Weltjugendtag in Krakau – Tag 2

Papst Franziskus hat zum Auftakt seines Besuchs in Polen deutliche Worte gefunden. In seiner ersten Rede vor Politikern, Diplomaten und Vertretern der Zivilgesellschaft sprach er das heikle Thema Flüchtlinge an. Es „ist die Bereitschaft zur Aufnahme derer notwendig, die vor Kriegen und Hunger fliehen; die Solidarität gegenüber denen, die ihrer Grundrechte beraubt sind, darunter des Rechtes, in Freiheit und Sicherheit den eigenen Glauben zu bekennen“. Es waren die Worte, die viele Politiker in Polen nicht hören wollten, angesichts der Tatsache, dass, wie bei Papstbesuchen üblich, die Welt zuschaut. Der Applaus fiel dann auch verhalten aus nach der Papstrede. Am Morgen waren demontrativ 15 junge Flüchtlinge ins vatikanische Gästehaus gekommen, um Papst Franziskus zu verabschieden und ihm alles Gute für die Polenreise zu wünschen. Auf dem Weg nach Krakau war Franziskus kurz auf die Ereignisse in Frankreich gestern sowie die anderen Attentate der vergangenen Tage und Wochen eingegangen. „Die Welt ist im Krieg, denn sie hat den Frieden verloren“, so der Papst. Und er stellte klar: „Wenn ich von Krieg spreche, dann spreche ich nicht vom Krieg der Religionen.“ Vielmehr gebe es einen Krieg der Interessen, des Geldes, wegen der natürlichen Ressourcen und der Herrschaft über Völker. „Alle Religionen wollen den Frieden. Den Krieg, den wollen die anderen. Klar?“

Papst Franziskus hatte eine deutliche Botschaft zum Auftakt seines Besuchs in Polen. (Quelle: reuters)

Papst Franziskus hatte eine deutliche Botschaft zum Auftakt seines Besuchs in Polen. (Quelle: reuters)

Politik zum Auftakt der Polenreise

Der Papst ist in Krakau, und sofort war am Nachmittag das Verkehrschaos noch größer als es schon die letzten Tage war. Mehr als 300.000 Gäste sind für eine Stadt mit rund 760.000 Einwohnern eine Herausforderung. Die Jugendlichen haben Franziskus begeistert empfangen, soweit sie ihn bei seiner Fahrt mit dem Papamobil durch die Stadt sehen konnten. Erst morgen greift Franziskus in das Geschehen des Weltjugendtags ein. Heute war der Tag der Politik. Und der Papst hat so deutlich gesprochen, wie es ein Gast gegenüber seinen Gastgebern machen kann. Er fand durchaus positive Worte für das stark ausgeprägte polnische Nationalbewusstsein, verband diese aber auch zugleich wieder mit einer Mahnung zur Offenheit: „Ein Identitätsbewusstsein ohne jede Überheblichkeit ist unerlässlich, um eine nationale Gemeinschaft auf dem Fundament ihres menschlichen, sozialen, politischen, wirtschaftlichen und religiösen Erbes aufzubauen, um die Gesellschaft und die Kultur zu inspirieren, indem man sie zugleich in der Treue zur Tradition wie auch in der Offenheit für die Erneuerung und die Zukunft bewahrt.“

Franziskus ging auch auf die starke politische Polarisierung der letzten Monate in Polen ein und mahnte zur „Achtung aller Glieder der Gesellschaft“ sowie zu einer „konstruktiven Gegenüberstellung zwischen den unterschiedlichen Positionen“. Er forderte den Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Worte, die die Vertreter der Regierungspartei und der katholischen Kirche in Polen sicher gerne gehört haben, die das Abtreibungsrecht verschärfen möchte. Allerdings machte Franziskus deutlich, dass Gesetzesänderungen alleine nichts bringen. „Andererseits sind der Staat, die Kirche und die Gesellschaft dafür zuständig, jeden zu begleiten und ihm konkret zu helfen, der sich in einer ernsten Notlage befindet, damit ein Kind niemals als eine Last, sondern als ein Geschenk empfunden wird und die Schwächsten und Ärmsten nicht allein gelassen werden.“ Das ist der typische Franziskus‘-Ansatz beim Thema Lebensschutz. Zu diesem gehört auch ein breites und klares sozialpolitisches Engagement. Aus deutscher Sicht anmerkenswert ist die Würdigung der Initiative zur Aussöhnung der polnischen und deutschen Bischöfe nach dem zweiten Weltkrieg als positives Beispiel für ein „gutes Gedenken“. Dieses sei im Gegensatz zum „negativen Gedenken“ nicht auf das Schlechte fixiert, „vor allem auf das, welches der andere begangen hat“.

Katechesen starten

Die Jugendlichen werden den Papst morgen Nachmittag erstmals treffen bei der Willkommensfeier in einem Park im Zentrum von Krakau. Heute begann für sie der „Weltjugendtags-Alltag“. An rund 280 Orten in der Stadt und dem nahen Umland fanden in mehr als 30 Sprachen Katechesen statt. Einzelne Nationalgruppen feierten zentrale Gottesdienste. Die deutschen Jugendlichen trafen sich zu einem Abendgebet im Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit. Franziskus traf sich am Abend noch mit den polnischen Bischöfen. Zunächst war für die Begegnung eine Rede vorgesehen gewesen. Doch der Vatikan teilte schon vor Tagen mit, dass Franziskus frei auf Fragen der Bischöfe antworten wolle und die Begegnung nicht öffentlich sei.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

14 Kommentare

  • Novalis
    28.07.2016, 1:03 Uhr.

    Dieser polnischen Regierung darf man nun wirklich die Leviten lesen. Im Grunde sollten sich die Polen fragen, ob diese Regierung, die sie jetzt haben, mit der EU-Mitgliedschaft zusammenpasst. Die EU ist jedenfalls nicht dazu da, als Weihnachtsgans des strukturschwachen polnischen Osten ausgebeutet und sonst links liegen gelassen zu werden, wenn es um Menschen- und Freiheitsrechte geht.
    „Doch der Vatikan teilte schon vor Tagen mit, dass Franziskus frei auf Fragen der Bischöfe antworten wolle und die Begegnung nicht öffentlich sei.“
    Boshaft möchte ich anmerken, dass mir neu ist, dass die polnischen Bischöfe FRAGEN haben. Die sind doch sonst mit Antworten schneller, als ihnen die Fragen gestellt werden.

  • Wanda
    28.07.2016, 14:32 Uhr.

    Vatikan und das Flüchtlingsproblem: fällt unter scheinheiliges Sommertheater…

    • Wanda
      29.07.2016, 13:59 Uhr.

      Bleibt noch anzumerken: man verfolge das Flüchtlingsproblem, welches sich gerade dem Pfarrhaus von St. Emeram in Regensburg stellt.
      Tja, in der Realität sind dann doch alle ganz anders aus und man kommt im wirklichen Leben an…

      • Wanda
        29.07.2016, 18:21 Uhr.

        Pardon, muss heissen „…in der Realität sieht dann doch alles ganz anders aus…“

    • Alberto Knox
      29.07.2016, 14:12 Uhr.

      wieso? der vatikan hat im verhältnis zu seiner größe und einwohnerzahl erheblich mehr flüchtlinge aufgenommen als andere europäische staaten. und bevor der sermon wieder kommt: SOOO reich ist auch der vatikan nicht.

      • Wanda
        30.07.2016, 17:24 Uhr.

        Bin ich im falschen Film ?
        – Wie wärs mit einem Zelt-Erstaufnahmelage auf dem Petersplatz und dazu einige der kürzlich erst veröffentlichten Milliarden der reichen deutschen Bistümer ? Oder verbietet sich das etwa im Namen der Nächstenliebe ?

      • Silberdistel
        31.07.2016, 11:24 Uhr.

        Alberto Knox
        29.07. 14:12 h
        Nun halten sie den Vatikan doch mal nicht so derart bescheiden.. denn der ist genau SOOO reich! Ein paar Fakten: Dem Vatikan gehören bereits mehr als ein Viertel der Immobilien Roms, eine unabsehbare Zahl von Ländereien, den zweitgrößten Gold- und Silberschatz nach den USA… Und natürlich wird das nicht alles richtig bilanziert, deshalb nur diese Annäherungswerte.
        Die Bilanzen deutscher Bistümer kann man jedoch seit dem dafür selig zu sprechenden TvE nachlesen: Paderborn rund 4 Mrd., Köln 3,35 Mrd., Limburg ca. 1 Mrd., München-Freising 3,3 Mrd. … – Sich arm zu fühlen muß daher nur eine völlig subjektive klerikale Empfindung sein…

    • Wrightflyer
      01.08.2016, 0:31 Uhr.

      Ich bin immer für schonungslose Kirchenkritik… wenn sie wirklich Kirchenkritik ist.
      Aber ich hinterfrage auch kritisch die Motive, wenn jemand ansonsten von der Aufnahme von Flüchtlintgen so garnichts hält. D.h. wenn gute Taten und moralische Maßstäbe immer etwas sind was man von den Kirchen verlangt, aber gleichzeitig heftig abölehnt wenn man selbst zur Abwechslung damit gemeint ist. Das ist etwas was ich persönlich scheinheilig nenne.

      • Wanda
        02.08.2016, 17:36 Uhr.

        – der Einzige, der ohne Eigenverpflichtung und noch weniger Eigenleistung von Anderen verlangt zu helfen, oder die Geldbörse dafür zu öffnen (in diesem Fall den Flüchtlingen) ist der Vatikan und seine Kirche…
        Wie nennt man solches Verhalten, zumal man sich als selbst ernannte moralische Institution versteht ?

        • Wrightflyer
          03.08.2016, 19:51 Uhr.

          Angesichts der vielen kirchlichen Initiativen für Flüchtlinge und der vielen christlichen Flüchtlingshelfer kann ich über „ohne Eigenverpflichtung und noch weniger Eigenleistung“ nur grinsen.

          Aber dieses Muster fleißig auf echte und vermeintliche Fehler anderer hinzuweisen aber selbst nicht mit anpacken zu wollen kenne ich zu gut aus der atheistischen Szene meiner Jugend… die ich eine Zeitlang idealisiert habe, weil ich auch Grund zur Dankbarkeit habe, von der ich mich aber mittlerweile deutlich distanziert habe, weil ich ihre Doppelmoral und Selbstgerechtigkeit nicht mehr ertrage.
          Beispiel: Angeblich waren wir ja alle mal für saubere, umweltfreundliche und endlos verfügbare Energie für alle Menschen… aber heute: Energiewende ist gaaanz pfui, sie könnte uns ja Geld kosten!! (in Wirklichkeit steigen die Energiepreise weil AKWs und Kohlekraftwerke schweineteuer sind. Datteln IV wird jetzt übrigens zuendegebaut… ohne Baugenehmigung!)

      • Alberto Knox
        02.08.2016, 22:07 Uhr.

        das darf man nicht nur scheinheilig nennen – das ist es auch.

  • Suarez
    31.07.2016, 15:16 Uhr.

    Wenn man die Fakten wirklich ernstnimmt, und sich nicht […]* einfältiger antikirchlicher Polemik befleißigt, dann sieht man, dass die Kirche weit überproportional STAATaufgaben übernommen hat. Weder sind die deutschen Diözesen obszön reich noch ist es der Vatikan. Dass beide auch Verbindlichkeiten haben (es müssen ja auch einige 10000 Angestellte bezahlt werden) und einen kulturellen Schatz pflegen, der massiv ins Geld geht, wird dann schnell übersehen. Einfach mal unbelehrt über Zelte am Petersplatz schwätzen, um die Kirche in schlechtem Licht dastehen lassen – das fand ich unter dem sonstigen Niveau. Dass es auch Leute braucht, die Flüchtlinge betreuen – woher sie nehmen? Dass es Sanitäranlangen braucht? Ein Dixieklo tut es nicht… Die Kirche tut i.d.R. wirklich ein Maximum. Eine skandalöse Ausnahme gestehe ich aber gerne zu: In der Diözese Regensburg verhält sich Generalvikar Fuchs ebenso böse und unmoralisch wie bei der Missbrauchsaffaire. Er hat den Roma dort NIE eine Chance gegeben – darüber sollten sich […]* wirklich aufregen. […]*

    *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

    • Wanda
      04.08.2016, 16:55 Uhr.

      – ach ja, wenn schon die Anderen nicht daran gauben, dann wenigsten ich…

    • Silberdistel
      05.08.2016, 12:39 Uhr.

      Suarez
      31.07.2016, 15:16 Uhr.
      Einer der schlimmen Missbräuche des Christentums ist: „Halte Du sie dumm, ich halte sie arm“.

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