Der Papst in Südostafrika – Tag 4

Papst Franziskus hat seinen Besuch in Madagaskar mit scharfer Kritik an Korruption und der Abholzung des Regenwalds begonnen. Ungewöhnlich deutlich forderte er beim Treffen mit Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft „gegen alle einschlägigen Formen der Korruption und Spekulation vorzugehen, welche die soziale Ungleichheit erhöhen“. Zugleich betonte er, „es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern eine einzige und komplexe sozio-ökologische Krise“. Die Bischöfe Madagaskars ermutigte er, sich stärker für soziale Gerechtigkeit einzusetzen, sprich politischer zu sein. Am Abend kamen mehrere einhunderttausend Menschen auf ein großes Feld am Rande der Stadt zur Vigil. Papst Franziskus ermutigte die jungen Madagassen, auf sich selbst und ihre Fähigkeiten zu vertrauen, um so die eigene Zukunft und die des Landes mitzugestalten.

Papsr Franziskus spricht deutliche Worte und bekommt am Ende Applaus. (Quelle: Erbacher)

Wir haben eine sozio-ökologische Krise

Selten, vielleicht noch nie war Papst Franziskus so deutlich in einer Ansprache vor Politikern und Zivilgesellschaft wie heute Morgen in Antananarivo. Korruption, Spekulation, die Teilhabe aller sowie die sozio-ökologische Krise sprach das Kirchenoberhaupt ohne Schnörkel direkt an. Ausgangspunkt seiner Überlegungen war die Präambel zur Verfassung des Landes, in der von „‘fihavanana‘, dem Geist der wechselseitigen Gemeinsamkeit, der wechselseitigen Hilfe und der Solidarität“ gesprochen werde, die auch die Freundschaft unter den Menschen und gegenüber der Natur beinhalte.

Franziskus warb für demokratische Verhältnisse sowie „eine würdige und gerechte Entwicklung unter Einbeziehung aller Akteure der Zivilgesellschaft“. Dabei fielen Stichworte wie die „bessere Verteilung der Einkommen und die ganzheitliche Förderung aller Einwohner, insbesondere der Ärmsten“. Der Papst würdigte die vielföltige Hilfe aus dem Ausland, warnte zugleich aber davor, dass dadurch nicht das kulturelle Erbe Madagaskars „missachtet, begraben und unterdrückt“ werden dürfe. „Die wirtschaftliche Globalisierung, deren Grenzen immer deutlicher werden, sollte nicht zu einer kulturellen Homogenisierung führen.“ Ziel allen politischen Handelns müsse sein, dass das Volk für sich selbst sorgt und seine Zukunft in die Hand nimmt. Deshalb müsse die Zivilgesellschaft gestärkt werden.

Internationale Gemeinschaft auch gefordert

Deutlich wurde Franziskus beim Thema Umwelt. Die Insel sei so „reich an botanischer und zoologischer Biodiversität, die besonders durch die exzessive Entwaldung, die nur dem Vorteil einiger weniger dient, bedroht ist“. Dabei anerkannte er, „dass viele dieser umweltschädigenden Tätigkeiten für den Augenblick das Überleben der betreffenden Bevölkerung sichern“. Gerade deshalb sei es wichtig, „rentable Arbeitsplätze und Tätigkeiten zu schaffen, die umweltverträglich sind und den Menschen helfen, aus der Armut herauszukommen“. Umweltschutz ohne soziale Gerechtigkeit ist für Franziskus nicht möglich. Hier sieht er auch die internationale Gemeinschaft in der Pflicht.

Der britische Botschafter in Madagaskar, Philip Boyle, schätzt, dass jedes Jahr eine Fläche von 200.000 Hektar Regenwald gerodet wird. Wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen würden, wäre der Wald bis 2040 komplett abgeholzt. Nach Ansicht von Hilfsorganisationen bemüht sich die neue Regierung unter Präsident Rajoelina, der erst im Januar in dieses Amt gewählt wurde, die Entwicklung des Landes voranzutreiben. Er nehme auch die Regionen außerhalb der Hauptstadt in den Blick. Dabei fehlt es dem Land an vielen Stellen an grundlegender Infrastruktur. Nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung etwa haben Zugang zu Elektrizität, so ein Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Die Situation im Norden des Landes, der sich durch den Vanille-Anbau wirtschaftlich gut entwickle, zeige, dass damit auch eine Verbesserung der Infrastruktur einhergehe.

Auch kleine Schritte bringen voran

Zur Mittagszeit traf sich der Papst mit Ordensfrauen der kontemplativen Orden im Land. Er würdigte ihren Dienst und ermutigte sie zu „kleinen Schritten von Liebe und Gehorsam“. „Es braucht Mut, an die kleinen Schritte im Leben zu glauben, daran, dass Gott aus meiner Kleinheit Großes machen kann“, erklärte Franziskus in seiner frei gehaltenen Rede. Aufhorchen ließ eine Passage, in der er die Ordensfrauen aufforderte, wenn ihnen etwas falsch vorkomme oder verdächtig, sollten sie sofort und rechtzeitig darüber sprechen, denn „der Versucher möchte nicht erkannt werden, daher kommt er verkleidet als vornehme, gebildete Person, manchmal sogar als geistlicher Begleiter“. Ob er damit den Missbrauch von Macht oder gar den sexuellen Missbrauch von Ordensfrauen durch Kleriker meinte, ließ er offen.

In dem vorbereiteten Redetext, den Franziskus den Ordensfrauen zur Lektüre übergab, betonte er die Bedeutung der kontemplativen Orden für die Menschen im Land. „Wenn auch euer kontemplatives Charisma und eure Statuten zu respektieren sind, seien eure Klöster zugleich Orte der Aufnahme und des Zuhörens, besonders für sehr unglückliche Menschen“. Die Ordensfrauen sollten achten „auf den Schrei und das Elend der Männer und Frauen um euch herum, die verzehrt von Leid, Ausbeutung und Entmutigung zu euch kommen“. Diese Menschen seien voller Glauben und erkannten in den Ordensfrauen „Zeugen der Gegenwart Gottes“ und damit „wertvolle Bezugspunkte, um ihm zu begegnen und seine Hilfe zu erlangen“. Das fürbittende Gebet der Ordensfrauen bezeichnete er als „das brüderliche Engagement für andere“.

Papst will „prophetische Kirche“

Beim Treffen mit den Bischöfen Madagaskars betonte der Papst, dass sich die Kirche nicht nur auf den Privatbereich der Menschen beschränken dürfe. Vielmehr hätten die Hirten die Aufgabe sich auch zu gesellschafts-politischen Fragen zu äußern, „da die Evangelisierungsaufgabe eine ganzheitliche Förderung jedes Menschen einschließt und verlangt“. Das ist eine klare Aufforderung an den lokalen Episkopat, der sich bisher wenig zu sozialen Fragen äußert. Franziskus sieht aber eine klare „prophetische Dimension“ für die Kirche. Die Bischöfe müssten sich für alle sozialen Schichten des Landes einsetzen, unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit der Menschen.

Dabei sieht er die Herausforderung einer „reifen und unabhängigen Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat“. Die Gefahr „fragwürdiger Übereinkünfte ist nie gering, besonders, wenn dabei der ‚Biss des Evangeliums‘ verloren geht“. Hier sieht Franziskus im Hören auf den Geist Gottes ein gutes Gegenmittel, um den Fallstricken „für eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft auf der Suche nach dem Gemeinwohl“ zu entkommen. Dabei will Franziskus einen „Wohlstand in seinen vielfältigen Aspekten“. Dazu gehörten die Erziehung, der Zugang zum Gesundheitssystem und ein gerechter Lohn.

Sorgfalt bei Ausbildung des Nachwuchses

Ein besonderes Augenmerk forderte der Papst von den Bischöfen bei der Auswahl, Ausbildung und Begleitung der Priester und Ordensleute. Die Stichworte sind „Begleitung und Unterscheidung der Berufungen“, „Reifung und Reinigung der Absichten“, damit diese zu „authentischen und heiligen Arbeitern“ werden. Auf mögliche Probleme ging Franziskus nicht ein. Zuvor hatte er den Bischöfen ins Stammbuch geschrieben, dass sie „eine besondere Verpflichtung [haben], den Armen, Ausgestoßenen und Kleinen, sowie den Kindern und den besonders verletzlichen Menschen, die Opfer von Ausbeutung und Missbrauch wurden, nahe zu sein und sie zu schützen“. Hier bleibt nun viel Spielraum für Interpretationen, ob der Papst auch den sexuellen Missbrauch von Kindern und Ordensfrauen im Blick hatte oder in erster Linie die Arbeitsausbeutung. Beides ist denkbar.

Neben den Priestern, sollten die Bischöfe die Laien fördern. Interessant seine Bemerkung, dass ein Hirte, „der sät, vermeidet, alles zu kontrollieren, er gibt Initiativen Raum, er lässt Wachstum zu ungleichen Zeiten zu und sucht keine Uniformität“. Wie immer ist die Rede an die Bischöfe einerseits durch lokale Begebenheiten geprägt, doch sie lässt auch viele Züge erkennen, die zum grundsätzlichen Bischofsbild à la Franziskus gehören und haben damit Bedeutung über die konkrete Situation hinaus.

Papst spricht Jugend Mut zu

Kurz war am Abend dann die Vigil mit den Jugendlichen vor den Toren der Hauptstadt Madagaskars. Kaum eine Stunde dauerte das Treffen, zu dem nicht nur junge Menschen aus dem ganzen Land zusammengekommen waren. Papst Franziskus warnte die Jugendlichen davor, Illusionen nachzulaufen, „die uns Versprechungen machen und uns mit einer vordergründigen, schnell und leicht zu erreichenden, kurzfristigen Freude betören, die aber am Ende das Herz, den Blick und die Seele auf halber Strecke zurücklassen“. Er ermutigte sie, die Apathie zu überwinden und sich selbst sowie den eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten zu vertrauen. Er ermahnte sie, sich dabei niemals zu isolieren „oder alles allein machen zu wollen“. Sie sollten vielmehr „einen gemeinsam in Solidarität gelebten Weg verfolgen“.

Der erste Tag in Madagaskar war ein Tag klarer Worte – an die Politik, die Zivilgesellschaft und die Bischöfe. War es in Mosambik die Versöhnung, so richtet Franziskus den Fokus in Madagaskar klar auf die sozialen und ökologischen Fragen. Für ihn gehört beides zusammen und die Kirche muss aus seiner Sicht klar Stellung beziehen, damit das auch nach seinem Besuch nicht in Vergessenheit gerät.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

15 Kommentare

  • Bärbel Lange
    08.09.2019, 8:32 Uhr.

    Herzlichen Dank für die Impressionen auch rund um den Besuch von Papst Franziskus am Samstag, besonders auch die Fotostrecke. Sie vermittelt einen kleinen Einblick in das alltägliche Leben. Ich bin schon gespannt auf den Bericht über den zweiten Tag, den Besuch in Akamasoa. Ich arbeite schon seit vielen Jahren ehrenamtlich für Pater Pedro in Deutschland und werde auch in wenigen Wochen Akamasoa besuchen.

    • Micaela Riepe
      08.09.2019, 14:49 Uhr.

      Dem Dank schließe ich mich an, ausgezeichnete und lebendige Berichterstattung!Es ist schön, Franziskus so zu erleben.

  • Silberdistel
    08.09.2019, 12:44 Uhr.

    Papst Franziskus muß im Hinblick auf die IOR (Istituto per le Opere di Religione / Vatikanbank) ja ziemlich genau wissen, was Korruption bedeutet. Und es wird bei der Anzahl der Menschen und somit Verbrauchern auf dem Planeten, als damit parallel mitwachsende „komplexe sozio-ökologische Krise“ immer deutlicher was geschieht, falls der im Neuen Testament apostrophierte ´Neue Mensch´ in dieser Rolle versagt.

    • Wanda
      09.09.2019, 16:44 Uhr.

      Silberdistel 08.09. 12:44
      – Es gibt das geläufige Wort vom Glashaus, in dem man sitzt…
      Mich nervt diese seltsam geschraubte Ausdrucksweise der kirchlichen Amtsinhaber, dabei wäre es so einfach mit gutem Beispiel voranzugehen und den grössten Teil des unsäglich teuren Amtsapparates der Kirche, unnötige überkommene Strukturen und einen Grossteil der geistlichen „Führungs“riege zugunsten sozialer Projekte abzuschaffen. Der Kirche täte es nur gut tun sich auf den Auftrag des Nazareners zu konzentrieren und sich von ihrem künstlich geschaffenen, überzogene Brimborium mit Ämtern und Eminenzen zu trennen. Kann sich wirklich einer der Blogteilnehmer Jesus mit dem Titel Eminenz vorstellen ? Wenn er denn so war, wie ihn das Neue Testament schildert, würde er wohl augenblicklich erneut zur Tempelaustreibung schreiten weil diese Amtskirche kaum noch Ähnlichkeit mit seiner Idee aufweist. Seinen Nachfolgern sind beträchtliche Verfälschungen und Entgleisungen gelungen; das muss man ihnen lasssen.
      – Was aber passiert ? Anstelle eine längst überfällige Nabelschau vorzunehmen, fährt der Papst lieber den Finger aus gegen die profane Welt da draussen und merkt dabei gar nicht (oder tut jedenfalls so), dass diese ihn kaum ernst nimmt.
      – Der Kittel brennt vor allem in den Geldgeberländern der r.-k-. Kirche, d.h. hauptsächlich Nord-Europa, Deutschland etc. und das wird seine gravierenden Auswirkungen haben. Vielleicht hat es auch sein Gutes, wenn die Kirche wieder dem Armutsideal ihres Gründers näher kommt: back to the roots…

      • Novalis
        10.09.2019, 2:31 Uhr.

        „fährt der Papst lieber den Finger aus gegen die profane Welt da draussen“
        Missverständnis: Der Papst, der Welt und Kirche gegeneinander ausspielen wollte, war Benedikt.

        • Wanda
          10.09.2019, 17:02 Uhr.

          Novalis 10.09. 02:31
          – Nun reagieren Sie doch nicht so groupiehaft. Franziskus hat bisher so gut wie nichts geändert. Da wo seine Vorgänger auf die alten, angemassten Zuständigkeiten und Zwangsforderungen an die Gläubigen (man denke an die Sexualmoral) bestanden, zieht er es vor lieber vielsagend zu schweigen. Eine deutliche Stellungnahme ist von ihm offensichtlich nicht zu erwarten. Geschraubte Redeweise, die jede und keine Interpretation zulässt, ist alles was (bisher) von ihm kommt.
          Ein Chamäleon, dieser Papst: und rutscht ihm wirklich mal etwas raus, was eine der gegensätzlichen Klerusgruppen für sich verbuchen könnte, kommt sofort sein Sprecher und muss es relativieren. Nur keine Stellung beziehen, könnte ja unbequem werden. Franziskus ist nach all den anfänglichen Hoffnungen, die man in ihn gesetzt hatte, zu einer Enttäuschung geworden…
          Empfehle in diesem Zusammenhang einen Artikel der Theologin Doris Reisinger unter dem Titel „Schämst du dich noch?“

          • Carla Maltese
            11.09.2019, 17:22 Uhr.

            Verfolgen Sie mal die Nachrichten auf katholisch.de, leider schreibt Herr Erbacher nichts dazu:
            Hier in Deutschland rollt etwas an was man sich noch 2012 nichtmal ansatzweise in der römisch-katholischen Kirche vorstellen konnte: Es nennt sich synodaler Weg, die Gremien haben je eine Doppelspitze aus Bischof und Nichtgeistlichem (ich mag das Wort „Laie“ nicht) und es soll offen über Sexualmoral, Macht in der Kirche und Rolle der Frau gesprochen werden.

            Dass Franziskus jetzt nicht schon nächstes Jahr die ersten Frauen ins Priesterseminar einladen wird, ist klar. Das Problem muss so gelöst werden dass keine Zustände wie bei den Anglikanern drohen: Da wollen manche Gemeinden den eigenen Bischof nicht mehr sehen, weil der eine Frau zum Priester geweiht hat. Stattdessen gibt es fliegende Bischöfe die dann Firmungen machen.

            Es ist definitiv falsch, dass Franziskus bis jetzt garnichts bewirkt hätte.
            Aber man darf nicht kindisch werden und meinen dass er der Nikolaus und der Osterhase und das Christkind wäre und mit gottartiger Macht gleich eine ganze neue Kirche schaffen könnte. Dann KANN man von ihm nur enttäuscht sein.

            Er hat wohl eine Chance vergeigt, in Afrika wenigstens ein bisschen deutlicher zum Thema Sexualmoral zu werden. Aber als weißer Argentinier verlässt er sich wohl auf Leute die ihm sagen was er in Afrika sagen darf und was nicht.
            Immernoch besser als das was sich Wojtywa geleistet hat: „Wachset und mehret euch!“, oder was sich Ratzinger in Mexiko geleistet hat: Den Indios zu sagen dass sie wie die Kinder drauf gewartet hätten, von den Kolonialherren evangelisiert zu werden.

      • Carla Maltese
        11.09.2019, 22:03 Uhr.

        Übrigens ist es gerade Franziskus, der immer wieder mahnt daß Priester und Bischöfe bescheiden sein sollen, nicht titelgeil, nicht ranggeil, nicht überheblich usw.

        Die Weihnachtsansprachen wo er seine gesamte Kurie in die Pfanne haut sind ja legendär.
        Wobei ich da sagen muss: Es ist für uns Außenstehende spaßig, aber letzten Endes kontraproduktiv, denn wer so öffentlich vorgeführt wird, der macht zu und lässt sich nicht mehr für ein großes Reformprogramm gewinnen. D.h. der macht nurnoch was er soll, bringt sich aber nicht mehr aktiv ein.

        • Silvia
          13.09.2019, 17:10 Uhr.

          Carla Maltese
          11.09.2019, 17:22 Uhr.

          Dazu ist heute auf katholisch.de sehr Interessantes zu lesen: Zwei Briefe aus Rom an Kardinal Marx bremsen das Ganze aus, vor allem die Augenhöhe mit den Laien.

          Kardinal Marx reist nächste Woche deswegen nach Rom. Ich bin in der Sache bis jetzt neutral aber gespannt, was dabei herauskommen wird.

          • Carla Maltese
            15.09.2019, 17:39 Uhr.

            Auch wenn manche Herren Bischöfe (ich habe soeben die Nachrichten auf katholisch.de überflogen) jetzt noch auf der Erpresserschiene versuchen, alles totzuschlagen, nach dem Motto: „Entweder ihr seid fein still und brav und haltet die Klappe und bestätigt einfach nur ganz lieb was der Vatikan schon zu Wojtywas Zeiten gelehrt hat, oder ihr kriegt alle Schuld an eventuellen Schwierigkeiten in die Schuhe geschoben!“: Die Bischöfe die mutig genug sind sich auf etwas einzulassen was man sich in der römisch-katholischen Kirche noch 2012 selbst mit dem allergrößten Optimismus nicht vorstellen konnte, sind schon viel zu weit gegangen um sich jetzt noch von einem Geknurre von irgendwelchen Wichtigtuern in Rom ausbremsen zu lassen.

            Und was den Marx angeht: Der war mal ziemlich brav und farblos, aber in letzter Zeit zeigt er einen Mut und einen Elan der so langsam an den Lehmann rankommt.

  • Carla Maltese
    10.09.2019, 0:08 Uhr.

    Eigentlich ist jetzt schon Zapfenstreich, es langt nurnoch für einen kurzen Kommentar zum Thema Regenwald:
    Ehrlich gesagt sind wir auch nicht besser dran. Zwar haben wir noch Wälder, aber aus den meisten wurden Plantagen von schnell erntereifen Hölzern.
    Über die Hälfte ist Fichtenwald, dabei gehört die Fichte garnicht hierher.
    Und jetzt im Klimawandel sterben sie alle reihenweise.

    Wir haben hier einen riesigen Stadtwald und ich fand ihn in meiner Jugend langweilig, er war eine reine Kiefernplantage. Ich war dann etwa 20 Jahre hauptsächlich aus der Heimat weg, bin erst seit 2 Jahren wieder durchgängig hier, und habe den Wald da erst neu entdeckt: Still und heimlich, ohne es an die große Glocke zu hängen, haben die Förster hier eine neue natürlichere Waldwirtschaft eingeführt. Die Kiefern kommen nach und nach weg, stattdessen wächst hier von selbst Laubmischwald nach. Auch totes Holz bleibt zum Teil liegen.
    Von einer langweiligen Kiefernplantage wurde dieser Stadtwald zu einem großen Hoffnungszeichen…

    • Wanda
      10.09.2019, 17:36 Uhr.

      Carla Maltese 10.09. 00:08
      – Kann das durch meine recht spärlichen Besuche in DEU bestätigen, wo vereinzelt plantagen-ähnlichen Anpflanzungen über die Zeit doch von echter Durchmischung abgelöst wurden, teilweise durch recht robuste Baumarten wie die Wildkirsche uä…
      Was mich allerdings sehr wundert: staatliche Forste hinken hinterher. Bei den meisten Waldbauern sieht’st leider ähnlich aus, auch da steht der kurzfristige Gewinn aus schädlingsanfälligen Fichtenplantagen immer noch an 1. Stelle.
      Überraschenderweise waren die wenigen positiven Veränderungen ausgerechnet und nur bei den privaten und relativ grossen Waldbesitzern feststellen. Meine Vermutung: diese haben wirkliche Fachleute zur Seite, die voraus denken. Eine lukrative Bewirtschaftung des Waldes wird damit keineswegs ausgeschlossen. Langsam wachsende Edelhölzer aus gesunderen Mischwäldern lassen sich mindestens genau so gut vermarkten wie das schnell wachsende Fichten-Bauholz, vermutlich sogar besser. Geduld ist angesagt. Dazu gab es einmal den Sinnspruch: der heut gepflanzte Baum ist frühestens dem Enkel zum Nutzen.
      Naturnahe Mischwälder und Gewinn müssen sich also nicht ausschliessen…

      • Carla Maltese
        11.09.2019, 16:50 Uhr.

        Es gibt da einen Förster der sich in letzter Zeit mit interessanten Veröffentlichungen hervorgetan hat, Peter Wohlleben heißt er!
        Ich kann seine Bücher nur empfehlen!

  • Carla Maltese
    11.09.2019, 23:05 Uhr.

    Alter, die Rede von Franziskus in Antanarivo war ja echt bis hinnewedder voll. Keine Ahnung wie man das alles kommentieren soll.

    Schon das Thema ganzheitliche Entwicklung würde einen Roman hergeben.

    Die Erfahrung mit Entwicklungshilfe ist ja die, daß die sinnlos ist, wenn man von oben runter meint, alles besser zu wissen und die Zielgruppe in den betreffenden Ländern nicht für voll nimmt. Besser ist daher EntwicklungsZUSAMMENARBEIT.

    Aber ob in Madagaskar oder hier am Hauptbahnhof wo man immer mehr Obdachlose sieht:
    Letzten Endes sind das alles Facetten des selben Problems das wir sowohl hier als auch in Madagaskar haben: Eine völlig entgleiste Weltwirtschaft, ein völlig entgleistes Wirtschaftssystem, das auf der falschen Annahme von unendlichem Wachstum beruht.

    Es ist in der Tat bemerkenswert, was Franziskus den Ordensfrauen gesagt hat.
    Der sexuelle Missbrauch den viele erleiden mussten, ist ja auch mittlerweile bekannt. Und wenn wir alle ehrlich sind, müssen wir zugeben daß dieser Berufsstand in unserer Gesellschaft irgendwie zur Witzfigur verkommen ist.
    Wenn die Ordensfrauen von der Kirchenhierarchie keinen Respekt bekommen, dann führt das eben zu beiden Problemen: Bei uns werden sie Witzfiguren, da werden sie sexuell missbraucht.

  • Carla Maltese
    12.09.2019, 0:22 Uhr.

    Nicht falsch verstehen:
    Ich wollte nicht selber mangelnden Respekt vor Ordensfrauen ausdrücken, sondern dass sie kein gesellschaftliches Ansehen mehr genießen und nur noch dumme pubertäre Witze gemacht werden.

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