Papst in Asien – Tag 6

Jede Software braucht ein Update! Das war die Botschaft von Papst Franziskus an die Jugendlichen in Bangladesch. „Es ist, als hätte er uns eine Software eingesetzt, die uns hilft, sein göttliches Programm zu erkennen und in Freiheit darauf zu antworten“, erklärte Franziskus. Das Update funktioniere, indem die Jugendlichen auf Gott hörten und seinen Willen annähmen. Franziskus warnte vor falschen Glücksversprechungen und mahnte die Jugendlichen „mit Offenheit und Akzeptanz denen zu begegnen, die anders handeln und denken als wir.“ Am Morgen hatte er bei einem Treffen mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen davor gewarnt, schlecht über andere zu sprechen. „Hütet eure Zunge“, rief er ihnen mehrere Male zu. Viele Gemeinschaften litten unter Geschwätz, weil das wie eine Bombe wirke. Zuvor besuchte Franziskus ein Haus der Mutter Teresa-Schwestern. Die kümmern sich um Obdachlose, Kranke und Menschen mit Behinderung. Es war ein Termin ohne große Worte. Franziskus ging allein durch die Räume, wo Kranke auf ihren Betten lagen, und grüßte sie einzeln. Anschließend traf er noch mit rund 200 Waisenkindern zusammen. Das waren die einzigen Termine mit sozialem Akzent während der ganzen knapp einwöchigen Reise.

Papst Franziskus sprach beim beim Treffen mit den Priestern, Ordensleuten und Seminaristen heute frei – auf Spanisch. Ein Mitarbeiter des Vatikanischen Staatssekretariats übersetzte ins Englische. (Quelle: Erbacher)

Dialog zwischen Jung und Alt

„Die Weisheit Gottes macht uns offen für die anderen“, erklärte Franziskus beim Treffen mit den Jugendlichen. Er warnte davor, sich in der „eigenen kleinen Welt einzuschließen“. Das Prinzip, „entweder ich will oder tschüss“ führe in eine Falle. „Wenn ein Volk, eine Religion oder eine Gesellschaft zu ‚kleinen Welten‘ werden, verlieren sie ihr höchstes Gut und verfallen in eine arrogante Mentalität nach dem Motto ‚Ich bin gut, du bist schlecht‘.“ Er ermutigte die Jugendlichen, den Dialog mit der älteren Generation zu suchen. „Sie tragen in sich die Erinnerung und die Weisheit der Erfahrung, die uns davor bewahren, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.“ Statt ständige den ganzen Tag mit dem Handy zu verbringen, sollten sie mit ihren Eltern und Großeltern sprechen. „Damit ihr nicht die Welt um euch herum aus dem Blick verliert.“ Franziskus ermutigte die Jugendlichen, sich ihre Begeisterung zu bewahren, auch wenn sie „schlechte Erfahrungen“ machten. Er selbst fühle sich „immer jünger“, wenn er Jugendliche treffe, weil sie „immer voller Begeisterung“ seien.

Vor der dem Papst hatten zwei Jugendliche gesprochen. Sie schilderten ihre Hoffnungen, aber auch ihre Sorgen. Die Studentin, Upasana Ruth Gomes, erklärte, dass viele Jugendliche angesichts der Ungerechtigkeit in der Welt entmutigt seien. Als junge Frau habe sie vor allem den Wunsch, dass die Menschenrechte gewahrt würden. „Dass die Würde jeder Frau anerkannt werde und ihr Aufstieg in der Gesellschaft, wie auch eine größere Beteiligung im Leben der Kirche.“ Während heute bei der Begegnung mit dem Klerus, bei der es auch mehrere Zeugnisse gab, darin die Beschwernisse des Alltags kaum vorkamen, hatten die Jugendlichen den Mut, Probleme zu benennen. Vielleicht ist es das, was Papst Franziskus an Kindern und jungen Menschen schätzt, wenn er immer wieder betont, dass sie einerseits weniger ein Blatt vor den Mund nähmen als die Erwachsenen, andererseits aber auch noch Visionen und Hoffnungen hätten.

Bei der Begegnung mit dem Klerus hatte der Papst spontan frei gesprochen. Das sei „sicher weniger langweilig“, so Franziskus, ob es aber besser sei, wisse er nicht. Seine vorbereitete Rede übergab er Kardinal Rosario, der sie anschließend übersetzen und verteilen solle. In diesem Texte entfaltet Franziskus entlang von drei Stichworten seine Gedanken. Unter der Idee der Verfügbarkeit gehe es darum, „die Welt mit seinen [Gottes] Augen zu sehen und so feinfühliger für die Bedürfnisse derer zu werden, denen wir dienen“. Zweitens gehe um das „Mitleiden mit Christus“. „Das Priestertum und das Ordensleben sind keine Karrieren.“ Sie seien vielmehr Dienst – an den Randgebieten unserer Gesellschaft. Schließlich gehe es um die „Freude der Kirche“. Trotz aller Leiden in der Welt sollten die Priester und Ordensleute nicht das Vertrauen darauf verlieren, dass „die Kraft der Liebe Christi das Böse“ besiege. In seiner improvisierten Rede ging es um die gleichen Inhalte, mit etwas anderen Worten und einigen Anekdoten angereichert.

Gemischte Bilanz der Reise

Es bleiben am Ende der Reise zwiespältige Gefühle. Eigentlich wollte Franziskus ja Bangladesch und Indien besuchen. Als sich die Organisation eines Besuchs in Indien als schwierig herausstellte, entschied man sich im Vatikan kurzerhand, nach Myanmar zu fahren. Da passte es gut, dass vor einem guten halben Jahr beide Länder diplomatische Beziehungen aufgenommen haben. Franziskus wollte die kleine Herde stärken. Das dürfte ihm gelungen sein. Schon allein die Tatsache, dass der Papst sie als kleine Minderheit besucht und damit ihrem Heimatland Aufmerksamkeit verschafft, hilft den Katholiken vor Ort. Das ist ein Effekt, den er mit einem Besuch in Deutschland, Frankreich oder Spanien nicht erzielen würde. Franziskus hat die katholische Kirche als eine „Kirche des Dialogs“ präsentiert, die gewillt ist, Brücken zu bauen, und bereit ist, die Gesellschaft selbstbewusst mitzugestalten.

Gefehlt haben dieses Mal selbstkritische Töne der lokalen Kirchenvertreter in Bezug auf die eigene Kirche und das eigene Land. Bei anderen Reisen nutzten die Bischöfe die Begrüßung des Papstes bei Veranstaltungen, um kritische Punkte in Gesellschaft und Politik zu benennen. Das blieb dieses Mal völlig aus. Das könnte der extremen Minderheitensituation geschuldet sein. Es bleibt aber auch der Makel, dass Franziskus die Arbeiter in Bangladesch nicht eigens in den Blick genommen hat. Dafür hat er als Diplomat gepunktet. Bei den Rohingyas dürfte er einem klaren Plan gefolgt sein. Am Ende ist die Kritik zu diesem Punkt sehr verhalten. Interessant ist, dass Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vor der Reise ein Wort des Papstes zur Krise in Korea in Aussicht gestellt hatte. Doch auch das kam nicht. So wirkt am Ende diese 21. Auslandsreise des Papstes etwas unvollständig.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

Ein Kommentar

  • Silberdistel
    03.12.2017, 13:33 Uhr.

    Es ist doch nicht schlimm das Franziskus speziell die Problematik der Rohingyas nicht ganz konkret beim Namen nannte, denn die deren Situation lag in dem Fall ohnehin ganz greifbar in der Luft. Sodaß unausgesprochenen Worten möglicherweise mehr Bedeutung zukommen, als jenen die schnell und gerne von interessierten Kreisen mißverstanden werden und dann nur den „race to the bottom“ beschleunigen. Klug vom Papst!
    Er verhielt sich also klassisch und gekonnt diplomatisch und empfiehlt sich so weiter für den interreligiösen Dialog. Einem interreligiösen Dialog, dem in unserer heutigen, global konfliktbelasteten Zeit, eine Wichtigkeit zukommt wie nie zuvor.

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