Der Papst und die „wahren Helden“

Ungewöhnliche Bilder kommen in den Kar- und Ostertagen 2020 auch aus dem Vatikan. Papst Franziskus feierte am Morgen den Palmsonntagsgottesdienst nicht mit zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz, sondern mit wenigen Mitwirkenden im Petersdom, nicht am großen Papstaltar, sondern am Kathedra-Altar. Die Corona-Pandemie bedeutet für Christen weltweit, den Höhepunkt des Kirchenjahres in ungewohnter Form zu feiern. Auch die Juden müssen für das anstehende Pessachfest neue Formen des Feierns finden und für die Muslime beginnt Ende April der Ramadan. Corona fordert die Religionen heraus.

Papst Franziskus feierte im leeren Petersdom den Gottesdienst zu Palmsonntag. (Quelle: ap)

Gewissenserforschung und Trost

Inspiriert durch die Bibeltexte des Palmsonntag, die den Einzug Jesu in Jerusalem sowie seine Leidensgeschichte schildern, sieht Papst Franziskus zu Beginn der Karwoche in diesem Jahr eine doppelte Perspektive. Das eine ist die Erfahrung des Verrats und des Verleugnens, die Jesus gemacht hat. Hier fordert Franziskus jeden einzelnen zur Gewissenserforschung auf, denn am schmerzlichsten sei es, von denen verraten zu werden, die versprochen haben, uns loyal und nahe zu sein. „Wie viel Unaufrichtigkeit, Heuchelei und Doppelzüngigkeit da doch ist! Wie viele gute Absichten wir verraten haben! Wie viele gebrochene Versprechen! Wie viele Vorsätze haben wir aufgegeben!“

Zugleich, so Franziskus, könne die Erfahrung des Leidens Jesu, der die „äußerste Trostlosigkeit“ und die „totale Verlassenheit“ erfahren habe, auch Botschaft der Hoffnung und Zuversicht sein. „In dieser dramatischen Situation der Pandemie, angesichts so vieler Gewissheiten, die zerbröckeln, angesichts so vieler enttäuschter Erwartungen, in diesem Gefühl bedrückender Verlassenheit, sagt Jesus zu einem jeden: ‚Nur Mut! Öffne dein Herz meiner Liebe. Du wirst den Trost Gottes spüren, der dir beisteht.‘“ Eigentliche Bestimmung des Menschen sei es, Gott und seine Mitmenschen zu lieben, erklärte der Papst. „Das Drama, das wir gerade durchleben, drängt uns, die ernsten Dinge ernst zu nehmen und uns nicht in Belanglosigkeiten zu verlieren; wiederzuentdecken, dass das Leben zu nichts dient, wenn man nicht dient.“

Papst ermutigt Jugendliche, „wahre Helden“ zu werden

Der Weg des Dienens sei der Weg des Sieges, ist Franziskus überzeugt, auch wenn er bisweilen wie ein Kreuzweg erscheine. „Sicherlich, zu lieben, beten, vergeben und sich um andere zu kümmern, in der Familie wie auch in der Gesellschaft, kann einiges kosten.“ Am Ende seiner Predigt wandte sich Franziskus an die jungen Menschen: „Liebe Freunde, schaut auf die wahren Helden, die in diesen Tagen zum Vorschein kommen. Es sind nicht diejenigen, die Ruhm, Geld und Erfolg haben, sondern diejenigen, die in Selbsthingabe anderen dienen.“

Traditionell ist der Palmsonntag der Tag, an dem in den Diözesen der Welt dezentral der Weltjugendtag gefeiert wird. Eigentlicht wollten beim Gottesdienst auf dem Petersplatz heute Jugendliche aus Panama, wo 2019 der letzte internationale katholische Weltjugendtag stattfand, das Weltjugendtagskreuz an Jugendliche aus Lissabon übergeben, wo 2022 das nächste internationale katholische Weltjugendtreffen stattfinden soll. Der Papst kündigte an, dass die Übergabe auf den 22. November verschoben wurde.

Videobotchaft zur Karwoche

Am vergangenen Freitag hatte der Papst sich in einer eigenen Videobotschaft zu Beginn der Karwoche an die Familien in aller Welt gewendet. Es sei ein schwerer Moment für alle Menschen, so Franziskus. Er erinnerte besonders an die Menschen, die alleine sind, und an die vom Coronavirus Betroffenen, an die Obdachlosen und jene, die um ihren Arbeitsplatz fürchten. „Versuchen wir, wo es möglich ist, diese Zeit so gut wie möglich zu nutzen: seien wir großzügig; helfen wir denen, die Hilfe bedürfen in unserer Nachbarschaft; suchen wir über Telefon oder die sozialen Netzwerke die, die allein sind.“ Es sei jetzt die „Kreativität in der Liebe“ gefordert. „Ich bin mir der Selbstlosigkeit all jener bewusst, die sich für die Heilung dieser Pandemie Gefahren aussetzen oder um wichtige Dienste für die Gesellschaft zu garantieren. Wie viele Heldinnen und Helden, täglich, stündlich!“

Der Papst möchte zu Beginn der Karwoche in aller Trostlosigkeit der Gegenwart eine positive Haltung vermitteln. Beim Gottesdienst am Palmsonntag im Petersdom erklärte er: „Versuchen wir, mit denen Kontakt zu halten, die leiden, die allein sind und bedürftig. Denken wir nicht nur an das, was uns fehlt, sondern auch an das Gute, das wir tun können.“ Das ist aus seiner Sicht das Gebot der Stunde.

P.S. Am Karfreitag übertragen wir im Livestream auf ZDFheute.de um 21 Uhr den Kreuzweg mit Papst Franziskus vom Petersplatz in Rom. Am Karsamstag gibt es um 23 Uhr live im ZDF die Osternacht mit Bischof Peter Kohlgraf aus dem Mainzer Dom, am Ostersonntag dann um 9.30 Uhr im ZDF den evangelischen Ostergottesdienst und um 11 Uhr bei ZDFheute.de im Livestream die Ostermesse und den Segen Urbi et orbi mit Papst Franziskus aus Rom.

P.P.S. „Glaube in Zeiten der Pandemie“ – die Sendung „sonntags“ von heute zum Nachsehen hier.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

17 Kommentare

  • Wanda
    05.04.2020, 17:04 Uhr.

    Nun, ob der am Beatmungsgeraet nach Luft ringende CoVid19-Patient den Trost Gottes spuert, wage ich doch mit Verlaub zu bezweifeln…

    • Carla Maltese
      09.04.2020, 12:47 Uhr.

      Man braucht nicht zwangsweise CoVid19 zu haben, ein hundgewöhnlicher Asthmaanfall reicht auch.
      Bei jedem ist es anderst, ich spüre meistens zuerst einen scharfen Schmerz im Hals und hinter dem Brustbein, also da wo die Luftröhre ist.
      Im weiteren Verlauf des Hustens und der Atemnot macht sich eine merkbare Sauerstoffunterversorgung in den Armen und Beinen breit, insbesondere weil ich im Laufe des Geschehens dazu neige, unruhig herumzulaufen.

      Wenn zu einem bestehenden Asthma auch noch eine Bronchitis hinzukommt, reicht das für eoin paar, nun ja, unvergessliche Nächte.

      Ich weiß aus Erfahrung daß ich von Gott nicht verlangen kann, jetzt direkt unverwundbar und völlig gesund zu sein. Eine Pferdelunge bekomme ich nicht geschenkt.
      Und doch ist da ein merkbarer Beistand von Gott, wenn ich ihn darum bitte. Sie können es mir glauben, selbst schon mehrfach erlebt!

    • Silberdistel
      10.04.2020, 0:17 Uhr.

      Warum nicht der Trost einer allgegenwärtigen höheren Dimension, als Ursprungsquelle wie Empfangsort allen Lebens, die diesen Trost in jeder Situation vermittelt wenn die Stunde naht. Oder sollte an dessen Stelle besser das banale irdische, wie destruktive Verständnis von Atheisten wie Nihilisten treten, die das eigene Licht alsbald für immer und ewig nur ausgeknipst sehen?

      • Wanda
        11.04.2020, 18:00 Uhr.

        Silberdistel 10.04. 01:07
        – Nun ja, barmherzig, allgegenwärtig und auch allmächtig ?
        Wie schon erklärt: ein Arzt, der mit seinen schwachen Mitteln einem Patienten vor Zeugen die Hilfe verweigert, muss vor Gericht und darf mit Recht eine heftige Strafe, vermutlich sogar Berufsverbot erwarten.
        Und der als so barmherzig, allmächtig und allgegenwärtig gepriesene Gott ? Dem wird von seinen Gläubigen ein Persilschein ausgestellt.
        – Und zum Ihrem Vorwurf gegen Atheisten und Nihilisten: Ich habe die unwiderlegbare Gewissheit, dass all das was mich als physisch und geistig-charakterliches Wesen ausgemacht hat, definitiv endet und über die Zeit in seine kleinsten Bestandteile, Substanzen und Urstoffe zerfällt und wieder im Ganzen aufgeht, wo alle menschliche Befindlichkeit endet. Dieses simple Wissen ist mir genug. Es verleiht mir tiefe Ruhe und Befriedigung und nimmt mir jede Art der absurden Besorgnis: wie mag es weitergehen, was kommt danach ? Gleichzeitig vermittelt mir diese Gewissheit um die eigene Endlichkeit Sicherheit und auch die Fähigkeit loszulassen. Meine einzige Besorgnis dreht sich um ein selbst bestimmtes Abschiednehmen in Würde und um das Wohlergehen jener, die ich zurücklassen muss.
        – Übrigens zeigt sich gerade jetzt sehr deutlich, welche Bedeutung Religion und Kirche überhaupt noch haben. Einzig die Medien räumen ihnen noch den traditionell saisonbedingten publizistischen Raum ein (zu Weihnachten und Ostern), der sich in erster Linie wohl nur noch aus den arbeits- bzw. schulfreien Tagen speist.

        • Carla Maltese
          14.04.2020, 7:32 Uhr.

          – Nach leichten Anlaufschwierigkeiten (nicht sehr technikaffine Pfarrerin…) haben wir jeden Sonntag Gottesdienst per Video- und Telefonkonferenz
          – Da sind wir nicht die einzigen. Es gibt jetzt viele Gottesdienste per Livestream. Anderstwo gibt es Gottesdienste im Autokino oder auf großen Parkplätzen.
          – Heute startet auf Anregung eines Gemeindemitgliedes die Videokonferenz die es jetzt jeden Abend geben soll für alle die sich einsam fühlen und mit jemandem reden möchten.
          – Wie übrigens jetzt viele andere Kirchengemeinden auch Online- und Telefonangebote hochgefahren haben.
          – In anderen Gemeinden gibt es Gruppen aus Ministranten, Pfadfindern und anderen Jugendlichen, die jetzt für Alte und Vorerkrankte Personen einkaufen gehen.
          – In Ludwigshafen ersetzt eine Kirchengemeinde derzeit die Tafel, sammelt Nahrungsmittel und Waschzeug für Bedürftige und packt es in Tüten ein.
          – Jetzt noch mehr gefragt ist natürlich die gute alte Telefonseelsorge.
          – Der Woelki hat immerhin das Priesterseminar für Obdachlose geöffnet.
          – ect ect ect. Es gibt derzeit VIELE Beispiele von überraschend lebendigem kirchlichen Leben. Ich muss gleich mit dem Home Office anfangen, wenigstens die Vakuumberechnung machen, wenn schon die Unterlagen für den nächsten Schwung Sicherheitsventile nicht kommen, aber wäre das nicht könnte ich noch den ganzen Tag Beispiele sammeln.
          – Ach… wer kümmert sich wohl jetzt in dem Land in dem Sie leben um die ganz Armen?

          Alsooooo…. daß Kirche jetzt irrelevant wäre, würde ich nicht behaupten. Eher das Gegenteil ist der Fall.

          Es ist eher so daß ich nach wie vor nichts höre oder sehe von einem nennenswerten atheistischen Hilfswerk. Ich meine damit nicht religionsneutrale wie die beiden denen ich selbst angehöre, THW (staatlich) und Ingenieure ohne Grenzen (Verein), sondern eines unter dem ausdrücklichen Motto: „Wir helfen weil wir Atheisten sind“

  • Novalis
    06.04.2020, 0:29 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Erbacher,

    warum um alles in der Welt überträgt man diesen Kreuzweg und nicht die viel wichtigere Feier vom Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus?

    „Wie viel Unaufrichtigkeit, Heuchelei und Doppelzüngigkeit da doch ist! Wie viele gute Absichten wir verraten haben! Wie viele gebrochene Versprechen! Wie viele Vorsätze haben wir aufgegeben!“
    Ob sich da Joseph Ratzinger mit seinem vielfach gebrochenen Schweigeversprechen angesprochen fühlt?

    • Carla Maltese
      09.04.2020, 12:50 Uhr.

      Oh, bitte auch mal ein anderes Thema als Joseph Ratzinger!!

  • Carla Maltese
    06.04.2020, 14:18 Uhr.

    Kurz ein Zwischenruf, da ich nicht weiß ob ich die nächsten paar tage hier mitschreiben werde und daher evtl. nicht drauf warten kann daß Herr Erbacher was dazu schreibt:

    katholisch.de bringt eine Meldung, daß Franziskus möglicherweise sein ganzes Titelgeraffel streicht, bzw. den ganzen Krempel unter „historische Titel“ einordnet.

    Das könnte möglicherweise bedeuten, daß er die Unfehlbarkeit die sich sein Vorvorvor….gänger 1870 angemaßt hat streicht.
    Vielleicht kann Herr Erbacher erklären was genau das bedeutet, ob ich recht habe oder mich zu früh freue, und was es mit diesem „päpstlichen Jahrbuch“ auf sich hat.

    Wenn dem so wäre, dann würde für mich persönlich schon ein Traum in Erfüllung gehen.

    Falls wir uns nicht mehr lesen, allen Mitschreibern und Herrn Erbacher frohe Ostern, trotz der aktuellen Situation. Ich würde das auch Frau Pilters wünschen wenn sie noch da wäre. Sie ist es aber nicht mehr.

    • Novalis
      09.04.2020, 12:03 Uhr.

      Ihnen und allen Menschen guten Willens frohe Ostern!

    • Erasmus
      10.04.2020, 1:57 Uhr.

      „katholisch.de bringt eine Meldung, dass Franziskus möglicherweise sein ganzes Titelgeraffel streicht.“

      Der anregende Beitrag „Ist Papst Franziskus nicht mehr ‚Stellvertreter Christi‘?“ bietet viel Raum für Spekulation. Interessant finde ich die Lesart, dass es sich um eine Art Versuchsballon handeln könnte, der Reaktionen hervorbringt, aus denen sich wiederum Schlüsse ziehen ließen.

      Franziskus selbst hat sich 2013 in dem apostolischen Schreiben ‚Evangelii gaudium‘ zu einer Neuausrichtung des Papsttums geäußert:
      „32. Da ich berufen bin, selbst zu leben, was ich von den anderen verlange, muss ich auch an eine Neuausrichtung des Papsttums denken. Meine Aufgabe als Bischof von Rom ist es, offen zu bleiben für die Vorschläge, die darauf ausgerichtet sind, dass eine Ausübung meines Amtes der Bedeutung, die Jesus Christus ihm geben wollte, treuer ist und mehr den gegenwärtigen Notwendigkeiten der Evangelisierung entspricht. Johannes Paul II. bat um Hilfe, um »eine Form der Primatsausübung zu finden, die zwar keineswegs auf das Wesentliche ihrer Sendung verzichtet, sich aber einer neuen Situation öffnet«. In diesem Sinn sind wir wenig vorangekommen. Auch das Papsttum und die zentralen Strukturen der Universalkirche haben es nötig, dem Aufruf zu einer pastoralen Neuausrichtung zu folgen.“

  • Carla Maltese
    09.04.2020, 13:25 Uhr.

    Jo, überraschend habe ich doch die nächsten Tage frei… LANGE Geschichte.

    Die unterschiedlichsten menschlichen Reaktionen ruft die Krise hervor. Manche schön, manche bizarr. Von persönlicher Ängstlichkeit (ein ziemlich fitter Rentner traut sich nicht mehr zu einem kleinen Hilfsdienst in die Kirche(Gemeindebriefe falten und eintüten), während andere Rentner und eine Asthmatikerin da zweieinhalb Stunden fleißig (und jeder an einem Einzeltisch) arbeiten) bis zu bewundernswertem Heldentum. Manche kaufen jetzt für alte Leute ein, sogar Marinesoldaten wurden dazu abkommandiert, Pflegekäfte sind direkt an der Front, Radiomoderatoren sorgen für gute Laune (nur ausgerechnet jetzt für unser größtes Spaßbad in der Region mit den vielen Wasserrutschen zu werben war keine so optimale Idee), die Verkäufer im Rewe lassen sich die letzte gute Laune nicht nehmen.
    Egoisten werden noch ein Stück egoistischer, Idioten noch ein Stück dümmer (was Lokuspapier mit der Abwehr von Atemwegsinfekten zu tun hat muss mir mal einer erklären), Faschisten noch ekelhafter, aber auch gute und aufrichtige Menschen laufen zur Hochform auf.
    Was mich angeht: Ich spüre vor allem eine gewisse Genervtheit und Gereiztheit. Es mag analysieren wer will, was das über mich aussagt daß in der gegenwärtigen Krise vor allem mein Aggressionspotential steigt.
    Auch die maßlose Dummheit autoritärer Führer kommt noch deutlicher zum Vorschein als eh schon. Ohne die 2 Monate lange Lügerei der Regierung Xi Jinping hätten wir das jetzt nicht am Hals. Jiang Zemin hat nichts vertuscht, damit konnte SARS 2002 gleich im Ansatz eingedost werden.

    In unserem eigenen Interesse sollte die Krise dazu genutzt werden, unsere materiellen Ansprüche auf den Prüfstand zu stellen, d.h. was uns wirklich zusteht und wo wir zuviel rauben.
    Wenn alle 4-5 Monate eine neue Zoonose auf uns übergeht, sind die Dinge nicht in Ordnung.
    Wir sollten auch in Sachen Klimawandel, Insektensterben ect. endlich genauso auf die seriösen Wissenschaftler hören wie jetzt auf die Virologen.

  • Silberdistel
    09.04.2020, 23:10 Uhr.

    Es ist gefährlich für diejenigen, die das leuchtende Feuer des Lebens aus dem Christus allen voran tragen, der neuen Angst nachzugeben. Desjenigen, der als einer der Ersten den Tod überwandt.
    Es gibt immer andere Wege, Möglichkeiten im Leben. Ohne das man deshalb ein Tor sein müßte, diese auch abseits, zu begehen. Wer schlau ist, nutzt sie! Um der neuen Angst so wenig als möglich Raum zu bieten.
    Warum nicht Abstände einhalten, Desinfektionsmöglichkeiten anbieten und in vernünftiger Weise mit Rücksicht aufeinander zu gebrauchen? Um trotzdem zu ehren, zu feiern und damit letztlich die Stirn zu bieten, wie es einmal das Vorbild vorgelebt hatte.

    • Carla Maltese
      11.04.2020, 6:25 Uhr.

      Tatsächlich gibt es eine einzige Gemeinde, die unter strengen Auflagen ihre Kirche wieder öffnen will. D.h. Zutritt zum Gottesdienst haben nur bis zu 50 Personen und die auch noch namentlich bekannt, d.h. müssen alle Namen und Adresse dalassen.
      Ich kann mir keinen größeren Quatsch vorstellen. Dieser Gottesdienst ist dann nicht für die Allgemeinheit, sondern nur für eine geschlossene Gesellschaft.

      Wir haben jetzt jeden Sonntag Gottesdienst über Video- und Telefonkonferenz, Login steht im Gemeindebrief. Ist zwar auch nicht ganz das selbe, aber auf die Art darf immernoch jeder Teilnehmen, es wird keiner 51. Person gesagt: „Du musst draußen bleiben!“

      Und: So braucht man auch keine Desinfektionsmittel und den ganzen Kram. Die wenigen Besucher die noch mit Sondergenehmigung in die Krankenhäuser dürfen klauen da nämlich wie die Raben, habe ich gehört. D.h. ausgerechnet in Krankenhäusern werden Desinfektionsmittel gerade knapp.

      Die Kirchen haben durchaus innerhalb kürzester Zeit reagiert und alles auf die Beine gestellt was machbar ist aber nicht gegen die Lockdown-Regeln verstößt. Die evangelische Kirche hier z.B. hat einen Trupp auf die Beine gestellt um für alte Leute einzukaufen.

      • Silberdistel
        13.04.2020, 9:16 Uhr.

        Und ich kann mir keinen größeren Quatsch vorstellen, alsdaß man als Christ aber auch jedem neuen Angsthype – der in unserer ´Informationsgesellschaft´ meist nur einen alten nahtlos abgelöst hat – bereitwillig den inneren Kotau erweist. Am langen Ende vielleicht auch noch den Gottesdienst in die Nähe einer Quatschveranstaltung rückt.
        Wenn das nicht die Leugnung des Petrus in Endlosschleife erfüllt, der damit den Beginn des Versagens von Christen in Endlosschleife markiert. Wenn es sich so verhält, dann hat der Christus auch nach 2000 Jahren keine ´Neuen Menschen´ gefunden, sondern seine Perlen vor die Säue geworfen, im besten Sinne von Matth. 7,6.
        Kein Wunder wenn heutige Ritualdienstleistungskonzerne sich in der Folge auch in praktisch nichts mehr von politischen Parteien unterscheiden lassen. Man müßte nur noch, wie deren Repräsentanten, die Kreuze ablegen oder in den Immobilien ganz abhängen.

  • Carla Maltese
    11.04.2020, 7:20 Uhr.

    Mir geht auch derzeit auch pathetische Rhetorik auf die Nerven.

    „Wir sind im Krieg!“
    Nein, Mr. Trump, nein, Mr. Macron, wir sind nicht im Krieg. Ich sitze immernoch hier daheim und habe fließendes Wasser, Strom, Inet, der Rewe hat offen so daß ich nachher noch das zu Ende gehende Spülmittel ersetzen und ca. 3 Flaschen Limo kaufen kann…. Ich sitze nicht im Luftschutzbunker, es fallen keine Bomben, ich muss nicht Usain Bolt werden um die Hauptstraße des Stadtteiles zu überqueren, weil mich sonst ein Heckenschütze erwischen könnte.
    „Wir sind im Krieg!“ ist doch ein bißchen arg viel Selbstmitleid, verglichen mit echtem Krieg, wie in Syrien, im Jemen, in der Ukraine.

    „Dunkelste Stunde der Menschheit!“
    Liebe IWF-Chefin, Sie meinen also, daß es den Holocaust oder die Kolonialverbrechen mit 100 Millionen toten Indianern oder z.B. 10 Millionen von den Belgiern fabrikmäßig zu Tode geschundenen Kongolesen nicht gab?
    Keine 3 Weltkriege, denn eigentlich war auch der Kalte Krieg einer der in Ländern wie Vietnam, Angola, Korea, Afghanistan und ganz Lateinamerika insgesamt Millionen Tote gefordert hat?
    Ach, übrigens, ich war 5 Jahre alt und kann mich heute noch an Nachrichten erinnern die ich damals nicht verstand. Warum wurde plötzlich die ganze Milch weggeschüttet, was war am Salat plötzlich schlimm? Meine Eltern ließen mich ohne Bedenken weiter draußen spielen, andere Kinder durften das damals nicht mehr. Ich war 5 Jahre alt, im Sommer wurde ich 6, aber interessanterweise kann ich mich an diese Fernsehnachrichten noch erinnern. Heute schreiben wir das Jahr 2020 und ich bin 41.

  • Carla Maltese
    11.04.2020, 17:34 Uhr.

    Das soll jetzt nicht heißen daß ich auffordern würde, die Situation zu verharmlosen.
    Ja, wir HABEN eine Pandemie. Was aus Madrid oder der Lombardei die letzten Wochen gemeldet wurde ist wirklich schlimm, das ist mir auch klar.

    Krieg jedoch, mir allem was dabei geschieht, ist nochmal einmal eine ganz andere Katastrophe.
    Bei mir ist noch kein Sölndnerhaufen eingedrungen um mich zu vergewaltigen.
    Voraussichtlich esse ich morgen zum Osterfest Lammbraten mit Pflaumensoße, Kartoffelknödeln und Kohlrabi, und nicht etwas liegengelassenes vom Straßenrand wie mein Großvater an der Ostfront und vergifte mich dran. Ich rupfe auch keine Zwiebel aus der Erde um die Hungerödeme loszuwerden, wie mein Großvater in Kriegsgefangenschaft.

    NATÜRLICH ist die Situation gerade schlimm, das ist mir auch klar! Und man sollte sie auf jeden Fall ernst nehmen!
    Aber sich auch nicht pathetisch aufblasen!

    Im Jemen ist übrigens kriegsbedingt die Cholera unterwegs. Und ich denke schon, daß die Überlebenschance bei Corona immernoch höher ist als bei Cholera.

  • Carla Maltese
    14.04.2020, 7:37 Uhr.

    PS: Herr Erbacher sprach im Artikel vorher auch das Pessachfest der Juden an, sowie den Ramadan.
    Der Ramadan geht ja noch, vielleicht ist es im Mai auch soweit entspannt, daß das Zuckerfest, bzw. Id al-Fitr stattfinden kann. Es ist die Hadsch die wahrscheinlich komplett ausfallen muss.

Kommentare geschlossen

Dieser Beitrag kann nicht länger kommentiert werden.