Der designierte US-Präsident Donald Trump hatte kaum sein erstes TV-Interview nach der Wahl gegeben, da bekam er auch schon eine Antwort von Papst Franziskus. Der nutzte eine Videobotschaft an die Vollversammlung der US-Bischofskonferenz, um eine klare Botschaft zu senden: Es sei die Zeit, Mauern einzureißen und Brücken zu bauen, lautete seine Aufforderung an die Bischöfe. Franziskus zeigte sich besorgt angesichts einer „wachsenden Polarisierung“ der amerikanischen Gesellschaft. Aufgabe der Kirche sei es, eine „Kultur der Begegnung“ zu fördern, „die Einzelne und Gruppen ermutige den Reichtum ihrer Traditionen und Erfahrungen zu teilen“. Zuwanderer hätten in der „reichen Vielfalt ihrer Sprachen und kulturellen Traditionen das sich ständig wandelnde Antlitz der amerikanischen Kirche geprägt“, so der Papst. Und was Franziskus über die Kirche sagt, gilt natürlich auch für die gesamte US-Gesellschaft.
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Wie ist das nun mit den wiederverheirateten Geschiedenen und dem Sakramentenempfang nach dem Papstschreiben „Amoris laetitia“? Das wollen vier Kardinäle von Papst Franziskus wissen. Sie haben ihm Mitte September einen Brief geschrieben mit fünf Fragen, auf die er nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten sollte. Angeblich seien durch das Papstschreiben „ernste Verunsicherung“ und „große Verwirrung“ unter den Gläubigen entstanden. Daher bitten die Kardinäle Franziskus, er möge „Klarheit schaffen“. Weil das Kirchenoberhaupt sich entschieden habe, „nicht zu antworten“, gehen sie nun an die Öffentlichkeit. In mehreren italienischen Online-Medien findet sich heute der Wortlaut des Briefs an den Papst sowie die Erläuterungen der vier Kardinäle zu ihren Fragen. Wenig überraschend ist, wer nach den veröffentlichen Texten die Unterzeichner sein sollen: die Kardinäle Walter Brandmüller, Raymond L. Burke, Carlo Caffarra und Joachim Meisner.

Papst Franziskus hat heute „la Mannschaft“ im Vatikan getroffen. Die deutschen Nationalspieler überreichten ihm ein Trikot mit allen Unterschriften sowie ein Tuch, das von Kinder und Jugendlichen im Haus „Manus“ für den Papst bemalt wurde. Das Kinderhaus wird von der Stiftung von DFB-Kapitän Manuel Neuer betrieben.(Quelle: dpa)
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Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat Papst Franziskus Menschenhandel und moderne Sklaverei scharf verurteilt. Er sprach am Montag erneut von einem „Verbrechen gegen die Menschheit“. Franziskus traf sich mit Ordensleuten, die in einem europäischen Netzwerk gegen Menschenhandel und Ausbeutung zusammenarbeiten und derzeit in Rom über ihre künftige Arbeit beraten. Als Hemmnis im Vorgehen gegen Menschenhandel bezeichnete der Papst „eine gewisse Gleichgültigkeit oder sogar Mittäterschaft“. Dahinter stünden mächtige Wirtschaftsinteressen und kriminelle Netzwerke. Während die Schwere und Reichweite von Menschenhandel und moderner Sklaverei inzwischen besser bekannt sei, gebe es noch immer große Defizite im öffentlichen Bewusstsein und bei der Zusammenarbeit der Regierungen, Justizbehörden und Gesetzgeber sowie Sozialeinrichtungen, so Franziskus. Um diese Zusammenarbeit zu verbessern, hatte sich vor wenigen Tagen im Vatikan die Santa Marta Group getroffen. Das ist ein Zusammenschluss von Polizeibehörden sowie Vertretern der katholischen Kirche und kirchlicher Hilfsorganisationen. Gegenüber der Santa Marta Group erklärte Franziskus, es brauche eine „tatkräftige, dauerhafte und konzertierte Anstrengung, um die Ursache dieses komplexen Phänomens zu beseitigen“ und zugleich den Opfern zu helfen.

Sie müssen nicht mehr unter unwürdigen Bedingungen arbeiten – Mitarbeiter einer Kooperative in Buenos Aires, die von „Padre Jorge“ bis heute unterstützt wird. (Quelle: Erbacher)
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Er hat es offen gelassen bei der fliegenden Pressekonferenz heute auf dem Rückweg von Malmö nach Rom. Auf meine Frage, ob er nach der aktuellen Reise zum Beginn des Reformationsgedenkens nach Lund auch in das Land kommen werde, wo vor 500 Jahren alles begann, sagte er: „Das Programm der Reisen im kommenden Jahr ist noch nicht fertig. Fast sicher ist, dass ich nach Bangladesch und Indien reise.“ Ausführlich äußerte sich Franziskus zum Thema Flüchtlinge. Er betonte, jedes Land müsse entscheiden, wie viele Flüchtlinge es aufnehmen und auch wirklich integrieren könne. Allerdings gab er zu bedenken: „Es ist nicht menschlich, die Türen zu verschließen. Es ist nicht menschlich, die Herzen zu verschließen.“ Auf Dauer zahle man dafür genauso politisch, wie man dafür zahle, wenn man „unvorsichtig“ sei und mehr empfange, als man integrieren kann. Ziemlich klar war seine Antwort bei der Frage nach einer möglichen Priesterweihe für Frauen entsprechend dem Vorbild der evangelischen Kirchen: Hier habe Johannes Paul II. ein klares Wort gesprochen, erklärte Franziskus. Er sieht keine Chance für eine Öffnung des Priesteramts für Frauen. Auf die Nachfrage der Kollegin, ob das für immer gelte, sagte Franziskus: „Wenn man die Erklärung von Johannes Paul II. [Ordinatio sacerdotalis] aufmerksam liest, geht das in diese Richtung.“

Papst Franziskus wirkte etwas müde bei der Pressekonferenz heute. Er kam oft ins Erzählen. Obwohl es nur sechs Fragen waren, dauerte die Pressekonferenz doch 40 Minuten. (Quelle Erbacher)
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Zum Abschluss seines Besuchs in Schweden hat Papst Franziskus noch einmal zum Einsatz für die Ökumene aufgerufen. Beim Gottesdienst in einem Fußballstadion in Malmö zählte er die Ökumene zu den wichtigsten Herausforderungen der Christen heute. Mit einer Übersetzung der Seligpreisungen, einer der zentralen Botschaften Jesu, ins Heute entwarf er einen „Personalausweis“ der Christen im 21. Jahrhundert. Er machte deutlich, wer Christ ist, muss „für die volle Einheit der Christen beten und arbeiten“. Daneben gehören der Einsatz für die „Ausgesonderten“ und den Umweltschutz ebenso zur Identität des Christen 2.0 wie die Verbreitung des Evangeliums, eine Haltung des Verzeihens gegenüber denen, die Böses tun, sowie der Verzicht auf den eigenen Wohlstand zum Wohl anderer. Ein Christentum, das so verstanden wird, könnte durchaus anschlussfähig sein an eine zutiefst säkularisierte Gesellschaft, wie sie in Schweden und anderen Ländern Skandinaviens vorzufinden ist. Ein Papst, der moralische Prinzipien mit dem Zeigefinger verkündete, würde sicher weniger Gehör finden.

Zum Abschluss seines Besuchs in Schweden feierte Papst Franziskus den Gottesdienst zu Allerheiligen in einem Fußballstadion in Malmö. (Quelle: Erbacher)
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Wer hätte sich das vor wenigen Jahren gedacht, dass Lutheraner und Katholiken gemeinsam in die 500-Jahr-Feier zum Gedenken an den Beginn der Reformation starten. Und dabei nicht irgendwo auf Gemeindeebene, sondern auf höchster Ebene. So geschehen heute im schwedischen Lund. Historisch waren vielleicht nicht die Worte, aber der Akt dürfte es wohl schon sein. Gerade einmal 50 Jahre ist es her, dass sich die katholische Kirche mit dem II. Vatikanischen Konzil für die Ökumene geöffnet hat und man überhaupt auf höchster Ebene im Gespräch ist. Zuvor herrschte 450 Jahre Funkstille, wenn nicht gar feindliches und blutiges Gegeneinander. Das Papsttum war vor 500 Jahren Stein des Anstoßes für Martin Luther. Heute luden die Lutheraner den Papst nach Lund ein, um das Reformationsgedenken gemeinsam zu beginnen. Gemeinsam sprechen Katholiken und Lutheraner in einer Erklärung von „tiefer Dankbarkeit […] für die geistlichen und theologischen Gaben, die wir durch die Reformation empfangen haben“. Wohlgemerkt: Unter diese Aussage setzte das Oberhaupt von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken heute seine Unterschrift in der Kathedrale von Lund.

Katholiken und Lutheraner wollen noch enger zusammenarbeiten. Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes Bischof Munib Younan nach der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung in der Kathedrale von Lund. (Quelle: dpa)
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Tragen die Kirchen in Deutschland eine besondere Verantwortung bei der Suche nach der Einheit der Christen? Diese Frage beantwortete heute der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ganz klar mit „Ja“. Er hoffe, dass die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Ende des Gedenkjahres nicht nur „einfache Fortschritte“ erzielt haben würden, sondern einen Beitrag „zu einer wirklichen und sichtbaren Einheit“ leisten könnten. Beim Gottesdienst zum Auftakt des Reformationsgedenkens in der evangelisch-lutherischen Christuskirche warnte Marx zugleich davor, den christlichen Glauben für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Die Instrumentalisierung und Ideologisierung des Glaubens nehme auch in Europa zu, warnte Marx. Die Rechtfertigungslehre bewahre gerade vor einer solchen Ideologisierung. „Gott lässt sich nicht instrumentalisieren.“

Die Christuskirche in Rom feiert 2017 ein Doppeljubiläum: 500 Jahre Reformation und 200 Jahre evangelische Gottesdienste in Rom. (Quelle: Erbacher)
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„Reform“ und „Schrift“, also die Bibel, sind die beiden Begriffe für Franziskus, wenn es darum geht, von der evangelischen Tradition zu lernen. Das sagte er in einem Interview für Jesuitenzeitschriften, das heute im Vorfeld der Reise nach Lund veröffentlicht wurde. Luther habe die Kirche reformieren wollen. Aus verschiedenen Gründen sei daraus eine Spaltung geworden und nicht ein „Prozess“ der Reform. Dabei betont Franziskus, dass sich die Kirche immer reformieren müsse. Etwas ernüchternd klingen die Worte des Papstes, wenn er über die theologische Diskussion in der Ökumene spricht. Nach der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, die 1999 von Katholiken und Lutheranern unterzeichnet wurde, werde es schwierig mit weiteren Fortschritten in der Ökumene, ist er überzeugt. Dennoch müsse der theologische Diskurs weitergehen, so Franziskus. Sein ökumenisches Credo lautet: „Reden, beten und gemeinsam arbeiten: Das ist der Weg, den wir gehen müssen.“ Mit Blick auf die ökumenische Begegnung in Lund hofft Franziskus, dass sie eine weitere Annäherung der beteiligten Kirchen bringt. Welche Akzente er dabei setzen will, verrät er nicht. So bleibt die Spannung, die der vatikanische Ökumeneminister Kardinal Kurt Koch in dieser Woche mit dem Hinweis aufgebaut hat, dass es durchaus eine Überraschung geben könne am Montag in Lund. Dann werden katholische Kirche und Lutherischer Weltbund gemeinsam das Gedenken zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation eröffnen.

Bereits zweimal hat Papst Franziskus die Erzbischöfin der Schwedischen Kirche und ehemalige Bischöfin von Lund, Antje Jackelén, im Vatikan getroffen. Am Montag wird sie ihn in Lund begrüßen. (Quelle: ap)
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Reist Papst Franziskus im nächsten Jahr in den Südsudan? Ausgeschlossen scheint das nicht. Gestern traf er sich mit Kirchenvertretern des Landes im Vatikan, darunter auch Vertreter protestantischer Freikirchen. Dabei soll er nach Aussage des katholischen Erzbischofs der Hauptstadt Juba, Paulino Lukudu Loro, gesagt haben: „Hört zu, ich bin mit euch, ich leide und lebe mit euch. Ich will den Südsudan besuchen.“ Die Äußerung passt gut zu den Worten von Franziskus auf dem Rückflug von Baku vor wenigen Wochen. Damals kündigte er für 2017 unter anderem Reisen nach Asien und Afrika an. Für Asien nannte er Bangladesch und Indien als Ziel. Bei Afrika nannte er noch keine Länder und erklärte, dass hänge vom Klima ab und „andererseits auch von der politischen Situation und von den Kriegen“. Mit seinem Besuch in der Zentralafrikanischen Republik im November 2015 hat Franziskus gezeigt, dass er Krisengebiete nicht meidet. So könnte es 2017 durchaus eine Reise nach Südsudan und Kongo geben. Bei der Vorstellung des dritten Welttreffens der Volksbewegungen, das nächste Woche in Rom stattfindet, erklärte heute Erzbischof Silvano Tomasi vom zuständigen Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden: „Der Papst möchte an die Ränder gehen; aber nicht, um diese dort zu belassen, sondern um sie ins Zentrum zu holen.“ Das darf man sicher auch auf die Reiseagenda übertragen. Franziskus möchte die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf vergessene Länder, Regionen und Konflikte lenken. Mit einem Besuch im Südsudan und Kongo könnte er das einmal mehr erreichen.

Papst Franziskus lässt sich nur schwer aufhalten – nicht durch Regen und auch nicht durch Kritiker, die in ihm einen Marxisten sehen. (Quelle: reuters)
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Papst Franziskus macht ernst mit seiner Ankündigung, dass er bei der Aufarbeitung der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien (1976-1983) mithelfen wolle. Nahezu in Rekordzeit wurden die Akten dazu jetzt organisiert und digitalisiert. Das teilte der Vatikan heute mit. In Kürze könnten Opfer und Familien von sogenannten „Verschwundenen“ oder damals Inhaftierten Akteneinsicht erhalten. Dabei handelt es sich um Akten in den Archiven des vatikanischen Staatssekretariats, der Nuntiatur in Buenos Aires und der Argentinischen Bischofskonferenz. Laut Vatikan gehe es bei dieser Arbeit um den „Dienst an der Wahrheit, an der Gerechtigkeit und dem Frieden“. Der Vorgang ist in doppelter Hinsicht wichtig: Zum einen könnte dadurch eventuell das Schicksal von Verschwundenen geklärt werden und es im besten Fall zu Familienzusammenführungen kommen. Zum anderen könnte Licht ins Dunkel kommen, was die Verbindung der katholischen Kirche zu den Militärs anbetrifft und auch die mögliche Verstrickung in deren Machenschaften. Der Ausgang der Forschung in den Archiven ist also völlig offen.

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro war gestern Abend überraschend zu einem privaten Treffen mit Papst Franziskus in den Vatikan gereist. Die katholische Kirche versucht im Konflikt zwischen Regierung und Opposition zu vermitteln. Franziskus sandte dazu eigens seinen Vertreter in Argentinien, Nuntius Erzbischof Emil Paul Tscherrig, nach Caracas. Der kündigte für Sonntag erste Gespräche an. Die Opposition ist allerdings noch zurückhaltend und zeigte sich nach Maduros Papstbesuch irritiert. (Quelle: dpa)
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