienst hat Papst Franziskus seinen Kurzbesuch in Fatima beendet. Dabei sprach er zwei der drei Hirtenkinder, denen vor 100 Jahren Maria erschienen sein soll, heilig: die Geschwister Francesco und Jacinta Marto. Er ging auf die Erscheinungen ein und stellte mahnend fest: „Die jungfräuliche Mutter ist nicht hierher gekommen, damit wir sie sehen: Dafür werden wir die ganze Ewigkeit haben, wohlgemerkt wenn wir in den Himmel kommen“, erklärte der Papst. Vielmehr sei Maria immer Verweis auf Jesus. Aus den Ereignissen und Offenbarungen von damals gehe eine „Mobilisierung gegen die Gleichgültigkeit“ aus. „Wir wollen keine gescheiterte Hoffnung sein! Das Leben kann nur dank der Großzügigkeit eines anderen Lebens überleben“, zeigte sich Franziskus überzeugt. Die Begegnung mit Kranken am Ende des Gottesdienstes nutzte er für eine Botschaft der Hoffnung: „Haltet euch nicht nur für Empfänger einer wohltätigen Solidarität, sondern fühlt euch als vollberechtigte Teilnehmer am Leben und an der Mission der Kirche.“ Für die Kirche hatte er noch eine klare Botschaft. Es gehe darum, das „junge und schöne Gesicht der Kirche“ wiederzuentdecken, „das strahlt, wenn sie missionarisch, einladend, frei, treu, arm an Mitteln und reich an Liebe ist“.

Jacinta und Francesco Marto, zwei neue Heilige für die katholische Kirche. (Quelle: Erbacher)
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„Es ist eine besondere Reise, eine Reise des Gebets“, so Franziskus heute zum Auftakt gegenüber den mitreisenden Journalisten. Und damit liegt der Pontifex auch richtig. Seine 19. Auslandsreise wird weit weniger öffentliche Beachtung finden als sein Trip nach Kairo vor zwei Wochen. Es ist eine Reise, die keine großen Schlagzeilen produzieren wird; allerdings ist sie für den Papst wichtig. Man könnte vielleicht überspitzt formulieren: Während Franziskus mit seinen Reisen normalerweise anderen helfen will, geht es dieses Mal um ihn selbst. Jorge Mario Bergoglio hat eine ganze besondere Beziehung zu Maria. Einen Monat nach seiner Wahl weihte er am 13. Mai 2013 sein Pontifikat der Jungfrau von Fatima; er besuchte Aparecida, Guadelupe und ist jetzt in Fatima. Von den großen Marienwallfahrtsorten fehlt ihm eigentlich nur noch Lourdes. Und es ist zu hören, dass er gerne auch dorthin fahren möchte. Franziskus zieht viel Kraft aus diesem Besuch in Fatima und nebenbei bietet er ihm die Gelegenheit, sein Lieblingsthema auch marianisch zu verorten: die Barmherzigkeit Gottes.

Zehntausende erwarteten Papst Franziskus in Fatima. Morgen wird der Papst zwei der drei Hirtenkinder, denen vor 100 Jahren Maria erschienen sein soll, heiligsprechen (Quelle: Erbacher)
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