Papst Franziskus in Fernost – Tag 1

Die 32. Auslandsreise von Papst Franziskus droht in Deutschland kaum wahrgenommen zu werden. Viele Menschen vor Ort setzen große Hoffnungen in den Besuch in Thailand und Japan. Und auch für die katholische Kirche könnte sie große Auswirkungen haben. Am Mittwochmittag Ortszeit landete der Papst in Bangkok, der ersten Station der sechstägigen Reise. Im Mittelpunkt seiner Visite in Thailand stehen der interreligiöse Dialog und die Stärkung der kleinen katholischen Minderheit. Es wird auch erwartet, dass Franziskus sich zu Menschenrechtsfragen äußert. Bei seinem Besuch in Japan liegt der Fokus auf den Besuchen in Nagasaki und Hiroshima am Sonntag. Schon im Vorfeld ließ Franziskus erkennen, dass er deutliche Worte zum Thema Atomwaffen sprechen werde. Ihren Einsatz bezeichnete er in einer Videobotschaft als „unmoralisch“. In Japan dürfte aber auch das Thema Inkulturation des katholischen Glaubens eine Rolle spielen.

Auch die 32. Auslandsreise begann für Papst Franziskus mit der üblichen Runde durch die „Holzklasse“. Alle Journalisten hatten die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit dem Pontifex. (Quelle: Erbacher)

Dialog und Menschenrechte

In den Straßen von Bangkok ist kein Hinweis zu finden auf den prominenten Gast aus Rom. Die Katholiken sind mit 0,6 Prozent unter den 65 Millionen Einwohnern Thailands eine verschwindend kleine Minderheit. Die will Franziskus stärken und, wie er vorab in einer Videobotschaft erklärte, die „Bande der Freundschaft kräftigen, die uns mit den vielen buddhistischen Brüdern und Schwestern verbinden“. Wie in vielen Ländern Asiens gibt es auch in Thailand unterschiedliche Strömungen innerhalb des Buddhismus. Die einen folgen den Lehren Buddhas und praktizieren Bescheidenheit sowie den Verzicht auf Gewalt. Die anderen forcieren eine Politisierung des Buddhismus, streben nach Macht und verbinden die Religion eng mit nationalistischen Tendenzen. Interessant wird daher die Begegnung des Papstes am Donnerstag mit dem obersten Patriarchen der Buddhisten Thailands, Somdej Phra Maha Muneewong.

Schwierig wird es für Franziskus in Thailand auf dem politischen Parkett. Der Papst hat in den vergangenen Jahren eine weltweite Allianz gegen Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung und moderne Sklaverei, sprich Arbeitsausbeutung, geschmiedet, an der Vertreter aus Religionen, Politik und Polizei aus der ganzen Welt mitarbeiten. Thailand ist in Asien ein Hotspot für diese Probleme. Doch offen ansprechen darf man sie hier nicht. Das gilt auch für die Migration, ein weiteres Herzensthema des Papstes. Jüngst warnten Kirchenvertreter illegale katholische Einwanderer vor der Teilnahme an der Papstmesse in Bangkok. Da die Ausweispapiere des UN-Flüchtlingshilfswerks in Thailand nicht anerkannt würden, drohten die meist aus Pakistan stammenden Migranten wegen der erhöhten Sicherheitsmaßnahmen auf dem Weg zum Gottesdienst verhaftet zu werden.

Katholische Minderheit stärken

Beim Besuch von Papst Johannes Paul II. 1984 traf sich dieser eigens mit Flüchtlingen aus Vietnam, Laos und Kambodscha. Daher gab es im Vorfeld der aktuellen Visite Kritik, dass Franziskus sich nicht mit Flüchtlingen trifft. Lokale Kirchenvertreter verweisen als Erklärung auf das „gegenwärtige repressive politische Klima“ im Land. Angesichts der schwierigen politischen Situation ließ viele schon die Äußerung des Papstes aufhorchen, als er in seiner Videobotschaft zur Vorbereitung des Besuchs von einer „multiethnischen Nation“ sprach. Im Süden des Landes gibt es Regionen mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung. Dort gibt es auch heftige Kämpfe zwischen islamischen Rebellen und dem buddhistischen Zentralstaat. In den vergangenen 15 Jahren starben dabei mehr als 7.000 Menschen.

Für die kleine katholische Minderheit ist der Besuch ein großes Fest. 70.000 werden am Donnerstagnachmittag zum Gottesdienst im Nationalstadion erwartet. Schon vor Wochen waren alle Eintrittskarten vergeben. Freitag gibt es dann noch das traditionelle Treffen mit dem Klerus, Ordensleuten sowie Seminaristen. Ein weiterer Höhepunkt für die kleine katholische Gemeinschaft dürfte dann die Messe mit Jugendlichen in der Kathedrale von Bangkok am Freitagabend sein, dem letzten offiziellen Programmpunkt in Thailand.

Papst gegen Atomwaffen

Samstag reist Franziskus dann weiter nach Japan. Erster Höhepunkt dort sind am Sonntag die Besuche in Nagasaki und Hiroshima. Es wird in mehrfacher Hinsicht ein politischer Sonntag sein. Zum einen geht es um das Thema Krieg und Frieden, die Ächtung der Atomwaffen. Die japanischen Bischöfe wünschen, dass Franziskus sich ihrer Forderung anschließt, grundsätzlich aus der Atomkraft auszusteigen. So weit ist der Papst bisher nie gegangen. Mit einer friedlichen Nutzung der Technologie hatte Franziskus bisher keine Probleme.

In der katholischen Hochburg Nagasaki wird der Papst auch der Märtyrer der Christenverfolgung in Japan gedenken, die 1597 begann und über zwei Jahrhunderte andauerte. Der christliche Glauben überlebte im Untergrund. Der Papst wird einige Nachkommen der damaligen Untergrundkatholiken treffen. Wiederholt kam Franziskus in den vergangenen Jahren auf die Situation der Verfolgung in Japan zu sprechen. Denn auch ohne Priester überlebte das Christentum in dieser Zeit; für Franziskus ein Hinweis darauf, welche Kraft und welche Chancen in den Laien bei der Weitergabe und Verbreitung des Glaubens stecken.

Bergoglio endlich in Japan

Für Franziskus dürfte der Besuch in Japan eine der emotionalsten Etappen seiner intensiven Reisetätigkeit als Papst sein. Schließlich trat er 1958 in den Jesuitenorden ein, um als Missionar nach Japan zu gehen. Doch gesundheitliche Gründe verhinderten das. Er blieb in Lateinamerika. Nach 50 Jahren kommt er nun endlich ans Ziel seiner Träume und wird in Fernost mit den Herausforderungen der Mission konfrontiert. Denn im Vorfeld der Reise hatte ihm der ehemalige Erzbischof von Tokio, Takeo Okada, einen Brandbrief in den Vatikan geschickt. Darin sprach er drei kritische Punkte an. Bei diesen sieht er dringenden Handlungsbedarf, damit die Kirche in Japan erfolgreich wirken kann: Inkulturation, Dezentralisierung und Spiritualisierung.

Diese Themen sind für Franziskus nicht neu. Erst im Oktober waren sie bei der Amazonassynode intensiv diskutiert worden. Sie kommen auch aus anderen Weltregionen. Das zeigt, dass die katholische Kirche global vor großen und meist denselben Herausforderungen steht. „Ich schlage vor, dass der Heilige Stuhl durch Delegation an Bischofskonferenzen den Versuch einer größeren Machtdezentralisierung wagt“, schrieb Okada in seinem Brief, über den der asiatische kirchliche Pressedienst Ucanews im September berichtete. Der japanische Erzbischof kritisierte darin auch die Römische Kurie, die den Eindruck vermittle, der Vatikan sei „ein Ort der Machtkämpfe oder Machtspiele“.

Wagt der Papst ein deutliches Plädoyer für Inkulturation?

Damit die katholische Kirche in Asien stärker Fuß fassen kann, braucht sie ein asiatisches Gesicht, sprich eine stärkere Inkulturation. Franziskus muss dazu den Rahmen abstecken. Die aktuelle Reise bietet ihm Gelegenheit dazu. Wie er das macht, hat am Ende auch Auswirkungen auf die gesamte Kirche.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

14 Kommentare

  • bernardo
    20.11.2019, 17:15 Uhr.

    „Denn im Vorfeld der Reise hatte ihm der ehemalige Erzbischof von Tokio, Takeo Okada, einen Brandbrief in den Vatikan geschickt. Darin sprach er drei kritische Punkte an. Bei diesen sieht er dringenden Handlungsbedarf, damit die Kirche in Japan erfolgreich wirken kann: Inkulturation, Dezentralisierung und Spiritualisierung.“

    Drei wichtige Themen – am unproblematischsten ist die Spiritualisierung und Entpolitisierung des Christentums, die zu einem wirklichen Ärgernis geworden ist und die die innerkirchlichen Gräben vertieft. Die Dezentralisierung ist notwendig – gerade im Hinblick auf eine das Subsidiaritätsprinzip betonende Kirche -, darf aber nicht zur Spaltung, zum faktischen Schisma infolge einer falsch verstandenen Synodalität führen. Am schwierigsten dürfte die Inkulturation sein, denn es handelt sich um einen schwierigen Grat zwischen dem, was die Substanz des Christentums betrifft, und den Akzidenzien des Christentums. Am problematischsten wäre eine Haltung, in der Jesus Christus neben Buddha, Konfuzius, Laotse, ggf. Mohammed eine Inkarnation göttlicher Weisheit wäre. Eine solche Vorstellung, nennen wir es beim Namen, wäre nicht mehr christlich zu nennen.

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      21.11.2019, 7:39 Uhr.

      Erzbischof Okada hatte das Stichwort Spiritualisierung in einem anderen Sinne gemeint. Aus seiner Sicht fehlt es der japanischen Gesellschaft an „echten spirituellen christlichen Werten“. Diese müssten aus seiner Sicht „im Zentrum der universalen Kirche in Rom zu finden sein“. Doch statt dort „für uns ein Zeichen als arme, demütige, gläubige und heilige Diener unseres Herrn Jesus Christus zu setzen“, könne man den Eindruck gewinnen, dass der Vatikan „ein Ort der Machtkämpfe oder Machtspiele“ sei, so der ehemalige Erzbischof von Tokio.

      • Novalis
        21.11.2019, 10:02 Uhr.

        „ein Ort der Machtkämpfe oder Machtspiele“ – das ist noch sehr dezent als Umschreibung für die Intrigen eines Müller, Brandmüller, Sarah und Burke.

    • Carla Maltese
      24.11.2019, 14:59 Uhr.

      Dabei HAT die römisch-katholische Kirche doch schon jede Menge Schismen!
      Und zwar gerade durch rigorosen römischen Zentralismus verursachte. Gerade dieser hat Schützengrabenmentalität und regelrechten Hass gefördert.

  • Novalis
    20.11.2019, 20:06 Uhr.

    Sehr gut, dass Franziskus nun wieder an die östlichen „Ränder“ der Christenheit geht. Vom fernen Osten kann man viel lernen, wenn man nur will. Manche Spiritualitätsform erinnert stark an Meister Eckart und die christliche Mystik (die man nicht mit pseudokatholischen „ich feiere die Messe lieber lateinisch“-Mystizismus verwechseln darf).
    „Die japanischen Bischöfe wünschen, dass Franziskus sich ihrer Forderung anschließt, grundsätzlich aus der Atomkraft auszusteigen. So weit ist der Papst bisher nie gegangen. Mit einer friedlichen Nutzung der Technologie hatte Franziskus bisher keine Probleme.“
    Die friedliche Nutzung als solche ist auch kein Problem. Die Gefahr durch menschliches Versagen und die völlig unklare Entsorgung des Atommülls sind die gewaltigen und bislang ungelösten Probleme. Wenn man rein kapitalistisch auf die Gefahren-Nutzen-Kalkulation blickt: KEINE Versicherung trägt das Risiko eines Atomkraftwerks. Dann sollte man die friedliche Nutzung bleiben lassen. Drei gigantische Unfälle in der Menschheitsgeschichte reichen.
    Jedenfalls war es monströs amoralisch Zehntausende von Zivilisten in Japan durch den Atombombenabwurf zu töten.
    Sehr geehrter Herr Erbacher, in drei Tagen läuft die erste Amtszeit von Kardinal Sarah, der als purer Franziskusopponent und Relativierer von Nazimonstrositäten aufgefallen ist, ab. Weiß man schon was von der Verlängerung?

    • Carla Maltese
      21.11.2019, 22:02 Uhr.

      Kommentare zu Franziskus‘ Reise müssen aus Zeitgründen bis frühestens morgen warten, aber hierzu muss ich etwas sagen.

      Ich habe selbst auch schon auf einer AKW-Baustelle gearbeitet. Einen Atomreaktor zum Laufen zu bringen ist eine derartige Materialschlacht, daß ich den Aufwand aus heutiger Sicht für eine endliche Energiequelle (auch die Uranvorräte sind begrenzt) ehrlich gesagt nicht mehr einsehe.
      Vom verfahrenstechnischen Standpunkt aus sind Kraftwerke eigentlich ziemlich langw… *räusper* einfach. (Ja, entschuldigung liebe Elektroingenieure, ich sehe das halt vom verfahrenstechnischen Standpunkt aus!)Sie machen Wasser heiß, sie leiten das Wasser über die Turbine, sie sammeln es auf der anderen Seite wieder und pumpen es zurück. Im AKW macht halt ein Atomreaktor das Wasser heiß. Und für so ein eigentlich so simples Verfahren werden derartige Redundanzen benötigt und verlangt?? Das ist doch nichts anderes als die Bankrotterklärung des Verfahrens an sich.
      Stellen Sie sich das mal in der Chemieindustrie vor, wenn auf jedem Chemiereaktor und auf jedem Tank vier Sicherheitsventile verlangt wären! Und vier redundante Leitungen für das Heiz- oder Kühlmedium um jeden einzelnen Reaktor! In der Regel sind die Prozesse in der Chemieindustrie schon wesentlich komplexer als im Kraftwerk. Die Königsdisziplin der verfahrenstechnischen Apparate sind die Kolonnen zur Trennung flüssiger Gemische, das sind ganz hohe Stahltürme mit vielen Böden innen oder einer Füllkörperschüttung. Außerdem gibt es Reaktoren, Extrakteure, Adsorber, Mischer usw. usf. Nie im Leben kann sich die Chemieindustrie das Ausmaß an mehrfach redundanten Sicherheitseinrichtungen leisten wie für ein Atomkraftwerk verlangt wird! Es geht einfach nicht! Wenn man jeden einzelnen verfahrenstechnischen Apparat in ein eigenes Gebäude mit Stahlbetonkuppel sperrt und außenrum lauter redundante Sicherheitsventile dekoriert, hat man am Ende die halbe Welt mit Chemiewerken vollgestellt!
      Herr Erbacher hätte dann ganz sicher kein schickes Büro in der schönen Stadt Mainz und die jetzt leider fehlende Redakteurin hätte da auch nie gearbeitet. Das was heute Mainz-Lerchenberg ist, wäre entweder der Industriepark Höchst oder Knappsack oder die BASF. Herr Erbacher kann es sich aussuchen.
      Wenn also so viel Redundanz für einen eigentlich so simplen Prozess verlangt wird, dann, tja… ist der Prozess an sich bankrott.

      Nur ist Braunkohle NOCH schlimmer. Es will hier ganz sicher keiner wissen was außer CO2 so ein Kohlekraftwerk noch alles ausspuckt.
      Das was zuerst abgeschaltet werden muss sind die Kohlekraftwerke.

      „Drei gigantische Unfälle in der Menschheitsgeschichte reichen.“
      Dazu zählen Sie sicher Tschernobyl. Das allerdings kann man definitiv nicht als Maßstab für die Bewertung der Atomenergie werten. Der Reaktor an sich war schon hirnverbrannt ausgelegt, nämlich so daß ab einem bestimmten Wasserverlust im Reaktor die thermische Leistung dramatisch stieg. Und es war auch noch ein Siedewasserreaktor.

  • Wanda
    21.11.2019, 16:14 Uhr.

    Warum in die Ferne schweifen? Der Kittel brennt ganz woanders, d.h. daheim und zwar heftig:
    – einem nicht-öffentlichen Zwischenbericht des Erzbistums München und Freising zufolge werden schwere Vorwürfe gegen die Katholische Integrierte Gemeinde erhoben, die lange als eine der hoffnungsträchtigsten Aufbrüche der röm.-kath. Kirche galt.
    (siehe BR vom 21.11. 2019)

    • Novalis
      23.11.2019, 8:00 Uhr.

      Sehr richtig. Sie kennen auch den Hauptförderer der Integrierten Gemeinde? Joseph Ratzinger.

  • Carla Maltese
    22.11.2019, 22:56 Uhr.

    „Es wird auch erwartet, dass Franziskus sich zu Menschenrechtsfragen äußert.“
    Klar: Vordergründig scheinen wir es aktuell mit einem Boom von Diktaturen zu tun zu haben. Jedoch sehnen sich immer mehr Menschen auf der Welt, kulturübergreifend, nach Demokratie, Selbstbestimmung, gesicherten Rechten und Freiheit.
    Allein schon China: Wenn man sich die Mühe macht und etwas im Netz wühlt, stößt man auf englischsprachige Berichte die von Vorkommnissen, und zwar nicht wenigen, in China selbst sprechen. Nicht nur in Hongkong.
    Und überhaupt: Warum wohl will die Staatspartei unter Xi Jinping so viel Geld und Ressourcen verbraten um mehr als 1 Milliarde Bürger komplett zu überwachen?
    Tja, warum wohl?
    Warum wollen Putin und die Mullahs in Teheran ihr jeweiliges Land vom Internet abhängen?

    Für Thailand wird auch entscheidend sein, wie sich dieser neue König benimmt. Allein schon wie er seine Inthronisierung zu handhaben gedachte ließ wenig Gutes erahnen.

    Was Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung angeht, stehen wir hier übrigens auch nicht viel besser da. Mittlerweile soll auch Deutschland zum Sextourismus-Hotspot geworden sein, wegen dem liberalen Prostitutionsgesetz. Und wer Billigfleisch beim Aldi kauft muss wissen daß da nicht nur die Tiere (industrielle Massentierhaltung) sondern auch die Arbeiter im Schlachthof ausgebeutet werden.

    „Daher gab es im Vorfeld der aktuellen Visite Kritik, dass Franziskus sich nicht mit Flüchtlingen trifft.“
    Oh, man kann auch mal halblang machen!!
    Nicht daß das Thema Flüchtlinge nicht wichtig wäre, im Gegenteil. Aber auch Franziskus‘ Tag hat nur 24 Stunden und was soll er noch alles in die Reise packen? Es ist ja nicht so daß er sich noch nie in seiner Amtszeit mit Flüchtlingen getroffen hätte! Seine erste Auslandsreise im Amt ging nach Lampedusa.
    (Normalerweise gebe ich nicht damit an, wieviel Geld ich wohin spende. Aber erst vor kurzem ging von mir ein größerer Geldbetrag an die Hilfe für die Rohingya, nur als Info daß mir das Thema Flüchtlinge schon sehr wichtig ist.)

    „Mit einer friedlichen Nutzung der Technologie hatte Franziskus bisher keine Probleme.“
    Siehe meine Antwort auf Novalis. Man stelle sich vor daß die Chemieindustrie jeden einzelnen Reaktor, jede einzelne Kolonne, usw. usf. in ein separates Gebäude mit einem gegen Flugzeugabstürze sicheren Containment stecken müsste…

    „für Franziskus ein Hinweis darauf, welche Kraft und welche Chancen in den Laien bei der Weitergabe und Verbreitung des Glaubens stecken.“
    Im katholischen, gerade auch im römisch katholischen Bereich ist man es ja gewohnt, sich selbst für nicht zuständig für die Verbreitung des Glaubens zu halten und alles den Profis, also Geistlichen zu überlassen, vielleicht noch Gemeindereferenten und Relilehrer. Wenn man sich etwas von den Evangelikalen abgucken kann, dann das: Da sieht sich jeder einzelne genau dafür für zuständig!

    „Nach 50 Jahren kommt er nun endlich ans Ziel seiner Träume“
    Hoffentlich nicht derart blind mit rosaroter Brille wie bei China.

    „Das zeigt, dass die katholische Kirche global vor großen und meist denselben Herausforderungen steht.“
    Bislang versuchen konservative Kreise ja noch alles schönzufärben mit dem Märchen daß Reformforderungen nur „Luxusproblemchen“ einer „dekadenten kirchensteuersatten“ deutschen Kirche wären.
    Damit diffamiert man zum einen die breite Mehrheit der deutschen römischen Katholiken…
    ….andererseits aber auch die asiatischen, afrikanischen usw. römischen Katholiken, die auch gern mehr sagen würden und mehr Reformwünsche äußern würden wenn sie die Möglichkeit hätten.

    • Wanda
      23.11.2019, 17:34 Uhr.

      Carla Maltese 22.11. 22:46
      – Was meinen Sie mit der Verbreitung des Glaubens und von den Evangelikalen abgucken ?
      Etwa das Beispiel dieses irren 27-jährigen US-Bürgers, der von den Ureinwohnern der Insel Nord Sentinel getötet wurde ? Haben Sie dessen anmassendes, fanatische-wirres Sendungsbewusstsein aus seinen Tagebüchern gelesen, der trotz Verbot sich immer wieder der Insel näherte ? Überheblichkeit, Arroganz und Dummheit als religiöse Opferbereitschaft verkleidet.
      Da fehlt wie bei allen Missionierungen der grundsätzliche Respekt vor Kultur und Geisteswelt dieser unglücklich „Unerlösten“, die von der Herrlichkeit der wahren Religion nichts wissen und deshalb beglückt werden müssen.
      Diese Eingeborenen wollen nicht nur unbeeinflusst ihre Kultur und Bräuche leben sondern nehmen sich auch noch unverschämterweise das Recht sich vor den Krankheiten, Epidemien und sonstigen Segnungen der Zivilisation zu schützen, die so vielen Völkern nach ihrer „Bekehrung“ zum Verhängnis wurde. Da fehlt es immer noch an der Einsicht: die christlichen Kirchen tragen Mitverantwortung für „Genozide“ vor allem auf dem Amerikanischen Kontinent, was gern übergangen oder schön geredet wird.
      Mein Respekt der jüdischen Religion: sie ist als monotheistische die einzige, die auf Missionierung weise verzichtet…
      – Und was China angeht: finden Sie sich damit ab, der chinesische Bürger steht hinter seiner zentralen Regierungsform, die tausende von Jahren Tradition hat: ob nun von Dynastien (die erste 2100 v.Chr.) oder der Einheitspartei geführt. Die meisten grossen chinesischen Philosophen und Denkschulen favorisieren den starken Zentralstaat, der entweder Moral und Einsicht sowie hierachische Ordnung (Konfuzius) oder drakonische Gesetze favorisieren soll, wobei das Volk ohne weiteres berechtigt ist die Regierung wegen schlechter Amtsführung zu stürzen, wenn diese ihr himmlisches Mandat verwirkt hat. Das immer noch gebräuchliche Wort für diesen Wechsel ist „ge ming“ und bedeutet heute Revolution. So what ?
      P.S. die Ahnenverehrung hatte China übrigens nie aufgegeben und der Daoismus erfährt im heutigen China längst wieder eine erlaubte Renaissance, wurde doch dessen Hauptprinzip „Dao“ (der Weg oder Pfad) von Mao persönlich propagiert „der Weg ist das Ziel“. . .

      • Carla Maltese
        24.11.2019, 14:41 Uhr.

        „Was meinen Sie mit der Verbreitung des Glaubens und von den Evangelikalen abgucken ?“
        Es gibt immernoch gute Formen die ZWISCHEN dem manchmal sehr brachialen und höchst arroganten Anspruch der Evangelikalen und der katholischen Schlaffheit liegen.
        Mit insbesondere römisch-katholischer Schlaffheit meine ich, sich selbst für nichts zuständig zu fühlen, auch nicht für die Verbreitung des Glaubens. Sollen alles die Profis machen, geht mich selber nichts an!

        „Und was China angeht: finden Sie sich damit ab, der chinesische Bürger steht hinter seiner zentralen Regierungsform, die tausende von Jahren Tradition hat:“
        In diesen tausenden von Jahren gab es aber durchaus ebenfalls immer wieder recht blutige Revolten. Und das chinesische Nationalepos, die Räuber vom Liang Schan Moor, auch die Wadderufergeschichte genannt, unter Mao verboten, zieht ganz schön über die damals schon korrupten Beamten her.
        Ist eben auch in China nicht alles schwarzweiß…
        China heute ist auch nicht ohne Tiananmen zu denken: Nach Tiananmen gab es eine Art Abkommen zwischen Regierung und Volk: Ihr haltet in Zukunft still, wir sorgen für Wohlstand. Umgehend nahm der aktuelle chinesische Brachialkapitalismus Fahrt auf. Und westliche Politiker wie Helmut Schmidt hatten nichts besseres zu tun als so schnell wie möglich nach Peking zu reisen und sich dort untertänigst zu verbeugen.
        Wenn man letzten Juni zum 30. Jahrestag aufmerksam durch die Presse gelesen hat, dann konnte man lesen daß Tiananmen in China der Elefant im Hausflur ist. Offiziell erfährt man da kein Wort, aber chinesische Computerkids machen immer wieder Andeutungen, kleine Bildchen mit in der Reihe stehenden Enten usw., mit denen sie sagen wollen: Da war doch was…
        VIEL ist dort verboten was irgendwie mit diesem Datum zusammenhängt.
        Wir Deutsche sprechen z.B. nicht mehr über das Zugunglück von Eschede. Aber nicht weil wir nicht dürften oder weil es (für uns Nichtbetroffene) zu traumatisch wäre, sondern weil wir es nicht brauchen. Wir konnten damals schockiert sein und alles sagen was uns darüber einfiel und gut ist.
        Die Erinnerung an Tiananmen wühlt aber weiter…
        Und überlegen Sie mal: Die Totalüberwachung von mehr als einer Milliarde Bürger kostet gigantische Massen an Geld und Ressourcen. Wer so etwas plant, hat definitiv Angst!

        • Wanda
          25.11.2019, 2:19 Uhr.

          Carla Maltese 24.11. 14:41
          – Lesen Sie noch einmal langsam Wort für Wort was ich geschrieben habe und dann bitte solide Gegenargumente…
          – Und was Helmut Schmid angeht, hat dieser eine unbequeme Wahrheit ausgedrückt (sinngemäss) „Wir müssen davon wegkommen, zu glauben unsere Auffassung von Demokratie sei die einzig richtige ein Land zu regieren. Mehr noch: Länder und Nationen belehren zu wollen, die vor ganz anders gearteten Problemen stehen als wir, wo eine gänzlich andere Mentalität herrscht und zudem eine Geschichtserfahrung von mehr als 4000 Jahren Kultur. Das wäre höchst arrogant“…
          Ansicht eines gebildeten Realpolitikers und Machers, der nicht würdelos um Wähler buhlte und den es heute so leider nicht mehr gibt. Typisch sein Ausspruch „Wer Visionen hat, sollte nicht in die Politik gehen“…

          • Carla Maltese
            25.11.2019, 17:55 Uhr.

            Helmut Schmidt war aber auch nicht unfehlbar. Gerade China hat er sehr mit dem Blickwinkel der Regierung gesehen. Er wollte auch eigentlich nichts wissen von Tiananmen, hat sich viel schönfärben lassen.
            Und das chinesische Wirtschaftswachstum so glorifizieren wie er es tat: Es ist nicht das BRD-Wirtschaftswunder. Es geht nicht allen gleichzeitig besser. Es gibt immernoch Millionen Wanderarbeiter die sich mit Mühe und Not die tägliche Nudelsuppe leisten können.

            Natürlich gibt es die prägende Kultur in der wir aufwachsen. Darunter gibt es aber immerhin die Grundbedürfnisse die bei allen Menschen gleich sind. Und irgendwann lässt sich das nach Freiheit nicht mehr unterdrücken.

            Und die Korruption hing den Han schon vor 600 Jahren zum Hals raus, nachlesbar in der Wasserufergeschichte.

          • Carla Maltese
            25.11.2019, 18:59 Uhr.

            Zutreffendender zum heutigen China als die von Helmut Schmidt sind wahrscheinlich die Worte eines im Ausland lebenden Tiananmen-Überlebenden: „China besteht aus Leuten die Angst machen und Leuten die Angst haben“

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