Heiliges Jahr beendet

Die Tür ist zu und doch soll sie offen bleiben. Das ist die Botschaft des Papstes am heutigen Tag. Die Heilige Pforte des Petersdoms hat Franziskus geschlossen. Doch soll die Barmherzigkeit weiter das bestimmende Thema in der katholischen Kirche bleiben und auch gleichsam ihr Erkennungszeichen sein. „Bitten wir um die Gnade, nie die Türen der Versöhnung und der Vergebung zu verschließen, sondern stets über das Böse und die Divergenzen hinauszugehen und so jeden möglichen Weg der Hoffnung zu ermöglichen“, forderte das Kirchenoberhaupt beim feierlichen Gottesdienst zum Abschluss des Außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Zugleich warnte er vor Egoimus und forderte zu mehr Nächstenliebe auf. Zum Abschluss des Gottesdienstes unterzeichnete Franziskus das Apostolische Schreiben  „Misericordia et misera – Barmherzigkeit und die Erbarmenswerte“. Der Inhalt wird erst morgen im Vatikan vorgestellt. Das Papier soll laut vatikanischem Presseamt dazu beitragen, Perspektiven zum Thema Barmherzigkeit über das Heilige Jahr hinaus aufzuzeigen.

Mit der Schließung der Heiligen Pforte des Petersdoms hat Papst Franziskus das Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit beendet. (Quelle: reuters)

Mit der Schließung der Heiligen Pforte des Petersdoms hat Papst Franziskus das Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit beendet. (Quelle: reuters)

Papst: Setzt nicht auf irdische Macht!

Zum Abschluss des Heiligen Jahres richtete Franziskus noch einmal mahnende Worte an seine eigene Kirche. Er warnte davor, „befriedigende Sicherheiten“ im weltlichen Bereich zu suchen. „Die Anziehungskraft der Macht und des Erfolgs wird als ein leichter und schneller Weg für die Verbreitung des Evangeliums dargestellt und rasch wird dabei vergessen, wie das Reich Gottes wirkt.“ Die Kirche müsse sich am „bleibenden demütigen Königreich Jesu“ orientieren und sich nicht „an die unsicheren Königtümer und unbeständigen Mächte einer jeden Zeit anpassen“. Jeder einzelne solle „die Gesinnung der Barmherzigkeit anlegen“ und zum „Werkzeug der Barmherzigkeit“ werden.

Die Stadt Rom hatte im Vorfeld des heutigen Gottesdienstes erklärt, sie erwarte 100.000 Gläubige. Der Vatikan teilte mit, rund 70.000 seien gekommen. Dennoch dürften die Verantwortlichen im Vatikan zufrieden sein. Warum, das gibt es in meiner Bilanz zum Heiligen Jahr bei heute.de nachzulesen. Für den Vatikan wird morgen der Cheforganisator des Heiligen Jahres und Leiter des Päpstlichen Rats für Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, eine Bilanz ziehen, wenn er das Papstschreiben vorstellen wird. Papst Franziskus selbst zieht in einem Interview mit dem Fernsehsender der italienischen Bischofskonferenz, TV2000, seine persönliche Bilanz. Das Interview wird heute Abend ausgestrahlt. Mehr dazu dann morgen hier im Blog.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.