Suche Frieden – in Kirche und Welt

Katholisch, politisch, kontrovers war der 101. Katholikentag in Münster. Fünf Tage lang bestimmte das Großereignis das Stadtbild. Mit 70.000 Teilnehmern kamen so viele Menschen wie seit 1990 nicht mehr zu einem Katholikentag. Damit setzte er sich gegen den gemeinhin angenommenen Trend, dass die Kirchen keine Anziehungskraft mehr hätten. Ob dieser Katholikentag spiritueller und zugleich politischer denn je war, lässt sich nur schwer ermessen. Doch er stand genau in dieser Spannung. Die spirituellen Angebote bekommen bei den Katholikentagen eine immer stärkere Bedeutung; zugleich bleiben die Katholikentage aber wie die Evangelischen Kirchentage ein Ort des gesellschaftlichen Diskurses. Damit leisten sie auch einen Dienst an der Gesellschaft in einer Zeit, in der die Menschen nach Orientierung suchen – spirituell, aber auch politisch. Mit dem bereits vor Jahren beschlossenen Thema „Suche Frieden“ konnte der Katholikentag kaum aktueller sein. Krieg, Terror und die politischen Ereignisse, wie die Aufkündigung des Iran-Abkommens durch die USA und die daraus entstehenden Folgen, beschäftigen die Menschen ebenso wie das Ringen innerhalb der katholischen Kirche sowie im Miteinander der Konfessionen und Religionen.

Um Münster als Friedensstadt und den 101. Katholikentag dort ging es in der Sendung „sonntags“ am 13.5.

Kommunionstreit und AfD waren Thema

Natürlich war das Thema der Kommunion für konfessionsverschiedene Ehen in Münster präsent, auch die Frage nach der Zukunft von Gemeinden, dem Miteinander von Klerus und Laien, die Rolle der Frauen in der Kirche. Aber diese Themen waren nicht die einzigen. Es ging eben gerade auch darum, wie die Christen mit ihren Positionen die Gesellschaft in Deutschland und darüber hinaus mitgestalten können, um die Weltverantwortung. Das Thema Frieden wurde dabei auf verschiedensten Ebenen diskutiert: von der Familie, über die Gesellschaft in Deutschland bis hin zur globalen Ebene. Es ging um die Voraussetzungen für Frieden wie Gerechtigkeit und Freiheit – und natürlich auch um die Frage, welche Rolle die Religionen in Bezug auf Krieg und Frieden spielen.

Kontroversen löste die Teilnahme des religionspolitischen Sprechers der AfD-Bundestagsfraktion an einer Veranstaltung mit seinen Kollegen aus den anderen Fraktionen des Bundestags aus. An einer Gegendemonstration nahmen mehrere hundert Menschen teil. Die Diskussionsrunde wurde mehrfach gestört. In Leipzig vor zwei Jahren bekam das Zentralkomitee der deutschen Katholiken Prügel, weil kein AfD-Vertreter eingeladen worden war, dieses Mal, weil ein Vertreter dieser Partei dabei war. Das ZdK verurteilte an vielen Stellen Ausgrenzung und Hetze scharf. In einem „Münsteraner Manifest“ zeigten sich die Vertreter der unterschiedlichsten Laienorganisationen besorgt darüber, dass vor allem Antiislamismus und Antisemitismus den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland bedrohten. „Als Christinnen und Christen wollen wir insbesondere mit den Angehörigen anderer Religionen und Weltanschauungen friedlich zusammenleben“, heißt es in der Erklärung. Von diesem Geist waren die Gespräche und Diskussionen auf dem Katholikentag in Münster geprägt.

Kultur des Dialogs

Auffallend ist, dass die Katholikentage immer „katholischer“ werden, also „allumfassender“. Das heißt: Die große Bandbreite, die es in der katholischen Kirche an Frömmigkeitsformen und ehrenamtlichem Engagement gibt, bildet sich immer deutlicher ab. Damit werden die Katholikentage „bunter“ und es besteht die Chance, dass sie zu wirklichen innerkatholischen Dialogorten werden. Beim Gang über die Katholikentagsmeile liegen die Hürden für ein Gespräch niedrig. Gleichsam im Vorbeigehen kann sich jeder über die besondere Spiritualität, das besondere Engagement der anderen informieren, ohne dass es gleich institutionalisierte Kontakte geben muss. Darin liegt eine Chance der Katholikentage, die nicht unterschätzt werden sollte. Das gilt auch für die zahlreichen Angebote im Bereich von Spiritualität, Glaube und ehrenamtlichem Engagement. Natürlich sind die meisten Angebote heutzutage auch im Internet zu finden, aber hier bekommen sie ein Gesicht und eine Stimme.

Da kann es dann durchaus auch zu kontroversen Diskussionen kommen. Solange diese aber mit Anstand und Respekt geführt werden, ist man wenigstens im Gespräch. Darin unterscheidet sich der Katholikentag von der Alltagssituation in der katholischen Kirche, wo die zunehmende Polarisierung auch innerkirchlich bisweilen zu einer Kommunikation, gerade auch in den sozialen Kommunikationsmitteln, führt, die von Verletzung, Verurteilung und Misstrauen geprägt ist und nicht auf einen wirklichen Dialog abzielt.

Frust gab es hier in Münster bisweilen, weil viele Veranstaltungen überfüllt waren und es gelegentlich bei den Shuttle-Bussen hakte. Hier sind die Veranstalter in der Pflicht. Es ist natürlich schön, sich über den größten Katholikentag seit knapp 30 Jahren zu freuen; aber dann muss die Logistik dafür auch stimmen.

Zwischen Kirchenpolitik und Friedenssuche

Natürlich wurde in Münster auch Kirchenpolitik gemacht. Aber warum sollen engagierte Christen sich nicht auch um ihre Kirche mühen, über Reformen diskutieren, durch die die Kirche ihrem Auftrag in der Welt von heute besser gerecht werden kann? Das ist die Aufgabe des gesamten Volkes Gottes und da gehören die Laien ebenso dazu wie die Kleriker. Da muss dann auch ein engagierter evangelischer Christ, wie Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, sagen dürfen, was ihn umtreibt mit Blick auf die katholische Kirche. Denn allen konfessionellen scharfen Abgrenzungsversuchen zum Trotz, die bestimmte Gruppen innerhalb der Kirchen immer wieder versuchen: Das Christentum wird in einer zunehmend säkularisierten Welt immer stärker als eine Größe wahrgenommen. Daher war es gut zu sehen, dass Münster auch ein stark ökumenisch geprägter Katholikentag war. Einmal mehr wurde deutlich, die breite Basis drängt auf Fortschritte.

Mit Blick auf diese Ökumene werden sich die katholischen Bischöfe nun zusammenraufen müssen, um beim Thema Kommunion für konfessionsverschiedene Paare eine Lösung zu finden. Es war ein gutes Zeichen, dass auch der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, heute Morgen beim Abschlussgottesdienst dabei war. Sein Kardinalsbruder Marx betonte dann auch in der Predigt, die katholische Kirche müsse „ringen um den rechten Weg“ und „deutlich machen, dass wir eins sind – auch wir Bischöfe“, und fügte unter dem Beifall der rund 30.000 Gottesdienstteilnehmer hinzu: „Wir wollen uns bemühen darum.“

Den Frieden in Kirche und Welt zu finden ist keine leichte Aufgabe. Die Christen haben aber hier eine besondere Verantwortung, denn in ihrer DNA steckt der Auftrag, Friedensstifter zu sein. Das passt nicht zu Dialogverweigerung, Ausgrenzung und Verletzung, verbal oder körperlich, des Anderen. Auch wenn es in der Vergangenheit anders gewesen sein mag, heute müssen die Christen dem Anspruch ihres Gründers gerecht werden und dazu beitragen, dass die Suche nach dem Frieden vorankommt – auf allen Ebenen.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

66 Kommentare

  • bernardo
    13.05.2018, 22:07 Uhr.

    „Das ZdK verurteilte an vielen Stellen Ausgrenzung und Hetze scharf. In einem „Münsteraner Manifest“ zeigten sich die Vertreter der unterschiedlichsten Laienorganisationen besorgt darüber, dass vor allem Antiislamismus und Antisemitismus den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland bedrohten.“

    Mir gefällt nicht, dass dies in einem Atemzug genannt wird. Aus zwei Gründen: 1. Der Antisemitismus hat eine Blutspur hinterlassen, die im fabrikmäßig durchgeplanten Mord an sechs Millionen Juden endete. 2. Hier soll Kritik an einer Religion verhindert werden. Es ist dabei unwesentlich, ob die Kritik berechtigt oder unberechtigt ist. Jeder Bürger hat das Recht, jede Religion zu kritisieren, die christliche ebenso wie die jüdische, die buddhistische oder eben die islamische.

    • Silvia
      14.05.2018, 15:17 Uhr.

      bernardo
      13.05.2018, 22:07 Uhr.

      Nicht nur das: Ein Teil des Antisemitismus ist quasi importiert durch die Zuwanderung von Muslimen aus Ländern, in denen der Judenhass von klein auf zur Sozialisation gehört. So lange das nicht offen thematisiert wird, werden Juden ausgerechnet in Deutschland immer unsicherer leben.

      Dazu kommt dann noch der Antisemitismus, der sich sehr geschickt hinter Israelkritik versteckt.

      • bernardo
        15.05.2018, 19:23 Uhr.

        Silvia, natürlich haben wir auch „unsere eigenen“ Antisemiten, allerdings frage ich mich, warum man auch noch Antisemiten „importieren“ muss.

        • Silvia
          16.05.2018, 12:19 Uhr.

          bernardo
          15.05.2018, 19:23 Uhr.

          Genauso habe ich es auch gemeint. Deutschland war auf einem guten Weg was die Aufarbeitung und Ausmerzung des Antisemitismus angeht, und nun geht das wieder los durch den importierten Antisemitismus.

          Das Verrückte dabei ist u.a., dass der Antisemitismus heute „von links“ genährt und durch den „Import“ von Judenhassern und deren Privilegierung seitens der Politik und der Kirchen kräftig unterstützt wird, während die Konservativen und angeblich „Rechten“ besorgt den Finger in diese Wunde legen.

          Wenn man heute für jüdisches Leben in Deutschland, den Schutz von Juden hierzulande und das Existenzrecht des Staates Israel eintritt, wird man neuerdings zum „Nazi“ erklärt. Verrückter geht es nicht mehr, oder?

      • Wrightflyer
        15.05.2018, 21:55 Uhr.

        Es gibt die Behauptung, daß Israelkritik automatisch Antisemitismus wäre. Ich halte das ehrlich gesagt für äußerst perfide. Denn es ist eine Methode, diejenigen die den Kurs Israels in der Besatzungsfrage nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, mundtot zu machen.
        Auch ich habe das schon zu spüren bekommen. Auch mir wurde idiotischerweise schon aus dem Nichts raus vorgeworfen, irgendwelche Göttinger Synagogengänger angreifen zu wollen, weil ich die Gaza-Bombardierung von 2014 scharf abgelehnt habe.
        Was bitte habe ich mit Göttinger Synagogengängern zu schaffen und warum sollte ich die angreifen?? Die sitzen schließlich nicht in einer F-16 und schmeißen Bomben auf dichtbesiedelte Wohngebiete, also was sollte ich von denen wollen??

        Ich kritisiere schließlich auch ein bestimmtes Land dessen Sprache ich seit über zwei Jahren lerne (verdammte Präpositionen…) und dessen Kultur mich trotz allem sehr interessiert für seinen gegenwärtigen politischen Kurs!
        Ich würde auch Argentinien, ein Land das ich wirklich sehr liebe, scharf kritisieren wenn ich von einem Massaker an Indios hören würde!!
        Wer mich kennt weiß daß ich auch Spanien sehr liebe, aber in der Katalonienkrise habe ich gerade den Kurs Madrids deutlich kritisiert! Die Guardia Civil in Katalonien einmarschieren lassen war einfach scheiße!
        Ich habe gelernt die polnische Kultur mit ihrer Höflichkeit zu bewundern, bin aber alles andere als begeistert von der gegenwärtigen rechtsnationalistischen Entwicklung.

        Aber ich bin wohl scheinbar anti***, antiargentinisch und antispanisch, weil ich zuviel eigenes Gewissen habe…

        Ganz ehrlich? Ich habe mir gestern abend Bilder von den Demonstraten in Gaza angesehen. Manche Randalierer bei den Maikrawallen im Hamburger Schanzenviertel sind stärker bewaffnet als die Leute die da gerade demonstriert haben. Mindestens 52 Tote und über 1000 Verletzte sind absolut ungerechtfertigt. Würde es hier bei der Niederschlagung einer Demonstration zu mindestens 52 Toten kommen, die ganze Republik stände unter Schock und eine Revolution würde in den Bereich des Möglichen rücken.

    • Wrightflyer
      14.05.2018, 22:41 Uhr.

      Es gibt leider auch eine Blutspur die zu unzähligen toten Muslimen geführt hat.
      Die Kriege und sonstigen politischen Ereignisse der letzten Jahrzehnte, sowie im Kalten Krieg bei dem bekanntermaßen sehr viele Länder unter die Räder kamen, die meisten waren offiziell blockfrei, bekamen aber dennoch die Machtspiele der verfeindeten Großmächte zu spüren, müssen mit ihren auswirkungen auf Kultur, Gesellschaft und Religion ungeschönt und ehrlich betrachtet werden.

      • bernardo
        15.05.2018, 14:31 Uhr.

        Nicht zu vergessen die Blutspur, die zu zahlreichen getöteten und versklavten Christen geführt hat. Die Küsten Italiens waren bis ins 18. Jahrhundert den Raubzügen der muslimischen Korsaren Nordafrikas ausgesetzt; dem Massaker in Damaskus 1860 fielen zehntausende Maroniten zum Opfer.

        • Suarez
          18.05.2018, 17:15 Uhr.

          Die Blutspur der Christen dürfte gegenüber nichtchristlichen Religionen doch noch erheblich triefender sein, als das, was islamistischer Terror verursacht. Nicht zu vergessen: Weit mehr als 95 % aller Opfer islamistischen Terrors sind keine Christen, sondern Muslime.

          • bernardo
            19.05.2018, 21:00 Uhr.

            Hmm, ich rede doch gar nicht vom islamistischen Terror, sondern von islamischen Eroberungszügen. Aber ich will Sie nicht daran hindern, sich besonders schuldig zu fühlen.

    • Brigitta
      18.05.2018, 13:09 Uhr.

      Aber der Antiislamismus ist dank den sehr konservativen Menschen in unserer Gesellschaft stark im Wachsen. Er war latent schon lange vorhanden. Ich erinnere mich imm noch mit Schaudern an ein Grafiti in den 80ger Jahren: was ist der Unterschied zwischen Juden und Türken: Die Juden haben es schon hinter sich. Der Antiislamismus hat aber jetzt ein Maß erreicht, das unerträglich ist.
      Deshalb hat das ZDK hat also recht das zu verurteilen. Der terroristische Islamismus ist nicht mit dem Islam zu vergleichen. Ich habe im Koran bis jetzt nichts gefunden, die diesen Terror rechtfertigt, bin aber erst ganz am Anfang.

      • Silvia
        22.05.2018, 9:08 Uhr.

        Brigitta
        18.05.2018, 13:09 Uhr.

        Also nur mal rein sprachlich gesehen wäre das Gegenteil von „Antiislamismus“ der „Islamismus“

        Andererseits behaupten Sie doch aber, dass gerade der Islamismus nichts mit dem Islam zu tun habe und widersprechen sich damit selbst.

        Wenn ich Ihren Beitrag ernst nehme, muss ich also davon ausgehen, dass Sie den Antiislamismus beklagen weil Sie für den Islamismus sind, der zwar angeblich nichts mit dem Islam zu tun hat aber dann doch wieder, weil es schimpflich ist, gegen den Islamismus zu sein, der im Namen des Islams Terroranschläge verübt.

        Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, zu welchen Wortschöpfungen und dahinter stehenden kruden Gedankengängen sich auch gebildete Menschen versteigen um dem Islam, den es so aber angeblich doch gar nicht nicht gibt, in unserer Gesellschaft den Boden zu bereiten.

        • Novalis
          22.05.2018, 11:45 Uhr.

          „in unserer Gesellschaft den Boden zu bereiten.“

          Diese Redensart halte ich in eindeutiger Weise für peiorativ. Ist der Islam etwas Böses, Negatives?

    • Brigitta
      18.05.2018, 18:49 Uhr.

      @bernardo
      Ich habe mir jetzt dieses Manifest in Gänze durchgelesen. Ich freue mich darüber, weil außer den beiden Anti…ismen noch viel mehr Themen aufgegriffen werden, die Ihnen aber wahrscheinlich nur bedingt „schmecken“ werden. So wird z.B. die Schuld angesprochen, die wir auf uns nehmen durch den Waffenhandel, für den Niedergang der Landwirtschaft in den Ländern der Dritten Welt, für die Kriegswirren überall auf der Welt ….
      Ich kann jetzt nicht alles aufzählen, würde zu lang werden.
      Ganz zum Schluss quasi als Höhepunkt wird Jesus um Verzeihung gebeten mit dem Versprechen es besser zu machen.

  • Wrightflyer
    13.05.2018, 23:35 Uhr.

    „Ob dieser Katholikentag spiritueller und zugleich politischer denn je war, lässt sich nur schwer ermessen. Doch er stand genau in dieser Spannung. Die spirituellen Angebote bekommen bei den Katholikentagen eine immer stärkere Bedeutung; zugleich bleiben die Katholikentage aber wie die Evangelischen Kirchentage ein Ort des gesellschaftlichen Diskurses.“
    Finde ich auch absolut richtig so!
    Ich denke daß zur Wiederbelebung des Christentums beides notwendig ist.
    Einerseits darf das Christentum nicht einfach nur eine politische Partei werden. Wie die SPD, die langsam in Gefahr ist, nach 150 Jahren von der Bildfläche zu verschwinden. Man muss schon als Zentrum Jesus Christus haben. Und als Ziel, den Menschen Gott und den Himmel zu zeigen.
    Einerseits ist es auch Quatsch, nur einen auf Spiritualität zu machen, aber sich nicht für die Menschen und ihre Lebensbedingungen, für die Würde und die Rechte des Menschen, und das Leben an sich, die Schöpfung, die Natur, zu interessieren. Dann pflegt man einen auf sich selbst bezogenen und selbsgerechten, scheinheiligen und letztendlich sinnlosen Glauben. Einen hohlen und leeren, einen bloßen Fankult um einen Superhelden. Hey, ich habe Jahre in der Star Trek-Szene verbracht, ich weiß wovon ich rede…

    Was die AfD angeht:
    Ich hätte nie gedacht daß es auf deutschem Boden nach 1945 je wieder eine derart böse Partei geben kann. Es sind Faschisten, man kann es nicht beschönigen. Und ich meine nicht nur den Hass auf Muslime. Wenn z.B. von deren Jugendorganisation einer ein Foto von einem Stapel Geschirrhandtücher postet und dazu schreibt: „Das einzige Tuch das Frauen brauchen“, dann weiß man wo der Hase läuft! In der Masse in der AfD-Vertreter schon mit seltsamen Forderungen aufgefallen sind, z.B. Arbeitslose sollen Organe verkaufen „dürfen“, sind das bei weitem keine vereinzelten Ausrutscher ein paar weniger Mitglieder.
    Dennoch war die Einladung der AfD richtig, denn es soll sich möglichst jeder ein Bild machen können.

    Bei der NPD wusste wenigstens jeder woran er war. Das zum einen. Zum anderen habe ich den Eindruck daß nicht einmal die NPD das Niveau SO tief gehängt hat.

    Und im übrigen habe ich von dem was Herr Erbacher schreibt einen sehr sehr guten Eindruck.
    Der letzte Kirchentag, 2016, hatte leider keine Chance. Da war noch die Flüchtlingskrise Thema Nr. 1 und außerdem ist der, wenn ich das richtig im Kopf habe, auch wettertechnisch ersoffen.
    Was diesmal aus Münster zu lesen ist, gefällt mir sehr gut, GERADE die große Bandbreite an Spiritualität und kirchen- und weltpolitischen Themen!

    Beides ist unverzichtbar: Spiritualität und politisches Engagement! Wir Christen müssen zu dem stehen was Jesus uns aufgetragen hat! Es muss vorangehen mit kircheninternen Fragen, man muss aber auch für Mut werben, sich wieder offen als Christ zu bekennen und Hemmschwellen gegenüber dem Gottesdienstbesuch abbauen. Vielen graust es heute z.B. vor der Musik, das muss man ernst nehmen.

    Insgesamt macht doch diese Zusammenfassung sehr sehr große Hoffnung, man darf Optimismus fassen, daß die Wiederbelebung des Christentums hier gelingt!
    Aber bitte nicht im Stil früherer Zeiten, wo man den Menschen noch brach und gefügig machte.

    […]*

    *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netquette editiert.

    • bernardo
      15.05.2018, 14:42 Uhr.

      Parteien in gut und böse zu trennen, ist m. E. unsinnig. Die AfD ist die Antwort auf eine Vertrauenskrise, die einerseits durch die Zerstörung von Institutionen, andererseits durch einen entfesselten Linksliberalismus, der dogmatische Züge entwickelt hat, entstanden. Mit Faschismus hat das nichts zu tun, und ich weiß zum einen durch mein Studium, andererseits durch familiäre Verquickungen, was Faschismus bedeutet. Der Faschismus sah sich als Avantgarde (s. futuristisches Manifest Marinettis), die AfD führt Rückzugsgefechte. Die kulturelle Hegemonie (A. Gramsci) liegt immer noch bei den „Progressiven“, sie bröckelt zwar, aber das versetzt die intellektuelle Rechte nicht in eine Position, die mit derjenigen der 1920er Jahre vergleichbar wäre.

      Ein Punkt noch zur Spiritualität: Ein rein kontemplatives Dasein hat auch seine Berechtigung. Unter Katholizität verstehe ich eine Vielfalt in der Spiritualität, eine auch liturgische Vielfalt (z. B. rito ambrosiano), eine intellektuelle Vielfalt – in gewissen Grenzen, die durch Lehramt und Tradition vorgegeben sind. Was das politische Engagement angeht: Ich wüsste nicht, in welcher Partei ich mich engagieren sollte – sie kotzen mich mehr oder minder alle an.

      • Brigitta
        16.05.2018, 23:16 Uhr.

        Nur auf dem Boden von echter Spiritualität kann ein guter Dialog entstehen. Spiritualität ist für mich zunächst mal die Fähigkeit in ein Gespräch mit Gott zu kommen, still zu werden vor Gott, auf ihn zu hören und dann das Gehörte in die Tat umzusetzen. Auf der Basis kann ich in einen echten Dialog eintreten mit wem auch immer.

        • bernardo
          18.05.2018, 10:33 Uhr.

          Ja, ja und ja.

      • Wrightflyer
        16.05.2018, 23:43 Uhr.

        „Parteien in gut und böse zu trennen, ist m. E. unsinnig.“
        Es fällt mir allerdings reichlich schwer, an der NSDAP ein gutes Haar zu finden.

        Doch, unter einer bestimmten Vorraussetzung nenne ich eine Partei durch und durch böse. Nämlich dann wenn sie nicht einfach nur die Demokratie und alle sozialen Errungenschaften abschaffen will, sondern wenn sie dies auch noch verschleiert indem sie Hass gegen Minderheiten schürt und die Leute damit ablenkt. Indem sie Verunsicherten, Armen und Notleidenden erzählt: Guckt mal, die [noch ärmere, Fremde, Flüchtlinge] nehmen euch alles weg!
        Ist ja auch immer ein bewährtes Ablenkungsmanöver in Diktaturen: Irgendeine Minderheit die angeblich an allem schuld ist jagen, dann sind die Leute beschäftigt und kümmern sich nicht allzusehr darum, wie sich die Machtelite bereichert.

        • Novalis
          18.05.2018, 19:33 Uhr.

          „„Parteien in gut und böse zu trennen, ist m. E. unsinnig.“
          Es fällt mir allerdings reichlich schwer, an der NSDAP ein gutes Haar zu finden. “
          Mir auch.

      • Brigitta
        17.05.2018, 0:44 Uhr.

        @bernardo
        Sie haben Erfahrungen mit dem italienischen Faschismus, mit dem der Nationalsozialismus meiner Meinung nach wenig zu tun hat. Und die AFD versucht genau an diese Zeit anzuknüpfen, was man in vielen Reden und Beiträgen im Bundestages heraushören kann. Und im Moment ist sie keineswegs auf dem Rückzug und das macht mir Angst. Dazu kommt ihre absolut fremdenfeindliche Einstellung. Nur sind es dieses Mal nicht die Juden sondern die Muslime, auf die eingeschlagen wird.
        Wir haben bisher keine Zerstörung von Institutionen, mir ist trotz tiefen Nachdenkens keine eingefallen.
        Wir haben auch keinen entfesselten Linksliberalismus, sondern den Versuch den entfesselten Kapitalismus, den schon JP II anprangerte und Franziskus immer wieder anprangert, in die Schranken zu weisen. Und dazu gehört eben die Mietpreisbremse, die endlich so zu gestalten ist, dass sie wirkt. Dazu gehört, dass der Übergang von Teilzeit in Vollzeit erleichtert wird, oder wollen wir diese Menschen alle in Altersarmut schicken. Dazu gehört, dass die Reichen an ihre Verantwortung gegenüber der Ärmeren immer wieder erinnert werden und wenn es nicht anders geht dann zwangsweise über höhere Steuern. Es gäbe ja Möglichkeiten für die Reichen durch die Errichtung von sozialen Stiftungen ihre Pflicht zu erfüllen. Und man könnte ja soziale Stiftungen steuerlich mehr begünstigen wie andere Stiftungen. Diese Pflicht zur sozialen Verantwortung steht auch so im Grundgesetz.
        Wir müssen auch das Hartz4-Gesetz gerechter umgestalten. Genauso muss man an das Ehegattesplitting rangehen, denn das ist mehr als ungerecht.
        Das mag in ihren Augen links sein, für mich ist das Politik für den Menschen. Und Gott sei Dank hat das auch ein großer Teil der CDU verstanden. Die CSU leider nicht, die ist auf dem Weg nach rechtsaußen aus Angst die absolute Mehrheit zu verlieren. Natürlich gibt es Überzeugungen, die ich nicht verantworten kann wie Abtreibung oder den assistierten Suizid, der Gott sei Dank bei uns verboten ist ….
        Die AFD ist nicht die Antwort auf die Vertrauenskrise, sondern sie ist Teil dieser Vertrauenskrise, denn sie schürt sie ja ständig. Klar die Vertrauenskrise war schon vorher da, sie ist ein Bodensatz in unserer Gesellschaft seit 1945, aber hochgekocht wird sie von der AFD verstärkt durch die Flüchtlingskrise und ihre Folgen.
        Nein, in gut und böse kann man die Parteien nicht einteilen, aber in demokratische und undemokratische Parteien, in nationalistische, konservative, soziale, sozialistische und liberal(istisch)e Parteien. Ich wäre allerdings im Moment froh, nicht in Bayern zu wohnen, denn dieses Mal ist Wählen wirklich eine schwere Entscheidung.

        • bernardo
          18.05.2018, 10:32 Uhr.

          @ Brigitta, Wrightflyer:

          Ich will nicht auf die AfD eingehen, über die genug berichtet wird. (Sie ist allerdings NICHT die NSDAP; wenn man eine Partei aus der Weimarer Republik suchen würde, mit der sie insgesamt am ehesten korrespondieren würde, wäre es die deutschnationale DNVP, nicht die NSDAP, auch wenn Leute wie Poggenburg… okay, lassen wir das, es führt zu weit weg.)

          Ich weiß nicht, Brigitta, warum Sie mich als Kapitalisten sehen. Das bin ich nicht. (Auch wenn ich Zweifel bzgl. der Tauglichkeit einer Mietpreisbremse habe.) Der entfesselte Kapitalismus passt wunderbar mit dem entfesselten Linksliberalismus zusammen – Sie brauchen sich nur das Silicon Valley anzusehen. Es ist der Sieg des Individuums über die Person. Die Person ist ein „zoon politikon“, ein Gemeinschaftswesen, mit familiären, religiösen, nationalen Bindungen. Das Individuum ist bindungs- und damit wurzellos: Es sucht sich Geschlecht, sexuelle Orientierung, Religion, nach eigenem Gusto aus und wechselt diese. Das Individuum trachtet nach dem maximalen Nutzen – auch in Liebesbeziehungen, die damit ihres Charakters entkleidet und zu reinen Nutzenbeziehungen werden. Das Problem ist: Was als Freiheit daherkommt, führt in Wirklichkeit in die Sklaverei der Moden, der Zeitgeistigkeit und, um Benedikt zu bemühen, des Relativismus.

          • Wrightflyer
            19.05.2018, 14:49 Uhr.

            “ wäre es die deutschnationale DNVP, nicht die NSDAP, auch wenn Leute wie Poggenburg…“
            …oder der parlamentarische Mitarbeiter Marcel Grauf. Dessen Äußerungen müssen sie allerdings selber recherchieren, unsere Redaktion schaltet die garantiert niemals frei.

            Für eine Partei die einfach nur extrem konservativ und ziemlich nationalistisch ist, wie es die CSU früher war bevor sie zuviel AfD abbekommen hat, gibt es in der AfD einfach zuviele „…Leute wie…“.

            Was Sexualität angeht:
            Hier wird wieder alles mögliche durcheinandergeschmissen und schlicht Schwachsinn erzählt!

            NIEMAND sucht sich die sexuelle Orientierung einfach so nach Gusto aus!
            Sonst hätte es in einer Zeit in der auf Homosexualität noch Haftstraßen und schlimmeres stand garkeine Homosexuellen gegeben!
            Die sexuelle Orientierung ist angeboren. Entweder man ist von anderen Ufer oder man ist es nicht!
            Natürlich fühlt sich das patriarchalische Familienbild, also das laut dem der Mann der Herr und die Frau Untertan zu sein hat, von der Homosexualität bedroht, denn man sieht bei gleichgeschlechtlichen Paaren keinen Rangunterschied. Da sage aber auch ich als heterosexuelle Frau: GUT SO!!

            Gleiches gilt für Transsexuelle.
            Die Leute ändern nicht aus Lust und Laune ihr Geschlecht, sondern weil sie sich viele Jahre lang, seit ihrer Jugend unwohl fühlen, weil sich ihr Körper für sie durchgängig falsch anfühlt.
            Es ist ohnehin nicht so einfach: Allein schon den Namenswechsel muss man ausführlich begründen. Und bis man die endlos langen geschlechtsangleichenden Behandlungen genehmigt bekommt, OPs und Hormonbehandlungen, ist es ein sehr langer Weg.
            Ich kenne übrigens zwei Mann-zu-Frau-Transsexuelle aus der Kirchengemeinde. Die eine ist Meßnerin, die andere spielt ab und zu Orgel (nicht gerade einfach bei dem Echo was wir in diesem alten Kirchengebäude haben).

            Natürlich gibt es manche die an das Thema Sexualität zu oberflächlich herangehen und eine Beziehung gleich bei den ersten Problemen beenden, das sehe ich auch sehr kritisch.
            Insgesamt sehe ich jedoch den gesellschaftlichen Lernprozess hin zu einer auf Ehrlichkeit beruhenden Sexualität sehr positiv!

            Mal ehrlich: War es denn früher so viel besser?
            In früheren Zeiten hatten die Männer so wenig mit den Frauen zu tun daß sie 50 Jahre lang Ehemänner sein konnten ohne von Frauen wirklich Ahnung zu haben. In einer Welt in der die meisten erwachsenen Menschen heterosexuell verheiratet waren, also man eigentlich meinen müsste daß beide Geschlechter sich gut kennen und verstehen würden, galten die Frauen als minderwertige Wesen, zu den meisten Berufen untauglich. Männer und Frauen lebten dermaßen aneinander vorbei daß die Frauen schlicht nicht beachtet wurden, sie existierten kaum, außer wenn sie Kinder gebärten. Die Männer holten schon den maximalen Nutzen aus den ihnen den Haushalt führenden Frauen heraus und gaben Haushaltsgeld, aber keinen Respekt, keine Achtung, keine Anerkennung. Die Frau musste sich Mühe geben um dem Mann zu gefallen, aber umgekehrt konnte der Mann so respektlos sein wie er wollte.
            Arrangierte Ehen, also Zwangsehen wenn wir ehrlich sind, waren mehr Regel als Ausnahme, jedenfalls bei höheren Schichten. Laut unseren ganzen Volksmärchen war gesamtgesellschaftlich schon der Wunsch nach wahrer Liebe da, aber die Realität oft eine andere.

            Es ist keine „Sklaverei der Moden“, den Menschen in seiner Ganzheit zu lassen wie er ist statt ihn zu verstümmeln damit er in enge Schubladen passt, sondern es ist genau das was Gott will!

        • Novalis
          18.05.2018, 19:39 Uhr.

          „Wir haben auch keinen entfesselten Linksliberalismus“. Danke. Als ich das oben las, dachte ich schon, wir haben hier Satire vorliegen.

          • bernardo
            19.05.2018, 21:01 Uhr.

            Geht mir bei manchen Posts auch so, dann wenn geschrieben wird, Gott habe die Dubia-Kardinäle für ihren Ungehorsam bestraft…

    • Brigitta
      18.05.2018, 18:53 Uhr.

      Und er fand in einem areligiösen, atheistischen Umfeld statt. In Münster ist das Umfeld eben noch mehrheitlich christlich bestimmt.

  • Silberdistel
    15.05.2018, 10:34 Uhr.

    Wrightflyer
    13.05., 23:35 h
    „Was die AfD angeht: Ich hätte nie gedacht daß es auf deutschem Boden nach 1945 je wieder eine derart böse Partei geben kann. Es sind Faschisten…“ Zitatende.
    Ausschließeritis bringt gar nichts, es sei denn man wolle der These anhangen, das diese einst maßgeblich für Christi Erhöhung war. Jesus Christus, so die Überlieferungen, hatte selbst keine Ausschließeritis, sondern suchte gerade im Gegenteil den Personenkreis auf, der im damaligen Judentum die Kaste der Parias darstellte: Samariter, Huren, Zöllner, Diebe. – Allerdings ohne sich mit ihnen gemein zu machen. Letzteres ist dann schon auch wichtig zu wissen.
    In den allermeisten Fällen muß man eben schon etwas genauer hinsehen, eigene Programmierungen beiseite lassen, Zuhören und besonders mit der Haltung der Empathie heran gehen; um zu erkennen, das sich hinter der vermeintlich hässlichen Fassade meist nur grundlose aber auch berechtigte Befürchtungen, gar Ängste und Enttäuschungen, verbergen.

    • Wrightflyer
      16.05.2018, 23:12 Uhr.

      Bei einem 16jährigen Kahlgeschorenen in mit Symbolen am Randes des Verbotenen versehenen Bomberjacke mit Springerstiefeln […]* gebe ich Ihnen recht.
      Allerdings sind die AfD keine 16jährigen […]* die entweder mangels Alternativen oder mangels Perspektiven Nazis wurden.

      Die Führungsriege AfD, das sind die Leute die die Ängste, den Frust, das Gefühl des Vernachlässigtwerdens vieler Menschen ausnutzen, um sie gegen Menschen die genauso schlecht oder noch schlechter dran sind aufzuhetzen.
      Diese Leute lügen den Menschen frech ins Gesicht wenn sie sich als Partei des kleinen Mannes aufspielen, in Wirklichkeit haben sie vor, jede Arbeitslosen- und Sozialhilfe abzuschaffen sowie Trennungen auch von einem gewalttätigen Partner materiell unmöglich zu machen.

      Ja, das kann und MUSS man beim Namen nennen.
      Viel zu lange hat man lediglich die Islamfeindlichkeit der AfD berücksichtigt, den wahren Inhalt ihres Wahlprogrammes dagegen unten durchschlüpfen lassen.

      Nein, Jesus hat sich auch nicht mit jedem an den Tisch gesetzt.
      Die Heuchler, die Scheinheiligen, die Eliten die dem Volk unmögliche Lasten aufbürdeten, die hat er scharf kritisiert, mit denen wollte er nichts zu tun haben. Es gibt schon ein Ausschlusskriterium für Jesus: Man darf nicht durch und durch verdorben sein.

      Wissen Sie übrigens womit Beatrix von Storch ihre Politkarriere gestartet hat? Mit der Forderung, ostdeutsche bauern zu enteignen und das Land den alten Junkerfamilien zurückzugeben.

      *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

      • Silberdistel
        18.05.2018, 20:28 Uhr.

        Ich bin sehr froh, das das Vorbild Jesus Christus mir die Ruhe und Kraft gibt mich auch in Grenzsituationen zu bewegen, ohne das dies mein inneres Selbst angreifen würde.
        Und mich einzubingen für ´das Leben´ zu sein.

    • bernardo
      17.05.2018, 0:17 Uhr.

      Sehe ich auch so: Für die Kirche gilt das abgewandelte Bonmot Hajo Friedrichs: Mit allen Parteien reden, sich aber mit keiner gemein machen.

  • Silvia
    16.05.2018, 15:09 Uhr.

    Wrightflyer
    13.05.2018, 23:35 Uhr.

    Und ich hätte nie gedacht, dass es auf deutschem Boden noch einmal einen so brandgefährlichen und bösartigen Antisemitismus geben würde.

    Meine Generation hat von klein auf gehört „nie wieder“.

    Ich hätte auch nie gedacht, dass man bei uns in Deutschland (wieder) Kirchen verwüstet und dass man sich überlegen muss, ob man – als nicht wehrhafte ältere Frau – noch eine Halskette mit einem Kreuz in der Öffentlichkeit tragen kann oder ob das Risiko inzwischen zu groß ist. ich weiche jetzt manchmal auf den Ichthys als Kettenanhänger aus.

    Und ich hätte nie gedacht, dass es einen solchen Sturm der Entrüstung auslösen würde, wenn in bayrischen Behörden wieder Kreuze aufgehängt werden sollen.

    Ich kenne die bayrische Mentalität sehr gut und weiß, dass es dort zum Kulturgut gehört, dass man Kreuze quasi überall in der Öffentlichkeit findet, z.B. Wegkreuze, Kreuze und Marienfiguren in Nischen außen an Hausfassaden u.ä.

    Kreuze findet man auch in ganz Deutschland an Straßenrändern zum Gedenken an Unfallopfer und natürlich auf den Friedhöfen, was in jüngster Zeit auch öfter mal zu Verwüstungen von Gräbern führt.

    Diese Entwicklung hätte ich mir noch vor ca fünf Jahren in meinen kühnsten Albträumen nicht vorstellen können.

    • Brigitta
      18.05.2018, 13:44 Uhr.

      @Silvia
      Die Sache mit dem Ärger wegen des Aufhängen von Kreuzen wird einfach nicht verstanden.
      1. Wir haben in unserem Staat eine im Grundgesetz festgelegte Trennung von Staat und Kirche. Schon deswegen ist die Entscheidung, Kreuze im Eingangsbereich von bayerischen Behörden aufzuhängen, rein sachlich falsch.
      2. die Begründung von Söder – mit meinen Worten ausgedrückt „weil es so der Brauch ist“ – ist „unterirdisch“. Von einem überzeugten Christen hätte ich eine andere Begründung erwartet.
      3. Kreuze, Kapellen und Bildstöcke in der Öffentlichkeit in Bayern stehen zu 99 Prozent auf privatem Grund (Auch Wälder sind meistens in Privatbesitz). Und auf Privatbesitz kann ich machen, was ich will, soweit es dem Baurecht u.ä. Rechten nicht widerspricht.

    • Suarez
      18.05.2018, 17:21 Uhr.

      „man sich überlegen muss, ob man – als nicht wehrhafte ältere Frau – noch eine Halskette mit einem Kreuz in der Öffentlichkeit tragen kann oder ob das Risiko inzwischen zu groß ist.“

      Ich weiß nicht, ob das ernst gemeint ist oder satirisch. Wenn es ernst gemeint ist: ich lebe in einem Glasscherbenviertel einer recht großen deutschen Stadt und besuche zu Führungszwecken auch öfter mit Gruppen eine Moschee. Es hat nie wegen des Kreuzes um meinen Hals ein Problem gegeben. Auch nicht auf dem Weg dorthin. Ich empfinde solche Äußerungen wie die obige schlicht als hysterisch.

      • Silvia
        19.05.2018, 10:49 Uhr.

        Suarez
        18.05.2018, 17:21 Uhr.

        Sie mögen meine Angst hysterisch finden, ich finde sie realistisch. Bis jetzt habe ich „nur“ feindselige Blicke dafür aufgefangen, aber was KÖNNTE als nächstes passieren?

        Lesen Sie nie auf seriösen Internetseiten, was in unserem Land inzwischen an Gewaltexzessen los ist?

        Eine Muslima hat sich mir gegenüber wegen meiner Kreuzkette, passend zum Sonntagsausfit, im Bus bereits zumindest belästigend und provozierend verhalten.

        • Silvia
          19.05.2018, 13:32 Uhr.

          Und übrigens müsste es doch für jeden klar sein, dass die Situation, wenn man als angemeldeter Besucher mit einer Gruppe eine Moschee besucht nicht vergleichbar ist mit der auf der Straße, im Bus oder am Bahnhof.

          • bernardo
            20.05.2018, 11:26 Uhr.

            @ Silvia: Ich wünsche Ihnen ein frohes Pfingstfest. Was die hysterische Angst angeht, die man Ihnen zu Unrecht unterstellt; der inflationär verwendete Begriff „-phobie“, mit einem Islamo-, Homo- und sonstigem vorangestellt, suggeriert, es handele sich um eine psychische Störung. Machen Sie sich nichts daraus; es sagt nichts über Sie, aber alles über diejenigen aus, die solche Vorwürfe benutzen.

          • Silvia
            21.05.2018, 18:03 Uhr.

            bernardo
            20.05.2018, 11:26 Uhr.

            Danke bernardo, auch Ihnen noch frohe und gesegnete Pfingten.

      • Brigitta
        19.05.2018, 16:18 Uhr.

        Geht mir genauso.
        In meinem Umfeld leben Flüchtlinge, hauptsächlich jüngere Männer. Sie sind mir noch nie negativ aufgefallen.
        Ich gehöre auch zur älteren Generation, benehme mich gegenüber diesen Menschen selbstverständlich höflich und dankbar, wenn sie mir z.b. im ÖPNV Platz machen. Ich versuche an der Haltstelle mit ihnen in Kontakt zu kommen und wenn es auch manchmal nur ein Lächeln ist.
        Ich bin noch nie dumm von denen angemacht worden, übrigens auch nicht in der Umgebung des Hbh, wo es ja angeblich sooooo schlimm sein soll.
        Ich finde es schlimm, was diesen Menschen widerfahren ist – egal ob Krieg, Verfolgung oder Hunger. Und ich kann mich noch gut an die sogenannten Nissenhütten erinnern, in denen die Flüchtlinge und Heimatvertriebenen lebten. Ich war dort öfter zu Besuch, weil meine Familie Kontakt zu einer Familie hatte und diese unterstützte.
        Und ich kann mich noch sehr gut an eine Ohrfeige erinnern, die ich mir wegen einer abfälligen Bemerkung über eine Flüchtlingsfrau einfing ( irgendwann zwischen 1956 und 1960). Und meine Mutter hatte recht, wir sind zunächst mal alle Menschen, geschaffen von dem gleichen Gott.

        • Silvia
          20.05.2018, 12:14 Uhr.

          Brigitta
          19.05.2018, 16:18 Uhr.

          Mein Vater und meine ganze Familie väterlicherseits waren Heimatvertriebene aus dem Sudetenland. Ich kenne also den heute gerne verwischten Unterschied zwischen den Flüchtlingen und Vertriebenen von damals und von heute.

          Da ich in der Vergangenheit hier im Blog schon öfter diese Unterschiede erklärt habe, will ich heute nicht schon wieder darüber eingehen.

          Es gibt eine ganz bestimmte Sorte von Migranten, vor denen ich nun mal Angst habe. Und das sind diese machohaft auftretenden Jungmänner.

          Auch hier möchte ich jetzt nicht weiter darauf eingehen.

          Nur so viel: Angst ist weder „rechts“ noch krankhaft noch rassistisch, auch nicht unchristlich, sondern ein natürlicher Schutzmechanismus, der einen vor Schaden bewahren kann.

          • Brigitta
            22.05.2018, 0:51 Uhr.

            @silvia
            Entschuldigen Sie bitte. Der Unterschied von damals und heute besteht nur darin, dass es damals Deutsche waren, die vor dem Krieg flüchteten oder nach dem Krieg aus der Heimat vertrieben wurden. Diese Flucht und Vertreibung war eine direkte Folge des 2. Weltkriegs. Heute flüchten Menschen verschiedener Staaten vor Krieg und Bürgerkrieg, Terror, Hunger, Verfolgung aus ihrer Heimat aus Angst vor dem Tod. Und für viele dieser Kriege und ihren Folgen ist Deutschland mitverantwortlich z.b. durch die Waffenlieferungen, für die Flucht aus Afrika durch eine jahrzehntelange falsche Entwicklungspolitik.
            Für mich ist von daher kein Unterschied zwischen Flüchtling damals und Flüchtling heute.

          • Silberdistel
            22.05.2018, 13:13 Uhr.

            Brigitta
            22.05., 0:51 h
            Ich denke da macht man es sich zu einfach Flüchtlinge mit Flüchtlingen zu vergleichen. Diese haben untereinander durchaus ganz verschiedene Sozialisationen und Prägungen, die sich in den jeweiligen Ländern ihrer kulturellen Herkunft entwickelt hatten. Einige wissen noch nicht einmal etwas mit verpackten Lebensmitteln anzufangen, sind teils Analphabeten, haben keine Ausbildung, kennen außer den Gesetzen ihres Clans und/oder ihrer Religion, keine andere Gesellschaftsordnung. Haben ein ganz anderes Verhältnis zu Recht und Gesetz als das unsere und letztendlich zur Anwendung von Gewalt. Geschweige denn, das eine Frau sich gegenüber dem Mann gleichberechtigt verhält und jüngere Frauen sich bei uns derart freizügig kleiden, das sie gemäß ihrer Sozialisation eigentlich nur als minderwertige „Schlampen“ ohne Ehrgefühl betrachtet werden können.
            Es stellt sich ohnehin die Frage, wie ein solcher Personenkreis in dieser Anzahl über 1000ende Kilometer hierher zu uns finden konnte, denn dies ist eine absolut neuzeitliche Erscheinung. Und überdies, welche Sozialprognose für jenen Personenkreis in einem solchen, ihnen völlig fremden Kulturkreis, gegeben werden kann. Es hat auch schon ein jedes Individuum sein Recht auf ein ihm gewohntes Leben mit seiner Identität und sozialen Prägung zu leben. Das gilt auch für Deutsche.
            Meiner Meinung nach gehört das Asylrecht daher reformiert! Hilfe für jene Flüchtlinge weit außerhalb unseres Kulturkreises muß definitiv anders organisiert werden. Es wird dazu auch keine Alternative geben, will das Asylrecht in Deutschland praktikabel bleiben. Denn trotz einer hierzulande entstandenen Kultur der universellen Betroffenheit, Fernstenliebe statt Nächstenliebe, sowie des Schuldbewußtseins für alle Schlechtigkeiten in der Welt, kann dieses Land schlichtweg nicht die halbe Welt integrieren. Das zeigt ein kurzer Blick auf den Globus.

        • Novalis
          20.05.2018, 12:46 Uhr.

          Sehr weise Worte! Wer natürlich immer fragt: „Was KÖNNTE als nächstes passieren?“, lebt in Angst. Dann hat man aber nicht verstanden, was es heißt: „Fürchtet Euch nicht!“ Das ist letztlich die erlösende Botschaft des Christentums.
          Und einmal wirklich ganz hart gesagt: Das Leben ist definitiv tödlich. Ich möchte genausowenig sterben wie alle anderen und gerade das Sterben selber stelle ich mir nicht schön vor. Indes muss ich mir dann selber immer wieder zu Bewusstsein rufen: Ob ich mit 50 am Krebs, mit 60 durch das Messer eines Irren, mit 70 am Herzinfarkt wegen zu guten Sexes oder mit 80 an Altersschwäche sterbe: Das sollte mir als Christen einerlei sein. Ich hoffe und ersehne, dass nach dem Gericht eine ganze, vollständige, heitere, gelassene Ewigkeit auf mich wartet.
          Wie gesagt: Ich hadere durchaus auch. Aber wenn man als Christ*in wirklich davon überzeugt ist, entspannt sich manches. Man MUSS NICHT mehr haben, wir dürfen SEIN.

          • Silvia
            21.05.2018, 20:59 Uhr.

            Novalis
            20.05.2018, 12:46 Uhr.

            Aber das ist jetzt doch bestimmt Satire?

          • Novalis
            22.05.2018, 11:46 Uhr.

            @Silvia,
            nein, das ist Christentum. Und gewiss keine Satire.

          • Silvia
            22.05.2018, 12:33 Uhr.

            Brigitta
            22.05.2018, 0:51 Uhr

            Sie sagen es ja selbst: Es waren Deutsche!

            Damit ist eigentlich alles gesagt: Dieselbe Sprache, dieselbe Kultur, adäquate Berufsausbildungen, christliche Religion, dh., keinerlei Integrationsprobleme sondern Landsleute und deutsche Staatsbürger.

            Trotzdem hatten es evangelische Flüchtlinge in rein katholischen Gebieten und katholische Flüchtlinge in rein evangelischen Gebieten sehr schwer.

            Ich bin mit der Geschichte von Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten aufgewachsen, stand sogar mit auf dem Flüchtlingsausweis meines Vaters, galt also de jure als Flüchtlingskind, obwohl 1951 in Frankfurt am Main geboren und obwohl meine Mutter gebürtige frankfurterin war.

        • Wrightflyer
          21.05.2018, 10:19 Uhr.

          Also, mein Stadtteil befindet sich fast in nächster Nähe zu einem Flüchtlingslager und ich habe auch noch nie beobachtet daß hier der Einzelhandel zum erliegen gekommen wäre, weil sich die Leute nimmer aus den Häusern trauen würden. Ich habe auch noch nie Passanten gesehen die sich ängstlich oder verschüchtert an den Hauswänden entlangschleichend fortbewegen würden.
          Wir haben hier im Stadtteil so manche Sorgen, aber die Flüchtlinge sind kein großes Thema.

          Die Marienstatue existiert übrigens noch und bekommt noch immer Blumen und Kerzen.

          Und ob man siczh nicht mehr zum Hauptbahnhof trauen kann wenn man einen Kreuzanhänger trägt: Das frägt man vielleicht am besten die Bahnhofsmission, die tragen ein Kreuz groß und breit auf der Jacke.

          Wissen Sie: Ich bin Asthmatikerin. Zum Glück habe ich selten Anfälle, nur bestimmte Wetterlagen und sehr staubige Räume machen mir Probleme und ich kann LEIDER!!! nicht viel sport treiben, obwohl ich sooo gern würde. Aber rein theoretisch weiß ich, daß ein Asthmaanfall auch tödlich enden kann. Passiert selten, gibts aber. Und, ganz ehrlich: Beim letzten Provokationstest ist die Ärztin erschrocken als sie das Testergebnis gesehen hat, wollte mich schon aus dem Beruf nehmen. Wenn jemand ein vages diffuses Bedrohungszenario riesig aufbauscht um sich selber bischen leid zu tun, z.B. alle Muslime wollen mir persönlich Böses, fällt es mir natürlich aus persönlichen Gründen schwer, damit umzugehen.

          Ich denke allerdings schon, daß 2015 Fehler gemacht wurden.
          Wir vom THW haben auf Anweisungen und gemäß der Planung des Innenministeriums und der Innenministerien der Länder und anderer zuständiger Stellen, z.B. städtischer, diese Flüchtlingslager aufgebaut. Aber wenn wir das Sagen gehabt hätten, hätten wir einiges anderst gemacht. Diese Überbelegung tut keinem einen Gefallen. Menschen über Wochen und Monate auf engstem Raum mit völlig fremden ohne Privatsphäre einperren, das ist immer eine sehr beschissene Idee.
          Allein schon daß wir Wochen nach der Eröffnung des einen Lagers wieder da waren um die Duschcontainer umzusetzen, weil endlich mal jemanden eingefallen ist daß es so langsam Winter wurde und die Wasserleitung bei der Länge eine Begleitheizung bräuchte. AUTSCH!!!
          Meine Meinung zur CSU mit ihren Ankerzentren brauche ich hier erst garnicht zu schreiben, die Redaktion schaltet das eh nicht frei!!

    • Wrightflyer
      19.05.2018, 11:22 Uhr.

      „Meine Generation hat von klein auf gehört „nie wieder“.“
      Schon… aber leider nur für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe!
      D.h. Angehöriger einer bestimmten Religion.

      Und eben das kann mein Gewissen nicht so unwidersprochen hinnehmen, da es irgendwie ein bischen eine Abwertung anderer Völker die ebenfalls unendlich gelitten haben in diversen Völkermorden ist.

      Zum einen haben auch Roma und Sinti unter dem Naziterror gelitten und werden heute noch ausgegrenzt und verachtet, bekommen in manchen Ländern noch nicht einmal Papiere die sie als legale Staatsbürger ausweisen. Auch gibt es noch immer kein gesamteuropäisches Schuldeingeständnis in Sachen Indianer, oder 10 Millionen ermordete Kongolesen. Aber das nur nebenbei.

      Ich denke an 1991. Ich war noch sehr jung und verstand nichts, aber später war ich kritisch genug, mich für die Ereignisse zu interessieren.
      Die Ausgangslage ab 1980 war die: Weil die Amis Teheran ans Bein pissen wollten, hatten sie den Diktator des Iraks, Saddam Hussein, kräftig unterstützt. Und zwar nicht nur die Amis sondern auch, eine Seltenheit in der damaligen Zeit, die Sowjetunion. An einen erbarmungslosen Diktator flossen Waffen ohne Ende. Irgendwie allerdings auch an die Gegenseite. Wegen komplizierter Grenzsstreitigkeiten und Ansprüche beider Seiten, der Platzhirsch in der Region zu sein, kam es zum 8 Jahre dauernden irak-iranischen Krieg. Die Toten waren nicht mehr zu zählen, es könnten bis zu 800.000 gewesen sein. Schon ein gigantischer Blutzoll der einen entsetzen müsste, es aber nicht tut, denn es handelt sich hier nicht um Europäer.
      Klar daß Saddam Hussein 1990 dachte daß er sich alles erlauben könnte und der Westen nichts sagen würde, immerhin wurde ja ein derartiges Blutbad erst kurz zuvor von den ausländischen Mächten gebilligt und gefördert. Auch mit chemischen Kampfstoffen.
      Es gab dann Ärger mit Kuweit, irgendwie sollen die Kuweitis ein Ölfeld im Grenzgebiet vertragswidrig angebohrt haben. Der Irak marschierte in Kuweit ein.
      Die weiteren Ereignisse sind für die nur oberflächlich interessierten bekannt: Internationale Koalition unter Führung der USA vertreibt die irakische Armee innerhalb weniger Tage aus Kuweit.
      Die Wirklichkeit war eine andere. Auf alliierter Seite gab es 392 Gefallene, aber auf irakischer Seite starben innerhalb dieser weniger Tage irgendwas zwischen 85.000 und 150.000 Menschen. Und noch schlimmer: 90% der Infrastruktur wurden zerstört, darunter Kläranlagen, Wasserwerke und Kraftwerke. Es kam ein jahrelanges Embargo unter dem auch Nahrungsmittel, Medikamente und Impfstoffe knapp waren. Ziemlich untgünstig, während die Leute gerade ungeklärtes Abwasser aus dem Tigris trinken mussten.

      Ich will garnicht auf „die Amis waren das!“ raus.
      Ich will darauf raus daß alle wir noch immer bereit sind, Menschen auf anderen Kontinenten quälen und abschlachten zu lassen, nur damit bei uns der Spritpreis schön niedrig ist.

      Ein „nie wieder“ muss endlich ALLE Menschen beinhalten, aber davon sind wir noch weit weit weg.

      „Ich hätte auch nie gedacht, dass man bei uns in Deutschland (wieder) Kirchen verwüstet und dass man sich überlegen muss, ob man – als nicht wehrhafte ältere Frau – noch eine Halskette mit einem Kreuz in der Öffentlichkeit tragen kann oder ob das Risiko inzwischen zu groß ist. ich weiche jetzt manchmal auf den Ichthys als Kettenanhänger aus.“
      Sehen Sie sich mal um, eine Menge Leute tragen den Kreuzanhänger, allerdings auch sehr viele einfach nur als Schmuck, nicht als religiöses Bekenntnis. Deswegen trage ich keinen.
      Manche tragen auch Mjölnir, aber ob sie sich wirklich zu dieser Religion bekennen oder ihn einfach nur tragen weil es in manchen Kreisen gerade irgendwie angesagt ist, weiß ich auch nicht bei jedem zu sagen.
      Ich trage wenn dann eh lieber den Ichtys, weil ich ihn lieber mag, ich verbinde mit ihm mehr. Der Fisch ist lebendig und gleichzeitig auch Nahrung.

      Übbrigens gibt es auf ALLE religiösen Stätten derzeit Anschläge, muss man leider sagen, AUCH auf Moscheen!

      „Und ich hätte nie gedacht, dass es einen solchen Sturm der Entrüstung auslösen würde, wenn in bayrischen Behörden wieder Kreuze aufgehängt werden sollen.“
      Ja, auch bei mir! Auch ich kann Söders Kreuzerlass nicht ausstehen, aus Gründen die ich hier bereits genannt habe.
      Das holt Zeiten zurück in denen das Kreuz als Herrschaftssymbol missbraucht wurde um die Menschen zu brechen. Damit möchte ich nichts zu tun haben, das ist gegen meinen Glauben!

      „Ich kenne die bayrische Mentalität sehr gut und weiß, dass es dort zum Kulturgut gehört, dass man Kreuze quasi überall in der Öffentlichkeit findet, z.B. Wegkreuze, Kreuze und Marienfiguren in Nischen außen an Hausfassaden u.ä.“
      Ich sage nichts gegen Kreutze die jemand freiwillig aufhängt um seinen Glauben damit zu zeigen, im Gegenteil! Ich lebe zwar nicht in Bayern, aber hier wurde vor vielen Jahren eine Marienstatue bei einem Sparkassenneubau verschont und die bekommt heute noch Blumen und Kerzen, was mich ehrlich freut!
      Ich werde aber einen Kreuzzwang in staatlichen Behörden niemals akzeptieren. Jeder Staatsbedienstete hat nach staatlichem Recht zu handeln, völlig unabhängig davon, welche Religion ein Antragsteller hat. Niemand darf den Eindruck gewinnen daß der Rechtsstaat nur braven Kirchgängern zur Verfügung stünde.

      Bis dieser Rechtsstaat aufgebaut war, war der Kampf lange genug, genauer gesagt Jahrtausende. Das will ich nicht für eine CSU-Pfeife opfern.

      Übrigens, darauf komme ich gerade wegen unserem ramadanfastenden Kollegen:
      Ich habe es in der Fastenzeit schon knallhart durchgezogen, mich nur mit einem Stück Kurchen, ohne ganzes Mittagessen, in der Kantine zu den Arbeitskollegen an den Tisch zu setzen. Die gesamte Fastenzeit durch. Und ausgerechnet diese Kantine hat zwei echte Könner von Köchen, das Essen fand ich meistens lecker. Im allgemeinen habe ich kein Problem damit, mich als Christ zu bekennen.

      Ich hatte mal eines vor Jahren, weil ich vor lauter Peinlichkeit in der römisch-katholischen Kirche und auf evangelikaler Seite nicht mehr wusste wozu ich mich noch guten Gewissens bekennen kann, aber das ist ein anderes Thema und hat weiß Gott nichts mit dem Thema zu tun das ich hinter Ihren Äußerungen ehrlich gesagt vermute.

      • Silvia
        20.05.2018, 16:40 Uhr.

        Wrightflyer
        19.05.2018, 11:22 Uhr.

        Als ich aufgewachsen bin, sah die Welt noch völlig anders aus.

        Deutschland, das sich erst allmählich vom Krieg erholte, war noch gar nicht in der Lage, den Weltpolizisten zu spielen und anderen Nationen mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger zu drohen sondern musste sich erst allmählich Ansehen auf der politischen Bühne erarbeiten.

        Dazu war die Aufarbeitung der damals jüngsten Vergangenheit zwingend erforderlich, und dazu gehörte der mit typisch deutscher, durchorganisierter Bürokratie und industriell betriebene Holocaust an sechs Millionen europäischer Juden an erster Stelle dazu.

        Damit will ich sagen, dass ich offenbar eine andere Sozialisation erlebt habe als sie. Mein Großvater mütterlicherseits war im 3. Reich politisch verfolgt und wurde später von der BRD als Verfolgter anerkannt und finanziell entschädigt.

        Eine gute Bekannte meiner Großeltern war Schöffin im Auschwitzprozess.

        Meine Sensibilität gegen Verbrechen an Juden und deren Anfängen wurde also durch meine Familie entsprechend geweckt und geschult.

        Dass die nationalsozialistischen Verbrechen an Sinti und Roma noch immer auf eine adäquate Aufarbeitung warten, stimmt allerdings.

        • Silvia
          20.05.2018, 16:43 Uhr.

          PS: Ihre überlangen Beiträge mit zahlreichen Abschweifungen vom eigentlichen Thema lese ich allerdings nur diagonal, also wundern Sie sich bitte nicht, wenn ich nicht auf alles, was Sie schreiben, eingehe.

  • Wrightflyer
    17.05.2018, 0:00 Uhr.

    Ich möchte noch ein Wort allgemein zum Thema Frieden sagen.

    Ich bin der Meinung daß Friede nur dort entstehen kann, wo es kein allzu großes Machtgefälle gibt.

    Wenn z.B. einige wenige reiche Firmenerben Geld wie Heu haben, aber Leute die schwer arbeiten und einen unendlich wertvollen Beitrag leisten jeden Cent dreimal umdrehen müssen, ihre Leistung also kein Stück honoriert bekommen, dann ist da natürlich ein riesiges Machtgefälle, denn derjenige der sich alles leisten kann, hat natürlich deutlich mehr Freiheit als derjenige der sich überlegen muss ob er den Kühlschrank füllt oder den Tank vom Auto.

    Wir haben alle auf der Arbeit mal einen Tag, da sieht man den Chef am liebsten von hinten und wünscht ihm von Herzen 4 Wochen Urlaub, am besten in der Antarktis. Wenn man Probleme aber lösen kann, wenn man sich aussprechen kann, ist alles in Ordnung. Sehr autoritäre Chefs bei denen man bei der leisesten Kritik gefeuert wird, unter denen wird nie Frieden sein.

    Frieden kann nur da wirklich sein wo nicht gegeizt wird mit Respekt und Anerkennung.

    Wollte das noch ausführlicher s chreiben, ist aber spät und ich bin müde.

  • bernardo
    18.05.2018, 11:22 Uhr.

    „Nein, Jesus hat sich auch nicht mit jedem an den Tisch gesetzt.
    Die Heuchler, die Scheinheiligen, die Eliten die dem Volk unmögliche Lasten aufbürdeten, die hat er scharf kritisiert, mit denen wollte er nichts zu tun haben. Es gibt schon ein Ausschlusskriterium für Jesus: Man darf nicht durch und durch verdorben sein.“

    @ Wrightflyer: Ja, die Heuchler und Scheinheiligen, mit denen geht Jesus ins Gericht. Sehr schön zu sehen in dem Film „Il vangelo secondo Matteo“ von Pier Paolo Pasolini – merkwürdig, dass einer der besten Jesus-Filme von einem homosexuellen Kommunisten stammte. Wie komme ich jetzt auf eine Partei voller Heuchler und Scheinheiliger und auf eine Politikerin aus Thüringen, die zuerst Feuer und Flamme für die H4-Gesetze war, sich dann aber als Mutter Theresa der Armen und Entrechteten präsentierte?

    • Novalis
      19.05.2018, 10:58 Uhr.

      „merkwürdig, dass einer der besten Jesus-Filme von einem homosexuellen Kommunisten“.

      Merkwürdig nur, wenn man wenig Ahnung von dem hat, was Homosexualität und Kommunismus bedeuten. Man kann Homophobie ich auch einfach wie Kardinal Müller als Erfindung umlügen. Das ist dann natürlich tragisch, denn ich frage mich bei ihm genauso wie bei Benedikt, was um Himmels willen berechtigt, ihn für heterosexuell zu halten.

      • bernardo
        20.05.2018, 11:21 Uhr.

        @ Novalis: Kennen Sie das achte Gebot? Oder kennen Sie die Worte des von Ihnen stets verteidigten Papstes Franziskus: «Quelli che in una comunità fanno chiacchiere sui fratelli, sui membri della comunità, vogliono uccidere». Ich übersetze: „Diejenigen, die in einer Gemeinschaft über die Brüder tratschen, wollen töten.“

        • Novalis
          21.05.2018, 21:57 Uhr.

          Ja, durchaus. Aber zu sagen X ist homosexuell wäre nur Tratsch, wenn Homosexualität etwas Schlimmes wäre. Schlimm sind aber nicht Homosexuelle, sondern die, die sie für schlimm halten. Letzteres ist übrigens auch m.M. nach tief krank. Aber man muss nicht größte Sorge haben: Homophobie ist heilbar.

          • bernardo
            22.05.2018, 11:07 Uhr.

            @ Novalis: Quatsch, es ist auf jeden Fall Tratsch. Es gibt bösartigen und weniger bösartigen Tratsch. Welcher es in Ihrem Fall ist, überlasse ich dem Urteil meiner Mitblogger.

            Übrigens: Es ist völliger Unsinn, ich habe homosexuelle Freunde und Bekannte. Ich mische mich nicht ein, aber diese Glorifizierung der Homosexualität, diese aggressive Werbung in Form von Straßenparaden etc., ist ein Zeichen der Dekadenz.

    • Silberdistel
      20.05.2018, 11:16 Uhr.

      „Il vangelo secondo Matteo“ von Pier Paolo Pasolini (1964 in sw), wortgetreu nur auf Grundlage des Matthäus-Evangeliums gedreht. In deutschsprachiger Fassung : »Das 1. Evangelium – Matthäus«. In der Tat DER beste Film über Jesu Leben 🙂

    • Wrightflyer
      21.05.2018, 9:05 Uhr.

      Und warum sollte ein homosexueller Kommunist keinen guten Jesusfilm machen?

  • bernardo
    19.05.2018, 21:35 Uhr.

    @ Wrightflyer: Fast hätte ich vergessen, zu begründen, warum ich Franziskus für den autoritärsten Papst, eigentlich seit Pio Nono, halte – übrigens ein vom Temperament und der Bildung recht ähnlicher Papst…

    1. Man denke an die Familiensynode, in der mit allen Mitteln versucht worden ist, der (vom Papst unterstützten) Minderheitenposition unter den Bischöfen zum Sieg zu verhelfen. Zum Beispiel, indem die Beiträge der Bischöfe nicht im Wortlaut, sondern nur in (gefärbten) Resumées wiedergegeben wurde.

    2. Es ist ein einzigartiger Vorgang, dass der Papst es nicht für nötig hält, auf die Zweifel renommierter Kardinäle einzugehen, sie zu entkräften. Es lässt nur zwei Schlüsse: Entweder nimmt er die Kardinäle nicht ernst oder er fühlt sich nicht imstande, die Zweifel zu entkräften.

    3. Auch das Vorgehen gegen die Francescani dell’Immacolata spricht Bände. Einer der wenigen fruchtbaren Orden in der Kirche wird möglicherweise zerstört.

    4. Welche Reform hat Franziskus, der gewählt wurde, um die Kurie zu reformieren, eigentlich bewerkstelligt? Okay, eine grundlegende Reform durchzuführen ist eben schwieriger als das „Hagan lio“, „Make a mess“ des Papstes.

    5. Was das Vorgehen gegen die pädophilen Kleriker und die Null-Toleranz-Politik angeht, fällt Franziskus im Vergleich zu seinem Vorgänger zurück. Vielleicht ist es die überbordende Barmherzigkeit, vielleicht – wahrscheinlicher – der Schutz für seine Verbündeten, der Franziskus veranlasste, den chilenischen Bischof zu verteidigen. Erst die negative Reaktion der Presse veranlasste den Papst, hier „nachzubessern“. Er ist eben ein umgekehrter Teddy Roosevelt: He speaks loudly and carries a small stick.

    Zusammenfassend – und es macht mich traurig, dies festzustellen: Er besitzt nicht die Bildung Pacellis, nicht die entwaffnende Herzlichkeit Roncallis, nicht die Skrupolosität Montinis, nicht die Schlichtheit (positiv gemeint) und Pastoralität Lucianis, nicht das Charisma Wojtylas, nicht die Intellektualität und Bildung Ratzingers, aber in Machtbewusstsein ist er ihnen vermutlich überlegen.

    Die Kirche hat Kinderpäpste, hat einen Borgia, der auf dem Petersplatz Stierkämpfe veranstaltete, einen della Rovere, der eher als Feldherr denn als Priester in Erscheinung trat, einen Barberini, der die protestantischen Schweden gegen den katholischen Kaiser unterstützte, überlebt; sie wird auch das überstehen.

    • Novalis
      20.05.2018, 12:49 Uhr.

      Einen Mann mit offenkundig pathologischer Störung, der von sich sagte, er selber sei die Tradition, mit Franziskus zu vergleichen – das ist zwar eine Meinungsäußerung, aber man muss das nicht mal widerlegen. Das zitiert man nur.
      Dieselben Methoden haben die Reaktionäre auch gegen Johannes XXIII. in Anschlag bringen wollen (dem man Bildungsmangel vorwarf). Genutzt hat es nichts. Wie auch? Die haben sich ja nicht nur gegen einen vom Hl. Geist erfüllten Mann, sondern gegen den Hl. Geist selber versündigt.

      • bernardo
        21.05.2018, 19:49 Uhr.

        „Einen Mann mit offenkundig pathologischer Störung, der von sich sagte, er selber sei die Tradition, mit Franziskus zu vergleichen – das ist zwar eine Meinungsäußerung, aber man muss das nicht mal widerlegen. Das zitiert man nur.
        Dieselben Methoden haben die Reaktionäre auch gegen Johannes XXIII. in Anschlag bringen wollen (dem man Bildungsmangel vorwarf). Genutzt hat es nichts. Wie auch? Die haben sich ja nicht nur gegen einen vom Hl. Geist erfüllten Mann, sondern gegen den Hl. Geist selber versündigt.“

        @ Novalis: 1. Vergleichen kann man alles; ich habe allerdings Franziskus mit Pio Nono gleichgesetzt, bei dessen Beerdingung die Römer Steine auf den Sarg des Papstes werfen. Soweit wird es bei Franziskus nicht kommen, aber da ich viele Freunde und Verwandte in Rom habe, kann ich Ihnen mitteilen, dass die Begeisterung einer Ernüchterung und inzwischen Gleichgültigkeit gewichen ist. Inzwischen liegt die Zahl der Audienzbesucher unter 10.000; sie wird auch nicht mehr bekanntgegeben. Ich weiß nicht ob es stimmt, aber ein bekannter römischer Priester sagte mir, man nenne Franziskus im Vatikan „Ming“, benannt nach dem Imperator „Ming“ aus Flash Gorden (wunderbar verkörpert von Max v. Sydow im gleichnamigen Film). btw, „io sono la tradizione“ soll Pius IX. gar nicht gesagt haben. Se non è vero, è ben trovato, wenn es nicht wahr ist, ist es gut erfunden.

        2. Lassen Sie die Sünde gegen den Heiligen Geist, die Sie mir unterstellen, meine Sorge sein. Darüber rede ich mit meinem Beichtiger, aber bestimmt nicht mit Ihnen.

    • Wrightflyer
      21.05.2018, 8:55 Uhr.

      Zu Punkt 1:
      Das war keineswegs eine Minderheitenposition! Es gab eine Abstimmung und in dieser haben 2/3 der stimmberechtigten Teilnehmer für den gefundenen Kompromiss gestimmt.
      Es gab ein paar wenige Bischöfe, die sich damit nicht abfinden konnten. Darunter Müller und dieser komische Burke. Die haben zwar viel von sich reden gemacht, sind aber bei weitem keine Mehrheit.
      Außerhalb dieser Minderheit hört man übrigens kein großes Geschrei mehr, daß mit dem gefundenen Kompromiss zu den wiederverheirateten Geschiedenen plötzlich Sodom und Gomorrha ausgebrochen wäre. Die meisten Bischöfe weltweit, auch in Afrika, scheinen mit dem gefundenen Kompromiss leben zu können.

      Punkt 2:
      Warum sollte Franziskus auch auf einen Erpressungsversuch eingehen? Genau das war das nämlich! Man wollte Franziskus festnageln und damit zwei Dinge erreichen: Daß er seinen wahren Vorstoß in der Familiensynode, nämlich sowas wie Synodalität wieder zur Geltung zu bringen, höchstpersönlich selber zunichte macht und zweitens daß er sich diesen Kardinälen, einer winzigkleinen Minderheit in der gesamten römisch-katholischen Kirche, beugt.
      Warum soll Franziskus den mit einer 2/3-Mehrheit beschlossenen Kompromiss zunichtemachen, nur um einer winzigkleinen Minderheit von Kardinälen zu gehorchen?

      Zu Punkt 4:
      Es setzt sich allmählich ein anderes Kirchenbild durch, es gibt offensichtlich wieder Hoffnung in der römisch-katholischen Kirche. Bekommen sogar wir Altkatholiken mit. Synodalität liegt wieder im Bereich des Möglichen, nicht im Bereich der Fantasy. Es kommen wieder Argumente auf den Tisch statt daß man wie früher einfach nur für oder gegen den Papst ist.
      Es ist wie Silvia bereits betont hat doch einiges in Bewegung mittlerweile. Man traut sich wieder was!
      Gut, Franziskus wurde für die winzigkleine Aufgabe, die Kurie zu reformieren gewählt. Aber sind wir mal ehrlich: wie wichtig ist das? Glauben Sie ernsthaft daß die Leute in die Kirche zurückstürmen würden, nur weil ein Papst Vatikanbehörde A verkleinert und Vatikanbehörde B mit Vatikanbehörde C zusammenlegt um ein bischen mehr Effizienz herauszuholen?
      Nachhaltige Kirchenreformen sind nur dann machbar, wenn sie die Leute wirklich erreichen und vor allem einbeziehen. Ein paar Kurienreförmchen reichen dafür bei weitem nicht, das weiß Franziskus als sehr erfahrener Bischof. Von ein paar Kurienreförmchen hat in einer Villa Miseria in Buenos Aires niemand etwas. Oder in der Villa die sich in Córdoba, Barrio Alta Córdoba ziemlich versteckt an der alten Bahnlinie entlangzieht.
      Auch in Hamburg St. Georg oder in Castrop-Rauxel wollen die Leute wissen was der Glaube sie angehen sollte, in ihrem persönlichen Leben, wenn sie überhaupt noch etwas von Kirche und Glauben wissen wollen. Nicht ob im fernen Rom jetzt Vatikanbehörde D ein bischen erffizienter arbeitet. Gibt es tatsächlich einen Gott der für sie da ist, für diese Menschen? Wenn überhaupt noch irgendwas, dann wollen die Leute eben das wissen!
      Und dazu reicht nicht ein Papst allein, dazu muss ein ganz neues Kirchenbild her, eines in dem für alle Platz ist. DIESE Reform ist ein langwieriger, anstrengender und schmerzhafter Prozess. Und vor allem einer der nicht mit ein paar schnell rausghehauenen päpstlichen Anordnungen a la Montini beendet ist. Diese Reform braucht einen grundlegenden Wandel der Mentalität, und zwar auf allen Ebenen der Kirche.

      • bernardo
        21.05.2018, 20:01 Uhr.

        @ Wrightflyer: 1. Lesen die Chronologie der Ereignisse. Mit „parrhesia“, Redefreiheit, hatte das Ganze wenig zu tun.
        2. Wenn Menschen Zweifel haben und äußern, dann ist das kein Erpressungsversuch. Von einem guten Hirten würde ich erwarten, dass er versucht, die Zweifel auszuräumen. Falls er denn gute Argumente besitzt.
        4. Er kann es nicht, weil er kein Manager ist. Sie meinen, mit einer Kurienreform sei niemandem in der Dritten Welt geholfen. Mag sein, aber dafür wurde er auch gewählt. Die Kurie, die unter Benedikt – man vergebe mir den Ausdruck – mehr schlecht als recht funktionierte, funktioniert jetzt noch schlechter, weil die wenigen Reformen ohne Sinn und Verstand in Gang gesetzt wurden. Wenn Bergoglio zumindest erkannt hätte, dass er gute Berater braucht, die administratives Geschick besitzen? Wen holt er sich heran? Leute wie Maradiaga, die vorschlagen, die Gerichtshöfe Segnatura und die Rota zusammenzulegen, wodurch ein Appell an eine übergeordnete Instanz unmöglich würde. Man weiß nicht mal mehr, ob mehr Dummheit oder tatsächlich ein Kalkül dahintersteckt – oder eine Kombination aus beidem.

    • Suarez
      22.05.2018, 17:58 Uhr.

      „renommierter Kardinäle“ Das altgriechische Wort für Renommee ist doxa. Und doxa ist bei Platon das schiere Gegenteil der – Wahrheit.

      Aber nehmen wir das mal ernst: Welche Renommee als Theologe, Hirt oder sonstwas hatte eigentlich Meißner? Welches als Kanonist Burke? Gut, er kann Intrigen spinnen gegen den Papst – aber erzeugt das Renommee? Welche Renommee hat eigentlich Brandmüller? Die Nichtrezeption seiner als schlicht ideologisch wahrgenommenen historischen Werke spricht Bände. Mich wundert das spätestens seit dem Moment nicht, als er auf Rückfrage, ob Jesus wirklich über den See gewandelt sei, antwortete: „Ja, denn das steht im Neuen Testament“. Wie soll so jemand als Historiker ernstzunehmen sein?

  • bernardo
    20.05.2018, 11:33 Uhr.

    „Merkwürdig nur, wenn man wenig Ahnung von dem hat, was Homosexualität und Kommunismus bedeuten.“

    @ Novalis: Ich habe mich wissenschaftlich eingehend mit dem Kommunismus beschäftigt; wir können, wenn die Moderation das freischaltet, gerne über den Kommunismus unterhalten.

    „Was Sexualität angeht:
    Hier wird wieder alles mögliche durcheinandergeschmissen und schlicht Schwachsinn erzählt!“

    @ Wrightflyer: Sorry, aber Sie verstehen den Punkt nicht: Ich spreche nicht über Homosexualität, Transsexualität oder Zwitter-Sein, sondern über die „Buntheits“-Ideologie. btw, die Kirche hat niemals Personen verurteilt, sondern Verhaltensweisen. Es gibt auch keinen Grund, daran etwas zu ändern, denn es gibt, wie ein Kardinal anmerkte, keine Gradualität des Gesetzes, sondern nur ein Gesetz der Gradualität.

    • Novalis
      21.05.2018, 19:06 Uhr.

      Mit Homosexualität haben Sie ja sichtlich keine Erfahrung, weder psychologisch noch tatsächlich. Immerhin behaupten Sie das auch nicht.
      @Wrightflyer: Das ist nur Namensklauberei, nicht Irremachenlassen. Das, was @bernardo als „Buntheits“-Ideologie abqualifiziert, ist genau das, was er leugnet abzulehnen. Homosexuelle, Zwitter, Transgender sind so, wie sie sind gut. Und wenn sie ihre Neigung ausleben, entspricht das eben der guten Schöpfung Gottes, auch wenn ein paar Ewiggestrige, […]* meinen, aus Gesundem etwas Krankes machen zu müssen.

      *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

      • Silvia
        22.05.2018, 15:44 Uhr.

        Novalis
        21.05.2018, 19:06 Uhr.

        Ihre Fixierung ausschließlich auf die Themen Sexualität im Allgemeinen und Homosexualität im Besonderen nimmt allmählich zwanghafte Züge an.

        Kein Mensch ist „homophob“ weil niemand eine krankhafte „Angst“ vor Homosexuellen hat, also ist „Homophobie“ eine reine Erfindung.

        Aber Sie werden doch nicht leugnen können, dass Gesellschaft und Kirche noch andere Themen beschäftigen als Homosexualität, die nach wie vor nur wenige Prozent der Bevölkerung betrifft.

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