Papst Franziskus: Vier unruhige Jahre

Vier Jahre ist er schon im Amt: Papst Franziskus. Die einen sagen, er habe in dieser Zeit viel zu wenig bewegt; die anderen sehen durch seine Worte und Taten die katholische Kirche schwer beschädigt. Der erste Papst aus Lateinamerika polarisiert und regt zu Diskussionen. Seine Wahl vor vier Jahren kam überraschend. Dieses Überraschungsmoment gehört bis heute zu einer Konstante des Pontifikats. Nichts scheint mehr vor Veränderungen sicher und das, obwohl Jorge Mario Bergoglio ein konservativer Katholik ist. Er ist der lebende Beweis dafür, dass Schubladendenken nichts mehr taugt. Der erste nicht europäische Papst verordnet seiner Kirche eine heilsame Unruhe. Dabei lässt Franziskus keinen Zweifel daran, dass er die katholische Lehre nicht reformieren will; aber er will den Umgang damit verändern und die praktische Umsetzung. Regeln und Dogmen sind ihm wichtig; aber im Mittelpunkt steht der Mensch in seiner konkreten Situation. Das ist ein anspruchsvolles Christentum, das er vertritt und das sich nicht im Herunterbeten von Katechismussätzen erschöpft.

Am liebsten ist er unter Menschen. Papst Franziskus gestern beim Besuch einer römischen Pfarrei. (Quelle: dpa)

Am liebsten ist er unter Menschen. Papst Franziskus gestern beim Besuch einer römischen Pfarrei. (Quelle: dpa)

Erste Früchte auf nationaler Ebene

Barmherzigkeit, Dialog und Begegnung – das sind drei Schlüsselworte im Pontifikat von Papst Franziskus. Für ihn gibt es keine Denkverbote, denn nur so ist auch ein ehrlicher Dialog möglich. Der muss allerdings von gegenseitigem Respekt geprägt sein und setzt voraus, dass beide Dialogpartner auf einem festen eigenen Fundament stehen. Stimmen diese Voraussetzungen, dann hat Franziskus kein Problem mit dem Dialog mit anderen christlichen Konfessionen, mit den anderen Religionen und Nichtglaubenden. Der Papst ist überzeugt, die persönliche Begegnung hilft, Vertrauen aufzubauen. Was das konkret bedeutet, kann man vielleicht schon in wenigen Wochen sehen, wenn Franziskus nach Ägypten reisen wird und dort mit dem Großscheich der islamischen Al-Azhar-Universität, Ahmed Mohammed al-Tayyeb, zusammentreffen wird. Franziskus selbst hatte eine Visite am Nil vergangene Woche angekündigt, Vatikansprecher Greg Burke bestätigte am Samstag, dass die Planungen laufen, es aber noch keinen offiziellen Termin gibt. Es könnte aber gut sein, dass Franziskus noch im Mai nach Ägypten reisen wird.

Das Stichwort Barmherzigkeit lenkt den Blick auf die innerkirchlichen Diskussionen. Da waren die ersten vier Jahre vom synodalen Prozess zu Ehe und Familie geprägt. Die Debatte ist mit “Amoris laetitia“, dem Abschlusspapier des Papstes, noch lange nicht beendet. Franziskus selbst betont immer wieder, dass es bei pastoralen Fragen keine einfachen Antworten gebe. Entscheidend seien die konkrete Situation und die Gewissensentscheidung des Einzelnen. Er hat auch angekündigt, dass im Rahmen des nächsten synodalen Prozesses zum Thema „Jugend“ das Prinzip der „Unterscheidung“, das aus seiner Sicht für jegliches seelsorgliches Handeln grundlegend ist, noch einmal näher betrachtet und ausgeführt werden soll. Interessant ist beispielsweise, dass die deutschen Bischöfe sich vergangene Woche bei ihrer Frühjahrsvollversammlung auch mit der Frage des Kommunionempfangs bei konfessions-verschiedenen Ehepaaren beschäftigt haben. Ausdrücklich Bezug nehmend auf Papst Franziskus und lehramtliche Texte wie „Amoris laetitia“ wollen die Bischöfe Hilfestellungen geben, um „im seelsorglichen Gespräch die konkrete Situation anzuschauen und zu einer verantwortbaren Entscheidung über die Möglichkeit des Kommunionempfangs  des nichtkatholischen Partners zu  kommen“. Langsam zahlt sich das beharrliche Reden und Handeln von Papst Franziskus aus. Er will, dass die katholische Kirche durch ihr Handeln und ihre Haltung nicht ausgrenzt, sondern integriert. Das zeigte sich etwa auch beim Papier der Deutschen Bischofskonferenz zu „Amoris laetitia“, das vor wenigen Wochen veröffentlicht worden war.

Politisches Schwergewicht

Politisch hat Franziskus der katholischen Kirche neues Gewicht auf internationaler Ebene verschafft; nicht weil es ihm Spaß macht, Politik zu machen. Nein, seine Motivation ist eine zutiefst christliche. Dem Vorbild des Jesus von Nazareth folgend, stellt er sich auf die Seite der „Verlierer“. Mit deutlichen Worten mahnt er mehr Gerechtigkeit und eine nachhaltige Entwicklung an. Er kennt die negativen Folgen einer Globalisierung, die sich allein am ökonomischen Nutzen orientiert, aus nächster Nähe. Daher ist seine Kapitalismuskritik nicht einfach hohle Theorie, sondern durch konkrete Erfahrungen gedeckt. Allerdings ist sein Blick bei diesem Thema bisweilen etwas einseitig. Die Verantwortung der Mächtigen in Afrika, Lateinamerika und Asien, die durch Korruption und Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft den eigenen Völkern eine bessere Zukunft rauben, spricht er nur selten an. Trotzdem gilt: Seine Stimme hat Gewicht. Franziskus wurde schon nach wenigen Monaten zu einer weltweit anerkannten moralischen Autorität, weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus.

Es gibt auch nach vier Jahren viele Baustellen, an denen er nicht so recht voranzukommen scheint. Das gilt etwa für die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Franziskus verfolgt hier zwar eine klare Linie und will Aufklärung bis hin zur Verantwortung von Bischöfen in Fällen von Vertuschung und verschleppter Aufarbeitung. Doch der Papst scheint sich letztendlich nicht überall gegen Widerstände durchsetzen zu können – sowohl in der eigenen Kurie als auch im Weltepiskopat. Auch beim Thema Vatikanfinanzen liegt noch vieles im Argen. Zwar hat Franziskus hier entscheidende Reformen vorangebracht. Doch von der viel zitierten Transparenz ist man noch weit entfernt. Jüngst wurde eine Erklärung zu den Bilanzen von Vatikanstaat und Heiligem Stuhl vorgelegt. Ganze vier Zahlen enthielt das Statement.

Kritik am Führungsstil

Kritik wird immer wieder laut an seinem Führungsstil. Er rede ständig von synodalen Strukturen und Beratungen, habe den Vatikan aber ganz auf seine Person als einzigem Entscheider ausgerichtet. Vorbei sind die Zeiten von mächtigen Kardinalstaatssekretären, Präfekten einzelner Kurienbehörden oder gar Privatsekretären. Mehrfach hat Franziskus unmissverständlich erklärt, dass am Ende der Papst aufgrund seiner Vollmachten entscheide. Diese Betonung des Primatsanspruchs geht allerdings einher mit einer starken Dezentralisierung vieler Entscheidungen. Franziskus nimmt die Ortsbischöfe verstärkt in die Pflicht und betont, dass längst nicht alles in Rom entschieden werden muss. Hier muss sich erst noch eine neue Balance finden. Dazu sind vier Jahre zu kurz.

Franziskus hat in vier Jahren viel in Bewegung gebracht. Für grundlegende Reformen ist das Pontifikat allerdings noch zu jung, vor allem weil es Franziskus nicht nur um kleinere kosmetische Veränderungen geht. Sein Anliegen ist eine grundlegende Neuausrichtung der katholischen Kirche, die sich an den Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils orientiert.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

25 Kommentare

  • Alberto Knox
    13.03.2017, 14:42 Uhr.

    vier gute jahre – denen noch viele folgen mögen.

    ad multos annos, papa franzisce!

  • Silberdistel
    13.03.2017, 17:40 Uhr.

    Doch, Papst Franziskus versucht ähnliches wie der katholische Theologieprofessor Martin Luther 1517. Kein Wunder, hatte man neben der ursprünglich in den Evangelien überlieferten Botschaft, in der rk-Kirche einen ganz eigenen Sonderweg in der Perfektionierung des christlichen Glaubens ´kultiviert´. Der Inhalt von Dostojewski´s Roman „Der Großinquisitor“ drückt das besonders gelungen aus.
    Nach 500 Jahren ist ja auch mal ein zweiter Anlauf denkbar, auch nur so mal für Spass und aus Langeweile. Immerhin hatten die Erleuchtungen, das Galileo Galilei mit seiner Aussage das die Erde nicht flach sei, oder der Fall Giordano Bruno, in dieser Konfession fast ebensolange gebraucht.

    • Wrightflyer
      14.03.2017, 22:24 Uhr.

      […]*
      Galilei hatte garnicht gesagt daß die Erde rund ist, das war zu Galileis Zeiten schon lange bekannt!!
      Galilei hat Belege für das heliozentrische Weltbild, also die Sonne im Mittelpunkt und die Erde dreht sich um die Sonne, gefunden und sie in seinem bekanntesten Werk, dem „Dialog über die beiden hauptsächlichen Weltsysteme“, auch indirekt vertreten. Leider hatte er sich jedoch in einem wesentlichen Punkt in seinen Beweisen geirrt. Zum Durchbruch verhalf dem von Kopernikus entwickelten heliozentrischen Weltbild eher Kepler.
      Galileis Verdienste sind jedoch auch so gewaltig. Er war der Begründer der modernen Physik und lieferte bahnbrechendes zu vielen Themen wie Kinematik, Festigkeitslehre oder Optik.

      Und Sie halten hier Vorträge von wegen den Klimawandel gäbe es garnicht…

      *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

      • Silberdistel
        15.03.2017, 11:05 Uhr.

        Wrightflyer
        14.03., 22:24 h
        Galilei hat nun nichts mit dem Klimawandel zu tun. Und tatsächlich glaube ich immer noch viel, aber nicht das der unstreitig stattfindende Klimawandel >antropogenen< Ursprungs sei. Auch wenn es in 2015 dem fehlbaren deutschen Klimapapst Schellnhuber gelungen war, mit dem ebenfalls fehlbaren rk-Papst Franziskus, einer neo-Umweltreligion Vorschub zu leisten.

        • Wrightflyer
          16.03.2017, 20:38 Uhr.

          Silberdistel, die ersten Warnungen vor dem menschengemachten Klimawandel kamen Anfang des 20. Jahrhunderts, unter anderem von einem der größten Chemiker aller Zeiten, nämlich Svante Arrhenius.

          Ich weiß nicht was Sie dauernd mit diesem Schellnhuber haben, aber über 95% aller seriösen Klimaforscher sind heute von dem menschengemachten Klimawandel überzeugt.
          Und zwar weil dieser eine sehr einfache erstaunlich leicht zu berechnende Ursache hat, nämlich die Änderung einer spektroskopischen Eigenschaft der Athmosphäre. Diese lässt heute weniger Wärme ins All entkommen und fängt mehr von selbiger. Sie können diesen Effekt sogar selbst mit einer Flasche Pressluft, einer Flasche CO2, einem Glasbehälter, guten Dichtungen, einem genauen Thermometer und einer Lichtquelle reproduzieren.
          Sie müssen neben dem Herrn Schellnhuber also auch tausende Meteorologen, Klimaforscher, Geophysiker usw. usf. aus aller Herren Länder aufzählen, wenn Sie ehrlich sein wollen.

          Man sollte schon ansatzweise verstanden haben, worum es bei der Sache geht.

          • Silberdistel
            17.03.2017, 11:55 Uhr.

            Wrightflyer
            16.03., 20:38 h
            „Man sollte schon ansatzweise verstanden haben, worum es bei der Sache geht“. Zitatende.
            Haben sie denn den von ihnen geschilderten Versuch so selbst schon durchgeführt? Wenn tatsächlich, dann erlauben sie bitte meine Kritik, das man die komplexen Vorgänge in der Erdathmosphäre, die nebenbei bemerkt aus verschiedenen Schichten mit verschiedenen Anteilen von Gasen besteht, wobei die CO²-„Konzentration“ von sagenhaften 0,04 Prozent wegen ihres höheren spez. Gewichts sich in der untersten aufhält, so nicht wissenschaftlich nachvollziehbar durchführen kann. So böte sich für den Versuch zunächst auch mal hauptsächlich eine Infrarotquelle an und keine Lichtquelle.

            Die von ihnen postulierten angeblich „95 %“ aller Klimaforscher als Klimakatastrophenversteher, entspringen reinem Wunschdenken. Sie sollten einmal nur die deutschsprachigen wissenschaftlichen Foren, wie etwa das EIKE (Europäisches Institut für Klima & Energie), oder „Das Klimamanifest von Heiligenroth“ mit ihren wissenschaftlichen Beiträgen sich antun um wenigstens die verbliebenen 5 % ihrer Nichtüberzeugung aufzufrischen. Hier finden sie auch detaillierte wissenschaftliche Einlassungen zum relativ trägen Molekül CO². Und warum machen die USA bei dem ganzen angeblich so wissenschaftlich unterlegten Hype nicht mit, haben die denn keinen „Klimapapst“?
            Schellnhuber als unstrittig selbiger deutscher und seines Zeichens Hofklimaberater der Kanzlerin, der wohl über den Kontakt von Vatikanbotschafterin ´Dr.´ A. Schavan die Umweltliason mit dem rk-Papst fand, behauptete 2009 im ZDF in der „Langen Nacht des Klimas“, das man [die Klimawissenschaft] sehr leicht ausrechnen könne, daß bei 2 Grad globaler Erwärmung die Himalaya-Gletscher in 30 bis 40 Jahren abschmelzen würden. Drei Monate später musste auf Nachfragen hin der Weltklimarat IPCC zugeben, daß es sich bei der Himalaya-Schmelze-Behauptung im Weltklimabericht 2007, auf die sich Schellnhuber bezog, um einen „peinlichen Fehler“ gehandelt hatte. Der deutsche „Klimapapst“ hatte als vermeintlich Sachverständiger damit nur eines bewiesen: Das er keine Ahnung hat! Gletscher über 5000 m schmelzen nunmal wegen der Nähe zum kalten Weltraum nicht, das erschließt sich jedem auch nur mit ganz einfachem Abiabschluß.
            Bewiesen ist in Sachen „Klimakatastrophe“ nichts. Sondern alle Prognosen werden aus Computermodellen, basierend aus überaus lückenhaften Messdaten, projiziert und expotenziert. Für wirklich belastbare Prognosen müßte man schon die Zyklen der Sonne verstehen, die der großen Energieströme der Ozeane wie den El Nino, sowie die Tätigkeit der Vulkane mit ihrem CO² und vor allem Staubpartikelausstoß bin in die Stratosphäre. Und vor allem wie jedes dieser chaotischen Systeme und zahllosen Regionalklimata aufeinander in chaotischer Weise wirken.

            Die meisten Normsterblichen gehen der Klimakatastrophenpropaganda auf dem Leim, weil durchaus für jeden zunächst nachvollziehbar ist, das die Menschheit in der Tat seit einigen Generationen meist fossile Energieträge hemmungslos verfeuert und dadurch CO² erzeugt. Doch das hat eben auch nur zu einem Anstieg der CO²-„Konzentration“ in der Atmosphäre von ca. 380 auf ca. 400 ppm (parts per million/Teile pro 1 Mio.) geführt, da dem die Flora als Stoffwechselpendant entgegen steht, das CO² so nötig zum Verstoffwechseln braucht wie wir den Sauerstoff. Und Klimageologen weisen in Eisbohrkernen und mit anderen Messungen nach, das diese heutige CO²-„Konzentration“ sich immer noch im MINIMUMBEREICH DER GESAMTEN ERDGESCHICHTE befindet. Leben hat sich also unter viel höheren CO²-2Konzentrationen“ erst entwickelt und keineswegs ist sie dabei zwischendurch verglüht.

            Was die internationale Hochfinanzindustrie jedoch versucht ist, das man möglichst jeden Erdenbürger nun auch noch für die Luft zum Atmen zur Kasse bitten möchte. So ähnlich in der Art der unseligen Weltbank in Boliven das Regenwasser zu privatisieren. Das hatte allerdings im selbigen „Wasserkrieg“ nicht geklappt.
            Soviel zur Motivlage. Es ging und geht auf diesem Planeten immer um sehr sehr viel Geld. Auch für Schellnhuber und sein Potsdam-Institut, das politisch hoch subventioniert und protegiert wird. Schade das Papst Franziskus sich in seiner Umweltenzyklika derart vom vorgeschickten ´GERMAN ANGST´-Klimapapst´ hat vereinnahmen lassen.

          • Wrightflyer
            18.03.2017, 7:11 Uhr.

            “ Wenn tatsächlich, dann erlauben sie bitte meine Kritik, das man die komplexen Vorgänge in der Erdathmosphäre, die nebenbei bemerkt aus verschiedenen Schichten mit verschiedenen Anteilen von Gasen besteht, wobei die CO²-„Konzentration“ von sagenhaften 0,04 Prozent wegen ihres höheren spez. Gewichts sich in der untersten aufhält, so nicht wissenschaftlich nachvollziehbar durchführen kann“
            In der untersten Schicht, der sogenannten Troposphäre, wo sich das gesamte Wetter- und Klimageschehen abspielt, versammeln sich übrigens 80% der gesamten Luftmasse. Wir reden hier nicht „nur“ von der untersten Schicht, sondern von 80% der gesamten Athmosphäre.

            „Die von ihnen postulierten angeblich „95 %“ aller Klimaforscher als Klimakatastrophenversteher, entspringen reinem Wunschdenken.“
            Nein, tun sie nicht.
            In den 1980ern hat ein Joachim Bublath den Klimawandel noch als Verschwörungstheorie angetan. Inzwischen messen ihn alle Wetterstationen rund um den Globus eindeutig. Man hat keine andere wissenschaftlich sinnvolle Erklärung als die Erhöhung des Anteils der Treibhausgase in der Athosphäre gefunden, außerdem ist deren Wirkung seit Anfang des 20. Jahrhunderts belegt.

            „Hier finden sie auch detaillierte wissenschaftliche Einlassungen zum relativ trägen Molekül CO².“
            Bitte nicht einfach mit aufgeschnappten wichtig klingenden Begriffen aufblasen, sondern verstehen, was sie bedeuten!
            Mit „relativ träge“ ist CHEMISCH träge gemeint. NATÜRLICH ist CO2 chemisch träge, denn es ist die Endstufe jeder organischen Verbrennung!
            Für den Klimawandel entscheidend ist aber nicht die chemische Reaktionsfähigkeit, sondern seine Fähigkeit als eine Art Farbstoff in der Athmosphäre.
            Auch Azofarbstoffe sollen mit dem zu färbenden Material keine chemische Reaktion eingehen, färben aber ausgezeichnet.

            „Für wirklich belastbare Prognosen müßte man schon die Zyklen der Sonne verstehen“
            Die Sonne hat einen etwa 11jährigen gut datierten Sonnenfleckenzyklus. Ihr gesamter Lebenszyklus beträgt 10 Milliarden Jahre und spielt für den Klimawandel der sich innerhalb weniger Jahrzehnte abspielt, keine Rolle. Gottseidank, sonst hätten wir wirklich ein gewltiges Problem…

            „die der großen Energieströme der Ozeane wie den El Nino,“
            El Niño ist eine gelegentlich auftretende Abweichung des Zirkulationsmusters, keine Meeresströmung.

            “ sowie die Tätigkeit der Vulkane mit ihrem CO² und vor allem Staubpartikelausstoß bin in die Stratosphäre.“
            In den Fällen in denen es zu einem gewaltigen Vulkanausbruch wie dem des Pinatubo kommt, bei dem Aschepartikel in der Stratosphäre landen, kühlt sich das Klima sogar vorübergehend ab. Auch das ist messbar und wird eingerechnet. Es ereignen sich allerdings nicht jedes Jahr Vulkanausbrüche von Pinatubo-Format.

            „Und vor allem wie jedes dieser chaotischen Systeme und zahllosen Regionalklimata aufeinander in chaotischer Weise wirken.“
            Was ist ein chaotisches System?
            Eines in dem kleine Ursachen gewaltige Wirkungen haben. Keinesfalls jedoch eines in dem plötzlich keine Thermodynamik mehr gelten würde. Etwas wo keine Naturgesetze mehr gelten nennt man Schwarzes Loch.
            Auch für ein chaotisches System gilt der 1. Hauptsatz der Thermodynamik! Bitte diesen lesen und verstehen!

            „Was die internationale Hochfinanzindustrie jedoch versucht ist, das man möglichst jeden Erdenbürger nun auch noch für die Luft zum Atmen zur Kasse bitten möchte.“
            Dem gegenüber stehen ja „zum Glück“ die Ölbranche und die Stromriesen die sich mit Händen und Füßen gegen die Loslösung unserer Zivilisation von den fossilen Energieträgern wehren.

            So, ich habe leider keine Zeit mehr und muss abbrechen, vielleicht schreibe ich heute abend oder morgen noch was.

          • Silberdistel
            21.03.2017, 13:26 Uhr.

            Wrightflyer
            18.03., 7:11 h
            "Bitte nicht einfach mit aufgeschnappten wichtig klingenden Begriffen aufblasen, sondern verstehen, was sie bedeuten!" Zitatende

            Mal abgesehen davon das ihre zitierten Formulierungen jeweils eine Frechheit sind […]* haben sie sich NATÜRLICH keinen der empfohlenen wissenschaftlichen Beiträge auf EIKE, angetan. Sonst wären sie auf die über CO² und dessen physikalischen Eigenschaften im Spektralbereich der "Absorptionsbanden" in der Atmosphäre, und nicht über dessen chemische, gestossen.
            Die Sonne und die sie elliptisch mit versch. Neigungswinkel der Achse umkreisende Erde, hätte kein Einfluss auf das Klimageschehen????? – Eigentlich muß man das nicht kommentieren, doch wenn: Woher mutmaßen sie dann die Ursache der erdgeschichtlichen erheblichen Klimaschwankungen von Eiszeit bishin zu tropischen Bedingungen allein in Europa??

            Ich kenne die Argumentationen der Klimakatastrophenversteher aus anderen Foren und auch das inquisitorische Verhalten jener gegenüber Skeptikern. Mir wurde als bekennender auch schon vorgeworfen das ich, sofern ich den "anthropogenen" Klimawandel leugnen würde, das sicher auch mit dem Holocaust tue (Daraufhin habe ich jedoch einen Brief vom Anwalt in Aussicht gestellt).

            Letztlich hat keiner der Befürworter oder Skeptiker die Möglichkeit selbst mit eigenen wissenschaftlichen Institut Messungen oder Berechnungen über das Weltklima vorzunehmen, um so zu auf eigenem Mist gewachsenen fundierten Erleuchtungen zu kommen. – Ist folglich darauf angewiesen, die Argumentationen des Ein oder Anderen Lagers für plausibel einzuschätzen, oder nicht. Doch zu behaupten, der "anthropogene" Klimawandel sei unstrittig bewiesen, hätte bei den Klimawissenschaftlern gar eine Zustimmung von 95% Prozent, zeigt nur das man sich von Zustimmungsquoten totalitärer politischer Systeme fasziniert fühlt.

            Wenn man denn die Hauptargumente der Klimakatastrophenversteher destilliert, so bleibt die Behauptung die Erhöhung des Anteils des SPURENGASES CO² von ca. 380 ppm auf ca. 400ppm der Atmosphäre, also um solch sagenhafte 20 ppm, zur Wiederholung: 20 Teile mehr pro 1 Million Teile, durch die menschlichen Aktivitäten; würde die Hitzekatastrophe auslösen. Diese Erkenntnis posaunt man ganz unabhängig davon, ob es den Klimawandel schon immer gegeben hat oder nicht. Zuletzt übrigens in den "Klimaoptimum" genannten Warmphasen des Mittelalters oder die der Römerzeit, die Rekordernten und das Imperium Romanum erst ermöglicht hatten.

            Gut, man mag das mit den katastrophalen + 20 ppm glauben… und blendet sämtliche wissenschaftlichen Gegenargumente sowie historische Erkenntnisse aus. Damit ist man dann allerdings vollends auf dem Niveau der vergangenen durch´s Dorf getriebenen Hypes, wie "Waldsterben", "SARS", "Fischwürmer", "Schweinepest", "Rinderwahn", also bei Phänomenen eher metaphysicher & psychologischer Natur, angekommen. – Zumindest in Deu scheint man ohnehin nicht vom Büßergewand der ewigen andauernden Schuld, verbunden mit viel Freude an der Selbstgeißelung, lassen zu können. Den "anthropogenen" Klimawandel abzuwehren wird denn auch sehr sehr sehr teuer werden, für die Selbstgeißeler extra erwähnt. – Oder glaubt jemand es genüge allein sich nur dazu zu bekennen?
            Der neue Hype "Klimakatastrophe" verdient denn auch ganz gewisslich den Segen der jeweiligen Päpste. Hat man auch nötig, bei solch ´argumentativen´ Unterbau.

            *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

      • Wanda
        15.03.2017, 16:11 Uhr.

        …das war zu Gallileos Zeiten schon längst bekannt ? Wem ? Einen kleinen Kreis von Experten vielleicht, die sich aber wegen der Gefahr für Leib und Leben durch die allmächtige und liebende Mutter Kirche drohte, nicht trauten dieses offen zu vertreten. Siehe Kopernikus, der sehr weise und wohlbedacht erst auf dem Sterbebett die Genehmigung zur Veröffentlichung seiner Erkenntnisse gab…

        • SuNuraxi
          16.03.2017, 13:53 Uhr.

          @Wanda, 15.03.2017, 16:11
          Es ging bei Galilei nicht um die Form der Erde. (Dass sie kugelförmig ist, war tatsächlich schon längst bekannt, und nicht nur den Experten. Jeder, der am Meer lebte, konnte feststellen, dass, wenn ein Schiff am Horizont auftauchte, man zuerst den obersten Teil der Segel sah, soll heißen, das Schiff kam „um die Kurve“. Im 6.Jh.v.Chr. sagte schon Pythagoras, dass die Erde eine Kugel sei. Im 3.Jh.v.Chr. bestimmte Eratosthenes den Umfang der Erde und kam dabei auf etwa 39700km. Er lag also nur ganz knapp daneben!).
          Nein, bei Galilei ging es tatsächlich darum, ob die Erde oder die Sonne in der Mitte des Sonnensystems steht, und ganz konkret um das Ptolemäische Modell.
          Die Belege, die @Wrightflyer gemeint hat, sind v.a. die Venusphasen (die man erst jetzt sehen konnte, wo das Fernrohr erfunden war). Wäre das Ptolemäische Modell korrekt, dürfte man keine „Vollvenus“ sehen (man hat!), und wenn, dann nur so um Mitternacht herum. Leider ist mitten in der Nacht gar keine Venus zu sehen, denn die Venus befindet sich am Sternenhimmel immer in der Nähe der Sonne und ist deshalb nur als „Morgenstern“ oder „Abendstern“ zu sehen. Das ist zwar ein Beweis dafür, dass das Ptolemäische Modell falsch ist, aber noch keiner dafür, dass das heliozentrische System stimmt. Eine damals vorgeschlagene Alternative war das Modell von Tycho Brahe (Erde im Zentrum, Mond und Sonne drehen sich um die Erde, die übrigen Planeten um die Sonne), das mit den Venusphasen absolut in Einklang zu bringen war.
          Entscheidend war die Frage, ob sich die Erde um die eigene Achse dreht (wodurch die tägliche Bewegung der Sonne um die Erde nur eine scheinbare wird) oder nicht. Galilei führte als Beweis für die Drehung der Erde um die eigene Achse die Gezeiten an. (Das ist der Irrtum, den @Wrightflyer in ihrem Posting gemeint hat.) Dieses Argument wurde schon damals nicht als stichhaltig betrachtet, und so musste Galilei „abschwören“ (= zugeben, dass er nicht beweisen konnte, dass sich die Erde um ihre Achse dreht). Aus rein naturwissenschaftlicher Sicht blieb die Sache also weiter in Schwebe. Es war ja durchaus nicht so, dass die Naturwissenschaftler auf der Seite Galileis standen, sie waren sogar in der Mehrheit gegen seine Thesen, und zwar wirklich und nicht, weil sie Angst vor der Kirche hatten. Es gab eben keine Beweise, und ein Prinzip, dass noch heute gilt, ist, das man eine bewährte Theorie nur dann aufgibt, wenn sie absolut gar nicht mehr zu halten ist.
          Die ersten wirklich starken Belege für das heliozentrische System kamen erst im 19.Jahrhundert, und zwar vor allem durch den Foucault’schen Pendelversuch (1851), dessen Resultat nur durch die Annahme erklärbar ist, dass sich die Erde um ihre eigene Achse dreht. Ferner konnte man auch erst im 19.Jahrhundert Parallaxen genau genug messen, um zu belegen, dass die Erde eine Eigenbewegung im Jahresrhythmus hat.
          Sie sehen also, die Dinge sind nicht immer ganz so einfach, wie sie von der Legende dargestellt werden.

          • SuNuraxi
            16.03.2017, 13:58 Uhr.

            Korrektur SuNuraxi, 16.3.
            Letzter Satz im drittletzten Absatz: „… ein Prinzip, daS noch heute gilt, ist, daSS man…“

        • Wrightflyer
          16.03.2017, 20:18 Uhr.

          Wandaaaaa, das geozentrische Weltbild nach Ptolemäus, das die Kirche für das gültige erklärt hatte, ging NATÜRLICH von einer kugelförmigen Erde aus, nicht von einer flachen!!
          Die Erde eine Scheibe war schon lange Schnee von gestern, und zwar schon deswegen weil die Menschen in Küstenstädten von einem ankommenden Schiff stets zuerst die Masten sahen!

          Es war nur die Frage, ob die Erde im Mittelpunkt steht und sich alles um die Erde dreht oder ob die Sonne im Mittelpunkt steht und sich allem um die Sonne dreht. Die Erde im Mittelpunkt stimmte durchaus mit der Alltagsbeobachtung, daß alle Körper die man loslässt, auf den Boden fallen, überein: Mit der unsichtbaren Gravitationskraft kam ja erst Newton (Galilei hatte sie vage angerissen, kam aber nicht mehr dazu, sie genauer zu beschreiben), also musste es für die Alltagsbeobachtung einen Grund geben: Es schien ein Zentrum des Universums zu geben und zwar im Erdmittelpunkt.
          Die astronomischen Berobachtungen stimmten aber schon lange nicht mehr mit den Vorhersagen im ptolemäischen Weltbild überein, also versuchte man das dadurch zu retten daß die Planeten auch noch zusättzliche Hilfskreise beschrieben.
          Dann gab es in Prag ein Duo wie Hund und Katz das aber einander dringend brauchte: Tycho Brahe und Johannes Kepler. Brahe machte sehr präzise astronomische Beobachtungen, Johannes „Maulwurfsauge“ Kepler konnte nur beschränkt beobachten, dafür aber brillant rechnen und brachte die Daten in ein stimmiges Weltbild mit der Sonne im Mittelpunkt und den Planeten die selbige in Form von Ellipsen umkreisen, zusammen.

        • Alberto Knox
          17.03.2017, 2:04 Uhr.

          das ganze mittelalter hindurch, @wanda, und den meisten geisteswissenschaftlern. mich würde wundern, wenn es mehr als 10 bischöfe in einer generation zwischen 750 und 1500 gegeben hat, die gemeint hätte, die erde sei eine scheibe.
          […]*

          *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

    • Alberto Knox
      17.03.2017, 2:00 Uhr.

      das gesamte mittelalter hat gewusst, dass die erde eine kugel ist. da haben nämlich alle gelehrte das 6. buch de re publica von cicero gelesen – und dort steht, dass die erde eine kugel ist und das haben die dann brav geglaubt.
      o sancta simplicitas.

  • Wrightflyer
    14.03.2017, 22:11 Uhr.

    „Dabei lässt Franziskus keinen Zweifel daran, dass er die katholische Lehre nicht reformieren will; aber er will den Umgang damit verändern und die praktische Umsetzung. Regeln und Dogmen sind ihm wichtig; aber im Mittelpunkt steht der Mensch in seiner konkreten Situation.“
    Naja, ich denke schon, daß er da ein bischen was verändert hat.
    Früher galt die Einhaltung der strengen Sexualmoral als das KO-Kriterium schlechthin. Und das was mehr oder weniger die ganze rk-Kirche bestimmt hat. Familien hatten einem bestimmten Muster zu entsprechen, alles andere war „irregulär“. Bei Franziskus gibt es schon noch das anzustrebende Ideal der lebenslangen Ehe, und das ist auch gut so, aber es ist nicht mehr die einzige mögliche Form neben ewiger keuscher Jungfräulichkeit. (Ich hätte fast „Lebensform“ geschrieben, aber dann lacht sich jeder mitlesende Trekkie krank…). Andere moralische Themen schienen doch etwas vernachlässigt. Diese holt Franziskus in den Vordergrund. Er ist, und das ist gut so, durchaus streng in Sachen Doppelmoral und Geldgier.
    Früher war es auch praktisch Lehre, daß den Menschen, auch den eigenen Gläubigen, vor allem zu misstrauen wäre. Vor allem natürlich in sexueller Hinsicht. Bei Franziskus hat sich das völlig umgedreht.

    „Es könnte aber gut sein, dass Franziskus noch im Mai nach Ägypten reisen wird.“
    Den Juli und August soll er auch besser vermeiden… er hat mich zwar schwer beeindruckt als er in Bolivien in 4000 m Höghe aus dem Flieger stieg und eine Rede gehalten hat wie wenn nichts wäre, aber irgendwann ist auch seine gesundheitlichen Reserven verbraten.
    Es wäre schön, wenn Franziskus dann gleich mal die Ägypter daran erinnern könnte was sie schon erreicht hatten, nämlich daß Christen Muslime und Muslime Christen vor Gewalt schützen. So wie er in der Zentralafrikanischen Republik Frieden gestiftet hat. Ägypten ist unter Al-Sisi noch schlimmer dran als unter Mubarak und bräuchte sehr sehr dringend ein Hoffnungszeichen.

    „a waren die ersten vier Jahre vom synodalen Prozess zu Ehe und Familie geprägt. Die Debatte ist mit “Amoris laetitia“, dem Abschlusspapier des Papstes, noch lange nicht beendet. “
    Sehr geehrter Herr Erbacher, Sie sagen an dieser Stelle nicht die Wahrheit.
    WO gibt es noch einen synodalen Prozess?? Alles scheint sich darum zu drehen, was Franziskus in Amoris Laetitia in Sachen Wiederverheiratete Geschiedene angeordnet hätte und wie man dem am besten gehorchen kann, bzw. wie papsttreu man sein muss! Der synodale Prozess ist gestorben! Über die große Bandbreite die Familie bedeutet redet erst recht niemand mehr! Es war ein Versuch und der ist gescheitert!
    Verarschen kann ich mich selber… Bzw. wenn ich Lust drauf hätte mich verarschen zu lassen, würde ich VDI-Mitglied werden und die VDI News lesen.

    Bei aller Hochachtung für Franziskus: Billige Schönfärbereien helfen auch nicht weiter!!

    „Er hat auch angekündigt, dass im Rahmen des nächsten synodalen Prozesses zum Thema „Jugend“ das Prinzip der „Unterscheidung“, das aus seiner Sicht für jegliches seelsorgliches Handeln grundlegend ist, noch einmal näher betrachtet und ausgeführt werden soll.“
    Vor allem stellt sich die Frage wie man verhindert daß der nächste synodale Prozess gleich wieder scheitert.
    Von 0 an Synodalität neu zu lernen ist eben nicht leicht. Daß beim ersten ernsthaften Versuch nicht alles perfekt laufen kann, habe ich aber auch schon MEHRFACH geschrieben.

    Ich schreibe im Nachbarblog nicht mehr mit nachdem der Moderator dort einen bitterbösen Sarkasmus von mir in den falschen Hals gekriegt hat. Ich hatte eine in letzter Zeit häufig anzutreffende Hysterie imitiert und er hielt es für ernst gemeint. Aber ich habe es im Nachbarblog immer geschätzt daß er Moderator dort gelegentlich auch auf die einen oder anderen Beiträge eingeht. Dadurch hatte man das Gefühl, daß ein Dialog möglich ist. Mit der Redaktion hier ist das ausgeschlossen.
    Ich kann hier nur für mich selbst sprechen, ich weiß nicht wie es den anderen Stammschreibern geht, aber ich persönlich hätte es auch ganz gern wenn ich mich mal von der Redaktaion wertgeschätzt fühlen könnte. Daß auch mal registriert wird, was ich inhaltlich schreibe.

    „Er rede ständig von synodalen Strukturen und Beratungen, habe den Vatikan aber ganz auf seine Person als einzigem Entscheider ausgerichtet. Vorbei sind die Zeiten von mächtigen Kardinalstaatssekretären, Präfekten einzelner Kurienbehörden oder gar Privatsekretären.“
    Hier muss man folgendes sehen: Egal wie man selbst zum Papstamt steht, was man von selbigem und der Art wie es ausgeübt wird, hält: Die römisch-katholischen Gläubigen haben ein Recht darauf zu wissen, wer letztendlich die Macht hat, also wer dieses oder jenes letztendlich entscheidet! Undurchschaubare Machtstrukturen und Geheimgemauschel sind ganz sicher nicht im Sinn der rk-Kirchenbasis! Wenn sie schon einen Papst mit absolutistischer Entscheidungsbefugnis haben, muss auch sichtbar sein daß die Dinge bei ihm zusammenlaufen, d.h. die Machtstruktur muss, wenn schon, dann transparent sein!

    Mir wird immer klar daß in der rk-Kirche in Sachen Papstamt schon sehr lange eine Art… orwellsches Doppeldenk, das einem das Hirn weichkocht, herrscht. Und wenn man statt über wichtige Inhalte über irgendwelche Kardinalsstaatssekretäre debattiert wie diese bunten Blätter an der Supermartkasse die es nur von Promiliebesgeschichten haben, ist das eine Folge davon.

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      15.03.2017, 10:04 Uhr.

      Es gibt viele Gruppen, die sich intensiv mit Amoris laetitia beschäftigen und dabei nicht nur die Aussagen über wiederverheiratete Geschiedene diskutieren. Da geht es etwa um die Frage der Ehevorbereitung und -begleitung. In diesem Sinne geht der synodale Prozess weiter. Auch die Diskussionen innerhalb und zwischen einzelnen Bischofskonferenzen zähle ich dazu.

    • Silvia
      16.03.2017, 18:59 Uhr.

      Was den synodalen Prozess angeht, der spielt sich innerhalb der Bischofssynode ab und die dauert bekanntlich nicht ewig.

      Nach der Bischofssynode, die im Falle von AL zweiteilig war und über zwei Jahre ging, fasst der Papst das Ergebnis in einem für die Kirche verbindlichem Lehrschreiben zusammen, das ist mit AL geschehen.

      Leider ist AL so „offen“ formuliert, dass es einen sehr breiten Interpretationsspielraum gibt.

      Die DBK hat sich bei ihrer Frühjahrsvollversammlung darauf geeinigt, wie hier in Deutschland in Zukunft vorgegangen werden soll.

      „Mein“ Bischof von Rottenburg – Stuttgart hat in einem vernünftigen Fastenhirtenbrief das Ganze noch mal für seine Diözese zusammen gefasst, damit herrscht zumindest in unserer Diözese Klarheit.

      Dieses Procedere hat der Papst selbst vorgeschlagen.Damit ist das Thema für Deutschland erstmal abgehakt.

      Der synodale Prozess ist keineswegs gescheitert, denn die ein oder andere Bischofskonferenz hat ihn aufgegriffen und aus AL für ihren Gültigkeitsbereich verbindliche Richtlinien erarbeitet, was neu ist.

      Damit ist für diese Bischofskonferenzen der synodale Prozess zu diesem Thema bis auf Weiteres abgeschlossen.

      • Wrightflyer
        18.03.2017, 6:42 Uhr.

        „Leider ist AL so „offen“ formuliert, dass es einen sehr breiten Interpretationsspielraum gibt.“
        Wäre AL nicht „offen“ formuliert sondern als unmissverständliche Sammlung zu befolgender Befehle, gäbe es erst recht keinen Synodalen Prozess mehr. ENTWEDER synodaler Prozess ODER klare Anordnungen denen man zu gehorchen hat, man muss sich schon aussuchen was man will! Das Leben ist kein Ponyhof!

    • Alberto Knox
      17.03.2017, 2:08 Uhr.

      er hat nicht nur ein bisschen was verändert. seit amoris laetitia gilt schlicht nicht mehr: „in sexto omnia gravia“ (verstöße gegen das 6. gebot sind nicht mehr automatisch schwere sünde, die gebeichtet werden muss).
      in anbetracht der tatsache, wie sich die amtsträger der kirche jahrhundertelang an masturbierenden jugendlichen, vorehelichen sex pflegenden jungen leuten und geschiedenen wiederverheirateten versündigt haben, indem sie mit schlimmsten höllenstrafen drohten, ist das schon eine enorme wende für die kirche. gottseidank!

  • Wanda
    15.03.2017, 17:02 Uhr.

    Frage mich, wie weit Gesprächsbereitschaft zum Dialog akzeptabel ist:
    – wenn Franziskus erneut den Grossmufti der Al-Azhar brüderlich umarmt, sollte er daran denken, dass führende Mitglieder dieser Universität Todesfatwas gegen in Deutschland lebende muslimische Wissenschaftler und Journalisten ausgesprochen haben und al-Tayyib als deren vorgesetzter Rektor bis heute nichts dagegen unternommen hat…
    – der gleiche Gross-Sheikh hat noch 2002 Selbstmord-Attentate gegen Israel gerechtfertig und vertritt aktuell die abenteuerliche These der IS sei Produkt einer zionistischen(!), also jüdischen Verschwörung, um eine Militärinvasion der USA in Nahost zu rechtfertigen…
    – gleichzeitig ist er der ultra-orthodoxen Überzeugung, die Religion stehe über dem Staat, d.h. er redet einer Theokratie wie im IRAN das Wort.
    – Fazit: man kann sich vielleicht seine Familie nicht aussuchen, seine Gesprächspartner allerdings schon…

  • bernardo
    17.03.2017, 13:16 Uhr.

    „Was das konkret bedeutet, kann man vielleicht schon in wenigen Wochen sehen, wenn Franziskus nach Ägypten reisen wird und dort mit dem Großscheich der islamischen Al-Azhar-Universität, Ahmed Mohammed al-Tayyeb, zusammentreffen wird.“

    Dann kann er ja bei Gelegenheit die Ermordung und Vertreibung von ägyptischen Christen auf der Sinaihalbinsel ansprechen.

    Was auffällt, ist, dass der Papst kaum die Länder besucht, in denen viele Katholiken leben. Sein Heimatland hat er gar nicht besucht, und er scheint auch keine Absicht zu haben, es zu besuchen. Manche Beobachter meinen, es hänge mit der konservativ-liberalen Regierung von Präsident Macri zusammen. Wenn das so wäre, wäre es traurig, da ein Papst immer super partes zu sein hat.

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      17.03.2017, 14:16 Uhr.

      Franziskus hat auch unter Präsidentin Kirchner sein Heimatland nicht besucht und da hätte er knapp zwei Jahre Zeit gehabt. Die Situation in Bergoglios Heimat ist sehr verfahren. Das gilt sowohl für die politische als auch die kirchliche. Das konnte ich gerade bei einem mehrwöchigen Aufenthalt in Buenos Aires selbst erleben und in vielen Gesprächen erfahren. Viele Bischöfe sind nicht auf Bergoglios Linie. Immer wieder versuchen Politiker, den Papst für sich zu vereinnahmen. Allerdings gab es Anfang dieser Woche Berichte, dass es vielleicht 2018 mit einem Besuch klappen könnte.

      Mit Brasilien, Mexiko, Ecuador, Bolivien, Paraguay und den Philippinen hat Franziskus durchaus schon Länder mit großem Katholikenanteil besucht. Auch in Kenia und Uganda gibt es viele Katholiken. Im Herbst fährt der Papst nach Kolumbien. Von seinem Vorgänger unterscheidet er sich aber ganz klar dadurch, dass er sich nicht auf Europa konzentriert.

      • bernardo
        17.03.2017, 14:24 Uhr.

        Danke für die Antwort, Herr Erbacher.

        „Die Situation in Bergoglios Heimat ist sehr verfahren. Das gilt sowohl für die politische als auch die kirchliche. Das konnte ich gerade bei einem mehrwöchigen Aufenthalt in Buenos Aires selbst erleben und in vielen Gesprächen erfahren. Viele Bischöfe sind nicht auf Bergoglios Linie. Immer wieder versuchen Politiker, den Papst für sich zu vereinnahmen.“

        Dann wäre ja gerade seine Anwesenheit nötig. Natürlich bedarf es eines Fingerspitzengefühls, sich einerseits gegen Vereinnahmungen zu verwahren und andererseits auf die Bischöfe zuzugehen, die nicht mit ihm auf einer Linie sind. Und natürlich hat sich der Papst aus politischen Fragen, etwa bzgl. der Wirtschaftspolitik der Regierung Macri herauszuhalten. Christentum und Peronismus sind verschiedene Dinge…

        • Wrightflyer
          19.03.2017, 7:01 Uhr.

          Eh, bernardo, Macri ist allerdings kein Peronist.
          Er hat eher neoliberale Vorstellungen.

          Und was man von der Regierung Macri zu halten hat, dessen bin ich mir nicht sicher. Zugegebenermaßen konnte es mit dem Kirchnerismo so nicht mehr weitergehen. Aber was man in den ersten Wochen Macri damals erfahren konnte (momentan erfahre ich leider nichts mehr), z.B. Abschaltung von Telesur, war auch bedenklich.

          • bernardo
            21.03.2017, 19:59 Uhr.

            „Eh, bernardo, Macri ist allerdings kein Peronist.
            Er hat eher neoliberale Vorstellungen.“

            Genau das meine ich. Peronismus ist allerdings so vage und facettenreich wie nur irgendwas – die Bandbreite reicht von Madame de Kirchner bis Carlos Menem.

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