Papst: Kirche will Jugend hören

Der nächste synodale Prozess ist eröffnet. Im Vatikan stellte heute der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, das Vorbereitungsdokument für die Jugendsynode vor. Die findet im Oktober 2018 statt. Bis Ende Oktober dieses Jahres haben nun die Bischofskonferenzen und Ordensoberen Zeit, zu dem Papier Stellung zu beziehen sowie 18 Fragen zu beantworten. Ab Anfang März soll es im Internet eine Umfrage geben, mit der sich der Vatikan direkt an die Jugendlichen in aller Welt wenden will. Papst Franziskus schreibt in einem Brief an sie: „Auch die Kirche möchte auf Eure Stimme hören, auf Eure Sensibilität, auf Euren Glauben, ja auch auf Eure Zweifel und Eure Kritik.“ Bei der Synode werden zwar Jugendliche als sogenannte „Hörer“ mit dabei sein. Das stellte Kardinal Baldisseri heute in Aussicht. Das Sagen haben dann aber wieder die Bischöfe.

Weltjugendtag

Kirche und Jugend – kein einfaches Thema. Zum Weltjugendtag nach Krakau kamen im Sommer vergangenen Jahres Hundertausende. Doch in vielen Gemeinden sieht es oft anders aus. Papst Franziskus will das ändern. (Quelle. dpa)

„Berufung“ im umfassenden Sinn

Das Vorbereitungspapier ist kompakter als bei früheren Synoden.  Auf knapp 30 Seiten bietet es eine erste Diskussionsgrundlage zum Thema der nächsten Synode: „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“. Dabei darf man sich vom Begriff „Berufung“ nicht in die Irre leiten lassen. Wird er gemeinhin nur im Kontext von geistlichen Berufen, also Priesteramt oder Ordensleben, verstanden, wird er im Kontext der nächsten Synode umfassender verwendet: Es geht um die persönliche und berufliche Berufung der Jugendlichen, also zum einen um die Frage nach Ehe, Weiheamt oder Ordensleben, zum anderen aber auch um die Frage, „in welchem Bereich können die eigenen Talente fruchtbar gemacht werden: im Berufsleben, im Volontariat, im Dienst an den Letzten, im politischen Einsatz?“

Letztendlich geht es bei der Synode um die Frage, wie kann die Kirche jungen Menschen helfen, im guten Sinne sich selbst zu verwirklichen. Das Papier macht deutlich, dass es nicht nur um Fragen der Jugendpastoral gehen wird, sondern auch um die Lebenswirklichkeit der jungen Generation und damit die aktuellen sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Ähnlich wie in der Silvesterpredigt von Papst Franziskus werden etwa die prekäre Arbeitssituation vieler Jugendlicher sowie Krieg, Armut und Ausbeutung genannt. Kritisch fragt das Papier, welche Möglichkeiten der Teilhabe es in Kirche und Gesellschaft für die jungen Menschen gibt.

Kirche muss sich ändern

Deutlich wird in dem Papier, dass der Papst seine Kirche zu einem – im positiven Sinn verstanden – Dienstleister für die junge Generation machen will, damit diese ihren Weg im Glauben, in der Kirche und der Gesellschaft findet. Dabei wird schon zu Beginn des synodalen Wegs deutlich, dass die Kirche sich wird verändern müssen, um anschlussfähig zu sein an die Jugendlichen. „In vielen Fällen geht es auch darum zu lernen, der Neuheit echten Raum zu geben, ohne sie in dem versuch, sie in Schubladen zu stecken, zu ersticken“, heißt es in dem Dokument.

Bei den „Neuheiten“ scheint es aber eher um Strukturen oder die Fragen der Herangehensweise zu gehen und weniger um inhaltliche Dinge. Zwar wird an einer Stelle davon gesprochen, dass Jugendliche „oft Misstrauen, Gleichgültigkeit oder Auflehnung gegenüber Institutionen“ hegten, doch wird an keiner Stelle thematisiert, welche inhaltliche Diskrepanz es zwischen ihren Vorstellungen und denen der Kirche etwa in Moralfragen gibt. Vielleicht kommen diese Punkte dann in der Online-Umfrage Anfang März.

P.S. Bis Oktober haben nun die Bischofskonferenzen und Ordensgemeinschaften Zeit, auf das heute vorgestellte Papier zu reagieren und die 18 Fragen zu beantworten. Anschließend werden die Ergebnisse zusammen mit der Auswertung der Online-Umfrage in das sogenannte „instrumentum laboris“ der Bischofssynode eingearbeitet. Das soll im Frühjahr 2018 veröffentlicht werden.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

8 Kommentare

  • Alberto Knox
    13.01.2017, 21:32 Uhr.

    „Letztendlich geht es bei der Synode um die Frage, wie kann die Kirche jungen Menschen helfen, im guten Sinne sich selbst zu verwirklichen.“

    dazu gehört schlicht den unsinn in der morallehre bleiben zu lassen. den mist zu empfängnisverhütung und homosexualität glaubt ohnehin und zurecht niemand mehr. schon gleich gar nicht gläubige jugendliche und junge erwachsene.

    • Wanda
      16.01.2017, 16:50 Uhr.

      da bin ich mal voll Ihrer Meinung…

      • Alberto Knox
        17.01.2017, 12:24 Uhr.

        ich glaube, wir sind viel öfter einer meinung, nur reden wir vielleicht manchmal aneinander vorbei (und da fass ich mich an die eigene nase).

        • Wanda
          17.01.2017, 19:47 Uhr.

          auch bei mir angekommen…

  • Silberdistel
    16.01.2017, 3:17 Uhr.

    An anderer Stelle habe ich bereits die Jugendarbeitslosigkeitszahlen ´16 für Europa eingestellt. Griechenland: 46,5 %; Spanien 43,6 %; Italien 36,4 %; Portugal 28,9 %. Eurozone insges.: 18,4 %. Wie die in anderen Ländern aussehen, kann man nur mutmaßen wenn schon Jugendliche als Einzelpersonen aus diesen fliehen um irgendwo sonst auf der Welt als „Wirtschaftsflüchtling“ unter zu kommen. Nebst den anderen ´Abgehängten´ des immer obszöner werdenden, christlich-westlich geprägten, globalen Gesellschafts- und Schuldgeldsystems mit ihren „Praktika“ und Kurzzeitarbeitsverträgen. Ein Roulette Spiel auf diesen „Sicherheiten“ eine Familie gründen zu wollen. Während gleichzeitig das 10-FACHE der Weltwirtschaftsleistung auf den grünen Tischen des Großcasinokapitalismus in Spekulationstransaktionen Profit sucht.
    Natürlich annoncieren „embaddet“ gez- oder murdoch-Medien solche Themen nicht oder an allerletzter Stelle. Doch wer es wissen will kann es wissen das der Kaiser keine Kleider mehr an hat, braucht dazu keine Umfrage. Wie man vernimmt, litt Jorge Mario Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires, in seiner Diözese ja auch nicht unter Orientierungslosigkeit.

    • Wanda
      16.01.2017, 17:28 Uhr.

      Silberdistel 3:17
      Zwei Anmerkungen zu Ihren Aufzählungen:
      – Teilweise grotesk heutzutage: der junge Bewerber soll nach Möglichkeit nicht weit über 20 Jahre alt sein aber nach Möglichkeit schon über etliche Jahre Erfahrung in seiner Branche verfügen.
      Wie bitte soll das denn gehen ?
      – Andererseits ist gerade in den südlichen Ländern bei den Jugendlichen eine grosser Unwillen gegen dizipliniertes, längeres Lernen und Studieren festzustellen. Man will lieber auf kurze Sicht schnell und viel Geld verdienen anstelle sich eine Langzeitperspektive zu verschaffen. Habe die direkte Erfahrung hier vor Ort in einem Latinoland. Meine Frau bietet seit Jahren kostenlosen Fremdsprachen-Ausbildung (ua. Englisch) was hier ein enormer Vorteil bei der Stellensuche ist, da es viele internationale Firmen gibt. Leider halten von den zahlreichen Interessenten nur wenige bis zu einem Abschluss durch. Nicht weil sie es nicht schaffen würden, es fehlt einfach die Motivation, der Druck und die Anerkennung aus dem Elternhaus, von der Disziplin auch mal hart lernen zu müssen ganz zu schweigen. Über die Jahre haben wir die Erfahrung gemacht, dass von 10 Interessenten evtl. einer bis zum Ende durchhält. Davon sind einige wenige echte Begabungen, bei anderen merkt den unbändigen Willen. Nicht zu übersehen: bei Letzteren ist ganz entscheidend die positive Situation in der Familie, womit nicht die wirtschaftlichen Verhältnisse gemeint sind…

      • Silberdistel
        17.01.2017, 10:27 Uhr.

        Wanda
        16.01.2017, 17:28 Uhr
        Kann es mir an der Stelle nicht verkneifen auch auf die, in der Welt einzigartige deutsche Mentalität die in Reinhard Mey´s „Mann aus Alemania“ (Oldie-but-Goody-Song noch auf YouTube zu finden) so herrlich auf die Schippe genommen wird, zu verweisen (Scherzbeitrag).

  • Wanda
    17.01.2017, 20:06 Uhr.

    – muss ich mir wohl erst anhören (bevor ich beleidigt bin).
    Muss abschwächend bemerken, dass meine einheimische Frau die Initiatorin und bestimmende Kraft ist und mir mit meiner „einzigartigen deutschen“ Mentalität lediglich die Hilfsdienste leistende Rolle des Faktotums zukommt…

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