Der Papst, die Kinder, die Frauen und Tebartz-van Elst

Die Diskussion um die Äußerungen von Papst Franziskus zum Thema „Schlagen von Kindern“ hält an. Am Wochenende kam scharfe Kritik aus der vom Papst selbst eingesetzten vatikanischen Kinderschutzkommission. Franziskus selbst äußerte sich bisher nicht in der Sache. Dafür unterstrich er am Samstag noch einmal, dass er mehr Frauen in kirchlichen Entscheidungspositionen haben möchte. Nur wie das passieren soll, dazu hat er sich erneut nicht geäußert. Was den ehemaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst anbetrifft ist seit diesem Wochenende klar, dass er eine Aufgabe als Delegat für Katechese im Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung übernommen hat. Unklar ist, warum der Vatikan daraus ein solches Geheimnis macht.

Kritik an Papstäußerung

Heute ist im Vatikan die erste Sitzung der Kinderschutzkommission zu Ende gegangen, die Papst Franziskus im vergangenen Jahr eingerichtet hat. Die 17 Mitglieder berieten drei Tage lang darüber, wie sie künftig ihre Arbeit gestalten wollen. Dabei sind vor allem zwei Punkte interessant. Zum einen die scharfe Kritik an den Äußerungen von Papst Franziskus bei der Generalaudienz am vergangenen Mittwoch, die nahelegen, dass es ein „würdevolles Schlagen“ geben könnte. Sowohl der „Chef“ der Kinderkommission, der Bostoner Erzbischof Kardinal Sean Patrick O’Malley, als auch der Brite Peter Saunders, eines der beiden Kommissionsmitglieder, die selbst Opfer von Missbrauch durch Kleriker wurden, kritisierten Franziskus gestern bei einem Briefing über die Arbeit der Kommission im Pressesaal des Vatikans. „Wir müssen mit dem Papst über das Thema reden“, erklärte Saunders.

Die Kommission will neben der Beratung der Bischofskonferenzen und Orden zum Thema Aufarbeitung und Prävention auch das heikle Thema der Verantwortung der Bischöfe in den Blick nehmen. Hier sehen viele Gläubige bisher einen großen Nachholbedarf. „Das muss Folgen haben“, erklärte Kardinal O’Malley, wenn Bischöfe in ihren Bistümern Missbrauchsfälle nicht entschieden genug ahnden. Die Kommission selbst hat zwar keine juristischen Kompetenzen. Es ist aber davon auszugehen, dass sie den Papst drängen wird, härter durchzugreifen. O’Malley ist auch Mitglied des Kardinalsrats K9. Der tagt ab Montag für drei Tage im Vatikan. Da wird der Bostoner Kardinal viel Gelegenheit haben, mit Franziskus sowohl über dessen jüngste Äußerungen als auch über die künftige Arbeit der Kommission zu sprechen.

Hauptthema der K9 soll die Kurienreform sein. Es ist zudem zu erwarten, dass erneut über die neue vatikanische Finanzarchitektur beraten wird. Am Freitag tagte der Wirtschaftsrat unter Leitung des Münchner Erzbischofs Kardinal Reinhard Marx. Der Rat hat die Aufsicht über die Arbeit des im März letzten Jahres neu geschaffenen Finanzministeriums unter Leitung von Kardinal George Pell. Bisher gibt es weder für das Finanzministerium noch für den Wirtschaftsrat Statuten. Kardinal Pell hatte zwar kurz vor Weihnachten einen ersten Entwurf vorgelegt. Doch bisher wurden sie nicht endgültig verabschiedet, geschweige denn veröffentlicht.

Vatikanische Geheimniskrämerei

Mehr Transparenz schreibt sich der Vatikan seit knapp zwei Jahren auf die Fahnen; doch dabei gibt es wohl immer wieder Rückschläge. Das zeigt das seltsame Gebaren im Falle des ehemaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. Am 5. Dezember wurde er mit einer Urkunde, die vom Kardinalstaatsekretär Pietro Parolin unterzeichnet ist, zum „Delegaten“ im Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung ernannt. Doch publiziert wurde diese Ernennung bisher nicht. Das überrascht; denn als etwa im Päpstlichen Kulturrat im November ein Delegat ernannt wurde, gab der Vatikan das ganz normal in seinem täglichen Bollettino bekannt. Warum dann also nicht im Falle des deutschen Bischofs? Es musste doch jedem klar sein, dass sich die Aufgabe nicht auf ewig wird geheim halten lassen!?

Klar ist: Ohne Wissen des Papstes kann eine solche Ernennung nicht erfolgen. Klar ist aber auch, dass die Mitte der Woche kolportierte Aussage des Papstes „Ich denke nicht daran!“ authentisch ist und in einem Gespräch gefallen ist, in dem es über Tebartz-van Elst ging. Hätte der Vatikan von Anfang an mit offenen Karten gespielt, hätte es zwar einen Aufschrei in Deutschland gegeben, aber das Vorgehen wäre offen und transparent gewesen. Unverständnis und Unruhe löst die Personalentscheidung eh‘ aus. Zwar mag Tebartz-van Elst für den Bereich Katechese, in dem er jetzt eingesetzt ist, qualifiziert sein, und mögen auch viele damit einverstanden sein, dass er eine zweite Chance bekommt; doch fehlt vielen ein echter Schritt der Reue von Seiten des Bischofs. Es geht nicht darum, dass er für die Situation im Bistum Limburg alle Verantwortung alleine übernimmt. Doch das Eingeständnis, dass auch er Fehler gemacht hat und eine Mitschuld trägt, ist bisher ausgeblieben.

Bischof Tebartz-van Elst wird künftig im Vatikan für Katechese zuständig sein. Vor seiner Wahl zum Bischof von Limburg war er ein angesehener Pastoraltheologe, der sich intensiv mit dem Thema Erwachsenenkatechumenat beschäftigt und dazu  Studien in den USA angestellt hatte. Das mag ihm bei seiner neuen Aufgabe helfen. Die Frage ist nur, welche Akzeptanz er finden wird, wenn auf dem Weg der Aussöhnung und des Neuanfangs der zweite vor dem ersten Schritt gegangen wird.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.