Erste Personalentscheidungen

Bischof Kevin Farrell von Dallas wird Chef der neuen Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben, die am 1. September ihre Arbeit aufnimmt. Die Personalentscheidung von Papst Franziskus wurde heute bekannt gegeben. Zugleich machte er den bisherigen Familienminister Vincenzo Paglia zum neuen Chef der Päpstlichen Akademie für das Leben und des Päpstlichen Instituts „Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie“. Mit der Personalie Farrell überrascht Franziskus. Allerdings passt der 61-Jährige in das Bischofsprofil des argentinischen Papstes: Farrell gilt als Seelsorger. Er bemühte sich in seinem Bistum Dallas um einen Ausgleich zwischen Latinos und Anglos und engagierte sich für Migranten. In der US-Bischofskonferenz gilt er als Mann des Dialogs. Am Abend empfing Papst Franziskus den französischen Präsidenten Francois Holland. Über Inhalte des privaten Treffens wurde zunächst nichts bekannt. Es wurde nach der Ermordung des Priesters Jacques Hamel bei Rouen vereinbart.

Papst Franziskus im Gespräch mit Präsident Holland. (Quelle: reuters)

40 Minuten dauerte das Gespräch zwischen Papst Franziskus und Präsident Francois Holland am Mittwochabend im Vatikan. (Quelle: reuters)

Weitere Personalentscheidungen folgen

Ein weiterer Schritt der Kurienreform nimmt langsam Gestalt an. Anfang Juni hatte der Vatikan angekündigt, dass es zum 1. September ein neues „Dikasterium für Laien, Familie und Leben“ geben werde, in dem die beiden Päpstlichen Räte für Laien und Familie zusammengefügt werden und das eng mit der Päpstlichen Akademie für das Leben zusammenarbeiten soll. Mit Spannung war seitdem gewartet worden, wie Franziskus das neue Dikasterium personell besetzen wird. Klar war, dass die beiden bisherigen Chefs der Räte, Kardinal Stanislaw Rylko (Laien) und Erzbischof Vincenzo Paglia (Familie) nicht mehr zur Führungsriege gehören würden. Paglia bekam heute neue Aufgaben, Rylko nicht. Seit langem wird spekuliert, dass der 71-Jährige Nachfolger von Kardinal Stanislaw Dziswisz (77) als Erzbischof von Krakau wird. Unklar ist auch, was mit den bisherigen zweiten Männern in den beiden Päpstlichen Räten wird: Bischof Josef Clemens (69), Sekretär im Laienrat und langjähriger Sekretär von Kardinal Joseph Ratzinger in dessen Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation, und Jean Clement Laffitte (64), Sekretär im Familienrat. Im neuen Dikasterium kann die zweite Ebene auch mit Laien besetzt werden. Das hatte der Vatikan bei der Vorstellung der Statuten Anfang Juni 2016 mitgeteilt. Daher bleibt es spannend mit Blick auf die weiteren Personalentscheidungen. Zudem wird noch immer die Errichtung des zweiten neuen Dikasteriums für „Caritas, Gerechtigkeit und Frieden“ erwartet. Mehrfach hieß es bereits, dass die Beratungen darüber im Kardinalsrat K9 abgeschlossen seien und nun der Papst entscheiden müsse.

Bischof Kevin J. Farrell wird künftig der ranghöchste US-amerikanische Kirchenvertreter im Vatikan sein. 1947 im irischen Dublin geboren, trat Farrell 1966 in die Gemeinschaft der Legionäre Christi ein. Nach seiner Priesterweihe arbeitete er in verschiedenen Einrichtungen des Ordens in Italien, Spanien und Irland. 1984 verließ er die Legionäre Christi nach eigenen Worten „wegen Meinungsverschiedenheiten“ mit den Oberen. Er wurde Priester der Erzdiözese Washington. Im Hauptstadtbistum wirkte er ab 2002 als Weihbischof, bis ihn Benedikt XVI. im März 2007 zum Bischof von Dallas ernannte. Nach eigenen Angaben hatte Papst Franziskus Farrell im Mai dieses Jahres gebeten, die neue Behörde zu leiten. Wenn Kevin Farrell am 1. September seinen Dienst im Vatikan antritt, gibt es für ihn eine Besonderheit. Zum ersten Mal arbeitet er dann in derselben Stadt wie sein Bruder Brian. Der ist zweiter Mann im Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen. Brian, im Gegensatz zu Kevin, ist noch Mitglied der Legionäre Christi.

Einfluss der US-Amerikaner

Seit dem Rücktritt von Kardinal William J. Levada als Chef der Glaubenskongregation im Juli 2012 gab es keinen US-Kirchenmann mehr in einer vatikanischen Leitungsfunktion. Traditionell hat die US-Kirche durchaus großen Einfluss im Vatikan, sowohl die Laien etwa über die Kolumbusritter als auch die Bischöfe. Nach der Ernennung des Laien und Opus-Dei-Mitglieds Greg Burke zum neuen Direktor des Vatikanischen Presseamts zum 1. August sind nun gleich zwei US-Amerikaner im engsten Mitarbeiterstab von Papst Franziskus. Im Finanzbereich haben im Rahmen der Reformen der jüngsten Vergangenheit ebenfalls die Angelsachsen an Einfluss gewonnen.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

4 Kommentare

  • Wrightflyer
    22.08.2016, 13:45 Uhr.

    „Am Abend empfing Papst Franziskus den französischen Präsidenten Francois Holland.“
    Naja….
    Wenn ich an einem mittlerweile stark desinteressiert bin, dann an Franziskus‘ Audienzen für Staatsoberhäupter oder sonstige Machthaber wie Sepp Blatter oder Thomas Bach.
    Er sollte allmählich lernen daß diese nichts bringen und dieses Relikt aus Zeiten wo ein Papst garnicht die technischen Möglichkeiten hatte diverse Länder zu besuchen sondern auf Schönschriftbriefwechsel mit Herrscherhäusern beschränkt war, abschaffen.
    Diese Mächtigen sülzen ihn vorneherum zu was sie alles für tolle Absichten hätten, hintenrum machen sie ganz andere Dinge.
    Würde mich nicht wundern wenn auch Thomas Bach schon bei Franziskus war. Und wie war Olympia am Januarfluss? Ein Desaster. Die Eintrittskarten waren für die Brasilianer zu teuer, die neue Infrastruktur haben komplett die Brasilianer bezahlt und das Thema Doping ist so eskaliert daß die Sportler sich gegenseitig nicht mehr trauen.

    „Der ist zweiter Mann im Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen. Brian, im Gegensatz zu Kevin, ist noch Mitglied der Legionäre Christi.“
    AUTSCH!!!
    MUSS es jemand aus einem solchen Verein sein??

    „Nach der Ernennung des Laien und Opus-Dei-Mitglieds Greg Burke zum neuen Direktor des Vatikanischen Presseamts zum 1. August sind nun gleich zwei US-Amerikaner im engsten Mitarbeiterstab von Papst Franziskus.“
    Doppelt AUA!!!!
    MUSS es unbedingt Opus Dei sein???

    • Wanda
      23.08.2016, 19:53 Uhr.

      – wieso haben Sie eigentlich an Franziskus etwas auszusetzen ? Die von Ihnen kritisierten Treffen und päpstlichen Entscheidungen sind schliesslich vom Hl. Geist inspiriert…

      • Wrightflyer
        24.08.2016, 9:25 Uhr.

        Wer gelesen hat was ich in den vergangenen drei Jahren hier geschrieben habe, müsste eigentlich wissen daß ich das Papsttum KEINESWEGS für vom Heiligen Geist inspiriert halte, daß ich sogar viele Päpste für schädlich für die Kirche halte.

        Wir kennen uns mittlerweile schon länger als zwei Jahre, deswegen halte ich das was Sie geschrieben haben für eine persönliche Beleidigung gegen mich.
        Wäre ich vor einer Woche erst hier reingeschneit, wäre das was anderes. Sie aber hauen mich wider besseren Wissens in die unterste Klischeeschublade und das habe ich nicht verdient!

        Vom derzeitigen Amtsinhaber, Franziskus, habe ich ein fast durchgängig sehr positives Bild. Er ist tatsächlich ein großer Glücksfall, sogar überkonfessionell.
        Aber der Heilige Geist wäre schon SEHR windelweich wenn er das Luxusleben und die Machtspielchen der Renaissancepäpste genauso absegnen würde wie Roncallis Bescheidenheit oder Wojtywas fatales Frauenbild (für den hatten Frauen entweder Hausfrau und Mutter oder keusche Jungfrau zu sein) genauso wie Franziskus‘ Versuche, das zu korregieren.

        • Student
          26.08.2016, 10:27 Uhr.

          So sollte man nicht über einen Heiligen reden…

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