Wenn ein Kardinal zurücktritt

Dass ein Kardinal aus dem Kardinalskollegium fliegt, ist bisher höchst selten vorgekommen. Ob sich das nun ändert? Seit vergangenem Samstag ist der emeritierte Erzbischof von Washington nicht mehr Mitglied des „Senats“ der katholischen Kirche. Theodore McCarrick wird beschuldigt, zwischen 1970 und 1990 junge Priesteramtskandidaten zu sexuellen Handlungen verführt und auch mindestens zwei Minderjährige missbraucht zu haben. Gestern nahm Papst Franziskus auch den Rücktritt des australischen Erzbischofs Philip Wilson an. Der war Anfang Juli zu zwölf Monaten Haft verurteilt worden, weil er Missbrauchsvorwürfe gegen einen anderen Geistlichen vertuscht haben soll. Wilson hatte zunächst einen Rücktritt mit dem Hinweis angelehnt, dass er in Berufung gehen wolle. Jetzt musste er doch gehen. Vor wenigen Tagen erst hatte der Vorsitzende der päpstlichen Kinderschutzkommission, Kardinal Sean O’Malley, ein entschiedeneres Vorgehen gegen Missbrauchsfälle gefordert, an denen Bischöfe und Kardinäle beteiligt sind. Sind das erste Konsequenzen?

Auf dem Petersplatz sind schon die Vorboten der Internationalen Ministrantenwallfahrt zu sehen. Das wird ein buntes Fest in diesen Tagen in Rom. Doch hinter den Mauern des Vatikans wird um den richtigen Kurs bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals gerungen. (Quelle: ap)

Warnungen überhört?

Im Juni wurden die Vorwürfe gegen den ehemaligen Erzbischof von Washington Theodore McCarrick bekannt. Der Vatikan hatte damals nach ersten Voruntersuchungen dem 88-Jährigen untersagt, öffentlich als Priester zu wirken. Der Kirchenmann hatte die Anschuldigungen damals zurückgewiesen, sich den Auflagen des Vatikans aber gebeugt. Schon damals hieß es aus dem Erzbistum New York, in dessen Bereich mehrere der Vorfälle stattgefunden haben sollen, die Anschuldigungen seien „glaubwürdig und substanziell“.

In den vergangenen vier Wochen wurde der Fall zu einer immer größeren Belastung für die katholische Kirche in den USA, aber auch darüber hinaus. Einerseits gehört McCarrick zu den profiliertesten Kirchenmännern im Land, der wegen seines sozialen Engagements hohe Anerkennung weit über die eigene Kirche hinaus genoss. In den frühen 2000er Jahren gehörte er zudem zu den Vertretern, die die Null-Toleranz-Politik gegenüber Missbrauchstätern in der katholischen Kirche durchsetzten. Sollten die aktuellen Vorwürfe stimmen, scheint er sie für sich selbst aber als nicht geltend angesehen zu haben. Zum anderen wurden aber in den letzten Tagen auch immer mehr Stimmen laut, man habe in den vergangenen Jahren wiederholt auf das Fehlverhalten McCarricks aufmerksam gemacht, aber nie eine Reaktion aus dem Vatikan oder von Kardinal O’Malley erhalten.

Neues Vorgehen gegen Hierarchen?

Mit dem Rücktritt des US-Erzbischofs aus dem Kardinalskollegium geht der Vatikan nun einen Schritt weiter als in der Vergangenheit. Der frühere Erzbischof von Edinburgh, Keith Michael O’Brien, hatte ab 2015 seine Rechte und Privilegien als Kardinal ruhen lassen, ohne formal aus dem Kollegium auszuscheiden. O’Brien hatte 2013 die sexuelle Belästigung von Priesteramtskandidaten zugegeben und war kurze Zeit später von seinem Amt als Erzbischof zurückgetreten. McCarrick trägt nun fortan auch den Titel „Kardinal“ nicht mehr. Einen solchen Rücktritt hatte es zuletzt 1927 gegeben, als der französische Kardinal und Jesuit Louis Billot (1846-1931) nach einem Streit mit Papst Pius XI. (1922-1939) gegeben. Billot unterstützte die rechtsextreme und monarchistische Bewegung Action Francaise, die der Papst verurteilte.

Aktuell geht es nicht um eine politische Frage, die ein Land betrifft, sondern es geht einmal mehr um die Glaubwürdigkeit des Papstes und der katholischen Kirche. Auch wenn in beiden Fällen, bei Theodore McCarrick und Philip Wilson, das endgültige Urteil noch nicht gesprochen ist, muss der Papst zeigen, dass er konsequent handelt. Ob es da hilfreich ist, dass er stets wartet, bis die Betroffenen ihren Rücktritt – mit mehr oder weniger Druck aus der römischen Zentrale – von selbst anbieten, ist fraglich. Immer wieder wird gerade aus den Kreisen der Betroffenen die Forderung laut, dass der Papst auch entlassen können müsste – aus dem Kardinalskollegium oder aus dem Amt als Diözesanbischof. Das könnte nicht nur im Kontext von Missbrauchsfällen so manchen Schaden von der katholischen Kirche abwenden.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

46 Kommentare

  • @ bernando
    31.07.2018, 14:49 Uhr.

    Schande über sie.

    • Silvia
      31.07.2018, 21:51 Uhr.

      @ bernando
      31.07.2018, 14:49 Uhr.

      Mir graust es auch immer mehr über die himmelschreiende Unmoral und Doppelmoral gerade weit oben in der kirchlichen Hierarchie.

      • Novalis
        01.08.2018, 12:30 Uhr.

        Ist es nicht auch Doppelmoral, die ganze Zeit von Kernfamilie und katholischem Verständnis von Familie zu sprechen (einerlei, ob man letzteres wirklich verstanden hat oder nicht) und dann im selben Atemzug gegen den Familiennachzug von Flüchtlingen zu sein?

        • Silvia
          01.08.2018, 22:37 Uhr.

          Novalis
          01.08.2018, 12:30 Uhr

          Bitte beim Thema bleiben. Hier geht es einzig und allein um sexuellen Missbrauch! Und dazu habe ich mich HIER geäußert.

          • Novalis
            02.08.2018, 14:07 Uhr.

            Sie führen doch die Flüchtlingsdebatte an allen möglichen Stellen ein, nicht ich.

          • Silvia
            02.08.2018, 20:22 Uhr.

            Novalis
            02.08.2018, 14:07 Uhr

            Wo habe ich HIER etwas über Flüchtlinge geschrieben?

        • @ bernando
          02.08.2018, 10:22 Uhr.

          Immer schön alle Fragen miteinander vermengen.

          • Silvia
            02.08.2018, 20:24 Uhr.

            @ bernando
            02.08.2018, 10:22 Uhr.

            So lenkt man vom eigentlichen Thema ab. Eine durchsichtige Taktik, die aber hier im Blog schon oft erfolgreich war.

        • Wanda
          03.08.2018, 16:28 Uhr.

          Novalis 01.08. 12:30
          Abgesehen davon, dass wir ein anderes Thema haben, dazu eine Frage:
          – Wer trennt denn die Familien oder schickt seine Frau oder Kinder allein auf die gefährliche Reise oder (gar nicht lustige) Seefahrt, nur um damit ein „moralisches“ Druckmittel für die „humane Nachzugsbewilligung“ in die Hand zu bekommen ?
          Für mich eine durch nichts gerechtfertigte Gefährdung der eigenen Familie und fast immer lediglich wirtschaftlicher Vorteile wegen. Im höchsten Masse verwerflich !

          • Carla Maltese
            03.08.2018, 23:42 Uhr.

            Die Männer die erst allein über die gefährliche Balkanroute kamen, in der Hoffnung, Frau und Kinder über einen sicheren Weg nachholen zu können und dann dumm dastanden, weil das mit dem Familiennachzug doch nicht erlaubt wurde.

      • @ bernando
        01.08.2018, 12:36 Uhr.

        Mir auch.

  • Wanda
    31.07.2018, 17:40 Uhr.

    Ist das akzeptabel ? Kardinäle hin oder her: diese hohen Würdenträger werden nicht mit Schimpf und Schande „verabschiedet“ sondern man nimmt deren Rücktrittsgesuche an. Und ihnen wird vom Vatikan lediglich „auferlegt“ in ein Kloster zu gehen, um Buss zu tun und zu beten…
    – Verglichen dazu wundert mich (gelinde ausgedrückt) die Nichtbeachtung einer wichtigen Konferenz zum gleichen Thema in unserer Hauptstadt:
    – Am 27. Juni fand nämlich in Berlin das 3. Öffentliche Hearing der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs statt. Thema war dieses Mal der kirchliche Umgang mit dem Problem. Eingeladen und anwesend waren denn auch deren Missbrauchsbeauftragte, die evang. Bischöfin Kirsten Fehrs und der kath. Bischof von Trier Stefan Ackermann.
    Die Kommissions-Vorsitzende übte deutliche Kritik an den Kirchen, dass diese Mitverantwortung daran trügen, dass noch immer nicht das tatsächliche Ausmass bekannt sei. Sie hätten „alles dafür getan“, dass sich Betroffene nicht bei ihnen meldeten.
    Eine Studie der Aufarbeitungskommission besagt diesbezüglich, dass die Hälfte der evang. und ein Drittel der kath. Betroffenen sich nicht an kirchliche Stellen gewandt hätten, wegen überwiegend negativer Erfahrungen.
    – Wie erwähnt: mich erstaunt, dass man über die Kardinäle weit entfernt berichtet, während man die schleppende Aufarbeitung im eigenen Lande für nicht erwähnenswert erachtet…

    • Silvia
      01.08.2018, 11:44 Uhr.

      Wanda
      31.07.2018, 17:40 Uhr.

      In unserer Kirche hat man sich schon immer mehr für das Unrecht (und Elend) möglichst weit weg irgendwo in der Welt interessiert, statt vor der eigenen Tür zu kehren, denn Letzteres ist unbequem und tut weh.

      Es war und ist auch heute noch viel bequemer, für Misereor und Adveniat zu sammeln und zu spenden, als mal z.B. zu thematisieren, dass es im ach so reichen Deutschland alte Leute gibt, die Pfandflaschen sammeln, weil die Rente nicht reicht, oder über Kinderarmut hierzulande zu sprechen.

      Und bei den Missbrauchsskandalen ist es ähnlich.

      • Carla Maltese
        03.08.2018, 23:36 Uhr.

        Ich halte nichts davon, notleidende Menschen gegeneinander auszuspielen!

        Es gibt die Art von Hunger, wenn irgendwo tatsächlich nichts mehr zum Essen da ist. Und man nicht weiß wann es jemals wieder etwas gibt. Den Hunger denen z.B. afrikanische Fischer haben wenn westliche Fangflotten vor den afrikanischen Küsten geräubert haben. Den Hunger der Menschen in belagerten Städten in Syrien. Usw.
        Und es gibt die Art von Hunger die man hat wenn man in einem reichen Land voller Möglichkeiten bitterarm ist und man überall Verbotsschilder sieht weil man kein Geld hat.
        BEIDE Arten von Hunger tun furchtbar weh. BEIDE Arten graben sich tief in die Seele.

        Genauso wie Kriege. Von denen es leider gerade mehr als genug gibt.
        Oder generell das Leben in einem gescheiterten Staat. Wenn ein Staat einmal scheitert, dann ist das eine kaum noch zu stoppende Spirale, denn dann ist sich dort jeder selbst der Nächste.

        Ob man Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt und Flüchtlingsheime anzündet oder ob man Obdachlose beklaut oder schlägt oder bespuckt, BEIDES ist gottlos und verabscheuungswürdig!!

    • Novalis
      01.08.2018, 12:30 Uhr.

      „schleppende Aufarbeitung im eigenen Lande“

      eben gerade in Regensburg!

  • Novalis
    31.07.2018, 20:22 Uhr.

    Es bleibt zu hoffen, dass in Deutschland der – m.E. zurecht – von P. Mertes SJ als Vertuscher bezeichnete Gerhard Ludwig Müller samt dem seinerzeitigen GV Fuchs und seinem Nachfolger Voderholzer auch abgesetzt wird. Das ist zwar nur die Spitze des Eisbergs, aber wäre ein Beginn.

    • Brigitta
      01.08.2018, 19:34 Uhr.

      Wenn der heutige Beitragi auf katholisch.de richtig ist, wovon ich ausgehe, dann kann der Papst einen Kardinal nicht entlassen, weil das im CIC nicht vorgesehen ist, sondern er kann sein Rücktrittsgesuch nur annehmen. Er kann auch den CIC nicht so einfach ändern, (obwohl das Ratzinger mal gemacht hat. Diese Änderungen sind demnach nicht rechtens und dürften meines Erachtens nicht angewendet werden.)

      • Silvia
        02.08.2018, 7:23 Uhr.

        Brigitta
        01.08.2018, 19:34 Uhr

        das habe ich auch gelesen. Nichtsdestotrotz hat man den Dubia – Kardinälen mit dem Entzug der Kardinalswürde gedroht.

        Was stimmt den nun? Vielleicht kann @ Herr Erbacher das mal klären?

        • Brigitta
          02.08.2018, 17:50 Uhr.

          Aber nicht vom Papst aus, sondern das waren andere Kardinäle. Müssen ja nicht immer alle juristisch geschult sein.😉

      • Novalis
        02.08.2018, 14:10 Uhr.

        Dieser Beitrag ist sachlich falsch. Der Papst kann da alles machen, was er will. Er ist der Herr des Kirchenrechts. Wer sollte ihn denn anklagen? Und nur weil etwas im CIC nicht enthalten sei, heißt das nicht, dass es unmöglich sei. Im Übrigen hat der Papst die Vollgewalt, d.h. er kann jederzeit und an jedem Ort durchgreifen. Er könnte sogar dekretieren, dass der Kardinal ein Rücktrittsgesuch einreicht.

        • Silvia
          02.08.2018, 20:28 Uhr.

          Novalis
          02.08.2018, 14:10 Uhr

          Gilt das auch für Vorgänger und Nachfolger des gerade amtierenden Papstes? Ich frage nur, um den Überblick zu behalten, wann ein Papst durchgreifen darf oder soll/muss und wann das ein absolutes Nogo ist.

          • Alberto Knox
            03.08.2018, 14:31 Uhr.

            dieses ichmachmirdieweltwiesiemir gefällt hat doch besonders gut b16 demonstriert. noch 2004 hat johannes paul sich entschieden für die übersetzung „für alle“ beim kelchwort der messe stark gemacht; kurze zeit später wollte b16 seine „für viele“-version u.a. deutschland aufzwingen. in summorum pontificum hat er sich sogar zur unwahren aussage verstiegen, paul vi. habe das tridentinische messbuch NIE abgeschafft (vielleicht sogar zur lüge, denn kurze zeit davor war er noch gegenteiliger ansicht)…

          • Carla Maltese
            03.08.2018, 23:13 Uhr.

            Der Unterschied ist, wozu ein Durchgreifen des Papstes dient.
            Dazu, einer winzigen (stockkonservativen) Minderheit zuviel Macht in der Kirche zu geben und der Mewhrheit deren Kirchenbild aufzudrücken? In dem Fall ist dieses Durchgreifen verwerflich.
            Im Fall von sexuellem Missbrauch haben wir allerdings eine Sondersituation. Und zwar überkonfessionell, denn gewisse böse Bemerkungen und schlechte Witze nach dem Motto: Alle Priester sind Kinderschänder hören auch Altkatholiken.

            Im Moment hat die römisch-katholische Kirche noch kein papstunabhängiges funktionierendes Instrument um Bischöfe und Kardinäle die sich eines solchen Verbrechsn schuldig gemacht haben, oder eines anderen Verbrechens von ähnlicher Schwere, direkt abzusetzen. Gleichzeitig brennt aber gerade der Wald. Es darf nicht ein einziger (glaubwürdig) des Missbrauchs beschuldigter Geistlicher im Amt bleiben.

          • Novalis
            06.08.2018, 10:40 Uhr.

            @carla maltese: „In dem Fall ist dieses Durchgreifen verwerflich.“

            Das ist eine moralische, keine rechtliche Kategorie. Rechtlich könnten das Johannes Paul und noch viel mehr Benedikt zweifellos. Der Kirche haben sie damit aber natürlich Schaden zugefügt.

        • Alberto Knox
          03.08.2018, 14:28 Uhr.

          vielleicht etwas überpointiert, aber korrekt.

          • Novalis
            03.08.2018, 19:15 Uhr.

            Einer der bedeutendsten Eherechtler, den ich hören konnte, fasste die plena potestas so zusammen: „Der Papst kann alles“. Ich musste damals schlucken. Das entsprach und entspricht nicht dem, was kirchliche Tradition INSGESAMT zu bieten hat. ABER: Das ist das römische Selbstverständnis seit Gregor VII. und eben besonders ausdrücklich seit 1870.
            Einer der bedeutendsten Theologen schrieb dazu: „Die Kirche ist Raum unseres Glaubens, weil sie in ihrem von Christus bevollmächtigten und darin uns, die Hörenden, im Gewissen bindenden Amt der rechten Lehre das Wort Christi bezeugt und uns so erst eindeutig hörbar macht… Wort ist Wort im Munde von Menschen. Wort Christi ist Wort im Munde der von Christus autorisierten Kirche; weil sie es sagt, erweist es sich als sein Wort… Dafür, daß der Geist der Kirche keine Fehler macht, gibt es keine solchen Vorkehrungen und Sicherheitsmaßnahmen (in der Verfassung der Kirche oder in den … Methoden der Theologie), an die man Berufung einlegen könnte, wenn die Lehre der Kirche eine entscheidende Forderung an die Glaubenszustimmung stellt.“
            Ich gestehe: Altkatholik*innen haben es da bedeutend einfacher. Aber man muss das Selbstverständnis des römischen Lehramtes einfach auch erst einmal zu Kenntnis nehmen. Dann kann man danach sagen: Das misshagt mir.

          • Carla Maltese
            06.08.2018, 20:17 Uhr.

            Mich erinnert die Debatte über das rechtmäßige Lehramt in einer Kirche die erkennbar so nicht mehr funktioniert an den einen Dialog neulich bei uns auf der Arbeit: „Das ist der komische Anschluss.“ „Nein, das ist der Anschluss komisch auf komisch.“
            Bzw. an Versuche, den falschen Anschluß auf eine Gasflasche zu schrauben. (Eigentlich hat jede Art von Gas ein eigenes Gewinde, eben damit es nicht zu Verwechslungen kommt, aber Sie glauben nicht, wieviele „Genies“ dennoch mit roher Gewalt das Gewinde durch Draufschrauben eines falschen Gewindes ruinieren)

  • Carla Maltese (Ex-Wrightflyer)
    31.07.2018, 22:54 Uhr.

    Ich war gerade neu hier im Blog, ein paar Tage, höchstens zwei Wochen, da wurde eine Person die ich kannte und sehr mochte ermordet.
    Der Ehemann fand sie von der Arbeit heimkommend mit mehreren Messerstichen getötet in der Küche.
    Damals war ich gerade arbeitslos und verzweifelt auf der Suche nach einem Job, aber nach der Nachricht konnte ich 2 Wochen lang keine einzige Bewerbung schreiben, ich war nicht imstande dazu.

    Ein halbes Jahr später war die Gerichtsverhandlung. Der Täter bekam nur 10 Jahre wegen Totschlag, mit der Begründung „daß man einen genauen Tathergang nicht feststellen könne“.
    Dabei hatte der Täter vor der Haus im Auto gewartet bis der Ehemann das Haus verlassen hat. Und in der Küche fehlte kein Messer, also hatte er es wohl dabei.
    Wegen dieser feigen Flasche von einem Richter fiel es mir erneut unendlich schwer, die Ermordung dieses liebenswerten Menschen zu verwinden. Es blieb sehr lange eine offene Wunde.

    Insofern kann ich es nachvollziehen, wie weh es den Opfern tut, wenn der Täter nur deswegen straffrei bleibt weil er zur Kirchenhierarchie gehört.

    Andererseits kann ich Franziskus auch verstehen wenn er davor zurückschreckt, ein päpstliches Instrument zu schaffen das ein verantwortungsloser Nachfolger auch missbrauchen könnte um Bischöfe die nicht ganz auf seiner Linie sind einfach zu beseitigen. Drücken wir es mal so aus: Einen gewissen Vorgänger hat er ja auch erlebt…

    • Wanda
      01.08.2018, 16:33 Uhr.

      Reagiere häufig genau wie Sie, weil mir verschiedene Urteilsbegründungen einfach nicht eingehen. Fragwürdige Entscheidungen können zwar durch die Instanzen von Staatsanwalt bzw. Verteidiger angefochten werden, aber leider kommt es immer wieder vor, dass der Schuldige ungeschoren bleibt, weil die Beweislage nichts anderes her gibt, und darauf kommt es eben an. Die Gefühle müssen draussen bleiben…
      – Mir sind z.B. die Strafen für Missbrauchstäter an Kindern viel zu gering. Und ich frage mich, wieso zumindest die (mehrheitlich) männlichen Pädophilen nicht dazu verpflichtet werden sollten, sich kastrieren zu lassen ? Dieser drastische Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters ist mE. absolut gerechtfertigt, denn jedes potentiell weitere Opfer muss einfach Vorrang vor dem Wohlergehen eines solchen Unholdes haben.
      Über andere sexuelle Wiederholungs-Straftäter kónnte man gleichermassen nachdenken…

      • neuhamsterdam
        02.08.2018, 17:47 Uhr.

        Da war es wieder das suspekte „Wohlergehen“ das nicht sein darf und mit dem viel Primäremotionen gebunden werden. Wurde alles schon ewig durchdiskutiert und bei ernsthafter Argumentation ist immer das gleiche Ergebnis herausgekommen: Meistens weder zielführend noch rechtlich durchführbar.
        Was hier allerdings einfach zusammengesemmelt wird ist angeblich notwendiger Affekt nach Jahren des Nachdenkens. Unlogisch aber die Leute hören es gerne.

        • neuhamsterdam
          02.08.2018, 17:54 Uhr.

          Nachtrag: „Über andere sexuelle Wiederholungs-Straftäter kónnte man gleichermassen nachdenken…“ Und der fantasievolle Ausbau des Gedankenkonstrukts ist auch gleich mitberücksichtigt. Obwohl vorher wohlweislich und pflichtgemäß auf das in der Realität Problematische hingewiesen wurde. Man wird doch noch träumen dürfen.

        • Wanda
          03.08.2018, 2:00 Uhr.

          Neuhamsterdam 02.08. 17:47
          – 1. das Wohlergehen von Kindern, die sich in sogenanntem klassischen Missbrauchs-Umfeld befinden, ist also suspekt ? Auch wenn sie mit einer Person zu tun haben, die schon einschlägig straffällig wurde ? Ich denke da ganz realistisch an Missbrauchstäter, die lediglich in eine andere Gegend, Gemeinde oder Schule wegversetzt wurden und alsbald erneut ihr Unwesen trieben. Diese Fälle dürften sogar Ihnen bekannt sein…
          – 2. Und die von Ihnen (nicht von mir) erwähnten Jahre des Nachdenkens in der Sache sind mir jedenfalls zu viel und die inzwischen neuen Opfer auch. Wenn Sie dabei phantasievolle Gedankenkonstrukte unterstellen, ist Ihnen das Problem anscheinend nicht ernst genug.
          – 3. Es gibt die Möglichkeit von Gesetzesinitiativen. Hier wären sie, zumal bei Wiederholungstätern, mehr als gerechtfertigt und dringend geboten.
          – 4. Sie dürfen das gern anders sehen und sich infolge der Täterschonung und Untätigkeit schon mal auf die nächsten Fälle vorbereiten, die uns die gleichen Tatumstände, das gleiche Umfeld sowie den gleichen Täter- und Opferkreis zeigen werden. Darauf können Sie sich verlassen…

          • Wanda
            03.08.2018, 16:14 Uhr.

            – Will hinzufügen: stehe ich mit voller Überzeugung zu meinen Forderungen nach einer ggf. Zwangskastration der Täter. Immerhin ist das nicht die Todesstrafe für diese Missbrauchsmonster sondern lediglich die „Entwendung ihrer Tatwaffe“, mit der sie die Seelen ihrer jungen Opfer für immer schädigen oder sogar morden. Schliesslich belässt man einem schiesswütigen Mörder auch nicht seine Pistole bzw. einem Messerstecher sein Stilett, oder ?
            – Ob Ihnen das zu weit geht oder Ihnen meine Logik nicht eingeht, ist dabei vollkommen unwichtig…

        • Carla Maltese
          03.08.2018, 23:00 Uhr.

          @neuhamsterdam

          Es ist merkwürdig, wie Sie hier den Schmerz vieler Menschen denen damals ein unendlich liebenswerter und hilfsbereiter Mensch genommen wurde und die Wut darüber, daß manche Menschen Kindern schlimmste Dinge antun, zu einer Nebensächlichkeit degradieren.

          Es geht hier nicht um Luxus, nicht um All-inclusive-Urlaub auf den Malediven, es geht um sehr realen grundlegenden Schmerz.
          Es ist merkwürdig, wie Sie das verwechseln!

          • neuhamsterdam
            06.08.2018, 10:58 Uhr.

            „Es geht hier nicht um Luxus, nicht um All-inclusive-Urlaub auf den Malediven“
            Genau darum geht es. Es geht um die chromatische Argumentation und das wohl nicht nur im Netz, dass wenn einem der ausgeguckten Täter auch nur eine Minute Lockerung von dem angedachten Maximalvollzug selbst ausgedachter Nullest-Toleranz-Rechtssprechung gewährt werden sollte, schon das Paradies für diese (hier wird gerne in Richtung Kreatur formuliert) ausgebrochen. Auch beliebt ist das angeblich maximal bestrafte Falschparken aufrechter Steuerzahler im Mißverhältnis mit diesen angeblichen Luxuszuständen.
            Manchmal kommt es mir vor, als würde mit diesen wirklich weltfremden Argumentationschematas die Realitätsverankerung der angelockten Kommentierer zu erfahren. Das ist letztlich kein Diskurs um danach eine besser Welt zu haben, sondern um diejenigen, die die Welt anders denken könnten, vor der Veränderung der Welt, wie man sie sich bequemerweise eingerichtet hat, zu bewahren.
            Es soll bleiben, wie es ist und derjenige der was dagegen hat soll meinungsfreiheitlich es sagen. Nicht dass es Überraschungen gibt.

  • Carla Maltese (Ex-Wrightflyer)
    01.08.2018, 12:12 Uhr.

    Heute Abend keine Zeit, deshalb kurz der Nachtrag aus der Mittagspause raus:

    Es bräuchte eine vom Vatikan unabhängige Kirchenjustiz.
    Schweres Fehlverhalten von Bischöfen muss unnachgiebig geahndet werden. Jede Art von sexuellem Missbrauch. Aber auch Sachen wie schwere finanzielle Veruntreuuungen, Förderung obskurer stockkonservativer Netzwerke zu Lasten der Gemeinden, solche Dinge. Der betreffende Bischof muss dann direkt das Amt verlieren.
    Gleichzeitig darf das nicht ausarten zu einem Instrument wo ein Papst unbequeme Bischöfe zum Schweigen bringen kann.
    Kein Bischof, auch nicht der Papst, darf unumschraenkter König im eigenen Reich sein.

    • Brigitta
      01.08.2018, 19:36 Uhr.

      Der Traum wär schön, wenn er wenigstens teilweise umgesetzt würde. Aber ich glaube es bleibt ein Traum.

    • neuhamsterdam
      01.08.2018, 23:55 Uhr.

      „Es bräuchte eine vom Vatikan unabhängige Kirchenjustiz.“
      Da sollte man einfach daran denken, daß genau das in der Bibel angekündigt wurde und vieles wird leichter betrachtbar. Damit ist wiedermal meine nichtvorhandene Karriere im Eimer, aber das wird man doch noch sagen dürfen.
      Diese vorausgesagte Justiz ist sogar ein Kernelement der vatikanischen Kirche.

    • Novalis
      02.08.2018, 14:13 Uhr.

      „Kein Bischof, auch nicht der Papst, darf unumschraenkter König im eigenen Reich sein.“

      Ich stimme Ihnen zu – aber dass das systemimmanent, also sprich MIT den Dogmen von 1870, funktioniert, bezweifle ich. Der Papst ist eben absoluter Monarch der Kirche, also oberste Exekutive, oberste Legislative und oberster Richter.

      • Carla Maltese
        03.08.2018, 22:30 Uhr.

        Daß die römisch-katholische Kirche aus einer Zeit stammt in der Gewaltenteilung ein Fremdwort war ist schon klar.

        Aber sehen wir uns die neuste Kirchenaustrittsstatistik an: Die römisch-katholische Kirche funktioniert nicht, oder zumindest nicht mehr. Trotz Franziskus. D.h. da kann der beste Papst aller Zeiten da sein, es läuft einfach nicht. Gut, die EKD auch nicht, aber das ist keine Ausrede.
        Wenn etwas nicht funktioniert, muss es repariert werden oder komplett umkonstruiert.

        Stellen Sie sich das mal in meinem Berufsstand vor, wenn wir nicht funktionierende Dinge einfach beibehalten würden…

        • Novalis
          06.08.2018, 8:40 Uhr.

          Ich habe ja nicht geschrieben, dass ich begeistert bin vom Ist-Zustand, und auch auch nicht, dass Ist-Zustand einwandfrei funktioniert. Im Moment besteht wegen der Theologie und der Spiritualität von Franziskus, die sich in den Gleisen von Johannes XXIII. und Paul VI. bewegt, diesbezüglich wenig Problematik, aber bei den ideologisch verbohrten Vorgängern sah das anders aus (und das schreiben Sie ja selbst oben).
          Der Theologe und Kirchenrechtler Böckenförde sprach selbst einmal derbe davon, dass man aus der Scheiße von 1870 nicht mit den Mitteln von 1870 herauskommt.

        • neuhamsterdam
          06.08.2018, 11:10 Uhr.

          „Gut, die EKD auch nicht, aber das ist keine Ausrede.“
          Auch wenn Herr Erbacher einen Blick zu den Austrittszahlen wirft und daraus den Appell formuliert, beide Konfessionen sollten – gleichermaßen – in sich gehen, ist es doch von dem Ausmaß des prozentualen Scheiterns (wenn man diese Sichtweise hat) doch ein Unterschied und folglich das katholische doch noch erfolgreicher. Folglich hätte das Thema Ökumene doch nicht dermaßen Priorität auf dem Weg zur idealen Kirche.

          • Carla Maltese
            07.08.2018, 20:18 Uhr.

            Wenn Sie einen Tankwagen fahren und bei Ihnen läuft der Inhalt aus, und wenn da noch ein Tankwagen mit ebenfalls einem Leck steht, das noch größer ist, wo also noch mehr ausläuft, stellen Sie sich dann mit breiter Brust hin und sagen: „Ich brauche nichts zu tun, bei dir läuft ja noch viel mehr aus!“?

        • Wanda
          09.08.2018, 4:09 Uhr.

          …so wie in der Autoindustrie ?

  • neuhamsterdam
    02.08.2018, 0:01 Uhr.

    Was ich noch sagen wollte, bevor der Tag zu Ende geht und die Nacht hereinbricht. Es heißt zu Thema Kardinal doch bei ABBA „At five I must have left, there’s no exception from the rule“ (Um fünf bin ich dann gegangen, es gab niemals eine Ausnahme von dieser Regel)
    Eigenartig: Kardinal Meisner starb am 5. Juli 2017 und Kardinal Tauran starb am 5. Juli dieses Jahres mit 75 Jahren.
    Kardinal wer? Kardinal Tauran sprach das Habemus Papam nach der Wahl von Papst Franziskus.

    • Carla Maltese
      03.08.2018, 22:13 Uhr.

      ABBA war eine großartige Band, aber ganz sicher waren sie keine Propheten!

      Man sollte nicht in alles was einem über den Weg läuft Prophezeiungen hineindichten. Auch nicht in Songtexte, auch wenn sie einen innerlich sehr berühren.

      Ich mag z.B. „Temple of Love“ von den Sisters of Mercy, am liebsten in der Version mit der israelischen Sängerin Ofra Haza. Letztens habe ich den wohl 10 Mal hintereinander gehört. Was müsste ich bei dem Song wohl in manche Zeilen reindichten? „With a gun for a lover and a shot for the pain at hand“
      Oder „Lucretia my reflection“, auch ein Song den ich sehr mag: „Love lost, fire at will Dum-dum bullets and shoot to kill“

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