Papst: Gewalt gegen Frau ist Schändung Gottes

Scharf hat Papst Franziskus zum Jahresbeginn die Gewalt gegen Frauen und deren Ausbeutung verurteilt. Zugleich unterstrich er, dass die Frau „an den Entscheidungsprozessen voll beteiligt werden“ müsse. „Jede Gewalt an der Frau ist eine Schändung Gottes, der von einer Frau geboren wurde. Aus dem Leib einer Frau kam das Heil für die Menschheit: Daran, wie wir den Leib der Frau behandeln, erkennen wir den Grad unserer Menschlichkeit.“ Franziskus ging beim Neujahrsgottesdienst im Petersdom auch auf die Spannungen innerhalb der katholischen Kirche ein. Maria führe zur Einheit, der Teufel hingegen versuche „sie zu spalten, indem er die Unterschiede, die Ideologien, die einseitigen Überlegungen und Parteien in den Vordergrund stellt“. In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag, den die katholische Kirche traditionell am 1. Januar begeht, mahnt Franziskus die internationale Politik zu Dialog. Frieden und Stabilität seien unvereinbar mit dem Versuch, sie auf der Angst gegenseitiger Zerstörung oder auf der Drohung totaler Vernichtung aufzubauen.

Traditionell nehmen am Neujahrsgottesdienst im Petersdom auch Sternsinger teil. Dieses Mal aus Deutschland und der Slowakei. (Quelle: ap)

Würde der Frau besser schützen

Einmal mehr hat Franziskus die Bedeutung der Frau für Gesellschaft und Kirche herausgestellt. Anlass war das Fest der Gottesmutter Maria, das die katholische Kirche am 1. Januar begeht. Während der Papst noch vor wenigen Tagen betonte, dass er die Forderung vieler vor allem konservativen Kreise für abwegig hält, Maria zur Miterlöserin zu erklären, sieht er dennoch eine zentrale Stelle für sie in der Kirche. Davon leitet er eine zentrale Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft ab. „Die Frauen sind Quellen des Lebens. Und doch werden sie ständig beleidigt, geschlagen, vergewaltigt, dazu gebracht, sich zu prostituieren oder das Leben in ihrem Schoß auszulöschen.“

Scharf kritisierte die Demütigung von Frauen, weil am Ende alles Handeln am Wirtschaftswachstum orientiert sei. „Wie oft wird der Leib der Frau auf den profanen Altären der Werbung, des Gewinns und der Pornographie geopfert, ausgebeutet wie ein Nutzobjekt.“ Franziskus beklagte, dass Mütter sich genötigt sähen, beschwerliche Reisen riskieren, um verzweifelt zu versuchen, der Frucht des Leibes eine bessere Zukunft zu geben; sie werden für überschüssig gehalten von Menschen, deren Bauch voll ist, jedoch mit Dingen, und deren Herz leer an Liebe ist“. Franziskus sieht einen entscheidenden Beitrag der Frauen für eine bessere Zukunft. „Denn wenn die Frauen ihre Gaben weitergeben können, dann ist die Welt geeinter und friedvoller“, ist der Papst überzeugt.

Botschaft nach China?

Interessant ist, dass die Fürbitte für Papst und Bischöfe beim Neujahrsgottesdienst im Petersdom auf Chinesisch vorgetragen wurde. Es war von „ungeteilter Liebe“ die Rede. Das kann auch als Anspielung auf die aktuelle Situation der Katholiken in China sowie das Verhältnis zwischen der Regierung dort und dem Vatikan verstanden werden. Das Gebet für den Papst ist für die offizielle katholische Kirche in China keine Selbstverständlichkeit. Zugleich führt die vatikanische Chinapolitik seit Jahren immer wieder zu kontroversen Diskussionen innerhalb der katholischen Kirche. Die Kritiker werfen dem Papst und seinen Diplomaten Verrat der Katholiken gegenüber den chinesischen Machthabern vor. Andere sehen in dem Handeln die einzige Chance, gewisse Freiräume für die Katholiken im Land zu erhalten.

Franziskus startet mit zwei starken Botschaften ins Jahr 2020. Zum einen der Einsatz für die Würde der Frau, zum anderen sein politischer Appell zu „Dialog, Versöhnung und ökologische Umkehr“ in der Botschaft zum Weltfriedenstag. Jetzt wird er im Verlauf des Jahres Taten folgen lassen müssen. Das gilt auch für die Frage nach der Rolle der Frau in der Kirche. Die starken Worte von heute sind nur glaubwürdig, wenn sie sich auch auf die Kirche beziehen..

P.S. Wir wünschen allen ein gutes Jahr 2020.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

21 Kommentare

  • Novalis
    01.01.2020, 13:14 Uhr.

    Ihnen auch ein gesegnetes neues Jahr!
    Schon Joseph Ratzinger redete berechtigter Weise JP2 die Miterlöserschaft Mariens aus. Maria ist Miterlöste, nicht Miterlöserin. Ihre Beteiligung am Erlösungsgeschehen ist genauso groß und genauso klein wie bei jedem anderen Menschen: Sie, die Beteiligung, besteht in der vorbehaltlosen Annahme des reinen Geschenks der göttlichen Gnade, durch die Gott alle Menschen erlösen will.

    • Carla Maltese
      04.01.2020, 19:43 Uhr.

      Womit er der römisch-katholischen Kirche in Europa einen großen Gefallen getan hat.
      Bekanntermaßen haben wir hier ja nicht so die Marienverehrung Lateinamerikas, wo Maria die mächtige Nebengottheit ist, wo die Leute vielleicht generell in ihr auch ein Gegengewicht zum Männerklerus suchen, wo sie die weibliche Seite Gottes in ihr sehen, bekanntermaßen wurde hier in Europa Maria ja eher dazu benutzt, ein stilles, fügsames, gehorsames und unterwürfiges Frauenbild zu propagieren.
      Und wird heute noch von konservativen Kreisen dazu benutzt. Weil ich schon einen gewissen Verdacht in die Richtung hatte, habe ich mal auf kath.net reingesehen: Ja, da haben die Franziskus‘ Ansprache extremst verstümmelt, so daß nur ein hohles Mariengeseier übrig blieb. Maria das große Vorbild…

      Dabei ist wohl das Gegenteil wahr: Bis auf einmal wo sie auf Josef gehört hat, daß sie mit dem Kind nach Ägypten fliehen mussten, steht nirgends etwas davon daß Maria die Anweisungen eines Mannes ausgeführt hat. Sie muss für die damalige Zeit eine bemerkenswert willensstarke und unabhängige Frau gewesen sein.

  • Heilbründl
    01.01.2020, 14:48 Uhr.

    Im Umgang mit den Frauen muss sich dringend und schnell etwas ändern in der Kirche. Falls die jungen Frauen nicht mehr mitmachen, die jetzt Kinder erziehen, Tischmütter und Firmhelfer sind, die Kirche mit Blumen schmücken und noch viel mehr, wird es bald keine jugenlichen Kirchenmitglieder mehr geben und die Kirche in Deutschland löst sich wegen Mitgliedermangel auf, so wie jetzt mancher Briefmarkensammelverein.

    • Johannes
      02.01.2020, 11:20 Uhr.

      Was die klassischen Themen der Liberalisierung bzw Kritik der katholischen Kirche (Frauenpriestertum, Zölibat, Sexualmoral) angeht: die evangelische Kirche hat dies alles seit Jahrzehnten umgesetzt und verliert noch mehr Kirchenmitglieder. Von den Protestanten gehen weniger als 5% offiziell eingetragenen in die Kirche, während es bei den Katholiken immerhin 10% sind. Das zeigt, dass diese Themen nicht die Auslöser der Kirchenaustritte sind. Es gibt gute Gründe und Argumente für die Grundlagen der kath. Kirche so wie sie ist. Stattdessen muss sich die Kirche mit Neuevangelisierung beschäftigen, wie Papst Franziskus sagt. (Siehe zu diesen Gedanken z. B. das Buch von Bischof Stefan Oster / Peter Seewald: Gott ohne Volk?)

      • Heilbründl
        02.01.2020, 18:48 Uhr.

        Meine Tochter ist nach dem Firmunterricht innerlich aus der katholischen Kirche ausgetreten, als ihr bewusst wurde, wie sich die Möglichkeiten in der katholischen Kirche für Frauen darstellen und sie möchte jetzt evangelisch werden. Alle Bekannten von ihr, die sich noch als religiös empfinden, sind mittlerweile evangelisch.

        • Carla Maltese
          04.01.2020, 23:23 Uhr.

          Meine Mutter ist auf dem Papier noch römisch-katholisch. Ich konnte sie NICHT überreden, bei der Onlineumfrage zum synodalen Weg mitzumachen und ihre Meinung zu sagen. So egal ist ihr ihre Kirche schon.
          Ich darf ja nicht mehr, auch wenn ich zu zwei Punkten gern etwas sagen würde.

      • Heilbründl
        02.01.2020, 20:11 Uhr.

        Von Bischof Oster sind wir alle sehr enttäuscht, er ist mein Diözesanbischof. Bischof Franz Eder, da hatten wir uns alle wohl gefühlt und gehofft, dass nach Bischof Wilhelm mit Bischof Stefan Schwung wiederkommt – war leider eine Fehlmeinung!

        • Novalis
          03.01.2020, 13:27 Uhr.

          Ich bin nicht enttäuscht von Bischof Oster. Meine Salesianerfreunde sagten mir, sie und noch viel mehr ihre Oberen hätten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, weil die Ernennung von Oster so katastrophal war. Normal würden die Oberen auch immer gefragt, wenn ein Ordensmann Bischof werden soll. Das hätten sie in diesem Falle abgelehnt, weil er nicht fähig genug sei.
          Publizieren kann er große Texte in schnellen Abständen. Allerdings halte ich den Inhalt für Schrott. Aus der Bibel kann man echt nicht ableiten, dass nur vaginaler Sex zwischen einem heterosexuellen Ehepaar gottgewollt sei – behauptet aber O. Überhaupt weiß er als Bischof sehr viel von Gottes Willen. Und er redet mir viel zu viel über seine Freundin, die er für den Ordensstand aufgegeben habe. Da wird man ja mit Gewalt auf Freud gestubst – Oster hat irgendetwas in seiner sexuellen Entwicklung nicht aufgearbeitet, meine ich. Ich persönlich verbuche das Gerede über die Freundin unter die Kategorie „The lady doth protest too much“. Er lenkt damit von seiner eigenen Orientierung ab, denke ich.

          • Heilbründl
            05.01.2020, 21:35 Uhr.

            Wie meinen Sie das mit der Orientierung?
            Jedenfalls war die Exfreundin von Bischof Stefan auch bei der Bischofsweihe dabei und mit Foto in der Passauer Neuen Presse (pnp. de)

          • Carla Maltese
            06.01.2020, 14:23 Uhr.

            Es ist allerdings immer wieder bemerkenswert, wie sehr für manche die sich Christen nennen ausschließlich der Hass auf Sex im Zentrum ihres Glaubens steht. Da gibt es jetzt sogar auf Youtube Influencer die jungen Leuten Angst vor allem was mit Sex zu tun hat eintrichtern.

            Es erstaunt und entsetzt mich immer wieder, wie sehr es manche Exemplare in einer Tour von Homosexualität, Selbstbefriedigung, One-Night-stands usw. haben, also bei manchen füllt das echt nahezu das ganze Glaubensleben aus, wirklich zentrale Themen des Evangeliums kommen kaum oder nur am Rande vor.
            Diejenigen haben irgendwie eine extrem gekürzte Privatbibel die nur aus wenigen Versen besteht und fantasieren in die auch noch alles mögliche rein was auch nur im entferntesten mit Sex zu tun hat.

      • Novalis
        02.01.2020, 21:56 Uhr.

        Mein lieber Joahnnes, wir brauchen Frauen im Amt und die Abschaffung des Zwangszölibats nicht, weil wir mehr Erfolg bei den Kirchenbesucherzahlen haben wollen, sondern weil die Ungerechtigkeit gegen Frauen und die, die sich keinem Geschlecht zuordnen können, ein Anschlag auf den Willen Gottes ist, den die Kirche umzusetzen hat – oder sie ist schlicht nicht. Denn eine Kirche, die die biblische Gleichheit der Menschen mit Füßen tritt, ist satanisch und spricht sich selbst das Urteil.

      • Novalis
        02.01.2020, 21:58 Uhr.

        Im Übrigen sind das Verbot des Frauenpriestertums und des Priestersex KEINE Grundlagen der Kirche. Ich hoffe doch sehr, dass das Apostolische Glaubensbekenntnis die Basis der Kirche ist.

      • Carla Maltese
        04.01.2020, 19:21 Uhr.

        Und, wie sieht es aus mit dieser römisch-katholischen Kirche?
        Blüht sie, gedeiht sie, gelingt es dem reinen Männerklerus, die Freude am Evangelium strahlen zu lassen?
        Gelingt es dem reinen Männerklerus, den Kern zu vermitteln, die Hoffnung, die Liebe Gottes die wir in Liebe zueinander verwandeln sollen?
        Rennen die Verzweifelten, die Sinnsuchenden, die Verwundeten in Massen in die römisch-katholische Kirche rein und gelingt es diesem reinen Männerklerus, die Reichen, Gesunden und Starken zu überzeugen, den Schwachen, Hilflosen und Verwundeten zu helfen?

        Selbst früher, als die Leute noch alle brav in die Kirche gingen taten sie es eher weil auf dem Dorf sonst nichts los war, und weil die Sitten und Bräuche einen Zusammenhalt stifteten als das Überleben noch davon abhing daß jeder im Dorf seine Aufgabe erfüllte.
        Heute sind auch die Dörfer nicht mehr eintönig braun in grau in braun und nicht mehr jeder Tag außer dem Sonntag gleich, und die ernährung bricht nicht mehr zusammen wenn die Jugendlichen eigene Wege gehen. Dafür misslingt es, zu erklären warum einem ein Kirchgang heute noch einen Sinn geben kann.

        Der reine Männerklerus konnte schon vergangene Katastrophen nicht verhindern.
        Weder hat er die Fabrikherren gehindert, den letzten Tropfen Blut aus den Arbeitern zu pressen, das taten stattdessen die Sozialdemokraten, noch hat er die Verbrechen des Kolonialismus‘ oder irgendeinen der vielen sinnlosen Kriege verhindert.

        Und was die evangelische Kirche angeht:
        Auch die leidet unter den endlos vielen Skandalen im römisch-katholischen Klerus. Die armen evangelischen Christen kommen vor lauter Rom, Rom, rom, und nochmals Rom in den Medien nicht mehr dazu, sich mit ihrer eigenen Kirche, mit ihren eigenen Glaubensgrundsätzen wie „sola fide“ zu beschäftigen, und was in ihrer eigenen Kirche alles nicht stimmt. Die evangelische Kirche stirbt an Gleichgültigkeit.

        Selbst Altkatholiken sind wegen den vielen römisch-katholischen Kinderschändern ausgetreten, dabei gibt es in der altkatholischen Kirche keinen einzigen Fall von Kindesmissbrauch.
        Evangelische und altkatholische Christen verlieren wegen der Situation in der römisch-katholischen Kirche das Vertrauen in ihre eigene Kirche.

        Anderen braucht man allerdings nicht hinterherzutrauern. Manche wollen jetzt austreten weil die evangelische Kirche eine eigene Seenotrettungsmission gestartet hat. Wer deswegen austritt, wegen einem Akt der akuten Nothilfe wo andere versagen, wer so hartherzig ist, so brutal, der ist kein Verlust für die evangelische Kirche.

        • bernardo
          06.01.2020, 10:59 Uhr.

          Ich dachte immer, Christus sei für die Sünder gestorben. Okay, nicht für diejenigen, die die Seenotrettung kritisieren. Wissen Sie, was das Gegenteil von gut ist? Nein, nicht schlecht, sondern gut gemeint. Die Zahlen der Toten im Mittelmeer ist zurückgegangen, seit in Italien eine etwas härtere Politik betrieben wird. (Mal sehen, wie das jetzt unter dem PD laufen wird…).

          Was die evangelische Kirche angeht: Die stirbt tatsächlich an Gleichgültigkeit, nämlich an Gleichgültigkeit und Entspiritualisierung. Wer aus dem Evangelium eine rein zeitgeistige Veranstaltung macht, wer zur Kopie der Grünen Partei wird, der hat keine Zukunft. btw, es gab auch in der evangelischen Kirche Missbrauchfälle. Und ich kann mich noch an einen Kirchenfuzzi erinnern, der meinte, anders als die katholische Kirche wolle man keine Pauschalzahlungen, weil das Traumata bei den Betroffenen auslösen könne. Nicht zahlen wollen und auch noch eine sch…moralische Ausrede erfinden…

          Allen Bloggern ein gesegnetes und gesundes 2020 von mir (natürlich Herrn Erbacher und Frau Pilters eingeschlossen).

          • Carla Maltese
            06.01.2020, 21:03 Uhr.

            Die Vokabel „Zeitgeist“ kann ich zum Thema Kirche wirklich nicht mehr hören bzw. lesen.
            Wenn man „böser Zeitgeist, böser Zeitgeist!“ schimpft, aber ignoriert daß gerade die offizielle römisch-katholische Lehre voll ist mit Zeitgeistern vergangener Jahrhunderte… wie soll ich das jetzt nennen?
            „Zeitgeist“ ist wirklich das am meisten missbrauchte Wort in kirchlichen Diskussionen.

            Tatsache ist, daß auch die Kirchen immer weiter dazulernen müssen. Wenn das kirchliche Lehramt auf einem frühmittelalterlichen oder antik-griechischen Niveau des Verständnisses von Gott, Menschen und Natur stehenbleibt, dann sind die Kirchen sinnlos und deswegen verloren. Dann wars das mit Gottes Plänen mit der Menschheit.

            Und zum Thema Seenotrettung:
            Wer wegen einem Akt der akuten Nothilfe austritt, also weil Menschen geholfen wird die akut in Not sind, wer so hartherzig ist, der ist wirklich kein großer Verlust.
            Und belastbare Zahlen zum Thema Flüchtlinge bekommt man nicht von rechten Seiten sondern vom UNHCR. Das sind die Profis, die kennen sich aus. Das UNHCR sagt allerdings, daß zwar weniger Flüchtlinge aufs Mittelmeer raus aufbrechen, daß die Route übers Mittelmeer aber gefährlicher geworden ist, jetzt wo es kaum noch Seenotrettung mehr gibt, nurnoch vereinzelt freiwillige wie Sea Watch. Der Anteil Flüchtlinge die sterben ist höher geworden.

            Bei alldem vermisse ich aber vor allem eines: Warum reden wir nicht entschiedener über FluchtURSACHENbekämpfung? Über einen Stopp sämtlicher Rüstungsexporte außerhalb der NATO, über fairen Handel, über Entwicklungszusammenarbeit die wirklich einen Nutzen bringt, über ein Lieferkettengesetz das wirklich umgesetzt und auch kontrolliert wird. usw.?

  • Carla Maltese
    04.01.2020, 21:06 Uhr.

    Ich muss an dieser Stelle ein Lob aussprechen. Das wird überraschen, denn ich muss es der römisch-katholischen Kirche aussprechen.

    Wenn ich ein paar Dinge die ich im vergangenen Jahr gelesen habe, insbesondere das von der Laiensynode 2011 in Indien (wissen Sie näheres darüber, Herr Erbacher?) zusammensetze, ergibt sich für mich das Bild daß eine Mehrheit der römischen Katholiken für volle Gleichberechtigung von Mann und Frau in ihrere Kirche ist.

    Und wenn man mal den Vatikan und den ganzen hohen Klerus, vermeintliche Dogmen und Unfähigkeit vieler Kleriker, zwischen dem Evangelium und zeitgeistbedingten Irrtümern vergangener Jahrhunderte zu unterscheiden ignoriert: Damit sind mal wieder entschiedene und glaubensstarke Christen weiter als die Gesamtgesellschaft.

    An einem widerlichen Tonfall, an Mord- und Vergewaltigungsfantasien erkennt man daß etliche Bürger dieses Landes weibliche Fürhungsfiguren nicht dulden wollen.
    Denn geht es bei Frau Merkel und den Hasstiraden die sie erdulden muss wirklich noch um die Flüchtlingspolitik? Kohl und Schröder haben den Sozialstaat demontiert, Kohl durfte als Denkmal gehen und auch Schröder musste nicht so viel durchmachen, obwohl die Agenda 2010 mit der bis vor kurzem noch bestehenden Möglichkeit, 100% zu kürzen, selbst bei Fällen wo ein nachvollziehbarer Verhinderungsgrund nachgewiesen wurde, viele in Not gebracht hat.

    Von einem guten Freund weiß ich, daß in seiner Firma grundsätzlich keine Frauen im technischen Bereich eingestellt werden, daß sie nur Dokukram machen dürfen, und auch die Art und Weise wie ich im Leasingwesen teilweise verheizt wurde und von fachlich erfüllenden Positionen ferngehalten wurde, mag teilweise mit geschlechtsbedingten Vorurteilen zu tun gehabt haben. Nun… jetzt bin ich festangestellt und habe mir in einem ordentlichen Ingenieurbüro in wenigen Monaten ein beachtliches fachliches Rennommee aufgebaut.

    Beunruhigend sind auch völlig verrohte Gangsta-Rapper für die Frauen nur „Bitches“ sind die ge*** gehören. Für die es keine Liebe gibt und keinen Respekt vor Frauen.

    Gesamtgesellschaftlich sind wir noch ein gutes Stück von echter Gleichberechtigung entfernt.

    Zu China:
    „Andere sehen in dem Handeln die einzige Chance, gewisse Freiräume für die Katholiken im Land zu erhalten.“
    Als ob sich Xi Jinping an irgendein Abkommen halten würde… Schließlich sieht er sich ja selbst als Sohn des Himmels.

    Es ist schwierig momentan in China. Die außenpolitische Aggression und innenpolitisch die stärker werdende Repression hin zu nordkoreanischen Verhältnissen sind gleichermaßen beunruhigend. Zeigen aber, daß das Regime auch nicht zu 100% fest im Sattel sitzt…
    Ich jedenfalls lehne es ab, den Chinesen paternalistisch zu kommen von wegen: weil sie eine Jahrtausende alte Kultur sind müssten sie alles erdulden und jede menschenrechtsverletzung hinnehmen.

    „P.S. Wir wünschen allen ein gutes Jahr 2020.“
    Gilt das auch für mich? Falls ja, dann Ihnen auch ein gutes, erfolgreiches und gesundes Jahr 2020. Würde ich in dem Fall, also falls ich auch gemeint bin, auch Frau Pilters wünschen wenn sie noch da wäre.

    • Novalis
      05.01.2020, 18:14 Uhr.

      Ich wünsche es Ihnen, lieber CM!

      • Carla Maltese
        06.01.2020, 19:49 Uhr.

        Vielen Dank, Ihnen natürlich auch. Nur ein winzigkleiner Hinweis: Sie haben mich gerade geschlechtsumgewandelt. 😀 (Kennen Sie das Spiel Munchkin?)

    • Heilbründl
      05.01.2020, 21:36 Uhr.

      Gerne wünsche ich Ihnen ein gesundes neues Jahr!

      • Carla Maltese
        06.01.2020, 19:32 Uhr.

        Vielen Dank, Ihnen auch!

  • Carla Maltese
    06.01.2020, 12:26 Uhr.

    So kann es natürlich auch passieren: Aufgrund einer nicht ganz zuendegedachten Planung für eine Großveranstaltung habe ich einen letzten freien Tag *gg* bevor ich morgen wieder Vollgas im Büro gebe (und drei sehr dringende Rohrleitungen die ich so auf keinen Fall durchwinken kann umplane).
    Anlässlich meines Urlaubsendes möchte ich an dieser Stelle mal allen danken die über Weihnachten und Neujahr fleißig gearbeitet haben. Angefangen von den Schichtarbeitern in der Chemieindustrie, also meinem beruflichen „Revier“ (die Autoindustrie kann ihre Bänder stoppen, aber Chemieanlagen kann man nicht einfach runterfahren) über die Beschäftigten in den Kraftwerken und Wasserwerken, Notärzte und Kranken- und Altenpfleger/schwestern, Lokführer und Stellwerker der Deutschen Bahn und Bus und Straßenbahnfahrer, Landwirte mit Viehbestand, Reiterhöfe und Gestüte, das Hotel- und Gaststättengewerbe, usw., bis zur Stadtreinigung die nach der Silvesternacht klar Schiff macht. (alle m/w)

    Ich möchte noch etwas präziser fassen was mir zu dem Artikel einfällt:
    Wenn wir mal die ganzen vermeintlichen Dogmen und so ignorieren und solche… nun ja… wie den Müller, wenn wir das alles beiseitelassen, dann sehen wir daß „unten“ mal wieder entschiedene Christen weiter sind als die Gesamtgesellschaft.
    Altkatholiken sowieso.
    Aber auch römische Katholiken, das möchte ich hervorheben. Die indischen Katholiken die sich wohl schon 2011 in Indien für mehr Mitbestimmung von Frauen in ihrer Kirche stark gemacht haben (wäre super wenn Sie da Infos hätten, Herr erbacher) wollen sicher auch nicht, daß im Zivilleben ihr Land das frauenfeindlichste dieser Erde bleibt. (nicht einmal bei den Saudis gilt ein weiblicher Fötus einfach nur als Müll und wird beseitigt) Leider haben sie aktuell schlechte Karten, die Hindunationalisten machen Christen, Muslimen ect. das Leben schwer.

    Zivilgesellschaftlich haben wir ein erschreckendes Ausmaß an Gewalt in der Ehe, der Bedarf an Frauenhäusern ist dreimal so hoch wie es aktuell Platz dort gibt, wir haben Zwangsprostitution, Frauen in Führungspositionen werden schlechtgeredet bis hin zu widerlichen Mord- und Vergwaltigungsfantasien (Der Andrea Nahles haben die Genossen ja auch keine Chance gelassen! Bei ihr wurde jeder winzige Fehler den sie je in ihrer politischen Karriere gemacht hat ausgegraben und aufgeblasen! Jetzt hat die SPD eine Doppelspitze weil es ohne männliche Rückendeckung wohl doch nicht geht: Die Esken allein würde sowas von geschlachtet werden…) und ich habe auch schon zu spüren bekommen daß mich, nun ja… aufgrund des Geschlechts nicht jeder beruflich für voll nimmt.

    Aber wie würde die Welt heute aussehen wenn Technik und wissenschaft nicht so lange ausschließlich Männersache gewesen wären?
    Persönlich hat sich bei mir die Meinung festgesetzt: Wesentlich besser.

    Erinnern möchte ich in dem Zusammenhang an Lise Meitner, deren Nobelpreis ziemlich schamlos Otto Hahn allein kassiert hat, an die zu früh verstorbene Rosalind Franklin, an Bertha Benz die bei der ersten längeren Fahrt mit dem Auto so kompetent war daß sie mit Sicherheit auch in der Werkstatt aktiv mitgebastelt hat, an Grace Hopper und Ada Lovelace, Donna strickland, die zeitweise der Zensur bei Wikipedia zum Opfer fiel und viele andere.

    Freiwillige Feuerwehren und THW nehmen übrigens mittlerweile sehr gern Frauen, weil man gemerkt hat daß mit einem höheren Frauenanteil die Qualität der Truppe steigt. Gut, die Körperkraft hat Grenzen aber dafür kommen andere Qualitäten zum Tragen. Mehr Durchhaltevermögen zB. Wegen drei Regentropfen eine ganze Übung absagen wie noch zu Wehrpflichtzeiten gesehen, das gibt es heute nicht mehr.

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