Stefan Heße neuer Erzbischof von Hamburg

Erneut gibt es eine Überraschung bei der Besetzung eines Bischofsstuhls in Deutschland. Papst Franziskus ernannte heute Stefan Heße zum neuen Erzbischof von Hamburg. Der 48-Jährige war zuletzt Generalvikar im Erzbistum Köln. Der Name sickerte bereits Ende vergangener Woche durch, nachdem die Pressestelle des Erzbistums Hamburg die offizielle Bekanntgabe für heute 12 Uhr angekündigt hatte. Ebenfalls seit Ende vergangener Woche gibt es Spekulationen über die Zukunft des ehemaligen Bischofs von Limburg Franz Peter Tebartz-van Elst. Dem steht offenbar ein Wechsel in den Vatikan bevor. Allerdings scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Noch ein Kölner

Kaderschmiede Erzbistum Köln: Nach den Bischöfen Trelle (Hildesheim), Hofmann (Würzburg), Koch (Dresden) und Woelki (Berlin, Köln) übernimmt ein weiterer enger Mitarbeiter des ehemaligen Kölner Erzbischofs Joachim Meisner die Leitung eines deutschen Bistums. Meisner hatte Heße im März 2012 zum Generalvikar im Erzbistum Köln gemacht. Der 1966 in Köln geborene Heße wurde seit den 1990er Jahren von Meisner gefördert; bewahrte sich aber trotz aller Loyalität eine Unabhängigkeit gegenüber dem mächtigen Kirchenmann vom Rhein. Als dieser Ende Februar 2014 in den Ruhestand trat, wählte das Kölner Domkapitel Heße zum Diözesanadministrator, obwohl es mit Dominik Schwaderlapp und Ansgar Puff zwei Weihbischöfe für dieses Amt gegeben hätte.

Doch Heße machte seine Aufgabe gut, genoss das Vertrauen der Gläubigen und des Kölner Domkapitels. Dieses setzte den damals mit 46 Jahren sehr jungen Diözesanadministrator sogar auf die Liste der drei Wunschkandidaten für das Amt des Erzbischofs von Köln. Doch der Name Heßes stand später nicht mehr auf der Dreierliste, die Rom wieder nach Köln zurückschickte. Der Papst wollte Woelki in Köln. Dafür kam Heße jetzt in Hamburg zum Zug. Obwohl Heße beinahe sein gesamtes Priesterleben in der Diözesanverwaltung verbracht hat, wird er in Köln für seine große pastorale Weitsicht geschätzt. Seit 2003 war er in den Bereichen Seelsorge und Pastoral des Generalvikariats tätig. „Hamburg bekommt einen guten Seelsorger mit einem Blick für die Nöte der Menschen“, heißt es aus seinem bisherigen Umfeld.

Umstellung für Heße

Für Heße wird der Umzug vom Rhein an die Elbe eine große Umstellung werden. Das Erzbistum Hamburg ist zwar flächenmäßig das größte katholische Bistum in Deutschland. Doch sind die 400.000 Katholiken im Dreiländerbistum zwischen Kiel, Schwerin und Hamburg in der Minderheit. Zahlenmäßig ist Hamburg damit das fünftkleinste der 27 deutschen Bistümer. Die Finanzmittel in Hamburg sind nicht zu vergleichen mit denen in Köln, wo Heße als Generalvikar eines der reichsten Bistümer der Welt verwaltete. Auch wenn das neue Erzbistum mit Gläubigen aus mehr als 170 Nationen ähnlich bunt ist wie die alte Heimat Köln, wird der Rheinländer Heße sich erst an seine neue Heimat gewöhnen müssen, wie umgekehrt die Hamburger an ihren neuen Oberhirten. Viele Katholiken in der Hansestadt hätten sich auch den Osnabrücker Bischof Franz Josef Bode als neuen Erzbischof vorstellen können. Doch der hat noch immer viele Kritiker in den Reihen, die im Vatikan das Heft bei Bischofsernennungen in der Hand haben – bis hin zu dem in Rom noch immer sehr präsenten emeritierten Kardinal Meisner.

Neuer Posten für Tebartz-van Elst?

Ob der auch die Finger im Spiel hat bei der Frage nach der Zukunft von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst? Der ehemalige Bischof von Limburg soll einen Posten im Vatikan bekommen. Allerdings soll er dem Vernehmen nach nicht eine „Planstelle“ in der Leitung eines Dikasteriums bekommen, sondern möglicherweise als Delegat einer der kleineren Vatikanbehörden zugeordnet werden. Dies könnte der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung sein. Während viele Beobachter bisher davon ausgingen, dass dieser Rat im Rahmen der Kurienreform aufgelöst werden könnte, könnte er in einem veränderten Design die Reform doch  überleben – mit einem Delegaten. Eine solche Position wäre nicht neu. Im Päpstlichen Kulturrat gibt es bereits neben dem Präsidenten und dem Sekretär, so nennt man den 2. Mann in einem Päpstlichen Rat, einen Delegaten, der mit Sonderaufgaben betraut ist.

Der Vatikan hatte bei der Entpflichtung von Bischof Tebartz-van Elst am 26. März 2014 bereits angekündigt: „Der scheidende Bischof, S.E. Mons. Tebartz-van Elst, wird zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut werden.“ Für die Unterstützer des Bischofs scheint die Zeit gekommen zu sein. Viele Gläubige sehen diese Zeit noch nicht als gekommen. Zum einen steckt das Bistum Limburg noch mitten in der Phase der Aufarbeitung der Ereignisse in der Amtszeit von Tebartz-van Elst. Zum anderen vermissen sie noch immer, dass der ehemalige Bischof eigene Fehler einsieht und eingesteht. Das ist aber für viele eine Voraussetzung dafür, um wie vom Papst in der Erklärung vom März gewünscht, „in ein Klima der Barmherzigkeit und Versöhnung zurückzufinden“.

Personalie sorgt weiter für Unruhe

Sollte die Ernennung von Franz-Peter Tebartz-van Elst auf einen Posten im Vatikan in nächster Zeit erfolgen, würde dies mit Sicherheit große Unruhe in die katholische Kirche in Deutschland bringen. Die Wunden sind noch nicht verheilt. Dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, stünden schwierige Wochen bevor. Wird er sich doch die Frage gefallen lassen müssen, warum die Rehabilitierung von Tebartz-van Elst so schnell erfolgte, lange bevor das Bistum einen neuen Bischof bekommt. Die jetzt angedachte Lösung ist also nicht unumstritten. Daher gibt es auch Gegenwind. Die Würfel dürften also noch nicht endgültig gefallen sein.

Unabhängig davon ist die Frage, ob ein Posten im Päpstlichen Rat für Neuevangelisierung der richtige für Tebartz-van Elst ist. Einerseits hat er Themen wie das Erwachsenenkatechumenat bearbeitet und auch neue missionarische Initiativen. Doch passt er mit seiner Geschichte, in der er durch sein bischöfliches Wirken zu einer starken Polarisierung eines Bistums führte, in einen Think-Tank für neue pastorale Initiativen? Denn das soll dieser Rat ja eigentlich sein.

P.S. Der Präsident des Rats zur Förderung der Neuevangelisierung, Erzbischof Rino (Salvatore) Fisichella, hatte am vergangenen Donnerstag eine Audienz bei Papst Franziskus. Es könnte durchaus sein, dass es dabei um die Personalie und die Zukunft des Dikasteriums gegangen ist.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.