Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog

Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Franziskus und die moderne Sklaverei

„Menschen- und Organhandel, Zwangsarbeit und Prostitution sind moderne Formen der Sklaverei und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“ Das hat Papst Franziskus Mitte August 2016 in einem Tweet an seine weltweit 30 Millionen Follower geschrieben. Das katholische Kirchenoberhaupt belässt es aber nicht bei Worten. In seinem Auftrag veranstalten Vatikanbehörden internationale Konferenzen zum Thema und werden die Bischöfe sowie kirchliche Institutionen in der ganzen Welt zu konkretem Handeln angehalten. Wir haben das zum Anlass genommen für eine Dokumentation zum 80. Geburtstag von Papst Franziskus. Der Film zeigt Beispiele, wo Kirche sich für Opfer von Menschenhandel und moderner Sklaverei engagiert. Er geht der Frage nach, ob die politischen Aktivitäten des Vatikans konkrete Auswirkungen haben oder es sich dabei nur um „Schaufensteraktionen“ handelt. Der Film illustriert, wie das Engagement von Papst Franziskus in diesem Bereich seine ganze Biografie durchzieht.

Franziskus und der Menschenhandel

Sie gehören zu den zentralen Themen des Pontifikats von Papst Franziskus: der Menschenhandel und die moderne Sklaverei. Zu Beginn seines Pontifikats hat er dem Großkanzler der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, Erzbischof Marcelo Sánchez Sorondo, auf der Rückseite eines Briefumschlags den Auftrag erteilt, er solle sich künftig verstärkt um die Themen Menschenhandel, Organhandel und moderne Sklaverei kümmern. Seitdem hat Sánchez Sorondo mit seinen verschiedenen Einrichtungen eine ganze Reihe von Initiativen gestartet, um das Anliegen des Papstes in die Tat umzusetzen. Anfang Juni dieses Jahres kamen Staatsanwälte und Richter aus aller Welt in den Vatikan, um über einen effektiveren Kampf gegen die „Plagen“, so der Papst, des Menschenhandels, der Korruption und der modernen Sklaverei zu beraten. Bereits zum vierten Mal tagte Ende Oktober am Sitz der Sozialakademie die „Santa Marta Group“. Das ist ein Zusammenschluss von Polizeivertretern aus aller Welt mit Repräsentaten der katholischen Kirche und kirchlicher Hilfswerke. Mit dabei sind aus Deutschland zwei Vertreter des Bundeskriminalsamts sowie die Hilfsorganisation Solwodi. Was es mit der Santa Marta Group auf sich hat und warum Franziskus das Thema so wichtig ist, darum geht es in unserer Dokumentation „Schleuser, Schurken und der Papst. Franziskus und sein Kampf gegen Menschenhandel“ Sonntagabend um 0.20 Uhr im ZDF.

Schwester Lea Ackermann, die Gründerin der Frauenhilfsorganisation Solwodi, engagiert sich seit über 30 Jahren für Frauen in Not.

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Papst feiert Geburtstag

80 Jahre und kein bisschen müde. Das ist Papst Franziskus. Zu seinem Geburtstag heute gibt es keine großen Feierlichkeiten. Der Papst macht „Business as usual“. Es gibt viel zu tun für ihn, da bleibt keine Zeit für große Feierlichkeiten. An Rücktritt gar ist erst Recht nicht zu denken. Immer wieder wurde darüber spekuliert, Franziskus könnte zum 80. zurücktreten. Dass er zu Beginn seiner Amtszeit diese Perspektive vielleicht einmal hatte, ist durchaus möglich. Doch schon seit geraumer Zeit dürfte er gemerkt haben, dass seine Projekte noch Zeit brauchen, bis sie soweit implementiert sind, dass eine Umkehrung nur noch schwer möglich ist. Und solange seine Gesundheit mitspielt, sieht Franziskus keinen Grund für einen Rücktritt. Den hat er nie ausgeschlossen; hat ihn aber immer mit Verweis auf seinen Vorgänger Benedikt XVI. an die schwindenden Kräfte gebunden und nicht an ein Datum.

Die ersten Gratulanten waren am Morgen acht Obdachlose. Sie frühstückten zusammen mit Papst Franziskus im Gästehaus Santa Marta. (Quelle: L'Osservatore Romano)

Zu den ersten Gratulanten zählten am Morgen acht Obdachlose. Sie frühstückten vor dem Gottesdienst zusammen mit Papst Franziskus im Gästehaus Santa Marta. (Quelle: L’Osservatore Romano)

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Der Papst und die Stunde der Laien

Die Laien sind die Protagonisten der Kirche und der Welt. Die kirchliche Hierarchie ist dazu berufen, ihnen zu dienen und nicht, sich ihrer zu bedienen. So einfach klingt das, wenn Papst Franziskus seine Vorstellung der Kirche formuliert. Geschehen ist das bereits im März dieses Jahres in einem Brief an den Leiter der Päpstlichen Lateinamerikakommission, Kardinal Marc Ouellet. Das fünfseitige Papier blieb damals weitgehend unbeachtet. Doch bei der jüngsten Sitzung des Kardinalsrats K9, der den Papst bei seinen Reformen berät, wurde der Brief zu einer Art hermeneutischem Schlüssel bei der Klärung der Rolle der Laien in der Kirche. Und es lohnt sich, diesen Brief genau zu lesen und seine Konsequenzen für das kirchliche Handeln zu bedenken. Es ist ein weiterer Baustein im Projekt von Papst Franziskus, die Kirche vom Kopf auf die Füße zu stellen. Überspitzt formuliert stellt der Papst fest: Die Hierarchie ist letztendlich nur dazu da, den Laien Räume zu eröffnen, damit sie ihren Glauben in der Welt von heute leben können – und zwar gesellschaftsprägend. „Es ist nie der Hirte, der dem Laien sagt, was er tun oder sagen muss – sie wissen es genauso gut oder besser als wir“, so Franziskus. Allerdings gibt es einen Wehrmutstropfen!

Eine Torte für den Papst. Am Samstag feiert Franziskus seinen 80. Geburtstag. Bei der Generalaudienz gestern gab es schon erste Glückwünsche. (Quelle: reuters)

Eine Torte für den Papst. Am Samstag feiert Franziskus seinen 80. Geburtstag. Bei der Generalaudienz gestern gab es schon erste Glückwünsche. (Quelle: reuters)

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Franziskus und die synodale Kirche

Franziskus will nicht von oben nach unten durchregieren. Zumindest ist das nicht seine Idealvorstellung für die katholische Kirche. Das hat er jetzt noch einmal in einem Interview mit einer belgischen katholischen Wochenzeitung deutlich gemacht. „Es gibt eine Kirche in Form einer Pyramide, wo man das macht, was Petrus sagt, oder es gibt eine synodale Kirche, in der Petrus Petrus ist, der aber die Kirche begleitet, der sie wachsen lässt und sie hört“, so das katholische Kirchenoberhaupt. Als Beispiel nennt er die beiden letzten Synoden, um schließlich festzustellen: „Alles, was dort steht [in Amoris laetitia], wurde in der Synode von mehr als Zweidrittel der Synodenväter approbiert.“ Die Botschaft dieser Aussage ist klar. Und der nächste synodale Prozess wird zeigen, wie Franziskus die Idee der „synodalen Kirche“ vorantreiben wird. Es wurde bereits eine neue Umfrage zum Thema der nächsten Synode angekündigt, der wieder von den Ortskirchen beantwortet werden soll.

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Die Diskussion geht weiter

Amoris laetitia schlägt weiter hohe Wellen und das ist gut so. Selbst das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, Patriarch Bartholomaios, hat sich in die Diskussion um das Papstschreiben zu Ehe und Familie eingeschaltet. Jenseits der ganzen Diskussionen, ob Franziskus mit dem Dokument die Lehre weiterentwickelt oder verteidigt habe, rufe Amoris laetitia „vor allem die Barmherzigkeit und das Mitleiden Gottes und nicht nur die moralischen Normen und kirchenrechtlichen Regeln von Menschen“ ins Bewusstsein, so Bartholomaios am Wochenende in einem Gastbeitrag für die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“. Der Patriarch geht nicht auf einzelne Einwände oder Personen in der aktuellen Diskussion ein. Andere wurden da in den letzten Tagen deutlicher. Der Dekan der Römischen Rota, Pio Vito Pinto, sprach in einem Interview von einer „Ohrfeige“ der vier Kardinäle für den Papst. Mit Blick auf den deutschen Kardinal Joachim Meisner, der einer der vier Kardinäle ist, die den Papst zur Klarstellung einiger Fragen zu Amoris laetitia aufgefordert hatten, stellte Pinto fest, ein „großer Oberhirt“ habe „mit dieser Aktion einen Schatten auf seine Geschichte gelegt“.

Papst Franziskus und der Präsident von Uruguay, Tabare Vazquez. Der hatte im Vorfeld der Begegnung vergangene Woche angekündigt, er wolle Papst Franziskus bitten, durch die Öffnung der kirchlichen Archive bei der Aufarbeitung der Militärdiktatur in seinem Land mitzuhelfen. (Quelle: ap)

Papst Franziskus und der Präsident von Uruguay, Tabare Vazquez. Der hatte im Vorfeld der Begegnung am Freitag angekündigt, er wolle Papst Franziskus bitten, durch die Öffnung der kirchlichen Archive bei der Aufarbeitung der Militärdiktatur (1973-1985) in seinem Land mitzuhelfen. (Quelle: ap)

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Papst will „Kultur-Revolution“

Die Barmherzigkeit ist das „eigentliche Leben“ der Kirche. Das wollte Papst Franziskus mit dem Außerordentlichen Jahr der Barmherzigkeit deutlich machen. Nach dessen Ende soll damit aber nicht Schluss sein, sondern jetzt soll die Kirche in der Sache erst richtig durchstarten. Damit das gelingt, hat der Papst ein 15-seitiges Papier mit einigen Eckpunkten vorgelegt. Nur an wenigen Stellen wird er konkret. Entscheidend ist für ihn die Grundhaltung, die er für seine Kirche will und die dann jeder Gläubige sowie die Verantwortungsträger für sich durchbuchstabieren müssen. Kein Gesetz und keine Regel könnten letztendlich der Vergebung durch Gott und dessen Barmherzigkeit entgegenstehen, lautet die Grundmaxime. Wer nur beim Gesetz stehen bleibe, „vereitle“ den Glauben und das göttliche Erbarmen. Um das Schicksal von Millionen Menschen in Armut nicht aus dem Blick zu verlieren, führt Franziskus einen „Welttag der Armen“ ein, der künftig jedes Jahr am vorletzten Sonntag vor dem 1. Advent begangen werden soll. Das Kirchenoberhaupt fordert eine „wahre kulturelle Revolution“ hin zu einer „Kultur der Barmherzigkeit“. In einem TV-Interview zum Abschluss des Heiligen Jahres hatte er gestern Abend Hartherzigkeit als „eine der schlimmsten Krankheiten“ der Gegenwart bezeichnet.

Papst Franziskus unterschreibt "Misericordia et misera" am Ende des Gottesdienstes gestern auf dem Petersplatz. (Quelle: ap)

Papst Franziskus unterschreibt „Misericordia et misera“ am Ende des Gottesdienstes gestern auf dem Petersplatz. (Quelle: ap)

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Heiliges Jahr beendet

Die Tür ist zu und doch soll sie offen bleiben. Das ist die Botschaft des Papstes am heutigen Tag. Die Heilige Pforte des Petersdoms hat Franziskus geschlossen. Doch soll die Barmherzigkeit weiter das bestimmende Thema in der katholischen Kirche bleiben und auch gleichsam ihr Erkennungszeichen sein. „Bitten wir um die Gnade, nie die Türen der Versöhnung und der Vergebung zu verschließen, sondern stets über das Böse und die Divergenzen hinauszugehen und so jeden möglichen Weg der Hoffnung zu ermöglichen“, forderte das Kirchenoberhaupt beim feierlichen Gottesdienst zum Abschluss des Außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Zugleich warnte er vor Egoimus und forderte zu mehr Nächstenliebe auf. Zum Abschluss des Gottesdienstes unterzeichnete Franziskus das Apostolische Schreiben  „Misericordia et misera – Barmherzigkeit und die Erbarmenswerte“. Der Inhalt wird erst morgen im Vatikan vorgestellt. Das Papier soll laut vatikanischem Presseamt dazu beitragen, Perspektiven zum Thema Barmherzigkeit über das Heilige Jahr hinaus aufzuzeigen.

Mit der Schließung der Heiligen Pforte des Petersdoms hat Papst Franziskus das Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit beendet. (Quelle: reuters)

Mit der Schließung der Heiligen Pforte des Petersdoms hat Papst Franziskus das Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit beendet. (Quelle: reuters)

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Papst warnt vor Virus der Polarisierung

Papst Franziskus hat vor einer zunehmenden Polarisierung in Gesellschaft und Kirche gewarnt. „Wir erleben eine Zeit, in der in unseren Gesellschaften die Polarisierung und die Ausschließung als einzige Möglichkeit zur Lösung von Konflikten seuchenartig wieder aufleben“, sagte das Kirchenoberhaupt am Samstagvormittag beim Gottesdienst zur Kreierung neuer Kardinäle. Das „Virus der Polarisierung und der Feindschaft“ dringe in die Art zu denken, zu fühlen und zu handeln ein, so Franziskus. Dies gelte auch für „unsere Gemeinschaften, unsere Priesterkollegien, unsere Versammlungen“, betonte der Papst. Für Gott gebe es aber keine Feinde, so Franziskus. Die Menschen richteten Mauern auf und bauten Barrieren. Christen sollten Verschiedenheit nicht als Bedrohung, sondern als Reichtum sehen, forderte er. Bei seinem dritten Konsistorium nahm Franziskus 17 Bischöfe und Priester aus allen Kontinenten ins Kardinalskollegium auf. Er machte einen weiteren Schritt in Richtung Internationalisierung des „Senats der Kirche“. Kamen nach dem ersten Konsistorium von Papst Franziskus im Februar 2014 noch die Hälfte der in einem Konklave wahlberechtigten Kardinäle aus Europa, sind es jetzt nur noch 45 Prozent. Bis die Verhältnisse der tatsächlichen kontinentalen Verteilung der Katholiken entsprechen, wird es allerdings noch einige Jahre dauern.

17 neue Kardinäle wurden heute ins Kardinalskolegium aufgenommen. (Quelle: Erbacher)

17 neue Kardinäle wurden heute ins Kardinalskollegium aufgenommen. Für Deutschland gab es keinen neuen Kardinal. (Quelle: Erbacher)

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Papst: Nicht Schwarz oder Weiß

Und er hat doch geantwortet. Zumindest indirekt ist Papst Franziskus auf Einwände gegen sein Schreiben Amoris laetitia eingegangen. In einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „Avvenire“ sagte er am Freitag: „Einige – denken Sie an gewisse Entgegnungen zu ‚Amoris laetitia‚ – verstehen es weiter nicht.“ Es gebe nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern es müsse „im Fluss des Lebens unterschieden“ werden. Das habe das II. Vatikanische Konzil so gesagt. Dieses habe eine Akzentverschiebung des christlichen Verständnisses vorgenommen, so Franziskus, weg „von einem gewissen Legalismus, der auch ideologisch sein kann, hin auf die Person Gottes, der zur Barmherzigkeit wurde in der Menschwerdung des Sohnes“. Franziskus unterstreicht, dass er nichts Neues mache und wehrt sich gegen den Vorwurf, er „protestantisiere“ die katholische Kirche. „Das raubt mir nicht den Schlaf. Ich gehe auf dem Weg meiner Vorgänger weiter. Ich folge dem Konzil.“ Der Papst gibt allerdings zu bedenken, dass ein Konzil laut Historiker etwa hundert Jahre brauche, bis es eine Wirkung entfalte. „Wir sind bei der Hälfte“, so Franziskus. Damit dürfte klar sein, dass Franziskus nicht ein drittes Vatikanisches Konzil einberufen wird, worüber zum Ende des Heiligen Jahres einige Kollegen spekulieren, sondern dass er sich weiter für die Umsetzung des II. Vatikanums einsetzen wird.

Am Donnerstag hatte sich der Papst mit dem Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche , Mar Gewargis III. (l) getroffen. (Quelle: ap)

Am Donnerstag hatte sich der Papst mit dem Oberhaupt der assyrisch-orthodoxen Kirche, Gewargis III. (l) getroffen. Der schlug vor, der Papst möge alle Kirchenführer des Nahen Ostens zu einem ökumenischen Krisengipfel einladen. (Quelle: ap)

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