Papstgeflüster – Das Vatikan-Blog

Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan

Historisches im Vatikan

Gleich zweimal gab es in dieser Woche ein historisches Ereignis im Vatikan. Das eine sorgte für Schlagzeilen, das andere schaffte es nicht, große Aufmerksamkeit zu erzeugen. Heute haben zum ersten Mal seit 500 Jahren die Oberhäupter der katholischen und der anglikanischen Kirche gemeinsam gebetet. Papst Leo XIV. und König Charles III. nahmen an einem Gottesdienst in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan teil. Zuvor hatten sich die beiden bei einer Privataudienz getroffen. Es gab keine öffentlichen Reden beim Besuch des britischen Königspaars im Vatikan, dafür sprachen die Zeichen. Am Nachmittag wurde Charles Königlicher Konfrater in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern, Leo XIV. im Gegenzug Päpstlicher Mitbruder der Sankt-Georgs-Kapelle in Windsor Castle. Während der Besuch des britischen Königspaars im Fokus des Medieninteresses stand, nahm kaum jemand Notiz vom Treffen Papst Leos mit einer Gruppe von Betroffenen sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche. Dieses fand am Montag statt und wurde von den Teilnehmenden als historisch bezeichnet.

Historischer Gottesdienst in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. (Foto: AFP/VaticanMedia)

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Papst Leo XIV. und die Armut

Es ist ein klares Signal. Als Thema seines ersten großen Lehrschreibens hat Papst Leo XIV. die Armut gewählt, nicht ein theologisches Thema. Wobei bei genauer Lektüre des gut 50 Seiten umfassenden Dokuments mit dem Titel „Dilexi te – über die Liebe zu den Armen“ deutlich wird, dass es ein zutiefst biblisches Thema ist. Der Pontifex verortet die Pflicht zum Engagement für Arme und Ausgegrenzte sowie den Einsatz für eine Veränderung von Strukturen, die Armut, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit begünstigen, im Wirken Jesu. Damit wandelt er auf den Spuren seines Vorgängers und macht deutlich, dass die Fokussierung auf Armut und die damit verwandten Themen unter Franziskus keine Eintagsfliege war oder dessen Sonderinteresse. Leo zeigt auch, dass die Armut und ihre Bekämpfung immer Bestandteil kirchlichen Handelns und der katholischen Soziallehre war. Doch er sieht wie Franziskus die Notwendigkeit, diesen Punkt noch einmal radikal ins Bewusstsein zu rufen und ins Zentrum des Handelns der Kirche sowie jedes einzelnen Christenmenschen zu stellen.

Das Engagement für die Armen liegt im Evangelium begründet. Papst Leo XIV. heute bei einem Gottesdienst auf dem Petersplatz. (Foto: epa)

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