Papst: Habe keine Angst vor Schisma

Klare Worte des Pontifex bei der fliegenden Pressekonferenz auf dem Rückweg von Madagaskar nach Rom. Angesprochen auf die Kritik an seinem Pontifikat erklärte er, dass er aus Kritik immer einen Nutzen ziehe. Was er nicht mag, ist, wenn Kritik nicht offen und direkt erfolge. Kirchenspaltungen habe es in der Kirchengeschichte immer wieder gegeben, so Franziskus ruhig und klar. „Ich habe keine Angst vor Schismen, aber ich bete, dass sie nicht passieren“, erklärte das Kirchenoberhaupt. Weitere Themen waren seine Bilanz des Besuchs in den drei Ländern, der Klimawandel, die Kommunikation der Zukunft, Fremdenfeindlichkeit sowie die „alte Großmutter Europa“ und deren demografisches Problem.

Eine gute Stunde nahm sich Franziskus Zeit für das Gespräch mit den Journalisten. (Quelle: Erbacher)

Ehrliche Kritik ist ok

Die spannendste Frage kam gegen Ende. Auf dem Hinflug hatte Franziskus sich bereits zu seinen Kritikern geäußert und festgestellt, dass es eine Ehre sei, kritisiert zu werden. Das provozierte natürlich eine Nachfrage. „Zuallerst: Kritiken helfen immer“, hob Franziskus an. Wenn man kritisiert werde, müsse man sich selbstkritisch fragen, ob sie wahr ist oder nicht oder bis zu welchem Punkt. Manchmal ärgere man sich über Kritiken; aber er ziehe immer einen Nutzen daraus. Kritik gebe es nicht nur in den USA, sondern auch anderswo, selbst in der Kurie. Für ihn sei das kein Problem, wenn sie ehrlich ausgesprochen werde.

Was er nicht mag seien Kritiken, die hinter vorgehaltener Hand geäußert werden mit einem Lächeln im Gesicht „und dann stoßen sie dir den Dolch in den Rücken“. Das sei weder ehrlich noch menschlich. Kritik müsse immer auf einen Dialog hin ausgerichtet sein, erklärte Franziskus. „Das ist die Dynamik einer echten Kritik.“ Die Kritik in Form von Arsen-Pillen hingegen führe nicht weiter. Das sei so, als werfe man einen Stein und verstecke dann die Hand. „Das hilft den kleinen geschlossenen Gruppen, die nicht die Antwort auf die Kritik hören wollen“, so der Papst. Kritik zu üben, ohne eine Antwort hören zu wollen, bedeute, sich hinter eine feste Idee zurückzuziehen.

Schisma ist Folge menschlicher Freiheit

Was ein mögliches Schisma anbetreffe, so habe es in der Geschichte der Kirche viele Schismen gegeben. Schon zu Beginn der Kirche habe es viele Schislmen gegeben. Nach dem Ersten Vatikanischen Konzil hätten sich die Altkatholiken abgespalten. Auch das II. Vatikanum habe solche Konsequenzen gehabt. „Es gibt immer die Option des Schismas in der Kirche“, stellte Franziskus nüchtern fest. „Das ist eine Option, die der Herr der menschlichen Freiheit lässt.“ Er habe keine Angst vor Schismen, aber er bete, dass sie nicht passierten, „denn es steht das geistliche Wohl von vielen Menschen auf dem Spiel“. Möge es immer den Dialog und die Korrektur geben, wenn etwas falsch sei, so der Papst. „Der Weg des Schismas ist nicht christlich“, ist er überzeugt. Ein Schisma sei immer ein elitäres Abspalten, ausgelöst durch eine Ideologie, die abgespalten sei von der Lehre. Es sei eine Ideologie, die in die Lehre eindringe und abspalte.

Im Übrigen sehe er sich beim Thema Soziales genau in der Linie von Johannes Paul II. Er sage genau das, was dieser gesagt habe. „Ich kopiere ihn!“ Trotzdem werde ihm der Vorwurf gemacht, Kommunist zu sein. „Es halten Ideologien Einzug in die Lehre. Und wenn die Lehre in die Ideologien abgeleitet, besteht die Möglichkeit eines Schismas“, führte der Papst weiter aus. Es gebe die Ideologie eine Priorität einer aseptischen Moral gegenüber einer Moral des Volkes Gottes. Die Hirten müssten die Herde zwischen Gnade und Sünde führen, denn das sei die Moral des Evangeliums. Eine Moral allerdings, die einer pelagianischen Ideologie anhänge, führe zur Rigidität. „Heute haben wir viele Schulen der Rigidität in der Kirche, die keine Schismen sind, aber christliche Wege, die pseudoschismatisch sind, die böse enden.“ Wenn man rigide Christen, Bischöfe oder Priester sehe, steckten dahinter Probleme. Man müsste diesen sanftmüütig begegnen.

Das war eine klare Botschaft an die Kritiker. Franziskus machte während der ganzen Reise nicht den Eindruck, dass er in irgendweiner Weise amtsmüde sei. Er sieht sich auf dem richtigen Weg und macht nciht den Anschein zurückweichen zu wollen. Allerdings muss er sich beim Umgang mit Kritikern fragen lassen, ob er hier auch mit der „ausgestreckten Hand“ unterwegs ist, von der er in Bezug auf die Kutur des Dialogs immer spricht.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

11 Kommentare

  • Silvia
    10.09.2019, 22:25 Uhr.

    Kann es sein, dass der Papst mit der aktuellen Gefahr eines Schismas zu sorglos umgeht?

    Seine Aufgabe ist es, für die Einheit der Kirche Sorge zu tragen.

    • Novalis
      11.09.2019, 10:18 Uhr.

      Schismen entstehen, weil Leute unbedingt Klarheit wollen, wie sie gar nicht notwendig ist. Thomas von Aquin sagt, dass das Glaubensbekenntnis von Nizäa und Konstantinopel hinreicht für den katholischen Glauben. Wenn der Papst darauf dringt – und das tut er -, dann tut er dem Einheitsamt Genüge.
      Man fragt sich ja schon, warum unser Papst immer wieder SO substanzlos kritisiert wird.

      • Wanda
        13.09.2019, 22:08 Uhr.

        Ach Novalis 11.09. 10:18
        – Thomas von Aquin hat viel gesagt. Und wenn Sie schon dessen Weisheiten zitieren, dann unterschlagen Sie doch bitte nicht seine anderen Geistesblitze:
        – denn er kritisiert, dass die immerhin von Gott geschaffene Eva ein Missgriff sei, mit ihrem Feuchtigkeitsüberschuss etc…, eine Art verstümmelter, misslungener Mann; d.h. dieser Thomas wagt es, seinem Gott Schöpfungsfehler bei der Erschaffung der Frau zu unterstellen. Ganz schön frech, das muss man ihm lassen…
        Ist ja beileibe nicht alles, was ihm der Hl. Geist (oder sonst wer) so eingab:
        – „ein männlicher Fötus wird nach 40 Tagen-, ein weiblicher erst nach 80 Tagen ein Mensch. Mädchen entstehen durch schadhafte Winde“…
        – „Das Weib verhält sich zum Mann wie das Unvollkommene und Defekte zum Vollkommenen“…
        – „der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen“…
        Bewundernswert, die Erkenntnisse dieses Kirchenlehrers, der das Frauenbild der Hl. Mutter Kirche massgeblich (und bis heute) mitprägte…

    • Carla Maltese
      11.09.2019, 22:34 Uhr.

      Nein, ist er nicht!
      Er muss nicht auf jeden Erpressungsversuch von wegen „Schisma“ reagieren.

      Und genau das ist so etwas: Ein Erpressungsversuch, um die dringenden Reformanliegen zum Schweigen zu bringen.

      Mehr werde ich Ihnen heute nicht mehr antworten, mir fehlt die Zeit dazu und ich habe keine Lust mehr, hier für den Blog alles andere zu vernachlässigen.

  • Silberdistel
    10.09.2019, 23:23 Uhr.

    Letztlich ist ohnehin nur der Christus, bzw. dessen göttliche Botschaft wichtig und keine von Menschen ausgedachte Konfession! War die Erkenntnis eines Papstes nicht mal: „Nimm dich nicht so wichtig!“ (Giovanni/Johannes XXIII). Maß aller Dinge in Vergangenheit und Zukunft, Alpha und das Omega ist nunmal und nur allein der Christus (Off. 22,13). Sowie andere, in anderen Kulturen, offenbarte göttliche Weisheit. Je länger die durch Menschen geprägte Welt andauert, desto mehr kristallisiert sich diese fundamentale Erkenntnis heraus.
    Schrecklich, das die Christen, die sich allesamt in allererster Linie ohnehin nach dem CHRISTUS benennen und erst in zweiter Linie nach ihrer jeweiligen (meist aufgezwungenen) Konfession, sich derart willig spalten lassen. Was hat der Christus denn gelehrt, das Schisma?
    Als ob das Zersägen ihm nachfolgender Theo-logen, der allheiligen Lehre des göttlichen Quells, noch etwas bedeutendes hätte hinzufügen können. Jenen Nachfolgern der „Schriftgelehrten und heuchlerischen Pharisäern“ wie Jesus diese Art von Klientel zu seiner Zeit nannte.
    Schrecklich, das man den Christus immer wieder auf´s Neue verrät und meint außerhalb von Christus und dessen Lehre gäbe es etwas Besseres in der Kreation von eigenen Wahrheiten zu entdecken. Oder den Glauben an den Christus gar noch zu verbessern. Heraus kommt allenfalls nur Verwässern statt Verbessern, Haarspaltereien und angestrengte Dibbelschisser- bzw. Korinthenkackerei. Welche die wesentliche Lehre und Ehre an den Höchsten nur verdecken. Deshalb: Christen sind nunmal Christen und müssen par Definition der Lehre Christi, jederzeit kompatibel sein! Ergo derart kompatibel wie ein DIN-genormter USB-Stecker zu allen mögllichen Endgeräten. Ansonsten sollte man es vielleicht doch besser sein lassen und sich nur nach seiner jeweiligen theologischen Konfession benennen lassen.

    • Wanda
      11.09.2019, 16:37 Uhr.

      Novalis 11.09. 01:16
      – Enorm cool ? …“Der Weg des Schismas ist also nicht christlich. Ein Schisma ist immer ein elitäres Abspalten von der Lehre, ausgelöst durch eine Ideologie, die abgespalten ist von der (wahren) Lehre“… usw., usw.
      Diese Papst-Äusserung wird den Altkatholiken aber gar nicht gefallen und den anderen christlichen Konfessionen wohl auch nicht. Die Idee der Ökumene erhält dadurch bestimmt mächtigen Auftrieb…
      – Ob Franziskus die Bibelstelle Joh.14,12 kennt ? Die besagt nämlich“…In meines Vaters Haus gibt es viele Wohnungen“…
      Kann man sicherlich (zumindest wer hebräisch beherrscht) auch anders interpretieren und umdeuten, wie mir bereits oberlehrerhaft erklärt wurde…

      • Silberdistel
        13.09.2019, 18:54 Uhr.

        Unter der headline „Synodaler Weg in der Kritik – Rom rüffelt Kirche in Deutschland“ veröffentlicht das liebe @zdf, heute am Freitag den 13ten, eine AFP-Meldung.
        Scheint wohl nichts zu werden mit Verhältnissen wie in den ersten christlichen Urgemeinden zu werden, die zumindest zeitlich noch ganz nah an Christus dran waren.

      • Novalis
        14.09.2019, 2:04 Uhr.

        „Joh.14,12 kennt ? Die besagt nämlich’…In meines Vaters Haus gibt es viele Wohnungen'“.
        Das Neue Testament ist bekanntlich in Koiné-Griechisch abgefasst. Mit Hebräisch hat das nichts zu tun. Welch Ahnungslosigkeit.

        • Wanda
          14.09.2019, 16:49 Uhr.

          Novalis 14.09. 201:19
          – Einigen Sie sich doch bitte […]* darauf, ob nun das Althebräisch oder/und auch das Koiné-Griechisch der Bibel falsch übersetzt sind und bringen Sie dann ihre Klage bei Franziskus vor. Einverstanden ?
          – Ihnen zufolge ist die (vom Vatikan autorisierte) Bibel-Einheitsübersetzung deutscher Sprache also keine Quelle der Erbauung und Weisheit sowie Wegweiser zum Heil sondern eine gefährliche Quelle der Missverständnisse und führt in die Irre.
          Das ist alles nur diesem abtrünnigen Luther zu verdanken, der hat der Christenheit dieses faule Ei in’s Nest gesetzt…

          *Der Beitrag wurden wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

    • Wanda
      14.09.2019, 17:15 Uhr.

      Silberdistel 10.09. 23:23
      – voll zutreffend. Genau das ist passiert und geschieht immer noch: das Verwässern der einfachen, nur deshalb (zumindest einst) so erfolgreichen Lehre des Nazareners, diese widerlichen Zutaten wie die Schaffung von Pfründen, Titeln und Brimborium nach Vorbild der Hofhaltung römischer Kaiser, diese Haarspaltereien, Schaffung von unanfechtbarem Regelwerk und schlimmsten weltlichen Machtinstrumenten, sowie das Auslegungsmonopol selbsternannter Erleuchteter.
      – Will die Kirche überleben, muss sie zurück zu den Wurzeln. Das Problem: versuchen Sie mal eine Reichen zu überzeugen sich von seine Privilegien und Pfründen zu trennen.
      P.S. kann mir nicht helfen, wenn ich diese seltsam gewandeten (meist Alt-)Herren bei ihren Prozessionen sehe, kommen mir immer ägyptische Mumien in den Sinn. Die ändert man auch nicht mehr…

  • Novalis
    11.09.2019, 1:16 Uhr.

    So cool wie unser Franziskus ist noch kein Papst auf Kritiker zugegangen. Johannes Paul und vor allem Ratzinger haben Vernichtungsfeldzüge geführt, letzterer auf schäbigste und niederträchtigste Art und Weise noch nach Jahrzehnten gegen Peter Hünermann und sogar über den Tod hinaus gegen Franz Böckle.

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