Papst dankt US-Ordensfrauen

Franziskus ist ja für spektakuläre Aktionen bekannt. Heute Nacht wurde im US-Fernsehen eine Videokonferenz ausgestrahlt, bei der Papst Franziskus mit drei Orten in den USA verbunden war und Fragen der dort Anwesenden beantwortete. Zugeschaltet waren eine Schule für Kinder und Jugendliche aus armen und benachteiligten Familien in Chicago, eine Gruppe von Obdachlosen in Los Angeles und eine Pfarrei in der Nähe der mexikanischen Grenze. Schon die Auswahl der drei Gruppen spricht Bände. Franziskus erklärte, dass die Reisen für ihn wichtig sind, um möglichst nahe bei den Menschen zu sein. So könne er deren Situation besser verstehen und versuchen zu helfen. Ganz am Ende der Schaltkonferenz gab es dann einen ganz besonderen Moment. Die Aktion fand im Vorfeld der Papstreise in die USA statt. Franziskus reist vom 22. bis 27. September dorthin. Zuvor besucht er ab dem 19. September Kuba.

Lob für Arbeit

War es Zufall? Franziskus hatte in der Kirche im texanischen McAllen eine Ordensfrau in einer der ersten Reihen in der Kirchenbank entdeckt. Er forderte sie auf, vorzutreten. Schwester Norma, so ihr Name, zögerte. Doch Franziskus insistierte. Schließlich stand sie im Mittelgang vor dem großen Bildschirm, der Franziskus im Vatikan zeigte: „Schwester, ich möchte durch Sie allen Ordensfrauen in den USA danken. Die Arbeit, die die Ordensfrauen gemacht haben und machen in den USA ist großartig. Ich gratuliere Ihnen. Seien Sie mutig. Gehen sie voran, immer an vorderster Front. Und ich sage Ihnen eines – Ist das eventuell unangenehm, wenn es ein Papst sagt? Ist es nicht. – Ich mag sie sehr!“ Das tat den US-Ordensfrauen sicher gut zu hören, nach all den schwierigen Erfahrungen mit Rom in den vergangenen Jahren. Es schien Franziskus ein Bedürfnis zu sein, das zu sagen, sonst hätte er die Ordensfrau nicht eigens nach vorne zitiert.

Papst verhilft zu Aufmerksamkeit

In der Schaltkonferenz ging es weniger um aktuelle Politik und Kirchenfragen. Vielmehr bot sie den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit, über ihr Schicksal zu berichten – und Franziskus garantierte ihnen im US-Fernsehen die notwendige Aufmerksamkeit. Eine junge alleinerziehende Frau aus Los Angeles, die bis vor kurzem mit ihren beiden Töchtern in einem Obdachlosenheim lebte und jetzt erstmals eine kleine Wohnung hat, würdigte Franziskus als „mutige Frau“, weil sie ihren beiden Kindern trotz schwieriger Situation das Leben geschenkt habe. Er wisse, dass alleinerziehende Mütter bisweilen schlecht angesehen würden. Einwanderer kamen ebenso zu Wort, wie ein junges Mädchen, das aufgrund einer Hautkrankheit von anderen gemobbt wurde und durch Musik neuen Mut fand. Franziskus bat sie, für ihn zu singen. Auf die Frage der jungen Valery Herrera, was der Papst von den Jugendlichen erwarte, antwortete dieser: dass sie nicht alleine durch ihr Leben gingen und mutig seien.

Konkrete Antworten hatte Franziskus nicht parat, wenn er etwa nach Lösungen für die mangelnde Bildung, Vertreibung oder Armut gefragt wurde. Dafür ist ja auch die Politik zuständig. Allerdings mahnte der Papst, dass es um eine Frage der Haltung gehe. Der Fußballfan Franziskus sprach von einem Spiel „soziale Freundschaft gegen soziale Feindschaft“, das in der heutigen Welt gespielt werde und jeder Einzelne müsse sich „in seinem Herzen“ entscheiden. „Die Welt muss sich bewusster werden, dass die Ausbeutung des einen durch den anderen kein Weg ist. Wir sind alle geschaffen für eine soziale Freundschaft. Wir tragen alle Verantwortung für alle. Keiner kann sagen: ‚Meine Verantwortung endet hier.’ Wir sind alle verantwortlich für alles und müssen alle mit anpacken, jeder wie er kann.“

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.