Synodenväter fordern prophetische Kirche

Im Vatikan geht die Amazonassynode in die entscheidende Phase. Am Freitag wurden die Ergebnisse der zwölf Kleingruppen veröffentlicht, die als Grundlage für das Abschlussdokument dienen. Darin wird deutlich, dass es bei einigen Punkten noch lange keinen Konsens gibt. Dazu gehören eher die innerkirchlichen Fragen nach den Viri probati und dem Diakonat der Frau. Größere Einigkeit besteht bei der Vorstellung, dass die Kirche prophetisch sein müsse. Neben der besonderen Option für die Armen und Indigenen ist mehrfach von der besonderen Option für die Jugend die Rede. Dabei sehen sich viele Synodenväter in der Tradition der CELAM-Konferenzen von Medellin, Puebla und Aparecida. Dass in der Synodenaula Hans Küng zitiert wird als Beleg für die Notwendigkeit des Dialogs der Religionen, zeigt, dass sich doch einiges in der katholischen Kirche verändert hat oder zu ändern scheint.

Ein neuer Stil bei der Synode. Erstmals gilt freie Kleiderwahl bei den Beratungen. Keiner kommt mehr im Talar, Anzug ist angesagt. Ausnahmen sind der Papst und Kardinal Baldisseri, der Sekretär der Bischofssynode. (Quelle: Erbacher)

Befreiungstheologe praktisch

Niemand spricht bei der aktuellen Synode von Befreiungstheologie. Aber das, was in den Plenarsitzungen und den Kleingruppen als Idee der Kirche im Amazonasgebiet besprochen wurde, ist letzten Endes die praktische Umsetzung dieser theologischen Idee: eine Kirche, die dem Gründer verpflichtet, an der Seite der Armen, Unterdrückten und ausgegrenzten steht und ihre Stimme erhebt. „Wir sind keine Wissenschaftler, sondern Hirten und Propheten“, formulierte eine der spanischsprachigen Kleingruppen. Dennoch gehe es darum, „bei der Suche nach Alternativen mitzuarbeiten“.

Dazu gehört für viele Synodenväter der Einsatz für die Rechte der Indigenen sowie für eine integrale Ökologie. Wiederholt wird die in Lateinamerika weit verbreitete Gewalt als große Herausforderung benannt. Hier dürfe die Kirche nicht zurückschrecken und müsse etwa auch denen beistehen, die für ihren Einsatz für Menschenrechte, die Natur oder die Indigenen kriminalisiert und bedroht werden. Der Kampf gegen Menschen- und Drogenhandel, gegen Gewalt gegen Frauen und Kinder sowie gegen Korruption gehört für die meisten Synodenväter ebenso dazu, wie ein besonderes Augenmerk auf die Themen Migration, Landflucht, Stadtpastoral und Bildung.

Vorschlag eines eigenen Amazonas-Ritus

Dieses Engagement speist sich aus dem Glauben und ist in einer tiefen Volksfrömmigkeit verwurzelt, deren Schutz und Anerkennung die Synodenväter immer wieder fordern. Vorschläge für eine stärkere Inkulturation durchziehen die Berichte nahezu aller Sprachgruppen. Dabei ging eine Gruppe besonders weit. Sie schlägt vor, für den Amazonas eine eigene Ritus-Kirche innerhalb der katholischen Kirche zu errichten. Mit Verweis auf die bereits bestehenden mehr als 20 verschiedenen Riten innerhalb der katholischen Kirche sehen sie in einem „amazonischen Ritus“ offensichtlich den besten Weg, um „das liturgische, theologische, disziplinäre und spirituelle Erbe“ der Region zum Ausdruck zu bringen.

Dieser Vorschlag, der aus einer der beiden italienischen Sprachgruppen kam, in denen die meisten Kurienvertreter mitarbeiteten, klingt durchaus verlockend. Doch er birgt auch seine Tücken. Gründet man eine neue Ritus-Kirche, vergleichbar mit den unierten Ostkirchen, gelten neue Regelungen etwa für Viri probati auch nur für diese Kirche. Innerhalb des römischen Ritus bliebe es dann bei den wenigen bisherigen Ausnahmen etwa für konvertierte verheiratete evangelische Pfarrer. Das spielt den Gegnern einer Lockerung des Pflichtzölibats in die Hände. Sie können weiterhin sagen, im römischen Ritus bleibt alles beim Alten. Für den Amazonas wäre viel gewonnen, für den Rest der Weltkirche die Forderung nach Viri probati oder einer grundsätzlichen Lockerung des Pflichtzölibats erschwert.

Unterschiedliche Positionen bei Viri probati

Der zweite italienische Sprachkreis schlug vor, das Thema Viri probati auf einer eigenen Synode zu behandeln, da es auch andere Regionen der Welt betreffe. Darin sehen einige Synodenteilnehmer ein Ablenkungsmanöver. Denn während bei der aktuellen Synode die Bereitschaft, dem Papst die Einführung der Viri probati zu empfehlen hoch ist, dürfte diese bei einer Ordentlichen Bischofssynode im Verhältnis viel geringer sein. Denn es wäre dann schwieriger, die Bischöfe aus Afrika und Osteuropa in der Mehrheit für eine solche Empfehlung zu gewinnen. Es ist zu erwarten, dass die Mehrheitsverhältnisse bei einer eigenen Synode zum Priesteramt ganz anders wären. „Jetzt ist der Kairos dafür da“, so ein Synodenteilnehmer. Der Verweis auf eine eigene Synode zum Thema kam auch noch aus einer spanischsprachigen Kleingruppe. Eine andere betonte, dass der Zölibat „ein Geschenk für die Kirche“ sei.

Fünf Sprachgruppen sprechen sich klar für die Einführung der Viri probati aus, weitere sind zögerlicher. Mehrere lassen erkennen, dass sie dagegen sind. Immerhin fünf Sprachgruppen thematisieren das Diakonat der Frau, drei mit der klaren Option, dieses einzuführen, die anderen mit der Aufforderung einer erneuten Prüfung, die sich aber „mehr mit den zukünftigen Möglichkeiten befasst als mit der Vergangenheit“, so eine der Gruppen. Einmal wurde auch die Option einer eigenen Synode zum Thema Frauen angeführt. Lektorat und Akolythat sowie das Amt der Gemeindeleitung für Frauen ist für viele Gruppen angebracht. „Eine prophetische Kirche beginnt mit der Anerkennung der grundlegenden Gleichheit der Rechte“, stellt eine Sprachgruppe fest, um zu dem Schluss zu kommen, dass Frauen auch Ämter mit Entscheidungsbefugnis innehaben müssten, „denn dort wird das, was wir predigen, Wirklichkeit“.

Schlussdokument ab Montag in Diskussion

Jetzt wird mit Spannung der erste Entwurf des Schlussdokuments erwartet. Geplant war, dass die Synodenteilnehmer diesen bereits am Sonntag bekommen. Am Montag treffen sie sich wieder im Plenum, um das Papier zu diskutieren. Dann beginnt die entscheidende Woche im Ringen darum, welche Vorschläge dem Papst am Ende präsentiert werden. Am 26. Oktober wird über die einzelnen Abschnitte des Papiers abgestimmt. Dann wird sich zeigen, ob die Synodenväter Neues wagen und in welchen Bereichen sie Neues wagen.

P.S. Wenn im Text des Blogs Worte farbig hinterlegt sind, verbirgt sich dahinter ein Link. Dieses Verfahren nutzen wir seit langer Zeit, um auf die Originaltexte und Dokumente zu verlinken, über die wir hier schreiben. Heute etwa die Zusammenfassungen der Sprachzirkel. In der Regel sind die Worte dann orange gefärbt.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

16 Kommentare

  • Novalis
    19.10.2019, 0:30 Uhr.

    „Das spielt den Gegnern einer Lockerung des Pflichtzölibats in die Hände. Sie können weiterhin sagen, im römischen Ritus bleibt alles beim Alten. Für den Amazonas wäre viel gewonnen, für den Rest der Weltkirche die Forderung nach Viri probati oder einer grundsätzlichen Lockerung des Pflichtzölibats erschwert.“
    Warum eigentlich? Es hat einmal eine eigene gallische Kirche mit eigenem Ritus gegeben, eine mailändische gibt es noch – dann kann man auch eine eigenständige deutsche Rituskirche ohne Zölibat machen. Oder haben wir Deutsche soviel weniger an eigener Kultur und Selbstständigkeit als Ukrainer oder Libanesen, dass wir Römer sein müssten, um katholisch zu sein?

    • Carla Maltese
      19.10.2019, 19:21 Uhr.

      Der Zölibat ist ja eh ein Auslaufmodell. Über kurz oder lang wird er sicher abgeschafft.
      Aber wenn man die Indigenos jetzt outsourced, ausquartiert in eine separate Kirche, hilft man ihnen nicht. Es würde ihnen helfen, innerhalb der römisch-katholischen Kirche mehr zu gelten, sichtbarer zu werden und damit bedeutender.

      • Novalis
        21.10.2019, 8:06 Uhr.

        Liebe Carla Maltese,

        Ihre Argumentation hat viel für sich! Natürlich müssen die Indigenos viel besser zur Geltung kommen. Ich persönlich halte aber die eigene Rituskirche nicht unbedingt für ein Outsourcen. Die entscheidende Frage ist: „Wie wird man den Menschen gerecht?“ – das Heil der Seelen ist ja schließlich das oberste Gesetz. Auf jeden Fall ist die eigene Rituskirche für die Indigenos kein Argument für die Abschaffung des widernatürlichen Zwangszölibats.

  • bernardo
    19.10.2019, 10:28 Uhr.

    Ich gestehe, ich tue mich etwas schwer mit dem Ruf nach einer „prophetischen Kirche“, nicht weil ich Prophetie, die Auslegung des Wortes Gottes in der Zeit, gering schätze, sondern weil ich die Politisierung des Christentums und seine damit verbundene spirituelle Entleerung fürchte.

    @ Carla Maltese: Ich schreibe noch zu Don Camillo, versuche aber den Bogen zum Thema Synode zu schlagen. In den Guareschi-Geschichten geht es zwar um die Auseinandersetzungen mit dem Bürgermeister, aber nicht nur. (In den herrlichen alten Filmen mit Fernandel und Gino Cervi wird es sehr darauf fokussiert.) Don Camillo ist ein Seelsorger, deswegen weigert sich der alte, störrische Doktor während des „Exils“ Don Camillos auch zu sterben. Natürlich ist er ein Seelsorger von altem Schrot und Korn, also nicht jemand, der Abstriche an der kirchlichen Lehre macht, um bei den Leuten besser anzukommen, und einer der „Tacheles“ redet. (Ein bisschen so, wie Padre Pio gewesen sein muss.)

    Das Problem heute ist nicht die Verirrung – die hat es immer gegeben. Das Problem ist die Verwirrung. Ein wiederverheiratetes Paar erwartet im Gegenzug für die gezahlten Kirchensteuern, das Sakrament der Kommunion empfangen zu können; Homosexuelle erwarten eine Segnung ihrer Verbindung etc. Weigert sich ein Priester, findet er sich schnell auf der Anklagebank wieder. Menschen, die den Priester schätzen, obwohl sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht die Kraft aufbringen, die Regeln der Kirche einzuhalten, werden immer seltener. Natürlich kann man die Regeln immer weiter verdünnen – das Christentum in Deutschland ist von heroischen Ausnahmen abgesehen – ohnehin eine recht dünne Suppe -, aber das Beispiel der evangelischen Kirche zeigt, dass damit nichts gewonnen ist.

    @ Wanda: Der heutigen PD, der aus dem KPI hervorgegangen ist, unterscheidet sich massiv von diesem. Die alten Kommunisten, Peppone gleich, waren Patrioten. So wie linke Südamerikaner wie Ortega oder Morales auch ihren Patriotismus betonen. Damit können die Renzis, Orlandos, Zingarettis des heutigen PD nicht mehr viel anfangen. Viele gehören den „radical chic“ an, sind Salonsozialisten, die auf die „plebs sordida“ herabschauen, die heute auf der Piazza San Giovanni in Rom (wo früher Togliatti und Berlinguer sprachen) gegen die neue Regierung demonstriert.

    Wanda, was ist Tolkien schon verglichen mit dem Erfinder der Ankh-Morpork und Lord Vetinari? Ich glaube, ich schreibe auch einen Roman über eine Phantasiewelt, über die ein Kaiser herrscht, der aus dem Hause Castle-Hawk stammt. (Castle-Hawk, Burg-Habicht, Habichtsburg, Habsburg). Toll, diese meine Genialität. 🙂

    • Carla Maltese
      19.10.2019, 20:24 Uhr.

      Zu Ihrem ersten Absatz:
      Kirche als reines spirituelles Wellnessprogramm für materiell sorgenfreie Schichten, ohne Einsatz für die Armen und Ausgebeuteten, ohne klare gesellschaftliche Positionierung, ist erst recht hohl und leer.
      Und schonmal garnicht im Sinne Jesu.
      Selbstoptimierungswahn und alle möglichen Achtsamkeitskurse die einem Predigen daß man alle Misstände in der Welt an sich abtropfen lassen soll und sich selbst für den Mittelpunkt der Welt halten soll hat es heutzutage genug, da braucht man nicht noch Kirchen. Neee, ehrlich: Um zu lernen mit einer Piepegalhaltung völlig emotionslos durch die Welt zu laufen und sich von keinen Misständen auf der Welt, keiner Armut, keiner Ausbeutung, keiner Umweltzerstörung mehr berühren zu lassen, sich über nichts mehr aufzuregen, dazu kann man auf Kirchensteuer verzichten, es gibt genug Wellnessprogramm und Achtsamkeitsgurus heutzutage! Und oberflächliche spirituelle Angebote.

      Nur ist eben Jesus kein spiritueller Wellnessguru. Ganz und gar nicht!

      Und es hat auch die Christen immer gekennzeichnet, daß immer wieder entschiedene Christen für die Menschenwürde von Ausgestoßenen und Verachteten eingetreten sind.

      Zurück zu Don Camillo:
      Daß er in einem alten störrischen Doktor einen Fan hat, ändert auch nichts dran daß er angesichts eines drohenden Bürgerkriegs, wie Sie die Situation beschreiben, versagt.
      Wie der höhere Klerus damals in Spanien.
      Er ist für seine braven Kirchgänger da, für jeden der den Katechismus auswendig kann, für jeden bei dem es nicht den geringsten Zweifel an einem kirchenrechtlich einwandfreien Lebenslauf gibt, aber für sonst niemanden. Die Leute die nicht ganz stramm römisch-katholisch linientreu sind und deren Familienverhältnisse vielleicht nicht ganz passen, wissen daß Don Camillo nicht für sie da ist. Und lassen sich von der Kirche erst recht nichts mehr sagen.
      Alles verprügeln was nicht zur „richtigen Partei“ gehört, also nicht stramm römisch-katholisch mit kirchenrechtlich einwandfreiem Lebenslauf ist, macht einen noch lange nicht zu einem Seelsorger, sondern zu einem Hooligan.

      Bezeichnend auch eine Szene, wo er Religionsunterricht macht. „Wir wollen heute über die Nächstenliebe reden!“, und das bei einer schon älteren Klasse und in einem nicht gerade warmherzigen Tonfall. Nächstenliebe ist anscheinend ein Nebenthema, das schnell abgehakt wird in 1-2 Unterrichtsstunden, aber nichts was das christliche Leben durchdringen soll.

      So wie gerade der muslimische Klerus hier versagt: In den Ditib-Moscheen soll für den Sieg der türkischen Armee gebetet werden. Die Botschaft ist eindeutig: Die Moscheen sind für türkiche Patrioten da.

      zu den wiederverheirateten Geschiedenen:
      Sie von der Kommunion auszuschließen, ungeachtet der Umstände weswegen die erste Ehe gescheitert ist, vielleicht wurden sie verlassen, vielleicht geschahen in der ersten Ehe schwere Verletzungen, vielleicht war Alkohol im Spiel oder Gewalt, führt jede Ehemoral ad absurdum.
      Kinderschänder, Waffenhändler, Mafiabosse usw. dürfen zur Kommunion, nur nicht Personen die nach einer gescheiterten Ehe wieder geheiratet haben, OBWOHL sie ja zeigen daß sie eine beständige Ehe mit allen dazugehörigen christlichen Werten wie Respekt und Treue leben wollen.
      Als ob der Herr Jesus Christus ein kleiner Sachbearbeiter auf dem Standesamt wäre, der sich nur für die gültigen Papiere interessiert.

      Wenn man sich ehrlich der Tatsache stellt daß früher auch bei uns Zwangsehen mehr Regel als Ausnahme waren, dann kommt man zur traurigen erkenntnis daß ohnehin die wenigsten Ehen unserer Vorfahren sakramental gültig waren.

      Eine offizielle Kirchenlehre die sich in früheren Zeiten selten dafür interessiert hat ob ein Paar wirklich freiwillig vor den Traualtar gegangen ist, in vollem Bewusstsein was es da tut, muss dringend überarbeitet werden.

      Es geht ja gerade nicht um ein „alles ist erlaubt“, jeder vögelt wild durch die Gegend wie in einer Hippiekommune, sondern um eine gesunde realistische Basis für die Sexualmoral.

      Und dazu gehört auch eine vernünftige Einstellung zur Homosexualität.
      Gerüchte vom Hörensagen von wegen der Schwippschwager 3. Grades hätte von seiner Frisöse gehört daß Schwule häufig Pädophile wären weil mehrheitlich kleine Jungs missbraucht würden (WO denn außerhalb der römisch-katholischen Kirche??), gehören NICHT dazu.

      • Wanda
        20.10.2019, 19:07 Uhr.

        Carla Maltese 19.10. 20:24
        – noch einmal ganz langsam: merken Sie eigentlich nicht dass Sie mit Ihrer Betonung „WO denn ausserhalb der röm.-kath. Kirche?“ zumindest den dortigen Missetätern den „Zusammenhang“ homosexuell = pädophil quasi bestätigen ?

        • Carla Maltese
          21.10.2019, 19:13 Uhr.

          Ach, Wanda. Habe ich Lust auf dieses ewig gleiche Spielchen? Nicht wirklich.

          Es ist und war immer meine entschiedene Meinung daß JEDER sexuelle Missbrauch als solcher benannt und bekämpft werden muss. Nicht nur dort wo kleine Jungs die Mehrheit der Opfer sind, sondern auch in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle, wo Mädchen und Frauen die Mehrheit der Opfer sind. Also auch Sextourismus und Zwangsprostitution.
          Und es ist mir sowas von egal, wer damit ein Problem hat!

    • Carla Maltese
      19.10.2019, 23:17 Uhr.

      PS: Wenn Sie mit Pratchett konkurrieren wollen, braucht Ihr Kaiser aber nicht nur einen Namen der eine Anspielung ist, sondern auch einen interessanten doppelbödigen Charakter. Er sollte sich aus der Art wie er das Herrscheramt ausübt rechtfertigen, nicht aus ellenlangem Stammbaum und vergangene Schlachten.

  • Carla Maltese
    19.10.2019, 12:51 Uhr.

    Erstmal zu den großen innerkirchlichen Fragen viri probati und Frauendiakonat: Während ich das Frauendiakonat uneingeschränkt befürworte, bin ich bei den viri probati noch etwas skeptisch.
    Dann hat man nebeneinander Priester die verheiratet sein dürfen und Kinder haben dürfen und solche die weiter zölibatär leben müssen. Und ihren Posten verlieren können wenn sie das nicht tun. Und eine Gemeinde verliert evtl. einen tollen Pfarrer. Wie wird sich das miteinander vertragen?
    Für das Zölibat gibt es keine biblische Grundlage, das habe ich geschrieben und dazu stehe ich. Es gibt stattdessen gute Gründe dafür, es abzuschaffen. Der Weg mit den viri probati erscheint mir jedoch etwas halbgar.

    Ansonsten gefällt mir nach wie vor sehr, was da an Berichten von der Synode zu lesen ist. Eine im besten Sinn missionarische Kirche (natürlich nicht in dem Sinn wie in der Kolonialzeit) auf der Seite der Armen und Unterdrückten und der Indigenos ist der richtige Weg.

    Erstaunlich auch, daß Hans Küng zitiert wird!

    Auch dürfen die Kirchen heute nicht mehr schweigen, wenn es um Umwelt- und Klimaschutz geht.
    Es sind zuerst die ohnehin schon Armen die darunter leiden, wenn die Ökosysteme zusammenbrechen, während wir noch eine ganze Weile gefüllte Supermärkte haben.
    Und beim Thema Auto hat sich ja gezeigt daß wir Ingenieure nicht hinterherkommen, die Technik energieeffizienter und sparsamer zu machen, wenn die Ansprüche der Bürger immer größer werden.

    Was eine eigene Ritus-Kirche angeht, so hat Herr Erbacher mit seinen Bednken recht. Es würde den Indigenos eher keinen großen Gefallen tun. Man würde sie praktisch auslagern, statt ihnen in der römisch-katholischen Kirche mehr Geltung zu verschaffen.
    Stattdessen kann man aber einen eigenen Ritus für die Indigenos gleichberechtigt neben dem normalen gelten lassen. Was spräche dagegen? Schließlich bekommen ja auch die die unbedingt wieder lateinische Messe haben heutzutage auch wieder ihre lateinische Messe.

    „Eine andere betonte, dass der Zölibat „ein Geschenk für die Kirche“ sei.“
    Als man noch das Entstehen eines erblichen Priesterstandes fürchtete mag das so gewesen sein. Aber das ist schon ewig her. Inzwischen ist es eher so, daß man sich mit dem Zölibat sehr viele Probleme eingekauft hat. Ständig sexuelle Skandale, Doppelmoral, heimliche Priesterkinder… Schuss ins eigene Knie der Kirche trifft es eher!

    Was Herr Erbacher zu den Bischöfen Afrikas und Osteuropas andeutet bestätigt mich in meiner Skepsis, ob aktuell ein neues Konzil sonderlich viel bringen würde.
    Die polnische Regierung will jetzt den Sexualkundeunterricht unter Strafe stellen, also es soll an den Schulen keine Sexualkunde mehr geben. Vermutlich mit vollständiger Zustimmung der Bischöfe.

    Dann bin ich mal gespannt was der 26.Oktrober bringt!

    „Wenn im Text des Blogs Worte farbig hinterlegt sind, verbirgt sich dahinter ein Link. Heute etwa die Zusammenfassungen der Sprachzirkel.“
    Zwar habe ich mein Spanisch noch lange nicht verloren, aber: Neeeeiiiiin, Herr Erbacher, ich werde das aus den spanischsprachigen Sprachgruppen NICHT übersetzen!!
    Wenn ich das anfange, dann mache ich für eine ganze Weile in meiner Freizeit nichts anderes mehr! Und Ziel ist nicht nur die Wiederaufnahme meiner Arbeit übermorgen, sondern auch die Wiederaufnahme aller weiterer Verpflichtungen, nur die körperlich anstrengendste wartet noch 3 Wochen!

    • SuNuraxi
      19.10.2019, 20:09 Uhr.

      @Carla Maltese, 19.10., 12:51
      ?????
      Ich habe jetzt den Artikel von Herrn Erbacher drei Mal sorgfältig gelesen, aber ich habe trotzdem nirgendwo auch nur annähernd das Ansinnen/die Bitte/den Vorschlag gefunden, dass Sie irgend etwas übersetzen sollen. Was also soll das, was Sie da am Ende Ihres Beitrags geschrieben haben?
      Falls Ihnen Herr Erbacher jedoch außerhalb des Blogs eine E-Mail mit dieser Bitte geschickt haben sollte, dann verwirren Sie bitte die Leser nicht unnötigerweise und beantworten Sie ihm diese Mail nicht im Blog, sondern ebenfalls mit einer E-Mail.

      • Jürgen Erbacher
        Jürgen Erbacher
        20.10.2019, 18:38 Uhr.

        Wir haben niemanden gebeten und bitten auch niemanden, etwas zu übersetzen.

        • SuNuraxi
          20.10.2019, 19:48 Uhr.

          @Hr. Erbacher, 20.10., 18:38

          Ja gut, OK. Aber warum sagt Ihnen @Carla Maltese dann so vehement ab, wenn Sie sie sowieso nicht darum gebeten haben? Irgend einen Grund für dieses Statement muss sie doch haben.

      • Carla Maltese
        20.10.2019, 20:46 Uhr.

        Ich hatte mir hier einmal wochenlang Mühe gegeben ein langes Interview mit Franziskus aus dem Spanischen zu übersetzen. Von der Redaktion nicht gelobt, aber immerhin akzeptiert.
        Ich hatte mich auch bemüht, einen hier abgebildeten handgeschriebenen Zettel zu übersetzen, nur ist Franziskus‘ Handschrift derart schlimm daß ich Wanda um Hilfe bitten musste, einzelne Worte konnte ich ehrlich nicht entziffern.
        Daß Herr Erbacher so deutlich darauf hinwies, daß er die Ergebnisse aus den Sprachgruppen verlinkt hat, interpretierte ich so, daß er sich wohl wieder Hoffnung gemacht hat, daß irgendjemand mehrsprachiges sich hier extra nochmal Mühe gibt.
        Aber das werde ganz sicher nicht ich sein, da ich seit einiger Zeit wirklich SEHR VERÄRGERT bin.

        • Jürgen Erbacher
          Jürgen Erbacher
          21.10.2019, 6:10 Uhr.

          Nein, den Hinweis auf den Link haben wir aus einem anderen Grudn gesetzt. Uns ist vor einigen Tagen aufgefallen, dass nicht allen Usern klar zu sein scheint, dass die farbig geschriebenen Satzteile Links zu Originaltexten erhalten. Nicht mehr und nicht weniger. Wir erwarten von niemandem, dass er Texte übersetzt, und beauftragen auch niemanden damit.

  • Maria
    19.10.2019, 18:31 Uhr.

    „Dabei ging eine Gruppe besonders weit…..“

    Ihre Bedenken, dass unter dem Strich die Einführung der Viri probati außerhalb Amazoniens erschwert werden, sind nachvollziehbar. Vielleicht ist dieser Vorschlag aber auch ein Fuß in der richtigen Tür.
    Erstaunlich ist aber, dass dieser Vorschlag aus der Gruppe kam, in der der Präfekt der Glaubenskongregation mitgearbeitet hatte. Und wenn ich diesen Gedanken mit der abschätzigen Haltung vergleiche, mit der Kardinal Müller, also sein Vorgänger, in der Sendung „Stationen“ über die Viri probati urteilte, dann wird wieder einmal deutlich, dass in der Kirche einiges in Bewegung geraten ist und auch ausgesprochen werden darf – zum Glück.

  • Wanda
    20.10.2019, 21:46 Uhr.

    Da Hans Küng erwähnt wurde:
    – Inzwischen fast vergessen, dass katholische und protestantische Theologen sich ganz offen mit nichtchristlichen Gelehrten (besonders Juden) zusammentaten, um wichtigste Fragen zu erforschen wie z.B. ob Jesus sich selbst für göttlich hielt oder wirklich einen messianischen Anspruch erhob, wie die Evangelien behaupten. Es gibt durchaus Theologen, welche zugeben, die (wenigen*) historischen Daten lassen auch eine offene Diskussion über die Interpretation zu, dass Jesus ohne die Absicht einen neue Religion zu gründen am Kreuz gestorben ist.
    Dass Hans Küng dazu schrieb, dieses sei zwischen den Konfessionen nicht mehr umstritten, kostete ihn (nur) einen Titel: 1979 verbot ihm der Vatikan, sich weiter katholischer Theologe zu nennen. Doch er behielt seinen Lehrstuhl in Tübingen und die Leitung seines eigenen ökumenischen Institutes.
    Kern der küng’schen Christologie ist, dass der Jesus des Glaubens einerseits und der historische Jesus andererseits nur dann zu verschmelzen sind, wenn man sie von den zeitbedingten Verkrustungen der Kirche befreit. Mit anderen Worten: man muss zu den Wurzeln des Christentums zurück, um die deutliche Diskrepanz zwischen dem wie Jesus sich selbst sah und dem, was die Amtskirche nach dessen Tod in ihn hinein-interpretierte, aufzulösen und zu beseitigen.
    – Jesus war tiefgläubiger Jude und blieb es bis zuletzt. Er lehnte ja das jüdische Glaubensgebäude und seine Regeln nicht ab. Er kritisierte jedoch heftig (welche Parallele) die Einschränkungen der Glaubenspraxis und des jüdischen Lebens durch vollkommen hirnrissige rabbinische Einschränkungen, Ankrustungen und Schlacken als dumpfe, heuchlerische Dogmatik: worin z.B. liegt der Sinn, dass eine Hausfrau am Sabbat zwar das Seil an einem Eimer befestigen durfte, jedoch kein Wasser schöpfen? Oder dass eine Person am Sabbat etwa 18 km reisen durfte, aber keinen Meter zuviel, Mahlzeiten verzehrt aber nicht zubereitet werden-, die gerissen Saiten eine Instrumentes zusammengeknüpft aber nicht ersetzt werden durften ? Von der Heilung und Behandlung Kranker am Sabbat durch ihn ganz zu schweigen.
    Mein persönlicher Eindruck: Jesus wollte (dem NT zufolge) eine Rückbesinnung und Erneuerung seines Glaubens, zumal er immer wieder äusserst „schriftgelehrt“ und oft gewollt provozierend die Gestalten und die Geschichte des AT als gottgefällige gute Beispiele allem Anderen voran stellt.
    Hochinteressant:
    Zeev W. Falk, Prof. für Familienrecht an der Hebräischen Universität Jerusalem ist Autor eines akademisch begründeten Kataloges, den er „historische Oberflächlichkeit der Evangelien“ nennt.
    Chaim H. Cohn, Richter des Obersten Gerichtshofes Israels und hochrangiger Experte für jüdische Rechtsgeschichte ist der Ansicht, dass sich a) das Christentum sicher ganz anders entwickelt hätte, wäre der Prozess Jesu anders durchführt worden – und b) dieser Prozess genauer und vollständiger in den 4 Evangelien geschildert.
    Jedenfalls ist die jüdische Interpretation des Prozessverlaufes vor dem Hintergrund der genauen wissenschaftlichen Kenntnisse der damaligen Rechtverhältnisse in Judäa präziser und logischer als die biblische Darstellung im Neuen Testament: Jesus war eine Bedrohung für das religiöse und politische jüdische Establishment. Einzig diese relativ kleine, vom jüdischen Volk als Kollaborateure Roms verachtete Gruppe betrieb seinen „politischen“ Mord und war dafür verantwortlich. Die Kirche sah das fast 2000 Jahre leider anders und bevorzugte die Kollektivschuld der Juden…
    *) Jene die ihn kannten haben nichts über ihn geschrieben und die über ihn schrieben, haben sind ihm nie begegnet und die sonst sehr penible römische Militäradministration, die jeden noch so geringen Anlass aus den zumal unruhigsten Provinzen nach Rom meldete, schwieg sich über den gefährlichen Messias aus…
    – Es ist wohl inzwischen unumstritten, dass die übergreifende Betrachtung der vier Evangelien unter Einbeziehung der Quellen-, Form- und literarischen Kritik sowie der Philologie, Linguistik und Semiotik etc., beträchtlich mehr als 4 Verfasser zudem unterschiedliche Epochen nachweisen kann.
    Welche Kriterien seinerzeit für die Aussortierung zahlreicher anderer Evangelien sorgten, bleibt weiterhin ungeklärt, wird aber erneut diskutiert.

Kommentare geschlossen

Dieser Beitrag kann nicht länger kommentiert werden.