Der Papst und der Segen
Segen oder nicht Segen für gleichgeschlechtliche Paare? Das ist schon seit vielen Jahren die Frage. In vielen Ländern gibt es Handreichungen für solche Segensfeiern, seit einiger Zeit auch in Deutschland als ein Ergebnis des Synodalen Wegs. Der Papst machte jetzt erneut deutlich, dass der Vatikan das nicht billigt. Zugleich betonte er aber auch , dass ein Dissens in dieser Frage nicht die Einheit in Frage stellt. Es lohnt daher, sich die Antwort des Papstes bei der fliegenden Pressekonferenz am Donnerstag genau anzuschauen.
Heiliger Stuhl gegen formalisierten Segen
Die deutschen Bischöfe haben im Anschluss an den Synodalen Weg eine Handreichung veröffentlicht, die Segensfeiern für „Paare, die sich lieben“ vorsieht. Nachdem diese in einigen Bistümern bereits von den Bischöfen zur Anwendung empfohlen wurde, hat jüngst auch der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, seinen Seelsorgern das Papier für die pastorale Arbeit empfohlen. Das sorgte für Aufsehen und die deutschsprachigen Journalisten auf dem Papstflieger wollten bei der fliegenden Pressekonferenz von Papst Leo XIV. wissen, wie er dazu steht.
Der Heilige Stuhl habe deutlich gemacht, „dass wir mit der formalisierten Segnung von Paaren nicht einverstanden sind – in diesem Fall von homosexuellen Paaren, wonach Sie gefragt haben, oder von Paaren in irregulären Situationen –, die über das hinausgeht, was Papst Franziskus, wenn man so will, ausdrücklich erlaubt hat, als er sagte, dass alle Menschen Segen empfangen“. Bereits in einem Interview im August vergangenen Jahres hatte Leo XIV. erklärt, dass die in einigen Ländern eingeführten kirchlichen Segensfeiern „eindeutig gegen das von Papst Franziskus genehmigte Dokument ‚Fiducia Supplicans‘“ verstießen.
Zeigt Leo Offenheit für Veränderung?
Bei der Pressekonferenz am Donnerstag erklärte er abschließend: „Heute darüber hinauszugehen, würde meiner Meinung nach mehr Uneinigkeit als Einheit stiften, und wir sollten nach Wegen suchen, unsere Einheit auf Jesus Christus und das, was Jesus Christus lehrt, zu gründen.“ „Heute“ scheint es für Papst Leo XIV. nicht angebracht, über das hinauszugehen, was Franziskus in ‚Fiducia supplicans‘ ermöglicht hat. Das hört sich nicht nach einem „Nein“ an, das für alle Ewigkeit gilt. So wurde das bisher von einem Papst nicht formuliert.
Auch bei der Einleitung zu seiner Antwort macht er eine interessante Einschränkung. „Zunächst einmal halte ich es für sehr wichtig zu verstehen, dass es bei der Einheit oder Spaltung der Kirche nicht um sexuelle Fragen gehen sollte“, erklärte Leo. Mit Blick auf die Moral würden viele bei der Kirche zwar immer an Sexualität denken. „Ich glaube aber, dass es in Wirklichkeit viel größere, wichtigere Themen gibt, wie Gerechtigkeit, Gleichheit, die Freiheit von Männern und Frauen, Religionsfreiheit – all das hätte Vorrang vor diesem speziellen Thema.“
Einheit trotz Verschiedenheit?
Für Leo taugt offenbar der Dissens in der angesprochenen Frage nicht, um die Einheit in Gefahr zu sehen. Das ist ein Punkt, der nicht unterschätzt werden darf. Denn das könnte zur Folge haben, dass es zwar die geäußerte Missbilligung zum Vorgehen der deutschen Bischöfe gibt, es aber keine weiteren Konsequenzen hat und die Praxis in Deutschland sowie in vielen anderen Ländern fortgesetzt werden kann. Es wäre ein Schritt in Richtung Verschiedenheit, die aber die Einheit nicht gefährdet.
P.S. Über dieses Thema berichtete die ZDFheute Xpress in dem Beitrag „Papst lehnt Segnung homosexueller Paare ab“ am 24. April 2026 um 10:22 Uhr.

