Synode zu Ehe und Familie – Tag 3

Da ist dem Papst doch glatt schon am ersten Tag die Hutschnur geplatzt. Nach der Relatio von Kardinal Peter Erdö und der ersten Stunde freier Diskussion gestern sah er sich heute Morgen genötigt, einige Dinge klarzustellen. Dabei gab es für mehrere Seiten ein Päckchen, doch eine Seite musste ganz besonders einstecken. Bis Dienstagnachmittag hatten insgesamt 72 Synodenväter gesprochen. Die Themenpalette war weit. Stark vertreten waren die Forderung nach einer neuen Sprache in der Kommunikation zwischen Kirche und Welt sowie die Probleme, die durch Flucht und Vertreibung für Familien entstehen. Am Nachmittag trafen sich die Sprachgruppen zum ersten Mal und wählten die Moderatoren sowie die Relatoren, die die Ergebnisse später im Plenum vortragen werden.

Ungewöhnliche Intervention des Papstes

Dass Franziskus so früh das Wort ergreift, hätte wohl niemand erwartet. Doch der erste Tag gestern hat so viele Fragen aufgeworfen, dass der Papst sich zu Klarstellungen genötigt sah. Zum gab es bei einigen Synodenvätern wohl Unklarheit über Prozedere und Methodologie der Synode. Hier hat dem Vernehmen nach der Cheforganisator der Synode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, mit seinen Ausführungen gestern mehr für Verwirrung als für Klarheit gesorgt. Zum anderen bedeutet die Rede des Papstes aber auch noch einmal eine klare inhaltliche Positionierung. Der Vatikan hat den Wortlaut bisher nicht veröffentlicht.

Vatikansprecher Federico Lombardi nannte folgende Punkte: Papst Franziskus habe eigens betont, dass die Methodologie von ihm approbiert worden sei, sprich die Verkürzung der Vortragsphase im Plenum und die Stärkung der Sprachgruppenarbeit. Es scheint wohl Synodenväter gegeben zu haben, die sich mehr Vorträge im Plenum und dafür weniger Diskussion wünschten. Doch für Franziskus passiert das Entscheidende im Gespräch. Die vergangenen Monate mit den zum Teil heftigen medialen Scharmützeln haben gezeigt, dass Diskussionsbedarf besteht. Zum Vergleich: bei der letzten Ordentlichen Bischofssynode im Oktober 2012 gab es 23 Generalkongregationen und acht Sprachzirkeltreffen. Dieses Mal sind es 18 Generalkongregationen und 13 Kleingruppentermine.

Papst verteidigt seine Entscheidungen

Unzufrieden war Franziskus wohl mit der Relatio von Kardinal Erdö. Denn er betonte, dass auch die „drei offiziellen Dokumente“ der letzten Synode Gültigkeit hätten: seine beiden Reden zum Beginn und zum Schluss der Beratungen sowie die Relatio Synodi. Einige Redner, darunter Kardinal George Pell hatten gefordert, allein die Ansprache Erdös von gestern als Grundlage für die Arbeiten zu nehmen. Dem erteilte Franziskus damit eine klare Absage. Die aktuelle Synode setze die vergangene Synode fort. Und auch in einem anderen Punkt wies er seinen Finanzminister Pell in die Schranken. Der australische Kardinal hatte in seinem Statement gestern Nachmittag die Zusammensetzung der zehnköpfigen Redaktionsgruppe für das Abschlussdokument der aktuellen Synode in Frage gestellt. Das Team scheint dem konservativen Kirchenmann zu einseitig besetzt zu sein. Dazu stelle Franziskus heute klar: Er habe das so entschieden und damit basta.

Mit dem Verweis auf seine beiden Reden bei der letzten Synode holt Franziskus einerseits seine Aufforderung zur freien Rede in die aktuelle Versammlung, auch in Bezug auf kritische Punkte gegenüber dem Papst. Andererseits steht damit aber auch wieder seine klare Aussage über den Papstprimat im Raum: Am Ende entscheidet er mit voller und höchster Autorität. Franziskus stellte auch noch einmal klar, dass aus seiner Sicht bei der vergangenen Synode die Lehre zu Ehe und Familie nicht infrage gestellt oder verändert worden sei. Damit betont er einerseits erneut die Unauflöslichkeit, sieht andererseits aber auch durch das Nachdenken etwa über die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene die traditionelle Lehre nicht infrage gestellt. Damit sind wir beim letzten Punkt der Papstansprache heute: Er stellte klar, dass die Frage nach der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene nicht das zentrale Thema der Synode sei.

Frauen stärken

Beim Pressebriefing am Mittag war das Thema aber trotzdem stark präsent. Der Erzbischof von Gatineau, Paul-Andre Durocher, erklärte dazu, es müsse geklärt werden, ob es sich bei dieser Frage um eine doktrinäre oder eine disziplinarische Frage handle. Wenn das letztere der Fall ist, sieht er wohl Spielraum. Durocher selbst hatte sich nach eigenen Angaben gegenüber Journalisten in seinem Statement in der Synodenaula dafür ausgesprochen, über den Diakonat der Frau nachzudenken. Zudem habe er ausführlich über Gewalt gegen Frauen gesprochen. Durocher sagte, die Weltgesundheitsorganisation gehe davon aus, dass weltweit rund 30 Prozent der Frauen unter Gewalt litten. Er forderte die Synode auf, eine klare Botschaft dahingehend auszusenden, dass eine Dominanz von Männern über Frauen mit der biblischen Botschaft nicht vereinbar sei. Schließlich hatte sich der kanadische Bischof auch dafür ausgesprochen, dass Laien in der Eucharistiefeier predigen dürften.

Während Letzteres wohl nur eine Einzelmeldung war, wurde die Gewalt gegen Frauen mehrfach thematisiert. Daneben ging es um Armut, Kinderarbeit, Polygamie sowie Ehevorbereitung und die Begleitung von Ehepaaren und Familien. Mehrere Äußerungen gab es nach Angaben der Berichterstatter des Vatikanischen Pressesaals zum Thema Homosexualität. Ein Synodenvater sagte demnach, Homosexuelle seien keine Außenseiter, sondern aus „unserem Fleisch und Blut“. Sie seien „unsere Kinder“ und „unsere Familie“. „Wie können wir ihnen eine Hand des Willkommens entgegenstrecken?“ Damit steht, wie schon bei der Außerordentlichen Synode im vergangenen Oktober, die Frage nach einer Willkommenskultur im Raum.

Beim Briefing betonte ein Vatikansprecher, dass auch die Frage in den Raum gestellt wurde, bestimmte Probleme nicht global, sondern lokal zu lösen, etwa bei den wiederverheirateten Geschiedenen. Der Antwerpener Bischof Johan Bonny hat im Internet sein Synoden-Statement veröffentlicht. Darin fordert er neben einem Respekt vor Unterschiedlichkeit auch mehr Kompetenzen für die Ortsbischöfe bzw. die Bischofskonferenzen.

Papst fordert Barmherzigkeit

Der Papst begann den Tag heute übrigens mit einer bemerkenswerten Predigt in Santa Marta. Er beklagte die Hartherzigkeit bei Priestern. Gott sei Barmherzigkeit und wolle barmherzige Diener, so Franziskus. Jesus sei bei den Gelehrten auf Unverständnis gestoßen wegen seines Umgangs mit Sündern, weil die Gelehrten seine Barmherzigkeit nicht verstanden hätten. „Wo der Herr ist, da ist Barmherzigkeit“, so Franziskus und er fügte eine kritische Aussage des heiligen Ambrosius hinzu: „Und wo Strenge ist, da sind Gottes Diener.“

P.S. Erzbischof Durocher hat sein Statement in der Synode im Internet veröffentlicht, damit klar ist, was er zum Diakonat der Frau gesagt hat und was nicht.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

30 Kommentare

  • Alberto Knox
    07.10.2015, 0:58 Uhr.

    bevor ich selber etwas sage, möchte ich kurz auf ein (!) resumée von otto hermann pesch zurückgreifen:

    „Selten in der Kirchengeschichte ist eine nicht einmal qualifizierte Minderheit auf einem Konzil so pfleglich, geradezu zartfühlend und auf Kosten des öffentlichen ‚Image’ des Papstes behandelt worden unter Inkaufnahme widersprüchlicher, jedenfalls uneindeutiger Formulierungen der Konzilstexte. Und selten hat diese Minderheit anschließend ungenierter – um nicht zu sagen: schamloser und dreister – die von ihr erzwungenen Uneindeutigkeiten der Konzilstexte ausgenutzt, um sich an dem klaren Mehrheitswillen der Repräsentanten der Weltkirche vorbei auf den Bahnen des Hergebrachten durchzusetzen. Wenn es dazu eines Beweises bedürfte, so wäre er gegeben durch die Behandlung der ohnehin durch den dichten Filter der deutschen Bischofskonferenz gegangenen und darum ganz bescheidenen Anträge der Würzburger Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland durch Rom – nämlich ihrer Ablehnung durch gezielte Nicht-Behandlung“ (Otto Hermann Pesch, Das Zweite Vatikanische Konzil, Würzburg 2001, 373).

    was pesch vom zweiten vatikanum schreibt – nämlich dass die konservative (heute wohl: erzreaktionäre) minderheit so pfleglich von paul vi. angefasst wurde – scheint sich unter franziskus NICHT zu wiederholen.
    er hat die schnauze voll von den pells, turksons („abtreibung ist wichtiger als klimaschutz“ – da ist schon die komparation humbug), müllers (der ist verdächtig still, seit die granate charamsa knapp an seinem kopf vorbeigeflogen und direkt hinter ihm detoniert ist). papst franziskus ist einfach – wie eine freundin formulierte – normal. und er möchte ganz normal christ sein.
    ich kann mir gut vorstellen, dass er kotzen (sit venia verbo) könnte, wenn er die intrigen von pell und co. sieht. es geht diesen leuten doch nur um macht und sex. da ist keine transparenz für christus. und alles, was deren macht in frage stellt (frauen im vatikan, gar in leitungspositionen; der entfall von sex als unterdrückungsmechanismus etcetc.), wird bekämpft, koste es was es wolle. die intrigen stehen ganz weit rechts.
    beten wir für papa franz – er braucht unsere solidarität und unseren geschwisterlichen beistand. gerade jetzt.

    • Silvia
      07.10.2015, 11:53 Uhr.

      Und das Problem mit den nicht eindeutig formulierten Konzilsdokumenten geht noch weiter.

      Konservative Priester der jüngeren Generation, die das Konzil selbst nicht mehr erlebt haben, berufen sich gerade auf diese Vieldeutigkeit, wenn sie manches versuchen, „umzugestalten“ (ich spreche aus eigener Erfahrung).

      Dh., die ganze nachkonziliare Kirche leidet unter dieser Uneindeutigkeit.

    • brigitta
      07.10.2015, 20:03 Uhr.

      Ich hätte es nicht so drastisch formuliert aber so ist es

  • Alberto Knox
    07.10.2015, 1:03 Uhr.

    übrigens danke, herr erbacher, für ihre seriöse und wohltuende berichterstattung.

    quebec hat einen beneidenswert vernünftigen erzbischof! herr durocher sollte man sich merken. ein guter mann!

  • Silvia
    07.10.2015, 5:23 Uhr.

    Lieber Herr Erbacher, es tut richtig gut, hier Ihre Berichte zu lesen. Auf Radio Vatikan liest sich das für michh alles sehr glatt gebügelt.

    Es war ja auch von Anfang an klar, dass die Synode da weiter machen soll, wo die letzte aufgehört hat.

    Da war es ja schon eine Frechheit, dass Kardinal Erdö das Ruder herumreißen und die Synode gleich zu Beginn in die von ihm und den Hardlinern gewünschte einseitige Richtung manövrieren wollte.

    Was die WvG angeht, das ist nun mal DIE Frage, an der sich in der gesamten westlichen Welt die Zukunft der Kirche entscheiden wird.

    Dass jetzt vermehrt das Thema Flucht und Vertreibung und deren Auswirkungen auf die betroffenen Familien diskutiert wird, finde ich nicht so gut, weil es die Synode von den ursprünglichen Themen weg führt.

    Flucht, Vertreibung, Asyl sind ein spezielles Thema und Problem, das man nicht auf das Thema Familie reduzieren und mit anderen „Familienproblemen“ vermengen sollte.

    Die Auswirkung der gegenwärtigen Situation der Flüchtlingsströme auf die betroffenen Familien wird sich erst in einigen Jahren zeigen und wird dann eben auch sehr speziell sein.

    Man sollte also die Flüchtlingsfrage im Wesentlichen aus der Familiensynode heraus halten, sonst verschiebt sich der Schwerpunkt.

  • Silvia
    07.10.2015, 7:20 Uhr.

    Gläubigen katholischen Christen die Kommunion zu verweigern, wenn sie in „irregulären“ Beziehungen leben, ist eines der letzten Druckmittel der Kirche, weil das für die Betroffenen sehr schmerzlich ist.

    In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu wissen, wie viele der in den letzten Jahren aus der Kirche ausgetretenen Katholiken zu einer anderen Konfession konvertiert sind-

    • G. Küppers
      07.10.2015, 9:39 Uhr.

      Das mit der Konversion halte ich erstens für keine gute Idee (für einen überzeugten Katholiken kommt sowas eigtl. nicht in Frage, auch ökumenisch betrachtet wäre es m.E. ein Fehler, weil man mit so einem Schritt im Grunde die Einheit der Kirche in Frage stellt und sich einer spaltenden Doktrin anschließen müsste, die nicht in Einheit mit dem Papst steht) und glaube zweitens auch nicht, dass das so viele machen.

      Es ist ja faktisch nicht so schwer, den Wiederverheiratetenkommunionausschluss zu umgehen, indem man bspw. woanders zur Messe geht, wo einen keiner kennt. Der Papst hat ja (unbestätigten, aber m.E. recht glaubwürdigen Gerüchten zufolge) so ein Vorgehen zu Beginn seines Pontifikats einer argentinischen Bekannten selbst mal empfohlen. Auch seine (auch heute) wiederholte Kritik an „hartherzigen Priestern“ geht in diese Richtung.

      Schwieriger ist es natürlich mit der Beichte. Da ist die unselige Rolle „hartherziger Priester“ noch deutlicher, die die Lossprechung (von ganz anderen und nicht unbedingt harmloseren) Sünden nur deshalb verweigern, weil ein Beichtwilliger in einer „irregulären“ Partnerschaftssituation lebt. Hab ich selbst mal erlebt (ohne selbst der Betroffene zu sein und auch nicht in Dtschl.) und finde es so unevangelisch wie nur etwas, geradezu empörend. Reuige Sünder wegstoßen, weil sie irgendwelche sexualmoralischen Reinheitskriterien nicht erfüllen, das ist nach meinem sittlichen Verständnis völlig grotesk. Die Bekannte, der das passiert ist, geht natürlich im Leben nicht mehr zur Beichte.

      • Silvia
        07.10.2015, 13:36 Uhr.

        Es gibt als Alternative noch die altkatholische Kirche. Dass man sich heimlich die Kommunion „erschleichen“ soll, indem man in eine Gemeinde geht, in der einen niemand kennt, ist aus meiner Sicht keine Lösung sondern Teil der typischen, katholischen Doppelmoral.

        So nach dem Motto, man kann alles machen, so lange keiner davon was erfährt.

        Ich persönlich bin für klare Verhältnisse!

  • Silvia
    07.10.2015, 12:06 Uhr.

    Hier kann man sich auch direkt täglich bei einem Synodenteilnehmer, einem Bendiktiner, informieren:

    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/tag-3-klarungen

    • Micaela Riepe
      07.10.2015, 15:00 Uhr.

      Danke, Silvia, für den Link! Da schreibt jemand sehr warmherzig, es ist eine Freude, das zu lesen.

      Im Übrigen, er beschreibt eine aufschlussreiche Szene: Neben der Familie des bezaubernden Davide – welche auf der Visitenkarte alle ihre dreizehn Kinder abgebildet hat – taucht ein Bischof auf und sagt, auch eine alleinerziehende Mutter mit Kind sei Familie. Wie wahr.

  • JasJu
    07.10.2015, 12:21 Uhr.

    Ein Forum für durchprotestantisierte Deutschkatholiken? Dass Christen, die sich entschieden haben, dauerhaft in der Sünde zu leben und Sakramente (die Ehe) zu brechen, unbedingt den Leib des Herrn empfangen müssen, ist weltkirchlich eine Außenseiterposition. Diese Arroganz der glaubensleeren deutschsprachigen „Katholiken“ ist unerträglich. Barmherzigkeit geht nunmal nicht ohne Wahrheit. Aber ich bin zuversichtlich: Afrika wird die Synode retten und alles bleibt schön katholisch.

    • silberdistel
      07.10.2015, 14:26 Uhr.

      Welche Wahrheit?
      Da selbst Papst Franziskus mutmaßt das Gott nicht Katholisch sei, mag es im Zweifelsfall doch sicherer sein sich primär an die Evangelien zu halten, die für Christen ja maßgeblich sind. Das ist beileibe noch kein Protestantismus.
      Wenn die Kirche mit aufgeklärten, selbst denkenden und -fühlendem Glaubensvolk nicht zurecht kommt, dann mag für sie in der Tat der „schwarze“ Kontinent der ehemaligen Sklaven das angenehmere Habitat sein. – Bis man dort ebenfalls eigenständige Reife, auch als Christ, erreicht hat und die neuen Bevormunder genauso wieder aus ihrer Machtposition hinaus wirft wie es im aufgeklärten Europa der Fall gewesen war. Weil man eben an hinzugefügtem, unzulänglich menschlichem Machwerk, wiederum nicht mehr länger glauben will 😉

      • silberdistel
        08.10.2015, 0:36 Uhr.

        JasJu
        07.10.2015, 12:21 Uhr.
        …..doch ich fürchte ich bin Ihrem, wenn ja dann durchaus gelungenem, Sketsch auf den Leim gekrochen : – )

    • G. Küppers
      07.10.2015, 14:49 Uhr.

      Die Legende von der angeblichen „deutschkirchlichen“ Außenseiterrolle ist Unsinn. Sicher haben die Ortskirchen ihre Eigentümlichkeiten und besonderen Probleme und Akzente. Gerade was die Haltung der Katholiken zu Sexualfragen betrifft, ist die Situation in anderen Ländern aber doch vergleichbar bis hin zu sehr ähnlich. Das hat ja im Übrigen auch die Fragebogenaktion vor der Synode erbracht. Auch der Papst, der das Ganze ins Rollen brachte, ist ja Argentinier und die deutschen Verhältnisse sind ihm ganz fremd.
      Afrika wird meiner Meinung nach zumindest bei diesen Streitthemen kaum eine Rolle spielen. Da war im Vorfeld der Synode so viel so viel übertriebenes Getöse dabei (und die Probleme der afrikanischen Kirche gerade im Bereich Sexualität und Korruption sind dermaßen offenkundig und allen Synodenteilnehmern bekannt), dass das nicht mehr glaubwürdig rüberkommen kann. „Gefährlicher“ für eine Öffnung sind die extrem verschlossenen und aggressiv papst- und kasperkritischen Kräfte aus dem angelsächsischen Raum, also die klassische „christliche Rechte“. Sie waren es ja auch, die überhaupt die Idee dazu hatten, Afrika gegen die Synode in Stellung zu bringen und die Kampagne „Africa docet“ zu starten.

      Um Christen, die sich entschieden haben, dauerhaft in der Sünde zu leben, geht es bei dem Thema ja auch gar nicht (diese zugespitzte Formulierung zeigt für mich eigentlich nur, dass JasJu die Diskussion nicht wirklich durchdringt, sondern auf platte und simplifizierende Parolen setzt). Die Kernfrage ist ja vielmehr, ob überhaupt in jedem Fall eine „Sünde“ vorliegt, denn nur dies könnte den ganz pauschalen Ausschluss von den Sakramenten (neben der Kommunion v.a. das Bußsakrament) rechtfertigen.

    • Wanda
      07.10.2015, 17:13 Uhr.

      – oha, Steinzeit im Gauben…

  • Alberto Knox
    07.10.2015, 13:13 Uhr.

    „Ein Forum für durchprotestantisierte Deutschkatholiken?“

    wenn es ihnen nicht passt, dass wir hier katholisch sind und uns dazu bekennen, gehn’s doch zu katholisches.info (wo ihnen weltverschwörungstheorien und antisemitismus um die ohren fliegt), oder zu roland noé, der katholische priester, die ehrlich zu ihrem scheitern stehen, als ratten bezeichnet (http://www.muenster.de/~angergun/bildschirmfoto.jpg).

    „Dass Christen, die sich entschieden haben, dauerhaft in der Sünde zu leben und Sakramente (die Ehe) zu brechen, unbedingt den Leib des Herrn empfangen müssen, ist weltkirchlich eine Außenseiterposition.“

    für außenseiterpositionen war auch jesus von nazaret bekannt. außerdem sind wiederverheiratet geschiedene eben keine notorischen ehebrecher.

    […]*

    „Barmherzigkeit geht nunmal nicht ohne Wahrheit.“

    die wahrheit ist die barmherzigkeit.

    „Aber ich bin zuversichtlich: Afrika wird die Synode retten und alles bleibt schön katholisch.“

    natürlich bleibt alles katholisch. nur nicht in ihrem sinne. und ich gehe davon aus, dass auch die afrikaner lernen werden.

    *editiert wegen Verstoßes gegen die Netiquette

  • Intsiful, J. B. E.
    07.10.2015, 14:16 Uhr.

    Der Papst fordert Barmherzigkeit! Ich kann Barmherzigkeit erwarten, wenn ich Reue zeige. Ein hundert Kilogramm Mann steht auf meinem Fuß. Ich haue ihn nicht weg weil ich barmherzig sein will -wie dumm. Und wenn ich 1000,€ gestohlen habe, und ich gehe zu Beichte, muss ich auch das Geld zurückgeben um Vergebung zu erlangen. Oder ich gehe zu dem Person und sage ich ihm, dass ich das Geld geklaut habe und wenn er mir verzeiht ist gut. Wenn nicht muss ich zahlen, sonst bin ich immer noch schuldig.
    Wie kann ein Ehebrecher in seinen Verbrechen leben und von Gott Verzeihung finden. Das ist Protestantisch. Ein Protestant sagt Gott: „Es tut mir leid.“ Und er/sie glaubt Gott hat ihm/ihr vergeben.
    Liebe Katholiken, wir wollen den Himmel nicht so billig gewinnen; denn wenn so wäre, hatte Jesus sich nicht so brutal schlagen lassen. Wir müssen den Himmel hart verdienen. Solche Barmherzigkeit glaubt nur Kardinal Kasper und Papst Franziskus I.

    • Alberto Knox
      08.10.2015, 17:48 Uhr.

      nun, dumm nur, dass sie nicht im einklang mit dem evangelium sind. jesus sagt zuerst: das gottesreich ist nahe und fordert erst dann zur umkehr auf (schauen sie mal in mk 1). das ist genau die umgekehrte reihenfolge, die sie verfechten.

      „Das ist Protestantisch. Ein Protestant sagt Gott: „Es tut mir leid.“ Und er/sie glaubt Gott hat ihm/ihr vergeben.“

      1) bei den lutheranern gibt auch die beichte.
      2) und bei uns katholiken gibt es selbstverständlich auch die sündenvergebung OHNE beichte. durch gute taten, almosen, fasten, gebet. die beichte ist nur für schwere sünden zwingend vorgeschrieben (also für mord, ehebruch und glaubensabfall). taufe, krankensalbung und eucharistie wirken auch sündenvergebend. und übrigens: der hl. augustinus hat NIE gebeichtet.

      „Liebe Katholiken, wir wollen den Himmel nicht so billig gewinnen; denn wenn so wäre, hatte Jesus sich nicht so brutal schlagen lassen. Wir müssen den Himmel hart verdienen.“

      zu glauben, man könne sich den himmel verdienen, ist eine irrlehre – die des pelagianismus. mehr muss man dazu nicht sagen. erschreckend, was sich hier als katholisch ausgibt.

  • Student
    07.10.2015, 14:52 Uhr.

    Der oben genannte Paul-André Durocher ist nicht Erzbischof von Québec!
    Er ist Erzbischof des wesentlich kleineren Erzbistums von Gatineau!
    Erzbischof und Kardinal von Québec ist Gérald Cyprien Lacroix ISPX.
    Mit Erzbischof Paul-André Durocher hat also ein Vertreter aus dem kanadischen Episkopat gesprochen, der nicht so viel Bedeutung hat wie etwa einer der kanadischen Kardinäle. Diese haben nämlich teilweise abweichende Positionen.

    Zur Seite von Erzbischof Durocher beim Erzbistum Gatineau:

    http://diocesegatineau.org/fr/mgrpaulandredurocherbio.php

  • Student
    07.10.2015, 15:29 Uhr.

    @ Alberto Knox:

    Ich finde es ja moralisch nicht richtig, Kardinälen, die als zu konservativ empfunden werden, vorzuwerfen, sie würden irgendwelche Intrigen durchziehen…
    Kennen Sie die genannten Kardinäle persönlich? Wenn nicht, dann urteilen Sie doch bitte nicht über fremde Menschen.
    (Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!)

    @ Silvia:

    Darf denn Kardinal Erdö nicht seine Meinung sagen?

  • Micaela Riepe
    07.10.2015, 17:28 Uhr.

    Herr Erbacher,

    der Vatikan wird die Rede von Franziskus nicht im Wortlaut veröffentlichen, was in diesem Fall sehr schade ist und eigentlich nicht zu entschuldigen.

    Tricky finde ich, wie einige Synodenväter bisher ihre Beiträge zugänglich machen, im Zeitalter der unbegrenzten Kommunikation auch kein Wunder. Besonders der kanadische Bischof hat wohl allen Grund dazu; denn was er wirklich über das Diakonat von Frauen gesagt hat, kann nun jeder selbst nachlesen. Sehr praktisch, wenn ich die Gerüchte- und Verleumdungsküche bedenke, die immer mal wieder auftaucht. Ich finde gut, wenn Sie die veröffentlichte Beiträge auch weiterhin verlinken.

    Die Begründung von Pater Hagenkord:

    Pater Hagenkord sagt:
    7. Oktober 2015 um 16:35

    Den Text wird es nicht veröffentlicht geben, bisher lautet die Regel, dass der Vatikan keine Ansprachen (außer den offiziellen) aus der Aula veröffentlicht.

  • Thomas
    07.10.2015, 21:26 Uhr.

    Das ganze Thema raubt einen den letzten Nerv.
    Die gebote Gottes sind unumstösslich und gelten Ewig und daran kann auch ein Kardinal Marx und Franziskus nichts ändern.
    Der ganze Genderwahn ist nur noch widerlich.
    Fakt ist dass Homosexualität eine Totsünde ist und bleibt und wenn der „moderne Mensch“ meint das sei etwas völlig normales.
    Wiederverheiratet geschiedene leben in Ehebruch auch das ist Fakt.
    Dann das leidige Thema Abtreibung, wenn ich höre und lese dass es ein Menschenrecht sein soll dann kommt mir das grausen. Abtreibung ist und bleibt Mord!!!!
    Sodom und Gomorra war ein nichts gegen das was heute in der Welt abgeht.
    Die Menschheit hat keinerlei Sündenbewusstsein mehr. Beichte? Wer braucht das noch? Hat doch keiner mehr nötig.
    Aber alles und jeder will das Sakrament der Kommunion empfangen.
    Viele sind sich wahrscheinlich garnicht mehr bewusst dass dieses kleine stückchen Brot kein Brot ist sondern eine Person, es ist die göttliche Majestät Jesu Christi. Vor dem sich keiner mehr auf die Knie werfen will!!!
    Kniende Mundkommunion? Ist doch nicht mehr zeitgemäß, macht doch sowieso jeder im Stehen.
    Es ist gut dass Gott jetzt eingreifen wird, sonst könnte keiner gerettet werden.

    • Alberto Knox
      08.10.2015, 17:40 Uhr.

      ist ihr beitrag hier ernst oder satirisch gemeint?
      wenn er ernst gemeint ist, ist das hoffentlich nicht ihr ernst.

  • Josephin Clarissa Arenz
    08.10.2015, 23:36 Uhr.

    Denken diejenigen hier, die so mutig die Sünde verteidigen, auch nur ein einziges Mal an die verloren gehenden, unsterblichen Seelen, nicht zuletzt an ihre eigene. Mir schauderts!

    Reinhold Schneider formulierte unnachahmlich:

    Allein den Betern kann es noch gelingen
    Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
    Und diese Welt den richtenden Gewalten
    Durch ein geheiligt Leben abzuringen.
    Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
    Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
    Was sie erneuern, über Nacht veralten,
    Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.
    Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
    Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
    Indes im Dom die Beter sich verhüllen,
    Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt
    Und in den Tiefen, die kein Aug‘ entschleiert,
    Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.

  • JasJu
    09.10.2015, 10:58 Uhr.

    @ Wrightflyer. […]* Ihr Verständnis von Barmherzigkeit ist defektiv. Jesus sagt: „Geh hin und sündige fortan nicht mehr.“ (Joh. 8, 11)Wer das Eheband verrät, vor dem Staat eine neue dauerhafte Beziehung („Ehe“) eingeht, der lebt im Ehebruch. […]* Oder ignorieren Sie dieses Gesetz ebenso wie das endgültige Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ (1994), die ein für allemal das Frauenpriestertum ausschließt? Sicher träumen darf jeder. Aber dieses provinzielle Deutschkatholikentum ist ärgerlich.
    Mit dem, was Sie über die Stellung der Frau in der Welt schreiben, haben Sie allerdings recht.

    […]* editiert wegen Verstoßes gegen die Etikette

    • Alberto Knox
      09.10.2015, 19:24 Uhr.

      ich kann keinen defekt im barmherzigkeitsverständnis von wrightflyer erkennen. im übrigen ist nicht das schreiben von jp2 endgültig, sondern die aussage, dass die kirche keine vollmacht habe, frauen zu bischöfinnen und priestern weihen, sei endgültig zu halten. eine unfehlbare aussage im sinne des dogmas von 1870 ist das freilich nicht (sagt rom selbst). provinziell sind, mit verlaub, ihre anwürfe.

  • Wanda
    09.10.2015, 17:28 Uhr.

    JasJu 10:58
    – was ist bei Ihnen eigentlich von dem mittellosen Wanderprediger aus Nazareth übrig, dass Sie sich bemüssigt fühlen, nicht einmal passende Zitate anzuführen und anschliessend mit Ihrer eigenen Interpretation zu versehen?
    Dabei sollten Sie nicht vergessen: die IHN persönlich kannten, haben nichts über IHN geschrieben und jene die über IHN schrieben (sogenannte Evangelisten) haben IHN persönlich nicht (mehr)gekannt bzw. erlebt…
    Also, vorsichtig mit den Zitaten – werden oft zu Rohrkrepierern…

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