Papst veröffentlicht erstes Interviewbuch

„Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“ lautet der Titel des ersten Interviewbuchs von Franziskus in seiner Zeit als Papst. Man könnte ergänzen: „… und Barmherzigkeit ist mein Programm“. Und damit das auch zum Programm der katholischen Kirche wird, hat das Kirchenoberhaupt ein Außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. Das Buch zeigt: Das Thema Barmherzigkeit durchzieht das ganze Leben und pastorale Wirken Bergoglios. Es ist keine Erfindung für seine Zeit als Papst. Auf den 126 Seiten wird auch deutlich, Franziskus wird bei diesem Thema nicht locker lassen. Zwar bleibt er in seinen Aussagen gewohnt allgemein, doch es ist klar, was er erreichen möchte: Das Gesetz der Kirche solle nicht ein „aut aut“ (entweder – oder) sein, sondern ein „et et“ (sowohl – als auch). Er kritisiert Heuchelei und Selbstgerechtigkeit in der katholischen Kirche. Wer von dem Interview große kirchen- oder weltpolitische Aussagen erwartet hat, wird enttäuscht. Es ist ein spirituelles Manifest. Franziskus liefert hier quasi den spirituellen und theologischen Unterbau für sein „Pontifikat der Barmherzigkeit“.

Das Interviewbuch erscheint zeitgleich in 86 Ländern. (Quelle: dpa/ansa)

Das Interviewbuch erscheint zeitgleich in 86 Ländern. (Quelle: dpa/ansa)

Barmherzigkeit als Lebensthema

Mit Spannung wurde es erwartet; manche werden enttäuscht sein. Denn das kleine Interviewbüchlein gleicht eher einer großen Morgenpredigt in Santa Marta als einem Grundsatzwerk über Gott, die Kirche und die Welt. Es fehlen konkrete aktuelle Bezüge, für die Franziskus in vielen seinen Ansprachen bekannt ist. Dadurch dürfte allerdings die Halbwertzeit des vorliegenden Werkes umso größer sein. Wer diesem Papst vorwirft, zu politisch zu sein, wird hier eines Besseren belehrt. Im Gespräch mit dem italienischen Vatikan-Journalisten Andrea Tornielli zeigt Franziskus auf, wie in seiner Biografie, der Heiligen Schrift sowie der Tradition der Kirchenväter der Gedanke der Barmherzigkeit als dem „ersten Attribut Gottes“ grundgelegt ist.

Dabei ist Franziskus überzeugt, dass die Welt heute Barmherzigkeit nötiger habe denn je. Sie leide unter „sozialen Krankheiten“, Armut, sozialer Ausgrenzung und „zahllosen Formen der Sklaverei“. „Auch der Relativismus verwundet die Menschen“, ist er überzeugt. Zudem sei „das Gefühl für die Sünde“ verloren gegangen. Viele betrachteten Sünde als unheilbar, und es mangle an Glauben, dass es Erlösung gebe. Viele Menschen bräuchten jemanden, der ihnen zuhört und sie begleite. Deshalb brauche es ein „Apostolat des Hörens“, so Franziskus.

Suche nach dem Türspalt

Er misst dabei der Beichte eine große Bedeutung bei. Allerdings müssten die Menschen vom Beichtvater „gehört“ und nicht „verhört“ werden. „Es gibt auch ein Übermaß an Neugier, vor allem in sexuellen Dingen“, kritisiert Franziskus. Auch wenn ein Priester in manchen Situationen keine Absolution erteilen könne, so solle er den Beichtenden segnen. „Die Liebe Gottes ist auch für jene da, die nicht in der Lage sind, das Sakrament zu empfangen“, stellt er fest. Die Kirche verurteile die Sünde, aber nicht den Sünder, der sich als solcher erkenne. „Die Kirche ist nicht in der Welt, um zu verurteilen, sondern um die Begegnung mit der ursprünglichen Liebe zu ermöglichen.“ Deshalb müsse sie hinausgehen aus den Kirchen und Pfarrhäusern zu den Menschen. Einmal mehr gebraucht er das Bild von der Kirche als Feldlazarett. Sie sei gleichsam eine „mobile Einrichtung für die Erste Hilfe“.

Immer wieder fällt das Wort „Türspalt“ im Interview. „Als Beichtvater habe ich, selbst wenn ich mich vor einer verschlossenen Tür fand, immer den einen Spalt gesucht, der mir erlauben würde, diese Tür zu öffnen und Vergebung zu schenken, Barmherzigkeit.“ Dabei genüge ein winziger Türspalt. „Es reicht schon, wenn wir unseren Zustand ernst nehmen.“ Und genau hier setzt Franziskus auch eine Hürde gegenüber Beliebigkeit. Der Sünder muss sich seines Fehlers bewusst sein. Er warnt vor Eitelkeit und Selbstgefälligkeit.

Kritik an Heuchelei

Seinen Kritikern schreibt er ins Stammbuch, dass Barmherzigkeit und Wahrheit keine Gegensätze seien, ebenso wenig Barmherzigkeit und Lehre. „Barmherzigkeit ist wahr, sie ist das erste Attribut Gottes“, stellt er fest, Barmherzigkeit ist die Lehre“. Er erneuert seine Warnung, zu sehr am Buchstaben zu kleben und darüber die Wirklichkeit, den Menschen zu vergessen. Jesus habe etwa bei der Heilung des Leprakranken „die Situation einfach am grünen Tisch studiert, er hat keine Experten um Pro und Contra befragt“. Für ihn sei es darum gegangen, die Fernen zu erreichen und zu retten. Diese Haltung habe zu Jesu Zeiten Anstoß erregt und mache das auch heute. „Sie lässt all jene murren, die gewöhnt sind, alles einzig und allein nach Maßgabe ihrer Denkschemata zu regeln, ihrer ritualistischen Reinheit, statt sich von der Wirklichkeit überraschen zu lassen.“

Scharf kritisiert Franziskus Heuchler: „Menschen, die sich an den Buchstaben des Gesetzes klammern, aber die Liebe vernachlässigen, Menschen, die nur Türen zuschlagen und Grenzen ziehen können.“ Diese ließen sich auch gerne „Meister“ nennen. Dann ist es nach Franziskus nicht mehr weit zu einer Form des Klerikalismus, „für die Einstellung all jener, die sich rein fühlen“. „Wenn ein solcher Mensch ein Diener Gottes ist, dann glaubt er am Ende, ein ganz anderer zu sein als das Volk, ein Herr über die Lehre, ausgestattet mit Macht, und dem Wunder Gottes verschlossen,“ so Franziskus. Bisweilen habe er sich dabei ertappt, so der Papst, „dass ich bestimmten, sehr rigiden Gläubigen gewünscht habe, sie möchten doch einmal straucheln, denn dann könnten sie sich als Sünder erkennen und Jesus wirklich begegnen“, gesteht das Kirchenoberhaupt.

Unverständnis zeigt Franziskus dafür, wenn Menschen, die sich der Kirche suchend zuwenden, verschlossene statt offene Türen vorfindet. „Er muss Aufnahmebereitschaft finden, keine Verurteilung, kein Vorurteil und keine Strafe.“ Manchmal bestehe das Risiko, „dass die Christen mit ihrer Psychologie der Gesetzestreue das Feuer löschen, das der Heilige Geist im Herzen des Sünders entzündet hat“. Als Gründe, warum Menschen sich von Kirche abwenden, macht Franziskus Gier, fehlende Barmherzigkeit und Sturheit aus. Jesus habe seine Jünger nicht ausgeschickt als „Statthalter der Macht oder Hüter des Gesetzes“. Er habe sie in die Welt geschickt, „damit sie dort nach der Logik der Liebe und Selbstlosigkeit leben“, so das Fazit des Papstes.

Nur kurz aktuelle Themen gestreift

Auf aktuelle Fragen wie wiederverheiratete Geschiedene geht Franziskus in dem Interview nicht ein. Einzige Ausnahme ist eine Frage zum Thema Homosexualität. Dabei bekräftigt er seine Auffassung, dass Schwule und Lesben, die guten Willens seien und Gott suchen würden, nicht zu verurteilen seien. Niemand dürfe Homosexuelle „an den Rand drängen“. Alle Menschen seien „von Gott geliebte Geschöpfe, denen er seine unendliche Liebe zuteilwerden lässt“.

Das Interviewbuch ist sicherlich nicht zu vergleichen mit „Licht der Welt“, dem großen Interviewbuch von Papst Benedikt XVI. Das jetzige ist im Umfang viel geringer und eben auf das Spirituelle konzentriert. Es fasst die Gedanken von Papst Franziskus zum Thema Barmherzigkeit zusammen, die er an vielen anderen Stellen im Verlauf des knapp dreijährigen Pontifikats bereits ausgeführt hat. Es legt natürlich eine Spur dafür, was etwa bei Fragen der wiederverheirateten Geschiedenen zu erwarten ist. Es ist ein geistlicher Leitfaden für das Heilige Jahr der Barmherzigkeit, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Aus journalistischer Sicht ist vielleicht doch eine Chance vertan, im Interview mit dem Papst konkreter über sein Amt, die Kirche und die Welt zu sprechen. Doch das war offenbar nicht Ziel des Buches.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

17 Kommentare

  • Alberto Knox
    14.01.2016, 16:30 Uhr.

    heute endlich komme ich dazu, mir das buch zu besorgen. ich bin schon gespannt.

    derweilen kann man nur den kopf schütteln über den „dienstvorgesetzten“ von georg ratzinger, heinrich wachter (wachter und ratzinger sind mitglieder des stiftskapitels st. johann in regensburg, wachter ist dekan – also „dienstvorgesetzter). er hat ein interview gegeben und stellt diese Thesen auf:

    – papst franziskus blamiert seinen vorgänger:
    „Man kann pauschal sagen: Franziskus macht alles anders. Das ist zwar sicher nicht seine Absicht, das muss man Franziskus nicht unterstellen, aber in vielem, wie er handelt, blamiert er seinen Vorgänger.“

    – der präfekt der glaubenskongregation steht über dem papst:
    „Dabei steht ja der Glaubenspräfekt in seinem Amt über dem Papst, weil ja er kontrolliert, ob der Papst überhaupt noch katholisch ist.“

    – die aufklärung der missbrauchsaffairen ist:
    „Unnötig. Ich finde, das ist überflüssig. Dass ewig über das selbe geredet wird, da hätte man doch 1.000 andere Fälle wie in Sportvereinen, über die man auch reden müsste. Die Aufarbeitung ist doch längst hinter uns, das brauche ich nicht dauernd wiederholen.“
    (www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Regensburger-Geistlicher-Papst-Franziskus-blamiert-doch-unseren-Papst-Benedikt-dauernd-;art1172,346292)

    ich bin überzeugt, dass wachter da nur widergibt, was georg ratzinger und bischof voderholzer wirklich denken…

    • Wanda
      15.01.2016, 13:21 Uhr.

      Nun, wenn Wächter für seine Kircheneinrichtungen und deren moralischen Auftrag bzw. Anspruch den Vergleich von Sportvereinen bemüht, so ist das seine (beschränkte) Sicht der Dinge.
      Frage, ob der Mann in seinem Amte nicht überflüssig und überhaupt moralisch haltbar ist…

    • Wrightflyer
      16.01.2016, 17:58 Uhr.

      Was… ist… DAS für ein Vogel??? 😯

      „– papst franziskus blamiert seinen vorgänger:“
      Ich will mal was sagen über Franziskus‘ Vorgänger. Der sah am Ende seiner Amtszeit wirklich schlimm aus, aber wenn man jetzt so Fotos sieht, geht es ihm eindeutig besser, was in dem Alter erstaunlich ist. Würde er sich blamiert fühlen, also wäre er mit Franziskus nicht einverstanden, wäre das Gegenteil der Fall.
      Ich weiß Ratzinger menschlich nicht einzuordnen, mir kommt es schon so vor als ob da zwei verschiedene Personen gleichzeitig wären. Neben den vielen Kritkpunkten die Sie bringen gibt es ja auch z.B. vorsichtige Reformansätze über die z.B. Herr Erbacher spricht. Mir scheint er jemand zu sein der vor langer Zeit unter einen fatalen Einfluss gekommen ist und jetzt erst, nach seinem Rücktritt, wieder zu sich gefunden hat. Natürlich wird er in dem einen oder anderen noch immer anderer Meinung sein als Franziskus, aber mit der groben Richtung ist er einverstanden, sonst hätte er körperlich nicht wieder so erstaunlich aufgebaut.
      Leute die jetzt noch versuchen, Ratzinger für die konservative Seite zu beeinflussen, sollten sich lieber zurückhalten.

      „– der präfekt der glaubenskongregation steht über dem papst:“
      AUA!!!
      Ich war lange genug rk um zu wissen daß das Blödsinn ist. Die Glaubenskongregation ist eine in den 1960ern als Nachfolgerin der Inquisition geschaffene Behörde. Zum einen war schon die Inqauisition vielen Irrlehren verfallen, zum anderen: Eine erst in den 1960ern geschaffene Behörde soll plötzlich das oberste Leitungsorgan sein?? Gehts noch??
      Und im übrigen: Vom Heiligen Geist abgesehen steht niemand über dem Konzil. Das Konzil ist das oberste Organ, weder Papst noch Glaubenspräfekt stehen über diesem. Abgesehen vom 1. Vatikanum, denn da gab es eine eindeutige Erpressung, also kann es so nicht gültig sein.

      „– die aufklärung der missbrauchsaffairen ist:
      „Unnötig. Ich finde, das ist überflüssig.“
      Abgesehen davon, daß dieser Äußerung wirklich unter aller Sau ist: Ja, da liefern Sie mir das stichwort zu dem was ich in der Affäre noch sagen wollte:
      Ich darf hier ja nichts mehr verlinken, aber die Süddeutsche, eine schon sehr ordentlich recherchierende Zeitung, schreibt, daß über die Jahre viele von den Jungs Georg Ratzinger erzählt haben, was los ist. Immer und immer wieder. Nur war es ihm offensichtlich egal. Die Jungs waren gut genug für den perfekrten Kunstgenuss, aber als Person, als schutzbedürftige junge Menschen, waren sie für Georg Ratzinger egal.
      Und das macht die Sache noch viel schlimmer. Das war keine falsch verstandene Loyalität zu ihrer Kirche oder ähnliche Irrtümer wie bei anderen die diese Missbrauchsfälle vertuscht haben. Das war eine innere Haltung wie damals als noch Jungs verstümmelt wurden weil manche diese Kastratenstimmen geschätzt haben. Und das macht ihn seiner Priesterweihe in jedem Fall unwürdig. Mit dieser Haltung hat er es nicht einmal verdient, Ministrant zu sein.

      Kirchlicher sexueller Missbrauch relativiert natürlich auf keinen Fall anderweitigen sexuellen Missbrauch. Ein Schwein das für 20€ in Thailand Mädchen vergewaltigt bleibt ein Schwein das für 20€ in Thailand Mädchen vergewaltigt. Punkt! Daß es auch Priester gibt die so etwas getan haben, ändert daran nicht das geringste.
      Aber daß ausgerechnet der ältere Bruder eines hochrangigen Bischofs (sogar Oberhauptes einer sehr mitgliederstarken Teilkirche) solch eine innere Kaltherzigkeit zeigt, ist äußerst erschreckend.
      Herr Ratzinger, wenn Sie noch einen Rest Anstand haben, dann lassen Sie sich laiisieren!

  • Wrightflyer
    16.01.2016, 16:15 Uhr.

    Habe es mir gestern geholt!
    Bin natürlich noch nicht weit mit lesen, wenn ich es gestern abend erst anfangen konnte. Aber das was ich gelesen habe, ist schonmal durchaus interessant und durchaus tiefgängig.
    Ein sehr positives Zitat von seinem Vorgänger hat er auch gebracht.

    „Er kritisiert Heuchelei und Selbstgerechtigkeit in der katholischen Kirche.“
    Die gibt es allerdings nicht nur beim Klerus…

    „Zudem sei „das Gefühl für die Sünde“ verloren gegangen. Viele betrachteten Sünde als unheilbar, und es mangle an Glauben, dass es Erlösung gebe.“
    Man hat früher mal die Bibel komp,lett falsch verstanden und sich eher einen ständig strafenden, unbarmherzigen Gott vorgestellt. So wie wir miteinander umgehen, wir müssen ja jede Kleinigkeit bestrafen, sonst können wir unsere Ordnung nicht durchsetzen. Daß das katastrophaler Mist war, ist klar. Darüber brauchen wir erst garnicht zu diskutieren, das versteht sich von selbst.
    Allerdings fällt man heute gern auf der anderen Seite vom Gaul und ist oft garnicht mehr zur Selbstkritik fähig. Aber wenn niemand mehr einsehen will, was er falsch macht, wie soll dann eine bessere Gesellschaft entstehen? Jeder Sportler muss, um besser zu werden zur Selbstkritik fähig sein, jeder Schüler muss sich Kritik vom Lehrer anhören können und jeder Student muss zur Selbstkritik in der Lage sein, denn der Prof sagt einem selten vor der Klausur, was man falsch macht. Nur auf kleinen Hochschulen wo es noch Kontakt zwischen Prof und Studenten gibt und wo viele Labor- und Projektarbeiten gemacht werden, läuft es manchmal anderst. Wir beim THW hören uns nach Übungen auch immer an, was nicht so toll gelaufen ist, um für den Einsatzfall zu lernen.
    Niemand von uns ist ohne Sünde, wir alle machen Fehler. Wenn man alles immer nur den anderen in die Schuhe schiebt, kann es keine Versöhnung geben, keine haltbaren Ehen und Freundschaften, keinen Frieden zwischen den Völkern.

    „Einmal mehr gebraucht er das Bild von der Kirche als Feldlazarett.“
    Es würde mich mal brennend interessieren, ob Franziskus MASH kennt….

    „Dabei bekräftigt er seine Auffassung, dass Schwule und Lesben, die guten Willens seien und Gott suchen würden, nicht zu verurteilen seien. Niemand dürfe Homosexuelle „an den Rand drängen“.“
    Ich sags ja nur ungern, aber eher enttäuschend ist hier die Haltung von Teilen unserer anglikanischen Geschwister.
    Natürlich darf man einer Kirchengemeinde die sich damit unwohl fühlt nicht plötzlich Trauungen homosexueller Paare aufzwingen. Aber daß man sich wegen dem thema gleich gegenseitig in die Wüste schickt und nicht imstande ist, trotz unterschiedlicher Auffassungen brüderlich miteinander umzugehen, ist doch eher tragisch.

    „Aus journalistischer Sicht ist vielleicht doch eine Chance vertan, im Interview mit dem Papst konkreter über sein Amt, die Kirche und die Welt zu sprechen. Doch das war offenbar nicht Ziel des Buches.“
    Naja, mit Franziskus‘ Reform ist es ja auch kompliziert.
    Was sind wir bislang an Reformen gewohnt, was verstehen wir darunter? Die Politiker die wir mangels besserer Ideen schon wieder gewählt haben, verordnen von oben runter ein paar neue Gesetze, wir übernehmen sie und haben ansonsten nichts mehr damit zu tun. Aber eine echte Kirchenreform kann so nicht stattfinden. Sie braucht Mut zum unbekannten, zum ergebnisoffenen. Manche die geglaubt haben daß Franziskus mal eben eine stalinistische Säuberung durchführt, dann einen Stapel neuer Kirchengesetze erlässt und einen ansonsten in Ruhe lässt, sind schon bitter enttäuscht von ihm.

    PS: Übrigens befindet sich links oben auf dem Buchumschlag Franziskus‘ Wappen. Und ich habe zur rechten unteren Ecke mal eine ernsthafte Frage, vielleicht kann die Redaktion sie mir beantworten: WARUM HOPFENBLÜTE??? Ich interessiere mich eigentlich nicht für Wappen, aber die Hopfenblüte irritiert mich.

    • mac
      18.01.2016, 11:31 Uhr.

      Laut Wikipedia ist es keine Hopfenblüte, sondern eine Nardenblüte. Schauen Sie doch einfach mal dort nach.

    • SuNuraxi
      18.01.2016, 14:21 Uhr.

      Das soll keine Hopfenblüte sein, sondern eine Nardenblüte, ein Symbol für den Hl. Josef. Ist im Wappen allerdings künstlerisch ziemlich missglückt, deshalb diese häufig passierende Verwechslung.

      • SuNuraxi
        18.01.2016, 19:19 Uhr.

        Noch eine Ergänzung: Auch wenn es eine Nardenblüte ist, was sollte an einer Hopfenblüte schlecht sein? Ich liebe Hopfen, besonders, wenn in einem bestimmten Getränk vorhanden. Er ist auch eine sehr brauchbare Heilpflanze. Hopfenpräparate sind sehr brauchbare Beruhigungs- und Schlafmittel und deshalb den üblichen Antidepressiva und von Pharmafirmen produzierten Schlaftabletten (außer in wirklich schweren Fällen) vorzuziehen (Baldrian geht übrigens auch).
        Entschuldigung, dass ich in einem Blog namens „Papstgeflüster“ über so etwas schreibe, aber Sie haben mich da punktgenau bei einer meiner speziellen Leidenschaften erwischt, nämlich bei den Heilkräutern und Heilpflanzen.

        • Wrightflyer
          19.01.2016, 23:45 Uhr.

          Da haben wir sogar etwas gemeinsam, ich interessiere mich auch für Heilpflanzen! Leider ist mein Wissen noch ausbaufähig, denn ich interessiere mich daneben auch für viele andere Dinge, ziemlich leidenschaftlich für Flugzeuge z.B.

          Der Hopfen nervt mich in dem Zusammenhang einfach: Franziskus wollte doch hoffentlich nicht ausdrücken daß er ein Schlafmittel wäre…

    • Alberto Knox
      18.01.2016, 14:49 Uhr.

      liebe wrightflyer,

      es handelt sich um eine nardenblüte. sie soll den hl. joseph symbolisieren (der stern maria und das kürzel IHS – besser: IHC – sind die ersten drei griechischen buchstaben des namens jesu). heraldiker sollen nicht besonders glücklich über das wappen sein – aber ich glaube, das ist unserem franz wurscht. wappen werden ihm ziemlich bourgeois sein. vielleicht schafft ein papst das ohnehin mal ab…

      • SuNuraxi
        18.01.2016, 19:10 Uhr.

        Alberto Knox, 18.01.2016, 14:49

        Tschuldigung, aber Wappen sind nicht bürgerlich oder „bourgeois“, wie Sie es auszudrücken belieben. Wappen haben ihren Ursprung Adel (also mit dem Feudalismus) zu tun, auch wenn sich gerade im Mittelalter auch viele stinkreiche Bürgerliche so etwas zulegten. Aber denken Sie mal an die Geschichte des alten Kirchenstaates (damit meine ich nicht die heutige Vatikanstadt): Die Wappen sind von dort. Und mit „bourgeois“ hat das so betrachtet sicher nichts zu tun.
        Im übrigen finde ich nicht (trotz der Assoziationen, die ich selbst bei Wappen üblicherweise habe), dass ein Papst- oder Bischofswappen etwas Böses ist. Also wozu abschaffen? Betrachten Sie es als so wie ein britisches oder irisches Pub-Schild: als ein Symbol, dass die Unverwechselbarkeit – je nachdem – eines Pubs, eines Papstes oder eines Bischofs symbolisieren soll.

        • Wrightflyer
          19.01.2016, 23:42 Uhr.

          Es gibt Wappen von Gemeinschaften, d.h. es gibt Städtewappen, es gibt Vereinswappen, es gibt Wappen elitärer Gymnasien, wie meines. Damit gibt es auch kein Problem.

          Wappen für einzelne Personen, da nennen Sie genau den Punkt, stammen vom Adel ab. Und was hat der Adel getan? Er hat es sich gutgehen lassen, während die Bauern geschuftet und sehr karg und sehr kurz gelebt haben. Und meistens wollte er früher oder später noch mehr Land, also hat er seine Untertanen in den Krieg geschickt.
          Ich hatte mit Herrn Knox schon eine Differenz wegen dem Kollarhemd, aber hier bin ich mit ihm einer Meinung: Den Adel kopieren ist für einen Geistlichen obszön, daher können Bischofswappen ruhig abgeschafft werden!

        • Wanda
          20.01.2016, 16:59 Uhr.

          – Sie haben Recht. Man kann vieles und noch dazu absolut banales künstlich hochproblematisieren…

      • Wanda
        19.01.2016, 1:36 Uhr.

        – aber das weiss Wrightflyer sicher aus dem NT von der teuren Nardenöl-Salbung Jesu, die zwar bei Matthäus, Markus und Johannes unterschiedlich erzählt wird (welche ist nun wahr?), bei Letzterem aber seinen Finanz-Apostel Judas Ischariot wegen der Verschwendung auf die Palme brachte…

    • Wrightflyer
      19.01.2016, 23:37 Uhr.

      Ich sehe da eindeutig Hopfen, tut mir leid!

  • Suarez
    19.01.2016, 14:04 Uhr.

    Übrigens, eine Ergänzung zu Herrn Knox: Es war offenkundig schon lange bekannt, dass Georg Ratzinger nicht nur von gewalt und Missbrauch wusste, sondern selber Gewalttäter war: http://www.zeit.de/2016/03/missbrauch-windsbacher-knabenchor-kirche-verzeihen/komplettansicht

    Und eines der Missbrauchsopfer gibt Details zu Ratzingers Mitwissen an: http://www.sueddeutsche.de/politik/domspatzen-hoelle-auf-erden-1.2821958?reduced=true
    Dort bezeichnet das Opfer Probst Ratzinger ausdrücklich als Sadisten.
    Dieser Mann ist als Vorbild nicht zu halten!

    • Alberto Knox
      19.01.2016, 22:59 Uhr.

      sehr geehrter suarez,

      besten dank für ihre links, den von der sz kannte ich bereits. christian feldmann, absolut kein ratzingergegner (im gegenteil) stellt nicht nur mehr als kritische fragen an GEORG ratzinger (den er sehr wohl für verantwortlich und auch wissend hält), sondern auch an JOSEPH ratzinger, der als präfekt der glaubenskongregation zwar mit den legionären christi aufräumen wollte (und von johannes paul ii. ausgebremst wurde, aber als papst den gründer der legionäre – immerhin im 85. lebensjahr – aufs altenteil schickte), aber eben auch mehrfach an vertuschung und kräftiger ignoranz mitwirkte: http://www.christundwelt.de/detail/artikel/was-die-spatzen-von-den-daechern-pfeifen/

      jemand, der täter deckt und diesen durch versetzung HILFT, WEITER KINDER ZU MISSBRAUCHEN, macht sich selbst schuldig. und das hat joseph ratzinger wohl schon bei den domspatzen. schließlich hat georg ratzinger davon gewusst und christian feldmann schreibt mit recht, dass beim symbiotischen lebenswandel der beiden ratzingers georg dem joseph sicher mitgeteilt hat davon.

    • Wrightflyer
      19.01.2016, 23:35 Uhr.

      Die gute Frage ist, was Joseph Ratzinger geahnt hat…
      Ich möchte mir hier kein vorschnelles Urteil erlauben. Ich bin alles andere als ein Ratzinger-Fan, aber eine erwiesene Mitwisserschaft eines ehemaligen Papstes dessen Amtszeit erst vor relativ kurzem war, bringt meine Exkonfession in eine Lage, die ich ihr ehrlich nicht wünsche. Bzw. man müsste selbst schon sadistische Neigungen haben um das zu wünschen.

      Sicher ist es für Joseph Ratzinger gerade nicht einfach… persönlich halte ich für möglich, daß er einiges geahnt, aber verdrängt hat. Das kommt bei Familienangehörigen vor. Der Bruder mit dem man aufgewachsen ist, den man liebt, der darf einfach kein Verbrecher sein….

      Es bringt auch Franziskus in eine beschissene Lage, immerhin hat er Joseph Ratzinger demonstrativ umarmt, mehrfach zu wichtigen Gelegenheiten eingeladen, in Evangelii Gaudium zitiert…

      Georg Ratzinger, dabei bleibe ich, soll sich laiisieren lassen. Er ist unwürdig, auch nur Ministrant zu sein.

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