Papst: Mit Kommunikation Brücken bauen und nicht polarisieren

Das Thema Barmherzigkeit steht auch über der Papstbotschaft zum Tag der sozialen Kommunikationsmittel 2016. Worte und Taten sollten so beschaffen sein, „dass sie uns helfen, aus den Teufelskreisen von Verurteilungen und Rache auszusteigen, die Einzelne und Nationen weiterhin gefangen halten und zu hasserfüllten Äußerungen führen“. Ganz besonders nahm das Kirchenoberhaupt auch das Internet und die sozialen Netzwerke in den Blick: „Der Zugang zu den digitalen Netzen bringt eine Verantwortung für den anderen mit sich, den wir nicht sehen, der aber real ist und seine Würde besitzt, die respektiert werden muss.“ Dabei sieht Franziskus die Chancen und die Gefahren: „Die sozialen Netze sind imstande, Beziehungen zu begünstigen und das Wohl der Gesellschaft zu fördern, aber sie können auch zu einer weiteren Polarisierung und Spaltung unter Menschen und Gruppen führen.“ Während im Pressesaal des Vatikans die päpstliche Botschaft vorgestellt wurde, empfing Franziskus den Apple-Chef Timothy Donald Cook. Bereits vergangene Woche hatte er den Chef von Google, Eric Schmidt, getroffen.

Gestern hat der Vatikan bekannt gegeben, dass Papst Franziskus die Regeln für den Ritus der Fußwaschung am Gründonnerstag geändert hat. Künftig sind auch offiziell Frauen und Mädchen zum Ritus zugelassen. (Quelle: reuters)

Gestern hat der Vatikan bekannt gegeben, dass Papst Franziskus die Regeln für den Ritus der Fußwaschung am Gründonnerstag geändert hat. Künftig sind auch offiziell Frauen und Mädchen zum Ritus zugelassen. (Quelle: reuters)

Papst sieht jeden in der Pflicht

Der Vatikan will ganz oben mitspielen in der neuen Kommunikationswelt. Das dürfte auch ein Anliegen des neuen Präfekten für Kommunikation, Dario Edoardo Vigano, sein, dem Franziskus im vergangenen Sommer die Leitung des neuen Medienministeriums anvertraut hatte. „Think big“ ist das Motto dieses Kirchenmanns. Es wird daher spannend, was sich im Medienbereich in naher Zukunft tun wird. Nicht immer hat Vigano ein glückliches Händchen im Umgang mit seinen neuen Mitarbeitern in den verschiedenen Medienbereichen des Vatikans. Vielleicht könnte helfen, was sein oberster Chef über Kommunikation schreibt.

„Die Kommunikation hat die Macht, Brücken zu bauen, Begegnung und Einbeziehung zu fördern und so die Gesellschaft zu bereichern“, ist Franziskus überzeugt. Er sieht daher nicht nur Medienvertreter und Politiker in der Pflicht, sondern jeden einzelnen. Grundlegend für Kommunikation sei das Zuhören. Das sei nicht immer leicht. „Zuhören bedeutet, dem Wort des anderen Aufmerksamkeit zu schenken, den Wunsch zu haben, es zu verstehen, ihm Wert beizumessen, es zu respektieren und zu hüten.“ Das Böse müsse zwar „unnachgiebig“ verurteilt werden; dennoch versuche der Christ „niemals die Beziehung und die Kommunikation abzubrechen“. Franziskus verbindet das mit einer Warnung: „Wir können und müssen über Situationen der Sünde – Gewalt, Korruption, Ausbeutung usw. – richten, aber wir dürfen nicht über Menschen richten, denn allein Gott kann das Innerste ihres Herzens deuten.“

Franziskus gibt hier einen kleinen Verhaltenskodex für Kommunikation, der heute wichtiger ist denn je. Das sieht man im Umgang mit Andersdenkenden bei öffentlichen Kundgebungen und auch hier im Netz, gerade auch hier im Blog. Der Papst macht deutlich, was es heißt, angesichts der aufgeheizten Situation als Christ Kommunikation zu betreiben: den Teufelskreis von Verurteilungen und Rache durchbrechen und Brücken bauen. Es ist auch klar, wer aus seiner Sicht den ersten Schritt zu machen hat und stellt mit Shakespeare fest: „Die Barmherzigkeit ist keine Pflicht. Sie fällt vom Himmel, wie die Erquickung des Regens auf die Erde träufelt. Sie ist ein zweifacher Segen: Sie segnet den, der sie gewährt, und den, der sie empfängt.“ Franziskus verurteilt nicht die modernen Technologien. Entscheidend ist für ihn, was der Mensch daraus macht: „Nicht die Technologie bestimmt, ob die Kommunikation authentisch ist oder nicht, sondern das Herz des Menschen und seine Fähigkeit, die ihm zur Verfügung stehenden Mittel gut zu nutzen.“

Interessante Papstaussagen zur Ehe

Zum Jahresbeginn empfängt der Papst immer die Mitarbeiter der Rota Romana, die gemeinhin als oberstes Ehegericht bezeichnet wird. Die Rede gilt als programmatisch. Franziskus betonte bei diesem Anlass heute, dass es keine „Konfusion zwischen der von Gott gewollten Familie und anderen Formen des Zusammenlebens“ geben dürfe. In Italien wird in diesen Tagen heftig über einen Gesetzentwurf zur Einführung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften diskutiert. Für morgen haben die Befürworter zu Kundgebungen im ganzen Land aufgerufen, für nächsten Samstag planen die Gegner eine große Veranstaltung in Rom. Zwei weitere Aussagen des Papstes in der Ansprache von heute fallen noch auf. Dass er die Unauflöslichkeit der Ehe betont, sowie deren Offenheit für Nachkommenschaft, überrascht nicht. Dass er aber von Menschen spricht, „die aus eigener Entscheidung oder durch unglückliche Lebensumstände in einem objektiven Stand des Irrtums leben“, ist für den Sprachgebrauch von Franziskus ungewöhnlich. Wiewohl er betont, dass eben diese Menschen „immer noch Ziel der barmherzigen Liebe Christi und damit der Kirche selber bleiben“.

Zum zweiten sind es seine heutigen Ausführungen über die Notwendigkeit des Glaubenswissens für das Zustandekommen einer gültigen sakramentalen Ehe. Dazu stellt Franziskus fest, das Kirchenrecht zitierend (vgl. Kanon 1099): „Das Fehlen von Ausbildung im Glauben und auch die Irrtümer, welche die Einheit, die Unauflöslichkeit und die sakramentale Würde der Ehe betreffen, beschädigen den Ehe-Konsens nur dann, wenn sie den Willen bestimmen.“ Dieser Zungenschlag lässt aufhorchen. Denn zuletzt wurde im Kontext der Reform der Ehenichtigkeitsverfahren auch vom Papst unterstrichen, dass geprüft werden müsse, ob viele Ehen nicht aufgrund fehlenden Glaubenswissens nie gültig zustande gekommen sind. Und auch beim Treffen mit der Rota Romana im vergangenen Jahr hatte Franziskus mit Verweis auf denselben Kanon den Akzent stärker auf „die Unkenntnis der Glaubensinhalte“ gelegt. Heute leitet er den entsprechenden Passus mit dem Verweis auf Kanon 1055 ein, der besagt, dass es „zwischen Getauften keinen gültigen Ehevertrag geben kann, ohne dass er zugleich Sakrament ist“. Franziskus argumentiert also heute ganz streng am Kirchenrecht entlang. Das steht durchaus in einem gewissen Widerspruch zu seiner eher pastoralen Linie, die er bisher immer betont hat. Denn genau dieser Kanon 1055 gehört zu den problematischeren der Kirchenrechtsbestimmungen. Er bedeutet nämlich, dass für die katholische Kirche auch eine zwischen Protestanten geschlossene Ehe sakramental ist. Das wird von vielen als übergriffig erlebt.

P.S. Was die Ausführungen zur Papstbotschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel anbetrifft, bitten wir von jeglichen Schuldzuweisungen gegenüber anderen Teilnehmern hier abzusehen. Entsprechende Kommentare werden nicht freigeschaltet. Es soll hier über Themen diskutiert werden und nicht über andere Teilnehmer.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

10 Kommentare

  • Alberto Knox
    23.01.2016, 21:27 Uhr.

    „Was die Ausführungen zur Papstbotschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel anbetrifft, bitten wir von jeglichen Schuldzuweisungen gegenüber anderen Teilnehmern hier abzusehen. Entsprechende Kommentare werden nicht freigeschaltet. Es soll hier über Themen diskutiert werden und nicht über andere Teilnehmer.“

    das halte ich für eine sehr weise entscheidung.

    die aussagen vor der rota wundern mich weniger. franziskus weiß sehr wohl, was anlass- und adressatenbezogene rede bedeuten.
    man kann den can. 1055 auch andersherum betrachten: er symbolisiert gottes freigebigkeit an gnade: kein christ ist von der sakramentalen gnade, die sich die eheleute gegenseitig spenden, nur deswegen ausgeschlossen, weil er/sie nicht katholisch ist. ich halte das für eine ökumenische auszeichnung.

    • bernardo
      24.01.2016, 17:52 Uhr.

      „das halte ich für eine sehr weise entscheidung.“

      Dann halten Sie sich in Zukunft gefälligst daran.

      • Suarez
        26.01.2016, 8:24 Uhr.

        „Was die Ausführungen zur Papstbotschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel anbetrifft, bitten wir von jeglichen Schuldzuweisungen gegenüber anderen Teilnehmern hier abzusehen. Entsprechende Kommentare werden nicht freigeschaltet.“
        Das sollte für Sie auch gelten.

  • Wrightflyer
    24.01.2016, 11:40 Uhr.

    Für jemanden der selbst nie ein Handy hatte, ein Computermuffel vor dem Herrn ist und sich nicht ins Internet traut, lässt Franziskus eine erstaunlich umfassende und klare Analyse der heutigen Kommunikationsmöglichkeiten vom Stapel. Ich bin ehrlich beeindruckt!

    Klar, etwas so komplexes und umfassendes wie das Internet hat nicht nur eine Seite. Über das Internet kann man Freundschaften bilden und aufrechterhalten, Flüchtlinge können mit daheimgebliebenen oder über mehrere Länder verstreuten Verwandten und Freunden in Kontakt bleiben, oder wenn man mal als Ausstauschstudent in einem anderen Land war, kann man mit den Leuten dort in Kontakt bleiben. Über das Internet kann man Spiele mit anderen spielen wenn man keine Brettspielerrunde findet, man kann an Informationen kommen die man nicht in den Tageszeitungen findet, man kann Gleichgesinnte zu einem bestimmten Thema finden, Revolutionäre können sich zusammenschließen und manches mehr. (Z.B. Daß es zum Thema 9/11 namentlich bekannte Zeugen gibt die eine völlig andere Geschichte als die offizielle Version erzählen, weiß ich auch erst dank dem Internet. Auch wenn schon die weltweit gesendeten Fernsehaufnahmen deutlich sagen, daß an der Geschichte etwas nicht stimmt.)
    Auf der anderen Seite legt das Internet auch menschliche Abgründe frei. Es ist Feiglingen hinter der Anonymität leichter, gegen schwächere und Minderheiten zu hetzen, es ist leichter zu mobben und zu hassen. Also wer einen miesen Charakter hat, kann ihn im Netz viel leichter ausleben. Daß sich übers Netz auch Kinderschänder verbünden, ist auch ein Problem. Außerdem macht das Internet eine Totalüberwachung möglich, wie sie noch nicht einmal in Erich Mielkes feuchten Träumen vorkam. Und es gibt im Netz mehr Miss(t)verständnisse, weil wir für eine Kommunikation ohne Körpersprtache oder wenigstens Klang der Stimme evolutionär nicht ausgelegt sind. Und dann gibt es noch unerfahrene Jugendliche die im Netz zuviel von sich preisgeben. Worüber sich Kinderschänder und Personaler freuen.
    Zusammenfassend ist das Internet eine wunderbare Sache. Wir müssen nur lernen sie zu nutzen, d.h. die ethischen Standards müssen sich verbindlich auch auf das Internet beziehen. Was man jemandem nicht ins Gesicht sagen würde, soll man auch im Netz sein lassen!

    Man kann dank Inet Musik klauen… Nicht unbedingt fein, aber auf diese Art können auch ärmere Menschen an viel schöne Musik kommen. Und auch Musik von unbekannteren Künstlern verbreitet sich leichter.

    Natürlich bietet das Inet auch viel mehr als man tatsächlich schafft.
    Ich war mal Teil eines wunderschönen Chatrollenspiels, mir hat es sehr viel Spaß gemacht, nur mit dem Text und den eigenen Bildern im Kopf zu arbeiten und Charaktere und Geschichten zu entwickeln. In diesem Rollenspiel sind schon enge Freundschaften und sogar ein zwei Ehen entstanden.
    Ich werde dort vermisst, kann aber nicht mehr zurück, weil ich jetzt dauernd HIER herumhänge. Das hier halt ich für die wichtigere Aufgabe.

    Ob es sein musste, daß Franziskus ausgerechnet den Apple-Chef empfängt? Ich sagte ja schon, daß mir seine Empfänge für VIPs nicht gefallen. Für die ist das alles nur Bauchpinselei.

    „Gestern hat der Vatikan bekannt gegeben, dass Papst Franziskus die Regeln für den Ritus der Fußwaschung am Gründonnerstag geändert hat. Künftig sind auch offiziell Frauen und Mädchen zum Ritus zugelassen.“
    Ich weiß nicht wie es den Mitschreibern geht, aber mich hat es schon SEHR gewundert, daß bislang dazu nur Männer zugelassen gewesen sein sollen. Da hat der Ritus schon durchaus ausgesagt, daß es eine „würdige“ und eine „nichtwürdige“ Hälfte der Menschheit gibt. Also daß Jesus vor allem für Männer gekommen wäre, nicht aber für Frauen. Eine sehr gute Sache, die Franziskus da getan hat.
    Aber -Autsch!!!- das sieht nach einer sch…“önen“ Runde Rückenschmerzen für Franziskus aus, verdammt nochmal…

    „Nicht immer hat Vigano ein glückliches Händchen im Umgang mit seinen neuen Mitarbeitern in den verschiedenen Medienbereichen des Vatikans. Vielleicht könnte helfen, was sein oberster Chef über Kommunikation schreibt.“
    Okay. Wenn man unsere Redaktion und ihre Ausdrucksweise nach fast 3 Jahren allmählich kennt, heißt das: Der Typ hat Menschenführung wohl in der Näherei in Bangladesch gelernt, den hätten in früheren Zeiten die Holländer sofort als Offizier für die VOC-Schiffe angeheuert.

    „Das Böse müsse zwar „unnachgiebig“ verurteilt werden; dennoch versuche der Christ „niemals die Beziehung und die Kommunikation abzubrechen“. Franziskus verbindet das mit einer Warnung: „Wir können und müssen über Situationen der Sünde – Gewalt, Korruption, Ausbeutung usw. – richten, aber wir dürfen nicht über Menschen richten, denn allein Gott kann das Innerste ihres Herzens deuten.““
    Man erlebt aber durchaus die Situation, daß die Sünde nur auf einer Seite benannt werden darf und daß die andere Seite heiliggesprochen wird. Die Sünden des Islams dürfen benannt werden, die Sünden des Westens nicht. Aber wir leben momentan in einer Situation wo mehrere Seiten ganz dringend die Fähigkeit zur Selbstkritik nötig haben. Und die Erfahrung zeigt, daß gerade die Seite die die größere militärische und wirtschaftliche Macht hat, kritisch beobachtet werden muss. Macht muss immer unter Aufsicht ausgeübt werden.

    „Dass er aber von Menschen spricht, „die aus eigener Entscheidung oder durch unglückliche Lebensumstände in einem objektiven Stand des Irrtums leben“, ist für den Sprachgebrauch von Franziskus ungewöhnlich“
    Ja, ist es, in der Tat! Nicht nur Sie, Herr erbacher, sind irritiert.
    Und was bedeutet „gottgewollte Ehe“? Soll etwa jeder wie orthodoxe Priester zwangsverheiratet werden? Auch Homosexuelle?

    Auch enttäuscht bin ich davon, daß Franziskus nicht daran denkt, das Wachstumsziel von Humanae Vitae zu überdenken. Enttäuscht deswegen, weil Franziskus immerhin einen naturwissenschaftlichen Beruf gelernt hat.
    Als Humanae Vitae geschrieben wurde, hatte man das Problem einer exponentiell wachsenden Menschheit und endlicher Ressourcen und endlicher Landfläche noch nicht so erkannt. 1970 gab es weltweit knapp 3,7 Milliarden Menschen, heute sind wir 7,3 Milliarden.

    „Franziskus argumentiert also heute ganz streng am Kirchenrecht entlang.“
    Was mich schon sehr wundert, denn das ist eigentlich nicht seine Art.
    Er wird in seinem Synodenabschlussdokument doch wohl nicht hinter die Synode zurückfallen??

    • Alberto Knox
      24.01.2016, 13:09 Uhr.

      liebe wrightflyer,

      zum gründonnerstag: ius sequitur vitam (das recht folgt dem leben). kardinal bergoglio hat das schon lange getan, was in vielen diözesen der welt mit gutem recht üblich ist: frauen und männer beim fußwaschungsritus gleich zu behandeln. ich habe jüngst anderswo von der so genannten gesetesgegenteilgen gewohnheit (der consuetudo praeter- oder gar contralegalis) gelesen. die kirche kennt den laien nicht nur als gesetzNEHMER, sondern die gemeinschaft der gläubigen auch als gesetzGEBER. wenn eine gewohnheit seit unvordenklichen (oder mindestens 100 oder waren es 30 jahren) zeiten eine praxis verfolgt, die dem göttlichen recht nicht widerstreitet, gewinnt diese gewohnt selbst gesetzeskraft. faktisch liegt das vor. das krakelen von „rechtskatholiken“ kann ich nicht verstehen. der papst hat etwas geändert, was er ändern konnte und wollte.
      ich würde auch seine ausführungen zur ehe nicht so eng sehen. wie gesagt, er weiß adressatenspezifisch zu reden. und als kardinal hätte er sich in argentinien sogar mit einer eingetragenen lebenspartnerschaft arrangiert. insofern halte ich die hype in italien für völlig überzogen. ein homophober papst wie b16 (der m.e. sehr wohl nur etwas massiv verdrängt, was in ihm selber enthalten it) hat ja alles aufgeboten an weltuntergangsszenario und teuflischer verschwörung – die worte von unserem franz dagegen sind milde. und er spricht ja nur davon, dass etwas unterschieden wird, was unterscheidbar ist. ein heterosexuelles elternpaar besteht aus mann (mit penis) und frau (mit vagina), homosexuelle paare dagegen aus zwei männern (mit penis) oder zwei frauen (mit vagina).
      die kirche sollte sich aber dennoch langsam mal gedanken machen zum neuesten stand von medizin und biologie. so gut wie „rein“ männlich bzw. „rein“ weibliche individuen sind zwar in großer überzahl existent, es gibt aber mehr als genug andere individuen, die dieser zweiteilung nicht gehorchen.

    • Wanda
      24.01.2016, 16:48 Uhr.

      nun sind wir aufgeklärt, danke !

    • SuNuraxi
      26.01.2016, 13:51 Uhr.

      @Wrightflyer, 24.01.2016, 11:40

      Könnte es sein, dass ihre Verliebtheit in Franziskus zwar ganz langsam, aber sicher abnimmt? Falls ja: Gratulation!

      • Wrightflyer
        29.01.2016, 0:51 Uhr.

        Nein, Sie irren sich!
        Ich habe Anfang 2013 aus Rom nichts Gutes mehr erwartet und Franziskus hat meine Erwartungen bislang kilometerweit übertroffen. Er kann mich nicht mehr enttäuschen, auch wenn er hier und da mal etwas macht von dem ich denke daß es so nicht richtig war.

        Ich war nie in dem Sinn „verliebt“ in Franziskus. Das zum einen.
        Zum anderen hat sich meine Einstellung zu Franziskus nicht geändert. Ich HABE Franziskus schon des öfteren kritisiert, wenn mir etwas nicht gefallen hat. Z.B. als er den FC Bayern München empfangen hat. Seine beiden Straßburger Reden enthielten mir zuviel Lobhudelei für Europa und die Heiligsprechung von Junípero Serra, nun ja… er ist weiß, kein Indio, und sieht so manches aus weißer Perspektive. Er war noch nicht lange im Amt und ich habe noch ab und zu auf kath.net mitgelesen (hatte damals nichts besseres zu tun), da habe ich mitbekommen, daß er irgendwelche im Bürgerkrieg ermordeten spanischen Priester heiliggesprochen hat, was mich wirklich sehr geärgert hat, denn damit hat er in diesem noch immer nicht ganz aufgearbeiteten Bürgerkrieg Partei ergriffen. Und Spanien ist nunmal ein Land das ich liebe. In der aufgeheizten Athmosphäre hier im Blog ist es scheinbar nicht aufgefallen, daß Franziskus auch schon immer heftig von mir kritisiert wurde.
        Ich gehe Franziskus allerdings nicht sofort von der Fahne wenn mir was nicht gefällt, denn ich bin erwachsen genug um zu realisieren daß einem nicht immer alles gefallen kann was ein anderer Mensch tut. Speziell nicht, wenn derjenige völlig anderst aufgewachsen ist und mit einer anderen Perspektive der Dinge konfrontiert ist als man selbst. Franziskus und ich sind beide weiß und beide katholische Christen, aber da hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Es geht schon damit los daß er römisch- ist und ich alt- bin, er ein Mann ist, ich eine Frau bin, meine Führungserfahrung gering ist, während er auf diversen Posten schon einen Haufen davon gesammelt hat. Er ist mit 4 jüngeren Geschwistern aufgewachsen, ich bin Einzelkind. Er hat einen Beruf mit dem er moralisch voll und ganz einverstanden sein kann, ich bin Ingenieur und sehe manches an meinem Beruf mittlerweile kritisch, brauche also zuweilen ein moralisches dickes Fell. Kann ich wirklich so naiv sein, zu glauben, daß Franziskus und ich immer einer Meinung sind??

        Franziskus ist für mich noch immer derjenige der er am Gründonnerstag 2013 war. Ich glaube an ihn und sein Reformprojekt, ich bewundere ihn und lasse mich von ihm inspirieren (meine Loyalität kann ich ihm nicht geben, denn dann würde ich meine eigene Konfession verraten!).
        Es stimmt, daß sich etwas verändert hat bei mir, aber das ist nicht meine Einstellung zu Franziskus.
        Mein Schreibstil hat sich eindeutig verändert, weil ich so manches jetzt doch kapiert habe. Für eine echte „Franziskanische Wende“ sind dickere Bretter zu bohren als ich dachte, und ich meine nicht den einen oder anderen konservativen rk-Geistlichen. Was ich meine, habe ich kurz vor Weihnachten hier im Blog geschrieben, Sie können meine alten Beiträge lesen. Drücken wirs mal so aus: Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden.

        Immerhin, a propos FC Bayern München: Zu meinem großen Vergnügen hängt dessen Überlegenheit nurnoch an einem seidenen Faden, und der nennt sich Robert Lewandowski.
        Hätte nicht gedacht, daß ich mal vorübergehend KSC-Fan werde. Aber natürlich nur vorübergehend.

      • Wrightflyer
        29.01.2016, 2:20 Uhr.

        Franziskus kann seine Kirchenreform, mit der er ganz offensichtlich nicht nur seine Kirche meint sondern ALLE Christen mit ins Boot holen will, nicht allein machen. Er braucht alle Verbündete die er bekommen kann.
        Aber er braucht ERWACHSENE Verbündete. Keine launischen Groupies die ihn erst vergöttern und dann sofort fallen lassen wenn mal etwas nicht so ganz gelungen ist.

        Franziskus ist keine Boygroup und ich bin nicht mehr 14.
        Ich suche schon lange nach erwachsenen Wegen, ihn zu unterstützen, nur ist das […]* hier im Blog selten aufgefallen.

        *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

        • Wanda
          31.01.2016, 15:03 Uhr.

          Wrightflyer 0:51
          – also doch Groupie…

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