Weißer Terminkalender

Das Jahr beginnt ungewöhnlich im Vatikan. Der Terminkalender des Papstes für 2013 ist noch nahezu jungfräulich. Außer den üblichen Fest-Terminen des kirchlichen Jahreskalenders wie Aschermittwoch, Kar- und Ostertage etc. ist er noch weiß. Bisher gibt es keine konkreten Pläne für internationale oder inneritalienische Reisen. Das war bisher anders. Mitte Januar hatte man meist eine grobe Idee über den päpstlichen Reisekalender des Jahres. Zwar gehen alle davon aus, dass Benedikt XVI. Ende Juli zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro reisen wird, doch eine offizielle Bestätigung gibt es bisher nicht. Dazu gibt es Spekulationen über einige europäische Reiseziele.

Bisher letztes Reiseziel: Libanon im September 2012

So liegt etwa eine Einladung in die Slowakei vor. Dort feiert man in diesem Jahr das 1150-Jahr-Jubiläum der Missionierung durch die Slawenapostel Kyrill und Method. Eine Irlandreise ist seit dem Aufkommen des Missbrauchsskandals immer wieder im Gespräch. Ob die Zeit dafür reif ist? Andere in der Vergangenheit oft genannte Reiseziele wie die Ukraine erscheinen aktuell eher unwahrscheinlich. Ganz gleich welches europäische Land Benedikt XVI. 2013 noch besuchen wird, es fehlt auf der päpstlichen Reisekarte noch immer ein Besuch in Asien. 24 Auslandsreisen hat der Pontifex aus Deutschland bereits gemacht, doch den Kontinent mit den zum Teil größten Zuwachsraten an Katholiken weltweit hat er bisher nicht besucht; wenn man davon absieht, dass er bei seinen Visiten in der Türkei und im Heiligen Land den Kontinent gestreift hat.

Sicher scheint auch, dass im Frühjahr eine neue Enzyklika erscheinen wird – passend zum Glaubensjahr zum Thema „Glauben“. Damit schließt Benedikt XVI. nach seiner Jesustrilogie auch seine Trilogie über die zentralen Themen des Christentums „Glaube, Hoffnung (Spe salvi), Liebe (Deus caritas est) ab. Einige Beobachter hatten die Enzyklika schon für Januar erwartet. Doch das war wohl zu optimistisch. Sicher wird es in diesem Jahr auch wieder ein Konsistorium zur Kreierung neuer Kardinäle geben. Traditionell gibt es dafür zwei Termine, die gerne dafür genutzt werden: das Fest Kathedra Petri Ende Februar und das Christkönigsfest Ende November. Da seit dem letzten Konsistorium Ende November 2012 kaum neue Plätze für Kardinäle unter 80 Jahre frei geworden sind, erscheint der Novembertermin wahrscheinlicher.

Termine gib es also bisher wenig im päpstlichen Kalender. Dafür liegen aber eine ganze Reihe unerledigter Akten auf dem Schreibtisch des Papstes. Dazu gehören die Verhandlungen über die Rückkehr der traditionalistischen Piusbruderschaft. Die waren im vergangenen Jahr ins Stocken geraten, nachdem der Vatikan die Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils und der nachkonziliaren Liturgie gefordert hatte. Kritische Äußerungen des Oberen der Piusbrüder, Erzbischof Fellay, zum Jahreswechsel über das Judentum, haben im Vatikan scharfe Kritik hervorgerufen und die Verhandlungen nicht erleichtert.

Zweites großes Thema sind die Finanzen. Hier will Benedikt XVI. saubere Konten in der Vatikanbank. Das stößt intern nicht nur auf Gegenliebe. Es ist ein zäher Prozess, im Staat des Papstes die internationalen Richtlinien gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu implementieren. Das Ringen mit der italienischen Zentralbank zum Jahreswechsel zeigt aber, wie dringlich das Thema ist. Seit 1. Januar blockiert die Zentralbank den bargeldlosen Zahlungsverkehr mit EC- und Kreditkarten im Vatikan. Den Vatileaks-Skandal hofft man im Vatikan, mit der Begnadigung des Butlers durch den Papst vor Weihnachten abgeschlossen zu haben. Paolo Gabriele soll dem Vernehmen nach in einer Außenstelle des Vatikanischen Kinderkrankenhauses in der Nähe der Basilika Sankt Paul vor den Mauern eine neue Anstellung finden.

Theologisch-spirituell wird das Jahr bestimmt durch das bis zum 24. November andauernde Jahr des Glaubens und das Konzilsgedenken. Ob der Papst neben der Enzyklika noch weitere Akzente setzen wird, bleibt abzuwarten. Möglich ist die Seligsprechung des Konzilpapstes Paul VI. im Herbst. Durch die Anerkennung des heroischen Tugendgrades kurz vor Weihnachten hat Benedikt XVI. den Weg dafür freigemacht. Allein es fehlt noch ein Wunder. Das könnte aber im Frühjahr bestätigt werden. Eher unwahrscheinlich ist die Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. noch in diesem Jahr. Polnische Kirchenkreise hatten zwar zwischen den Jahren ein entsprechendes Gerücht gestreut. Im Vatikan gibt es bisher dafür aber keine Bestätigung.

Tja – so ist der Eintrag über das Jahr 2013 nun doch länger geworden als geplant; aber der päpstliche Terminkalender ist trotzdem nach wie vor weiß. Das hängt sicher auch mit dem Alter des Papstes zusammen. Benedikt XVI. wird im April 86. Mehr noch als in den vergangenen Jahren muss er mit seinen Kräften haushalten. Entsprechend light gestaltet er seinen Terminkalender. So werden etwa bei Empfängen immer öfter keine Reden mehr gehalten. Die führenden Politiker der Region Latium und Roms bekamen dieses Jahr zwar eine Privataudienz zu Neujahr, aber anders als in den vergangenen Jahren üblich keine Rede mehr. Beim Antrittsbesuch neuer Botschafter wurde dieses Verfahren schon im Dezember 2011 eingeführt.

Kräfte schonen und Akzente dort setzen, wo es ihm wichtig ist. Das scheint eine der Devisen Benedikts XVI. für 2013 zu sein.

Autor: Jürgen Erbacher

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Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.
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3 Kommentare

  • M.G.
    17.01.2013, 19:35 Uhr.

    Die grauen und weißen Haare bei Menschen im Seniorenalter ist zwar die Krome der Weisheit,aber vor Gebrechen des Alters muss sie trotzdem nicht schützen.
    Vielleicht sollte mal in den vatikanischen Vorgaben,dass ein Papst nicht entlassen werden kann um in Rente zu gehen,mal geändert werden,denn trotz Leibensweisheit kann man mit zunehmenden Alter immer mehr arbeitsunfähig werden.Da schützt auch ein Gott den Papst davor.

    • Jürgen Erbacher (ZDF) Jürgen Erbacher
      18.01.2013, 19:27 Uhr.

      @M.G. Es gibt durchaus die Möglichkeit, dass ein Papst zurücktritt. Das Kirchenrecht sieht das ausdrücklich vor. Im Kanon 332§2 des CIC heißt es: “Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird.” Allerdings war der letzte Papstrücktritt im 13. Jahrhundert. 1294 legte Coelestin V. nach nur wenigen Monaten das Amt wieder nieder. Im Juli 2010 besuchte Papst Benedikt XVI. das Grab Coelestins in der kleinen Stadt Sulmona in den Abruzzen. Damals titelte die Zeitung “Die Welt”: “Papst Benedikt informiert sich über den Rücktritt”.

      In der Tat ist das Thema Rücktritt für Benedikt XVI. kein Tabu. In seinem Interviewbuch mit Peter Seewald, das im November 2011 erschienen ist, sagt er: “Wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis kommt, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen kann, dann hat er ein Recht und unter Umständen auch eine Pflicht, zurückzutreten.”

      So ein Papstrücktritt ist allerdings auch nicht ganz unproblematisch. Außer dem genannten Kirchenrechts-Paragraphen zum Vorgehen beim Rücktritt selbst, gibt es keine Regelungen. Was passiert mit einem Papst a.D.? Gelten die Regeln wie für einen normalen Rücktritt eines Diözesanbischofs – schließlich ist der Papst der “Bischof von Rom”? Manche sehen die Gefahr eines Schismas, wenn sich der Zurückgetretene weiter zu Glaubens- oder Kirchenfragen äußern würde. Andere fordern, dass dieser sich deshalb in ein abgelegenes Kloster zurückziehen müsse und fortan nicht mehr in der Öffentlichkeit auftreten dürfe. Das klingt unmenschlich. Wie lässt sich vermeiden, dass durch den Rücktritt eines Papstes indirekt auch ein großer Druck auf den Nachfolgern liegt, beizeiten zurückzutreten? Es fehlt schlicht die Erfahrung mit Papstrücktritten. Aber ausgeschlossen ist er nicht.

      • M.G.
        18.01.2013, 20:30 Uhr.

        (ZDF) Jürgen Erbacher | 18. Januar 2013 | 19:27
        Dann wird es aber mal Zeit,dass man in Sachen Rücktritt eines Papstes ins 21.Jhd.ankommt,denn selbst staatl. Beamten gehen in Pansion und kassieren auch gutes Geld entsprechend dazu,aber Päpste müssen sich dann in Klöster zurück ziehen,weil sie nicht mehr an die Öffentlichkeit gehen dürfen.
        Und auf die Nachfolger sollte nicht größerer Druck lasten,als auf Nachfolgebeamten,z.B. Amtsrichter oder in anderen Behörden die Beamten.
        Ein Papst ist auch nur ein Mensch,auch wenn er Stellvertreter Gottes sein soll.Aber er ist und bleibt unvollkommen und sterblich.
        Da sollte mal im Vatikanstaat auch mal die ganze Gesetzgebung dem 21. Jhd. angepasst werden,denn unser Bundestag und weitere Gesetzgeber passen sich bei der Gesetzgebung auch dem 21. Jhd. an.

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