Papst zu Frauen: Mehr Dienste möglich, Weihe aber nicht

Es ist ein Fortschritt für die Frauen in der katholischen Kirche, die Papst Franziskus heute verfügt hat, aber die Bekräftigung des „Neins“ zur Priesterweihe der Frau trübt das Bild. Künftig dürfen Frauen auch auf Dauer den Dienst der Lektorin und der Akolythin übernehmen. Das katholische Kirchenoberhaupt verfügte eine entsprechende Änderung des Kirchenrechts. Damit „legalisiert“ der Papst eine Praxis, die in vielen Teilen der Weltkirche bereits seit langer Zeit praktiziert wird. Gerade im deutschen Sprachraum wird die Änderung daher wenig Euphorie auslösen, zumal sie mit der Erinnerung an das Nein Johannes Pauls II. zur Priesterweihe der Frau verbunden wird.

Papst Franziskus betet am Grab seines Vorgängers. (Quelle: VaticanMedia 18.05.2020)

Änderung im Sinne des II. Vatikanums

Der Gedanke hinter der Änderung des Kirchenrechts ist durchaus angebracht und steht in der Tradition des Zweiten Vatikanischen Konzils. Franziskus verweist in der Begründung auf das allgemeine Priestertum und die gemeinsame Taufe, die „für bestimmte kirchliche Dienste der Kirche das Fundament“ bildeten. Dann unterscheidet er Ämter, für die eine Weihe notwendig ist, und Dienste, für die eine solche Weihe nicht notwendig ist, auch eingesetzte oder Laienämter genannt. Letztere sollen künftig nicht mehr nur Männern dauerhaft übertragen werden können, sondern auch Frauen.

Franziskus verweist in einem Brief an die Glaubenskongregation darauf, dass es in der katholischen Kirche immer eine Entwicklung in Bezug auf die Dienste und Ämter gegeben habe, die durch die kulturellen und sozialen Bedingungen beeinflusst war. Er spricht von den Notwendigkeiten der jeweiligen Zeit und dem Wunsch verschiedener Bischofssynoden, das Thema der Ämter für Laien auch lehramtlich zu vertiefen. Liest man diese Zeilen, spürt man den Geist der Veränderung, der Weiterentwicklung und Vertiefung der Lehre.

Eine Tür auf, eine andere zu?

Doch gleichzeitig betont der Papst, dass bei aller Veränderung, Entwicklung und Diversifizierung der Dienste in der katholischen Kirche eine Unterscheidung doch geblieben sei. Es habe immer Ämtern gegeben, für die eine Weihe notwendig ist, und Ämter ohne Weihe. Bei den ersteren nennt er explizit das Bischofs-, Priester- und Diakonenamt. Sie stehen wie eine Einheit im dreigliedrigen Weiheamt. Interessanterweise betont er bei seinem Zitat von Johannes Paul II. eben jene Aussage aus Ordinatio sacerdotalis, die sich auf die Unmöglichkeit der Priesterweihe für die Frau bezieht. Bedeutet das auch das Aus für die Diakonenweihe für die Frau? Hier werden findige Theologinnen und Theologen sicherlich zu unterschiedlichen Antworten kommen.

Die Entscheidung des Papstes ist einmal mehr ambivalent. Für weite Teile der katholischen Kirche wird sich in der Praxis kaum etwas ändern. Sicherlich wird der Dienst gerade auch der Frauen in den betreffenden Ämtern durch den Schritt auch nach Außen gestärkt. Doch er bleibt weit hinter den Erwartungen zurück, die Franziskus immer wieder selbst schürt mit seiner mantraartig vorgetragenen Forderung, dass Frauen sichtbarer in Entscheidungspositionen der Kirche eingebunden und repräsentiert sein müssten.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

19 Kommentare

  • YaLob
    11.01.2021, 21:41 Uhr.

    Sehr enttäuschend.

  • Erasmus
    12.01.2021, 1:37 Uhr.

    „Franziskus verweist in einem Brief an die Glaubenskongregation darauf, dass es in der katholischen Kirche immer eine Entwicklung in Bezug auf die Dienste und Ämter gegeben habe, die durch die kulturellen und sozialen Bedingungen beeinflusst war.“ (Erbacher)
    Der Pontifex sagt also, dass die Ausgestaltung von Ämtern nicht in Stein gemeißelt ist. Allerdings gibt es auch Grenzen, die die deutschen Bischöfe in einer gemeinsamen Erklärung von 1875 so formulieren: Auch der Papst könne „die der Kirche von ihrem göttlichen Stifter gegebenen Verfassung nicht ändern wie der weltliche Gesetzgeber eine Staatsverfassung ändern kann. Die KIRCHENVERFASSUNG beruht in allen wesentlichen Punkten auf göttlicher Anordnung und ist jeder menschlichen Willkür entzogen.“ (Denzinger 3114)
    Für Johannes Paul II. beruht es auf göttlicher Anordnung, dass nur Männer zu Priestern geweiht werden können. Sein Argument:
    „Wenn Christus nur Männer zu seinen Aposteln berief, tat er das völlig frei und unabhängig. Er tat es mit derselben Freiheit, mit der er in seinem Gesamtverhalten die Würde und Berufung der Frau betonte, ohne sich nach den herrschenden Sitten und nach der auch von der Gesetzgebung der Zeit gebilligten Tradition zu richten.“ (Mulieris Dignitatem, Nr. 26)
    Die Argumentation überzeugt nicht. Denn Jesus war eingebunden in eine PATRIARCHALISCHE GESELLSCHAFT. Wenn der Mann als Familienoberhaupt das Sagen hat, ist einer Frau verwehrt, selbst zu bestimmen, mit wem sie Kontakt hat und wo sie sich aufhält. Insofern hatten nur Männer die Freiheit, sich Jesus anzuschließen.
    Die klerikalistische männerbündische Katholische Kirche schiebt göttliches Recht vor, um die von den Frauen zurecht beanspruchte GLEICHBERECHTIGUNG – auch innerhalb der Kirche – abzuwehren.

  • Maria
    12.01.2021, 9:39 Uhr.

    „…Forderung, dass Frauen sichtbarer in Entscheidungspositionen der Kirche eingebunden und repräsentiert sein müssten.“
    Vielleicht zielt und geht das in die Richtung, die P. Franziskus in dem Dokument zur Amazonas – Synode anspricht und auch wünscht: die Entkoppelung von Leitung und Weihe. Da wäre noch vieles offen.

    • Erasmus
      12.01.2021, 17:08 Uhr.

      Im nachsynodalen Schreiben “Querida Amazonia” vom Februar 2020 sagt Franziskus, dass in einer synodalen Kirche „FRAUEN einen echten und effektiven Einfluss in der Organisation, bei den wichtigsten Entscheidungen und bei der Leitung von Gemeinschaften haben (sollten).“ (Nr. 103) Das klingt ansprechend, steht aber unter der Prämisse, dass solche Aufgaben und Dienste angesprochen sind, „die nicht die heiligen Weihen erfordern.“ (a.a.O.)
      Was des Klerus und was des Laien ist, statuiert knapp ein halbes Jahr später die Kongregation für den Klerus im Rahmen einer von Franziskus approbierten INSTRUKTION über die pastorale Umkehr der Pfarreien. Neben viel Wortgeklingel wird vor allem auf das bestehende kanonische Recht verwiesen. Die Nr. 67 zitiert den Kanon 519 CIC, der besagt, dass der PFARRER in der ihm übertragenen Pfarrei die Seelsorge wahrnimmt und berufen ist „für diese Gemeinschaft die Dienste des Lehrens, des Heiligens und des LEITENS auszuüben, wobei auch andere Priester oder Diakone mitwirken sowie Laien nach Maßgabe des Rechts mithelfen.“
      Diese Laien – zu denen auch die PastoralreferentInnen gehören – können sich „berufen fühlen oder berufen werden zur MITARBEIT mit ihren Hirten im Dienst an der kirchlichen Gemeinschaft.“ (Nr. 85) Das darf aber keinesfalls so verstanden werden, dass das Amt des Pfarrers „einer aus Klerikern und Laien bestehenden Gruppe übertragen werden kann. Daher sind Bezeichnungen wie „Leitungsteam“, „Leitungsequipe“ oder ähnliche Benennungen, die eine kollegiale Leitung der Pfarrei zum Ausdruck bringen könnten, zu vermeiden.“ (Nr. 66)
      Wie gehabt bleiben Leitungsverantwortung und -macht ungeteilt beim Kleriker. Der Bischof kann „gemäß seinem klugen Ermessen … den Laien unter der Leitung und der Verantwortung des Pfarrers einige Dienste in amtlicher Weise übertragen.“ (Nr. 98)

      • Maria
        13.01.2021, 10:17 Uhr.

        „Neben viel Wortgeklingel wird vor allem auf das bestehende kanonische Recht verwiesen.“
        Das stimmt absolut. Aber hier wurde bestehendes Recht bemüht, und das lässt sich
        – auch in der Kirche – ändern, was hie und da schon geschehen ist. Auch wenn die Schritte sehr klein waren.

        • Erasmus
          15.01.2021, 1:38 Uhr.

          Ich begrüße Franziskus‘ kirchenrechtlichen Schritt sehr (Streichung des Wortes ‚männlich‘). Aber nehmen wir den Kanon 212 CIC:
          „§ 1. Was die geistlichen Hirten in Stellvertretung Christi als Lehrer des Glaubens erklären oder als Leiter der Kirche bestimmen, haben die Gläubigen im Bewusstsein ihrer eigenen Verantwortung in CHRISTLICHEM GEHORSAM zu befolgen.“
          Das ist derart aus der Zeit gefallen, dass es einer radikalen Umorientierung bedürfte, um zu einer angemesseneren Bestimmung des Verhältnisses von Klerikern und Laien in der römisch-katholischen Kirche zu kommen.

          • Wanda
            16.01.2021, 18:40 Uhr.

            In der Tat…

  • Wanda
    13.01.2021, 0:39 Uhr.

    Welches Geschlecht hat eigentlich Gott, auf den man sich immer bezieht ? Männlich und deswegen auch als Gottvater bezeichnet ? Passt jedenfalls in die antiken Religionen des Nahen/Mittleren Ostens, wo der oberste Gott immer kraftstrotzend und oft als Stier dargestellt wurde. Kann also logischerweise auch nur einen Sohn zeugen. Aber bevor man mich der Blasphemie beschuldigt, würde ich gerne belehrt werden…

    • Michael Hauber
      13.01.2021, 9:40 Uhr.

      Keines. Ein Gregor von Nyssa, nicht der unbedeutendste unter den griechischen Theologen des Altertums, hat auch ganz deutlich gesagt, dass die Bezüglichkeit, welche durch Vater und Sohn zum Ausdruck kommt, auch durch Mutter und Tochter oder Verursachendes und Verursachtes zum Ausdruck gebracht werden kann. Das ist auch offizielle kirchliche Lehre. Gott ist ja radikal einer und einzig. Geschlechtlichkeit hingegen gibt es mindestens zweifach (die neueren biologischen Forschungen legen nahe: vielfach). Geschlecht ist jedenfalls keine Kategorie, die auf Gott zutrifft.

    • SuNuraxi
      13.01.2021, 14:22 Uhr.

      Auf die Gefahr hin, dass ich mir jetzt den heiligen Zorn von Novalis/Knox zuziehe:
      Jemand mit mindestens einem Y-Chromosom ist männlich, jemand mit nur X-Chromosomen weiblich. (Ja, ja, ich weiß eh, dass es manchmal Fälle gibt, die auf Grund ihres Phänotyps nicht eindeutig zuzuordnen sind, aber ein Chromosomentest macht sicher.)
      Gott hat keine Chromosomen. Also ist die Kategorie männlich/weiblich nicht auf ihn anwendbar.
      In den indoeuropäischen und den semitischen Sprachen gibt es allerdings eine grammatikalische Erscheinung, der man den Namen „Geschlecht“ gegeben hat, wobei man dasjenige *grammatikalische* Geschlecht, das die meisten Nomina, die männliche Personen bezeichnen, haben, ebenfalls „männlich“ genannt hat (analoges gilt für „weiblich“). Jedes Nomen in einer dieser Sprachen muss ein „Geschlecht“ haben. Das ist der eine Punkt. (Und ja, für eventuelle i-Tipferl-Reiter: „Neutrum“ gibt es auch mitunter.)
      Der andere Punkt ist: Ja, in den antiken nahöstlichen Religionen waren die mächtigeren Götter meistens männlich und kraftstrotzend. (Und ja, falls das jemandem irgendwie aufstoßen sollte: Natürlich hat es z.B. auch Ischtar/Astarte gegeben, die ja doch ziemlich mächtig war. Aber ich kann da jetzt wirklich nicht alles, alles schreiben, was da dazu passt.) Damals hat man sich die Götter allerdings noch ziemlich anthropomorph vorgestellt, und so war auch der ursprüngliche Jahwe, der noch Teil eines polytheistischen Systems war, biologisch männlich. Aus diesem Jahwe hat sich dann nach und nach der einzige, immaterielle Gott des Judentums entwickelt. Und sein *grammatikalisches* Geschlecht ist weiterhin männlich. Aber, wie schon gesagt, auf einen immateriellen Gott ohne Chromosomen sind die Begriffe „biologisch männlich“ und „biologisch weiblich“ nicht anwendbar. Dass viele sich Gott trotzdem als Mann vorstellen, liegt daran, dass diese vielen fälschlicherweise zwischen grammatikalischem und biologischem Geschlecht nicht unterscheiden (was übrigens auch eine der Ursachen für den Gender-Unsinn ist).

      • Wanda
        14.01.2021, 17:24 Uhr.

        Danke, muss gestehen bin positiv überrascht. Mir ist damit das offenbar nicht zu beseitigende Problem grosser Teile des konservativen Klerus bezüglich Mann und Frau recht klar und einleuchtend geworden. Diese Herren sind sich offenbar nicht bewusst, was sie da vehement vertreten und noch weniger eine logische Begründung.
        P.S. erstaunlich immer noch, was Bischöfe wie Herr Oster in ihren Predigten von sich geben und deshalb kommen Kirchenmänner wie auch Kardinal Woelki leider nicht aus den Schlagzeilen selbst seriöser Medien. Als ob es Franziskus und seine Meinung bzw. amtliche Forderung zur Aufarbeitung nicht gäbe.

        • Novalis
          14.01.2021, 21:28 Uhr.

          Bischof Oster bezeichnet sich auch als Philosophen und ist habilitierter Dogmatiker – und doch war einer seiner ersten bizarren Vorschläge im Amt, man möge die Ehe als Sakrament doch den so richtig glaubenden Christen vorbehalten und den Getauften, die ihre Beziehung segnen lassen wollten, nur eben eine Segnung erteilen. Nun hätte er einfach in den von ihm so propagierten Weltkatechismus blicken müssen, um festzustellen, dass die kirchliche Lehre, dass die Ehe von Getauften GLEICHZEITIG STETS ein Sakrament ist, ein Glaubenssatz (= Dogma, nur am Rand) ist – also viel höher im Rang steht, als die Aussage, die Kirche habe keine Vollmacht zur Frauenweihe. Das ein Bischof das kleine sakramententheologische Einmaleins des Katholischen nicht kann, empfinde ich als ausgesprochen peinlich.
          Woraus man wieder sieht: Bischof Oster ist nicht der klügste Theologe und wie mir scheint, auch an sich nicht die hellste Perle am Rosenkranz. Aber reden und schreiben kann er. Leider ohne Substanz. Das ist dann mit dem Fachbegriff: Lokution ohne Proposition.

      • Novalis
        14.01.2021, 21:17 Uhr.

        „Jemand mit mindestens einem Y-Chromosom ist männlich, jemand mit nur X-Chromosomen weiblich.“

        Das stimmt leider gleich zweimal nicht.
        1) Es gibt auch Menschen mit XXY und XYY und viele weitere Spielarten. Und die sind eben nicht männlich und auch nicht weiblich. UND GANZ WICHTIG: Wir sind davon abgekommen, das als Aberrationen oder Defekte zu bezeichnen, weil Menschen mit dieser Spielart gut leben können. Früher haben viele Leute Menschen mit dunkler Hautfarbe für intellektuell inferior gehalten, weil sie dunkle Hautfarbe hatten; bis vor kurzem hat man Menschen mit chromosomalen Besonderheiten für krank gehalten – in Wirklichkeit ist das natürlich nichts anderes als dumpfe und dumme Diskriminierung, Rassismus bzw. Sexismus.
        Darüber hinaus gibt es – medizinisch belegt – menschliche Individuen, die XY haben, bei denen aber eine Laune der Natur dafür gesorgt hat, dass sie eben keinen Penis und Hoden, sondern funktionstüchtige Eierstöcke ausgebildet haben. Und sogar Kinder bekommen haben. Nach der Logik von Sunuraxi müsste man dann ein solches Individuum als „Herr Mama“ ansprechen. Das allein zeigt, dass die geschlechtliche Zweiwertigkeit nicht anderes als eine Simplifikation ist, die die biologischen Fakten so vereinfacht, das sie sie verfälscht. Die Wahrheit ist: Es gibt so viele Geschlechter wie es Menschen gibt, weil die individuelle Ausprägung der Geschlechtlichkeit mit keinem anderen Menschen vergleichbar ist.
        Und außerdem – auch da lohnt es sich in ein Biologiehandbuch zu schauen, das nicht 50 Jahre alt ist – hängt die Ausbildung phänotypischer Geschlechtsmerkmale keineswegs nur am X- oder Y-Chromosom. Ein bisschen mehr Fachkenntnis in Biologie wäre schon wünschenswert, ehe Sunuraxi da letzte Gewissheiten verkündet, die leider keine sind.
        2) Korrekt lautet die Aussage: XY GILT als männlich, XX GILT als weiblich. Mann und Frau sind a priori erst einmal Bezeichnungen und keine real existierende Dinge. Männer und Frauen haben auch Sie immer nur konkret erlebt und nicht an sich. DEN Mann und DIE Frau gibt es eben nicht. Das hat noch nicht einmal etwas mit Gendertheorie, geschweige den Biologie zu tun, dass ist schlicht: Sprache. Die sollte man schon korrekt anwenden.

        • SuNuraxi
          15.01.2021, 15:41 Uhr.

          @Novalis, 14.01.2021, 21:17 Uhr

          Hab ich mir doch gedacht, dass da was von Ihnen kommt.
          Gesehen, dass ich von „mindestens“ eine Y-Chromosom und nur X-Chromosomen geschrieben habe? Dass also damit sämtliche Variationen miteinbezogen sind?
          Bemerkt, dass ich kein Wort über „Aberrationen und Defekte“ geschrieben habe?
          Mitgekriegt, dass ich erwähnt habe, dass manche Menschen vom Phänotyp her nicht eindeutig einordbar sind?
          Was die Sache mit den „XY-Frauen“ und den „XX-Männern“ betrifft: Ja, auch das ist mir klar. Habe ich alles nicht erwähnt, weil ich eigentlich nur eine Antwort auf Wandas Frage nach dem Geschlecht Gottes schreiben wollte und keine Abhandlung über das biologische Geschlecht. Aber bitte sehr:
          Grundsätzlich sind in jedem Menschen die Anlagen für beide Geschlechter angelegt. (Sogar XYY-Männer habe Brustwarzen!). Welche Geschlechtsorgane sich dann herausbilden, hängt vom Hormonhaushalt des Embryos bzw. Fötus ab, und der wird vor allen von den X- und Y-Chromosomen gesteuert. Manchmal gibt es halt Hormonstörungen, oft gar nicht beim Kind, sondern bei der Mutter, und die haben halt auch einen Einfluss auf die Entwicklung des Phänotyps.
          XY-Frauen haben üblicherweise keine voll ausgebildete Gebärmutter, und dann nützen funktionsfähige Eierstöcke halt auch nichts. XX-Männer können keine Spermien bilden. Übrigens können auffallend viele dieser Menschen eben nicht gut mit ihrer Spielart leben, sondern haben (zu Recht) das Gefühl, im falschen Körper zu stecken und lassen sich deshalb umoperieren.
          Die von ihnen ebenfalls erwähnten XXY-Männer (Klinefelter-Syndrom) sind zwar nicht zeugungsfähig, aber trotzdem Männer, und die XYY-Männer erst recht.
          Zur Anzahl der Geschlechter: Schaut man sich so die Listen an, dann werden dort biologisches Geschlecht und sexuelle Orientierung munter durcheinandergemixt. Wieder mal eine Verwechslung von zwei Begriffen, der auch Sie zum Opfer gefallen zu scheinen. Ihre Ansicht, dass es zwischen 7,5 und 8 Milliarden Geschlechter (=so viele, wie es Menschen gibt), entbehrt übrigens nicht einer gewissen Komik.

  • Heilbründl
    14.01.2021, 23:33 Uhr.

    In Urschalling (Nähe Chiemsee) gibt es ein Fresko mit einer Dreifaltigkeitkeitsdarstellung, wo der Hl. Geist als Frau dargestellt wird. Es wäre interessant zu wissen, wieso?

    • Novalis
      15.01.2021, 10:06 Uhr.

      Das Fresko wird zwar oft so gedeutet – es ist aber keineswegs klar, ob tatsächlich dargestellt wird, was Sie schreiben. Gottvater hat in Ps 110 eine Gebärmutter, 1/3 aller Belege des hebräischen Wortes für den Geist Gottes sind feminin, Gottes geliebte Tochter, die Weisheit, wird in Jesus Mensch (so deuten es die antiken Theologen) – ist das nicht Grund genug, die Frau im Mittelpunkt des christlichen Gottesglaubens zu sehen?

    • Dorothea Jez
      15.01.2021, 15:51 Uhr.

      Vielleicht gar keine Frau, sondern ein „alter Mann-Mann in besten Jahren-Jüngling“ – Schema.
      Möglich ist auch dieses: Sowohl das hebräische als auch das griechische Wort für „Geist“ sind grammatikalisch Feminina. Es kann also sein, dass man da grammatikalisches und biologisches Geschlecht miteinander verwechselt hat.
      Endgültige Erklärung gibt es bis jetzt keine.

    • SuNuraxi
      15.01.2021, 16:59 Uhr.

      @Heilbründl
      Korrektur zu meiner ersten Antwort: Auf Griechisch ist „Geist“ (zumindest in diesem speziellen Sinne) ein Neutrum. Das würde die Wahrscheinlichkeit für die „Greis-Mann-Jüngling“ – These erhöhen.

    • Wanda
      16.01.2021, 18:44 Uhr.

      Wurde vermutlich übersehen und damit der Künstler vorm Scheiterhaufen bewahrt…

Kommentare geschlossen

Dieser Beitrag kann nicht länger kommentiert werden.