USA: Missbrauch systematisch vertuscht

Es ist ein erschütternder Bericht, den eine staatliche „Grand Jury“ im US-Bundesstaat Pennsylvania an diesem Dienstag vorgestellt hat. Auf über 1300 Seiten sammelte sie Informationen über Missbrauchsfälle, die in den vergangenen 70 Jahren in sechs der acht katholischen Diözesen des Bundesstaats begangen wurden. 301 Täter werden aufgelistet, mehr als 1000 Opfer sind bisher bekannt. Der Bericht macht deutlich, wie die Taten durch Verantwortliche in der Kirche gedeckt und verschwiegen wurden. Die Autoren stellen allerdings auch fest, dass sich in den vergangenen 15 Jahren in der katholischen Kirche der USA vieles verändert habe und die kirchlichen Stellen mit der Jury aktiv kooperiert hätten. Dennoch erhöht der Bericht den Druck auf die Kirche, schonungslos die Fälle der Vergangenheit aufzuarbeiten und vor allem auch die Kirchenoberen, inklusive der Bischöfe und Kardinäle, die eine „Kultur des Vertuschens“ mitgetragen haben, zur Verantwortung zu ziehen. Einmal mehr richtet sich der Blick auch nach Rom. Mit der Entlassung des ehemaligen Erzbischofs von Washington, Theodore McCarrick, aus dem Kardinalsstand allein, ist das Problem nicht gelöst.

Generalstaatsanwalt Josh Shapiro stellte die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Grand Jury vor. (Quelle: dpa)

Klare Worte des Papstes erwartet

Aus dem Vatikan werden klare Signale erwartet, dass die Hierarchen, die sich schuldig gemacht haben, nicht länger geschont werden. Nächste Woche besucht Papst Franziskus Irland. Auch dort steckt die Kirche nach dem Missbrauchsskandal in einer tiefen Krise. Anlass des Besuchs ist das katholische Weltfamilientreffen. Die Erwartungen sind hoch, dass Franziskus in Dublin deutliche Worte zum Thema Missbrauch spricht. Sollte das ausbleiben, könnte das weitere Zweifel nähren an der Ernsthaftigkeit, die vergangenen Fälle wirklich aufarbeiten zu wollen. Ungeachtet davon, wird in der katholischen Kirche viel in der Präventionsarbeit getan. Doch diese Bemühungen werden nur schwer die verdiente Anerkennung erfahren, wenn bei der Aufarbeitung nicht konsequent gehandelt wird und die Null-Toleranz-Politik auch gegenüber denen gilt, die Täter gedeckt und vertuscht haben.

Der amtierende Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen seinen Vorgänger McCarrick vor wenigen Wochen vorgeschlagen, auf Ebene der Bischofskonferenz eine Kommission einzurichten, die Vorwürfe gegen Bischöfe untersucht – in enger Abstimmung mit dem Vatikan. Die Frage ist, ob das ausreicht. Angesichts des massiven Vertrauensverlustes der Kirche auf diesem Gebiet, werden reine kircheninterne Untersuchungen immer wieder Kritiker auf den Plan rufen, die den Aufklärungswillen anzweifeln. Auch wenn es vielleicht in der Theorie das gute Recht der Kirche ist, disziplinarisch intern ihre Belange zu regeln, ein Befreiungsschlag wird nur gelingen, wenn unabhängige Instanzen geschaffen werden. Kardinal Wuerl steht übrigens nun selbst in der Kritik. Bevor er 2006 Erzbischof in der US-Hauptstadt wurde, war Wuerl 18 Jahre Erzbischof von Pittsburgh. Auch aus diesem Bistum finden sich Missbrauchsfälle in dem Bericht der Grand Jury.

Forschungsprojekt in Deutschland

Die Deutsche Bischofskonferenz will Ende September im Rahmen der Herbstvollversammlung in Fulda die Ergebnisse eines Forschungsprojekts über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen vorstellen. Darin soll es auch um das Verhalten der Verantwortlichen in der Kirche gehen. Das Projekt wird von einem Forschungskonsortium durchgeführt, an dem unter anderem das Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim, das Kriminologische Institut der Universität Heidelberg und der Lehrstuhl für Kriminologie der Universität Gießen beteiligt sind.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, Warf der katholischen Kirche in Deutschland unzureichende Aufklärung sexuellen Missbrauchs vorgeworfen. Für eine entsprechende Studie der Deutschen Bischofskonferenz hätten leider nicht alle Bistümer ihre Archive geöffnet, sagte Rörig der Funke Mediengruppe. Aufarbeitung werde wohl noch zu oft als Gefahr für die eigene Institution gesehen. Die Vorsitzende der Bereits im Juni hatte die Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch, Sabine Andresen, die beiden großen Kirchen in Deutschland zu mehr Engagement bei der Aufarbeitung und Prävention aufgefordert. Die Kirchen hätten häufig nur so viel getan, wie sie es vor allem auf Druck von Betroffenen und der Öffentlichkeit hätten tun müssen, erklärte sie beim Hearing „Kirchen und ihre Verantwortung zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs“. Es wird daher entscheidend sein, welche konkreten Konsequenzen die deutschen Bischöfe aus den Ergebnissen des Forschungsprojekts ziehen werden.

P.S. Der Vatikan äußerte sich am Donnerstagabend zu dem Bericht aus Pennsylvania. Nach der Lektüre des Berichts gebe es „nur zwei Worte: Scham und Trauer“, erklärte Vatikansprecher Greg Burke. Die in dem Bericht der Staatsanwaltschaft angeführten Missbrauchsfälle seien „kriminell und moralisch verwerflich.“ Den Opfern sei ihr Stolz und ihr Glauben geraubt worden. Der Papst stehe an der Seite der Opfer, sie seien „seine Priorität“. Die Kirche wolle die Opfer anhören, um den „tragischen Horror, der das Leben der Unschuldigen zerstört“, auszumerzen. Burke betonte zugleich „die Notwendigkeit, sich an staatliche Gesetzesvorgaben zu halten, einschließlich der Verpflichtung, Fälle von Missbrauch an Minderjährigen zu melden“. Burke wies in seinem Statement darauf hin, dass die große Mehrzahl der Fälle aus den Jahren vor 2002 stammten. Die Ergebnisse der Arbeit der Grand Jury, wie auch andere Studien, zeigten, dass die von der Kirche in den USA ergriffenen Maßnahmen die Zahl der Missbrauchsfälle drastisch gesenkt hätten. Dennoch ermutige der Vatikan zu weiteren Reformschritten auf allen Ebenen der Kirche.Die Kirche müsse „harte Lektionen“ aus ihrer Vergangenheit ziehen. Sowohl die Verantwortlichen als auch diejenigen, die diesen Missbrauch ermöglicht hätten, sollten zur Rechenschaft gezogen werden.

In den USA hatte es scharfe Kritik gegeben, dass der Vatikan sich nicht schneller zu dem Bericht aus Pennsylvania geäußert hatte. Nach Berichten des Fernsehsenders CNN hatte Generalstaatsanwalt Josh Shapiro am 25. Juli einen Brief an Papst Franziskus geschickt und diesen auf die Ergebnisse der Studie informiert. Bis Mitte dieser Woche habe es aber keine Reaktion aus dem Vatikan gegeben.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

67 Kommentare

  • Novalis
    16.08.2018, 12:25 Uhr.

    Mein Mitgefühl und Mitleiden gilt nicht nur den Opfern des Missbrauchs, sondern auch den Einwohner*innen von Genua.
    Es mag sich in den letzten 15 Jahren viel geändert haben. Wenn man aber wirklich substantiell Missbrauch vermeiden will, dann darf das zölibatäre Priesteramt für keinen Mann, habe er sich nun eingestanden pädophil zu sein oder nicht, attraktiv sein. Solange es Priesterseminare gibt, in denen sich Männer vor sich selber und ihrer Sexualität verstecken können wird es das weiter geben. Daher muss man alle Priesterseminare komplett dichtmachen, dieses Ausbildungssystem einfach einstellen, die Leute normal studieren lassen, sie geistlich begleiten und ein verpflichtendes studienbegleitendes Programm mit Fortbildungen, Praktika etc. und vor allem regelmäßigen psychologischen Betreuungen etablieren. Ohne eine Radikalkur wird das nicht gut, da ist nichts, aber auch gar nichts zu retten.
    Solange aber in dieser Kirche noch der Ungeist von JP2 ud B16 atmet, die beide hinter dem alten Seminarsystem standen und für das alte Bild der heiligen Kirche, in der maximal ein paar Leute sündigen, einstanden, wird es keine Änderung geben. Trotz Franziskus.

    • Carla Maltese
      17.08.2018, 23:33 Uhr.

      Ja, diese Seminare abschaffen und durch ein gescheiteres System ersetzen wäre eine sehr gute Idee!
      Da bin ich definitiv Ihrer Meinung.

      Aber nicht nur zur Missbrauchsprävention, es wäre allgemein sinnvoll.

      Warum kaserniert man überhaupt ausgerechnet Priesteranwärter(!!) vom normalen Leben abgesondert?? Dafür gibt es eigentlich keinen zwingenden Grund. Priester sind schließlich keine Elitesoldaten die körperliche Höchstleistungen aus sich rausholen sollen.

      Überhaupt bin ich dafür, daß eine Zulassung zum Studium, und zwar egal zu welchem, nurnoch mit abgeschlossener Berufsausbildung möglich sein sollte. Junge Leute direkt vom Gymnasium auf die Hochschule schicken, das taugt nichts. Das sehe ich schon in meinem eigenen Berufsstand.
      Ich bin auch noch gelernte Maschinenschlosserin, übrigens…

    • Carla Maltese
      19.08.2018, 10:20 Uhr.

      Mir kommt gerade der Gedanke:
      Jesus hat sich ja zur Ausbildung seiner ersten „Lehrlinge“, später Gemeindeleitern in welcher Form auch immer, auch nicht irgendwo in eine Höhle zurückgezogen.
      Erst waren es 12 Männer, sie sollten die Stämme Israels darstellen, das war bevor ihm so richtig klar wurde daß er für die ganze Welt gekommen war, nicht nur für das Volk Israel. Dann kam aber auf jeden Fall auch Maria Magdalena und war mit den 12 gleichrangig.
      Alle hatten sie normale Berufe, auch Maria Magdalena muss eine unabhängige Frau mit eigenem Einkommen gewesen sein, als irgendeinen Beruf hatte sie wohl.

      Es war eher Buddha, der sich mit seinen Anhängern absonderte. Der ließ sich, glaube ich, auch noch von irgendeinem Kaufmann ein Anwesen spendieren.

      Jesus zog sich ab und zu schon zurück, aber nur um frische Kraft zu tanken und mal in Ruhe zu meditieren und zu beten, aber nur zeitweise, dann ging er wieder „an die Front“.

      • Wanda
        21.08.2018, 1:20 Uhr.

        Carla Maltese 19.08. 10:20
        – Nun ja, Jesus wurde von reicheren Gönnern (und Gönnerinnen) auch schon mal einiges Extra zugesteckt. Also echauffieren Sie sich nicht so überheblich christlich über den Buddhismus, von deren (zwar nicht hundertprozentiger) Bedürfnislosigkeit sich die Amtskirche und ihre Geistlichen, besonders deren Elite, mehrere Scheiben abschneiden könnten…

  • Novalis
    16.08.2018, 12:26 Uhr.

    P.S.: Warum hat das ZDF eigentlich nichts zur Ministrantenwallfahrt berichtet? Sind denn gute Nachrichten nichts mehr wert?

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      17.08.2018, 10:42 Uhr.

      Gute Nachrichten finden auch im Programm des ZDF ihren Niederschlag. Ob über ein Ereignis berichtet wird oder nicht, hängt immer von der Gesamtnachrichtenlage in Deutschland und er Welt an den konkreten Tagen ab.

      • Novalis
        17.08.2018, 10:48 Uhr.

        Und weit über 50000 deutsche Ministranten sind nicht genug?

        • Carla Maltese
          17.08.2018, 23:21 Uhr.

          Auch wenn 50000 deutsche Ministranten schon beeindruckend sind: Noch ein Sonderbericht über ein Großereignis in Rom braucht es echt nicht, sorry.
          Wichtiger wäre, und das ist auch mein großer Wunsch an die Redaktion, daß mehr über das „kleine“ kirchliche Leben berichtet wird. Daß Kirche nicht nur in Rom stattfindet sondern auch in den Gemeinden noch was lebt.

        • bernardo
          18.08.2018, 13:13 Uhr.

          Und was hat eine Ministrantenwallfahrt mit dem Vatikan zu tun?

          • Novalis
            20.08.2018, 17:16 Uhr.

            Seit wann geht es im Papstgeflüster nur um den Vatikan?

  • Wanda
    16.08.2018, 18:48 Uhr.

    Was die letzten Abschnitt des Berichtes anbetrifft, d.h. die Kritik an den beiden grossen Kirchen durch die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Kindsmissbrauch, wurde diese bereits am 31.07. 17:40 thematisiert.
    – Man ging aber leider (wie Silvia bemängelte) sehr schnell dazu über, vom üblen Sachverhalt abzuschweifen und statt dessen Zuständigkeiten, Vollgewalt der Papst bzgl. der Kardinäle, eine unabhängige Kirchenjustiz (neben der laizistischen) und anderen nebulöse Nebenschauplätze wie afrikanische Fischer, Kriege, tridentinisches Messbuch etc., ja sogar Familiennachzug von Flüchtlingen ablenkend in die Diskussion einzubringen…
    Kann durchaus nachvollziehen, dass Tiefgläubigen dieser schlimme Skandal schmerzlich ist, der oft und ausgerechnet Seelsorger als Täter nennt.
    Aber Ablenken als Devise ? Das kann es ja wohl nicht sein…

    • Carla Maltese
      17.08.2018, 23:15 Uhr.

      Es ist keineswegs „Ablenkung“, wenn einem noch andere Bereiche, wo großes Leid und große Not herrscht, wichtig sind!

      Es sind sehr ernste Themen aufgekommen, die man nunmal nicht ignorieren kann.
      Nicht nur durch Priester missbrauchte Kinder leiden, auch solche in Kriegen leiden sehr. Auch dort werden Kinder für ihr Leben traumatisiert.
      Wenn sie das überhaupt körperlich unbeschadet überstehen, Bilder von toten und verstümmelten Kindern gehen auch nicht spurlos an jedem vorbei…

      Und viele dieser ernsten Themen betreffen mich ziemlich direkt, da sie ernsthafte Fragen zum moralischen Zustand meines eigenen Berufsstandes aufwerfen. Zu seiner Rückgratlosigkeit und Jasagerei.

      Erst heute kam unser afrikanischer Arbeitskollege darauf zu sprechen, wie in Niger Uran für Areva abgebaut wird, da wird einem schlecht… Mir insbesondere, aber warum genau möchte ich hier nicht erklären…

  • Carla Maltese
    16.08.2018, 21:43 Uhr.

    Eines muss ich anerkennen: Wenn hier die Rede davon ist daß in den letzten 15 Jahren vieles besser geworden wäre, dann fing das wohl doch schon in Ratziners Amtszeit an.

    Aber insgesamt bietet sich schon ein tragisches Bild: Es scheint einfach kein Ende zu nehmen mit den Missbrauchsfällen…
    Da denkt man: Soooo, jetzt sind wir mal durchs Gröbste durch (und ich kann hier schon „wir“ sagen, da Kirchenferne nicht zwischen römisch-katholisch und altkatholisch unterscheiden), und dann kommt immer wieder ein neuer Abgrund. Es ist nicht zu fassen!

    „Informationen über Missbrauchsfälle, die in den vergangenen 70 Jahren in sechs der acht katholischen Diözesen des Bundesstaats begangen wurden.“
    Ja, es ist schon interessant daß ein derart sexualbesessener Papst wie JPII, der keine Gelegenheit auslassen konnte, alle Regungen unterhalb der Gürtellinie zu verdächtigen und zu verteufeln, einen derartigen sexuellen Schlamperladen bei den Eingangsvorraussetzungen fürs Priesterseminar zuließ.
    Aber angefangen hat das wohl schon unter Pacelli, wie hier zu lesen ist…
    Und der hatte wohl auch nicht das entspannteste Verhältnis aller Zeiten zur Sexualität. Dem wäre es wohl auch am liebten gewesen wenn sich der Mensch durch Bestäubung fortpflanzen würde. Was schrieb Hans Küng in dem einen Buch was ich gelesen habe? Er war damals in Rom im Priesterseminar und jemand hat ihm als er sich über etwas wunderte direkt gesagt: „Auch ein Papst ist nicht immer frei von Sexualneurosen“.

    A propos Priesterseminare.
    Da gibt es diesen Pfarrer Rainer Maria (wer kommt auf die Idee, einen Jungen Maria zu nennen?) Schießler. Einen der heutzutage noch Leute zum Gottesdienstbesuch motivieren kann, also ein seltenes Exemplar. Im Osterurlaub hatte ich das Buch das der geschrieben hat dabei, für abends im Zelt. Der Verlag war leider so dumm, hintendrauf die Wertung von der BLÖD zu schreiben, laut der das ein echt spaßiges Buch wäre. NEIN, das Buch ist NICHT spaßig, es ist verdammt ernst!! Was Herr Schießler unter anderem schreibt: Er hat das Priesterseminar nur überstanden weil er nebenbei Taxi gefahren ist, insgesamt fand er es eine bedrückende und schlimme Zeit.
    Das gibt einem zu denken, was so den Zustand der Seminare angeht…

    „Auch wenn es vielleicht in der Theorie das gute Recht der Kirche ist, disziplinarisch intern ihre Belange zu regeln, ein Befreiungsschlag wird nur gelingen, wenn unabhängige Instanzen geschaffen werden. “
    JA!!
    Dem kann ich mich nur anschließen.
    Sowas ähnliches hatte ich, glaube ich, letztes Mal schon geschrieben.

    Gut, bis solche Instanzen stehen bleibt es erstmal an Franziskus hängen, hart durchzugreifen.
    Ich bin aus Überzeugung altkatholisch, ich habe in diesem Blog auch schon mehrfach meine Bewunderung für Franziskus gerade deswegen ausgedrückt, weil er eben nicht immer um jeden Preis alle von ihm abweichenden Meinungen unterdrückt und alle Kritiker mundtot macht. Ich bin an sich ganz sicher kein Fan von hartem päpstlichen Durchgreifen. Aber in dem Fall haben wir (siehe oben) eine echte Notsituation. Kein einziger Bischof der irgendwie Missbrauchsfälle gedeckt hat oder selber Täter wurde darf im Amt bleiben.

    Übrigens…
    Ich war in den späten 90ern, frühen 2000ern im Kino in zwei Hollywoodfilmen in denen pädophile Priester eine Rolle spielen. Der 2. Akte X-Kinofilm und „V wie Vendetta“, einer der wichtigsten Filme meiner Generation.
    Spricht Bände, wenn das Thema es schon auf die große Kinoleinwand geschafft hatte, bevor die Kirchenhierarchie auch nur den kleinsten Finger gerührt hat…

    • Novalis
      17.08.2018, 11:01 Uhr.

      „dann fing das wohl doch schon in Ratziners Amtszeit an.“

      Das muss man sich schon genauer ansehen:
      1) Er hat als Präfekt der Glaubenskongregation und damit als Zuständiger u.a. dem amerikanischen Priester Lawrence Murphy Großzügigkeiten gewährt, die ungeheuerlich sind. Das ist übrigens kein Einzelfall. Auch sein Verhalten in der Erzdiözese München und Freising ist auf dem Gebiet höchst umstritten.
      2) Er hat stets auf der Heiligkeit der Kirche und den Sünden der Einzelnen bestanden. Es ist aber die Verdorbenheit des ganzen amtskirchlichen Systems, dass solche monströsen Taten gebiert. Von einem ehemaligen deutschen Erzbischof (noch in den 90er in Amt und Würden) weiß man, dass er gesagt habe, er können keinen Priester an die Polizei und die Staatsanwaltschaft übergeben, eben weil er Priester sei.
      3) B16 hat den Iren zur Heilung der Wunden, die der Missbrauch schlug, ernsthaft eucharistische Anbetung empfohlen. Das nenne ich entweder senil oder zynisch.
      4) Ja, auf öffentlichen Druck (und anders geht es wohl nicht, schlimm genug) haben JP2 und B16 die kirchlichen Reaktionen langsam verändert. Aber nicht die Haltung, die dahinter steht (s.o.). Erst wenn auch Vertuscher wie ein Kardinal Müller bestraft werden, wenn die Amtstheologie und die Ausbildung fürs geistliche Amt reformiert wird, und ein ernsthafter Aufklärer, wie ein P. Mertes SJ, nicht von Bischöfen (manche tun das tatsächlich) als Nestbeschmutzer gesehen wird, weil er an die Öffentlichkeit gegangen ist, dann wird sich tatsächlich etwas ändern.

      • Wanda
        17.08.2018, 14:40 Uhr.

        Nun,auch Ratzinger hatte sich ergeben dem Druck Wojtylas gebeugt, den wohl allergrössten Missbrauchskandal* der Kirche durch de Marcial Maciel Dellogado (Gründer der Legionäre Christi) seinerzeit auf Eis zu legen, obwohl zahlreiche und erdrückende Beweise sogar aus dem Klerus vorlagen, und das seit bereits 1939. Die Namen der untätigen oder gar ihn deckenden z.T. heiliggesprochenen Päpste und deren Administration mag jeder selbst recherchieren, ebenso die geradezu monströsen Vorwürfe und gesichert nachgewiesenen Untaten dieses Hirten.
        All das aber genügte nicht und Marcial Maciel wurde von der Glaubenskongregation 2006(!) lediglich aufgetragen, fortan sein Leben in Gebet und Busse zu führen. Das war bezeichnenderweise alles. Eine Überstellung an die weltliche Justiz unterblieb…
        *) nimmt man die Missbrauchskandale der Neuzeit zum Massstab, mag man sich überhaupt nicht vorstellen, was unter dem Deckmantel des Priesters sich diesbezüglich alles historisch ereignet haben muss, als die Kirche noch unangefochten ihre Machtposition innehatte.

        • Wanda
          17.08.2018, 17:31 Uhr.

          Novalis 17.08. 11:01
          – muss Ihrem Punkt 4) und da besonders Ihrer Kritik zur im Grunde unveränderten Haltung massgeblicher Kirchenvertreter sowie deren daraus resultierender fatalen Umgangspraxis in der Sache zustimmen, die jedes keimende Vertrauen in die Aufarbeitung sofort wieder zerstört.
          Genau das ist der „casus knacktus“…

        • Novalis
          17.08.2018, 19:35 Uhr.

          In der Tat, Maciel ist ein Greuel, ein Greuel, das JP2 und Ratzinger geduldet haben.

      • bernardo
        17.08.2018, 18:16 Uhr.

        Es gibt wohl keinen Artikel, der nicht zu Invektiven gegen Benedikt genutzt wird – mal wird dieser als Störenfried, mal als unfähiger Theologe, mal als rachsüchtiger Kleingeist, mal als böswilliger Vertuscher und Vernebler präsentiert (das Ganze ist ungefähr so stichhaltig wie die Antisemitismus-Vorwürfe gegen mich, weil ich den Präventivkriegsgedanken beim Sechstagekrieg anzweifle; über das Verhältnis von Israel und dem Judentum habe ich mich überhaupt nicht geäußert; mir fehlt dazu, anders als anderen Bloggern, die Kompetenz…). Dabei haben die drei letzten Päpste allesamt Fehler gemacht in der Pädophilenfrage, leider der von mir verehrte JPII. die meisten. Aber auch Franziskus hat Fehler gemacht, wenn ich an seine Reaktion während der Chilereise denke. Ich hoffe, er hat aus den Fehlern gelernt.

        • Carla Maltese
          17.08.2018, 22:59 Uhr.

          Auch wenn mir das Übermaß an Benedikt in diesem Blog mittlerweile auf die Nerven geht:
          In diesem Fall bin ich auf ihn zu sprechen gekommen, habe ein gutes Haar bei ihm gefunden und wurde mit Beispielen widerlegt.
          Ich denke nicht daß alles aus der Luft geriffen ist. Wenn Sie die Vorwürfe widerlegen können tun Sie es einfach!

          „Dabei haben die drei letzten Päpste allesamt Fehler gemacht in der Pädophilenfrage, leider der von mir verehrte JPII. die meisten.“
          *hust, hust* „Fehler“….
          Bei dem Ausmaß an Missbrauchsfällen (man muss sich dazu allein schon vor Augen führen daß der Artikel nur von den Taten in einem einzigen US-Bundesstaat spricht. Und Pennsylvania ist weder der flächenmäßig größte noch der bevölkerungsreichste) kann man nicht mehr einfach nur von „Fehlern“ sprechen. Nicht mehr von einem „ups, ist halt passiert“.
          Es war wohl eher ein derart bewusstes Wegsehen und Ignorieren bei völliger Gleichgültigkeit den Opfern gegenüber, daß man es schon als Verbrechen bezeichnen muss.

          So wie er stets nur die Masse sah und der einzelne ihm völlig egal war.

          • Novalis
            21.08.2018, 1:17 Uhr.

            @Carla Maltese, Sie dürfen mir glauben, dass es mir nicht darum geht Sie zu widerlegen oder Benedikt ins schlechte Licht zu rücken. Ich habe nichts gegen den Mann. Seine Haltungen sind das Problem: Heuchlerisch in der Missbrauchfrage finde ich das, was er tat und sagte; seine Haltung zum Judentum an der Grenze zum Antisemitismus (für mich persönlich hat er die Grenze schon mehrfach überschritten); seine Förderung rechter Strukturen schlicht unanständig (ich bitte Sie: Der man hat im Aulaverlag publiziert, der ist rechtsradikal); in lehramtlichen Dokumenten verbreitete er nachweislich unwahre Aussagen. Zu einer fairen Bewertung dieses Mannes gehört, dass die Schattenseiten eben überwiegen – und diese Schattenseiten haben Auswirkungen bis heute, gerade was Missbrauch betrifft. So mal nebenbei sei nur erwähnt, dass viele der problematischen Bischöfe in den USA von JP2 unter Mitwirkung von Ratzinger ernannt wurden.

        • Wanda
          17.08.2018, 23:25 Uhr.

          Bernardo 17.08. 18:16
          – Muss Ihnen leider widersprechen Bernardo: Ratzinger hat ganz bewusst das (vergebliche) Aufrechterhalten der Fassade über die Aufklärung und Ahndung der bekannten Anschuldigungen gestellt und damit die Sache erst so recht in die Sch….. geritten. Wer glaubt denn jetzt noch an eine neutrale Aufarbeitung und Strafverfolgung durch die Amtskirchen ?
          Dieses Misstrauen hat Ratzinger an vorderster Stelle mitzuverantworten (siehe der Fall Marcial Maciel), weil er als Präfekt der Glaubenkongregation unter JPII in einer Art Kadavergehorsam, und wie sich zeigen sollte aus eigener Überzeugung die Dinge auf Eis legte. Seine umstrittene Rolle in der Erzdiözese München und Freising ist ebenfalls kein Ruhmesblatt. Dabei zeigt sich klar und deutlich der grosse ethische Abstand und Unterschied zwischen einem einfachen Gläubigen und dem angeblich glänzenden Prof.Dr. Theologie. Beschämend…

          • Novalis
            20.08.2018, 17:17 Uhr.

            „Muss Ihnen leider widersprechen“. Warum eigentlich LEIDER? Wenn jemand einfach falsch liegt, dann muss man das ohne Gefühle auch sagen dürfen.

        • Carla Maltese (Ex-Wrightflyer)
          19.08.2018, 7:23 Uhr.

          Es muss anerkannt werden, dass er ab 2010 wohl tatsächlich etwas getan hat. Also da ist er wohl aufgewacht und hat eingesehen dass das so nicht mehr weitergehen kann.

          Davor jedoch war er über 20 Jahre lang der zweitmaechtigste Mann nach JPII in der rk-Kirche und da muss man schon fragen, wieviele Gelegenheiten er verstreichen ließ.

    • Novalis
      17.08.2018, 11:10 Uhr.

      P.S. Eben habe ich noch gelesen, dass der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, der deutschen katholischen Amtskirche unzureichenden Willen zur Aufklärung sexuellen Missbrauchs vorwirft:
      „Für eine entsprechende Studie der Deutschen Bischofskonferenz hätten leider nicht alle Bistümer ihre Archive geöffnet, sagte Rörig der Funke Mediengruppe. Aufarbeitung werde wohl noch zu oft als Gefahr für die eigene Institution gesehen.“
      Zu meinen, es sei alles geklärt, weil man einen Domspatzenabschlussbericht habe, ist im Bistum Regensburg ein häufig anzutreffender Irrtum. Kardinal Müller habe die Aufklärung verschleppt, ist ein weiterer Vorwurf von Röhrig.

      • Alberto Knox
        18.08.2018, 1:34 Uhr.

        @novalis: in der tat, kardinal müller hat nicht nur einen scherbenhaufen hinterlassen, er hat sein versprechen bis heute nicht eingelöst, die riekofener zu besuchen, den domspatzenhorror verharmlost und so getan, als hätte die presse das alles nur aufgebauscht.

    • bernardo
      17.08.2018, 11:44 Uhr.

      Einer der besten Filme über das Thema ist der Film „Doubt“ mit dem großartigen, leider früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman als idealistischer junger Priester und Maryl Streep als gestrenge Ordensschwester. Er ist auch deswegen gut, weil er (wie der Name verrät), vieles im Zweifel lässt und sich nicht in den üblichen platten Hollywood-Schemata von Gut und Böse ergeht. Ein subtiler Film, der unter die Haut geht.

      Auch von mir mein Beileid an die Hinterbliebenen der Opfer von Genua. (Wenn ich daran denke, dass auch ich mehrere Mal im letzten Monat die Brücke überquert habe…)

    • Suarez
      17.08.2018, 17:03 Uhr.

      @Carla Maltese:

      Die New York Times ist nicht gerade als Hetzblatt verschrien und berichtet ebenso wie die FAZ von mindestens einem schwerstmöglichen Fall: „Bertone stoppte die Prozedur nach Angaben der Zeitung dann aber wieder, nachdem Murphy beim deutschen Kardinal Ratzinger schriftlich dagegen protestiert habe. Murphy argumentierte demnach, er habe die Taten bereut, sei krank und der Fall außerdem gemäß der Kirchenregeln bereits verjährt.“
      Auch der Spiegel schrieb dazu: „wie die Glaubenskongregation unter Führung von Joseph Ratzinger das Seelenheil der Täter in der Soutane höherstellte als das Wohl der missbrauchten Kinder.
      In den Jahren zwischen 1950 und 1974 stellte Murphy seinen Schülern nach, befingerte sie im Auto, im Schlafsaal, einige auch im Beichtstuhl – im katholischen Kirchenrecht ein doppelt schlimmes Vergehen.
      Die Jungs sollten ihm sexuelle Kontakte zu Gleichaltrigen beichten. Dann fing er an, sie zu berühren, befriedigte sie und sich mit der Hand. Murphy bedrängte die Schüler, ihm Namen von anderen kleinen Sündern zu nennen. Dann ging er nachts an deren Bett. Er brauchte nicht leise zu sein. Die Jungen waren ja gehörlos.“ Die Reaktionen aus dem Vatikan blieben aus: “ Ratzinger antwortet nicht… [Bertone] empfehle einen kircheninternen Prozess…
      Lawrence Murphy wendet sich am 12. Januar 1998 persönlich an Kardinal Ratzinger und bittet ihn, das eingeleitete Verfahren seiner Diözese zu stoppen. Die Taten lägen schließlich schon 25 Jahre zurück: ‚Ich bin nun 72 Jahre alt und von schwacher Gesundheit, Eminenz. Ich will einfach die Zeit, die mir nun noch bleibt, in der Würde meiner Priesterschaft verbringen und bitte Sie um Ihre freundliche Unterstützung in dieser Angelegenheit.‘
      Sein Wunsch wird erfüllt.“
      DAS ist die saubere Aufarbeitung, die unter Ratzinger schon begonnen habe?

      • neuhamsterdam
        18.08.2018, 22:47 Uhr.

        Was ist denn nun genau der Vorwurf in diesem Vorgang an die Kirche? Man könnte trocken formulieren, es bestand die vorstellbare Möglichkeit, der Brief vom 19. August 1998, in dem ihm die Einstellung des diözesanen Verfahrens mitgeteilt wurde, hätte ihn noch am Sterbebett am 21. August 1998 erreichen können und damit wäre sein Wunsch in Erfüllung gegangen und den Opfern wäre, durch diese kurze Zeitspanne – nach Meinung Dritter – wiederum Leid zugefügt worden.
        Wenn man denn dermaßen auf staatliche Gesetze pocht, die weltliche Justiz ermittelt eben nicht strafrechtlich gegen Tote, falls das unbekannt sein sollte. Da scheint es, es wird versucht, diesem misslichen gefühlten Mangelzustand nicht ganz nah dran zu sein mit der Forderung nach noch mehr Aufklärung zu entkommen, um dann wirklich alles aufgeklärt zu haben, was aber schon deswegen unmöglich ist, weil man damit einen Großteil der Opfer fremdbestimmt.
        Staatlicher sein zu wollen als der Staat selber hat in der Kirche auch schon wieder Tradition, wobei das am Anfang noch etwas anders war, als man froh war, wenn das Geklapper römischer Rüstungen vor den verrammelten Fenstern und Türen langsam wieder leiser wurde.

        • Novalis
          21.08.2018, 1:09 Uhr.

          Das ist schlicht Verharmlosung.

    • Wanda
      17.08.2018, 17:14 Uhr.

      Carla Maltese 16. 21:43
      – Wie man einen Jungen Rainer Maria nennen kann ? So ungewöhnlich nicht und Sie als (Alt-)Katholikin sollten das wohl doch verstehen: vor allem in den Latinoländern auch Europas ist der Zweitname Maria bei der Namensgebung als Reminiszenz an den katholischen Glauben zu verstehen und auch aktuell noch sehr populär. Genauso wie der Erst- und Zusatz-Vorname „Jesus“ in Lateinamerika.
      P.S. Rainer Maria Rilke, der deutschen Sprache vielleicht bedeutendster Lyriker stammte aus einer kath. Familie

      • Heilbründl
        18.08.2018, 0:33 Uhr.

        Sehr bekannt ist auch Carl Maria Brandauer!

  • bernardo
    16.08.2018, 23:28 Uhr.

    Eine Anmerkung noch in eigener Sache, falls es mir gestattet wird, lieber Herr Erbacher.

    Ich bin überrascht, wie hier meine Texte gelesen werden. Ich mag ein Kritiker des Liberalismus sein – im Sinne Carl Schmitts oder Leo Strauss‘, auch wenn ich im Persönlichen ziemlich liberal bin.

    Aber: Ich halte Kriege nicht für eine Lappalie. Die beiden Kriege, die meine Gegenspieler im Blog als Beispiele anführen, würde ich nicht als legitim akzeptieren – den Sechstagekrieg nicht, weil die konkrete Angriffsbereitschaft Präsident Nassers nicht gegeben war, den Bosnienkrieg nicht, weil es nicht um die schlichte Auseinandersetzung zwischen bösen Serben und guten Muslimen ging, wie man uns glauben machen wollte, sondern um einen jahrhundertealten Hass, der sich Bahn brach und sich in Kriegsgräueln äußerte. Nicht umsonst nannte ich Belgien im Ersten, Dänemark, Norwegen, die Niederlande und Belgien im Zweiten Weltkrieg als Beispiele für neutrale Staaten, die angegriffen wurden und das Recht zur Selbstverteidigung besaßen.

    Auch will ich nicht Frauen, Farbige oder Angehörige von Minderheiten von der politischen oder gesellschaftlichen Teilhabe ausschließen. Demokratie lebt von der Beteiligung möglichst vieler. Aber: Wenn in Diskussionen nicht mehr die Argumente, sondern der vermeintliche Opferstatus zählt, wenn angloamerikanische Unis Aristoteles, Kant und Hegel aus ihren Programmen streichen, weil es sich um weiße Männer handelt, wenn in den USA inzwischen „critical whiteness“ studiert werden kann, ist ein Punkt erreicht, an dem ich sage, es reicht. (Okay, ich weiß, dass die Farbenlehre im Zentrum der jesuanischen Botschaft stand, insbesondere die Aufforderung an die Römer, sich kritisch mit ihrem Römischsein auseinanderzusetzen…)

    Ich vertrete das Recht des Stärkeren. Könnte mir zwar theoretisch gefallen, ist aber faktisch nicht der Fall. Allerdings glaube ich, dass der extreme Moralismus, der auch große Teile der Kirche befallen hat, dem Christentum schadet, egal ob in „konservativer“ (Pille, Verhütungsmittel) oder „progressiver“ (Flüchtlingseuphorie) Fassung. Am Anfang und am Ende des Religiösen steht keine Moral, sondern das Staunen, das sich in der Verehrung des Numinosen, des Göttlichen, Bahn bricht.

    • Novalis
      17.08.2018, 13:15 Uhr.

      „Ich vertrete das Recht des Stärkeren. Könnte mir zwar theoretisch gefallen“

      Auch nur im Konjunktiv so zu denken, ist eine Verhöhnung der Missbrauchsopfer.

      • bernardo
        18.08.2018, 10:27 Uhr.

        Danke für die Blumen. Wenn Sie meinen Post gelesen hätten, wüssten Sie, dass ich dort Vorwürfe aus dem letzten Strang referiere, in dem es um die Todesstrafe, Kriege und Migration ging, nicht um pädophile Straftaten. (Ich könnte übrigens den Vertretern des Status Quo in der Migrationsfrage dasselbe vorwerfen, führt ihre Politik doch dazu, dass die Starken, (relativ) Wohlhabenden und Gesunden die Reise schaffen, während die Kranken, Schwachen und besonders Bedürftigen in den Lagern oder in ihren Heimatländern bleiben…) Was die pädophilen Straftaten angeht, bin ich sehr viel klarer und konsequenter als andere, denn ich unterscheide nicht: Mir ist es egal, ob der Vertuscher und Verharmloser ein „rechter“ oder ein „linker“ Bischof ist!

        • Novalis
          21.08.2018, 1:09 Uhr.

          @Herr Erbacher: „Wohlhabenden und Gesunden die Reise schaffen“. Es ist schlimm genug, wenn der derzeit noch amtierende bayerische Ministerpräsident von Asyltouristen spricht, aber muss das hier im Blog auch sein? Der nettiquette entspricht das nicht. Oder ist man da auf dem rechten Auge blind?

          • @ bernardo
            22.08.2018, 17:52 Uhr.

            Novalis, Sie meinen also, dass man als armer, kranker und schwacher Mensch die Reise von Afrika nach Europa übersteht?

          • Novalis
            24.08.2018, 10:47 Uhr.

            Touristen reisen, Flüchtlinge flüchten. Das sind zwei Paar Stiefel. Am Ende des 2 Weltkrieges flüchteten auch Heerscharen von Alten und Kranken.

    • Suarez
      17.08.2018, 17:10 Uhr.

      Unter einem Bericht zu massenhaften Kindesmissbrauch davon zu sprechen , dass am Anfang und am Ende des Religiösen keine Moral stehe, sondern das Staunen – da bleibt mir die Spucke weg. Die große Endzeitparabel von Matthäus sagt etwas anderes. Aber egal. Moral kann durch das Recht des Stärkeren ersetzt werden. Tausende Kinder haben dieses Recht des Stärkeren brutal erfahren. Sie werden sich für solche Beiträge bedanken.
      Der christliche Glaube beruht auf Erkenntnis. Er verehrt jenes Sein, das allem Existierenden zugrunde liegt, den wirklichen Gott. Im Christentum ist Aufklärung Religion geworden und nicht mehr ihr Gegenspieler. Solange sich Kirche der Aufklärung, gerade in Missbrauchsfällen nach wie vor verweigert, kommt sie ihrem eigenen Anspruch, dass in ihr Aufklärung zu Religion geworden sei, nicht nach.

      • bernardo
        18.08.2018, 13:11 Uhr.

        @ Suarez: Sie scheinen die Begrifflichkeiten zu verwechseln: Aufklärung im geistesgeschichtlichen Sinne meint etwas anderes als Aufklärung von Straftaten. Christentum und Aufklärung so zusammenzubringen, wie Sie das tun, ist etwas vermessen und trifft den Kern des Christentums nicht; auch ist es historisch nicht akkurat, auch wenn es eine Form von Aufklärungsbewegung in der Kirche gegeben hat.

        Mein Hauptvorwurf an die Vertreter einer liberalen Theologie – eigentlich eine contradictio in adiecto – lautet, dass sie das Wesen des Katholizismus, die complexio oppositorum, missverstehen und nach einer Seite hin auflösen – sprich den Gegensatz von sich verhüllendem und sich offenbarendem (liberal) Gott, von Schwert und Ölbaumzweig (liberal), von Allwissenheit Gottes und menschlicher Freiheit (liberal), von cultus und fides (liberal). In diesem Weltbild gibt es keine complexio, keine Paradoxa und auch keine Tragik. Diese könnte – und hier komme ich auf das Strangthema zurück – in einem radikal verfehlten Priesterleben bestehen, im engen Sinne also der eigenen Berufung, im weiteren Sinne im Verfehlen Gottes. Ich bin ein Vertreter der zero-tolerance, bin für die Suspension a divinis und das Überstellen an die weltliche Justiz (egal, welche Position diese Priester bekleiden und ob sie Progressive oder Konservative sind), aber zugleich empfinde ich Mitleid mit ihnen. Noch größeres Mitleid freilich habe ich für ihre Opfer.

        • Novalis
          21.08.2018, 1:07 Uhr.

          liberalis heißt freigebig. Eine liberale Theologie kann also von der Wortbedeutung her keine contradictio in adiecto sei, denn Gott selber ist der Freigebigste überhaupt. Im übrigen ist „Liberale Theologie“ eine protestantische Richtung. Von anderem zu Schwadronieren, gerade auch angesichts des großen Leids und es wieder einmal zu verharmlosen, indem man sich mit Tätern solidarisirt („In diesem Weltbild gibt es keine complexio, keine Paradoxa und auch keine Tragik. Diese könnte in einem radikal verfehlten Priesterleben bestehen“), richtet sich selbst. Diese ganzen angeblichen Paradoxa etc. sind meiner Meinung nach Fieberphantasien von Rechten, die einen Pappkameraden brauchen, um ihn abschießen zu können.

        • Suarez
          21.08.2018, 13:42 Uhr.

          „Christentum und Aufklärung so zusammenzubringen, wie Sie das tun, ist etwas vermessen und trifft den Kern des Christentums nicht; auch ist es historisch nicht akkurat, auch wenn es eine Form von Aufklärungsbewegung in der Kirche gegeben hat.“
          Erstaunlich, wie @bernardo plötzlich sogar Joseph Ratzinger kritisiert, von dem die Zeilen stammen: „Der christliche Glaube beruht auf Erkenntnis. Er verehrt jenes Sein, das allem Existierenden zugrunde liegt, den wirklichen Gott. Im Christentum ist Aufklärung Religion geworden und nicht mehr ihr Gegenspieler.“
          Und natürlich hat philosophische Aufklärung mit der Aufklärung von Missbrauch zu tun. Beide wenden sich gegen die angemaßte, ungerechtfertigte Autorität von Klerikern.

          • @ bernardo
            22.08.2018, 18:01 Uhr.

            Was mich von den Bergoglianern unterscheidet: Ich denke nicht „Right or wrong — my Pope“. Die Aufklärung war im Wesentlichen eine antiklerikale, antikirchliche Bewegung, und je länger ich manche Foristen lese, desto mehr frage ich mich, ob Voltaire nicht vielleicht recht hatte mit seinem „Ecrasez l‘infame“. (Weiß nicht, wo die Akzente auf der Tastatur sind.)

          • Novalis
            24.08.2018, 10:45 Uhr.

            P.S.: Danke für den Ratzingertext zur Aufklärung, den werde ich mir merken.

      • Wanda
        21.08.2018, 1:37 Uhr.

        Suarez 17.08. 17:10
        – Dass im Christentum die Aufklärung zur Religion geworden ist, glauben Sie doch wohl selbst nicht ? In keiner Religion (und am wenigsten in den abrahamitischen) ist sie das geworden, weil sie ihnen in vielen Aspekten diametral entgegensteht. Und das bitter Wenige was aus der Aufklärung letztlich Eingang gefunden hat und nicht mehr geleugnet werden konnte, wurde immer nur unter grossen K(r)ämpfen und nicht selten schlimmen Folgen für die Protagonisten scheibchenweise nach und nach akzeptiert.
        So etwas nennt man Geschichtsklitterung betreiben…

    • Carla Maltese
      17.08.2018, 21:39 Uhr.

      @Novalis @Suárez

      Zum Thema „Recht des Stärkeren“:
      Auch wenn mir diese Angeberei an dieser Stelle schwer missfällt, denke ich nicht daß bernardo an dieser Stelle irgendetwas mit Missbrauch gemeint hat.
      Also von Ihrem Vorwurf möchte ich ihn freisprechen, auch wenn mir diverse sehr empathielose Äußerungen an dieser Stelle und beim letzten Artikel hochgradig auf die Nerven gehen.

      Und im übrigen verzichte ich aus Respekt vor unserer Redaktion auf eine weitere Vertiefung an dieser Stelle.

      • Novalis
        20.08.2018, 17:21 Uhr.

        @Carla Maltese

        „Auch wenn mir diese Angeberei an dieser Stelle schwer missfällt, denke ich nicht daß bernardo an dieser Stelle irgendetwas mit Missbrauch gemeint hat.“

        Allein in einem Missbrauchskontext solche Worte fallen zu lassen – und dort sind sie gefallen – sollten zu denken geben.

      • bernardo
        20.08.2018, 18:43 Uhr.

        Das ist keine Angeberei und bezieht sich nicht auf meine persönliche Kraft, sondern auf meine Interessen – Strategie und Militärgeschichte (ich weiß, ganz übel :-)). Auch glaube ich, dass der Begriff „Empathie“ überschätzt wird, denn er bezeichnet, anders als das Mitleid, eigentlich eine wertneutale Sache. Sogar ein übler Demagoge kann „empathisch“ sein, wenn er sich in die Gedanken der Masse einfühlen kann.

  • Eva
    17.08.2018, 16:41 Uhr.

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass Papst Franziskus schon ein wenig müde geworden ist. Das erscheint auch wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass bei allem, was er macht (von Amoris letitia über Diskussion über die Handreichung bis zur Änderung der Haltung der Kirche im Hinblick auf die Todesstrafe) ständig von irgendwelchen Personen kritisiert und teilweise massiv angegriffen wird. Das Problem des Missbrauchs durch kirchliche Würdenträger scheint ein viel gößeres Ausmaß angenommen haben als befürchtet. Hoffentlich gibt es unter den Mißbrauchstätern noch welche, die am Leben sind, und die trotz Verjährung ihrer furchtbaren Handlungen von kirchlichen Institutionen noch zur Rechenschaft gezogen werden können. Ich wünsche mir, dass Papst Franziskus auch persönlich und nicht nur durch seinen Sprecher zu den Vorfällen Stellung nimmt und zwar in der wortgewaltigen und überzeugenden Weise wie er als Kardinal Bergoglio Mißstände angeprangert hat. Vielleicht sollte er einmal zeigen, dass er der „Herr im Hause Vatikan“ ist. Als einfache Gläubige können wir nur für ihn beten.

    • Carla Maltese
      17.08.2018, 21:22 Uhr.

      Diejenigen die Franziskus giftig angreifen mögen die größten Schreihälse sein, aber sie sind nur wenige. An denen liegt es ganz sicher nicht, wenn Franziskus ein wenig müde wirkt.

      Eher dadran daß er im Stich gelassen wird.
      Zu viele erwarten alles von ihm, bis in die kleinste Gemeinde rein, statt mit anzupacken was sie selber für die Erneuerung ihrer Kirche tun könnten.

      Er ist ein sehr sehr starker Mensch. Aber Jesus spielen zu sollen, das ist auch für ihn eine Überforderung.

    • Wanda
      17.08.2018, 23:41 Uhr.

      Eva 17.08. 16:41
      – Ziemlich naiv: kirchliche Institutionen ziehen nicht zur Rechenschaft, jedenfalls nicht nach weltlichen Kriterien. Den monströsen geistlichen Tätern wird von der Mutter Kirche allenfalls aufgetragen, in irgendeinem Kloster Busse zu tun und sich dem Gebet zu widmen.
      Sie müssten der Gesellschaft in einem Gefängnis dauerhaft entzogen werden, damit sie nicht erneut ein Opfer finden und eine Kinderseele töten. Und diese Kinderseelen sollten doch wohl der Mutter Kirche näher stehen als der sündige Unhold und evtl. Wiederholungstäter, wie es leider viel zu oft der Fall war/ist…
      Und noch ein Rat: beten sie lieber für die lebenslang geschädigten Opfer statt für Franziskus. Die haben es nötiger…

  • Silberdistel
    17.08.2018, 19:15 Uhr.

    Was für ein trauriges Schaffen der Gefallenen.

  • Heilbründl
    18.08.2018, 0:42 Uhr.

    Beginnt Missbrauch nicht schon da, wenn Kapläne Kopfnüsse verteilen wie bei mir (1968, 6.Klasse als kath. Mädchen) oder bei meinem Vater mit Schlägen?
    Wenn das geduldet wurde von den Erwachsenen, dann ist der Schritt zu weiteren Missetaten bei entsprechenden Veranlagungen nicht mehr weit.
    Ein kath. Priester war einfach unangreifbar.

    • Silvia
      20.08.2018, 22:48 Uhr.

      Heilbründl
      18.08.2018, 0:42 Uhr.

      Es ist ein gravierender Unterschied zwischen Ohrfeigen und sexuellem Missbrauch.

      2010, als der deutsche Missbrauchsskandal offenbar wurde, hat man alles in einen Topf geworfen:

      Die früher üblichen Ohrfeigen, schwere körperliche oder seelische Misshandlungen und sexuellen Missbrauch.

      Strafrechtlich gesehen sind das aber unterschiedliche Straftatsbestände und die schlimmsten Schäden in einer Kinderseele dürfte wohl der sexuelle Missbrauch anrichten.

    • Silberdistel
      21.08.2018, 8:56 Uhr.

      Heilbründl
      18.08., 0:42 h
      In der Tat besteht um jedes Individuum eine Art ´Schutzzone´, in die nicht jeder so einfach eindringen darf. Die man durchaus „Intimbereich“ nennen könnte (Ich weiß, dieser Begriff trifft´s nicht ganz, macht in diesem thread aber durchaus Sinn). Dompteure z.B. wissen genau um diese Schutzzone bei Raubtieren, weil ihr Leben schlichtweg davon abhängt.
      Es ist schon bezeichnend in der Anmaßung wenn „Autoritäten“, zumal ihnen Schutzbefohlenen, diese Schutzzone um die jedes Individuum unbewußt weiß, nicht nur räumlich verletzen. Sondern dort sogar körperliche Gewalt ausüben, die nicht nur körperliche Verletzungen hinterlassen. Sexueller Mißbrauch gehört natürlich unbedingt genauso dazu, ist in der Art der seelischen Verletzung sicher noch wesentlich höher anzusiedeln.
      Unbegreiflich wie jemand, der sich mit Jesus Christus und dem „Neuen Menschen“ sogar beruflich beschäftigt hat, ´Autorität´ derart mißbräuchlich verwenden kann, wie es die körperlich Gewalt ausübenden oder sex. Mißbrauchstäter tun.

    • Ullrich Hopfener
      24.08.2018, 9:17 Uhr.

      Noch heute wird in amerikanischen Sekten- bible Belt mit dem R- Stock geprügelt!!!

      Diese Kriminellen Eltern werden dort NICHT juristisch zur Rechendchaft gezogen/ wegen einiger «SPRüCHE“ aus dem AT

  • Carla Maltese
    19.08.2018, 10:59 Uhr.

    Noch etwas zu Missbrauch allgemein:

    Auch wenn mich jetzt wieder der Vorwurf treffen wird, „ablenken“ zu wollen:
    Ich bin definitiv der Meinung, daß der Aufschrei in den Bereichen wo Frauen und Mädchen die Mehrheit der Opfer stellen, genauso groß sein muss wie bei kirchlichem Missbrauch.
    Also Zwangsprostitution und Sextourismus.
    Eine Frau die in Sexsklaverei geraten ist, ist in einer noch schlimmeren Lage als obige Opfer. Ihr ganzes Leben besteht nurnoch dadraus, sich mehrfach am Tag vergewaltigen zu lassen. Von wechselnden Männern. Wie soll sie jemals wieder Vertrauen finden, daß es auch gute Männer gibt? Und oft haben diese Frauen kein Zuhause mehr in das sie zurückkehren können, wenn sie mal freikommen.

    Ich bin absolut nicht damit einverstanden, daß da vergleichsweise immernoch Schweigen herrscht!!

    • Novalis
      21.08.2018, 0:57 Uhr.

      Ich finde überhaupt nicht, dass dieser Hinweis ablenkt. Männlich, weiß, heterosexuell – das ist die Beschreibung der meisten Täter hier wie dort. Zwar sind nicht alle Männer Täter (dieser Trugschluss wird in der me-too-Debatte zu oft gezogen), aber dass die meisten Täter einer „kulturell“ dominanten Schicht entstammen, ist ein bemerkenswertes Faktum.

      • Silvia
        22.08.2018, 16:46 Uhr.

        Novalis
        21.08.2018, 0:57 Uhr.

        Seit spätestens Silvester 2015 stimmt diese Behauptung nicht mehr. Können Sie beinahe täglich auf ganz neutralen Internetmedien wie z,B. t-online, wo ich mein Emailpostfach habe, nachlesen.

        Dazu kommen Welt online und Focus, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und das sind keine „rechtsradikalen“ Medien.

        Und bei den kirchlichen Missbrauchsskandalen stimmt auch das Adjektiv heterosexuell für die allermeisten Täter nicht.

        • Novalis
          24.08.2018, 10:39 Uhr.

          So unangenehm die Silversternacht war: Statistisch bleibt es dabei. Es ist eine hysterisch-islamophobe Anwandlung zu behaupten, dass Muslime massenhaft Frauen vergewaltigen.
          Und die Masse an Missbrauchstätern ist heterosexuell. Denn die meisten Missbräuche finden durch Väter und Mütter statt. Und obwohl seit gut 40 Jahren immer mehr Schwule Priester werden: Die Masse an Missbräuchen fand durch Heterosexuelle statt, für die eben Buben qua Ministranten greifbarer waren.
          Welt, Focus etc. sind zwar bunt, aber bedingt seriös. Abwägen und werten von Informationen wäre da angesagt.

    • Wanda
      21.08.2018, 1:50 Uhr.

      Carla Maltese 19.08. 10:59
      – Genau: lenken Sie nicht ab und relativieren Sie nicht schon wieder. Zwischen erwachsenen Prostituierten (es gibt auch männliche) und absolut wehrlosen Kindern gibt einen ganz beträchtlichen Unterschied…
      – Und ein Schweigen zu diesem Thema gibt es schon lang nicht mehr: Sie sollten vielleicht auch einmal die erstaunlich offenen Stellungnahmen von selbstbewussten Anschafferinnen zur Kenntnis nehmen, die sich ganz und gar nicht in der Opferrolle sehen. Und nicht wenige geben zu, dass sie ihren Beruf des schnellen Geldes frei gewählt haben, der weitere Entwicklung ihnen aber über die Jahre ausser Kontrolle geriet.
      Es gibt eben nicht nur Ihre Wahrheit…

      • Carla Maltese (Ex-Wrightflyer)
        22.08.2018, 12:27 Uhr.

        @Wanda

        Ich wollte mich eigentlich ein paar Tage ausklinken, ich habe gerade weder Zeit noch Lust auf den Blog.

        Aber weil ich das hier schon ahnte:

        Zum einen GIBT es Zwangsprostituierte. Es macht eben NICHT jede Frau gern 10 Mal am Tag die Beine breit für wildfremde Männer!
        Diese Frauen werden oft durch falsche Versprechen hergelockt und bekommen dann den Pass abgenommen.

        Ausserdem sind viele Mädchen ueber die Sextouristen herfallen noch minderjährig.

        Was soll das überhaupt für ein Frauenbild sein: Eine Frau soll alles mit sich machen lassen sobald volljährig??

        Und ja, da herrscht noch immer vergleichsweise Schweigen…

        Nein, es ist KEIN Unterschied, ob ein Täter Priester oder Banker ist, beides ist schlimm!!

        • Wanda
          24.08.2018, 14:29 Uhr.

          Carla Maltese 12:27
          – Hören Sie schon auf mit Ihren Unterstellungen !
          Einerseits steht hier ein ganz anderes Thema zur Debatte und andererseits besteht dieser perfide Unterschied im modus operandi. Den können Sie mit absolut nichts vergleichen und auch nicht die Protagonisten: weder die Kinder in ihrer (im wahrsten Sinne des Wortes) ausgelieferten Opferrolle noch den perfiden, falschen Heiligenschein, mit dem die Täter als geistliche Vertrauens- und Erziehungspersonen auftreten.
          – Spielen Sie sich also moralisch sich nicht so auf: das Frauenbild steht hier für absolut niemanden in Frage.
          Einzig Sie scheinen von dem Vergleich geradezu besessen.

      • Novalis
        22.08.2018, 13:57 Uhr.

        So eine Wortmeldung nenne ich chauvinistisch.

  • Novalis
    20.08.2018, 15:03 Uhr.

    „Das zeigt sich deutlich in einer anomalen Verständnisweise von Autorität in der Kirche – sehr verbreitet in zahlreichen Gemeinschaften, in denen sich Verhaltensweisen des sexuellen Missbrauchs wie des Macht- und Gewissensmissbrauchs ereignet haben –, nämlich als Klerikalismus, jene Haltung, die »nicht nur die Persönlichkeit der Christen zunichte [macht], sondern dazu [neigt], die Taufgnade zu mindern und unterzubewerten, die der Heilige Geist in das Herz unseres Volkes eingegossen hat«[3]. Der Klerikalismus, sei er nun von den Priestern selbst oder von den Laien gefördert, erzeugt eine Spaltung im Leib der Kirche, die dazu anstiftet und beiträgt, viele der Übel, die wir heute beklagen, weiterlaufen zu lassen. Zum Missbrauch Nein zu sagen, heißt zu jeder Form von Klerikalismus mit Nachdruck Nein zu sagen.“
    Dankenswert klare Worte.

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