Papst zu viri probati: ein klares Jein

Nun ist es da, das mit Spannung erwartete nachsynodale Schreiben zur Amazonassynode. Die Lektüre lohnt, denn Franziskus führt hier noch einmal aus, wie er sich eine „prophetische Kirche“ vorstellt, wie Inkulturation aussieht und welche Konsequenzen das für eine „vielgestaltige“ Kirche hat. Mit keinem Wort erwähnt er die „viri probati“ oder das Diakonat der Frau. Vielmehr betont er, dass die Eucharistie und die Beichte exklusiv dem Priester vorbehalten ist und dieser männlich ist. Er warnt davor, die Wertschätzung der Frauen auf das Schielen nach Weiheämtern zu reduzieren. Zugleich macht er aber das Schlussdokument der Synode zu einem „offiziellen Dokument“ und bittet darum, „dass sich Hirten, die gottgeweihten Männer und Frauen und die Laien in Amazonien um ihre Umsetzung bemühen“. Dort wird in Artikel 111 vorgeschlagen, ständige Diakone, auch verheiratete, zu Priestern zu weihen.

Vor allem die Frauen sind vom Papstschreiben enttäuscht. Das spielte heute morgen bei der Generalaudienz im Vatikan allerdings keine Rolle. (Quelle: epa)

Papst geht eigenen Weg

Papst Franziskus geht mit seinem Schreiben „Querdia Amazonia“ einen neuen Weg. Er nimmt die Ergebnisse der synodalen Beratung nicht als Ausgangspunkt für seinem Text, sondern macht diese komplett zu einem offiziellen Dokument und bietet mit seinem Text „einem groben Rahmen für die Reflexion“ an. Das bedeutet durchaus eine Stärkung des synodalen Gedankens, wie Franziskus ihn versteht. Die eigentliche Arbeit passiert auf der Synode „sub et cum Petro“. Der Papst macht sich die Ergebnisse zu eigen und legt eigene Reflexionen dazu. Das erleichtert zwar nicht die Interpretation, doch könnte es ein weiterer Schritt dahin sein, dass künftig das Synodenschlussdokument zum entscheidenden und vielleicht auch einzigen Ergebnis einer Synode wird. Franziskus hatte bereits bei der zweiten Familiensynode 2015 damit geliebäugelt.

Wie so oft bei Papst Franziskus ist auch das vorliegende Dokument schwer zu greifen. Die Konservativen jubeln und sprechen vom „konservativsten Dokument des Pontifikats“, die Reformer dürften mit Interesse lesen, wie stark der Papst die Notwendigkeit der Inkulturation betont, die sich auch in Strukturen und Ämtern zeigen müsse. Ganz direkt fordert Franziskus Laien als Gemeindeleiter und, „dass Frauen einen echten und effektiven Einfluss in der Organisation, bei den wichtigsten Entscheidungen und bei der Leitung von Gemeinschaften haben“.

Liest man das Dokument genau, kann man darin weitere Ansätze eines grundlegenden ekklesiologischen Wandels erkennen. Einerseits betont Franziskus die Bindung von Eucharistie und Beichte an das Priesteramt, zugleich scheint er das dazu notwendige Weiheamt vom Leitungsamt zu trennen. Übrigens schreibt er bei aller Schärfung des Priesteramts nirgends, wie diese Priester leben sollen. Seine Argumentationslinie, Christus zeige sich „als der Bräutigam der Eucharistie feiernden Gemeinschaft in der Gestalt eines Mannes“ wird heftige Reaktionen hervorrufen. Zumal der Papst zugleich vor der Annahme warnt, „dass den Frauen nur dann ein Status in der Kirche und eine größere Beteiligung eingeräumt würden, wenn sie zu den heiligen Weihen zugelassen würden“. Darin sieht er eine „Begrenzung der Perspektive“ und gar eine „Klerikalisierung der Frauen“.

Papst betont Kontinuität

Diese Positionen sind nicht neu bei Franziskus. Seit seinem Amtsantritt spricht er davon, dass Frauen neben dem Weiheamt einen angemessenen Platz haben müssen in Entscheidungs- und Leitungspositionen. Doch die Argumentation überzeugt nicht, solange Macht und Weihe aufs Engste gekoppelt sind. Hier macht Franziskus in dem Dokument deutlich, dass er die beiden entkoppeln will. Interessanter Weise führt er dazu Johannes Paul II. ins Feld, der 1988 in seinem Apostolischen Schreiben „Mulieris dignitatis“ erklärt, dass das Priesteramt zwar als „hierarchisch“ bezeichnet werde, es aber „keine Überordnung gegenüber den anderen bedeutet“. 30 Jahre später klaffen hier Theorie und Praxis noch weit auseinander.

Es ist auffallend, wie oft Franziskus in dem vorliegenden Dokument seine beiden Vorgänger Benedikt XVI. und Johannes Paul II. zitiert. Er will damit unter allen Umständen vermeiden, dass seine Ausführungen als Bruch mit der Tradition verstanden werden könnten. Gerade bei der starken Betonung der Option für die Armen, für eine nachhaltige Entwicklung und die Wertschätzung der indigenen Kultur könnte dieser Verdacht aufkommen. Den versucht Franziskus schon im Keim zu ersticken. Dieser Erweis der Kontinuität dürfte aber auch wichtig sein, denn kurz vor Ende des Schreibens macht der Papst deutlich, an welch neuralgischem Punkt die katholische Kirche heute steht – am Amazonas, beispielhaft für die vielen verschiedenen Situationen der katholischen Kirche weltweit. Es geht darum, einen neuen Transfer des Christlichen zu schaffen, wie es seinerzeit beim Übergang aus dem hebräischen Ursprung in die griechisch-römischen Kulturen vollzogen wurde. Diese „Inkarnation“ gilt es nun in die Kultur des Amazonas zu leisten, aber auch in die anderen aktuellen kulturellen Kontexte, die vom griechisch-römischen, sprich europäischen, verschieden sind. Es geht um nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

41 Kommentare

  • Nikolaus
    12.02.2020, 12:21 Uhr.

    Chance vertan!

    Hier liegt das gleiche Problem vor, wie beim Synodalen Weg in Deutschland. Es werden im Vorfeld Erwartungen geschürt, die objektiv betrachtet unter keinen Umständen realistisch umsetzbar sind. Das treibt nur noch mehr Leute aus der Kirche raus und zwar in Deutschland so langsam auch den harten Kern. Wem ist mit derart unklaren Aussagen geholfen? Wo ist das Problem einer Dispens vom Zölibat für Amazonien? Im Bereich von konvertierten anglikanischen oder protestantischen Pfarrern funktioniert das doch auch und da sind mir bislang auch keine Fälle bekannt, bei denen die Eucharistie eines solchen Priesters wie von Satan besessen in Flammen aufgegangen ist oder ähnlicher Humbug. Wir brauchen in der Kirche nicht noch mehr Unklarheiten und Laberbuden, sondern vielmehr klare Aussagen und Gremien mit tatsächlicher Entscheidungsgewalt. Wenn da konservative Splittergruppen nicht mitmachen wollen, dann lasst sie gehen. Franziskus muss durchgreifen und dabei wünsche ich ihm alle Kraft.

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      12.02.2020, 17:19 Uhr.

      Mit dem Verweis des Papstes auf das Schlussdokument der Amazonassynode ist der Weg offen, nach gangbaren Modellen für die Weihe ständiger Diakone zum Priester zu suchen. Der Papst verweist zu Beginn des Schreibens ausdrücklich darauf, dass die Hirten sich um die „Umsetzung bemühen“ sollen.

      • Maria
        12.02.2020, 17:40 Uhr.

        Das sehe ich genau so. Wenn ich mir aber andere Kommentare anschaue, habe ich den Eindruck, dass Sie, Herr Erbacher, einer der wenigen, wenn nicht der einzige sind, der diese Aufforderung zur Umsetzung gelesen hat und sie würdigt.

        • Novalis
          14.02.2020, 11:39 Uhr.

          Woran könnte das liegen?

    • Carla Maltese
      16.02.2020, 10:55 Uhr.

      Daß unrealistische Hoffnungen geschürt wurden stimmt so nicht.
      Es wurde direkt klar gestellt, daß es drei Abstufungen gibt: Beschlüsse die sich in Deutschland umsetzen lassen, Beschlüsse die der Papst absegnen soll und Beschlüsse die als Aufforderung an das nächste Konzil gehen.

      Was sollen die Bischöfe machen? Weiter verschnarcht und passiv herumzusitzen bis die Faultierfabrik (das Wort habe ich von einem Bauleiter mit dem ich mich gut verstanden habe) in Rom irgendetwas beschließt?
      Dann können sie weiter nur dem lethargischen Verfall zugucken. Denn von Rom aus wird es keine Reformen geben. Weder beim Priesteramt, noch bei der Frauenfrage noch bei der Machtverteilung, noch bei der Sexualmoral.
      Auf Rom warten heißt, sich mit dem Sterben abfinden.

      • neuhamsterdam
        16.02.2020, 23:31 Uhr.

        „noch bei der Sexualmoral.“
        Die jungen Leute wollen das nicht hören, was die verkopften Alten ihnen alles über die Möglichkeiten von Scheidung und Abtreibung im Rahmen des Brautleutetages erzählen wollen. Das mag ja alles logisch und folgerichtig und vernünftig sein, aber sie wollen es nicht hören, wenn sie ihre Zukunft planen.
        Die Hierarchie weiß doch, daß Kirche nicht anders geht, trotzdem sagt es keiner den Leuten. Am Ende wird es immer ausgehen, wie es Franziskus vormacht: Es gibt kein anderes Erfolgsrezept als verläßliche Strukturen. Das Tamtam um die Franziskaner der Immaculata zeigt doch, welche Möglichkeiten es gäbe, mit wieviel Anstrengung man diese Idealisten zurückhalten muß, um sich dann darüber zu beklagen, wie spärlich die Ideen sind, wie man es anders machen könnte.

      • bernardo
        17.02.2020, 10:57 Uhr.

        „Auf Rom warten heißt, sich mit dem Sterben abfinden.“

        Sie meinen, so tot wie die EKD, die nur noch ein Abklatsch der Grünen ist. So tot wie die Anglikanische Kirche, zerstritten und gespalten? Noch ist die „catholica“ nicht so weit, wenn auch die deutsche Kirche sich in Siebenmeilenstiefeln diese Richtung bewegt.

        • Carla Maltese
          19.02.2020, 23:27 Uhr.

          Ich glaube nicht daß man in der römisch-katholische Kirche ein Recht hat, überheblich gegenüber der EKD zu sein.
          Die Asutritte aus der römisch-katholischen Kirche sind immernoch astronomisch, egal ob es jetzt mehr oder weniger als aus der EKD sind.

          Ich versuche gerade, einer sehr guten Freundin die altkatholische Kirche schmackhaft zu machen, denn ihr Entschluß, aus der römisch-katholischen auszutreten ist unumkehrbar.
          Wir sind zwar im Norden und Osten eine extreme Diaspora, aber wir verlieren nicht jedes Jahr eine ganze Stadt.

    • bernardo
      17.02.2020, 10:54 Uhr.

      „Wir brauchen in der Kirche nicht noch mehr Unklarheiten und Laberbuden, sondern vielmehr klare Aussagen und Gremien mit tatsächlicher Entscheidungsgewalt.“

      Zustimmung. Das Gremium mit tatsächlicher Entscheidungsgewalt ist der Mann „in den Schuhen des Fischers“. Und er hat die Grenzen aufgezeigt. Das Geheule zeigt, wie wenig sich manche mit klaren Entscheidungen abfinden.

  • Erasmus
    12.02.2020, 20:29 Uhr.

    „Vor allem die Frauen sind vom Papstschreiben enttäuscht.“

    Zurecht. Franziskus schreibt: „Der Herr wollte seine Macht und seine Liebe in zwei menschlichen Gesichtern kundtun: das seines göttlichen menschgewordenen Sohnes und das eines weiblichen Geschöpfes, Maria.“ Eine solche Konstruktion schreibt die Nachrangigkeit der Frau fest.

    Das konkretisiert sich an dem Punkt, wo Franziskus die Frauen Amazoniens lobt, die kirchliches Leben an Orten aufrecht erhalten, wo jahrelang kein Priester vorbeigekommen ist. Und was ist der Lohn? Der Papst versucht den Frauen schmackhaft zu machen, dass eine Zulassung zu den heiligen Weihen kein Zuwachs, sondern „in Wirklichkeit eine Begrenzung der Perspektiven“ (Nr.99) wäre. Ja, er scheut nicht davor zurück, die Ermöglichung der Weihe von Frauen mit dem Verdikt „Klerikalisierung“ zu belegen.

    Christiane Florin schreibt dazu in ihrem Blog: „Wenn Männer zu Priestern geweiht werden, ist das würdig und recht und für die Kirche lebensnotwendig. Wenn Frauen geweiht würden, wäre das Klerikalismus.“ Der leider nachvollziehbare Schlusssatz ihres Beitrags lautet: „Wenn ich ein Vöglein wär, würde ich sagen: Machen wir den Abflug.“

    • Novalis
      13.02.2020, 11:03 Uhr.

      „„Der Herr wollte seine Macht und seine Liebe in zwei menschlichen Gesichtern kundtun: das seines göttlichen menschgewordenen Sohnes und das eines weiblichen Geschöpfes, Maria.“ Eine solche Konstruktion schreibt die Nachrangigkeit der Frau fest.“
      Wieso: Die menschliche Natur Jesu hat keinerlei Vorzüge, die nicht auch die menschliche Natur Mariens hätte.

      • Erasmus
        14.02.2020, 10:58 Uhr.

        „Die menschliche Natur Jesu hat keinerlei Vorzüge, die nicht auch die menschliche Natur Mariens hätte.“

        Dem stimme ich zu. Der Papst postuliert aber eine zweigesichtige Offenbarung, bei der der „GÖTTLICHE menschgewordene Sohn“ (gezeugt, nicht geschaffen) und das „weibliche GESCHÖPF Maria“ nebeneinander gestellt werden. Dem entspricht dann, dass der männliche Priester Christus repräsentiert, während die Frau angehalten ist, „die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weiter(zu)geben.“

        • Novalis
          15.02.2020, 11:27 Uhr.

          Das ist aber doch eine ungeheuer positive Aussage! Da steht ein Mensch, weiblich, neben Gott (geschlechtsneutral). Es geht ja nicht um eine Abwertung der Weiblichkeit Mariens gegenüber der Männlichkeit des Sohnes, sondern um eine Aufwertung der gesamten menschlichen Art – und zwar durch eine Frau.

          Aber nur um das klarzustellen: Ich bin über die Frauentheologie insgesamt und deren nicht nur an den Adressat*innen liegende Unverständlichkeit nicht glücklich. Und ich bin gewiss, dass Frau in allen Ämtern der Kirche auch kommen werden, einfach weil der Ausschluss REIN sexistisch und theologisch überhaupt nicht begründbar ist.
          Zur Begründbarkeit sei nur angemerkt, dass Frauen auch taufen und die Ehe schließen (also in Persona Christi, und Christi als Hauptes handeln). Und Christus ist Haupt der Kirche und Quell aller sakramentalen Gnaden, nicht weil er Mensch war und ist, sondern weil er Gott ist. Als Mensch ist er Mann, als Gott geschlechtslos.

          • Erasmus
            16.02.2020, 20:08 Uhr.

            „Das ist aber doch eine ungeheuer positive Aussage! Da steht ein Mensch, weiblich, neben Gott (geschlechtsneutral).“ (Novalis)

            Von der Hochschätzung des „weiblichen Geschöpfes Maria“ geht der Papst allerdings nahtlos über zu der Unterscheidung von männlicher Macht und der „spezifischen Macht“ von Frauen in der Kirche. Was des Mannes ist, steht am Beginn des Abschnittes 111: „Jesus Christus zeigt sich als der Bräutigam der Eucharistie feiernden Gemeinschaft in der Gestalt eines Mannes, der ihr vorsteht als Zeichen des einen Priesters.“ Das liegt genau auf der Linie dessen, was sich in Evangelii gaudium (2013) nachlesen lässt: „Das den Männern vorbehaltene Priestertum als Zeichen Christi, des Bräutigams, der sich in der Eucharistie hingibt, ist eine Frage, die nicht zur Diskussion steht.“ (Nr. 104)

            Franziskus stellt sich klar in die katholische Tradition, nach der der Frau zwar die gleiche Würde zukommt, dies aber nicht Gleichberechtigung bedeutet. Wie lange noch werden Katholikinnen sich das gefallen lassen?

          • Novalis
            17.02.2020, 9:21 Uhr.

            Korrekt. Aber wenn ich eines in der Lehramtshermeneutik gelernt habe, dann doch das, dass jedesmal dann, wenn nur noch auf die Autorität rekurriert wird (und die sexistischen Vertreter der Exklusion haben ja keine Sachargumente) der Gaul schon tot ist. Man vergleiche nur mit wievielen Wenns und Danns die Zulassung der Muttersprache (eine Normalität) versehen wurde, um sie zu erlauben.

    • Carla Maltese
      15.02.2020, 22:00 Uhr.

      Ein bischen muss ich das entschärfen. Franziskus kommt nicht aus der europäischen sondern aus der lateinamerikanischen Marienverehrung, wo Maria eine mächtige Nebengottheit ist.
      Die europäische römisch-katholische Tradition außerhalb Spaniens machte aus Maria ja bekanntlich ein Zerrbild, eine ewig leidende, still-dmütige Jammergestalt. Maria die ewige Schmerzensmutter, stets nur passiv, zum Davonrennen.
      Entsprechend fühlt man sich als reformorientierte europäische Christin gegen den Strich gebürstet, wenn man ausgerechnet mit Maria verglichen wird. Und entsprechend beliebt ist Maria bei den Ultrakonservativen.

      Die lateinamerikanische Marienverehrung hat aus ihr zwar leider auch eine ewige Jungfrau gemacht. Aber ihr immerhin auch Stärke und Macht verliehen. Das Bild ist nicht ganz so… grässlich… wie in Europa.
      In Argenitnien ist ja auch ein bestimmtes Marienbildnis sehr beliebt, ich komme jetzt nicht auf den genauen Namen, aber es ist schon so eine Art Nationalheiligtum. Und da hat Maria nichts von der ewig vor sich hinleidenden Madonna an sich. Sondern eher etwas von einer Majestät.

      Historisch war Maria ganz sicher keine ewige Jungfrau. Jesus hatte Minimum sechs Halbgeschwister. Und wenn ich das noch richtig im Kopf habe, korregieren Sie mich wenn ich das falsch in Erinnerung habe, hat Josef so lange nicht mit ihr geschlafen BIS sie Jesus geboren hat. BIS sie Jesus geboren hat. Man möge die Konservativen mit ihrem Jungfräulichkeitswahn bitte zum Lesen lernen zurück in die Schule schicken. Aber sie war ganz sicher eine für ihre Zeit verdammt unabhängige und starke Frau.

      • Novalis
        16.02.2020, 13:04 Uhr.

        „Historisch war Maria ganz sicher keine ewige Jungfrau.“ Im BIOLOGISCHEN SINNE sicher, im theologischen Sinne ist sie natürlich stets Jungfrau. Nur hat das nix mit Penis und Vagina zu tun, sondern ist eine altertümliches, ja sogar aus einer sexistischen Zeit stammendes Bild (das in sich selbst stehend ganz vernünftig deutbar ist). Jedenfalls ist Jungfräulichkeit keine Aussage, die die Kirche getroffen hat, um Maria zu bauchpinseln, sondern um zu sagen, wer Jesus ist für sie.

      • Novalis
        16.02.2020, 13:06 Uhr.

        „Die europäische römisch-katholische Tradition außerhalb Spaniens machte aus Maria ja bekanntlich ein Zerrbild, eine ewig leidende, still-dmütige Jammergestalt. Maria die ewige Schmerzensmutter, stets nur passiv, zum Davonrennen.
        Entsprechend fühlt man sich als reformorientierte europäische Christin gegen den Strich gebürstet, wenn man ausgerechnet mit Maria verglichen wird. Und entsprechend beliebt ist Maria bei den Ultrakonservativen.“
        In der Tat. Und man muss die Gegenbilder dazu stark machen. Schauen Sie sich die eigentlich ungeheuerliche Aussage des Apsismosaiks in Santa Maria in Trastevere in Rom an. Christus erhebt Maria auf SEINE Stufe!

  • Novalis
    13.02.2020, 11:06 Uhr.

    Also ich verstehe weite Teile der Reaktionen überhaupt nicht. Haben die denn den Text gelesen? Bis auf das (aber aus anderen Gründen) zurecht kritisierbare Frauenbild und die rein auf die Trienter Anathematismen reduzierte Amtstheologie ist das Dokument von einem politisch durchweg linken Charme, wie ich ihn mir für Amazonien immer gewünscht habe. Und: Im Gegensatz zu Paul VI. hat Franziskus das Ergebnis einer Synode als Wirken des Hl. Geistes voll und ganz akzeptiert. Ich bin ziemlich zufrieden.

  • Carla Maltese
    13.02.2020, 20:42 Uhr.

    Es ist eine Katastrophe. Das wars. Franziskus hat aufgehört, Reformpapst zu sein.

    Und es ist nicht so sehr, weil er sich nicht getraut hat, Diakoninnen und Viri probati zuzulassen. Daß nächste Woche schon die ersten Frauen in ein römisch-katholisches Priesterseminar dürfen und alle Priester heiraten dürfen, war selbst mit dem größten Optimismus nicht zu erwarten.

    Es ist die Art, WIE er es getan hat.
    So wie Montini die Würzburger Synode hat er die Amazonassynode komplett lächerlich gemacht.
    Irgendwas was ihm passt dürfen die Synodalen beschließen, nur damit er sich die Rosinen rauspickt und das Unbequeme einfach kassiert.
    Und dann stellt er sich auch noch in die Tradition des Diktatorpapstes Wojtywa. Der Synodalität zutiefst hasste aber Kontrolle und Denunziation bis in die kleinste Pfarrei liebte. Was nicht dazu geführt hat, daß er gegen wirkliche Verbrecher im Klerus vorgegangen wäre, nur gegen selbständige glaubensmündige Meinungen.

    Franziskus gehört offensichtlich zu den Leuten die nicht begriffen haben was auf dem Spiel steht.
    Die RKK zerbricht nicht nur hier. Sogar in Ländern wie Spanien oder sogar Indien fühlen sich die römischen Katholiken mit dem zölibatären Männerklerus nicht mehr wohl.

    Und es sind KEINE unwichtigen Nebenthemen. Das Evangelium erfolgreich und glaubwürdig verkünden kann man nur, wenn man eine Kirche hat mit der man sich wohlfühlt, die einem nicht peinlich ist, zu der man stehen kann.

    Wie ich zur altkatholischen.

    Es ist ja prinzipiell absolut richtig, Gerechtigkeit für die Armen, Schutz der Indigenos und Umwelt- und Klimaschutz zu fordern.
    Nur geht all das nicht mehr ohne die geforderten Strukturreformen. Um irgendetwas zu erreichen müssen sich die Leute in ihrer Kirche wieder wohl fühlen, d.h. auch mit dem Klerus, erst dann kann es wieder vorwärts und aufwärts gehen.

    • Erasmus
      14.02.2020, 11:31 Uhr.

      „Es ist eine Katastrophe. Das war’s. Franziskus hat aufgehört, Reformpapst zu sein.“

      Auch mich hat das Papstschreiben sehr enttäuscht. Dennoch bleibt festzuhalten, dass Franziskus das Schlusspapier der Amazonien-Synode als gültig einstuft, in dem mit Zweidrittel-Mehrheit für Viri probati und das Diakonat der Frau optiert wird. Der Papst schiebt das Thema also auf die lange Bank.

      Auch wenn mein Wojtyła-Bild ähnlich wie das Ihre ist, ist es für das Papstamt konstitutiv, dass sich der jeweils Amtierende auf seine Vorgänger bezieht.

      Warum hat Franziskus so entschieden, wie er entschieden hat?
      Meine These: Er befürchtet einen Zerfall des traditionalen katholischen Universums und möchte nicht der Totengräber des Katholizismus sein.

    • Novalis
      14.02.2020, 11:38 Uhr.

      Dann haben Sie denn Text selber nicht gelesen und nicht verstanden, dass Franziskus genau das Gegenteil von Paul VI. getan hat: Dieser hat ein Dokument einer Lokalsynode ignoriert, jener in den Rang eines päpstlichen Schreibens erhoben

  • Carla Maltese
    13.02.2020, 20:44 Uhr.

    Der FC Schalke 04 und Franziskus haben mich nicht mehr in ihrem Fanlager.

    • Erasmus
      14.02.2020, 11:04 Uhr.

      Dabei hat der FC Schalke doch in Gestalt seines Präsidenten Tönnies sein Herz für Afrika entdeckt. Dieser hat – laut BILD – vor, in Tansania, Sambia, Ruanda und Uganda ein länderübergreifendes Frauen-Netzwerk aufzubauen. Selbstverständlich ohne viel Aufhebens: „Da, wo’s wehtut, will ich im Stillen helfen.“ 🙂

      • Carla Maltese
        15.02.2020, 18:03 Uhr.

        Oh? Das wusste ich nicht, danke für die Info! Führt vielleicht zu einer Neubewertung.

        Allerdings beschäftigt mich gerade zugegebenermaßen mehr der größte Verein meiner Heimat, der letztes Jahr aus den unten Niederungen aufgestiegen ist und jetzt sogar Kurs nimmt auf den nächsten Aufstieg.
        Außerdem bin ich ein westdeutscher Fan von Erzgebirge Aue: Ein ostdeutscher Verein völlig ohne Nazifanszene, aber sehr auf dem Teppich geblieben, suchen keinen reichen Scheich, sondern lassen sich nur von lokalen Unternehmen sponsorn, und stehen zu ihrer Herkunft aus dem Wismutbergbau.
        Zugegebenermaßen ist auch der Verein der Stadt wo unsere Redaktion sitzt, also wo Herr Erbacher sitzt und früher auch Frau Pilters, also der FSV Mainz 05, irgendwie sehr sympathisch. Und das ist mir ehrlich gesagt peinlich, denn wenn ich einen Verein lieber hassen würde als ihn zu mögen ist es der.

  • Carla Maltese
    16.02.2020, 20:58 Uhr.

    Erst nochmal zum Thema Frauendiakonat:
    Hier versteht Franziskus definitiv nicht, wo das Problem ist.
    1. Wenn sich die Frauen anhören müssen daß es „Klerikalismus“ wäre, Zugang zu den Weiheämtern zu fordern: Würde Franziskus die Motive eines Mannes der sich zum Priesteramt berufen fühlt, so automatisch infrage stellen? Wenn einem Mann ganz automatisch zugetraut wird, ein liebevoller, fürsorglicher und fähiger Priester zu sein, es bei einer Frau aber automatisch „Klerikalismus“ ist: Dazu erübrigt sich jeder weiterer Kommentar.
    2. Nun ist es nunmal so, daß die Macht in der römisch-katholischen Kirche noch immer unbedingt mit den Weiheämtern verbunden ist. Und manche Amtsträger, siehe Woelki, siehe Voderholzer, drehen schon durch und führen sich komplett kindisch auf, wenn Nichtkleriker auch nur gleichberechtigt sprechen dürfen. Die Macht liegt also ausschließlich bei Männern. Das macht das Priesteramt auch zu etwas was Jesus ganz sicher so nicht gewollt hat, nämlich zu einer Machtfrage zwischen den Geschlechtern.
    3. Wenn den Frauen dann noch gesagt wird daß sie andere wichtige Aufgaben machen sollen, ohne genau zu benennen was das sein soll, also ohne definitiv zu sagen, daß es sich um verantwortungsvolle Befugnisse mit Entscheidungsgewalt handeln soll: Dann hört sich dann sehr herablassend an, irgendwie gönnerhaft. Ein bischen nach: „Komm, du darfst die Kirchenbänke putzen und den Marienaltar dekorieren, das ist auch ganz wichtig!“ Ich muss in diesem Zusammenhang an einen ehemaligen Vorgesetzten denken. Ich habe schon einige Vorgesetzte gehabt, davon drei in zwei verschiedenen Großprojekten die außerordentlich beschissen waren. Einen davon im letzten Projekt meines Leasingdaseins. Nicht nur ich hatte ein Problem mit ihm, auch nicht nur wir Leasingkrümel, er war generell unmöglich. Ich habe einen großen und eigentlich in sich ruhenden Mann, einen Festangestellten, einmal mit Tränen in den Augen aus einer Besprechung kommen sehen, er war vollkommen fertig. Bei einem anderen Kollegen, das kann ich hier nicht so öffentlich sagen was er da tat, jedenfalls bedauer ich es bis heute zutiefst daß mir in dem Moment nicht eingefallen ist, daß es einen Betriebsrat gibt. Dieser Hirnstreik in dem Moment ist mir absolut peinlich. Bei mir allerdings kam auch noch etwas Schmieriges hinzu. Nein, man klopft einem Diplomingenieur nicht gönnerhaft auf die Schulter, BASTA! Diese Geste und auch scheinbare Freundlichkeiten, scheinbare Nettigkeiten signalisierten mir vor allem daß er mich sowas von überhaupt nicht für voll nahm. Franziskus ist nicht klar daß es Frauen immer wieder passiert, von Männern herablassend behandelt zu werden. Und da hilft es auch nicht, vage von „Würde der Frau“ zu salbadern. Das hat Wojtywa auch getan. Auch bei ihm waren Frauen „wichtig“. Ja, als unterwürfiges untergeornetes Dienstpersonal im Hintergrund, voller Demut und „mütterlicher Hingabe“, aber ohne eigene Meinung, ohne irgendeine Entscheidungskompetenz.
    4. Und letzten Endes stellt sich die Frage, ob sich die Leute mit dem reinen auch noch zölibatären Männerklerus überhaupt noch wohlfühlen. Die einen oder anderen Dinge die ich in den letzten Monaten lesen konnte sagen mir: Wohl eher nicht…
    Und wie schon mehrfach betont beweist auch bei uns in der altkatholischen Gemeinde unserE PfarrerIN daß Frauen sehr wohl wirklich gute Priester sein können.

    Andere Dinge sind dagegen positiv zu werten. Daß Franziskus das Schlußdokument der Synode offiziell gemacht hat und damit die Synode doch aufgewertet hat: Da habe ich einen Fehler gemacht, das war mir letzte Woche im ersten Moment entkommen. Bzw. ich hatte es nicht kapiert.
    Das Schlußdokument der Synode ist das offizielle Dokument und seines ist „nur“ „einer grober Rahmen für die Reflexion“, das versöhnt mich wieder. Ich nehme also meine ersten Äußerungen teilweise zurück.

    Die Bezugnahme auf ausgerechnet einen Diktatorpapst wundert dann doch.

    Zum Thema Inkulturation und Vielgestaltigkeit möchte ich hiermit Herrn Erbacher offiziell den Vorschlag unterbreiten, einen mozarabischen Gottesdienst aus Toledo zu übertragen. Allerdings muss die Einschränkung genannt sein, daß die Altstadt von Toledo nicht mit LKWs befahrbar ist. Ausrüstung muss daher in PKWs transportiert werden. Bis zur Kathedrale teilweise mit Kleinfahrzeugen.

    • Novalis
      17.02.2020, 9:23 Uhr.

      „Und manche Amtsträger, siehe Woelki, siehe Voderholzer, drehen schon durch und führen sich komplett kindisch auf, wenn Nichtkleriker auch nur gleichberechtigt sprechen dürfen.“
      […]* Angst war noch nie ein Ausweis dafür, Recht zu haben. Geradezu eine unchristliche Eigenschaft. Aber keine Sorgee, die werden bestraft.

      *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

      • Carla Maltese
        19.02.2020, 21:18 Uhr.

        NEIN!!

        Es gab schon viel zuviele Strafen in der römisch-katholischen Kirche.
        Der Schaden durch Päpste die mehr damit beschäftigt waren, „Abweichler“ zu bestrafen als sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern ist unendlich. Unter Franziskus soll das nicht mehr einreißen. Er soll sich nicht in einen Wojtywa verwandeln.
        Es darf keine Kultur der Angst und Spitzelei mehr geben.

        bestraft sollen wirkliche klerikale Verbrecher, falls sich die Justiz nicht schon für sie zuständig fühlt: Sexualstraftäter, und zwar nicht nur solche die sich an kleinen Jungs vergangen hen sondern auch solche die Ordensfrauen vergewaltigt haben, Kollaborateure von Diktatoren, Bischöfe die wie in West Virginia das Vermögen einer sehr armen Diözese für eigenes Luxusleben verprassen usw.
        Nicht aber klerikale Kindergartenkinder. Denen soll ihr Diözese die Meinung geigen, fertig.

  • bernardo
    17.02.2020, 11:04 Uhr.

    Die Vorstellung, man solle Frauen weihen und den Zölibat abschaffen und dann werde alles gut, will ich nicht kommentieren. Das entscheidende Problem scheint mir die Inkulturation zu sein. Inwieweit lassen sich andere Kulturen in das antike jüdisch-griechische Erbe inkulturieren, ohne dass dieses dabei seine Substanz verliert? Darauf sind keine einfachen Antworten möglich, und das was der Papst schreibt, ist eher als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen anzusehen. Das Christentum ist eben kein platter, progressiver Moralismus, der letztlich keine Kultur ernst nimmt und deswegen vorschnell einer Inkulturation das Wort reden kann.

    • Erasmus
      17.02.2020, 17:55 Uhr.

      „Die Vorstellung, man solle Frauen weihen und den Zölibat abschaffen und dann werde alles gut, will ich nicht kommentieren.“

      Ich weiß von niemand, der ernst zu nehmen ist, der diese Auffassung vertreten würde.

      Warum ist der Beruf des Pfarrers nicht attraktiv?
      – Das Ansehen dieses Berufs hat schwer gelitten. Bei der Allensbacher Berufsprestige-Skala von 2008 brachten 39 Prozent der Befragten dem Beruf des Pfarrers hohe Anerkennung entgegen, 2013 waren es nurmehr 28 Prozent. Polizisten und Krankenschwestern sind inzwischen angesehener. Laut einer GfK-Umfrage von 2016 vertrauen die Menschen Soldaten und Taxifahrern mehr als Geistlichen.
      – Arbeitsumfang und -anforderungen ufern aus
      – Das Zutrauen in die Instutution Kirche ist gering und damit auch die Bereitschaft, sich von dieser dauerhaft abhängig zu machen
      – Wer will sich an eine Organisation binden, die mit permanenter Schrumpfung konfrontiert ist?

      Wenn zu dieser schwierigen Ausgangslage im Katholizismus noch hinzukommt, dass das dort festgeschriebene Frauenbild voremanzipativ ist (keine Gleichberechtigung) und den Männern die Unterdrückung der eigenen Sexualität aufgebürdet wird – es gibt da zahlenmäßig begrenzte Ausnahmen -, dann ist die Zukunftsfähigkeit der katholischen Kirche – zumindest in Europa – massiv in Frage gestellt.

    • Carla Maltese
      19.02.2020, 23:18 Uhr.

      Zum einen leben auch die heutigen Juden nicht mehr wie in der Römerzeit, der Zeit Jesu. Sonst könnte man einen Juden nicht einmal zu sich nach hause einladen.
      Auch das Judentum hat sich immer wieder inkulturiert. Die Sängerin Ofra Haza die mit den Sisters of Mercy dieses unglaubliche Duett „Temple of Love“ sang war eine jemenitische Jüdin. Ihr Hintergrund war ein völlig anderer als der der Aschkenasim. Daneben gibt es auch noch äthiopische Juden.

      Zweitens: Wir sind nunmal alles keine männlichen frei geborenen vermögenden antiken Griechen, die kleine Schicht für die sich die griechische Kultur tatsächlich gelohnt hat, wir leben HEUTE. Wir haben heutige Berufe, einen heutigen Alltag zu bestehen und heutige Herausforderungen zu meistern.
      Ein Gott der, wie Sie zu meinen scheinen, nur zu Griechen und Juden der Antike sprach, und zwar zu männlichen frei geborenen vermögenden Griechen, aber uns heute nichts mehr zu sagen hat, ist überflüssig.

      Drittens: Hätte sich auf dem Apostelkonzil nicht die Minderheit durchgesetzt die für Inkulturation eintrat, wäre das Christentum allerdings eine jüdische Sekte geblieben.

      Viertens das Pfingstwunder: Die Apostel sprachen plötzlich in allen damals gängigen Sprachen, der Heilige Geist sandte sie aus in alle Welt, in alle Kulturen.

      Das Christentum als eine Art Atiquitätensammlung? Als Kulturmuseum?
      Ein nettes Hobby, so wie die ganzen Reenactmentgruppen, ich kenne da jemanden der in seiner Freizeit Römer spielt. Und ich habe sogar mal eine Reenactmentgruppe kennengelernt, die den amerikanischen Bürgerkrieg nachspielen. Auf Südstaatenseite. Weißdergeierwievieltes Virginia-Batallion.
      Bei Herrn Erbacher ganz in der Nähe fand früher immer eine große Modellbauaustellung statt, da war ich sogar selbst mal Standhilfe.
      Ein nettes Hobby. So wie Briefmarkensammeln. Aber nichts was wirklich wichtig ist und Bedeutung hat. Nichts was die Welt rettet. Wenn es die Leute beginnt zu langweilen, können sie auch ohne leben.

      Gott wollte kein Museum aufmachen, er wollte nicht irgendwelche Skulpturen stiften. Wozu auch? Er will eine Geschichte mit der Menschheit schreiben. Weil Er zwar alles Leben liebt, wir aber etwas besonderes für Ihn sind, besonderst geliebt.

      Und die Menschheit heute BRAUCHT Gott. In dem Zustand wie sie ist, voll von Hass und Gewalt, von Kapitalismus und Gier, BRAUCHT sie Gott.
      Aber nicht irgendwelche Reenactmentgruppen.

  • bernardo
    17.02.2020, 15:12 Uhr.

    Die Masken fallen. Sobald Franziskus, dem ich oft eine unklare Rede vorgehalten habe, nicht das tut, was wohlstandsverwöhnte Progressive in Deutschland wollen, wird er heftig angegangen – und zwar auf eine Art, wie ich es nie getan habe und nie tun werde. Dann ist von „Diktatorenpäpsten“ die Rede, und man heult auf gegen die Tatsachen, die einem nicht gefallen. Und im Übrigen gilt: Reisende soll man nicht aufhalten.

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      17.02.2020, 16:29 Uhr.

      Interessant ist ja, dass mit dem Dokument ja wenig entschieden ist. Franziskus fordert die Ortskirchen im Amazonas auf, an der Umsetzung des Schlussdokuments der Synode zu arbeiten. Das wird jetzt spannend. Auch sagt er bei der Betonung der exklusiven sakramentalen Handlungen der Priester nicht, wie diese Priester leben. Es lohnt also eine gute Lektüre beider Dokumente.

      • Alberto Knox
        18.02.2020, 16:00 Uhr.

        wird es ihrerseits einen bericht zur verwicklung von joseph ratzinger in missbrauchsverstuschung geben, wie das zdf bei Frontal 21 zeigte?

        • Jürgen Erbacher
          Jürgen Erbacher
          19.02.2020, 14:13 Uhr.

          Es wird an dieser Stelle aktuell nichts geben. Die Recherchen der Kollegen sind über die Mediathek zugänglich.

          • Carla Maltese
            19.02.2020, 21:05 Uhr.

            Wäre nicht genau dazu ein klärendes Statement von Ihnen angemessen? Eine genaue Erklärung was da geschehen ist? Und wie genau sich ein späterer Papst schuldig gemacht hat oder auch nicht, falls nicht?

            Genauso wie endlich mal eine öffentliche Entschuldigung vn Ihnen und Frau Pilters für die Berichterstattung damals zu Wojtywas Operntod?
            Als vor lauter „Santo Subito“ schon garkeine angemessene Papstkritik mehr möglich schien: Na, wer war das wohl?!

    • Alberto Knox
      18.02.2020, 15:29 Uhr.

      „wird er heftig angegangen – und zwar auf eine Art, wie ich es nie getan habe und nie tun werde.“
      immerhin gibt da einer zu, dass er den papst angeht. und das ohne grund.
      ich sehe das dokument gemischt. das frauenbild ist abscheulich, hinterweltlerlisch, aber immerhin fügt sich ein papst einer synode. das ist eigentlich so von mir nicht erwartet gewesen.

    • Carla Maltese
      19.02.2020, 21:57 Uhr.

      Erstens gebe ich zu, Franziskus‘ Schreiben im ersten Moment falsch beurteilt zu haben. Das Thema Synodalität, meine Kernkritik, verhält sich doch anderst.

      Zweitens bin ich um einen Franziskus, der natürlich auch Fehler macht, auch ein Papst ist nur ein Mensch, immernoch froh und dankbar, denn es kommen endlich Dinge ins Rollen. Es gibt nicht mehr nur das lethargische Sterben.

      Drittens, „Diktatorpapst“: Als was soll man denn einen seiner Vorgänger der so gern bis runter in die kleinste Pfarrei ganz hinten in der Mongolei nach „abweichenden“ Meinungen gesucht hat, zu Themen wie Empfängnisverhütung, Zölibat, Weiheämter für Frauen, echte Verbrechen dabei aber fleißig ignoriert hat, Ihrer Meinung nach bezeichnen?
      Ein Sarah, ein Müller oder ein Burke mögen unter Franziskus nicht mehr so hofiert werden wie sie es von früher gewohnt sind. Und die allerhöchsten Beförderungen und Dekorationen sind für sie nicht mehr drin. Aber verglichen mit dem was Amtsträgern unter Wojtywa für derart öffentliche und laute Kritik geblüht hat, nun… den Satz brauche ich wirklich nicht zu beenden.

      […]*

      *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

  • Carla Maltese
    19.02.2020, 22:34 Uhr.

    Wenn man auf katholisch.de die Meldungen der letzten Tage überfliegt, dann heißt es da, daß Amazonasbischof Erwin Kräutler auch nicht weiß, wie er das Papstschreiben den Gläubigen erklären soll.
    Wohlgemerkt „seinen“ Gläubigen am Amazonas. Nicht in Castrop-Rauxel.

    Und Polen produziert zwar immernoch ein Viertel aller europäischen römisch-katholischen Priester, aber es schmeißen dort mittlerweile auch überdurchschnittlich viele hin. Und die römisch-katholische Kirche verliert auch dort rapide an Vertrauen.

    Soviel zum Thema „dekadente deutsche Luxusproblemchen“.

  • Wanda
    20.02.2020, 16:04 Uhr.

    Zur Bedeutung und Wahrnehmung der röm.-kath. Kirche in der öffentlichkeit wäre wohl dringend mehr Realismus angeraten, ob sich da nun was in Rom, am Amazonas oder in DEU abspielt. Ein Artikel in der überregionalen WELT kommt dazu auf den Punkt. Zitat – Kirche? War da was? Der Chef der deutschen Bischofskonferenz schmeisst hin und kaum einer im politischen Berlin bekommt es mit. Die Erklärung für diesen Relevanzverlust findet sich im auffälligen Agieren der katholischen Kirche selbst – Zitatende. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Der Klerus, angefangen bei Franziskus über Müller, Gänswein, Woelki, Ratzinger und wie sie alle heissen, sollte sich mit vielen „mea culpa“ an die Brust klopfen. Aber auch das wird den Niedergang der Amtskirchen nicht aufhalten.

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