Papst fliegt ohne Delegation nach Rom zurück

Das gab es noch nie. Alles ist startklar für den Rückflug mit IB1477 von Teneriffa nach Rom. Doch dann startet der Flieger der spanischen Fluglinie Iberia nicht. Zunächst versuchte ein Techniker noch das Problem zu lösen. Doch am Ende blieb „Shephered One“ am Boden. Der Papst trat mit dem Flieger des spanischen Königs die Heimreise an und der größte Teil seiner Delegation sowie die rund 80 mitreisenden Journalisten blieben erst einmal auf der Ferieninsel zurück. Sie sollten später mit einem Ersatzflieger nach Rom gebracht werden.

Papst Leo XIV. beim Boarden für seinen Rückflug nach Rom. (Foto: Erbacher)

Panne bei Papstflieger

Alles schien wie üblich, als der Papst gegen 15 Uhr mit einer Stunde Verspätung in den Flieger stieg, eine A320 der spanischen Fluglinie Iberia. Am Morgen war Leo XIV., seine Delegation und die Journalisten mit dem Flugzeug von Cran Canaria nach Teneriffa gekommen. Da war offenbar alles noch in Ordnung. So auch zunächst am Nachmittag. Der Pilot begrüßte den Papst und die anderen Anwesenden und erklärte, dass es eine Ehre für Iberia sei, dass sie den Papst zurück nach Rom fliegen dürften. Doch dann geschah lange nichts. Offenbar gelang es dem Piloten nicht, den Flieger richtig zu starten. Er kündigte einen Techniker an, der das Problem lösen solle. Nach einer Weile kam der spanische König Felipe an Bord, der den Papst zuvor offiziell verabschiedet hatte, und ging mit dem Pontifex wieder ins VIP-Terminal.

Der Techniker konnte das Problem nicht wirklich lösen. Der Pilot erklärte der zurückgebliebenen Delegation und den Journalisten, der Experte habe empfohlen, den Flieger gegen den Wind zu stellen; vielleicht würde dann ein Start der Motoren gelingen. Doch auch das führte schließlich nicht zum Erfolg. Mittlerweile hatte der spanische König dem Papst seinen Flieger angeboten für die Rückkehr nach Rom. Leo nahm an und verabschiedete sich mit vier Stunden Verspätung von Teneriffa. Mit an Bord seine Sekretäre, der Kardinalstaatssekretär, der Außen- und der Innenminister sowie einige Sicherheitsleute. König Felipe blieb auf Teneriffa zurück und wartete wie der Rest der Delegation und die Journalisten auf neue Flugzeuge aus Madrid. Dass der Papst sich ohne Worte an die Journalisten einfach auf den Heimweg machte, kam nicht bei allen mitgereisten Kolleginnen und Kollegen gut an. Immerhin wurden sie um die traditionelle fliegende Pressekonferenz gebracht.

Bisher einmaliger Fall

Flugzeug-Pannen bei Papstreisen sind höchst selten. An einen Fall wie heute auf Teneriffa kann sich niemand erinnern, auch nicht die mexikanische Journalistin Valentina Alazraki, die schon Johannes Paul II. auf mehr als 100 Reisen begleitete und seitdem auf nahezu keiner Reise fehlt. 1988 musste Johannes Paul II. notgedrungen in Südafrika landen, weil der Pilot wegen eines Unwetters die Landung in Lesotho kurz vor dem Aufsetzen abbrechen musste. Eigentlich hatte Johannes Paul II. Südafrika wegen der Apartheid-Regierung extra gemieden. Doch da das Flugzeug nicht mehr viel Treibstoff hatte, blieb dem Piloten und damit auch dem Pontifex keine andere Wahl.

Zwei Jahre zuvor musste Johannes Paul II. beim Rückflug von Indien außerplanmäßig in Neapel landen, weil es in Rom schneite. Die letzte Etappe legten er und die Mitreisenden dann mit dem Zug zurück. Viel mehr wissen die Chronisten und Experten nicht zu berichten. Bei der ersten Auslandsreise von Leo XIV. Ende November vergangenen Jahres in die Türkei und den Libanon musste die italienischen Fluggesellschaft ITA ein Software-Update vornehmen, das Airbus für alle Flieger des Typs weltweit vorgegeben hatte. Doch dieses konnte innerhalb der Zeit realisiert werden, in der der Flieger ungenutzt auf dem Flughafen in Istanbul stand. So kam es zu keiner Verzögerung.

Ehre für Fluggesellschaften

Der Vatikan besitzt keine Flugzeuge. Bei Reisen in Italien nutzt der Papst meist einen Hubschrauber der Flugbereitschaft der italienischen Regierung, bei weiteren „Inlandsflügen“ auch schon einmal eine Learjet Italiens. Bei Auslandsreisen bringt die italienischen Fluggesellschaft ITA den Papst ins Gastland. Der Rückflug oder, wenn der Papst mehrere Länder besucht, die Transitflüge werden oft von Fluggesellschaften der Gastländer abgewickelt. Immer wieder kommt es aber auch vor, dass ITA die gesamte Reise covert. Für die Fluggesellschaften ist es meist ein Prestigeprojekt, den Papst zu befördern, nicht zuletzt weil es Werbung für die Unternehmen ist; vorausgesetzt es gibt keine Panne. Doch das ist die sehr große Ausnahme.

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Jürgen Erbacher

Seit August 2024 leite ich die ZDF-Redaktion "Religion und Leben", in der die Redaktion "Kirche und Leben katholisch", deren Leiter ich seit Juli 2018 war, aufgegangen ist. Für das ZDF arbeite ich seit 2005 und berichte über Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

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