Papst schreibt Brief an deutsche Katholiken

Ermutigung und Ermahnung steckt in dem Brief von Papst Franziskus „an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“, der heute veröffentlicht wurde. Anlass ist der „synodale Weg“, den die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit den katholischen Laien in der Folge des Missbrauchsskandals starten will. Dabei soll es um drei Schwerpunkte gehen: Macht, Sexualmoral und die Lebensform der Priester. Die katholischen Laien wollen auch über das Thema „Frauen und Ämter“ sprechen. Darüber gibt es Diskussionen mit den Bischöfen. Die sind sich untereinander allerdings auch nicht einig, ob ein solcher Weg angebracht ist und wie er aussehen soll. Der Papst geht in seinem Brief nicht auf einzelne Themen ein. Er mahnt zur Einheit mit der Weltkirche, möchte aber zugleich „zur Suche nach einer freimütigen Antwort auf die gegenwärtige Situation ermuntern“. Und er fordert alle Seiten dazu auf, aufeinander zu hören und miteinander zu sprechen.

Wohin führt der Weg der Kirche? Darum soll es beim „synodalen Weg“ der Deutschen Bischofskonferenz gehen. (Quelle: dpa)

Kirche nicht auf „erleuchtete Gruppe reduzieren“

Franziskus möchte mit seinem Brief einige Leitplanken und Orientierungspunkte geben. Das eine ist die Einheit mit der Weltkirche. Es gehe darum, „sich gemeinsam auf den Weg zu begeben mit der ganzen Kirche unter dem Licht des Heiligen Geistes“. Er warnt vor einem zu schnellen Vorgehen. Mit Verweis auf den Theologen Yves Congar stellt er fest: „Die aktuellen Herausforderungen verlangen im Blick auf die Entwicklung eines gesunden aggiornamento‚ einen langen Reifungsprozess und die Zusammenarbeit eines ganzen Volkes über Jahre hinweg‘“. Ganz im Sinne seiner Amtsführung unterstreicht er die Bedeutung von Prozessen „statt nach unmittelbaren Ergebnissen mit voreiligen und medialen Folgen zu suchen, die flüchtig sind wegen mangelnder Vertiefung und Reifung“. Es brauche mehr als nur einen „strukturellen, organisatorischen oder funktionalen Wandel“, ist der Papst überzeugt. Zugleich warnt er davor, sich „zu sehr in Fragen zu verbeißen, die begrenzte Sondersituationen betreffen.

Zentral müsse die Frage sein, wie die Evangelisierung wieder ins Zentrum kirchlichen Handelns gestellt werden könne. Es gehe darum, „nahe am Leben der Menschen zu sein“, „die Zeichen der Zeit zu erkennen“, was nicht gleichbedeutend sei „mit einem bloßen Anpassen an den Zeitgeist“. Dabei warnt er vor mehreren Versuchungen: zum einen davor Praktiken und Gewohnheiten zurückgewinnen zu wollen, „die in anderen kulturellen Zusammenhängen einen Sinn ergaben“, zum anderen davor, „das Volk Gottes auf eine erleuchtete Gruppe reduzieren zu wollen“, und auch davor, „in geschützten und bequemen Positionen zu verharren“. Er fordert dazu auf, „an die Ränder zu gehen, um uns selbst zu finden und besser auf den Herrn zu hören“. Deutlich ist die Mahnung, dass man sich „als apostolischer Körper gemeinsam auf den Weg“ begeben solle, „auch wenn wir nicht in gleicher Weise denken“. Ein klarer Appell an diejenigen, die sich dem Weg verweigern wollen.

Einheit mit der Weltkirche

Immer wieder erinnert er an den „sensus ecclesiae“, betont aber zugleich: „Das bedeutet nicht, nicht zu gehen, nicht voranzuschreiten, nichts zu ändern und vielleicht nicht einmal zu debattieren und zu widersprechen, sondern es ist einfach die Folge des Wissens, dass wir wesentlich Teil eines größeren Leibes sind“. Dieser Sensus, so Franziskus, erinnere allerdings auch „an die Schönheit des vielgestaltigen Angesichts der Kirche“. Diese gebe es nicht nur in der „räumlichen Perspektive“ sondern auch in der „zeitlichen Wirklichkeit“. Auch das ein klares Signal, dass sich Dinge verändern können.

Der Papst gibt die klare Vorgabe, dass der „synodale Weg“ in Deutschland im Einklang mit der Weltkirche vollzogen werden muss. Das dürfte nie von irgendjemand bezweifelt worden sein. Niemand rechnete damit, dass die deutschen Bischöfe am Ende des Wegs im Alleingang das Frauenpriestertum einführen oder die Vollversammlung der Bischofskonferenz durch ein demokratisch gewähltes Kirchenparlament ersetzen werden. Deshalb bedeutet die Mahnung des Papstes keine Absage an das Vorhaben oder eine Einschränkung. Der Papst gibt keine konkreten Themen vor und schließt keine Themen aus. Er stellt lediglich fest: „Was dieser [„synodale Weg“] konkret bedeutet und wie er sich entwickelt, wird sicherlich noch tiefer in Betracht gezogen werden müssen.“

Papst würdigt Kirche in Deutschland

Der „synodale Weg“ kann starten. Es liegt an den Bischöfen, diesen nun „freimütig“ anzupacken. Wie künftig die „Einheit mit der Weltkirche“ und das „vielgestaltige Angesicht der Kirche“ zueinander sich verhalten werden, wird sich parallel zum „synodalen Weg“ vielleicht auch weiterentwicklen. Hier dürfte die Amatonassynode im Herbst neue Akzente setzen, die dann auch für die Beratungen in Deutschland von Bedeutung sein dürften. Aus den Worten des Papstes wird die Mahnung erkennbar: geht einen Weg, hört einander zu und redet miteinander mit Respekt. Einige Worte erinnern durchaus an das Vokabular des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Etwa wenn Franziskus zu Beginn des Briefes schreibt: „Wir sind uns alle bewusst, dass wir nicht nur in einer Zeit der Veränderungen leben, sondern vielmehr in einer Zeitenwende, die neue und alte Fragen aufwirft, angesichts derer eine Auseinandersetzung berechtigt und notwendig ist.“

Dass Franziskus einen eigenen Brief schreibt an „das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ ist ungewöhnlich. Seine wertschätzenden Worte zu Beginn des Schreibens über das kirchliche Leben lassen aufhorchen. Könnte man doch seine sonst gerne geübte Kritik an einer überstrukturierten Kirche nahelegen, dass er die Situation in Deutschland kritisch sieht. Aus dem Brief spricht viel Anerkennung. Franziskus bietet seine Begleitung in unruhigen Zeiten an. Er signalisiert Offenheit für den synodalen Weg. Ob der Brief hilft, Vertrauen zurückzugewinnen wird davon abhängen, wer in der Interpretation der nächsten Tage die Deutungshoheit gewinnt.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

40 Kommentare

  • Silvia
    29.06.2019, 12:40 Uhr.

    Ich habe das vollständige Schreiben auf vatican.news gelesen.

    Mein Eindruck: Viele Worte und wenig bis gar nichts Konkretes. Also der übliche Stil päpstlicher Dokumente in diesem Pontifikat.

    Irgendwie erinnert mich das an ein Aussitzen von Problemen und auf Zeitgewinn hinarbeiten, also Gläubige und Klerus hin zuhalten.

    Mich erinnert das auch sehr ungut an den „Gesprächsprozess“, den wir vor ein paar Jahren mal hatten, der mit viel Hoffnung begonnen wurde, sich jahrelang hinzog und zu keinem einzigen, konkreten und umsetzbaren Ergebnis geführt hat.

    Die Kirche beschäftigt sich mit sich selbst und dreht sich dabei im Kreis, dh., sie ist in Bewegung ohne vorwärts zu kommen.

    ich erlebe das nun schon seit rund 55 Jahren, was sehr ermüdend ist. Mit meinen 68 Jahren sage ich mir inzwischen, ich lebe und praktiziere meinen Glauben so gut ich kann und all die kirchlichen „Aufbruchs – und sonst was Prozesse“ sind mir inzwischen wurscht.

    Wenn man aufbrechen will muss man zumindest vorher wissen, wohin die Reise gehen soll.

    Kann sein, dass ich meine Haltung unter einem zukünftigen Papst wieder ändern werde, sofern ich den noch erleben werde.

    • Novalis
      30.06.2019, 12:50 Uhr.

      Sie wissen, wohin die Reise geht? Ich nicht, und das ist gut so. Die Zukunft ist nur für EINEN vorhersehbar 😉
      Übrigens eine glatte Lüge, dass Franziskus schwammig ist. Lesen Sie mal Enzykliken von JP2, das ist Geschwurbel. Franziskus stellt sich eindeutig hinter den synodalen Prozess. Vermutlich hätte er auch nichts gegen eine Synode wie die Würzburger Synode gehabt. Die haben ja andere ausgebremst, die die liebe Silvia sonst für toll hält.

    • Wanda
      30.06.2019, 16:38 Uhr.

      Silvia 29.06.2019 12:40
      – Fast einhellige Meinung in den Medien. Selbst die Franziskus bisher durchaus wohlgesonnenen überregionalen Blätter, ua. die WELT, FAZ und ZEIT, reagieren ziemlich ratlos, was er mit diesem verschwurbelt formulierten Brief an „das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ eigentlich sagen will.
      – Ich persönlich habe den Eindruck des „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“…

      • Novalis
        01.07.2019, 11:29 Uhr.

        Die FAZ war Franziskus noch nie wohlgewogen und den Beitrag von Hoff haben soe wohl missverstanden

    • Wanda
      30.06.2019, 16:57 Uhr.

      Silvia 29.06.2019, 12:40
      – meine selige Mutter war da ganz pragmatisch. Sie blieb trotz eines schweren Schicksals strikt gläubig aber nicht so wie es die schwarz gekleidete kirchliche Herrenkaste mit ihrer Deutungshoheit gern gesehen hätte. Sie sagte immer: „Ich dulde keine Türsteher, Vorzimmer, Mittelsleute und Zuträger zwischen meinem Herrgott und mir. Und wenn ich ihm etwas zu sagen habe, dann sage ich ihm das persönlich“…
      Die Reaktion meiner sanften aber kirchengehorsamen Grossmutter ist mir heute noch erinnerlich „Kind, versündige Dich nicht“…

    • Carla Maltese
      30.06.2019, 23:40 Uhr.

      Jetzt gehe ich vielleicht doch etwas anderst auf Sie ein. Etwas anderst alös vor einer halben stunde weiter unten. Da habe ich vielleicht etwas scharf geschossen.

      Klar ist es frustrierend, daß es die Ansätze in Richtung Synodalität immer wieder gegeben hat und daß sie im Nichts verliefen. Natürlich ist es enttäuschend, daß z.B. eine Würzburger Synode komplett abgewürgt wurde.
      Aber sehen Sie es mal aus der Perspektive: Es HAT sie gegeben!

      Leider unter Päpsten die von Synodalität wenig bis garnichts hielten.

      Aber ist es logisch, sich als Reaktion auf das Scheitern der synodalen Ansätze ausgerechnet den Grund zu wünschen, warum diese Ansätze gescheitert sind??

  • Novalis
    29.06.2019, 16:07 Uhr.

    Ein äußerst erfreuliches Schreiben, das m.E. doch recht deutlich Kritiker, Bremser und Nörgler wie Zdarsa und Voderholzer in Schranken weist. Um letzteren wird es einsam. Nicht einmal mehr Oster springt Voderholzer bei seinen regressiven Böhmenphantasien und AfD-Tendenzen bei. Unbedingt lesenswert ist der Versuch von Voderholzers Generalvikar, der Missbrauchsopfer mit Serienbriefen abfertigte, sich den Papstbrief umzulügen. Da ist die Verzweiflung schon so groß wie bei anderen Lügnern, die deutsche Kardinäle als Rassisten diffamieren.

    • Carla Maltese
      30.06.2019, 22:32 Uhr.

      Auf jeden Fall wird es wahrscheinlich bei allen die sich ernsthaft auf den synodalen Weg einlassen wollen ein großes Aufatmen geben.

      Aus Rom wird das nicht gestört werden, das hat Franziskus klargemacht. Und jeder Versuch, ihn dazu zwingen zu wollen, ist sinnlos.

    • Wanda
      01.07.2019, 3:30 Uhr.

      Novalis 20.06.2019, 16:07
      – Sie sind wohl der Einzige, der dieses alles und nichts sagende Schreiben von Franziskus als recht deutlich empfindet oder (besser) zu interpretieren versteht. mein Hochachtung und Glückwunsch !
      Mir und vielen anderen ist diese analytische Fähigkeit leider nicht gegeben. Wir bleiben ratlos zurück.
      – Bin gespannt wie sich der deutsche Kirchenadel dazu äussert. Vermutlich werden sich die doch ziemlich gegensätzlichen Lager jedes auf seine Weise bestätigt fühlen. Wieder einmal ein echter Franziskus ! Wie heisst es so schön ironisch in seiner spanischen Muttersprache ? „zero grados: ni frio – ni calor“

      • Novalis
        01.07.2019, 11:31 Uhr.

        Sie haben den Brief scheinbar nicht gelesen.

        • Wanda
          02.07.2019, 12:03 Uhr.

          Novalis 01.07.2019, 11:31
          – Doch, aber ich habe ihn auch verstanden. Inhalt: im Grunde genommen Heissluft, jeder (gleich welchen Lagers) darf sich bestätigt und ermutigt fühlen.
          Und vielleicht lesen Sie nochmal nach was Synoden so alles zustande bringen. Vielleicht auch die Ergebnisse der hier oft erwähnten Würzburger Synode mit ihrer von @Erasmus zitierten Einordnung und Forderung an die Homosexuellen ?

          • Carla Maltese
            03.07.2019, 0:12 Uhr.

            Und hier wieder mein Eindruck, daß Sie im Prinzip ein autoritäres diktatorisches Papsttum das keine eigene Meinung zulässt WOLLEN.

            Sie haben Pech: Zumindest hier im Westen will es auch eine breite Mehrheit der römischen Katholiken nicht mehr.
            Und auch in anderen Regionen der Welt KÖNNTE es Überraschungen geben was das angeht, wenn die Leute die Möglichkeit hätten, sich Gehör zu verschaffen.

            PS: Erasmus sagt ganz richtig, daß eine Synode heutzutage anderes in Sachen Homosexualität beschließen würde.

            Die altkatholische Kirche, eine synodale Kirche, ist offen für homosexuelle Partnerschaften und kennt heutzutage auch Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

      • Silvia
        01.07.2019, 16:09 Uhr.

        Wanda
        01.07.2019, 3:30 Uhr.

        Wie man inzwischen hier im Blog lesen kann, ist Novalis nicht der einzige, der das letzte Schreiben des Papstes klar und eindeutig findet.

        Es gibt Leute, die die Taktik des Papstes bis heute nicht durchschauen können oder wollen.

        Er drückt sich grundsätzlich so aus, dass alle innerkirchlichen Lager sich „irgendwie“ bestätigt fühlen können.

        Damit löst er jedesmal Streit und Verwirrung aus und die innerkirchlichen Gräben werden immer tiefer.

        Von wegen Pontifex = Brückenbauer. Er reißt doch die letzten Brücken ein.

        • Novalis
          02.07.2019, 8:18 Uhr.

          „Er drückt sich grundsätzlich so aus, dass alle innerkirchlichen Lager sich „irgendwie“ bestätigt fühlen können.

          Damit löst er jedesmal Streit und Verwirrung aus und die innerkirchlichen Gräben werden immer tiefer.“

          Warum sollten die Gräben tiefer werden, wenn sich (angeblich) alle bestätigt fühlen? Die Gräben würden doch nur tiefer werden, wenn ein Papst nur immer ein Lager – sowie das Benedikt mit der rechtsreaktionären Minigruppe getan hat – bestätigt. Deine Logik, meine liebe Silvia, ist wirr.

          • Silvia
            02.07.2019, 20:39 Uhr.

            Novalis
            02.07.2019, 8:18 Uhr

            1) Ich kann mich nicht erinnern, Ihnen das „Du“ angeboten zu haben.

            2) Wenn sich die „feindlichen“ Lager beide bestätigt fühlen können, was wird dann wohl passieren? Sie werden sich bekriegen, weil jeder zu wissen glaubt, dass das gegnerische Lager auf dem Holzweg ist. Aber das wissen Sie selbst gant genau.

        • Carla Maltese
          03.07.2019, 0:04 Uhr.

          Was soll er denn tun?

          Soll er den Bischöfen vorschreiben was am Ende bei dem synodalen Wegh rauskommen soll?
          Dann gibt es keinen synodalen Weg, nur eine lächerliche, peinliche Farce! Schlimmstenfalls die komplette Blamage die die römisch-katholische Kirche in Deutschland endgültig sterben lässt, weil sämtliches Vertrauen verspielt sein wird!

  • neuhamsterdam
    29.06.2019, 20:20 Uhr.

    »Zentral müsse die Frage sein, wie die Evangelisierung wieder ins Zentrum kirchlichen Handelns gestellt werden könne. Es gehe darum, „nahe am Leben der Menschen zu sein“, „die Zeichen der Zeit zu erkennen“, was nicht gleichbedeutend sei „mit einem bloßen Anpassen an den Zeitgeist“.«
    Was kommt dann? Wenn die ganzen Missbrauchsthemen durchdiskutiert sind und Maßnahmenpakete durchgesetzt sind und sich in der Frauenpriesterweihefrage die Ernüchterung durchsetzt, daß dieses die Katholiken fast durchgehend irritieren würde, wenn von Jedem schon alles gesagt wurde… was dann?
    Dann wird man sich aus Mangel an Aufregendem und Interessantem wieder der Verkündigung des Evangeliums zuwenden – wobei das wieder für die nachwachsende Generation eine neue Erfahrung sein wird. Das ist alles eine leicht vorauszusehende Entwicklung weil diese einfach nur folgerichtig aus der jetzigen Situation hervorgeht.
    Dann denke ich wieder an die Weissagung vom Mühlhiasl, der gesagt hat: „Überall wird das Evangelium verkündet, aber es kehrt sich keiner mehr daran.“ Auch das wird wohl passieren, denn die Technisierung der Welt lässt kaum mehr Platz für übernatürliches Geschehen, das überdies noch fordert, darauf zu vertrauen ohne davon direkt einen sichtbaren Nutzen zu haben und wenn dann ist dieser Nutzen nur gering. „Der Glaube wird so schwach sein, dass man ihn mit einer Geißel abhauen kann“, meinte Mühlhiasl. Bei den Leuten, die die Kirche nur noch als Dienstleister begreifen, ist das auch naheliegend.

    • Novalis
      30.06.2019, 12:51 Uhr.

      Mühlhiasl? Dieser Scharlatan aus Bayern? Wie unseriös ist das denn!

  • Wanda
    29.06.2019, 20:39 Uhr.

    Typisch Franziskus: schwammig, nicht Fisch noch Fleisch. Damit überlässt er (wie Herr Erbacher zutreffend betont) die Interpretation den Deutungsstärksten.
    P.S. amüsante aber rätselhafte Formulierung „das pilgernde Volk Gottes in DEU“.
    Vielleicht stehe ich ja auf der Leitung: versteht das jemand ?

    • Silvia
      30.06.2019, 11:29 Uhr.

      Wanda
      29.06.2019, 20:39 Uhr

      „Das pilgernde Volk Gottes“ ist ein feststehender, relativ häufig verwendeter Begriff, den ich verstehe, weil ich ihn kenne.

      Was genau damit gemeint ist, lasse ich hier bewusst offen, um mir nicht wieder den Vorwurf von theologischer Seite zuzuziehen, ich würde hier Falsches verbreiten.

    • Novalis
      30.06.2019, 12:54 Uhr.

      Was soll am „pilgernden Gottesvolk“ so unverständlich sein? Seit dem 2. Vatikanum begreift sich die Kirche nicht nur als mystischer, hierarchisch organisierter Leib Christi, sondern als pilgerndes Gottesvolk, das, wie Israel in der Wüste, auf dem Weg ins gelobte Land ist, das es nicht kennt, ihm aber verheißen ist. Da hat aber jemand, der zu jedem und allem in der Kirche was zu sagen hat, echt schlecht aufgepasst!

      • Wanda
        02.07.2019, 0:28 Uhr.

        Novalis 30.06.2019, 12:54
        – Ach so ? Wer ist denn DIE Kirche ? Dieser hierarchisch organisierte Priesteradel oder vielleicht doch eher das gläubige Fussvolk, welches wie man wohl in letzter Zeit zweifellos feststellen kann, die vorgenannten Deutungshoheiten zunehmend (und wohl im Sinne des Nazareners) kritisch sieht und ablehnt ?
        – Lese ich da etwa die Meinung/Überzeugung des folgsam getreuen Amtskirchen-Anhängers ? „Mystischer, hierarchisch organisierter Leib Christi“. Darauf muss man erst einmal kommen: ein hierarchisch organisierter Leib etc…
        Wenn Jesus humorvoll war und davon gehe ich aus, hätte er sich vermutlich über seinen angeblich hierarchischen organisierten Körper gekringelt…

        • Novalis
          02.07.2019, 8:23 Uhr.

          „Lese ich da etwa die Meinung/Überzeugung des folgsam getreuen Amtskirchen-Anhängers ? „Mystischer, hierarchisch organisierter Leib Christi“. Darauf muss man erst einmal kommen: ein hierarchisch organisierter Leib etc…“
          Da es Ihnen am Leseverständnis gebricht: Ich habe die Überzeugung der Kirche bis einschließlich des Pontifikats Pius XII. referiert. Die Leib-Christi-Metapher ist biblisch, die hierarchische Strukturierung kam im Mittelalter hinzu und wurde spätestens unter Pius XII. „perfektioniert“ gelehrt. Kritisieren Sie den dafür. *

          * Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

  • Silberdistel
    30.06.2019, 20:44 Uhr.

    Nicht nur das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ braucht die 10 Gebote und benötigt die Reden Christi. Den footprint also von dem, was wir er/sie/es ´Gott´ nennen und der so in den verschiedenen Weltreligionen zu finden ist. Nach dem die ganze Welt erkennbar und immer auf´s Neue lechzt. Ist doch ganz einfach und mit viel Segen zu leben.
    Was wir nicht brauchen ist Brimbroium und Bim Bam! Also Egoismen sowie Eifersüchteleien von und unter Theologen selbst ernannter „Konfessionen“, die letztlich nur dazu geeignet sind das ´Volk Gottes´ untereinander zu spalten. Jenen -logen aber ein gutes materielles Dasein garantieren. Ich glaube, Papst Franziskus hat das begriffen 😀

  • Carla Maltese
    30.06.2019, 22:15 Uhr.

    Würde ich mich in der altkatholischen Kirche unwohl fühlen (was ich nicht tu!), müsste ich wohl evangelisch werden. Es sind ehrlich gesagt nicht irgendwelche einzelnen stockkonservativen Bischöfe wie der Voderholzer wo ich momentan sage daß ich definitiv nie mehr in die römisch-katholische Kirche zurückkehren werde. Es sind Kommentare zum synodalen Weg hier und auf Facebook die mich so dermaßen ärgern daß ich sagen muss: Mit dieser Kirche kann ich nichts mehr anfangen!

    Einfach dieses Vorausjammern…

    Da geschieht gerade etwas was vor 5 Jahren noch nicht vorstellbar war. Es soll einen synodalen Weg geben, der aus dem Nichts neu entwickelt wird, und der Papst lässt ihn zu statt ihn gleich mit fertigen Beschlüssen totzuschlagen, also etwas was eigentlich sehr sehr positiv ist. Aber die Wahrnehmung ist momentan so, daß die Leute nur herumjammern können und daran herumnörgeln können und alles schlechtreden können bevor überhaupt irgendetwas fix ist.
    Winzigkleine Minderheiten die keine Veränderungen wollen sind an sich winzigkleine Minderheiten. Aber es gibt einen Grund, warum sie so eine Macht haben, diesen ganzen synodalen Prozess zu schmeißen bevor er begonnen hat. Und zwar weil Leute die angeblich Reformen wollen durch Vorausjammern und alles Schlechtreden das alles töten bevor es richtig angefangen hat.
    Es ist dieses alles sofort schlechtreden, den Dingen keine Chance lassen können, das nicht meine Mentalität ist.

    Ich gehöre einem Berufsstand an von dem erwartet wird, Dinge neu entwickeln zu können. Dazu sind wir da. Auch wenn bei allen Dingen die man neu entwickelt immer wieder ungelöste Fragestellungen oder Probleme auftauchen: Es gilt, die Dinge anzupacken und nicht gleich am Anfang zu jammern: „*wäwäwä* Da wird doch eh nix draus! Das wird doch eh alles nur scheiße! Und ich krieg kein Eis!“
    Darüber hinaus bin ich bei zwei verschiedenen Hilfsorganisationen aktiv. Daß ich mich beim THW immer wieder auf eine neue Einsatzsituation einlassen muss, egal ob mir das Wetter passt oder nicht, brauche ich nicht zu erklären. Aber auch bei Ingenieure ohne Grenzen müssen wir bei jedem Projekt erstmal selber dazulernen. Was sind die Gegebenheiten in dem Land, wie kommuniziert man am besten, gibt es Fallstricke von denen wir noch nichts wissen? Usw. (Gerade weil wir hauptsächlich nicht Entwicklungshilfe sondern EntwicklungsZUSAMMENARBEIT machen, sind wir am Anfang immer selbst auch Lernende)

    Helfen Sie mir mal, Herr Erbacher: Wie soll ich noch einen Zugang zu dieser römisch-katholischen Kirche finden? Wäre ich nicht ausgetreten, jetzt wäre es soweit, und ein paar (zensiert) von Bischöfen, wie ein Voderholzer, haben damit nichts zu tun!

    Vielleicht ist es ja gerade nur die in unserer Zeit leider übliche verzerrte Wahrnehmung, vielleicht gibt es ja genügend römisch-katholische Personen die den synodalen Weg WIRKLICH WOLLEN. Vielleicht können Sie etwas dazu sagen, Herr Erbacher.

    Siehe der evangelische Kirchentag dessen rund 2.400 Veranstaltungen nur auf das Vulvenmalen reduziert werden. Hauptsache, sich spätpubertär über ein Körperteil aufregen, dann muss man sich nicht mit echten Inhalten beschäftigen…

    Zwei Dinge sind klar:
    a) Wird das alles aus dem Nichts raus neu entwickelt. Vor 5 Jahren konnte man sich Synodalität in der römisch-katholischen Kirche noch nicht vorstellen. Es wird ein Lernprozess, keine fertige neue Kirchenverfassung. Und erst recht kein neuer Katechismus.
    b) Gibt es Dinge die die deutschen römisch-katholischen Bischöfe noch lange nicht machen können, weil da die ganze Weltkirche einverstanden sein muss. Man kann da nur den deutschen römisch-katholischen Bischöfen die Empfehlung geben, das Thema in der Weltkirche anzuregen.

    Aber das falscheste wäre, es garnicht erst zu versuchen.
    Mit der papstfixierten römisch-katholischen Kirche kann es einfach nicht weitergehen. Schon deswegen nicht, weil man jeden Papst damit überfordert. Also muss sich etwas ändern, und die Lösung heißt synodale Kirche. Weil man im Leben aber nunmal nicht alles haben kann, weil es nunmal zum Erwachsensein gehört, nicht immer alles haben zu wollen wie ein kleines Kind sondern Prioritäten setzen zu können, muss man sich entscheiden, was für ein Kirchenbild man will UND DANN AUCH WIRKLICH DAZU STEHEN!! Mit allen Konsequenzen! D.h. Man soll nicht behaupten daß man Kirchenreform will, wenn man dann doch wieder vom Papst verlangt, der Diktator zu sein der alles regelt und der alle Exkommuniziert die sich nicht butterweich anpassen.

  • Carla Maltese
    30.06.2019, 22:16 Uhr.

    Franziskus macht hier klar, daß er nicht im geringsten die Absicht hat, den synodalen Prozess der hier beginnen soll irgendwie zu stören. Und erst recht wird er sich von niemandem dazu erpressen lassen. Was er an Richtlinien schreibt, ist gerade mal das nötigste. Genaue Ergebnisse, was da rauskommen soll, wird er nicht liefern, basta! Er wird das ganze nicht zu einer lächerlichen Farce machen indem er vorschreibt was beschlossen werden soll!

    Der Brief klingt schon danach als ob so einige Wichtigtuer bei ihm höchstpersönlich herumgejammert haben von wegen er soll die deutschen römisch-katholischen Bischöfe in die Schranken weisen und so. Aber er klingt auch danach, daß ihn der synodale Prozess wirklich interessiert. Und dabei ist er realistisch genug, daß er genau weiß daß e ihn sofort töten würde wenn er genaueres schreiben würde was er sich als Ergebnis vorstellt.

    Vor 5 Jahren konnte man sich sowas wie einen synodalen Weg in der römisch-katholischen Kirche noch nicht vorstellen.
    Der synodale Weg der da stattfinden soll ist keine ausgewachsene sturmerprobte Eiche. Er ist ein gerade geschlüpfter Jungbaum und entsprechend empfindlich. Ein Papst kann ihn mit einem Wort zuviel fressen wie ein Reh.
    Genauso können ihn aber auch Vorausnörgler die alles einfach nur schlechtreden können zertreten.

  • Carla Maltese
    30.06.2019, 22:26 Uhr.

    Franziskus macht hier nicht zuletzt auch seiner Herkunft Ehre:
    Er ist nicht nur mit Leib und Seele Priester, er ist tief drin auch noch gelernter Chemietechniker!
    Und als solcher wartet er auf realistische Analyseergenisse, statt ein unrealistisches Kirchenbild allen aufzwingen zu wollen.

    Wenn ich das von früheren Artikeln noch richtig in Erinnerung habe, aus einer Zeit die ich vermisse, da die Redaktion noch zu zweit war, also es hier zwei Redakteure gab, dann hat Herr Erbacher mal Franziskus selber auf irgendeinem Flug gefragt was für theologische Bücher ihn geprägt haben. Und Franziskus hat keine befriedigende Antwort gegeben.
    Vielleicht sollte Herr Erbacher zu Franziskus‘ Prägung an einer anderen Stelle suchen.
    Nämlich im Labor. Wenn man eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, dann hat sie einen auch geprägt.

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      01.07.2019, 8:12 Uhr.

      Der Papst hatte mir seinerzeit durchaus einige Namen genannt. Die Ergebnisse finden sich in den entsprechenden Publikationen zu Franziskus, in denen ich ausführlich über seine Quellen geschrieben habe.

      • Carla Maltese
        02.07.2019, 23:58 Uhr.

        Naja, ich denke schon, daß eben auch die Berufsausbildung eine wichtige Rolle spielt.
        Kann man denn einen Beruf lernen ohne daß der Spuren hinterlässt?

        Darf ich mich vorstellen? Ich bin auch noch gelernte Maschinenschlosserin.

  • Carla Maltese
    30.06.2019, 23:11 Uhr.

    @Silvia, @Wanda:

    Vielleicht sollten Sie sich mal zwei Dinge überlegen:
    a) Was Sie eigentlich von einem Papst verlangen und
    b) Was Sie denn für eine Kirche wollen.

    Wie soll ein Papst sein? So wie Wojtywa?
    Ja, damals gab es noch klare Anweisungen an die sich alle zu halten haben. Keine Freiheiten für einzelne Bischofskonferenzen, neue Wege zu entwickeln, z.B. etwas in Richtung Synodalität zu versuchen. Nichts derart anstrengendes!
    Dann müssen Sie halt auch akzeptieren, was ein diktatorischer Papst beschließt. Mit allen Konsequenzen! Und für nicht ganz „einwandfreie“ Lebensläufe gibt es keine Gnade und keinen Raum.

    Oder soll ein Papst ein Pontifex sein?
    Pontifex heißt Brückenbauer!
    Schon ewig wurde dieser Titel nicht mehr praktisch ausgeübt. So lange schon nicht mehr daß die wenigsten heute wissen was er bedeutet.

    Er kann nicht beides gleichzeitig sein! Er kann nicht Synodalität unterstützen und Pontifex sein UND gleichzeitig Diktator der allen alles vorschreibt und den Ortskirchen das vorschreibt was sie auszuführen haben!

    Ein Papst ist kein Quantenteilchen das mehrere Zustände auf einmal annehmen kann, er ist auch nicht Gott!
    Er ist ein Mensch und hat seine Grenzen. Wojtywas Grenzen waren sehr eng, ein Leben lang kamen sie nicht hinter dem Eisernen Vorhang raus, auch ls der schon längst gefallen war. Siehe das was er den Befreiungstheologen in Lateinamerika angetan hat. Was man menschlich sogar versthen kann, schließlich hat er ja unter dem Ostblockkommunismus gelitten. Aber nicht alles was man menschlich verstehe kann, macht einen für ein bestimmtes Amt geeignet. Ich habe ja auch Verständnis für Farbenblinde, möchte aber nicht daß einer Elektriker wird!

    Selbst Franziskus hat wegen seiner persönlichen Schwärmerei für China einen schlimmen Fehler gemacht und die chinesischen Katholiken ans Messer geliefert.
    Und was in China gerade vor sich geht, ist in keinster Weise harmlos. Exilchinesen warnen vor der Partei, in Hongkong protestieren zehntausende gegen das Auslieferungsabkommen. Und die wissen was los ist!!

    Wenn man das alles nicht mehr will: Eine Zentrale in Rom die keine Ahnung von garnix hat aber meint, das Leben jedes einzelnen Menschen regeln zu dürfen,
    wenn man nicht mehr will daß ein Papst wegen seinen persönlichen Lebenstraumata andere kirchliche Amtsträger rechten Militärdiktaturen ans Messer liefert (Wojtywa und die Befreiungstheologen),
    wenn man keine Kirche mehr will die im Dauergejammer vor sich hinstirbt,
    wenn man nicht mehr in Stillstand, Angst und Lethargie nur darauf warten will was die Bischöfe für Anweisungen aus Rom erhalten die sich dann als brave Handlanger und Sekretäre auszuüben haben,
    dann…
    …muss man sich auf ein anderes Kirchenbild einlassen!
    Das aber auch wirklich mit allen Konsequenzen!

    • Wanda
      01.07.2019, 16:44 Uhr.

      Carla Maltese 30.06.2019, 23:11
      – Ihre gütige Aufforderung zum Überlegen läuft in’s Leere. Bevorzuge dogmen-unabhängiges und selbstständiges Denken: Habe den Mut Dich Deines „eigenen“ Verstandes zu bedienen (Kant) und ziehe dann aufgrund eigener Wahrnehmungen Deine Schlussfolgerungen. Insbesondere begegne allen vorgegebenen, feststehenden oder dogmatischen Leeren mit Skepsis und lasse sie ausser Acht. Deren eigene Historie wird Dich zur Feststellung gelangen lassen, dass sie untauglich sind…
      – Nun aber zum Thema, das auf den Nägeln brennt:
      Mein Interesse an der röm.-kath. Kirche liegt einzig und allein darin begründet, dass sie bei all ihrer Unzulänglichkeit und ihres oft mehr als fragwürdigen historischen Handelns immer noch als politisch unabhängige Institution bei verfahrenen internationalen Angelegenheiten wirken konnte und Gewicht hatte, weil der Papst Millionen nationenübergreifende Gläubige repräsentiert und damit eben auch als relativ neutral gilt/galt. Die kircheninternen, spaltenden Probleme und Streitigkeiten gefährden diese Position, wobei aktuell auch noch ihre moralische Glaubwürdigkeit auf dem Spiel steht, nach all den bis vor kurzem noch unvorstellbaren Verfehlungen und Skandalen des Klerus.
      Ich sorge mich einzig und allein darum, dass man ihr die oa. ausgleichende oder Mittler-Funktion aus den genannten Gründen nicht mehr anträgt oder zutraut und das wäre in der Tat ein sehr bedenklicher mundialer Verlust.

      • Carla Maltese
        02.07.2019, 23:55 Uhr.

        Wenn mir etwas an Atheisten höchst unsympathisch ist, dann die Neigung, ÜBER Christen zu reden statt MIT Christen.
        Also gern darüber zu reden was Kirche angeblich wäre, gern über die ganzen Fehler des Papsttums zu reden, sich aber nicht dafür zu interessieren, was die meisten Christen heute wirklich glauben.

        Niemandem nützt ein noch so tolles Papsttum, wenn die Orte wo der Glaube wirklich lebt, wo die Leute den Glauben wirklich erleben können, zusammenbricht: Die Pfarreien! Die ganz normalen Kirchengemeinden!

        Und ehrlich gesagt entnehme ich Ihren Worten eben doch ein sehr autoritäres starres Kirchenbild: Die römischen Katholiken sollen alle brav dem Papst gehorchen, sich vom Papst sagen lassen was sie denken sollen…
        Doch, das ist schopn ziemlich bevormundend!

        Die Wirklichkeit ist weit komplexer. Ich hatte z.B. eine sehr romkritische Relilehrerin.
        Ehrlich gesagt sind etliche römische Katholiken tief im Herzen längst altkatholisch, nur die Tatsache daß die altkatholische Kirche klein ist und die nächste Pfarrkirche oft einige km entfernt hindert am Konvertieren.

  • Silberdistel
    01.07.2019, 10:10 Uhr.

    Der Begriff „synodaler Prozess“ kommt bereits derart gestelzt daher, das man von vorn herein davon ausgehen darf, das nüscht dabei rausspringt. Außer sich um 360° Grad um die eigene Achse zu drehen, wie in etlichen Präzedenzfällen zuvor. Da kommen umschreibende Worte wie beispielsweise jene, doch ganz anders daher: „Und wie sie es lieben, bei Festessen am Kopfende des Tisches auf dem Ehrenplatz zu sitzen und in der Synagoge auf den besten Plätzen!
    Sie genießen die Beachtung, die ihnen auf der Straße zuteil wird. Besonders gern mögen sie es, wenn man sie mit `Rabbi´ anredet.
    Lasst euch niemals `Rabbi´ nennen. Ihr habt nur einen Meister, und ihr alle seid gleich, wie Brüder und Schwestern.
    Und bezeichnet niemanden hier auf der Erde als `Vater´, denn nur Gott im Himmel ist euer geistlicher Vater.
    Lasst euch auch nicht `Lehrer´ nennen, denn es gibt nur einen Lehrer, und das ist der Christus.
    Der Größte unter euch muss den anderen dienen.
    Diejenigen jedoch, die sich über die anderen stellen, werden gedemütigt werden, und die, die demütig sind, werden erhöht.

    Na von welchem der „Theologen“ stammen diese Worte? 😀

    • Wanda
      02.07.2019, 11:40 Uhr.

      Silberdistel 01.07.2019, 10:10
      – Bingo !
      Und Papst/Papa ist zweifellos vom Wort Vater abgeleitet: erinnert sie an das Buch der Bücher und die darin geschilderten Vorgänge bzw. Worte, auf die sie sich immer gern berufen (aber nur wenn es denn gerade passt).

    • Carla Maltese
      02.07.2019, 23:34 Uhr.

      Vorausjammern und alles schlechtmachen bevor es überhaupt richtig angefangen hat ist halt immer bequemer und leichter als sich tatsächlich auf einen neuen Weg einzulassen!!

      Sich drauf einzulassen daß tatsächlich etwas bedeutendes stattfinden könnte, ist halt furchtbar anstrengend, nicht wahr?
      Schon weil man dabei eigene Selbstgerechtigkeit überwinden muss.

  • bernardo
    01.07.2019, 11:22 Uhr.

    Es ist ganz einfach: Es gibt in Deutschland kein pilgerndes Gottesvolk, sondern nur noch Reste eines pilgernden Gottesvolks. Dafür gibt es ein Übermaß an Struktur und einen verschwindenden Rest an Geist.

    Was den „synodalen Weg“ angeht, so ist dieser in den „Erläuternden Vorbemerkungen“ der Konstitution „Lumen Gentium“ klar genug beschrieben: Von dem Kollegium, das es ohne Haupt nicht gibt, wird gesagt: „Es ist ebenfalls Träger der höchsten und vollen Gewalt über die ganze Kirche.“ Das anzunehmen ist notwendig, damit die Fülle der Gewalt des Bischofs von Rom nicht in Frage gestellt wird. Denn bei dem Kollegium wird sein Haupt immer und notwendigerweise mitverstanden, das in dem Kollegium sein Amt als Statthalter Christi und Hirt der Gesamtkirche unverkürzt bewahrt. Mit anderen Worten: Die Unterscheidung waltet nicht zwischen dem Bischof von Rom einerseits und den Bischöfen zusammengenommen anderseits, sondern zwischen dem Bischof von Rom für sich und dem Bischof von Rom vereint mit den Bischöfen. Da aber der Papst das Hauptdes Kollegiums ist, kann er allein manche Handlungen vollziehen, die den Bischöfen in keiner Weise zustehen, z. B. das Kollegium einberufen und leiten, die Richtlinien für das Verfahren approbieren usw.“ Der synodale Weg ist kein Sonderweg einer wie auch immer „demokratisch“ verfassten deutschen Nationalkirche.

    Es wäre wünschenswert gewesen – und Wanda und Silvia haben den Mangel an Klarheit deutlich genug benannt -, Franziskus hätte mehr „Tacheles“ geredet, so wie er es mit der Kurie ja zu tun pflegt. Ich vermute, der Mangel an Klarheit ist der Tatsache geschuldet, dass Franziskus doch die Traditionen nicht aufzugeben gewillt ist (entweder aus Anhänglichkeit oder aus Furcht, einem Schisma den Weg zu bereiten), aber auch seine progressiven Anhänger nicht enttäuschen will, die eine ganz andere, protestantisierte Kirche wollen.

    Mit Belustigung habe ich gelesen, dass die Enzykliken von Papa Wojtyla schwammig waren.

    • Carla Maltese
      02.07.2019, 23:29 Uhr.

      *Seufzer* Also nochmal:
      ENTWEDER sagt Franziskus den deutschen Bischöfen was sie beschließen sollen ODER es gibt einen synodalen Weg. Beides geht nicht!
      Entweder Eis oder Kuchen!
      Entweder Meer oder Berge im Urlaub!

      Ich erinnere mich noch an meine Anfangszeit hier im Blog, da gab es den Fragebogen zur Familiensynode. Und, da darf ich mich mal selber loben: Außer mir konnte sich keiner vorstellen, daß dieser Fragebogen tatsächlich an die einzelnen Gläubigen gerichtet war, auch die Redaktion nicht, die damals noch zu zweit war. Damals erst erfuhr ich, daß es schon länger solche mehr oder weniger regelmäßigen Bischofsversammlungen in Rom gegeben haben soll. Die aber alle derart lächerliche Nullnummern gewesen sein müssen, daß sie der Erwähnung nicht wert waren: Da soll es nur darum gegangen sein, die Beschlüsse des Papstes abzunicken.

      Das schlimmste was Franziskus machen könnte wäre, den synodalen Weg in Deutschland zu einer solchen lächerlichen Farce verkommen zu lassen indem er jetzt schon verschreibt was am Ende rauskommen soll.

      Und es ist nicht Franziskus‘ Schuld, daß das mit dem „pilgernden Gottesvolk“ in Lumen Gentium zum Gummiparagraphen verkam, weil sich die Konzilsteilnehmer doch nicht trauten, die Kompetenzen des Papstes auf ein vernünftiges Maß einzugrenzen.

  • Erasmus
    01.07.2019, 19:58 Uhr.

    Ein ernsthaftes Beschreiten eines synodalen Weges wird zum Ziel haben, über bereits Etabliertes hinauszukommen und Neuerungen zu initiieren. Allerdings ist die Würzburger Erfahrung die, dass mühsam errungene Synodenergebnisse wie „Laienpredigt“ und „Diakonat der Frau“ dann von Rom im Nachhinein kassiert wurden.

    Mein Wunsch wäre eine veränderte katholische Morallehre, insbesondere eine Neubewertung der Homosexualität. Liest man die Ausführungen der Würzburger Synode zu dieser Thematik, so ist es höchste Zeit zu einer Neukonzeptionierung zu kommen.

    Um einen Eindruck zu vermitteln, zitiere ich aus dem Synodenpapier ‚Sinn und Gestaltung menschlicher Sexualität‘ von 1973:
    … dass wir es bei der gleichgeschlechtlichen Zuneigung „nicht einfach mit
    einer beliebigen Variante menschlicher Sexualität zu tun haben, sondern dass man
    tatsächlich von einer Einschränkung der Existenzmöglichkeiten sprechen muss,
    insofern die Möglichkeit der Bereicherung durch das andere Geschlecht wegfällt. … Wenn der Homosexuelle zur Erkenntnis kommt, in seinem konkreten Fall bestünden
    keine Chancen zu einer grundlegenden Persönlichkeitsveränderung, so sollte
    er doch wissen, dass die ihm eigene Fähigkeit zum zwischenmenschlichen Kontakt auch positive Möglichkeiten zur Gestaltung seiner Lebenssituation aufweist. Ziel der Selbstwerdung eines Homosexuellen sollte nicht die Verdrängung seiner Sexualität sein, sondern eine sinnvolle Gestaltung der sexuellen Kräfte (Sublimierung). Sublimierung bedeutet hier nicht etwa Umwandlung des Ungeistigen in Geistiges; die Sexualität als solche wird nicht verwandelt, sondern eingeordnet in ein umfassendes, menschliches Gesamtverhalten.“
    Nach Sigmund Freud bedeutet Sublimierung „den Vorgang der Modifikation von Triebenergie in künstlerisch-schöpferische, intellektuelle oder allgemeiner in gesellschaftlich anerkannte Interessen, Tätigkeiten und Produktionen.“ (Wikipedia)

    Was die Synode unter umfassender Einordnung versteht, wird einige Sätze später deutlich: „Vor allem ist von jedem Homosexuellen zu fordern, dass er keinen anderen … in das Schicksal des Homosexuellen hineinzieht.“

    Ich meine, dass eine Synode heutzutage ganz anders formulieren würde, und das könnte immerhin ein Pflock sein, den man auf dem Weg zu einer neuen kirchlichen Sexualethik einschlagen könnte.

    • Carla Maltese
      02.07.2019, 23:08 Uhr.

      So wie ich das aus der etwas nüchterneren Entfernung einschätze, war eben auch Papst Montini einer der drauf Wert gelegt hat daß er allein das Sagen hat und das Kirchenvolk nix zu melden hat!
      Gut, das Zweite Vatikanum hat er von Roncalli geerbt und weiterlaufen lassen, aber ich glaube nicht daß er es initiiert hätte. Immerhin hat er die Umstellung von alter auf neue Messe zugelassen. Das eine oder andere an Pomp der im Fernsehzeitalter nurnoch lächerlich wirkte hat er abgeschafft, genau wie den Index der verbotenen Bücher.
      Aber alles in allem blieb das starre autoritäre Kirchenbild…

      Zur Homosexualität kann man schon sagen:
      Mal ehrlich, ich frage mich, wie weit wir in Sachen kritisches Nachdenken über Sexualität ohne Homosexuelle wären.
      Früher war es ja so: Der Mann hatte das Sagen, die Frau war Untertan. Und in den ersten Jahren der Bundesrepublik war man trotz Gleichberechtigungsparagraphen da noch lange nicht raus. Ehrlich gesagt war der Paragraph eine Farce! Eine Frau durfte keinen Sex haben, jedenfalls war das noch in der jungen Bundesrepublik ziemlich schlecht angesehen, wenn sie nicht verheiratet war, also einem Hausherrn unterworfen. Also war das alles immer auch hierarchisch. Wenn ein Partner dem anderen von heute auf morgen die Berufstätigkeit untersagen kann, das Führen eines Bankkontos oder das Absolvieren eines Führerscheines untersagen kann, dann ist in der ganzen Beziehung ein Machtgefälle! Dann hat Sex auch immer mit Macht und Unterwerfung zu tun.
      Bei Homosexuellen dagegen gibt es logischerweise keinen Rangunterschied.
      Vielleicht waren es gerade die Homosexuellen die einige notwendige Denkprozesse angeregt haben…

      Und vielleicht sollte man Transsexuelle nicht so sehr bemitleiden sondern mehr respektieren.
      Denn sie haben ein wertvolles Gut zu bieten: Sie kennen sich in den Welten beider Geschlechter aus.
      Schließlich müssen sie ja definieren können, warum sie das eine nicht sind, sondern das andere.

  • Silvia
    02.07.2019, 8:28 Uhr.

    Sehr interessant ist der heutige (2. Juli) Standpunkt von Björn Odenthal auf katholisch.de

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