Kirche im Aufbruch?

Aufbruchstimmung, Ratlosigkeit, Entsetzen – es war ein Wechselbad der Gefühle bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Mainz. Mit der Wahl von Georg Bätzing setzten die Bischöfe ein Zeichen der Kontinuität mit Blick auf den eingeschlagenen Reformkurs und den Synodalen Weg. Das will die Mehrheit der Bischöfe und das war in Mainz zu spüren. Bei der Deutung des neuen Papstschreibens und dessen Bedeutung für Deutschland gehen die Meinungen auseinander. Entsetzen herrscht angesichts von Extremismus und rechter Gewalt in Deutschland. Bei der Entschädigung der Opfer sexuellen Missbrauchs sind die Bischöfe einen wichtigen Schritt vorangekommen. Allerdings wird es noch immer Monate dauern, bis nach dem neuen Modell Geld fließt.

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, erläutert die Beschlüsse der Vollversammlung. (Quelle: Erbacher)

Scharfe Kritik der Betroffenen

Entschädigung wollen die Bischöfe ihre Zahlungen nicht nennen. Ihnen geht es um eine Anerkennung des immateriellen Leids. Deshalb haben sie sich auf Schmerzensgeld geeinigt. Dazu orientieren sie sich an der Entscheidung staatlicher Gerichte in vergleichbaren Fällen. Die Summen liegen weit unter denen, die im Herbst gehandelt wurden. Damals war von bis zu 400.000 Euro die Rede. Jetzt dürften die Beträge nicht über 50.000 Euro hinausgehen, von einzelnen Härtefällen abgesehen. Für die soll es weiterhin Einzelfallregelungen geben.

Die Betroffeneninitiative Eckiger Tisch kritisiert die neue Regelung scharf. „Die Kirche in Deutschland ist nicht bereit, für ihre Verbrechen die Verantwortung zu übernehmen und ihren Opfern eine Entschädigung anzubieten. Sie will lediglich Anerkennungsleistungen zahlen und orientiert sich dabei an den Tätern, die missbrauchten“, schreibt die Initiative in einer Erklärung.  Indirekt forderte sie die Katholiken auf, aus der Kirche auszutreten und keine Kirchensteuern mehr zu zahlen. „Jetzt ist offenbar, wie die Kirche in Deutschland tickt: Leugnen solange es geht, verschleppen und dann das Minimum tun; dabei kein Schuldbewusstsein und warme Worte für die Opfer statt großzügiger Unterstützung.“

Politische Entscheidungen notwendig

Für die katholische Kirche ist die gefundene Einigung ein Fortschritt. Die Verfahren werden vereinheitlich, transparenter und beschleunigt. Mit der Empfehlung, sich am oberen Rand des Schmerzensgeldkorridors zu bewegen, werden die Zahlungen nahezu verzehnfacht. Das könnte am Ende in der Summe gut 100 Millionen Euro ergeben. Wie in Mainz zu hören war, würden die Bischöfe auch mehr zahlen, wenn es einen gesetzlichen Rahmen dazu gäbe. Doch bei der Suche nach einem gangbaren Weg, konnten die Bischöfe in Deutschland keine andere Orientierung finden, als die Schmerzensgeldregelungen der staatlichen Gerichte. Selbst einen Maßstab zu setzen, dazu fehlte der Mut und vielleicht auch der Willen.

Was hätte es für andere Institutionen bedeutet, wenn die katholische Kirche im Alleingang eine Summe im sechsstelligen Bereich festgelegt hätte? Müsste eine solche Regelung nicht unter der Führung der Politik unabhängig für alle Institutionen und Organisationen geregelt werden? Hier stellt sich einmal mehr die Frage, warum die Politik weder die Aufarbeitung noch die Entschädigungsfrage zentral regelt? So bleibt sich die Kirche am Ende stets sich selbst überlassen. Ihr fehlen der Mut und vielleicht auch die innere Einigkeit, um mit deutlicheren Signalen voranzugehen. So wirkt das Handeln eher wie ein zögerliches Vorantasten auf unbekanntem Gebiet.

Kein Gemeinsames Abendmahl beim ÖKT

Neben der Missbrauchsentschädigung gab es zum Abschluss der Beratungen in Mainz auch gleich noch einen Dämpfer was die Hoffnungen auf ein Gemeinsames Abendmahl beim Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt anbetrifft. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing stellte klar, dass es bei dem Großereignis keine konfessionsübergreifenden Abendmahlsfeiern geben werde. Schon direkt nach der Wahl hatte er am Dienstag davor gewarnt, hier überhöhte Erwartungen zu schüren. Die Organisatoren hätten diese Erwartung nie geäußert. Bätzing war auf ein Papier eines ökumenischen Expertenkreises angesprochen worden, das im September veröffentlicht worden war und das keine Hindernisse für die wechselseitige Teilnahme am Abendmahl sieht. Hier gehe es nur darum, für einzelne die gegenseitige Teilnahme am Abendmahl oder der Eucharistie zu eröffnen, betonte Bätzing. Das Papier werde in der Bischofskonferenz noch einmal eingehender diskutiert von gleich drei Kommissionen: Ökumene, Liturgie und Glauben.

Interessant dürfte eine Erklärung der deutschen Bischöfe werden, die Bätzing für April in Aussicht stellte. Aus Anlass des 75. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs werden sich die Bischöfe unter dem Titel „Kirche im Weltkrieg“ äußern. Der Konferenzvorsitzende ließ anklingen, dass es sich um eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Bischofskonferenz in der Zeit handelt. Es habe zwar Ausnahmegestalten gegeben, die ein eindeutiges Votum abgegeben und dafür auch die Konsequenzen getragen hätten, doch die Bischofskonferenz als Ganze habe sich nicht zu einer kraftvollen Stellungnahme durchringen können, erklärte der Bischof.

Aufnahme von Flüchtlingen

Besorgt zeigte sich die Bischofskonferenz über die Situation der Menschen in Syrien und die große Zahl der Flüchtlinge. Sie fordert die EU zu einer großzügigen Aufnahme von Flüchtlingen auf. „Wer die Aufnahme weiterer Bürgerkriegsflüchtlinge in Deutschland und Europa zum Tabu erklärt, der verschließt die Augen vor der Realität, einer schrecklichen Realität“, heißt es in der Abschlusserklärung. Die Bischöfe kritisieren zugleich, dass es die EU-Staaten in den vergangenen Jahren versäumt hätten, das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) grundlegend zu reformieren. Nun seien sie mehr denn je gefordert, Wege zu einer fairen und solidarischen Flüchtlingspolitik zu finden. Der Nuntius in Damaskus, Kardinal Mario Zenari, war Gast beim Bischofstreffen in Mainz und berichtete aus erster Hand über die Verhältnisse nach knapp 10 Jahren Krieg in Syrien.

Eine Bilanz

Markiert die Vollversammlung der Bischofskonferenz in Mainz eine Zäsur? Das Zeug dazu hat sie. Doch noch ist es zu früh, das zu beurteilen. Der Wechsel an der Spitze von Kardinal Reinhard Marx auf Bischof Georg Bätzing wird sicher einen Wandel im Stil innerhalb der Bischofskonferenz mit sich bringen, vielleicht aber auch in der Außenwirkung. Viel war in diesen Tagen von Mainz von einer Art Downsizing des Vorsitzendenamts die Rede. Mehr Moderator nach innen und weniger Oberhaupt der deutschen Katholiken nach außen. Ob sich das überhaupt realisieren lässt ist offen. Denn eigentlich braucht eine Großorganisation wie die katholische Kirche ein Gesicht, das sie repräsentiert.

Eine Zäsur sind die Tage von Mainz sicherlich bei der Frage der Anerkennung des Leids für Opfer sexuellen Missbrauchs. Auch wenn die Summen für viele Betroffenen enttäuschend sind, so sind die jetzt verabschiedeten Grundsätze ein wichtiger Schritt nach vorne. Doch viele Baustellen sind offen, wie Kardinal Marx in seiner letzten Pressekonferenz als Vorsitzender betonte. Vor allem beim Synodalen Weg steht jetzt die erste entscheidende Phase an, wenn die vier Foren an die inhaltliche Arbeit gehen. Der neue Vorsitzende hat sich klar hinter den Prozess gestellt. Seine ausgleichenden Fähigkeiten werden sicher gebraucht, wenn die konkrete Arbeit an strittigen Themen beginnt.

P.S. Weitere Informationen zum Thema Entschädigung gibt es bei der heute.de – bitte hier klicken.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

12 Kommentare

  • Novalis
    05.03.2020, 19:54 Uhr.

    Die Summen für die Entschädigung sind lächerlich. Die Herren sollen doch bitte ein paar Kelche einschmelzen. Davon haben sie genug. Für diese Entscheidung der DBK schäme ich mich fremd.

  • Carla Maltese
    05.03.2020, 23:37 Uhr.

    Das wichtigste ist, daß der synodale Weg so weitergeht. Ohne Abstriche.
    Das ist die beste Nachricht, daß keinerlei Einschnitte da geplant sind.

    Das Entsetzen angesichts des Rechtsterrorismusses zu dem auch die abscheulichen Morde von Hanau gehören teile ich.
    Jedoch ist der Täter von Hanau selbst nicht der allein schuldige. Die faschistische Partei und das Schmierblatt mit den großen Buchstaben hatten genauso den Finger am Abzug.

    Zum Thema Entschädigungszahlungen:
    Ich kann verstehen daß die Opfervertreter mehr erwartet haben als einen Minimalkompromiss.
    Aber zum Kirchenaustritt auffordern, damit es keine Kirchensteuereinnahmen mehr gibt, bestraft wiederum Unschuldige. Nämlich solche, die z.B. in kirchlichen Krankenhäusern liegen oder Hilfe von der Caritas bekommen.

    Und jetzt genehmige ich mir den Feierabend und vertage den Rest auf morgen abend.

  • Carla Maltese
    06.03.2020, 20:57 Uhr.

    „Müsste eine solche Regelung nicht unter der Führung der Politik unabhängig für alle Institutionen und Organisationen geregelt werden?“
    Es gibt noch immer Zwangsprostitution, also Sexsklaverei. Soll ziemlich viele Fälle geben. Wäre der Politik die Bekämpfung von sexuellem Missbrauch ernsthaft ein Anliegen, würde sie wenigstens ansatzweise versuchen, da aufzuräumen.
    Und sich um mehr Frauenhäuser bemühen.

    Es ist sehr bedauerlich, daß sich die Bischofskonferenz noch nicht zu einem gemeinsamen Abendmahl durchringen kann. Nun, draußen auf der Straße kann man das unterschiedliche Eucharistieverständnis eh keinem mehr erklären. Im heutigen Alltagsleben kann man froh sein wenn man überhaupt noch erklären kann, was Eucharistie bzw. Abendmahl überhaupt ist.

    Ich teile ebenfalls das Entsetzen über die Situation der Flüchtlinge auf den griechischen Inseln und an der griechischen Festlandsgrenze.
    Es ist wirklich furchtbar, was da geschieht. Und ich gebe Nico Semsrott recht, daß die EU den Friedensnobelpreis zurückgeben sollte. DIESE EU hat ihn NICHT verdient.
    Und es ist ABSCHEULICH!!, daß jetzt Deutsche nach Griechenland fliegen um dort Flüchtlinge zu verdreschen. Ich habe keine für diesen Blog geeigneten Worte für solche ***, denen es ein Urlaubsspaß ist, Hilfesuchende, Verzweifelte, Wehrlose zu verdreschen.
    Mein Gott, was sind wir tief gesunken.

    Es ist ohnehin entsetzlich, wie die Welt seit so vielen Jahren diesem Krieg so tatenlos zusehen konnte. Dem in Syrien und dem im Jemen. 9 Jahre feige wegducken.

    Verstehen kann ich andererseits aber auch die Wut der Griechen, denn sie wurden komplett allein gelassen. Sie haben ein bischen Geld bekommen, davon sollten sie alles allein bewältigen.
    Ein Land, dem es selbst nicht gut geht. Erinnert sich noch jemand an die Griechenlandkrise 2014? Als alle unsere Politiker unisono „Die Griechen müssen ihre Hausaufgaben machen!“ gebellt haben, als wären die Griechen alle zurückgebliebene Grundschüler?

    Dem neen Vorsitzenden der Bischofskonferenz wünsche ich gutes Gelingen!
    Er sollte weder so farblos sein wie der zwischen Lehmann und Marx (wie hieß er nochmal?), noch so ein raumfüllendes Ego haben daß er allein die ganze Bischofskonferenz ist. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite vom gaul fallen.

    Noch eine persönliche Meinung von mir zum Thema syodaler Weg schreibe ich morgen.

  • Carla Maltese
    07.03.2020, 9:31 Uhr.

    Ich bin nicht vom Fach, ich bin Verfahrensingenieur. Einen kirchlichen Beruf habe ich sowas von garnicht.
    Und doch hat mich meine Arbeit auch etwas gelehrt, was ich hier zum synodalen Weg sagen möchte.

    a) Was ist die Wahrheit?
    Wenn ich irgendwas berechne -aktuell Sicherheitsventile-, dann überfordert es mich (und jeden anderen Ingenieur), die Wirkung von jedem einzelnen Molekül auf jedes andere Molekül zu berechnen. Und jeden einzelnen Wirbel der Flüssigkeit oder des Gases, was da durchströmt. Die komplette Wirklichkeit, was z.B. in einem solchen Ventil geschieht, kann ich also niemals abbilden.
    Allerdings habe ich Gleichungen die durchaus genau genug sind, und in Forschungseinrichtungen und Normungsausschüssen basierend auf Modellvorstellungen entwickelt wurden. Sie brechen die Wirklichkeit genau genug herunter, um eine Aussage treffen zu können ob z.B. ein Wärmetauscher oder ein Ventil seine Aufgabe erfüllt.
    Allerdings ist mir dieses Jahr zu einem anderen Thema schon eine Berechnungsvorschrift begegnet, über die ich mit dem Normungsausschuss gern ein ernstes Wort sprechen würde. Und ich habe ein Fachbuch, da lässt sich der Autor sehr kritisch über die verschiedenen Berechnungsmethoden der AD 2000-Merkblätter aus. Perfekt sind die vorhandenen Gleichungen also auch nicht immer.
    Wenn wir also schon ein mechanisches Bauteil nur ungefähr beschreiben können: Wie kann man dann behaupten, daß das gegenwärtige Kirchenrecht die volle und endgültige Wahrheit über Gottes Willen abbilden könnte? Wie kann man dann behaupten, daß der aktuelle Stand der Kirchengesetze jetzt die ganze Wahrheit wäre? Und daß man nichts mehr hätte, was man mit viel Forschungsarbeit mit unterschiedlichen Methoden über Gott herausfinden sollte?

    b) Man kann zwar noch nicht sagen, was die absolute Wahrheit ist, aber man kann definitiv sagen daß etwas was nicht funktioniert, niemals die Wahrheit sein kann.
    Selbsterklärend.
    Forschungsarbeit darüber, was Gott mit uns Menschen vor hat, was die Kirche sein soll und das alles, muss also genauso im Alltagsleben stattfinden, in den ganz normalen Kirchengemeinden und allem. Also nicht nur an den Hochschulen und in der Glaubensbehörde im vatikan.
    Das gegenwärtige römisch-katholische Kirchenbild funktioniert zunehmend nicht mehr, bzw. musste in früheren Jahrhunderten mit schärfster Gewalt durchgesetzt werden, also kann es nicht die ganze Wahrheit sein.
    Humanae Vitae führt nicht zu mehr Liebe sondern zu Fanatisierung und Sexualkrampf, zu Doppelmoral und Gewissensnot, also kann das nicht die Wahrheit sein.

    c) Das Ingenieurwesen ist so gigantisch, daß niemand von uns alles kann.
    Ich bin Verfahrensingenieur. Ich kann wunderbar erklären, wie ein Industrieprozess funktioniert. Ich kann auch ausrechnen, was eine Pumpe können muss. Um die Pumpe dagegen zu konstruieren, fehlt mir die Kompetenz. Daß ich auch noch gelernte Maschienenschlosserin bin und auch mal das Grundstudium Maschinenbau gemacht habe bevor ich zur Verfahrenstechnik gewechselt bin, reicht da nicht. Ich bestelle die Pumpe bei spezialisierten Unternehmen. Auch kann ich den Automatisierern erklären, was ein Regelkreis können muss. Aber ich kann ihn selbst nicht entwerfen, das machen die. Für ausführliche Rohrstatik, alles was sich nicht mit dem vereinfachten Spannungsnachweis den ich auch machen darf darstellen lässt, haben wir Rohrstatiker die ein riesiges Spezialwissen über Rohrleitungen haben. Die machen dafür praktisch nichts anderes mehr.
    Man kann auch eine andere Karriere einschlagen, dann kann man eine Industriebaustelle leiten, berechnet aber nichts mehr.
    Aus verschiedenen Richtungen müssen also viele unterschiedliche Fachrichtungen zusammenkommen, vom Stahlbau bis zu den Automatisierern, damit eine Industrieanlage läuft.
    Und man sollte nie davon ausgehen, daß man bereits alles kann und alles weiß. Anlässlich eines Großauftrages zur Berechnung von Sicherheitsventilen hatten wir eine Schulung bei einer lebenden Legende von einem Verfahrensingenieur. Über 30 Berufsjahre lang hat er sich intensiv in die Thematik Sicherheitsventile reingekniet. Längst pensioniert, aber gibt sein Wissen immernoch gern weiter.
    Ich glaube schon, daß ich fachlich etwas tauge, sonst bekommt man nicht nach einem halben Jahr in der Firma so einen Auftrag. Aber nach der Schulung ging ich recht still an meinen Schreibtisch zurück und korregierte schamrot etwas an meinen Berechnungen.
    Wenn es so schon bei einer einzelnen Industrieanlage ist, oder auch nur bei einer einzelnen Kolonne beispielsweise in der Raffinerie Heide in den Dithmarschen, wie will man da behaupten, daß eine winzigkleine Kirchenelite, also Papst und Kurienkardinäle, bereits alles kann und alles weiß? Gott ist weit größer als jede einzelne Industrieanlage, das Leben ist weit größer als jede einzelne Industrieanlage.
    Um herauszufinden was Gott letzten Endes mit uns vor hat, müssen verschiedene Leute aus verschiedenen Richtungen gleichberechtigt zusammenkommen. Kleriker und Nichtkleriker, Männer und Frauen, (freiwillig!!) Zölibatäre, Verheiratete mit Kindern, Alleinerziehende, Junge und Alte, Handwerker und Geisteswissenschaftler.

  • neuhamsterdam
    07.03.2020, 23:34 Uhr.

    „Sie fordert die EU zu einer großzügigen Aufnahme von Flüchtlingen auf.“
    Vor ein paar Wochen habe ich im Fernsehen den Vortrag von Dr. Michael Hesemann über den Ersten Weltkrieg gesehen. Darin vertritt er die These, daß das „Ausbrechen“ und der Verlauf dieser Katastrophe maßgeblich davon beeinflußt war, daß die deutsche Militärführung nahezu gänzlich nicht katholisch war und deswegen dunkle Ziele verfolgte. Diese Sichtweise geht mir im Kopf rum, weil sie ungewöhnlich aber möglich ist und auf den Mangel an nachvollziehbaren Begründungen trifft, warum unzählige Menschen über vier Jahre in diesem Krieg ihr Leben lassen mußten. Man hätte doch einfach aufhören können, meint zumindest der Verstand in diesem großen zeitlichen Abstand zu heute. Es war doch möglich seinerzeit — Weihnachten in den Schützengräben mit der Verbrüderung mit den Kameraden von der anderen Front. Doch das durfte nicht sein, es wurde von den Idioten und Prinzipienreitern (angesichts der Millionen Toten darauffolgend sei mir diese Ausdrucksweise erlaubt) in Offiziers- und Generalsuniformen als Störung des Schlachtplanes unter Strafe gestellt. Da diese Militärs keine Katholiken waren, strebten sie einem Frieden der Welt zu, der den naiven Vorstellungen einfacher Soldaten diametral zuwiderläuft. Das Ergebnis ist bekannt, auf den Unsinn damals hinzuweisen war auch Unsinn, ist auch bekannt, denn man wollte auch nicht aus Prinzip umgebracht werden.
    Nun heißt es, die Flüchtlinge fliehen vor Krieg und manche werden auch aus ihren Heimatorten mit Absichten vertrieben.
    Mit zunehmender Lebenszeit fällt es mir schwer, nur Ausschnitte der Wirklichkeit zu sehen und mich dumm zu stellen. Keiner der Akteuere, von welcher Seite auch immer sagt die ganze Wahrheit, weder die, die die Fremdenangst schüren, noch die, die an die Humanität appellieren. Wir haben alle was von dieser Situation, DESWEGEN hat es eine Lösung nahezu unendlich schwer. Wahrscheinlich ist eine Lösung auch gar nicht gewollt.

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      09.03.2020, 8:49 Uhr.

      Man sollte vorsichtig sein mit eher pauschalen Aussagen, wie sie hier von Herrn Hesemann berichtet werden. Ein Beispiel: Südamerika wird als „der katholische Kontinent“ bezeichnet und ist ein Kontinent, der stark geprägt ist von Gewalt, Kriegen, Missbrauch und Verbrechen.

      • Carla Maltese
        09.03.2020, 19:43 Uhr.

        Ja, ist leider so. Und das sage ich als eine Person die Südamerika wirklich sehr liebt.

    • Novalis
      09.03.2020, 9:16 Uhr.

      Herr Hesemann ist ein Ufo-loge. Seine Expertentum in Geschichte ist… lau. Um es freundlich zu formulieren. Außerdem versucht er permanent in seinem wikipedia-Artikel seine rechtsorientierte Ufovergangenheit vergessen zu machen.

    • Novalis
      09.03.2020, 11:52 Uhr.

      Das „Ausbrechen“ und der Verlauf dieser Katastrophe waren maßgeblich davon beeinflußt, daß die österreichisch-ungarische Militärführung nahezu gänzlich katholisch war und deswegen dunkle Ziele verfolgte.

      Hieße dieser Satz so, würde ich ihn für absolut geistesgestörten Schwachsinn halten. Der Wahrheitscharakter dieses Satzes ist jedenfalls identisch mit dem oben aufgeführten Satz. Er ist bei Null angesiedelt. Danke @Herr Erbacher für Ihren Hinweis.

    • Carla Maltese
      09.03.2020, 19:54 Uhr.

      Der Erste Weltkrieg hatte in erster Linie damit zu tun, daß damals jedes einzelne größere europäische Land die Weltherrschaft wollte. Zwischen den damaligen traditionellen Mächten England und Frankreich und dazu noch dem russischen Zaren war die Lage schon komplex genug, dann kam auch noch das neue deutsche Kaiserreich und wollte auch Kolonien und Macht und alles.

      Und wollten „katholische“ Mächte nie die Weltherrschaft? Waren die „katholischen“ Mächte immer nur Engel und Heilige?
      Es tut mir bitter leid das zugeben zu müssen, aber ausgerechnet Spanien, ein Land das ich wirklich sehr liebe, hat sich in Südamerika einen Völkermord geleistet der dem der Nazis in nichts nachsteht. Nur daß die Opfer nicht einzeln namentlich registriert wurden.
      Die Belgier waren im Kongo ebenfalls äußerst widerlich.
      Im Dreißigjährigen Krieg kämpfte sogar ein katholischer Kardinal (Richelieu) auf Seiten der protestantischen Reichsstände gegen den katholischen Kaiser.

      • Jürgen Erbacher
        Jürgen Erbacher
        13.03.2020, 17:44 Uhr.

        Der Holocaust ist in seiner Art einmalig.

      • SuNuraxi
        14.03.2020, 15:31 Uhr.

        Es stimmt schon, dass es auch in Süd- und Mittelamerika wahrscheinlich mehrere Millionen Tote im Zug der Eroberung durch die Spanier gegeben hat (wie viele genau, weiß man nicht, weil man keine Möglichkeit hat, die Bevölkerungsgröße, wie sie vor der Ankunft der Europäer war, feststellen).
        Die allermeisten sind allerdings nicht mit Waffengewalt umgebracht worden. Sie starben vor allem durch eingeschleppte Krankheiten, denen ihr Immunsystem nichts entgegenzusetzen hatte. Da die Erreger schneller waren als die Europäer, starben sehr viele, die noch nie einen Weißen gesehen hatten oder die überhaupt nicht wussten, dass es Weiße gab.
        Beim Holocaust wurden Millionen von Menschen nicht nur in vollem Bewusstsein, sondern auch mit voller Absicht ermordet. Ihre Gleichsetzung der damaligen Spanier mit den Nazis ist also fragwürdig, unsinnig und […]* sowie […]*
        *Selbstzensur aus Netiquettegründen

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