Vatikanumfrage zur Jugendsynode

Wie sieht die Lebenswelt junger Menschen heute aus? Darum geht es in dem Fragebogen, mit dem der Vatikan im Vorfeld der Bischofssynode zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ die Betroffenen in den Beratungsprozess einbinden will. Noch ist nicht klar, welche Rolle die Jugendlichen auf der Synode im Oktober 2018 spielen werden. Denn eigentlich ist es eine Bischofssynode; da ist wenig Platz für Laien. Wie schon beim synodalen Prozess zu Ehe und Familie, der Ende 2013 mit einer weltweiten Umfrage begann, möchte der Papst die Beratungen der Bischöfe erden und sich ein möglichst breites Bild über die Situation der Jugendlichen verschaffen. Seit dieser Woche gibt es den Fragebogen auf der Vatikanseite nun auch in einer deutschen Version. Es fällt auf, dass es bei den Fragen vor allem um die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen geht und nicht um ihre Haltung zu Glaubensfragen oder einzelnen kirchlichen Positionen. Interessant ist, dass der Vatikan der „Präsenz im Internet“ und hier vor allem den „sozialen Netzwerken“ ein eigenes Kapitel widmet.

Papst Franziskus möchte mehr wissen darüber, wie junge Menschen heute Entscheidungen fürs Leben treffen. Dabei soll die Online-Umfrage helfen. (Quelle: reuters)

Was soll die Kirche verbessern?

Wie können junge Menschen Lebensentscheidungen treffen? Welche Faktoren sind ausschlaggebend für eine Familiengründung? Können die jungen Menschen Einfluss nehmen auf die politischen Entscheidungsprozesse in ihrem Land und wie wichtig ist ihnen das? Wer dachte, bei einer Synode die den Begriff „Berufungsentscheidung“ im Titel trägt, gehe es ausschließlich um die Berufung zu geistlichen Berufen, muss spätestens jetzt erkennen, dass es um mehr geht. Entsprechend ist das Kapitel „Religion, Glaube und Kirche“ nur eines von sieben Kapiteln der Vatikanumfrage. Sieben Fragen enthält dieser Abschnitt. Dabei geht es von der Häufigkeit der Teilnahme an religiösen Riten heute und im Alter von 12 Jahren, der Bedeutung des Glaubens für das Leben bis hin zur Frage, wer Jesus für den Antwortenden sei und was er unter Berufung verstehe.

Stets sind die Antworten vorgegeben, auch wenn es um die Einschätzung der Kirche geht. Hier gibt es acht Themenfelder etwa die Frage nach der Bedeutung des sozialen Engagements der Kirche, der Anwesenheit von Missionaren in Entwicklungsländern oder der Katechese? Schließlich will der Vatikan wissen, was die Jugendlichen „dringend verbesserungswürdig in der katholischen Kirche von heute“ halten. Neun Themenbereiche stehen zur Auswahl: Verteidigung der Glaubenswahrheiten, starkes Augenmerk auf Frieden, interreligiöser Dialog, verständliche und heutiger Welt angepasste Sprache, mehr Aufmerksamkeit für soziale Probleme, mehr Aufmerksamkeit für das Gebet, größere Übereinstimmung zwischen dem Verhalten der Kirche und den verkündeten Werten, Lebensschutz- und –förderung, Umgang mit der Umwelt.

Wer prägt junge Menschen?

Ein wichtiges Augenmerk legt der Fragebogen auf die prägenden Größen im Leben der jungen Menschen und die Frage, welche Institutionen aus ihrer Sicht vertrauenswürdig sind. Es geht um die Bedeutung der Arbeit für die Befragten und die Faktoren, die die Lebensplanung und etwa auch den möglichen Kinderwunsch junger Menschen beeinflussen. Bis 30. November haben die Jugendlichen zwischen 15 und 30 Jahren laut Vatikan Zeit, den Onlinefragebogen auszufüllen. Die deutsche Version ist nicht einfach zu finden. Auf der vatikanischen Internetseite zur Synode ist nicht zu erkennen, dass es den Fragebogen auch in deutscher Sprache gibt. So ganz rund läuft es in der Kommunikation des Synodensekretariats nicht. Die deutsche Übersetzung des Vorbereitungsdokuments zur Synode sucht man vergeblich auf der vatikanische Synodenseite.

Denn neben der Online-Umfrage gibt es noch den Fragebogen, den der Vatikan zusammen mit dem Vorbereitungsdokument an die Bischofskonferenzen und Verantwortlichen in der Jugendpastoral in aller Welt verschickt hatte. Die Ergebnisse beider Umfragen sollen am Ende in das Arbeitspapier einfließen, das als Grundlage für die Diskussionen im Oktober 2018 im Vatikan dienen wird. Die Online-Umfrage dürfte aber über dieses „Instrumentum laboris“ hinaus interessant sein, auch wenn sie nicht nicht repräsentativ ist. Daher wäre es wünschenswert, dass der Vatikan die Ergebnisse unabhängig vom Arbeitspapier veröffentlichen würde. Dann könnte man sehen, ob es kontinentale oder regionale Unterschiede gibt bzw. anhand welcher Linien die unterschiedlichen Lebenswelten junger Menschen verlaufen.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

43 Kommentare

  • Wrightflyer
    07.07.2017, 21:24 Uhr.

    Interessant daß man für den Vatikan offenbar bis 30 zu den „Jugendlichen“ zählt…

    „Noch ist nicht klar, welche Rolle die Jugendlichen auf der Synode im Oktober 2018 spielen werden.“
    Eine höhere Beteiligung als die paar Laien als „Verzierungen“ auf der letzten Synode wäre dringend.
    Aber es ist klar daß eine riesige Kirche die sich erst mühsam an das Thema Synodalität rantastet (noch vor 5 Jahren war genau dieses ja bekanntlich praktisch gestorben) ein tragfähiges Konzept wie eine gescheite Synode aussehen soll erst noch finden muss.

    „Es fällt auf, dass es bei den Fragen vor allem um die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen geht und nicht um ihre Haltung zu Glaubensfragen oder einzelnen kirchlichen Positionen.“
    Ja… noch vor 5 Jahren hätte es bekanntlich so einen Fragebogen nicht gegeben, und wenn doch mal Jugendliche gefragt worden wären dann nur danach ob sie die Regeln von Humanae Vitae verstanden hätten und anwenden würden.

    Daß der Fragebogen von 2013 zu Ehe und Familie in der Rohfassung noch recht hilflos wirkte war zu erwarten. Diejenigen die damals daran nur herumgenörgelt hatten waren ganz einfach naiv.
    Mal ehrlich: Weder hat Carl Benz einen Audi A3 gebaut oder einen Opel Astra J, noch haben die Brüder Wright einen Boeing Dreamliner gebaut, oder wenigstens die gute alte 737. Nur muss man halt irgendwo anfangen. So dermaßen tot und begraben wie die Synodalität in der rk-Kirche noch im Februar 2013 war zählte jeder ernsthafte Versuch!

    Aber wies aussieht hat man inzwischen dazugelernt! Man hat zumindest kapiert daß Franziskus tatsächlich die Kirchenbasis befragen will und sich nicht von seinen Kollegen verschüchterte Schönfärbereien servieren lassen will.

    „Stets sind die Antworten vorgegeben, auch wenn es um die Einschätzung der Kirche geht. “
    Hier wäre Verbesserungsbedarf. Vorgegebene Antworten sind schon nicht schlecht, das vereinfacht die Auswertung und gibt den Leuten auch einen Hinweis was die Frage soll, aber man sollte auch Raum lassen für eigene Antworten.

    Ich bin sehr gespannt wie sich die Vorbereitungen zur Jugendsynode und die Synode selbst noch entwickeln.
    Es wird für die rk-Kirche mit sicherheit dein weiterer wichtiger Lernschritt in Sachen Synodalität.

    In dem Sinne äußere ich den persönlichen Wunsch daß wir alle hier im Blog auch aus den von uns begangenen Fehlern im Zusammenhang mit der letzten Synode lernen.
    Wir sollten nicht SCHON WIEDER die Synode niederbrüllen indem wir 95% davon ignorieren und ständig und immer darauf herumreiten was Franziskus in einem einzigen wichtigen Punkt genau angeordnet hätte.
    Synode heißt eben NICHT: Was hat der Papst genau befohlen? Und wer gehorcht am genauesten?

    Äh, noch was:
    Im Herbst 2018 steht noch eine andere Synode an. Würde die Redaktion vielleicht diesmal so freundlich sein wenigstens mal kurz zu erwähnen, daß die andere Synode auch noch stattfindet?

  • Silberdistel
    08.07.2017, 19:35 Uhr.

    Wer, wie, was; wieso, weshalb, warum; wer nicht fragt bleibt dumm. Der pragmatischen Erkenntnis „dem Volk auf´s Maul schauen zu müssen“ (dt. Redensart nach kath. Theologieprof. Martin Luther 1483-1546), ist man hier wohl nicht weiter länger schuldig geblieben.

  • Krakebusch
    09.07.2017, 18:26 Uhr.

    „…zwischen 15 und 30 Jahren…“

    Bedeutet das, dass man mit 31 urplötzlich alt, und mit 45 dann steinalt ist? Von 60 wollen wir gar nicht reden?

    Fühl mich grad so…alt…

    • Wrightflyer
      10.07.2017, 19:21 Uhr.

      🙄 Sie haben Sorgen!

      Ich bin Ende 30 und werde von den meisten Leuten für 10-15 Jahre jünger gehalten! Trotz vereinzelter grauer Haare!

      Das war beim Jahreswechsel 2012/13 so peinlich als ich mein Silvester“arsenal“ besorgt habe und dann an der Kasse nach dem Ausweis gefragt wurde.

      Und dann die Sache mit der Eucharistie:
      In der ak-Kirche bekommt die Gemeinde nicht nur das Brot sondern auch den Wein. Da war ich mal, weil ich in der Stadt gerade 3 Monate gearbeitet hatte, zu Gast in einer Gemeinde wo zusätzlich auch noch Traubensaft konsekriert wird. Okay, ich stehe also ordentlich mit den anderen zur Kommunion Spalier, da kommt doch auf mich tatsächlich… zielsicher… DER TRAUBENSAFT ZU!!
      Ouh, war ich beleidigt…

      Das Problem ist: Versuchen Sie mal mit der Visage, einen etwas höherrangigen Job zu bekommen!
      Es ist zum Verzweifeln…

      Aber prinzipiell ist es schon richtig daß bei der Umfrage eine Altersgrenze gezogen werden muss. Jugend geht nunmal nicht bis 80.
      Und es soll bei der Synode ja um die Jugend gehen, nicht um die älteren Herrschaften.

      • Krakebusch
        11.07.2017, 18:16 Uhr.

        Danke für den Traubensaft. Was ist ein Tag, ohne ordentlich lachen zu können?

        • Wrightflyer
          13.07.2017, 21:58 Uhr.

          Gern geschehen!

        • alberto knox
          14.07.2017, 0:43 Uhr.

          frei nach loriot: möglich, aber nicht sinnvoll.

  • Wrightflyer
    10.07.2017, 23:15 Uhr.

    Ja was flattert einem zu später Uhrzeit denn noch per Facebook zu, wenn man die richtigen Seiten abonniert hat??
    Passt sogar zum Thema Jugendsynode.

    Zwei Musikexperten sollen jetzt im Bistum Essen die Musik umkrempeln und modernere Klänge in den Gottesdienst bringen.
    🙂
    Pop, Rock, Jazz und Latin sollen in Zukunft die Gottesdienste bereichern.
    🙂

    Persönlich finde ich das einen ganz ganz großen Durchbruch.
    Und wer auch immer sich im Vorfeld dafür stark gemacht hat, dem sei Dank und Anerkennung und ein Riesenrespekt.

    Na also, gibt noch Hoffnung für die rk-Kirche!!

    • Suarez
      11.07.2017, 13:54 Uhr.

      Das finde ich auch positiv. Und ich bin sicher, dass das auch der geschmackvolle Liebhaber deutscher Literatur (in Auswahl: Hölderlin) und klassischer Musik (in Auswahl: Beethoven), dem andere offenbar aus Ahnungslosigkeit einen Mangel an kultureller Bildung vorwerfen, sehr gut sieht. Es gibt einfach nicht einen Musikstil, der allein gottgefällig oder seelenerhebend wäre. Wer das von Gregorianik oder frankoflämischer Vokalpolyphonie, von Bach oder Mozart behauptete, lügt.

      • Wrightflyer
        13.07.2017, 21:58 Uhr.

        „Es gibt einfach nicht einen Musikstil, der allein gottgefällig oder seelenerhebend wäre.“
        Absolut meine Meinung!

        Es gibt unendlich viel schöne Musik! Manche kommt mit Orgel daher, manche mit E-Gitarre, manche mit Akustikgitarre, manche mit Trompete, manche mit Akkordeon! Es kann nicht jedem alles gefallen, aber die Musik als ganzes HAT es verdient vorurteilsfrei und mit Offenheit bewertet zu werden!

    • Wanda
      11.07.2017, 17:21 Uhr.

      – alles nur kosmetische Versuche, die Grundprobleme der Mutter Kirche werden ausgeklammert…

      • Wrightflyer
        13.07.2017, 21:50 Uhr.

        🙄 Oh, Wanda!

        Sollen die Leute die irgendwo irgendwas ändern können etwa blasiert auf ihrem Arsch hockenbleiben und nix tun außer herumnörgeln? Dadurch löst man keine Probleme! Irgendwo muss man die Ärmel hochkrempeln und anpacken!

        Die Kirchen, gerade die rk-Kirche, hat VIELE Probleme! Und die Kirchenmusik ist eines davon! Besser werden die Dinge nicht wenn man das nicht lösen will bis einem die Idealkirche aus dem All vor die Füße schwebt!

        In meiner Heimat Nr. 1 gibt es einen Spruch wenn man jemanden antreiben will etwas zu tun, der lautet auf Hochdeutsch: „Wartest du auf besseres Wetter?“

        • Wanda
          14.07.2017, 17:37 Uhr.

          Wrightflyer 21:50
          – auf Ihren letzten Absatz bezogen: eben genau das ! Man schiebt die (zugegeben schwierigen) Grundprobleme beiseite, um sich seichteren Alibi-Problemchen zu widmen. Das liefert die Ausrede, man sei ja aktiv, lenkt damit ab und es ist wieder für ein Weilchen Ruhe im Karton.
          Wichtigeres bleibt somit liegen und verharrt weiter im Dornröschenschlaf…

          • Wrightflyer
            15.07.2017, 10:00 Uhr.

            Nein, die Frage ob man die heutige Jugend wirklich in die Gottesdienste integrieren will oder weiter in ab und zu mal stattfindende Jugendgottesdienste abschieben will IST sehr zentral!

            Ist Kirche nur was für Oma und Opa, für die gesetzte bürgerliche Mitte über 60, nörgelige CDU-Stammwähler, oder ist sie für ALLE da? Das drückt sich eben auch sehr zentral über die Musik aus, denn Musik geht in die Seele, hat direkt mit den tiefsten menschlichen Emfpfindungen zu tun.

    • Silberdistel
      11.07.2017, 22:07 Uhr.

      Moderner Pop, Rock, Jazz und Latin machen aus einem Gottesdienst eher eine Pseudoveranstaltung wenn nicht Pipifaxveranstaltung, weil diese Rhythmen moderner Musik meist nicht die „Alpha-Welle“ enthalten. „Alpha-Welle“ oder „Alpha-Rhythmus“ bezeichnet einen gewissen Frequenzbereich, der bestimmte Hirnregionen stimuliert, so in Trance versetzen und sogar zu Visionen führen kann. Gilt auch als „Heilige Welle“. Schamanen, Naturheiler etc. erzeugen sie mit oft stundenlangen Trommeln. In alter geistlicher Musik ist sie meist enthalten.
      Die Leute kommen nicht wegen einer Musik in den Gottesdienst, die sie tagein tagaus, meist viel besser gespielt, anderswo genauso hören können.

      • Silvia
        13.07.2017, 10:37 Uhr.

        Silberdistel
        11.07.2017, 22:07 Uhr.

        Danke für die Erklärung mit der Alphawelle, das wusste ich nicht. Ansonsten volle Zustimmung!

        • Brigitta
          13.07.2017, 14:46 Uhr.

          Von mir absolut keine Zustimmung. Mir erscheint klassische Kirchenmusik immer als Konzert, bei der die hl. Messe herabgewürdigt wird zu einer Begleiterscheinung.
          Diese alten Messen können ihre vorkonziliare Entstehung nicht leugnen, in der die Laien zuschweigen hatten. Dazu kommt eine gewisse Aroganz der Kirchenmusiker, die sich mit moderner Musik nicht auseinander setzen wollen und keine Formen finden, dem Volk die neuen Lieder aus dem neuen Gotteslob beizubringen. Da ist es halt einfacher, die altbekannten zu verwenden.
          Ich fände eine gute Mischung von beidem am besten

          • Silvia
            13.07.2017, 19:53 Uhr.

            Das kann man nicht verallgemeinern. Wir haben eine junge Organistin und singen schon lange die neuen Lieder aus dem neuen Gotteslob. Ferner haben wir zusätzlich zum „normalen“ Kirchenchor einen Kinder – und Teeniechor, der auch regelmäßig im Gottesdienst zum Einsatz kommt, dazu noch einen Kammerchor und zu bestimmten Zeiten findet sich ein Projektchor zusammen, der dann meistens moderne Lieder mit entsprechender Begleitung (also andere Instrumente als Orgel) singt.

            Bei uns wird musikalisch für jeden etwas geboten.

            Mir persönlich gefällt halt Klassik besser, aber eine bunte Mischung wie bei uns kann ich tolerieren (oder weiche an solchen Tagen in eine andere Kirche aus).

          • Wrightflyer
            13.07.2017, 20:40 Uhr.

            @Silvia

            Sie haben natürlich jedes Recht darauf, Ihren Musikgeschmack dort auszuleben wo es angemessen ist.
            Ich habe deswegen ja auch nichts dagegen, ein paar Euro GEZ auszugeben um Opernaufführungen zu finanzieren, obwohl die mich nicht die Bohne interessieren, solange die Öffentlichen auch andere Musik, also moderne Musik, und vor allem politisches Kabarett fördern! Förderung kultureller Vielfalt nennt man das!

            Nur ist die Situation eben diese, daß der Jugend im normalen Gottesdienst ein für die Mehrheit der jungen Leute heute völlig fremdes und in weiten Teilen als quälend empfundesnes Musikempfinden aufgezwungen wird, und das ist NICHT in Ordnung!!
            Die vielen Jugendlichen finden es auch auf lange Sicht garantiert nicht akzeptabel, ständig nur in spezielle Jugendgottesdienste abgeschoben zu werden, während der normale Gottesdienst eben etwas für Oma und Opa bleibt!

          • Wrightflyer
            13.07.2017, 21:15 Uhr.

            @Brigitta
            Vielen Dank für Ihre wahren Worte!! Dem kann ich mich nur anschließen.

            Das ist ja auch mein Problem mit den Fans der sogenannten „klassischen“ Musik: Diese Arroganz, ihre Musik für die einzige Musik überhaupt zu halten und sämtliche modernere Musik für etwas „minderwertiges“ zu halten, für etwas „banales“.
            Das ist nicht nur äußerst arrogant, das ist auch extrem dumm.

            Sicher, niemandem gefällt jede Art von Musik. Die Kids heute hören mir zuviel Seichtes und Schnulziges (aber was sollen sie auch machen? Sie haben nunmal das Pech, UNS als elterngeneration zu haben! Okay, nicht mich persönlich, ich bin kein Elternteil, aber allgemein… Und mehr provozieren als z.B. Rammstein geht nunmal nicht) und Jazz bürstet mich sehr gegen den Strich, da meine ich immer daß die Musiker ihre Instumente ausprobieren. Jazz empfinde ich als sehr zusammenhanglos.
            Aber wer nicht im Geringsten bereit ist sich zu öffnen, nur weil nicht auf jeder Musik das Gütesiegel des gymnasialen Musikunterrichtes klebt, der verpasst unendlich viel!

            Bevor ich nach Argentinien ging mochte ich z.B. keinen Tango. Gut, ich war dann hauptsächlich im Landesinneren, in Córdoba, da ist Cuarteto wesentlich wichtiger als Tango, aber einige Monate nachdem ich aus Argentinien zurück war, erlebte ich eine Milonga in Hamburg(!) und plötzlich merkte ich… daß ich den Tango verstanden hatte… in Argentinien hatte ich so ganz nebenbei den Tango kapiert… und jetzt mag ich Tango!!

            Ich entdecke auch gerade viel musikalisch überraschend wertvollen 90er-Jahre-Pop aus meiner Jugend wieder.
            „Stay another day“ von East 17, z.B., eine sehr gefühlvolle Hymne.
            Oder „Tonight“ von den New Kids on the Block, da kommen auch Geigen zum Einsatz.

            Wie übrigens auch bei „Amours“ von Louise Attaque. Was da jemand mit einer Geige macht, das dürften nur wenige Orchestergeiger schaffen.
            „Ton invitation“ von Luoise Attaque ist auch eine bemerkenswerte Nummer, finde ich.

            Oder hören Sie sich mal „Temple of Love“ (am besten mit Ofra Haza) und „Lucretia my Reflection“ von den Sisters of Mercy an: Das ist doch auch Musik in der ein ganz großes Können steckt!

            Oder „Sleeping Sun“ von der finnischen Metalband Nightwish!

            Oder die „American Recordings“ von Johnny Cash: Vom Countrykorsett befreit hat er dann mal richtig losgelegt!
            Wussten Sie schon, daß Johnny Cash ordinierter baptistischer Prediger war?

            Kurz zusammengefasst bin ich der Meinung daß sich arg was ändern muss in Sachen Kirchenmusik. Den Geschmack einer gutbürgerlichen älteren Minderheit der Allgemeinheit aufzwingen zu wollen und alle die das nicht mitmachen können in Jugendgottesdienste abschieben, das geht auf Dauer schief.

            Wir sind hier schon auf einem guten Weg. Das ak-Gesangbuch enthält z.B. ein paar sehr schöne Lieder aus Brasilien und so manche Lieder die ich, als ich noch rk war, nur aus dem Jugendgottesdienst kannte. Ich sage nicht daß es der Weisheit letzter Schluss ist, aber es ist ein guter Weg der beschritten wurde.
            Unser bald Exorganist (er geht länger ins Ausland *heul*) traut sich auch mal, „Love is Blue“ oder etwas aus der West Side Story zu spielen.

          • alberto knox
            14.07.2017, 11:35 Uhr.

            @wrightflyer, ich kann mich da nur anschließen. ich bin ja jemand, der opern sehr viel abgewinnen kann. aber ich werde den teufel tun, meinen geschmack anderen aufzuzwingen. und genau das macht gegenwärtige kirchenmusikpraxis. die jungen leute von heute gewinnt man nicht, indem man NUR die musik von vorgestern spielt. das hindert fähige pfarrer und kirchenmusiker ja nicht, junge leute auch für in text und melodie aussagekräftige lieder aus der zeit zwischen 1450-1700 zu gewinnen. schauen sie sich die advent-, weihnachts- und osterlieder aus dieser zeit an! o heiland, reiß die himmel auf; lobt gott, ihr christen alle gleich; wir wollen alle fröhlich sein… und vergleichen das mit dem 19.jahrhundertskitsch. landauflandab wird nachwievor die schubertmesse gesungen, obwohl diese gar nicht den römischen vorschriften beim gloria und sanctus genügt. ich bin weißgott kein rubrizist, und wenn ein pfarrer ein hochgebet frei betet und dieses freie gebet vernünftig ist, ist mir das auch recht; aber wenn bestimmte mindestanforderungen nicht gewährleistet sind, dann platzt mir der kragen.

      • Wrightflyer
        13.07.2017, 21:33 Uhr.

        @silberdistel
        Man sollte die Leute nicht versuchen zu bevormunden wie die ganzen „Ernährungsexperten“ heutzutage die einem vorschreiben wollen was man zu essen hat, die Leute wissen selber welche Musik ihnen guttut, welche sie emotional berührt! Die meisten Leute interessiert es dabei nicht ob da angebliche „Alphawellen“ drin sind oder nicht!
        Und das aktuelle rk-Gesangbuch kriegt die Gottesdienste eben NICHT voll!

        Ich war erstmal zutiefst geschockt als ich von Herrn Knox hier erfahren habe daß es tatsächlich das „neue“ gesangbuch sein soll: Ich war letztes Jahr zum ersten Mal seit Jahren in einem rk-Gottesdienst und hatte mich gewundert warum eine Großstadtgemeinde das neue Gesangbuch noch nicht angeaschafft hat, es kam mir ehrlich genauso vor wie das alte! Mit Liedern derer ich schon sehr lange vor meinem Übertritt nach ak überdrüssig war!

        In Afrika sind die Gottesdienste ja deutlich voller als hier, und was spielen sie da wohl für Musik?
        Wir sind heutzutage nunmal eine andere Kultur als noch um 1750! Wenn es anderstwo möglich ist, eindeutig als katholische Gottesdienste erkennbare Gottesdienste zu feiern und dabei die lokale Kultur zu berücksichtigen, warum nicht hier?

        • alberto knox
          14.07.2017, 11:27 Uhr.

          das neue gotteslob ist in der tat eine ziemliche katastrophe. aus einem reichen schatz alter lieder hat man die geistlich-melodisch anregenderen aus dem 15.-17. jahrhundert eingedampft, die durchaus sinnvolle deutsche gregorianik fast getilgt in einem wahn latinistischen purismus (und das sage als jemand, der latein sehr schätzt, auch als gebetssprache der kirche), stattdessen einige, aber viel zu wenige schöne neue und vor allem die besch..endsten lieder aus dem 19. jahrhundert wieder rein genommen. haben sie sich mal „menschen, die wart verloren“ (weihnachtszeit) angeschaut. null spiritueller gehalt. stattdessen „singen wir mit fröhlichkeit“ rausgenommen (das ist nur noch in manchen diözesanteilen). keine deutsche fassung für das asperges oder vidi aquam (das hat das altkatholische gesangbuch der schweiz!) – ja, natürlich macht da kein pfarrer am sonntag ein taufgedächtnis.
          das kgb (heißt wirklich so), das kirchengesangbuch der schweiz für die römischen katholiken ist gut 20 jahre alt – aber weiter als das neue gotteslob.

          • Wrightflyer
            15.07.2017, 10:23 Uhr.

            Bei uns sind ein paar Lieder aus Brasilien drin, die sind wirklich sehr schön…

            Man könnte auch Anleihen bei der keltischen Musik nehmen, die hat viel recht meditatives auf Lager.
            Ich höre z.B. gerade den „Mingulay Boat Song“, gesungen von den Corries. Ein Lied das ich sogar mitsingen kann, was nicht auf viele Lieder zutrifft, da ich ein Kontraalt bin. Die Stimme ist auch noch völlig kaputt, nachdem ich mehrere Male eine schwere bis sehr schwere Bronchitis hatte. Kann nur empfehlen sich das mal anzuhören und zu überlegen ob man nicht etwas keltische Musik in die heutige Kirchenmusik integrieren möchte.

            Für das höchste und größte halte ich persönlich Queen. Die Musik die die gemacht haben (und zwar alle viere, auch wenn sie öffentlich immer auf Freddie reduziert werden) hat wirklich etwas Überirdisches. Eine Sache die die Musik von Queen ausmacht ist, daß sie sich sehr bei allen möglichen Musikstilen bedient haben. Einmal haben sie Paso Doble eingebaut, einmal haben sie eher Countrymusik geschrieben… Und gerade die Songs die Freddie geschrieben hat, auch manche von Brian, enthalten sehr viel Oper.

            Da Sie Opernfan sind: Empfehlen kann ich Ihnen auch Rhapsody of Fire.
            Die hat urpsünglich ein Italiener gegründet, der eine musikalische Untermalung zu einer von ihm erfundenen Fantasysaga haben wollte, aber es hat sich dann verselbständigt. In deren Musik (nicht frei von einem gewissen Bombast) ist wirklich sehr viel Oper drin! Die singen teilweise Englisch, teilweise Italienisch (was ich nicht verstehe) und teilweise Latein (was ich noch weniger verstehe), z.B. bei „Ira Tenax“.
            Bei Youtube finden Sie „The Magic of the Wizards Dream“ mit Christopher Lee, und der war ja urpsrünglich Opernsänger!

        • Silvia
          14.07.2017, 12:35 Uhr.

          @Wrightflyer,

          unser Kinder – und Teeniechor tritt regelmäßig in den ganz normalen Gemeindegottesdiensten auf, das gilt auch für alle anderen Chöre, der jeweilige Projektchor sorgt dann für die moderne Musik, im Gegensatz zum klassischen Kirchenchor oder dem Kammerchor.

          Wie gesagt, bei uns ist auch die Musik im Gottesdienst vielfältig.

          Dass man sich unter Kirchenmusik aber eher Klassik vorstellt, ist gute, sinnvolle Tradition. Sakrale Musik ist eben keine triviale Musik.

          Aber wie gesagt, ich toleriere unsere Vielfalt, zumal ich z.Zt. aus ganz anderen als musikalischen Gründen ohnehin viel auswärts in die Kirche gehe.

          • Wrightflyer
            15.07.2017, 9:55 Uhr.

            Eben das ist die Einstellung die ich heftig kritisiere: moderne Musik=trivial!

            Sorry, aber das ist sehr oberflächlich und sehr ahnungslos.

            Ich mag keinen Jazz weil er mir zu zusammenhanglos klingt, aber ich würde mich nie erdreisten, Jazz als „trivial“ zu verunglimpfen!
            Fans klassischer Musik sind jedoch häufig so respektlos und oberflächlich, daß sie meinen, das Musikempfinden anderer, der Mehrheit der jungen Leute, beleidigen zu dürfen.

            Anderstwo wird andere Musik gespielt als die in diesem „neuen“ (was für ein Witz…) rk-Gesangbuch, und dort ist die Hütte voll!! Im Süden der USA z.B., oder in Afrika!!

        • Silberdistel
          14.07.2017, 17:37 Uhr.

          Wrightflyer
          13.07., 21:33 h
          Also ob es das Konzept „moderne Kichenmusik“ – meist mit Texten die dann überhaupt keiner mehr kann – seit den 70igern nicht schon x-fach ausprobiert und genauso oft gescheitert wäre.

          • Wrightflyer
            15.07.2017, 9:56 Uhr.

            Das Problem ist eben, daß dieses Konzept immer nur in die Ecke geschoben und nicht wirklich ernst genommen wurde. Es wurde trivialisiert und nicht integriert.

          • Silvia
            15.07.2017, 10:45 Uhr.

            Silberdistel
            14.07.2017, 17:37 Uhr.

            Nicht nur die Texte kann dann keiner mehr sondern auch die Melodien, trotz Übens mit dem Organist/Organistin vor dem Gottesdienst.

  • Martin
    12.07.2017, 15:45 Uhr.

    Ich habe mir die Fragen angeschaut. Der Fragebogen besteht grösstenteils aus Fragen zur Persönlichkeit der jungen Menschen, als wenn man versuchen würde mit Hilfe von Algorithmen zu ergründen, welchen Einfluss die Religion auf die Psyche der befragten hat. Also mehrheitlich eine fast klassische Persönlichkeitsanalyse. Den Fragen, die Kirche und das Engagement der Jugendlichen in der Kirche selbst betreffen wird sehr wenig Raum gegeben. Wenn ich mich erinnere, ist eine einzige Frage vorhanden, mit der sich die Jugendlichen dazu äussern können, wie sie die Kirche (unspezifisch ob vorort oder im Bistum oder die Weltkirche) erleben und wie ihre Vorstellungen sind. es wird auch wage gefragt, wo sich die Kirche allgemein mehr engagieren sollte. Zum Schluss darf beschrieben werden, was man als Positiv (selber oder eine andere Person) in der Kirche erlebt habe (das Negative wurde lieber gar nicht abgefragt) und ganz am Ende kann man ein Anliegen hinzufügen. Es werden insgesamt lieber gar keine brennenden Probleme genannt oder nach Ansichten gefragt. Nur ob die Kirche zum Beispiel mehr in den Dialog mit anderen Religionen treten soll, mehr für den Frieden tun soll, sich mehr für die Umwelt engagieren soll. Keine einzige Frage (wenn ich mich richtig erinnere) zum Thema der Beteiligung der Jugendlichen an der Entwicklung der Kirche, keine Frage zu ihren Bedürfnissen, sondern immer wieder „Wie oft nimmst du an kirchlichen Anlässen teil, wie oft betest du, wie schwierig ist für dich, einen Job zu finden, wie bewegst du dich in den Sozialwerken. Besser als die letzte Umfrage, aber dennoch ungenügend und am Ziel vorbei führend. Es sei denn, man will gar nicht wissen, was die Jugendlichen wirklich über die Kirche denken, über das Personal und was ihre Anliegen sind. Am Schluss werden die Psychologen wohl erfahren, wie depressiv die Jugendlichen sind und was sie im Internet machen, aber fast nichts über Ihr Verhältnis zur Kirche und über ihre Anliegen. Na „Bravo“.

    • Silvia
      13.07.2017, 10:43 Uhr.

      na ja, den Fragebogen haben halt alte Männer ohne eigene Kinder und Enkel erstellt…..

      • Wanda
        13.07.2017, 14:38 Uhr.

        wie gesagt: Kosmetik…

        • alberto knox
          14.07.2017, 0:45 Uhr.

          warum stört sie’s? sie haben doch mit der kirche als atheistin eh nichts am hut.

          • Wanda
            14.07.2017, 17:22 Uhr.

            Alberto Knox 0:45
            – Bin kein Politiker, interessiere mich aber trotzdem für Politik, bin auch kein Philosoph, interessiere mich aber trotzdem für Philosophie, Ideologien, Religionen und Weltbilder…
            Beantwortet das Ihre (um ein anderes Wort zu vermeiden) seltsame Frage ?

          • Martin
            14.07.2017, 19:17 Uhr.

            Lieber Wrightflyer, auch Atheisten haben etwas davon, wenn die Kirche sich gut entwickelt, ihren Auftrag in der Welt erfüllt und die Jugendlichen auf den Weg zum „Guten“ mitnimmt.In der Schweiz wird der positive Beitrag der Kirchen für die Gesellschaft (das Religiöse und die Liturgie ausgeschlossen) und vom Staat mit Geld honoriert. Also auch von Atheisten.

          • Wrightflyer
            15.07.2017, 9:43 Uhr.

            Lieber Martin,

            ich bin keine Atheistin! Ich bin diejenige die letzten Samstag von einer Atheistin übel zusammengebrüllt wurde weil sie halt diverse Dinge anderst sieht als knochenharte Hardcoreatheisten für die Religion die Wurzel allen Übels ist!

          • Suarez
            15.07.2017, 20:28 Uhr.

            @wanda:
            „– Bin kein Politiker, interessiere mich aber trotzdem für Politik, bin auch kein Philosoph, interessiere mich aber trotzdem für Philosophie, Ideologien, Religionen und Weltbilder…
            Beantwortet das Ihre (um ein anderes Wort zu vermeiden) seltsame Frage ?“

            Ich finde, dass @Knox durchaus eine vernünftige Antwort aud ihre/seine Frage (die ich mir auch schon öfter gestellt habe – denn Kirchenkritik ist etwas für Mitspieler, nicht für Beobachter) verdient.
            Also mit Ironie: Ich glaube nicht ans Spaghettimonster und diese Weltanschauung ist mir wurscht; ich bin kein Scientologe und diese Weltanschauung ist mir gleich. Daher auch meinerseits die Frage: Was treibt einen Atheisten eigentlich so sehr herum, dass sie/er innerkirchliche Vorgänge so nahe an sich ranlässt?

    • Wrightflyer
      13.07.2017, 20:31 Uhr.

      Ihr Eindruck und der von Herrn Erbacher sind da schon sehr verschieden.

      Mit Glück schaffe ich es im September, mir ein eigenes Bild zu machen. Vorher äußere ich mich dazu nicht näher.
      Es herrscht im Netz ohnehin schon zuviel Verantwortungslosigkeit, da sollte man sich mal wieder auf ein paar Grundwerte besinnen, wie z.B. nur dann babbeln wenn man auch Ahnung hat.

  • Wrightflyer
    13.07.2017, 22:20 Uhr.

    Mal eine ganz andere Frage, @Redaktion:
    Kennt sich zufällig jemand von Ihnen gut mit UGANDA aus? Und war idealerweise schonmal dort? Und hätte Lust, etwas Expertenwissen weiterzugeben?

  • Wrightflyer
    15.07.2017, 22:44 Uhr.

    Die Redaktion wird jetzt nicht gerade begeistert sein weil das wieder themenfremd ist, aber ich denke schon daß es irgendwo auch eine Verbindung zum Thema hat.

    Also, da gibt es diese rk-Zeitschrift die mir meine Mutter immer weitergibt und die ich auch sehr gern lese weil die da Sachen über andere Länder schreiben die so in den normalen Nachrichten so nicht vorkommen. Z.B. über Guatemala. Oder Osttimor. Ich fand es halt schon immer spannend, zu erfahren wie die Leute woanderst wirklich leben.
    Gut, ich lasse die Sachen auch oft liegen und dann sind sie schonmal Monate oder ein jahr alt bis ich sie lese. Gebe ich zu. *schäm*

    Also, da ist in dieser Ausgabe von 2016 dieser Leserbrief.
    Da schreibt einer daß er Theologe ist. Und outet sich als offensichtlich großer Fan von Papst Benedikt. Okay. Meinetwegen.
    Und jetzt kommts: „Anderst als Papst Franziskus hat Papst Benedikt sein Amt eingebunden in eine 2000jährige Pflicht und Verantwortung interpretiert, die sicherlich schwer auf seinen Schultern lastete! Die kritisierten barocken Paramente ect. symbolisierten die überzeitliche Dimension des Petrusamtes; Papsttum ist weder „hip“ noch Zeitgeist!“

    Ich bin keine Theologin. Ich bin Ingenieur. Dennoch habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen als ich das gelesen habe. Mir platzt echt der Kragen…
    Nur mal zur Info: Petrus hat zur RÖMERZEIT gelebt. Zwischen dem Sterbedatum von Petrus und dem Barock liegen mehr als 1500 Jahre. Also mehr als 3/4 der 2000jährigen Tradition. Wie KANN man behaupten, daß irgendwelche barocken Verzierungen ein wesentlicher Ausdruck des Amtes des Bischofs von Rom seit Petrus wären ohne daß da andere Zeitgeister reingepfuscht hätten?! SOLCHE Mathelegasteniker kömnnen doch nichtmal Theologen sein!!

    So kommt mir das häufig vor: Konservative zetern „Böser Zeitgeist, böser Zeitgeist!“ wenn sich irgendwelche Kirchenreformen ankündigen, kleben aber selbst an irgendwelchen Zeitgeistern des 19., 18., 17., 16. Jahrhunderts!

    Nur mal zur Info:
    Wenn man das mit Petrus wirklich ernst nimmt: Er war gelernter Fischer. D.h. er hatte einen Knochenjob gelernt und ausgeübt bevor er Apostel wurde. Und als Apostel hatte er keine Reichtümer angehäuft. Er hat keinen Personenkult um sich betrieben (wie in meiner Jugend als es, wenn man die Verbindung zur eigenen Kirchengemeinde ein wenig verloren hatte oder nie wirklich hatte, also wenn man schon ein bischen außen stand, so schien als ob die ganze rk-Kirche nurnoch aus Papst Wojtywa zu bestehen schien) oder „Rechtgläubigekti“ gefordert. Stattdessen konnte er offensichtlich Leute für Christus begeistern!

    Es soll also beim nächsten synodalen Prozess um die Jugend gehen.
    Und als ersten Schritt hat Franziskus eine Befragung angeleiert, was die Jugend von der Kirche will und braucht.
    Eines jedoch braucht sie ganz sicher NICHT: Kunsthistorische Vorträge!
    Wem so barocke Verzierungen Spaß machen, der soll Kunstgeschichte studieren! Ich will niemandem verbieten, in irgendwleche Museen zu gehen und sich dort den Kram anzugucken.
    Nur sind dort draußen eben Millionen Jugendliche die andere Sorgen und Probleme haben. Deren Leben findet eben NICHT in irgendwelchen eingebildeten Barockschlössern statt!

    Wenn das mit dem Petrusamt bei dieder Jugendsynode irgendeinen Sinn haben soll, da soll man gefälligst aufhören, bei Grafen und Fürsten und Mätressen und gepuderten Perücken in irgendwelchen Barockschlössern zu weilen und stattdessen überlegen wie der echte Petrus, der Fischer, der einfache Prediger, der Missionar, der Ehemann und Vater, der manchmal nicht ganz fehlerfreie der auch mal reden konnte ohne nachzudenken oder feige sein konnte, mit den Jugendlichen die heute gefragt werden was sie denken und von ihrer Kirche erwarten, umgehen würde!

    • Wrightflyer
      15.07.2017, 22:46 Uhr.

      Jo, der Vorsatz hier weniger zu schreiben war da. Allein es fehlt der Wille…

      @Krakenbusch: Morgen geht Frauenfußball-EM los. Sehen Sie sich das eine oder andere Spiel an?

    • Brigitta
      16.07.2017, 8:36 Uhr.

      Womit wir bei dem wären: was das Konzil wollte neben dem Aggiornamento

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