Kommt Franziskus nach Deutschland?

Er hat es offen gelassen bei der fliegenden Pressekonferenz heute auf dem Rückweg von Malmö nach Rom. Auf meine Frage, ob er nach der aktuellen Reise zum Beginn des Reformationsgedenkens nach Lund auch in das Land kommen werde, wo vor 500 Jahren alles begann, sagte er: „Das Programm der Reisen im kommenden Jahr ist noch nicht fertig. Fast sicher ist, dass ich nach Bangladesch und Indien reise.“ Ausführlich äußerte sich Franziskus zum Thema Flüchtlinge. Er betonte, jedes Land müsse entscheiden, wie viele Flüchtlinge es aufnehmen und auch wirklich integrieren könne. Allerdings gab er zu bedenken: „Es ist nicht menschlich, die Türen zu verschließen. Es ist nicht menschlich, die Herzen zu verschließen.“ Auf Dauer zahle man dafür genauso politisch, wie man dafür zahle, wenn man „unvorsichtig“ sei und mehr empfange, als man integrieren kann. Ziemlich klar war seine Antwort bei der Frage nach einer möglichen Priesterweihe für Frauen entsprechend dem Vorbild der evangelischen Kirchen: Hier habe Johannes Paul II. ein klares Wort gesprochen, erklärte Franziskus. Er sieht keine Chance für eine Öffnung des Priesteramts für Frauen. Auf die Nachfrage der Kollegin, ob das für immer gelte, sagte Franziskus: „Wenn man die Erklärung von Johannes Paul II. [Ordinatio sacerdotalis] aufmerksam liest, geht das in diese Richtung.“

Papst Franziskus wirkte etwas müde bei der Pressekonferenz heute. Er kam oft ins Erzählen. Obwohl es nur sechs Fragen waren, dauerte die Pressekonferenz doch 40 Minuten. (Quelle Erbacher)

Papst Franziskus wirkte etwas müde bei der Pressekonferenz heute. Er kam oft ins Erzählen. Obwohl es nur sechs Fragen waren, dauerte die Pressekonferenz doch 40 Minuten. (Quelle Erbacher)

Klares Nein zum Frauenpriestertum

Kam das endgültige „Nein“ des Papstes zum Frauenpriestertum überraschend? Eigentlich nicht. Franziskus hat bereits mehrfach betont, dass er die Aussage von Papst Johannes Paul II. als endgültig ansieht. Damit geht er weiter, als etwa Benedikt XVI. die Aussagen von Ordinatio sacerdotalis je interpretiert hat. Zwar ist Joseph Ratzinger auch nie als Fürsprecher des Frauenpriestertums aufgetreten, aber er schloss sich doch der großen Zahl von Theologen an, die der Meinung sind, dass den Worten Johannes Pauls II. der Charakter für eine unfehlbare Formulierung fehlt. Sei es drum; zumindest für die Ära Franziskus ist damit endgültig Klarheit geschaffen.

Wie schon bei den letzten Malen, als Franziskus das Frauenpriestertum ausschloss, wird es einiges Grummeln geben; der großen Sympathie für den Papst aus Lateinamerika dürfte es aber langfristig einmal mehr nicht schaden. Zumal er einmal mehr betonte, dass den Frauen in der Kirche eine wichtige Rolle zukomme. In der Kirche gebe es zwei Dimensionen: die petrinische der Apostel, von Petrus und den Bischöfen, und die marianische, die die weibliche Dimension der Kirche sei. Was das aber konkret bedeutet, blieb er einmal mehr schuldig.

Umsicht in Flüchtlingspolitik

Mit Blick auf die Flüchtlingspolitik, sei Umsicht angesagt. Wichtig sei es, dass ein Land die Menschen auch integrieren könne, die es aufnimmt. Franziskus warnte vor Ghetto-Bildungen, wenn es keine Integration gebe und die verschiedenen Kulturen sich nicht gemeinsam entwickelten. „Wir dürfen uns nicht vor Integration fürchten. Europa ist aus einer anhaltenden Integration vieler Kulturen entstanden“, so Franziskus. Der Papst betonte, dass man zwischen Migranten und Flüchtlingen unterscheiden müssen. Für erstere Gruppe gebe es klare Regeln. Flüchtlinge hingegen kämen aus einer Situation der Angst, des Krieges oder des Hungers und bräuchten daher eine besondere Sorge.

Was den Deutschlandbesuch anbetrifft hatte am Wochenende der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärt, dass dieser derzeit kein Thema sei, er aber daran arbeite, dass Franziskus nach Deutschland komme. In den vergangenen Wochen hatten vatikanische Stellen immer wieder gesagt, man müsse erst einmal Lund abwarten. Danach könne man sehen, ob eine weitere Reise im Kontext des Reformationsgedenkens möglich ist. Daher werden die nächsten Wochen wohl zeigen, ob Franziskus 2017 auf den Spuren Luthers wandeln wird oder nicht. Dabei machen ihm die Deutschen die Entscheidung allerdings auch nicht leicht. Im Frühjahr findet die Wahl zum Bundespräsidenten statt, im Herbst die Bundestagswahl. Da sind die Zeitfenster klein, in denen eine Reise stattfinden kann. Aber wo ein Wille ist, dürfte sich auch ein Weg finden lassen.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

22 Kommentare

  • Alberto Knox
    01.11.2016, 20:49 Uhr.

    „Damit geht er weiter, als etwa Benedikt XVI. die Aussagen von Ordinatio sacerdotalis je interpretiert hat. Zwar ist Joseph Ratzinger auch nie als Fürsprecher des Frauenpriestertums aufgetreten, aber er schloss sich doch der großen Zahl von Theologen an, die der Meinung sind, dass den Worten Johannes Pauls II. der Charakter für eine unfehlbare Formulierung fehlt.“

    mit verlaub, herr erbacher, aber ich kann den von ihnen zitierten worten von papst franziskus NICHT entnehmen, dass er die definitive-tenenda-entscheidung von johannes paul für unfehlbar hält. im gegenteil. „Auf die Nachfrage der Kollegin, ob das für immer gelte, sagte Franziskus: ‚Wenn man die Erklärung von Johannes Paul II… aufmerksam liest, geht das in diese Richtung.'“ – das ist sogar eine auffallend weiche formulierung. die vielleicht nicht von ihm, aber von einem nachfolger anders interpretiert wird (und auch um der wahrheit der schrift willen anders interpretiert werden muss). sie waren dabei – können sie das vielleicht bitte kontextualisieren, ich würde gern nachvollziehen, wie sie auf diese deutung der papstworte kommen!

    • Jürgen Erbacher
      Jürgen Erbacher
      02.11.2016, 16:18 Uhr.

      Ich habe oben im Text nun den Link zum offiziellen Transkript des Vatikans zur Pressekonferenz eingefügt. Die schwedische Kollegin, die die Frage zum Frauenpriestertum gestellt hat, hatte zunächst gefragt, ob es realistisch sei, dass dieses in den „nächsten Jahrzehnten“ in der katholischen Kirche eingeführt werden könnte. Darauf antwortete Franziskus bereits mit dem Verweis auf Johannes Paul II. Dann fragte die Kollegin nach: „Also niemals, niemals!?“ Diese Frage ist im Transkript so nicht enthalten. Darauf sagte Franziskus den Satz mit der „Richtung“. Wir haben anschließend lange diskutiert und kamen zu dem Schluss, dass Franziskus sich hier klar festlegt.

      Interessant ist meines Erachtens, dass er nicht selbst eine Aussage trifft, sondern auf Johannes Paul II. verweist. Sollte in der nahen oder fernen Zukunft ein Papst feststellen, dass Frauen doch zum Priesteramt zugelassen werden können, hat Franziskus keine neuen Steine in den Weg gelegt; sondern das könnte mit dem Verweis passieren, dass die Worte Johannes Pauls II. doch nicht die Qualität einer unfehlbaren Aussage haben. Es brodelt aktuell so stark in der katholischen Kirche, dass Franziskus hier gut beraten ist, mit einer einigermaßen klaren Aussage keine neue Baustelle zu eröffnen.

      • Alberto Knox
        02.11.2016, 18:31 Uhr.

        sehr geehrter herr erbacher, danke!

        „Interessant ist meines Erachtens, dass er nicht selbst eine Aussage trifft, sondern auf Johannes Paul II. verweist. Sollte in der nahen oder fernen Zukunft ein Papst feststellen, dass Frauen doch zum Priesteramt zugelassen werden können, hat Franziskus keine neuen Steine in den Weg gelegt; sondern das könnte mit dem Verweis passieren, dass die Worte Johannes Pauls II. doch nicht die Qualität einer unfehlbaren Aussage haben.“
        diesbezüglich sind wir einer meinung. und ich persönlich schließe an: die erklärung von johannes paul ii. kann aus formalen gründen nicht unfehlbar sein, da sich die unfehlbarkeit nur auf dogmen beziehen kann, die wiederum ein fundament in der schrift haben. johannes paul hat (worauf auch ratzinger zurecht hingewiesen hat) die kategorie des „definitiv zu halten“ als zwischenstufe eingeführt (also nah an der irrtumsimmunität, aber eben kein dogma) und dann eben für die sachfrage genutzt.
        ein hinweis ans forum: wer wissen will, wie eine dogmatisierung aussieht, möge sich das sollemne iudicium von pius xii. zur aufnahme mariens in den himmel oder noch besser das feierliche urteil von pius ix. zur immaculata anschauen:

        „Zu Ehren der Heiligen und Ungeteilten Dreifaltigkeit, zu Schmuck und Zierde der jungfräulichen Gottesmutter, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Mehrung der christlichen Religion, in der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und der Unseren“

        diese lyrische präambel ist nicht unwichtig. vor allem der schlussteil ist entscheidend: der papst sagt ausdrücklich, dass er in der autorität CHRISTI, der des APOSTELFÜRSTEN Petrus und DER EIGENEN handelt. Sagt er das nicht, liegt KEIN dogma vor. Und vor allem: die grobe Form, beginnend mit der dreifaltigkeit bis zur eigenen autorität ist prinzipiell recht fix.

        „erklären, verkünden und definieren Wir:“

        hier erklärt der papst, was er tut – er verabschiedet ein feierliches urteil, er DEFINIERT EIN DOGMA. und genau dieser wortlaut muss auch auftauchen. er kann nicht sagen: „ich sag da mal einen einen satz“. nein, es muss mindestens lauten: „ich/wir definiereN“.

        „Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben.“

        und nun kommt der entscheidende lehrsatz im inhalte, das dogma. aussage: maria ist von der erbsünde bewahrt. wann? seit ihrer empfängnis. einfach so? nein, im hinblick auf jesus. hat sie es selbst verdient? nein, es ist ein gnadenakt gottes. das ist definiert und nichts anderes.

        und dann kommt als abschluss: „das ist von gott geoffenbart“. es ist also wenigstens implizit in der schrift enthalten. was nicht wenigstens implizit in der schrift enthalten ist, KANN NICHT definiert werden.

        „Es brodelt aktuell so stark in der katholischen Kirche, dass Franziskus hier gut beraten ist, mit einer einigermaßen klaren Aussage keine neue Baustelle zu eröffnen.“
        auch das sehe ich einschränkungslos so. wenn man bedenkt, dass die petisse von zulassung zur kommunion von wiederverheirateten geschiedenen einen eiertanz erforderte, dann wäre das eine baustelle zuviel.

        allerdings finde ich, dass ein kardinal kasper die mentalität der reaktionären nicht auch noch bedienen sollte mit floskeln wie: die lehre wurde nicht verändert. nur der eng eingehegte bereich der dogmen ist – nach katholischem verständnis unveränderbar. der rest der lehre sehr wohl.

      • Silvia
        02.11.2016, 20:59 Uhr.

        Mit anderen Worten, Franziskus überlässt es einem seiner Nachfolger, die von JPII verschlossene Tür für ein Frauenpriestertum doch noch zu öffnen.

        • Wanda
          03.11.2016, 15:50 Uhr.

          – auf den Punkt gebracht statt herumzueiern…

          • Suarez
            07.11.2016, 14:18 Uhr.

            Differenzierung als Herumgeeiere zu diffamieren – ein starkes Stück. Naja, von Pegida und AfD ist man das gewöhnt, warum sollte es hier im Forum anders sein.

  • neuhamsterdam
    03.11.2016, 18:30 Uhr.

    „dass man zwischen Migranten und Flüchtlingen unterscheiden müssen.“
    Wenn ich mich recht erinnere, hat man genau diesen Wortherumdreh im AfD-Parteiprogramm (gleich in den ersten Zeilen) angewendet, nur um dann herumzuposaunen als „Beweis“ man wäre doch niemals nicht fremdenfeindlich – und überhaupt wie könne man denn darauf denken denn man differenziere doch.
    Was beweist das? Daß bei eindeutigen Stellungnahmen die Aussage in den Vordergrund tritt und bei sowohl-als-auch-Botschaften die Erwartungen für die Einordnung maßgeblich sind.
    Wenn es der Papst sagt, ist es päpstlich.

  • Wrightflyer
    03.11.2016, 23:10 Uhr.

    Franziskus hat einen sehr schwerwiegenden Fehler gemacht.
    Hätte er ganz einfach gesagt daß weite Teile der römisch-katholischen Kirche das Frauenpriestertum derzeit nicht akzeptieren könnten, wäre es okay gewesen. Genau das stimmt ja (leider) auch. Aber daß er sich dabei auf Wojtywa bezieht kann zumindest ich nicht akzeptieren.
    Wojtywa hatte nunmal dieses fürchterliche Frauenbild, von wegen entweder Hausfrau und Mutter (und zwar möglichst vieler Kinder, ungeachtet dessen was eine exponentielle Bevölkerungsentwicklung mit sich bringt) oder geweihte Jungfrau. Die Frau soll brav sein, folgsam sein, gehorchen….
    Ich denke schon daß Franziskus in Sachen Frauenbild wesentlich weiter ist. Aber wenn er sich jetzt hinter Wojtywa verschanzt gibt er ein schwaches Bild ab.

    Seine ökumenischen Bemühungen deuten schon darauf hin daß weibliche Geistliche für Franziskus keine Todsünde sind wie sie es für Wojtywa waren.

    „Zwar ist Joseph Ratzinger auch nie als Fürsprecher des Frauenpriestertums aufgetreten, aber er schloss sich doch der großen Zahl von Theologen an, die der Meinung sind, dass den Worten Johannes Pauls II. der Charakter für eine unfehlbare Formulierung fehlt.“
    Eben: Wenn sogar Ratzinger der den Anliegen der Frauen in der rk-Kirche gegenüber ja eher gleichgültig war sagte daß das kein unfehlbares Dogma ist….

    „wird es einiges Grummeln geben; der großen Sympathie für den Papst aus Lateinamerika dürfte es aber langfristig einmal mehr nicht schaden.“
    Ich denke daß Sie sich da irren, Herr Erbacher. Zumindest eine ökumenische Beziehung wird ganz sicher auch wieder deutlich abkühlen, möchte ich wetten.
    JA, man kann auch auf Franziskus mal sauer sein. Jeder macht mal einen Fehler, auch ein Franziskus. Aber das hier ist wirklich ein schwerwiegender.

    „Zumal er einmal mehr betonte, dass den Frauen in der Kirche eine wichtige Rolle zukomme. In der Kirche gebe es zwei Dimensionen: die petrinische der Apostel, von Petrus und den Bischöfen, und die marianische, die die weibliche Dimension der Kirche sei.“
    Diese Aussage ist ja ganz schön und gut für Lateinamerika. Wo Maria, die Mutter Gottes, eine mächtige Nebengottheit ist.
    Aber Franziskus versteht an dieser Stelle nicht daß die Marienfrömmigkeit in Mitteleuropa eher dazu benutzt wurde, die Frauen klein und stumm und unterwürfig zu halten. Die ak-Kirche kennt praktisch keine Marienfrömmigkeit mehr, aus guten Gründen!
    Persönlich kann ich mit Maria, der Mutter Jesu wegen ihrer Passivität auch wenig anfangen und halte es eher mit Maria Magdalena.

    „Auf meine Frage, ob er nach der aktuellen Reise zum Beginn des Reformationsgedenkens nach Lund auch in das Land kommen werde, wo vor 500 Jahren alles begann, sagte er: „Das Programm der Reisen im kommenden Jahr ist noch nicht fertig. Fast sicher ist, dass ich nach Bangladesch und Indien reise.““
    Klingt danach wie wenn er käme.
    Ehrlich gesagt bin ich dagegen. Im Gegensatz zu Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik oder Albanien oder so ist Deutschland kein Land das von seinem Besuch irgendwie profitieren würde. Am gesellschaftlichen Klima hier wird er, so realistischen müssen wir sein, nichts ändern. Das hier wäre der erste Besuch der in einem Fiasko enden würde, und das soll er sich ersparen.

    „Mit Blick auf die Flüchtlingspolitik, sei Umsicht angesagt.“
    Franziskus hat sich eindeutig intensiv mit der Situation beschäftigt und versteht auch inzwischen manche Sorgen der Einheimischen.
    Persönlich frage ich mich schon seit Monaten: Wenn wir x Flüchtlinge aufnehmen können, was machen wir mit dem x+1. Flüchtling?
    Zum Thema Integration: Ich fürchte daß wir allein schon daran gescheitert sind, Sachsen zu integrieren… Sachliche Islamkritik ist erstmal gut und notwendig, aber es gehen Dinge vor die damit nicht das geringste zu tun haben. Aggressionen gegen Flüchtlinge, also gegen Menschen die bereits viel Leid erlebt haben, sind KEINE Islamkritik! Sondern einfach nur abscheulich! Ich habe übers lange Wochenende direkt ins Wespennest gestochen und versucht mit Anhängern von Erika Steinbach über syrische Flüchtlinge zu diskutieren. JAWOLL!! Daß ich dort das Mitgefühl für notleidende Menschen, also Menschen aus Krieg und Perspektivlosigkeit mit dem Mikroskop suchen musste, brauche ich wohl nicht extra zu betonen. Teile der europäischen Bevölkerung, auch der deutschen, zeigen ein Ausmaß an Menschenverachtung zu dem einem wirklich nichts mehr einfällt.
    Und noch was: Wie gesagt: Sachliche Islamkritik ist gut und notwendig. Aber wir sollten nicht vergessen, daß wir den Arabern, GERADE den Syrern, unendlich viel zu verdanken haben. Unsere heutige technisierte Zivilisation und die Freiheit die sie uns gebracht hat wären undenkbar ohne die Mathematik die wir von ihnen damals im Mittelalter bekommen haben. Also ohne Stellenwertsysthem und Algorithmen. Leider wurde der Islam von damals durch einen rückwärtsgewandten und verschlossenen ersetzt, aber es GAB mal eine andere Zeit. Es wäre heute an der Zeit, Syrien etwas zurückzugeben. Aber Europa ist traditionell vergesslich wenn es um seine Schulden geht…

    • Wanda
      04.11.2016, 21:49 Uhr.

      – 1. schon fast ein undiplomatischer Affront, dass der Papst nach dem Treffen mit seiner schwedischen „Amtskollegin“ in Lund ein knallhartes NEIN zum Frauenpriestertum äussert. Sicherlich nicht im Sinne einer behutsamen ökumenischen Annäherung, oder ?
      – 2. mit Blick auf die Flüchtlingspolitik und den Islam: wo bleibt eigentlich der (Zitat WELT) „Empörungs-Elan“ unserer Gutmenschen, Politiker und Kirchenführer bezüglich der erzwungenen Kinderehen und die damit verbundenen Leiden der betroffenen Mädchen, die man sich erst gar nicht vorstellen möchte ? Alles nur auf Sitte und Brauchtum zu reduzieren funktioniert doch wohl nicht: Pädophilie und Missbrauch sind hier die Fakten, die klar sein müssten, welche aber aus verschämter und falsch verstandener „political correctness“ weder von den Konfessionen noch der Politik benannt werden. Eine Schande !

      • Wrightflyer
        07.11.2016, 22:32 Uhr.

        Zu Ihrem Punkt 1:
        Ich vermute sehr stark daß dem Treffen in Lund intensive Gespräche vorausgingen und der evangelischen Seite durchaus Gründe bekannt sind weswegen Franziskus es nicht wagt, das Frauenpriestertum in seiner Kirche freizugeben. Ein ökumenischer Affront wäre, wenn Franziskus es ablehnen würde, sich mit seiner Amtskollegin zu treffen, oder wie sein Vorvorgänger alles ökumenische deswegen auf Eis legen würde.
        Zur Ökumene gehört, daß die römisch-katholische Kirchenspitze die Sichtweise der evangelischen (und altkatholischen) Kirchen anerkennt. Zur Ökumene gehört aber auch daß evangelische (und altkatholische) Kirchen die Probleme in der römisch-katholischen Kirche realistisch sehen und respektieren daß sich nicht alle Wünsche morgen schon erfüllen lassen.

        Zu Ihrem Punkt 2:
        Ich denke daß hier NIEMAND Zwangsehen, gleich welcher Form gutheißt. Selbstverständlich sind diese zu verurteilen!
        Aber -*- ist in diesem Fall eben nicht =+. Wer Barbarei mit Unmenschlichkeit beantwortet, d.h. wer wegen dem leider noch vorhandenen Problem der Zwangsehen die Flüchtlinge alle im Mittelmeer ertrinken lassen will, der ist kein guter Mensch, der ist einfach nur unmenschlich!

        • Wanda
          08.11.2016, 14:46 Uhr.

          Wrightflyer 22:32
          – Ihre krampfhaften Verknüpfungen in allen Ehren, aber was, bitte sehr, hat die unerträgliche islamische Kinderehe mit den Bootstragödien im Mittelmeer zu tun ?

          • Silvia
            08.11.2016, 23:30 Uhr.

            Wanda
            08.11.2016, 14:46 Uhr.

            Sehr richtig! Es ist ausgesprochen unredlich, Menschen, die gegen die islamischen Kinderehen sind, zu unterstellen, sie wollten massenhaft Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lassen.

            Der Umkehrschluss wäre dann, wer gegen Kinderehe ist, ist inhuman und unchristlich, wer die Kinderehe hingegen stillschweigend toleriert, ist ein engagierter Menschenfreund, ein guter Christ und politisch korrekt.

          • Wrightflyer
            09.11.2016, 21:41 Uhr.

            MEINE krampfhaften Verknüpfungen??
            Wer hat denn das mit den Kinderehen unter meine allgemeinen Bemerkungen zum Thema Flüchtlinge und Islamkritik geschrieben, hmmmm??
            Wer bringt denn immer die leider vorhandenen und bedauerlichen bis tragischen Misstände im Islam immer dann aufs Tapet wenn irgendwo das Thema Flüchtlinge angeschnitten wird, hmmmmm??

            Genauso wie ich nicht jede Kirchenkritik mittrage wenn ich den Verdacht habe daß echte und vermeintliche Misstände in den Kirchen nur als bequeme Ausrede für die eigene Doppelmoral und den eigenen Egoismus dienen bin ich auch vorsichtig vor welchen Karren ich mich in Sachen Islamkritik spannen lasse.

            Ja, Kinderehen SIND ein Verbrechen! Dahinter stecken Perversionen.
            Aber nicht jeder Muslim ist ein perverser Kinderschänder! Jeder Mensch, auch ein Muslim, hat ein recht darauf fair beurteilt zu werden! Wenn einer seine Tochter an einen älteren Mann verhökert hat, ist er ein Verbrecher. Wenn er das nicht getan hat und Asyl sucht weil in seinem Land Krieg herrscht oder eine Diktatur, hat er jedes Recht auf Hilfe!

    • neuhamsterdam
      04.11.2016, 23:34 Uhr.

      „Teile der europäischen Bevölkerung, auch der deutschen, zeigen ein Ausmaß an Menschenverachtung zu dem einem wirklich nichts mehr einfällt.“
      Die Leute denken eh zuviel. Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. Jede Zeit kennt ihre spezifischen Verhaltensweisen, mit denen man „in“ ist oder – wenn man dagegen meint für Aufreging sorgen kann. Nix neues.

  • Wrightflyer
    05.11.2016, 17:21 Uhr.

    @Herr Knox, @Herr Erbacher:
    Ich muss Ihnen hier widersprechen. Es geht im Prinzip nicht um theologische Dibbelschissereien ob das jetzt so oder so formuliert wurde. Die Sache ist wesentlich ernster.

    Ich habe silberdistel gegenüber die Notwendigkeit von Theologen verteidigt, und dazu stehe ich auch. Allerdings wurde meine Antwort auf seine Antwort vom 03.11.2016, 23:21 Uhr nicht freigeschaltet obwohl sie überhaupt keinen Angriff gegen silberdistel beinhaltet. […]*
    Es gibt da aber auch noch die andere Seite. Ohne Korrektur durch den, ich nenne es mal „gesunden Gläubigenverstand“ laufen die Theologen Gefahr, sich in Fantasiegebilde die mit ihrer Kirche nichts zu tun haben zu verrennen.

    Im Prinzip geht es um ganz andere Dinge, bis hin zu ganz archaischen Vorstellungen.
    Ich stimme zu, daß Franziskus mit dem Feuer spielen würde wenn er Knall auf Fall das Frauenpriestertum zulassen würde. In der anglikanischen Kirche soll es einigermaßen hässlich gewesen sein als das Thema weibliche Bischöfe aufs Tapet kam.
    Es geht hier um ganz tief verwurzelte Ängste von Männern davor, den Altar und letzten Endes die Macht mit den Frauen zu teilen, aber auch manche Frauen haben Ängste davor daß das bisherige Schema aufgebrochen wird. Wer sich lange damit abgefunden hatte, in der Kirche unterrangig zu sein, der müsste sich selbst ganz neu definieren wenn das nicht mehr der Fall ist. Franziskus kann diese Ängste in seiner Position nicht allein überwinden, das wird noch sehr viel Mühe und Arbeit kosten. Auch die ak-Kirche und die evangelischen Kirchen haben einen weiten Weg zurückgelegt bis man endlich Frauen vorne am Altar gesehen hat.

    Ich habe schon mehrfach gesagt daß ich im Prinzip nicht erwarte daß Franziskus die Frauenordination Knall auf Fall zulässt. Ich werfe ihm nur sehr negativ vor daß er sich dabei auf Wojtywa bezieht. Damit rührt er sehr misslungene Dinge wieder auf. Zum einen ein ewiggestriges Frauenbild (von dem ich allerdings nichtmal ansatzweise glaube daß er es 1:1 teilt), zum anderen die Tatsache daß in Wojtywas Ära dem „Kirchenvolk“ praktisch suggeriert wurde daß JEDE päpstliche Äußerung als unfehlbar zu gelten habe. Jedenfalls wurde nichts unternommen um den im Vatikan sicher bekannten Irrtum geradezuziehen.

    Die ak-Kirche hat auch bis Mitte der 90er gebraucht, Frauen im Priesteramt zuzulassen. Persönlich darf ich sagen daß die Gemeinde meiner Heimatstadt von der neuen PfarrerIN enorm profitiert hat.

    • neuhamsterdam
      07.11.2016, 23:43 Uhr.

      Wenn man die hier angeführten Argumente zur Ordination von Frauen zusammenfaßt, paßt es weder mit der Durchführung, noch mit der Akzeptanz. Das sind doch nur Konstrukte „um was zu machen“, eher in Richtung menschlicher Leistung, um Erstaunen hervorzurufen, um die Mitglieder und vielleicht noch mehr die Außenstehenden zu beeindrucken.
      Da scheint der Leistungsgedanke maßgeblicher zu sein als die nunja was – die Bedürfnisse der Leute oder auch der Wille des Herrn.

      • Wrightflyer
        09.11.2016, 21:25 Uhr.

        Nach dem Willen des Herrn erging der erste Lehrauftrag an eine Frau, nämlich an Maria Magdalena! Direkt nach der Auferstehung wurde sie in den Apostelrang befördert! Das zum einen.

        Und zum zweiten:
        Wenn sich in der Praxis zeigt daß Gemeinden sogar profitieren wenn eine Frau Pfarrer wird, wie z.B. in der ak-Kirche, dann GEHT das Frauenpriestertum mit den Bedürfnissen der Leute konform!
        Es sind lediglich noch viele Ängste zu überwinden!

  • Wrightflyer
    09.11.2016, 21:59 Uhr.

    Noch eine allgemeine Bemerkung zum Thema Frauenpriestertum:
    Ich weiß ja selbst, wenn auch bei einem anderen Thema, wie tiefverwurzelt diese Dinge sind.

    Mit Sicherheit ist hier JEDEM schon das tiefverwurzelte Vorurteil begegnet daß wir Frauen alle technisch minderbegabt wären. Autos, Computer, alle technischen Geräte bis auf Waschmaschinen (mit denen sich plötzlich die Männer nicht auskennen) gelten grundsätzlich als Männersache.
    Nun, als Frau und Ingenieur weiß ich daß da nichts dran ist. Die technische Begabung liegt NICHT auf dem Y-Chromosom. Nicola Tesla z.B. hatte seine Begabung von der Mutter, nicht vom Vater.

    In gewisser Weise habe ich es aber bei weitem einfacher als die rk-Kirche in Sachen Gleichberechtigung. Wenn jemand ein technisches Dokument in der Hand hat, eine Zeichnung, ein Schaltplan, eine Auslegungsberechnung für Pumpen, was auch immer, sieht man nicht ob das von einem Mann oder einer Frau gemacht ist.

    Der Knackpunkt ist daß eine Gemeinde einen Priester auch akzeptieren muss, sonst gibt es eine Bruchlandung. Man kann und muss verlangen daß Frauen Ingenieure, Techniker, Schlosser, ect. werden können. In Sachen Frauenpriestertum dagegen kann man nur werben und überzeugen. Und darauf vertrauen daß der Heilige Geist den Druchbruch schaffen wird.

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