Papst schreibt Brief an deutsche Katholiken

Ermutigung und Ermahnung steckt in dem Brief von Papst Franziskus „an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“, der heute veröffentlicht wurde. Anlass ist der „synodale Weg“, den die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit den katholischen Laien in der Folge des Missbrauchsskandals starten will. Dabei soll es um drei Schwerpunkte gehen: Macht, Sexualmoral und die Lebensform der Priester. Die katholischen Laien wollen auch über das Thema „Frauen und Ämter“ sprechen. Darüber gibt es Diskussionen mit den Bischöfen. Die sind sich untereinander allerdings auch nicht einig, ob ein solcher Weg angebracht ist und wie er aussehen soll. Der Papst geht in seinem Brief nicht auf einzelne Themen ein. Er mahnt zur Einheit mit der Weltkirche, möchte aber zugleich „zur Suche nach einer freimütigen Antwort auf die gegenwärtige Situation ermuntern“. Und er fordert alle Seiten dazu auf, aufeinander zu hören und miteinander zu sprechen.

Wohin führt der Weg der Kirche? Darum soll es beim „synodalen Weg“ der Deutschen Bischofskonferenz gehen. (Quelle: dpa)

Kirche nicht auf „erleuchtete Gruppe reduzieren“

Franziskus möchte mit seinem Brief einige Leitplanken und Orientierungspunkte geben. Das eine ist die Einheit mit der Weltkirche. Es gehe darum, „sich gemeinsam auf den Weg zu begeben mit der ganzen Kirche unter dem Licht des Heiligen Geistes“. Er warnt vor einem zu schnellen Vorgehen. Mit Verweis auf den Theologen Yves Congar stellt er fest: „Die aktuellen Herausforderungen verlangen im Blick auf die Entwicklung eines gesunden aggiornamento‚ einen langen Reifungsprozess und die Zusammenarbeit eines ganzen Volkes über Jahre hinweg‘“. Ganz im Sinne seiner Amtsführung unterstreicht er die Bedeutung von Prozessen „statt nach unmittelbaren Ergebnissen mit voreiligen und medialen Folgen zu suchen, die flüchtig sind wegen mangelnder Vertiefung und Reifung“. Es brauche mehr als nur einen „strukturellen, organisatorischen oder funktionalen Wandel“, ist der Papst überzeugt. Zugleich warnt er davor, sich „zu sehr in Fragen zu verbeißen, die begrenzte Sondersituationen betreffen.

Zentral müsse die Frage sein, wie die Evangelisierung wieder ins Zentrum kirchlichen Handelns gestellt werden könne. Es gehe darum, „nahe am Leben der Menschen zu sein“, „die Zeichen der Zeit zu erkennen“, was nicht gleichbedeutend sei „mit einem bloßen Anpassen an den Zeitgeist“. Dabei warnt er vor mehreren Versuchungen: zum einen davor Praktiken und Gewohnheiten zurückgewinnen zu wollen, „die in anderen kulturellen Zusammenhängen einen Sinn ergaben“, zum anderen davor, „das Volk Gottes auf eine erleuchtete Gruppe reduzieren zu wollen“, und auch davor, „in geschützten und bequemen Positionen zu verharren“. Er fordert dazu auf, „an die Ränder zu gehen, um uns selbst zu finden und besser auf den Herrn zu hören“. Deutlich ist die Mahnung, dass man sich „als apostolischer Körper gemeinsam auf den Weg“ begeben solle, „auch wenn wir nicht in gleicher Weise denken“. Ein klarer Appell an diejenigen, die sich dem Weg verweigern wollen.

Einheit mit der Weltkirche

Immer wieder erinnert er an den „sensus ecclesiae“, betont aber zugleich: „Das bedeutet nicht, nicht zu gehen, nicht voranzuschreiten, nichts zu ändern und vielleicht nicht einmal zu debattieren und zu widersprechen, sondern es ist einfach die Folge des Wissens, dass wir wesentlich Teil eines größeren Leibes sind“. Dieser Sensus, so Franziskus, erinnere allerdings auch „an die Schönheit des vielgestaltigen Angesichts der Kirche“. Diese gebe es nicht nur in der „räumlichen Perspektive“ sondern auch in der „zeitlichen Wirklichkeit“. Auch das ein klares Signal, dass sich Dinge verändern können.

Der Papst gibt die klare Vorgabe, dass der „synodale Weg“ in Deutschland im Einklang mit der Weltkirche vollzogen werden muss. Das dürfte nie von irgendjemand bezweifelt worden sein. Niemand rechnete damit, dass die deutschen Bischöfe am Ende des Wegs im Alleingang das Frauenpriestertum einführen oder die Vollversammlung der Bischofskonferenz durch ein demokratisch gewähltes Kirchenparlament ersetzen werden. Deshalb bedeutet die Mahnung des Papstes keine Absage an das Vorhaben oder eine Einschränkung. Der Papst gibt keine konkreten Themen vor und schließt keine Themen aus. Er stellt lediglich fest: „Was dieser [„synodale Weg“] konkret bedeutet und wie er sich entwickelt, wird sicherlich noch tiefer in Betracht gezogen werden müssen.“

Papst würdigt Kirche in Deutschland

Der „synodale Weg“ kann starten. Es liegt an den Bischöfen, diesen nun „freimütig“ anzupacken. Wie künftig die „Einheit mit der Weltkirche“ und das „vielgestaltige Angesicht der Kirche“ zueinander sich verhalten werden, wird sich parallel zum „synodalen Weg“ vielleicht auch weiterentwicklen. Hier dürfte die Amatonassynode im Herbst neue Akzente setzen, die dann auch für die Beratungen in Deutschland von Bedeutung sein dürften. Aus den Worten des Papstes wird die Mahnung erkennbar: geht einen Weg, hört einander zu und redet miteinander mit Respekt. Einige Worte erinnern durchaus an das Vokabular des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Etwa wenn Franziskus zu Beginn des Briefes schreibt: „Wir sind uns alle bewusst, dass wir nicht nur in einer Zeit der Veränderungen leben, sondern vielmehr in einer Zeitenwende, die neue und alte Fragen aufwirft, angesichts derer eine Auseinandersetzung berechtigt und notwendig ist.“

Dass Franziskus einen eigenen Brief schreibt an „das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ ist ungewöhnlich. Seine wertschätzenden Worte zu Beginn des Schreibens über das kirchliche Leben lassen aufhorchen. Könnte man doch seine sonst gerne geübte Kritik an einer überstrukturierten Kirche nahelegen, dass er die Situation in Deutschland kritisch sieht. Aus dem Brief spricht viel Anerkennung. Franziskus bietet seine Begleitung in unruhigen Zeiten an. Er signalisiert Offenheit für den synodalen Weg. Ob der Brief hilft, Vertrauen zurückzugewinnen wird davon abhängen, wer in der Interpretation der nächsten Tage die Deutungshoheit gewinnt.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

27 Kommentare

  • Silvia
    29.06.2019, 12:40 Uhr.

    Ich habe das vollständige Schreiben auf vatican.news gelesen.

    Mein Eindruck: Viele Worte und wenig bis gar nichts Konkretes. Also der übliche Stil päpstlicher Dokumente in diesem Pontifikat.

    Irgendwie erinnert mich das an ein Aussitzen von Problemen und auf Zeitgewinn hinarbeiten, also Gläubige und Klerus hin zuhalten.

    Mich erinnert das auch sehr ungut an den „Gesprächsprozess“, den wir vor ein paar Jahren mal hatten, der mit viel Hoffnung begonnen wurde, sich jahrelang hinzog und zu keinem einzigen, konkreten und umsetzbaren Ergebnis geführt hat.

    Die Kirche beschäftigt sich mit sich selbst und dreht sich dabei im Kreis, dh., sie ist in Bewegung ohne vorwärts zu kommen.

    ich erlebe das nun schon seit rund 55 Jahren, was sehr ermüdend ist. Mit meinen 68 Jahren sage ich mir inzwischen, ich lebe und praktiziere meinen Glauben so gut ich kann und all die kirchlichen „Aufbruchs – und sonst was Prozesse“ sind mir inzwischen wurscht.

    Wenn man aufbrechen will muss man zumindest vorher wissen, wohin die Reise gehen soll.

    Kann sein, dass ich meine Haltung unter einem zukünftigen Papst wieder ändern werde, sofern ich den noch erleben werde.

    • Novalis
      30.06.2019, 12:50 Uhr.

      Sie wissen, wohin die Reise geht? Ich nicht, und das ist gut so. Die Zukunft ist nur für EINEN vorhersehbar 😉
      Übrigens eine glatte Lüge, dass Franziskus schwammig ist. Lesen Sie mal Enzykliken von JP2, das ist Geschwurbel. Franziskus stellt sich eindeutig hinter den synodalen Prozess. Vermutlich hätte er auch nichts gegen eine Synode wie die Würzburger Synode gehabt. Die haben ja andere ausgebremst, die die liebe Silvia sonst für toll hält.

    • Wanda
      30.06.2019, 16:38 Uhr.

      Silvia 29.06.2019 12:40
      – Fast einhellige Meinung in den Medien. Selbst die Franziskus bisher durchaus wohlgesonnenen überregionalen Blätter, ua. die WELT, FAZ und ZEIT, reagieren ziemlich ratlos, was er mit diesem verschwurbelt formulierten Brief an „das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ eigentlich sagen will.
      – Ich persönlich habe den Eindruck des „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“…

      • Novalis
        01.07.2019, 11:29 Uhr.

        Die FAZ war Franziskus noch nie wohlgewogen und den Beitrag von Hoff haben soe wohl missverstanden

    • Wanda
      30.06.2019, 16:57 Uhr.

      Silvia 29.06.2019, 12:40
      – meine selige Mutter war da ganz pragmatisch. Sie blieb trotz eines schweren Schicksals strikt gläubig aber nicht so wie es die schwarz gekleidete kirchliche Herrenkaste mit ihrer Deutungshoheit gern gesehen hätte. Sie sagte immer: „Ich dulde keine Türsteher, Vorzimmer, Mittelsleute und Zuträger zwischen meinem Herrgott und mir. Und wenn ich ihm etwas zu sagen habe, dann sage ich ihm das persönlich“…
      Die Reaktion meiner sanften aber kirchengehorsamen Grossmutter ist mir heute noch erinnerlich „Kind, versündige Dich nicht“…

  • Novalis
    29.06.2019, 16:07 Uhr.

    Ein äußerst erfreuliches Schreiben, das m.E. doch recht deutlich Kritiker, Bremser und Nörgler wie Zdarsa und Voderholzer in Schranken weist. Um letzteren wird es einsam. Nicht einmal mehr Oster springt Voderholzer bei seinen regressiven Böhmenphantasien und AfD-Tendenzen bei. Unbedingt lesenswert ist der Versuch von Voderholzers Generalvikar, der Missbrauchsopfer mit Serienbriefen abfertigte, sich den Papstbrief umzulügen. Da ist die Verzweiflung schon so groß wie bei anderen Lügnern, die deutsche Kardinäle als Rassisten diffamieren.

    • Wanda
      01.07.2019, 3:30 Uhr.

      Novalis 20.06.2019, 16:07
      – Sie sind wohl der Einzige, der dieses alles und nichts sagende Schreiben von Franziskus als recht deutlich empfindet oder (besser) zu interpretieren versteht. mein Hochachtung und Glückwunsch !
      Mir und vielen anderen ist diese analytische Fähigkeit leider nicht gegeben. Wir bleiben ratlos zurück.
      – Bin gespannt wie sich der deutsche Kirchenadel dazu äussert. Vermutlich werden sich die doch ziemlich gegensätzlichen Lager jedes auf seine Weise bestätigt fühlen. Wieder einmal ein echter Franziskus ! Wie heisst es so schön ironisch in seiner spanischen Muttersprache ? „zero grados: ni frio – ni calor“

      • Novalis
        01.07.2019, 11:31 Uhr.

        Sie haben den Brief scheinbar nicht gelesen.

        • Wanda
          02.07.2019, 12:03 Uhr.

          Novalis 01.07.2019, 11:31
          – Doch, aber ich habe ihn auch verstanden. Inhalt: im Grunde genommen Heissluft, jeder (gleich welchen Lagers) darf sich bestätigt und ermutigt fühlen.
          Und vielleicht lesen Sie nochmal nach was Synoden so alles zustande bringen. Vielleicht auch die Ergebnisse der hier oft erwähnten Würzburger Synode mit ihrer von @Erasmus zitierten Einordnung und Forderung an die Homosexuellen ?

      • Silvia
        01.07.2019, 16:09 Uhr.

        Wanda
        01.07.2019, 3:30 Uhr.

        Wie man inzwischen hier im Blog lesen kann, ist Novalis nicht der einzige, der das letzte Schreiben des Papstes klar und eindeutig findet.

        Es gibt Leute, die die Taktik des Papstes bis heute nicht durchschauen können oder wollen.

        Er drückt sich grundsätzlich so aus, dass alle innerkirchlichen Lager sich „irgendwie“ bestätigt fühlen können.

        Damit löst er jedesmal Streit und Verwirrung aus und die innerkirchlichen Gräben werden immer tiefer.

        Von wegen Pontifex = Brückenbauer. Er reißt doch die letzten Brücken ein.

        • Novalis
          02.07.2019, 8:18 Uhr.

          „Er drückt sich grundsätzlich so aus, dass alle innerkirchlichen Lager sich „irgendwie“ bestätigt fühlen können.

          Damit löst er jedesmal Streit und Verwirrung aus und die innerkirchlichen Gräben werden immer tiefer.“

          Warum sollten die Gräben tiefer werden, wenn sich (angeblich) alle bestätigt fühlen? Die Gräben würden doch nur tiefer werden, wenn ein Papst nur immer ein Lager – sowie das Benedikt mit der rechtsreaktionären Minigruppe getan hat – bestätigt. Deine Logik, meine liebe Silvia, ist wirr.

          • Silvia
            02.07.2019, 20:39 Uhr.

            Novalis
            02.07.2019, 8:18 Uhr

            1) Ich kann mich nicht erinnern, Ihnen das „Du“ angeboten zu haben.

            2) Wenn sich die „feindlichen“ Lager beide bestätigt fühlen können, was wird dann wohl passieren? Sie werden sich bekriegen, weil jeder zu wissen glaubt, dass das gegnerische Lager auf dem Holzweg ist. Aber das wissen Sie selbst gant genau.

  • neuhamsterdam
    29.06.2019, 20:20 Uhr.

    »Zentral müsse die Frage sein, wie die Evangelisierung wieder ins Zentrum kirchlichen Handelns gestellt werden könne. Es gehe darum, „nahe am Leben der Menschen zu sein“, „die Zeichen der Zeit zu erkennen“, was nicht gleichbedeutend sei „mit einem bloßen Anpassen an den Zeitgeist“.«
    Was kommt dann? Wenn die ganzen Missbrauchsthemen durchdiskutiert sind und Maßnahmenpakete durchgesetzt sind und sich in der Frauenpriesterweihefrage die Ernüchterung durchsetzt, daß dieses die Katholiken fast durchgehend irritieren würde, wenn von Jedem schon alles gesagt wurde… was dann?
    Dann wird man sich aus Mangel an Aufregendem und Interessantem wieder der Verkündigung des Evangeliums zuwenden – wobei das wieder für die nachwachsende Generation eine neue Erfahrung sein wird. Das ist alles eine leicht vorauszusehende Entwicklung weil diese einfach nur folgerichtig aus der jetzigen Situation hervorgeht.
    Dann denke ich wieder an die Weissagung vom Mühlhiasl, der gesagt hat: „Überall wird das Evangelium verkündet, aber es kehrt sich keiner mehr daran.“ Auch das wird wohl passieren, denn die Technisierung der Welt lässt kaum mehr Platz für übernatürliches Geschehen, das überdies noch fordert, darauf zu vertrauen ohne davon direkt einen sichtbaren Nutzen zu haben und wenn dann ist dieser Nutzen nur gering. „Der Glaube wird so schwach sein, dass man ihn mit einer Geißel abhauen kann“, meinte Mühlhiasl. Bei den Leuten, die die Kirche nur noch als Dienstleister begreifen, ist das auch naheliegend.

    • Novalis
      30.06.2019, 12:51 Uhr.

      Mühlhiasl? Dieser Scharlatan aus Bayern? Wie unseriös ist das denn!

  • Wanda
    29.06.2019, 20:39 Uhr.

    Typisch Franziskus: schwammig, nicht Fisch noch Fleisch. Damit überlässt er (wie Herr Erbacher zutreffend betont) die Interpretation den Deutungsstärksten.
    P.S. amüsante aber rätselhafte Formulierung „das pilgernde Volk Gottes in DEU“.
    Vielleicht stehe ich ja auf der Leitung: versteht das jemand ?

    • Silvia
      30.06.2019, 11:29 Uhr.

      Wanda
      29.06.2019, 20:39 Uhr

      „Das pilgernde Volk Gottes“ ist ein feststehender, relativ häufig verwendeter Begriff, den ich verstehe, weil ich ihn kenne.

      Was genau damit gemeint ist, lasse ich hier bewusst offen, um mir nicht wieder den Vorwurf von theologischer Seite zuzuziehen, ich würde hier Falsches verbreiten.

    • Novalis
      30.06.2019, 12:54 Uhr.

      Was soll am „pilgernden Gottesvolk“ so unverständlich sein? Seit dem 2. Vatikanum begreift sich die Kirche nicht nur als mystischer, hierarchisch organisierter Leib Christi, sondern als pilgerndes Gottesvolk, das, wie Israel in der Wüste, auf dem Weg ins gelobte Land ist, das es nicht kennt, ihm aber verheißen ist. Da hat aber jemand, der zu jedem und allem in der Kirche was zu sagen hat, echt schlecht aufgepasst!

      • Wanda
        02.07.2019, 0:28 Uhr.

        Novalis 30.06.2019, 12:54
        – Ach so ? Wer ist denn DIE Kirche ? Dieser hierarchisch organisierte Priesteradel oder vielleicht doch eher das gläubige Fussvolk, welches wie man wohl in letzter Zeit zweifellos feststellen kann, die vorgenannten Deutungshoheiten zunehmend (und wohl im Sinne des Nazareners) kritisch sieht und ablehnt ?
        – Lese ich da etwa die Meinung/Überzeugung des folgsam getreuen Amtskirchen-Anhängers ? „Mystischer, hierarchisch organisierter Leib Christi“. Darauf muss man erst einmal kommen: ein hierarchisch organisierter Leib etc…
        Wenn Jesus humorvoll war und davon gehe ich aus, hätte er sich vermutlich über seinen angeblich hierarchischen organisierten Körper gekringelt…

        • Novalis
          02.07.2019, 8:23 Uhr.

          „Lese ich da etwa die Meinung/Überzeugung des folgsam getreuen Amtskirchen-Anhängers ? „Mystischer, hierarchisch organisierter Leib Christi“. Darauf muss man erst einmal kommen: ein hierarchisch organisierter Leib etc…“
          Da es Ihnen am Leseverständnis gebricht: Ich habe die Überzeugung der Kirche bis einschließlich des Pontifikats Pius XII. referiert. Die Leib-Christi-Metapher ist biblisch, die hierarchische Strukturierung kam im Mittelalter hinzu und wurde spätestens unter Pius XII. „perfektioniert“ gelehrt. Kritisieren Sie den dafür. *

          * Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

  • Silberdistel
    30.06.2019, 20:44 Uhr.

    Nicht nur das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ braucht die 10 Gebote und benötigt die Reden Christi. Den footprint also von dem, was wir er/sie/es ´Gott´ nennen und der so in den verschiedenen Weltreligionen zu finden ist. Nach dem die ganze Welt erkennbar und immer auf´s Neue lechzt. Ist doch ganz einfach und mit viel Segen zu leben.
    Was wir nicht brauchen ist Brimbroium und Bim Bam! Also Egoismen sowie Eifersüchteleien von und unter Theologen selbst ernannter „Konfessionen“, die letztlich nur dazu geeignet sind das ´Volk Gottes´ untereinander zu spalten. Jenen -logen aber ein gutes materielles Dasein garantieren. Ich glaube, Papst Franziskus hat das begriffen 😀

  • Silberdistel
    01.07.2019, 10:10 Uhr.

    Der Begriff „synodaler Prozess“ kommt bereits derart gestelzt daher, das man von vorn herein davon ausgehen darf, das nüscht dabei rausspringt. Außer sich um 360° Grad um die eigene Achse zu drehen, wie in etlichen Präzedenzfällen zuvor. Da kommen umschreibende Worte wie beispielsweise jene, doch ganz anders daher: „Und wie sie es lieben, bei Festessen am Kopfende des Tisches auf dem Ehrenplatz zu sitzen und in der Synagoge auf den besten Plätzen!
    Sie genießen die Beachtung, die ihnen auf der Straße zuteil wird. Besonders gern mögen sie es, wenn man sie mit `Rabbi´ anredet.
    Lasst euch niemals `Rabbi´ nennen. Ihr habt nur einen Meister, und ihr alle seid gleich, wie Brüder und Schwestern.
    Und bezeichnet niemanden hier auf der Erde als `Vater´, denn nur Gott im Himmel ist euer geistlicher Vater.
    Lasst euch auch nicht `Lehrer´ nennen, denn es gibt nur einen Lehrer, und das ist der Christus.
    Der Größte unter euch muss den anderen dienen.
    Diejenigen jedoch, die sich über die anderen stellen, werden gedemütigt werden, und die, die demütig sind, werden erhöht.

    Na von welchem der „Theologen“ stammen diese Worte? 😀

    • Wanda
      02.07.2019, 11:40 Uhr.

      Silberdistel 01.07.2019, 10:10
      – Bingo !
      Und Papst/Papa ist zweifellos vom Wort Vater abgeleitet: erinnert sie an das Buch der Bücher und die darin geschilderten Vorgänge bzw. Worte, auf die sie sich immer gern berufen (aber nur wenn es denn gerade passt).

  • bernardo
    01.07.2019, 11:22 Uhr.

    Es ist ganz einfach: Es gibt in Deutschland kein pilgerndes Gottesvolk, sondern nur noch Reste eines pilgernden Gottesvolks. Dafür gibt es ein Übermaß an Struktur und einen verschwindenden Rest an Geist.

    Was den „synodalen Weg“ angeht, so ist dieser in den „Erläuternden Vorbemerkungen“ der Konstitution „Lumen Gentium“ klar genug beschrieben: Von dem Kollegium, das es ohne Haupt nicht gibt, wird gesagt: „Es ist ebenfalls Träger der höchsten und vollen Gewalt über die ganze Kirche.“ Das anzunehmen ist notwendig, damit die Fülle der Gewalt des Bischofs von Rom nicht in Frage gestellt wird. Denn bei dem Kollegium wird sein Haupt immer und notwendigerweise mitverstanden, das in dem Kollegium sein Amt als Statthalter Christi und Hirt der Gesamtkirche unverkürzt bewahrt. Mit anderen Worten: Die Unterscheidung waltet nicht zwischen dem Bischof von Rom einerseits und den Bischöfen zusammengenommen anderseits, sondern zwischen dem Bischof von Rom für sich und dem Bischof von Rom vereint mit den Bischöfen. Da aber der Papst das Hauptdes Kollegiums ist, kann er allein manche Handlungen vollziehen, die den Bischöfen in keiner Weise zustehen, z. B. das Kollegium einberufen und leiten, die Richtlinien für das Verfahren approbieren usw.“ Der synodale Weg ist kein Sonderweg einer wie auch immer „demokratisch“ verfassten deutschen Nationalkirche.

    Es wäre wünschenswert gewesen – und Wanda und Silvia haben den Mangel an Klarheit deutlich genug benannt -, Franziskus hätte mehr „Tacheles“ geredet, so wie er es mit der Kurie ja zu tun pflegt. Ich vermute, der Mangel an Klarheit ist der Tatsache geschuldet, dass Franziskus doch die Traditionen nicht aufzugeben gewillt ist (entweder aus Anhänglichkeit oder aus Furcht, einem Schisma den Weg zu bereiten), aber auch seine progressiven Anhänger nicht enttäuschen will, die eine ganz andere, protestantisierte Kirche wollen.

    Mit Belustigung habe ich gelesen, dass die Enzykliken von Papa Wojtyla schwammig waren.

  • Erasmus
    01.07.2019, 19:58 Uhr.

    Ein ernsthaftes Beschreiten eines synodalen Weges wird zum Ziel haben, über bereits Etabliertes hinauszukommen und Neuerungen zu initiieren. Allerdings ist die Würzburger Erfahrung die, dass mühsam errungene Synodenergebnisse wie „Laienpredigt“ und „Diakonat der Frau“ dann von Rom im Nachhinein kassiert wurden.

    Mein Wunsch wäre eine veränderte katholische Morallehre, insbesondere eine Neubewertung der Homosexualität. Liest man die Ausführungen der Würzburger Synode zu dieser Thematik, so ist es höchste Zeit zu einer Neukonzeptionierung zu kommen.

    Um einen Eindruck zu vermitteln, zitiere ich aus dem Synodenpapier ‚Sinn und Gestaltung menschlicher Sexualität‘ von 1973:
    … dass wir es bei der gleichgeschlechtlichen Zuneigung „nicht einfach mit
    einer beliebigen Variante menschlicher Sexualität zu tun haben, sondern dass man
    tatsächlich von einer Einschränkung der Existenzmöglichkeiten sprechen muss,
    insofern die Möglichkeit der Bereicherung durch das andere Geschlecht wegfällt. … Wenn der Homosexuelle zur Erkenntnis kommt, in seinem konkreten Fall bestünden
    keine Chancen zu einer grundlegenden Persönlichkeitsveränderung, so sollte
    er doch wissen, dass die ihm eigene Fähigkeit zum zwischenmenschlichen Kontakt auch positive Möglichkeiten zur Gestaltung seiner Lebenssituation aufweist. Ziel der Selbstwerdung eines Homosexuellen sollte nicht die Verdrängung seiner Sexualität sein, sondern eine sinnvolle Gestaltung der sexuellen Kräfte (Sublimierung). Sublimierung bedeutet hier nicht etwa Umwandlung des Ungeistigen in Geistiges; die Sexualität als solche wird nicht verwandelt, sondern eingeordnet in ein umfassendes, menschliches Gesamtverhalten.“
    Nach Sigmund Freud bedeutet Sublimierung „den Vorgang der Modifikation von Triebenergie in künstlerisch-schöpferische, intellektuelle oder allgemeiner in gesellschaftlich anerkannte Interessen, Tätigkeiten und Produktionen.“ (Wikipedia)

    Was die Synode unter umfassender Einordnung versteht, wird einige Sätze später deutlich: „Vor allem ist von jedem Homosexuellen zu fordern, dass er keinen anderen … in das Schicksal des Homosexuellen hineinzieht.“

    Ich meine, dass eine Synode heutzutage ganz anders formulieren würde, und das könnte immerhin ein Pflock sein, den man auf dem Weg zu einer neuen kirchlichen Sexualethik einschlagen könnte.

  • Silvia
    02.07.2019, 8:28 Uhr.

    Sehr interessant ist der heutige (2. Juli) Standpunkt von Björn Odenthal auf katholisch.de

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