Papst: Friedensappell und Konsumkritik

Papst Franziskus hat zu Weihnachten eindringlich dazu aufgerufen, Konflikte auf dem Weg des Dialogs zu lösen und die etwa für Syrien, Libyen und die Ukraine geschlossenen Friedensvereinbarungen umzusetzen. Er forderte in seiner Weihnachtsbotschaft beim traditionellen Segen Urbi et Orbi am Mittag die internationale Gemeinschaft auf, die „Grausamkeiten“ des IS und anderer terroristischer Gruppen zu stoppen. Israel und die Palästinenser rief er auf, „wieder in direkten Dialog miteinander“ zu treten. In der Nacht hatte das katholische Kirchenoberhaupt einen ungehemmten Konsumrausch angeprangert und einen einfachen Lebensstil gefordert. Zugleich mahnte Franziskus bei der Christmette mehr Mitleid, Einfühlungsvermögen und Barmherzigkeit in der Gesellschaft an. Eine „Kultur der Gleichgültigkeit“ werde oft erbarmungslos, erklärte er. Die Welt sei häufig hart gegenüber dem Sünder und „lässig-weich gegenüber der Sünde“. Nötig sei hier ein „starker Gerechtigkeitssinn“.

Ein nachdenklicher Papst Franziskus an Weihnachten 2015. Er will, dass das Heilige Jahr der Barmherzigkeit die Herzen der Menschen verändert und dadurch Dialog, Begegnung, Versöhnung und Frieden möglich wird. (Quelle: ap)

Ein nachdenklicher Papst Franziskus an Weihnachten 2015. Er will, dass das Heilige Jahr der Barmherzigkeit die Herzen der Menschen verändert und dadurch Dialog, Begegnung, Versöhnung und Frieden möglich wird. (Quelle: ap)

Dank für Flüchtlingshilfe

In seiner Weihnachtsbotschaft erinnerte Franziskus nicht nur an die Konflikte in aller Welt, sondern auch an das Schicksal von Kindersoldaten, von Frauen, die unter Gewalt leiden, sowie der Opfer von Drogen- und Menschenhandel. Noch heute seien „Scharen von Männern und Frauen ihrer Menschenwürde beraubt und leiden wie das Jesuskind unter Kälte, Armut und unter der Ablehnung durch die Menschen“. Ausdrücklich dankte er allen, die sich um Flüchtlinge kümmern und ihnen helfen, „sich in die Gesellschaften, die sie empfangen, einzufügen“. Er forderte mehr Einsatz gegen Arbeitslosigkeit und den Schutz „jeden menschlichen Lebens“. Trost und Kraft erbat er für die verfolgten Brüder in vielen Teilen der Welt.

In der Predigt in der Christmette waren einige Interessante Passagen. Franziskus sprach davon, dass die „Skeptiker, die allein den Verstand befragen“ niemals die Wahrheit finden würden. Christen „dürfen nicht in Trägheit verharren“. Es sei ihnen nicht gestattet, „unbeweglich zu sein“. Schließlich dann seine klare Kritik am Konsum. In einer Gesellschaft, „die oft trunken ist von Konsum und Vergnügung, von Überfluss und Luxus, von Augenschein und Eigenliebe“ rufe das Jesuskind zu einem „einfachen, ausgewogenen und gradlinigen Verhalten auf, das fähig ist, das Wesentliche zu erfassen und zu leben“.

Weihnachten 2015 ist anders

Same procedure as every year, könnte man zum Weihnachtsfest im Vatikan sagen. Der Papst ruft zum Frieden auf und geißelt die Konsumgesellschaft. Allerdings einige kleine Änderungen gab es doch. Das waren zum einen die massiven Sicherheitsvorkehrungen, zum anderen die Gestaltung des Weihnachtsbaums. Niemand durfte auf den Petersplatz ohne Sicherheitskontrollen wie am Flughafen. Das habe ich in 20 Jahren hier zu Weihnachten noch nicht erlebt. Polizisten, Carabinieri, Militärs in Zivil und Uniform, dazu Spezialkräfte zur Terrorabwehr sind im Einsatz. Die italienischen und vatikanischen Sicherheitskräfte möchten den Pilgern und Touristen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.

Eine weitere Neuerung, zumindest im Kleinen, findet sich ganz unspektakulär am Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz. Der ist in diesem Jahr ungewöhnlich bunt geschmückt. Statt silberner Kugeln hängen in diesem Jahr hunderte Kugeln in unterschiedlichen Farben an der 25 Meter hohen Fichte aus Bayern. Gestaltet wurden die Kugeln von Kindern, die in italienischen Krankenhäusern mit dem Leben kämpfen. Meist leiden sie an Krebs oder anderen schweren Krankheiten. Sie haben den „Weihnachtsbaum der Wünsche“ geschaffen. Mit Keramik haben sie ihre Hoffnungen gestaltet: ein Ausflug mit der Familie zum Meer, ein Haustier, spielen mit anderen Kindern. Die Kinder liegen in elf Krankenhäusern in Italien von Bozen im Norden über Pescara und Rom bis Catania im Süden.

In diesem Jahr ist Weihnachten in Rom anders. Das liegt allerdings weniger am Außerordentlichen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, das am 8. Dezember begonnen hat. Es liegt an der Anspannung, die über der Stadt liegt aufgrund der jüngsten Terroranschläge in Paris und an anderen Orten. Franziskus möchte dem die Botschaft des Dialogs entgegensetzen. Weihnachten soll, so der Papst in seiner Weihnachtsbotschaft, „ein Tag des Friedens [sein], an dem es möglich wird, einander zu begegnen, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich zu versöhnen“.

P.S. Ein Rückblick auf das Jahr 2015 und Papst Franziskus gibt es bei heute.de: Franziskus – ein Papst der Widerstände und hier im Video:

P.P.S. Die Redaktion wünscht allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

41 Kommentare

  • Clemens
    26.12.2015, 8:29 Uhr.

    Da wächst etwas sehr Gutes!

  • Wanda
    26.12.2015, 16:58 Uhr.

    – …“dass Skeptiker, die allein den Verstand befragen, nie die Wahrheit finden würden“…
    Ach Franziskus, habt Ihr oberste Repräsentanten der Religionen sie denn gefunden ?
    All die hochgebildeten Theologen, Rabbis, Imame, Priester und Geistlichen meinen doch angeblich dasselbe wenn sie von Gott reden, oder ?
    Warum also kommt es dann zu diesen entsetzlichen Gewaltausbrüchen zwischen ihren Religionen bzw. deren Gläubigen, und zwar von Beginn an bis in unsere Gegenwart ?
    Einzig logische Erklärung: die Idee Gott hat (zumindest bisher) versagt.

    • Silberdistel
      26.12.2015, 23:37 Uhr.

      wanda 16.58 h
      Im letzten Jahrhundert hat ein, für die damalige Zeit recht bedeutender dt. Politiker und Namensgeber für eine Heringsmahlzeit den Satz geprägt; das man mit der Bergpredigt keine Politik machen könne. Heute, aus der Retrospektive der Gnade der späten Geburt heraus, können wir auf dieses so äusserst gewalttätige Jahrhundert schauen, mit dem doch recht eindeutigen Resüme: HÄTTE MAN DOCH BESSER MAL!
      Ich weiss nicht nicht auf was Sie, nach all den gescheiterten menschlichen Experimenten „friedlichen Zusammenlebens“: Den zahllosen -logien und -ismen in jedweder politischer Coleur von blutrot bis kotbraun, mit den bekannten millionenfachen Opfern an Leib und Leben, dem Scheitern des „wind of change“ oder diverser „politischer Frühlinge“, Ihre weltliche Hoffnung noch immer setzen wollen? Sie verraten uns das nie, sondern beklagen stattdessen gebetsmühlenhaft die zugegebenermassen vorh. menschlichen Fehler und Verirrungen in der Alltagspraxis des Christentums.
      Das die Boten der ‚Göttlichen Idee‘, die als Kern praktisch ALLEN Weltreligionen immanent ist, nicht immer die Besten waren, kann man ihr selbst doch nicht ankreiden. Es gab und gibt dagegen genügend Vertreter die Segen aus der Verwirklichung dieser „Idee“ heraus gebracht haben und täglich darbringen.

      • Wanda
        27.12.2015, 19:49 Uhr.

        Silberdistel 23:27
        – für mich ist ganz offensichtlich und es ist ja auch eine zumindest bisher unwiderlegbare historische Tatsache, dass all diese Ideologien, -ismen und auch Religionen (standen immerhin am Anfang) versagt haben und häufig als Berechtigung zur Verfolgung Andersdenker bzw. gewaltsamen Durchsetzung der eigenen Weltanschauung dienten…
        – Doch nun zu Ihrer Frage. Vorab: ich habe keine weltliche Hoffnung sondern eine (schwer erarbeitete) Überzeugung. Dies ist nun meine Antwort und ich bitte Sie um Nachsicht, dass sie nicht kürzer ausfällt.
        – Jeder sollte seinen eigenen Weg und Lebensentwurf finden, und allen vorgegebenen, feststehenden oder gar dogmatischen Lehren mit Skepsis begegnen. Deren eigene Historie beweist, dass sie untauglich waren/sind, obwohl sie durchaus wertvolle Teilaspekte aufweisen können.
        Der normale Mensch (also auch ich) weiss um die sogenannten „ewigen Werte“. Ob er sie lebt oder sich danach ausrichtet, ist eine Frage der persönlichen Entscheidung. Für mich steht zweifelsfrei fest: Moral und Ethik sind nicht an feststehende Ideologien, -ismen oder Religion gebunden und noch weniger von ihnen erfunden. Sie sind in der menschlichen Natur verankert wie auch das, was gemeinhin als „böse oder verwerflich“ betrachtet wird. Diese beiden Kategorien unterliegen auch keiner Evolution. Sie waren und sind einfach da.
        Paradox oder logisch ? Moral und die ethischen Werte sind uns eher alltagsuntauglich, weil im praktischen Sinne gewinnfeindlich oder hinderlich. Sie sind jedoch Balsam für unser Befinden und vermitteln ein gutes Gefühl. Sich danach auszurichten ist allerdings unbequem und verlangt uns viel ab. Einfach wird es uns nicht gemacht. Aber wer sagt denn, dass es einfach sein muss ?
        – Meine ganz persönliche Einsicht hat sich nicht geradlinig geformt sondern ist über die Jahre gewachsen wie wohl bei fast allen von uns und hat viele Umwege (und sogar Sackgassen) hinter sich.
        Eines weiss ich und das ersetzt mir den (bei Anderen spekulativen) Glauben: ich bin wie jeder als Individuum einzigartig und unverwechselbar aber keineswegs das Geschöpf irgendeiner „höheren“ einflussnehmenden Kraft (oder Gott). Als solches bin ich vernunftbegabt, selbstverantwortlich und kreativ entsprechend meiner bio-chemischen Zusammensetzung, die zeitlebens komplizierte Reaktionen und Fusionen zeitigt, wobei Letztere aber über die Zeit weniger funktionieren und in den Alters- oder einen Krankheitsprozess münden – letztlich bis zum Tode, was der völlig normale und vorgezeichnete Verlauf einer biologischen Existenz ist.
        Die Vorstellung von einem Leben danach ist für mich genauso absurd wie ein mich erwartender Gott und sein Urteil oder ggf. irgendein finsterer Orkus.
        Ich bin sicher, dass nach meinem Ableben das was mich physisch und auch geistig-charakterlich ausgemacht hat, definitiv beendet ist und über die Zeit in kleinste Bestandteile, Substanzen und Urstoffe zerfällt bzw. wieder im Ganzen aufgeht, ohne jedes menschliche Trachten und egozentrische Befindlichkeiten. Und an dieser Stelle nun der Kern meiner Antwort:
        dieses Wissen ist mir genug. Es verleiht mir tiefe Ruhe und Befriedigung und nimmt mir jede Art von Besorgnis, was kommt danach und wie mag es weitergehen? Gleichzeitig vermittelt mir diese Gewissheit um meine eigene Endlichkeit eine Sicherheit und die Fähigkeit loszulassen.
        Es genügt mir, ein zeitlich begrenztes Dasein leben zu dürfen ohne jedes Verlangen nach einer wie auch immer gearteten Weiterexistenz in einer Astralwelt danach.
        – Ich darf Ihnen versichern, trotz dieser meiner reservierten Haltung zur Transzendenz und Metaphysik ist mir das Staunen und die Erfurcht vor unserem Dasein, der Natur, dem Kosmos und Universum (d.h. Allem was ist) absolut nicht abhanden gekommen. Ich stehe immer wieder ergriffen und überwältigt vor diesen Bildern die sich uns bieten und die schöpferische Fähigkeit von Menschen, die in ihrer Genialität zu unglaublichen Werken fähig sind, nötigen mir den gleichen Respekt ab.
        Obwohl sich unser Wissen ständig erweitert und wir fortlaufend neue Erkenntnisse und Einsichten gewinnen, werden sich immer wieder neue Fragen auftun und das endlos. Ein im Grunde beruhigender Gedanke, denn damit bleiben wir als „vernunftbegabte Aufrechtgehende“ des Staunens fähig und das ist gut so: als Voraussetzung und Anlass zur Bescheidenheit…

        • Wanda
          27.12.2015, 20:05 Uhr.

          P.S. da ich auch Rabbis, Imame und Theologen allgemein angeführt hatte, können Sie mir nicht ankreiden, ausschliesslich das Christentum kritisiert zu haben.

          • Silberdistel
            29.12.2015, 20:38 Uhr.

            Wanda, 20.15 h
            Mal abgesehen von Ihrer individuellen Überzeugung, die Ihnen zusteht und offensichtlich keiner nehmen kann, wird aus reinem Pragmatismus heraus das Kollektiv der Menschheit zu einem Konsens finden müssen ob der vielen ‚Flaschenhälse‘ (@zdfharaldlesch-Fans werden wissen was gemeint ist: U.a. nur kurz angesprochen die gerechte Verteilung der Recourcen des Planeten ohne das dabei seine/unsere Biosphäre erheblichen Schaden nimmt bei gleichzeitigem Ende der leicht zugänglichen Rohstoffe sowie Herstellen einer sozial verträglichen Ausgewogenheit, ohne das dabei die nun zur Verfügung stehenden Massenvernichtungsmittel zum Einsatz kommen ect. pp).
            Diesen Konsensus höherer Vernunft der für die Problemlösungen notwendig wäre, sieht der Papst offensichtlich nicht und meine Wenigkeit auch nicht. Hierfür wurden historisch mittlerweile die eindeutigen Beweise erbracht, – siehe Verlauf letztes Jahrh. bzw. Anfang dieses. Wobei die neuzeitliche kollektive Institution, die die Vernunft der Gesamtmenschheit repräsentieren sollte, die UNO, sich gleichfalls als untauglich erwiesen hat.
            Nein, schon aus ganz pragmatischen Gründen bleibt die Hoffnung allein auf ‚Gott‘, auf den Religionen. Die man beide tunlichst erfinden müsste wenn es sie nicht gäbe. Sowie auf eine UNderReligionen, wie von Shimon Perez vorgeschlagen, und die Papst Franziskus als einer der massgeblichen religiösen leader hoffentlich bald vorantreiben wird.

      • JasJu
        28.12.2015, 12:29 Uhr.

        @ Silberdistel. Danke für Ihre Ausführungen, Sie haben vollkommen recht. Bei @ Wanda finden wir ein weitverbreitetes Gottesbild, oder eine Sehnsucht, die die Freiheit des Menschen zur guten oder bösen Tat ausschalten will. Gott greift immer ein, Leid gibt es nicht, der Mensch ist eine Marionette, dessen Taten irrelevant sind, weil sie – je nach moralischer Güte – von der Gottheit kassiert werden. Nur: So ist die Schöpfung nicht, jedenfalls nicht im Hier und Jetzt. Wanda sollte sein/ihr Gottesbild vertiefen, am besten mit Bibellektüre und im Gebet.
        Natürlich haben wir Christen die Wahrheit gefunden. Sie ist eindeutig und heißt Jesus Christus. Er ist der Weg. Er ist auch der „göttliche Kern“ in allen Weltreligionen, von dem Silberdistel spricht.

        • Wanda
          29.12.2015, 17:22 Uhr.

          JasJu 12:29
          – totaler Schmarrn, habe Sie eigentlich nicht verstanden, dass ich überhaupt kein Gottesbild habe? Dieses „Wesen“ existiert für mich schlichtweg nicht…
          Und wir sind jene, die allein Verantwortung tragen und zwar hier und jetzt und nicht mit Hinblick auf ein Jenseits, wo man für gutes Handeln belohnt, für Vergehen bestraft wird.
          Anders ausgedrückt, man tut also nicht Gutes um des Guten Willen sondern erhofft eine jenseitige Prämie für Wohlverhalten: eine Art Krämermentalität.

          • JasJu
            30.12.2015, 11:26 Uhr.

            Es gibt keinen Grund, ausfallend zu werden. Gott ist eine Realität, die Sie zur Kenntnis zu nehmen haben. Ihre fehlenden Wahrnehmungsfähigkeiten sind bedauerlich, aber keinesfalls relevante Grundlage für von Ihnen vorgenommene Urteile. Finden Sie sich einfach damit ab, daß Gott auch Sie liebt und Jesus für Ihre Sünden gestorben ist. Guten Rutsch.

          • Wrightflyer
            30.12.2015, 16:39 Uhr.

            Wirklich entschiedene Christen arbeiten keinen vorgegebenen Almosenkatalog ab um in den Himmel zu kommen, sondern tun GERADE Gutes um des Guten Willen, reißen sich also teilweise bis zum Umfallen den Arsch für Hilfsbedürftige auf, nehmen macnhmal sogar Verfolgung und Tod auf sich!
            Die Bahnhofsmission, die Caritas, Pax Christi und alles wurden nicht von Krämern aufgebaut, die mal eben einen Almosenkatalog fürs Himmelreich abarbeiten! Um das alles aufzubauen und zu betreiben braucht es mehr, es braucht etwas das man Liebe nennt! Liebe zu Gott und zu den Menschen, die dadurch entsteht, daß man die Liebe Gottes selbst schon erfahren hat!

            Sie haben NICHTS verstanden!

          • Alberto Knox
            01.01.2016, 0:35 Uhr.

            gott ist keine realität und er „existiert“ auch nicht, weil er jenseits der unterscheidung von sein und nichtsein ist. ein bisschen sollte man schon die analogielehre des iv. laterankonzils berücksichtigen, sowohl die atheisten (@wanda), die vielleicht ablehnen, woran christInnen gar nicht glauben, als auch die vermeintlich gläubigen (@jasju), die sich einen für ihre bedürfnisse passenden götzen zurechtgeschnitzt haben, der aber mit dem lebendigen dreifaltigen gott nicht das geringste zu tun hat.

      • Wrightflyer
        29.12.2015, 0:34 Uhr.

        „Ich weiss nicht nicht auf was Sie, nach all den gescheiterten menschlichen Experimenten „friedlichen Zusammenlebens“… Ihre weltliche Hoffnung noch immer setzen wollen? Sie verraten uns das nie, sondern beklagen stattdessen gebetsmühlenhaft die zugegebenermassen vorh. menschlichen Fehler und Verirrungen in der Alltagspraxis des Christentums.“
        Danke, sehr schön gesagt!
        Ehrlich gesagt: ich bin immer für ehrliche und konstruktive Kirchenkritik. Das bedeutet aber, daß sie auch als ehrliche und konstruktive Kirchenkritik gemeint sein muss und auch eine gewisse Fähigkeit in die andere Richtung, nämlich zur Selbstkritik, mit einschließt. Wenn ich aber das Gefühl habe, daß es sich eigentlich nicht um Kirchenkritik sondern um eine Form der Selbstbeweihräucherung handelt und der rk-Klerus ein Alibi sein soll um das eigene Ego aufzublasen, will ich mich da nicht zur Gehilfin machen und verteidige ich stattdessen auch mal vehement meine Exkonfession.

        • Wanda
          29.12.2015, 17:04 Uhr.

          – Religion ist wie alle Ideologien und -ismen (Katholizismus ist z.B. auch ein -ismus) von Menschen gemacht, erdacht und gescheitert wie wir an den Ergebnissen seit tausenden von Jahren sehen und es wird uns gerade wieder sehr deutlich vor Augen geführt, oder kann mir jemand das Gegenteil beweisen ?
          – Bediene ich Deines eigenen Verstandes und ziehe Deine eigenen Schlüsse. Betrachte jede vorgegebene, feststehende Meinung (Ideologie und Religion) mit Skepsis und Misstrauen. Seinen eigenen Weg zu finden, unabhängig von dem, was „man“ zu glauben hat ist die Aufgabe…
          Zugegeben schwierig, werden wir doch schon als Kinder in eine bestimmte Richtung gelenkt, und es kostet viel sich später davon frei zu machen…

          • Wrightflyer
            30.12.2015, 16:26 Uhr.

            Oh, keine Sorge, ich BEDIENE mich meines Verstandes! Deswegen hinterfrage ich alles kritisch, AUCH den Atheismus. Was bietet der schon? Werte als „evolutionärer Vorteil“. Und wer nicht mehr evolutionär nützlich ist? Was ist mit dem? Und kann man wirklich annehmen daß 1 Dutzend Naturkonstanten teilweise bis in winzigste Nachkommastellen durch Zufall so ausgefallen sind daß wir in einem physikalisch perfekt geregelten Universum leben? Überhaupt ist der Zufall der Lückenbüßergott des Atheimus‘.
            Nein, den Atheismus habe ich auseinandergenommen und für nicht zufriedenstellend befunden.

            Interessanterweise bekomme ich von Ihnen Vorwürfe, wenn ich es wage, mich meines Verstandes zu bedienen und nicht alles zu glauben was die Politiker so erzählen! Wenn ich das System hinterfrage und darauf hinweise daß die geopolitischen Machtspiele den Ländern und Völkern keinen Gefallen tun, leide ich angeblich an „Selbsthass“.

          • Silberdistel
            30.12.2015, 20:05 Uhr.

            wanda, 17.04 h
            In den 80zigern gab es mal in Kita’s den Hype der „Antiautoritären Erziehung“. Die Grundidee dahinter war, das wenn man das heranwachsende Individuum nur von allen Zwängen, Grenzen und Autoritäten befreie (Diese Art der non-Erziehung wurde auch gern von den politisch Linken favorisiert), so müsse dadurch das Gute, soziale und positiv-kreative im Menschen geradezu herausbrechen.
            Heutzutage will mW niemand mehr etwas von dieser Non-Erziehungsmethode etwas wissen, sogar hartgesottene Alt68iger nicht, weil sich herausgestellt hat das man damit nur das Gegenteil bewirkt hat, sozial unfähige Egomonster regelrecht herangezüchtet hat.
            Nein, der Mensch ist nicht von sich aus gut und vor allem nicht wirklich sozial veranlagt, hat zu allem Übel nicht wirkliche Einblicke in die Tiefe der Schöpfung sowie Sinn des Lebens. Er kann es nicht und bedarf deshalb hehrer Anleitung, Führung und Vorbilder, – das was Religionen eben so vermitteln. – Will Er nicht lebenslang ein Sklave seiner selbst und des (in der Regel selbst erschaffenen) Unglücks bleiben. Beweisführung: Aufschlagen und Lesen von Geschichtsbüchern von der ersten bis zur letzten Seite.

        • Wanda
          29.12.2015, 17:24 Uhr.

          – nun, wer hier ständig sein Ego episch und seitenlang aufbläst, lassen wir mal dahingestellt…

          • Wrightflyer
            30.12.2015, 16:09 Uhr.

            Das kann schonmal nicht ich sein, denn ich habe ehrlich gesagt keine große Lust mehr, hier zu schreiben.
            Zum einen bin ich derzeit Bahnpendlerin und komme abends spät heim. Und mich nachdem ich die einen oder anderen Kleinigkeiten erledigt habe, um 22 oder 22.30 hinzusetzen um manchmal bis kurz nach Mitternacht noch irgendwelche sinnvollen Sätze zusammenzubekommen geht mir in letzter Zeit eher auf den Senkel. Außerdem: Wegen Franziskus schreibe ich hier eigentlich nicht mehr mit. Der ist noch immer der Mensch der mich damals am Gründonnerstag begeistert hat, er macht immernoch das meiste absolut richtig, und rauf und runter zu schreiben was Franziskus alles toll und richtig macht ist irgendwann auch langweilig.

            Ich schreibe hier weil mich sehr viel beschäftigt, weil es mir um die Sache geht. Weder Atheismus noch Islam sind die Rettung für die Welt, sondern nur ein entschiedenes Christentum, ohne Kompromisse. Und dafür braucht es eine Kirchenreform.
            Die muss aber von allen Christen insgesamt und überkonfessionell ausgeführt werden,nicht nur immer bequem auf den bösen bösen rk-Klerus zeigen und den auch noch als „Wendehälse“ beschimpfen wenn er sich tatsächlich reformieren will. Der Ball ist also nicht bei Franziskus, denn der hat schon mehr als genug Signale und Impulse gesetzt, sondern bei uns Christen insgesamt.
            Was das angeht, haben mich die Mitdiskutanten hier im Blog das Jahr über allerdings bitter enttäuscht. Worauf ich hier vor allem in den letzten Monaten getroffen bin ist teilweise ein ziemlicher Abgrund […]*Deswegen schreibe ich hier noch mit, und ich schreibe lang und viel, weil mich viel beschäftigt, aus der Enttäuschung und der Bitterkeit heraus.

            Jesus ist doch nicht gekommen um die damals größte Militärmacht bauchzupinseln! Er ist auch nicht gekommen um den wohlsituierten ein bischen bürgerliche Behaglichkeit ins Haus zu bringen! Er ist gekommen um die Welt zu retten, denn die ist jedes Opfer wert!

            * editiert wegen Verstosses gegen die Netiquette

          • Alberto Knox
            01.01.2016, 0:31 Uhr.

            sie geben da eine völlig unqualifizierte meinung zum besten mit ihrer ins leere laufenden kritik an wrightflyer, die mehr von ihnen aussagt als von wrightflyer.

    • Wrightflyer
      29.12.2015, 0:18 Uhr.

      Und woher kommen die entsetzlichen Gewaltausbrüche des Faschismus, des Kommunismus, der Jakobiner und anderer -ismen, dazu das extrem kalte und emotionslose Morden des Kapitalismus?
      Ich würde sagen, die Idee „es gibt keinen Gott“ hat in ihrer eher jungen Geschichte mindestens genauso versagt.
      Zumal die Religion in angeblichen Religionskriegen oft nur vorgeschoben ist und das Alibi bildet für ganz gottlose Machtinteressen, siehe Dreißigjähriger Krieg.

      • Wanda
        29.12.2015, 17:49 Uhr.

        – Religionskriege nur vorgeschoben ?
        Ich bitte Sie: Originalton Franziskus …“auch wir Christen müssen Gott um Vergebung bitten wegen unserer Vergangenheit und der Religionskriege“…
        – Und mit Hinsicht auf die abrahamitische Religion des Islam hat der Friedenpreisträger Navid Kermani klargestellt, er widerspreche jenen Menschen, denen angesichts des IS-Terrors nur die Floskel einfalle, dass die Gewalt nichts mit dem Islam zu tun habe. Und fügte hinzu: wer ist nun fundamentalistisch im Recht ? Gott oder jene Exegeten, welche solchen (auch im Koran zu findenden) Passagen theologischen Gehalt geben ?
        – Viel weiter davon entfernt sind solche Passagen auch in der Bibel nicht, denn im Neuen Testament erkärt Jesus unter anderem, er sei nicht gekommen um Frieden zu bringen sondern das Schwert…

        • Wrightflyer
          30.12.2015, 15:43 Uhr.

          Das mit dem Schwert ist vor allem eine Warnung an die Jünger Jesu, daß sie sich auf Hass und Verfolgung seitens der Mächtigen einzustellen hätten, und genauso ist es ja auch gekommen.
          Ein Christ darf sich nicht bequem mit den Mächtigen arrangieren, denn schon im 1. Gebot steht: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“ Wenn ein Christ sieht, daß anderen von staatlicher Seite her Unrecht geschieht, wenn ein Christ sieht daß die Reichen und Mächtigen Unrecht tun, muss er unbequem sein, notfalls auch (gewaltlos) Widerstand leisten. Deswegen ist das Christentum den Mächtigen stets ein Dorn im Auge, sogar dann wenn sie behaupten, selbst Christ zu sein. Wussten Sie schon daß in den letzten Jahren immer wieder Politiker Muslime als Alibi vorschieben um christliche Bräuche abzuschaffen und z.B. die Weihnachtsmärkte in „Wintermärkte“ umzubenennen?

          Auf der anderen Seite lehrt Jesus als einziger nicht einfach nur Gewaltlosigkeit, das tat auch Buddha, sondern den Feind sogar zu lieben. Viel verlangt von uns Menschen, oft ZU viel, ich weiß. Aber alle anderen Religionen, auch der Islam, predigen in einem gewissen Rahmen Frieden, nur das Christentum allein verlangt mehr. Das Christentum allein predigt umfassende Vergebung und Liebe. Das tut auch der Atheismus nicht, denn der Atheismus predigt Werte als bloßen evolutionären Vorteil. Wenn also diese Werte nicht mehr so wichtig sind, weil jemand so weit außerhalb der Gesellschaft gelandet ist daß man sich nicht mehr um ihn zu kümmern braucht, weil man sich sowieso keine Gegenleistung mehr für das verspricht was man ihm gutes tut, was dann?

  • Wrightflyer
    29.12.2015, 0:11 Uhr.

    „Papst Franziskus hat zu Weihnachten eindringlich dazu aufgerufen, Konflikte auf dem Weg des Dialogs zu lösen und die etwa für Syrien, Libyen und die Ukraine geschlossenen Friedensvereinbarungen umzusetzen“
    Hmmmm, überraschenderweise soll Bashar al-Assad zu Friedensgesprächen bereit sein. Ich bin mir nicht sicher ob den Braten zu trauen ist.
    Eines ist klar: Vom Waffenstillstand bis zum wirklichen Frieden wird es noch lange dauern und Syrien steht ein langer und schmerzhafter Weg der Aufarbeitung bevor, wenn erstmal alles ans Licht kommt was unter Assad so gelaufen ist und wer alles Fassbomben geschmissen, gefoltert und verhaftet hat. http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-12/human-rights-watch-syrien-folter
    Siehe Spanien, dieses Land kaut auch noch immer an seinem Bürgerkrieg vor 70 Jahren herum.
    Die Lage in der Ostukraine, Kriegsschauplatz ist hauptsächlich der Donbass, ist ebenfalls schlimm. Ja, die NATO hat Fehler gemacht, die Osterweiterung damals hätte nicht stattfinden dürfen. Aber wer die andere Seite jetzt vergisst, wer Putin jetzt für unschuldig befindet und heilig spricht, ist ziemlich erbarmungslos sowohl dem russischen wie dem ukrainischen Volk gegenüber. Putin IST ein Diktator, Russland GEHT es furchtbar und nur diejenigen die grundsätzlich Macht und Mächtige lieben, suchen die Schuld allein beim Westen. Übrigens ist mir zu Ohren gekommen, daß es keine Verbindung mehr auf die Krim gibt. Absolut garkeine.

    „Er forderte in seiner Weihnachtsbotschaft beim traditionellen Segen Urbi et Orbi am Mittag die internationale Gemeinschaft auf, die „Grausamkeiten“ des IS und anderer terroristischer Gruppen zu stoppen.“
    IS verliert seit einiger Zeit massiv Territorium und wird bald Geschichte sein. Die Frage ist nur: Was kommt danach? Die geopolitischen Verantwortungslosigkeiten die den IS erst haben entstehen lassen, dürfen sich nicht wiederholen. Aber leider leben wir in einer Welt in der zuviel Macht in den Händen zu verantwortungsloser, skrupelloser, geld- und machtgieriger Individuen liegt, und das ist weder für uns im Westen noch für die arabische Welt gesund.

    „In der Nacht hatte das katholische Kirchenoberhaupt einen ungehemmten Konsumrausch angeprangert und einen einfachen Lebensstil gefordert.“
    Für mich ist die Sache nicht so einfach, denn ich habe Arbeit, weil andere konsumieren wollen. Die Industrialisierung an sich ist auch erstmal nicht schlecht, sie hat viel gutes gebracht. Aber mittlerweile sehe ich das System als aus dem Ruder gelaufen und ich bin ein Teil davon. Ich mache mir schon seit längerer Zeit Gedanken darüber, daß wir ein neues nachhaltigeres und bescheideneres System brauchen. Eines in dem auch Ingenieure wie ich für das Wohl der Menschheit arbeiten und nicht um den Aktionären die Taschen vollzustopfen.
    Aber wenn man das System kritisiert, ist man ein Verräter und liebt angeblich sein Vaterland nicht…

  • Silvia
    29.12.2015, 8:59 Uhr.

    Ich möchte mich hiermit im Blog zurück melden, bin seit gestern Nachmittag aus dem Krankenhaus wieder zu Hause.

    • Wrightflyer
      30.12.2015, 15:19 Uhr.

      Na dann: Willkommen zurück!

    • Wanda
      30.12.2015, 16:06 Uhr.

      – Willkommen ! Hoffe, Sie sind wieder wohlauf…

      • Silvia
        31.12.2015, 11:25 Uhr.

        Danke Wanda, ich taste mich gerade in die Normalität zurück, es ist auch – wie üblich bei mir – nicht Alles ganz glatt gegangen.

    • Alberto Knox
      31.12.2015, 14:37 Uhr.

      liebe silvia,

      schön, dass sie wieder hier sind! einen geruhsamen jahreswechsel und ein gesegnetes, gesundes neues jahr!

      • Silvia
        31.12.2015, 20:33 Uhr.

        Danke, Herr Knox!

  • Silvia
    30.12.2015, 11:52 Uhr.

    Im Februar findet im Vatikan ein Seminar zum Thema Synodalität statt, dabei geht es u.a. anscheinend darum, den nationalen Bischofskonferenzen mer Einfluss einzuräumen:

    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/mehr-einfluss-fur-die-bischofskonferenzen

    Es geht also voran und ich hoffe sehr, dass das Pontifikat von Papst Franziskus noch so lange dauern wird, dass er zumindest die wichtigsten Reformen durchführen und festschreiben kann.

    Der Glaubenspräfekt hat sich übrigens zum Vorwurf schwarzer Kassen in seiner Kongregation reichlich arrogant geäußert, sinngemäß etwa, dass er sich nicht für die Vatikanfinanzen interessiere, diesen Sektor für unwichtig halte und er selbst zu Höherem an die Glaubenskongregation berufen worden sei.

    Von mir ein bisschen polemisch überspitzt wiedergegeben, aber sinngemäß kommt es hin.

    • Silvia
      30.12.2015, 13:09 Uhr.

      Hier steht auch auf Radio Vatikan was dazu:

      http://de.radiovaticana.va/news/2015/12/30/synoden-sekret%C3%A4r_%E2%80%9Epapst_hebt_bischofskonferenzen_hervor%E2%80%9C/1197729

    • Wrightflyer
      30.12.2015, 21:06 Uhr.

      „Es geht also voran und ich hoffe sehr, dass das Pontifikat von Papst Franziskus noch so lange dauern wird,“
      Wenn Sie das wirklich hoffen, dann haben Sie ihn nicht verstanden!
      Er ist nämlich nicht das was Sie sich vorstellen! Er hat Ansprüche, und zwar ziemlich hohe, und zwar an ALLE Christen, nicht nur an Kurienmitarbeiter!

      „Der Glaubenspräfekt hat sich übrigens zum Vorwurf schwarzer Kassen in seiner Kongregation reichlich arrogant geäußert, sinngemäß etwa, dass er sich nicht für die Vatikanfinanzen interessiere, diesen Sektor für unwichtig halte und er selbst zu Höherem an die Glaubenskongregation berufen worden sei.“
      Ganz ehrlich?? Ich habe auch keine Lust, auf alles aufzuspringen was die BLÖD so zusammenreimt! Was der Müller getan hat und was er nicht getan hat, sollen uns seriösere Quellen erzählen, nicht gerade das Blatt das eine regelrechte Lynchstimmung gegen Griechen und Lokführer erzeugt hat. Letzteres gemeinsam mit der marktvergötzenden Frankfurter Altherrenzeitung.

      Ich lese gerade dieses Interview. Was ich beim Müller kritisiere ist die Auffassung, daß es noch Wachhunde geben müsste, die die „reine Lehre“ bewachen. Zumal sich diese „Wachhunde“, also seine Behörde, auch mehrfach nachweislich geirrt haben. Andererseits ist die Kirche insgesamt, also wenn sie von oben bis ganz nach unten frei beraten und ihre Ansichten sagen kann, unfehlbar, hat immerhin auch das 2. Vatikanum festgestellt. Aber wie passt das mit Wachhunden zusammen, die aufpassen wer was sagt? Da irrt sich Müller ganz gewaltig.

      „Selbst wenn menschlich gesehen die Partner sich auseinanderleben, besteht die sakramentale Ehe aus Ausdruck der größeren Treue Gottes trotzdem fort.“
      Das ist die Frage: Ist etwas eine Ehe in Gottes Sinn wenn nurnoch ein Papier mit Stempel vom Amt existiert aber die Ehepartner längst Fremde geworden sind? Reduziert man da nicht die Ehe auf den Stempel vom Amt?

      Das mit dem „Buhmann für antirömische Tendenzen“ möchte ich auch scharf kritisieren. Es IST eine Tatsache, daß Rom und die Glaubenskongregation in den letzten Jahrzehnten nicht gerade sehr einfühlsam mit den Ortskirchen und ihren jeweiligen Problemen umgegangen sind.

      Außerdem redet Müller zwar schön von Ökumene, aber er sieht die Dinge doch SEHR aus römischer Sicht. Das Papstamt in der heutigen Form ist noch nicht einmal für alle römischen Katholiken heute noch so akzeptierbar, wie soll das dann mit anderen Konfessionen gehen, z.B. meiner? Das wovon der Müller da redet ist mehr eine Art Unterwerfung, keine konstruktive Debatte.

      Andererseits gibt es bei Müller in diesem Interview auch sehr gutes das er sagt. Folgenden Punkten kann ich von Herzen zustimmen:
      ->“Erneuerung der Kirche kann nicht das spezielle Programm eines einzelnen Papstes sein. Sie ist die permanente Aufgabe eines jeden Christen, der über eine bloß äußerliche Anhänglichkeit an das Christentum hinaus ein wahrer Anhänger Christi werden will. Es gibt aber auch epochale Herausforderungen, auf die die Kirche jeweils in ihrer Zeit antworten muss.“
      ->“Die Kurie ist ein Hilfsinstrument für die Regierung der Kirche. Sie steht nicht im Zentrum der Kirche. Wo immer die Eucharistie gefeiert wird, ist das Zentrum auch in einer ärmlichen Urwaldhütte. Die überproportionale mediale Aufmerksamkeit ausgerechnet für die Kurie anstatt für das Evangelium ist der beste Beweis: Ein Perspektivenwechsel ist nötig!“
      ->“Fundamentalismus war ursprünglich eine Form der buchstäblichen Bibelauslegung. Wir wissen aber: Das Wort Gottes ergeht an uns im Menschenwort. Beides ist nicht identisch, wenn auch untrennbar. Deshalb kann man im Licht des gesamten Glaubens an Gottes Offenbarung im Alten und Neuen Testament nicht ein paar Einzelstellen ohne Berücksichtigung ihres historischen Kontextes heranziehen, um die im natürlichen Sittengesetz begründete Religions- und Gewissensfreiheit einzuschränken. Wir verlangen nicht vom Staat, dass er mit seinen Mitteln die Zustimmung zu einem bestimmten Glauben durchsetzt. Zurecht aber können alle Bürger von ihrem Staat den Schutz ihrer Menschenrechte inklusive der individuellen und gemeinschaftlichen Religionsfreiheit erwarten. Fundamentalismus im Sinne von Gewalt gegen andere im Namen Gottes ist im Grunde anti-christlich und unmoralisch. Denn wer im Namen Gottes andere Menschen an Seele und Leib verletzt, handelt gegen den Willen Gottes, der der Schöpfer eines jeden Menschenlebens ist.“
      ->“Die Hoffnung der Menschheit ist Jesus Christus – und nicht die Börse von New York. Der Glaube, und wenn er klein ist wie ein Senfkorn, trägt für immer.“
      ->“Laizisten hätten das gern. Sie wollen die Religion, in welcher Form auch immer, gewaltsam aus der Öffentlichkeit verdrängen, getreu ihrem eigenen Dogma, Religion sei Privatsache. Das widerspricht aber dem Menschenrecht auf freie Religionsausübung diametral.“
      ->“Papst Benedikt erklärte: Wir können die Wahrheit nur bezeugen, sind aber niemals ermächtigt, sie anderen aufzudrängen oder sie mit Drohungen aufzuzwingen. Glauben als Lebensgemeinschaft mit Gott kann nur in Freiheit gelingen. Kurz: Glaube und Zwang schließen einander aus.“

      „ZEIT: Papst Franziskus wird im Jahr 2016 wahrscheinlich nach Deutschland reisen. Kardinal Maradiaga hat bereits gesagt, wir Christen könnten „2017 gemeinsam feiern“, nämlich als Christusfest. Was denken Sie: Können wir zusammen feiern? Gar die Kirchenspaltung überwinden?“
      RODRÌGUEZ Maradiaga!!!
      Himmelherrgott, wie oft denn noch?!

      • Wrightflyer
        30.12.2015, 21:07 Uhr.

        Ach ja, jetzt hätte ich beinahe den Link vergessen, entschuldigung!
        http://www.zeit.de/2016/01/katholische-kirche-kardinal-mueller-interview

      • Silvia
        31.12.2015, 22:53 Uhr.

        Wrightflyer:

        „Es geht also voran und ich hoffe sehr, dass das Pontifikat von Papst Franziskus noch so lange dauern wird,“
        Wenn Sie das wirklich hoffen, dann haben Sie ihn nicht verstanden!
        Er ist nämlich nicht das was Sie sich vorstellen! Er hat Ansprüche, und zwar ziemlich hohe, und zwar an ALLE Christen, nicht nur an Kurienmitarbeiter!“

        Wieso habe ich den Papst nicht verstanden, weil ich mir wünsche, dass sein Pontifikat so lange dauern möge, dass er wenigstens die wichtigsten Reformen realisieren kann?

        Und wo habe ich gesagt, dass sich der Papst damit nur an die Kurie wendet?

        Ich denke eher, dass Sie das Wesen der rk Kirche nicht verstehen WOLLEN!

        Alle Reformen gehen nun mal vom Papst aus, auch eine eventuelle Umgestaltung seines eigenen Amtes.

        Und wenn die Bischofskonferenzen mehr Einfluss bekommen und die ganze Kirche synodal werden soll, dann geht das nur mit dem Papst, wir haben nämlich auch ein Kirchenrecht.

        Oder, krass ausgedrückt: Bevor der Papst sich selbst abschafft, muss er noch ein letztes Mal seine Amtsautorität ausüben.

        Wobei dieses Beispiel natürlich nur ein Beispiel ist, auch in Zukunft wird die rk Kirche einen Papst haben, auch wenn sich das Amt und die Form seiner Ausübung wahrscheinlich verändern werden, aber das war schon immer so in der 2000-jährigen Kirchengeschichte.

        • Wrightflyer
          01.01.2016, 16:43 Uhr.

          Sie haben mich nicht verstanden. Das strukturelle auf dem Weg zur Synodalität meinte ich eigentlich garnicht.
          Wie soll ich es Ihnen erklären?

  • Wanda
    30.12.2015, 17:21 Uhr.

    Silberdistel 20:38
    – wir sind ja gar nicht weit voneinander entfernt: die Verantwortung kommt in erster Linie dem Individuum zu. Wie Sie selbst schreiben, haben alle bisherigen Ideen einschliesslich der UNO mit ihrem 2.Klassen-System der Veto-Mächte und für mich (anhand der historischen Ergebnisse) auch die Religionen versagt. All diesen umfassenden Ideologien und Weltbilder bergen die Gefahr von Dogmen und somit Macht, und Letztere korrumpiert wie wir wissen und die Geschichte lehrt. Deshalb meine Absage an diese „Modelle“.
    – Eigentlich ganz simpel: machen wir zuerst und in unserem Umfeld unsere eigenen Hausaufgaben. Wenn jeder danach verfährt und sich nicht auf irgendwelche Heilsentwürfe verlässt, kommen wir voran. Ob diese ideologisch oder religiös untermauert sind ist doch völlig egal. Hauptsache es geschieht etwas…
    – Täglich erlebte Praxis: die äusserst limitierte Hilfestellung meiner Frau (ich helfe lediglich) hiesigen Kindern gegenüber bringt nur punktuell etwas. In grossem Masstab gesehen ändert sich jedoch nichts. Es müsste sich halt mit anderen (Ameisen-)Initiativen summieren…

    • Wrightflyer
      01.01.2016, 16:37 Uhr.

      Sie leben schon so lange mit Ihrer Frau zusammen, haben aber scheinbar noch nicht verstanden, warum sie tut was sie tut.

      Wirklich überzeugte Christen tun das was sie tun nicht aus Staatsräsion oder für kirchenpolitische Ziele, nach dem Motto: Wenn wir 10% mehr Caritas machen und 7% mehr Diakonie bekommen wir 3% mehr Kirchensteuer, und für 15% Pax Christi vielleicht einen Sitz im Bundestag, sondern aus Überzeugung und Liebe. Aus Liebe zu Gott, zu seinem Heilsplan und den Menschen.
      Das Christentum hat keinen Fünfjahresplan aus dem Ministerium. Und es bietet keinen Katalog abzuarbeitender Nettigkeiten. Es kennt noch nicht einmal sonderlich viele Gebote und Vorschriften. Gut, es gibt christliche Bräuche wie das Weihnachtsfest, aber an obligatorischen Geboten gibt es eigentlich nur die berühmten 10. Es kennt nur ein generelles Gebot und das ist gleichzeitig das schwerste überhaupt: Das der Liebe. Wer das begriffen hat und auch wirklich danach leben kann, der macht mehr als nur seine Hausaufgaben.

      • Wanda
        02.01.2016, 15:23 Uhr.

        – zuerst einmal sparen Sie sich Ihre persönlichen Angriffe !
        Nur noch soviel: meine Frau (und übrigens auch ich) tun das nicht zum Lobe irgendeines Gottes oder sonst einer hehren Idee sondern der Kinder wegen, denen es egal ist woher die Hilfe kommt, und das geht auch nicht ohne einen Teil meiner Rente einzubringen. Aber uns tut’s nicht weh…
        […]*

        *editiert wegen Verstosses gegen die Netiquette

  • Wrightflyer
    31.12.2015, 11:26 Uhr.

    DAS JAHR 2016 HAT ANGEFANGEN!!!
    In London, Kiribati jedenfalls.
    Bald wird es Kiribati nicht mehr geben, aber noch sind sie die, die das Privileg haben, als erste das neue Jahr begrüßen zu dürfen.

    Ich wünsche allen Mitschreibern und vor allem der Redaktion ein frohes neues Jahr…..
    in 13 Stunden, also unserer Zeitzone.

    Morgen um diese Zeit wird sich 2015 auf seiner Abschiedstournee einmal um den Planeten herum endgültig verabschiedet haben, und zwar feiert Samoa direkt gegenüber von Kiribati auf der anderen Seite der Datumsgrenze als letztes.

    Möge im Jahr 2016 die von Franziskus initiierte Kirchenreform wirklich in Gang kommen. D.h. möge es wirklich ein überkonfessioneller Neuaufbruch des Christentums sein und nicht nur kleinliche Hetze gegen diesen oder jenen konservativen Protagonisten. Mögen wir alle erkennen welchen Beitrag wir dazu leisten können und müssen, und mögen wir nicht immer nur den üblichen Verdächtigen bequem alles in die Schuhe schieben. Mögen wir frei werden von Egoismus, Selbstgerechtigkeit, Bigotterie, moralischer Faulheit und Doppelmoral und mögen wir lernen, den Machthabern dieser Welt, finanziellen wie politischen, auch unserer eigenen Regierung, kritisch auf die Finger zu schauen und ihnen auf selbige zu hauen wenn sie sich an ärmeren, wehrloseren Personen wie Ländern vergreifen.
    Mögen wir erkennen daß Christus sich geopfert hat weil die Welt schön ist und dieses Opfer wert war und es nichts mit „Selbsthass“ zu tun hat, wenn man sie gegen die Gier von Machthabern und Börse bewahren will.

    […]*
    *Die Links mussten wir leider wegen des Verstoßes gegen die Netiquette löschen.

  • Proh
    02.01.2016, 18:46 Uhr.

    Ich möchte mich eines Kommentars zu den obigen Diskussionen enthalten, nur soviel: Ich freue mich über den frischen Wind in der katholischen Kirche. Vieles dazu lässt sich unter http://www.publik-forum.de nachlesen.

    Papst Franziskus hat für 2016 das Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen, die Buddhisten z.B. um den vietnamesischen Lehrer Thich Nhat Hanh, sprechen im Europäischen Institut für angewandten Buddhismus EIAB (European Institute of Applied Buddhism, http://www.eiab.eu)vom Mitleiden und von der Achtsamkeit und üben es ein.
    Hier gibt es Parallelen – weg von einer Religion der Regeln, einer Gesetzesreligion, hin zu einer menschenfreundlichen Haltung.
    Schön wäre es, wenn das Judentum und der Islam hier aufschließen könnten. Ich bin in dieser Zeit der Krisen der Angst und der Inhumanität sehr froh, dieser Kirche anzugehören.

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