Zwischen Exerzitien und Vollversammlung

Die erste Fastenwoche kennt zwei Traditionen: in Rom zieht sich der Papst mit der Spitze der Kurie zu den Exerzitien zurück; in Deutschland treffen sich die Bischöfe zu ihrer Frühjahrsvollversammlung in Trier. In Rom ist daher nach dem Trubel der ersten Tage nach der Ankündigung des Amtsverzichts des Papstes wieder etwas Ruhe eingekehrt. Erstmals gab es heute kein Briefing des Vatikanischen Pressesprechers. Es gibt keine Neuigkeiten; allein die Spekulationen um den Beginn des Konklaves halten an und treiben weitere Blüten. Allerdings haben sich mittlerweile eine Reihe von Kirchenrechtlern zu Wort gemeldet, die der Meinung sind, dass die Kardinäle eine Verkürzung der Wartezeit von 15 Tagen nicht bestimmen könnten. Allein der Papst könne das machen, so lange er noch im Amt ist. Wir werden sehen. Es bleibt spannend an dieser Front.

Interessant ist übrigens, wer in diesem Jahr die Fastenexerzitien leitet: der päpstliche Kulturminister Gianfranco Ravasi. Wie schon an früherer Stelle geschrieben, gehört er zu den Papabile auch wenn dem 70-jährigen quirligen Kurienkardinal viele nur Außenseiterchancen geben. Immerhin spricht er jetzt eine Woche vor der versammelten Kurienspitze. Zählt man die emeritierten Kurienkardinäle noch dazu, ziehen rund 30 Kuriale in das Konklave ein. Ob Ravasi sie überzeugt? Radio Vatikan bietet einen Teil seiner Ansprachen dann auch noch als Podcast an; für Werbung ist also gesorgt.

Großes Medieninteresse bei der Eröffnungspressekonferenz in Trier

Während in Rom eher Schweigen angesagt ist, wird in Trier eher heftig diskutiert. Der Start ins Jahr 2013 war für die katholische Kirche denkbar schlecht. Zunächst platzt die Missbrauchsstudie mit Professor Pfeiffer; dann wird publik, dass einer mutmaßlich vergewaltigen Frau in Kölner kirchlichen Krankenhäusern Hilfe verweigert wurde. Ein Proteststurm fegte über die deutsche Kirche hinweg. Die Bischöfe wollen hier in Trier ausführlich über beide Themen diskutieren. Zwar wird es bis zum Ende der Konferenz am Donnerstag weder beim Thema Missbrauchsstudie noch bei der „Pille danach“ endgültige Antworten geben; doch man will einen wichtigen Schritt vorankommen. In Bezug auf die Studie laufen derzeit Gespräche mit verschiedenen Experten und Einrichtungen. Man rechnet damit, dass bis zum Frühsommer eine Entscheidung fällt, mit dem die wissenschaftliche Aufarbeitung künftig weiter betrieben wird.

Bei der „Pille danach“ haben sich die Bischöfe Rat bei Experten geholt. Entscheidend ist für sie die Frage, gibt es eine Pille, die nur die Befruchtung verhindert, nicht aber das Einnisten einer bereits befruchteten Eizelle. Ersteres wäre für die Bischöfe wohl moralisch vertretbar; letzteres auf keinen Fall. Hier streiten sich derzeit noch die Medizinexperten. Daher wird es für die Bischöfe schwierig sein, in Kürze zu einer abschließenden einheitlichen Entscheidung zu kommen. Allerdings scheint auch klar, dass hinter die Position des Kölner Kardinals Meisner man wohl auch nicht mehr zurückkann. Nach den Beratungen in Trier ist dann die Glaubenskommission der Bischofskonferenz am Zug unter der Leitung von Kardinal Lehmann. Der hat sich in Rheinlandpfalz auch schon auf der Linie Kardinal Meisners festgelegt.

Beim Studientag beschäftigen sich die Bischöfe bei ihrer Vollversammlung mit dem Thema „Frauen und Kirche“. Dabei soll es unter anderem darum gehen, wie Frauen mehr in verantwortlichen Positionen in der Kirche kommen können. Allerdings ist dabei nicht an Weiheämter wie Diakonin oder Priesterin gedacht. Ob es einen Frauenförderplan auf Bundesebene geben wird, ließ der Konferenzvorsitzende Zollitsch heute offen. In seinem Heimatbistum Freiburg soll ein solcher aber in Kürze in Kraft treten, erklärte er vor Journalisten. Die sind zahlreich nach Trier gekommen. Rund 100 Journalisten haben sich akkreditiert und damit deutlich mehr als sonst. Mit dem Papstrücktritt, den Diskussionen um die Pille danach und die Missbrauchsstudie sind die Bischöfe einmal mehr ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt. Dabei sparte Zollitsch auch nicht vor Kritik an den Medien, die nach Motto arbeiteten, „nur schlechte Nachrichten seien gute Nachrichten“. Dadurch prägten einige negative „Einzelfälle“ das Gesamtbild der Kirche. Das große positive Engagement der Kirche in und für die Gesellschaft werde hingegen nicht wahrgenommen. Die Bischöfe wollen sich auch damit beschäftigen, wie die Kirche derzeit in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, und beraten, wie sie reagieren können. Man darf gespannt es, ob es bei einer reinen Medienschelte bleibt oder ob die Bischöfe auch eingestehen, dass die kritische Sicht der Kirche auch selbst verschuldet ist.

P.S. Morgen, Dienstag, gibt es übrigens im ZDF einen Thementag „Kirche“. In den aktuellen Sendungen vom Morgenmagazin bis zum Heute Journal berichtet das ZDF über das Thema „Kirche“.

P.P.S. Morgen gibt es hier dann auch Neues zur Piusbruderschaft und zur Würdigung des scheidenden Papstes durch die Deutsche Bischofskonferenz.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.