Papst: Migranten sind Chance für Dialog

Das Thema Flüchtlinge steht bei Papst Franziskus weiter ganz oben auf der Tagesordnung. In einem Telegramm an ein Jugendtreffen in Süditalien ermutigt er dazu, die Anwesenheit von Flüchtlingen als „Möglichkeit des menschlichen Wachstums, der Begegnung und des Dialogs zwischen Kulturen und Religionen“ zu sehen. Wie schon beim Angelus am Sonntag rief er die Jugendlichen heute zur Hilfe für Flüchtlinge auf. Am vergangenen Donnerstag hatte der Papst mehrere Flüchtlinge zum Mittagessen in den Vatikan eingeladen. Dabei handelte es sich um die Migranten, die nach dem Besuch von Papst Franziskus auf der Insel Lesbos auf Vermittlung des Vatikans nach Rom gekommen waren. Der Pontifex bleibt in der Flüchtlingsfrage bei seiner Linie. Dabei sieht er auch, dass die Stimmung in der Kirche bisweilen eine andere ist. Daher mahnt er, die Kirche dürfe sich nicht durch Ängste bremsen lassen. Er bezog diese Aussage beim Angelus am Sonntag nicht nur auf das Flüchtlingsthema als er sagte: „Die Kirche braucht keine Bürokraten und fleißigen Funktionäre, sondern leidenschaftliche Missionare.“ Er fügte dann aber hinzu: Der Heilige Geist möge die Herzen von Egoismus und Sünden befreien, so dass die Menschen Flüchtlingen, Armen und anderen Leidenden beistehen könnten.

Am Freitag besuchte Papst Franziskus überraschend eine Einrichtung für ehemalige Prostituierte am Stadtrand von Rom. (Quelle: reuters)

Am Freitag besuchte Papst Franziskus überraschend eine Einrichtung für ehemalige Zwangsprostituierte am Stadtrand von Rom. Die Frauen kamen aus Rumänien, Nigeria, Albanien, Tunesien, Italien und  der Ukraine. (Quelle: reuters)

Franziskus und der interreligiöse Dialog

Der Dialog der Religionen – für Diskussionen sorgt noch immer die Aussage von Papst Franziskus beim Rückflug aus Polen zum Thema Islam. „Es ist nicht richtig, den Islam mit Gewalt gleichzusetzen“, hatte der Pontifex damals gesagt und zugleich betont, dass „es in fast allen Religionen immer eine kleine fundamentalistische Gruppierung gibt“. Schon mehrfach hatte sich Franziskus in der Vergangenheit so geäußert. Er betonte dabei auch immer, dass die Religionsführer, auch die islamischen, sich dezidiert gegen Gewalt im Namen der Religion sowie für Frieden und Versöhnung aussprechen müssten.

Eine Gelegenheit dazu böte das Internationale Friedenstreffen Mitte September in Assisi. Es wird von der römischen Basisgemeinschaft Sant’Egidio veranstaltet im Gedenken an das erste Friedenstreffen der Religionen, zu dem Ende Oktober 1986 Papst Johannes Paul II. nach Assisi geladen hatte. Die Laienbewegung veranstaltet seitdem jedes Jahr im September ein solches Friedenstreffen, an dem Vertreter verschiedener Religionen teilnehmen. Zweimal fand das Treffen schon in Deutschland statt: 2003 in Aachen und 2011 in München. Sant’Egidio gelingt es bei diesen Veranstaltungen immer wieder, Parteien an einen Tisch bzw. auf ein Podium zu bringen, die sonst nicht miteinander sprechen. Das gilt für Vertreter der Religionen und Konfessionen, aber auch aus der Politik.

Für dieses Jahr haben sich zu dem Treffen der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus, und der Primas der Anglikanischen Kirche, Justin Welby, angekündigt sowie der Rektor der Al-Azhar Universität in Kairo, Abd Al-Hay Azab.  Seit Wochen wird darüber spekuliert, ob auch Papst Franziskus nach Assisi kommen wird. Bei einem kurzen Besuch am 4. August in der Portiuncula-Kapelle in Assisi habe er dem Imam von Perugia gesagt, er werde kommen. So zitierten Medien anschließend Mohamed Abdel Qader. Sant’Egidio erklärte daraufhin, bisher sei nichts bekannt. Im Umfeld von Franziskus hieß es bereits vor Monaten, der Papst wolle im Rahmen des Heiligen Jahres auch einen interreligiösen Akzent setzen. Die Teilnahme an dem Treffen in Assisi böte einen guten Rahmen.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

22 Kommentare

  • Silberdistel
    16.08.2016, 22:10 Uhr.

    Der Papst hat völlig Recht und liegt im Trend und den Zeichen der Zeit, die leider längst keine positiven mehr sind.
    Gesellschaftliche, kulturelle, Strukturen sind ganz kräftig am Wanken und bedürfen global neuer Orientierung und Ordnung. Welche ohnehin, und wie fast zu allen Zeiten, nur aus dem Innern von Köpfen kommen können.

    Chapeau Franziskus, der Du das Licht der Welt und das Salz der Erde sein möchtest und Dich nicht versteckst hinter schalem Brimborium und Bimbam. Doch um diese Welt zu heilen, braucht es eben nicht nur einen Papst in tatsächlicher Nachfolge, sondern Legionen von praktizierenden Christen und wahrhaft Gläübigen aus anderen Weltreligionen.

    • Alberto Knox
      17.08.2016, 19:22 Uhr.

      „Chapeau Franziskus, der Du das Licht der Welt und das Salz der Erde sein möchtest und Dich nicht versteckst hinter schalem Brimborium und Bimbam“.

      ich hoffe, dass nicht nur der papst, sondern jesu wort gemäß alle glaubenden licht der welt und salz der erde sind, indem sie sich vom feuer jesu anstecken lassen.

      im übrigen aber sehe ich das, was franz sagt, als absolut richtig an.

      • Silberdistel
        18.08.2016, 17:45 Uhr.

        Alberto Knox
        17.08. 19:22 h
        „ich hoffe, dass nicht nur der papst, sondern jesu wort gemäß alle glaubenden licht der welt und salz der erde sind, indem sie sich vom feuer jesu anstecken lassen.“ Zitatende.
        Die Hoffnung stirbt halt auch zuletzt, das von dem Feuer Jesu nach zweitausend Jahren Kirche, noch etwas übrig geblieben ist. Und mittlerweile nicht durch aufgepropfte Inhalte und Verdrehungen ersetzt worden ist, die mit dem Feuer rein gar nichts mehr zu tun haben, sondern allenfalls ein Abglanz davon sind.

  • Wrightflyer
    17.08.2016, 16:39 Uhr.

    […]*

    „die Anwesenheit von Flüchtlingen als „Möglichkeit des menschlichen Wachstums, der Begegnung und des Dialogs zwischen Kulturen und Religionen“ zu sehen.“
    Schön und gut, aber vor allem bedeutet die Anwesenheit von Flüchtlingen stets daß irgendwo Krieg ist, Verfolgung, Diktatur, Hunger…
    Gerade auch die Roma brauchen unseren Beistand als Christen, immerhin leiden sie in ganz Europa unter Diskriminierung und Verfolgung. Sie sind die letzten die anständige Arbeitsplätze bekommen, zu oft bleibt ihnen nichts weiter als betteln, gerade wenn ihnen auch noch Papiere verweigert werden, sie also de facto aus ihren Ländern ausgebürgert werden.
    Wir müssen auch weiterhin beten für Syrien, gerade für Aleppo.
    Und für die Türkei.

    „„Die Kirche braucht keine Bürokraten und fleißigen Funktionäre, sondern leidenschaftliche Missionare.““
    Da hat er recht!!
    Ich habe ein Patenkind, nächstes Jahr sollen es zwei werden, daher bin ich jetzt dabei, meinen eigenen Glaubensweg kritisch zu analysieren.
    Ich hatte auch eine Zeit in der Jugend, wo ich im Glauben kleinlaut gewesen bin. Tatsache ist: Nicht der Islam überrennt uns, das Christentum ist kleinlaut geworden. Den Christen ist der eigene Glaube peinlich geworden.
    Ich hatte auch eine kleinlaute und eher feige Phase in der Jugend, muss ich schonungslos sagen. Ich habe mich damals auch in einer betont atheistischen Szene rumgetrieben. Und Science Fiction hat mich mehr fasziniert als Gott.
    Aber wir hatten auch keine überzeugende Kirche die uns den Rücken gestärkt hätte.
    Wer mich kennt der weiß daß ich das wovon ich überzeugt bin verteidige, auch wenns wehtut. Aber ich halte nicht den Kopf für etwas hin was ich nicht richtig finde.
    Römisch-katholische Kirche fand ich damals nicht mehr richtig, deswegen hörte ich auch bei den Ministranten auf, aber ich hatte das wovon ich überzeugt bin noch nicht gefunden.
    Mutter Theresa war damals DAS christliche Idol für uns… weil wir ansonsten keine hatten! Wir mussten bis zu einer Nonne nach Indien gehen um ein zündendes christliches Vorbild zu finden!

    Franziskus ist immernoch ein Wunder. Er macht das meiste richtig und fast nichts falsch.
    Aber auch ein Franziskus reicht nicht um den Glauben wieder zu entzünden, die leeren Gottesdienste und die Priesterseminare zu füllen und die jungen Leute dazu zu bringen, Berufswegen einzuschlagen die richtig sind, nicht solche die in erster Linie möglichst viel Geld bei möglichst wenig Arbeistaufwand versprechen.
    Es muss darum gehen, den Menschen klarzumachen daß das Evangelium sie tatsächlich persönlich etwas angeht und nicht nur hochtheoretisches Theologengefasel ist.
    Aber das ist in einer oberflächlich gewordenen Welt nicht gerade einfach…

    • bernardo
      18.08.2016, 21:27 Uhr.

      „Es muss darum gehen, den Menschen klarzumachen daß das Evangelium sie tatsächlich persönlich etwas angeht und nicht nur hochtheoretisches Theologengefasel ist.
      Aber das ist in einer oberflächlich gewordenen Welt nicht gerade einfach…“
      Leider ist gerade das Reden dieses Papstes von einer Oberflächlichkeit, dass es einem die Sprache verschlägt. Der erste Papst, den ich erlebt habe, obwohl ich zu jung war, sein Reden zu verstehen, war Paul VI. Seitdem habe ich keinen Papst erlebt, dessen Reden so oberflächlich, so banal waren wie diesen. (Es ist kein Wunder, dass er seine Doktorarbeit nicht beendet hat; wahrscheinlich wäre sie niemals angenommen worden). Nun könnte man darauf verweisen, dass Petrus ein einfacher Fischer war. Aber einfache Menschen müssen nicht oberflächlich sein. Das Gerede des Papstes nach der Ermordung von Pater Hamel war schwer erträglich („Auch katholische Gewalttaten, Männer, die ihre Freundinnen und Schwiegermütter töten“). Ansonsten muss ein Dialog auch mit der Al-Azhar sein, aber Wanda hat recht: Er muss anders geführt werden und die Symbolik muss eine andere sein.

      • Silvia
        22.08.2016, 18:21 Uhr.

        bernardo
        18.08.2016, 21:27 Uhr.

        Ich bin 1951 unter Pius XII geboren, Johannes XXIII und das Konzil habe ich als Kind miterlebt und unter Paul VI bin ich erwachsen geworden, das war somit der erste Papst, dessen Wirken ich bewusst mitverfolgt habe.

        Bei jedem dieser Päpste wusste man, was er meint, ohne zahllose Interpretationen, und wohin er die Kirche führen wollte.

        Man muss einem Papst nicht unbedingt zustimmen, aber man sollte wissen, woran man mit ihm ist.

        • Wrightflyer
          24.08.2016, 9:57 Uhr.

          Ganz ehrlich??
          Erlauben Sie mir ein ehrliches Wort??

          Offen gestanden: ich habe Montini zwar nicht erlebt, aber ich bin so aus der Distanz eher WENIGER beeindruckt.
          Sicher, er hat einige Reformen eingeleitet. Die Liturgiereform (die übrigens nach den mir vorliegenden Daten tatsächlich 7 Jahre gedauert hat) z.B. war dringend notwendig. Auch hat er mit nur einem Halbsatz diesen Zensurdinosaurier, den Index der verbotenen Bücher, abgeschafft (ähnlich wie Franziskus mit seiner berühmten Fußnote).
          Aber es gab keine grundlegende Kirchenreform. Einfach nur den Tragsessel abschaffen ist eine notwendige Modernisierung, aber keine echte Reform des Papsttums. Vieles hat er umgesetzt, in manchem war er mutig, anderes hat er liegengelassen und manches blieb wohl eher oberflächlich.

          Und was Roncalli angeht: Man darf nicht vergessen daß er das Konzil eingeleitet hat, aber er hat seine Ergebnisse nicht vorweggenommen! Die ganzen Konzilsdokumente sind nicht plötzlich aus seiner Schublade gefallen! Ich hatte in den vergangenen Monaten schon den Eindruck, daß hier suggeriert wurde daß es im Grund garkein Konzil gegeben hätte, sondern nur einen Stapel päpstlicher Anordnungen.
          Gerade auch Roncalli und später Montini haben also in Sachen Konzil dem Heiligen Geist vertraut und sich aufs Unbekannte eingelassen, auf etwas völlig neues. Mit Sicherheit wusste am ersten Sitzungstag des Konzils NIEMAND woran genau er war.

          Und im übrigen finde ich:
          Egal was man von Ratzinger hält, man sollte ihn nicht beleidigen indem man behauptet daß er damals nicht existiert hätte!! Ähnliches gilt für Karl Lehmann, Helder Cámara… tausende Konzilsteilnehmer!!

      • Alberto Knox
        23.08.2016, 3:51 Uhr.

        ich kenne kaum tiefgründigeres als das, was der papst sagt. vielleicht ist ja auch nur der oberflächlich, der die worte des papstes nicht verstehen WILL. nach dem theologischen blendwerk des […]* ist die ignatianische kraft und direktheit von franziskus jedenfalls angenehm erfrischend.

        *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

        • Wrightflyer
          24.08.2016, 9:39 Uhr.

          Ach, Herr Knox, ich möchte Ihnen, wenn es die Redaktion zulässt […]*, etwas zum Lesen empfehlen, das wird Ihnen sicher gefallen!

          „Ich+Wir. Mein persönlicher Glaube und der Glaube der Kirche“, Hirtenbrief von Bischof Mathias Ring.
          Grob gesagt geht es darum: Müssen alle das gleiche glauben? Wie ist es z.B. mit persönlichen Jesusbildern oder unterschiedlichen Liturgiegewohnheiten? Also: Wie fügt sich ein persönlicher Glaube in die ganze Kirche ein?
          Da steht sehr viel kluges drin, außerdem macht der richtig Spaß zu lesen!
          Ein Beispiel: „Ein Bild in Sachaussagen zu übersetzen bedeutet, die Botschaft des Bildes zu reduzieren – und schnell ist man auf das Charmeniveau einer Steuererklärung gesunken.“

          *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

        • Wanda
          24.08.2016, 15:03 Uhr.

          – nun, ci dachte immer ein Papst sollte doch wohl von der Mehrheit seiner Schäfchen verstanden werden oder ?

          • Alberto Knox
            25.08.2016, 17:15 Uhr.

            wird er auch, keine sorge.

      • Wrightflyer
        23.08.2016, 12:26 Uhr.

        Das ist IHR Empfinden, nicht meines.

        Franziskus Aussagen sind schon sehr gehaltvoll. Er hat viel zu sagen.
        Der Unterschied ist, daß er verstanden hat, daß er mit hochintellektuell klingendem Blabla für Theologieprofessoren nichts erreicht. Er war 3 Jahre einfacher Lehrer und hat in dieser Funktion verstanden daß er die Menschen zuallererst für ein Thema interssieren muss. Das geht nicht durch langweiliges Gefasel mit vielen theologischen Fachbegriffen die Normalbürger erstmal im Lexikon nachschlagen müssen, sondern vor allem durch anschauliche Beispiele, aber vor allem auch durch gelebte Zeichen die er setzt, z.B. wenn er statt einer Kathedrale einen Slum in Afrika besucht oder mit der Straßenbahn zum WJT anreist oder Häflinge besucht.

        Franziskus spricht erkennbar selten zu Theologieprofessoren.
        Er weiß auch daß er bei selbigen nichts erreicht (nur bei Politikern muss er das noch lernen!). QWie ich schon beim Thema Frauenordination sagte: Die haben sich ihre Meinung bereits gebildet und lesen diese Texte durch ihre jeweilige Brille. Es ist sogar so: Je umständlicher, intellektuell klingender und hochtheoretischer ein Text verfasst ist, desto leichter ist es, ihn durch seine eigene vorgefasste Meinung zu lesen, statt wirklich über ihn nachzudenken.

        Ich störe mich schon sehr lange an einer Macke meines eigenen deutschen Volkes, jedes in möglichst umständliche Sprache gefasste Gesülze für eine intellektuelle Meisterleistung zu halten und anschauölich erklärtes zu verachten. Deswegen gibt es in Großbritannien auch eine weit bessere naturwissenschaftliche Allgemeinbildung: Professoren die Nichtakademikern die Welt erklären können sind dort geachtet und sehr begehrt!

        Hochtheoretisches Gefasel ist übrigens auch eine Methode, sich die Substanz der Botschaft Jesu weiterhin vom Hals zu halten.
        Man packt sie in hochtheoretische Begriffe und verhindert so, daß sie die Menschen wirklich im Inneren berührt und zu Handlungen, vielleicht auch zu Umstürzen anregt.

        Zur Ermordung von Pater Hamel:
        Dieses traurige Ereignis (das übrigens auch die meisten Muslime deutlich verurteilen, nicht umsonst wurde dem Attentäter auch eine muslimische Beerdigung verweigert!), geht ganz sicher nicht auf die Al-Azhar-Universität zurück. Die Gründe sind in Frankreich selbst zu finden. Über dieses habe ich übrigens bedingt durch meine eigene französische Verwandtschaft mehr gelernt als mir lieb ist.

        Und zum Thema Doktorarbeit:
        Wer braucht einen Doktortitel? Titelfetischisten oder Leute die in der Forschung arbeiten wollen. Unsere Pfarrerin z.B., wozu bräuchte die einen Doktortitel?
        Es gibt VIELE sehr intelligente Menschen, die eine Doktorarbeit oder ein ganzes Studium abgebrochen haben, weil sich die Lebensplanung geändert hat oder sie ganz einfach keine Lust mehr hatten. Der Gitarrist von Queen z.B. hat mit seiner Doktorarbeit in Astrophysik (über Radialgeschwindigkeiten in kosmischem Staub) auch 35 Jahre lang pausiert und lieber sehr gute Musik gemacht.
        Früher war der Doktortitel für Mediziner auch de facto Bedingung, wenn auch nicht offiziell vorgeschrieben, heute verzichten immer mehr Mediziner drauf.
        Franziskus hat seine Doktorarbeit hingeschmissen oder es kam etwas dazwischen. Na und?? Übrigens meine ich, in El Jesuíta gelesen zu haben, daß er eigentlich vorhatte, die Doktorarbeit im Ruhestand fertigzuschreiben. Also nix mit nicht fertiggeworden weil zu doof dafür…

        • Wanda
          24.08.2016, 15:16 Uhr.

          – auch wenn Sie es gern darüber hinweggehen: die Professoren der Al-Azhar, dessen Gross-Imam von Franziskus brüderlich umarmt und zum Friedenstreffen nach Assisi eingeladen wurde, haben die erwähnten Todesfatwas wie erwähnt als rechtmässig (also vereinbar mit dem Islam) erklärt und bestätigt.
          Um Ihnen auf die Sprünge zu helfen: das ist so etwas wie ein Todesurteil bzw. Vogelfreiheit. Jeder Muslim handelt gottgefällig und bleibt straffrei wenn er den Verurteilten tötet (siehe auch Salman Rushdie und andere)…
          Kaum anzunehmen, dass Franziskus das nicht weiss und noch weniger dass er den Gross-Immam und ehemaligen Rektor daraufhin ansprechen wird.

  • Wanda
    17.08.2016, 17:35 Uhr.

    Das muss man sich vergegenwärtigen: Franziskus empfängt und umarmt im Vatikan den Gross-Imam und Rektor der Al-Azhar Universität Kairo, während dessen Professoren die Todes-Fatwas ua. gegen den in Deutschland bekannten ägyptischen Publizisten und Islamkritiker Hamed Abdel Samad als rechtmässig bestätigen…
    Wo war da der Hl.Geist ? Franziskus macht sich mitschuldig !

    • Wrightflyer
      23.08.2016, 11:51 Uhr.

      A propos Al-Azhar, da schreibt eine Schweizer Zeitung heute überraschendes!
      Hier wird ja über das Burkaverbot debattiert (das ich übrigens voll unterstütze, ich schreibe auch gleich, warum).

      Als Frankreich die Vollverschleierung 2009 verboten hat, soll die Al-Azhar-Universität applaudiert haben. Hohe Gelehrte von dort sprechen sich, wie es in dem artikel heißt, schon lange gegen diese Müllsäcke aus.

      Und bestätigen damit einen Verdacht den ich schon lange habe.

      Wenn man sich nämlich alte Bilder aus Arabien, dem Iran oder Afghanistan ansieht, so sieht man dort kaum solche Müllsäcke!
      Es handelt sich also bei dieser Ganzkörperverhüllung keineswegs um eine alte Tradition.
      Auch hat Ibn Battuta einmal von den „schönen und geschminkten Frauen von Mekka“ geschwärmt.

      Die Al-Azhar-Universität erklärt das genauer:
      Ursprünglich war der Gesichtsschleier für Beduinen beiderlei Geschlechts auf der Arabischen Halbinsel mal etwas sehr sinnvolles (und ist es heute noch…). Ein Blick in den Atlas erklärt auch warum: Der südöstliche Teil der arabischen Wüste, wo heute die Emirate liegen, besteht immerhin aus dem Leeren Viertel, der größten Sandwüste der Erde. Im 19. Jahrhundert wurde er zur Mode von Oberschichtfrauen, die sich vom Straßenleben abheben wollten. Gab ja auch hier in Europa eine entsprechende Mode, nämlich kränkliche Leichenblässe, um sich von der Arbeiterklasse abzuheben. Heutzutage ist Bräune ein Zeichen, daß man sich Urlaubsreisen leisten kann.
      Im 20. Jahrhundert verschwand dieser Niqab in den meisten islamischen Ländern zunächst, bis er in den 1970ern über Rückkehrerfamilien aus Saudi-Arabien(!), wieder aufkam. Also über die Wahabiten, welche sich bekanntermaßen gerade auch durch westliche Waffenlieferungen an der Macht halten. Ursprünglich waren die Wahabiten mal eine winzigkleine besondert radikale Wüstensekte, sie sind keineswegs „der Islam“.

      Laut diesem Artikel in der Aargauer Zeitung hat die Al-Azhar-Universität mit dem Semester 2015/16 (da steht „WINTERsemester“, aber der Ausdruck Winter ist ja für Ägypten definitiv lächerlich…) den Gesichtsschleier für Professorinnen verboten.

      Meine Meinung:
      Der Westen hat der islamischen Welt durch die Unterstützung der Wahabiten in Riad schon genug schlimmes angetan. Wir sollten umgehend damit aufhören, dieses Gedankengut zu unterstützen!

      • bernardo
        24.08.2016, 15:15 Uhr.

        @knox: „Ignatianische Kraft“? Manche würden eher von „jesuitischer Doppelzüngigkeit“ sprechen. Tue ich nicht, aber die Klarheit vermisse ich wie Silvia. An Johannes Paul II. konnte man sich reiben, aber man wusste bei ihm immer, woran man war…

        @ Silvia: Ein Sprichwort sagt: „Für denjenigen, der nicht weiß, wohin er will, gibt es keine guten Winde.“ Ein bisschen weniger Bauernschläue und ein bisschen mehr Geradelinigkeit und Integrität täten der Amtsführung des Papstes ganz gut.

        @ Wrightflyer: Ich mag den Stil der Engländer auch lieber als den der Deutschen, ganz verallgemeinernd geschrieben. Inzwischen schreibe ich sogar lieber auf Englisch als auf Deutsch. Es geht nicht um das „Hochtheoretische“, sondern um klare Botschaften, die ihre Grundlage im Handeln finden. Kapitalismuskritik und Vermietung der Sistina an Konzerne – das passt nicht zusammen. Kollegialitätsversprechen und seit Pio Nono der autoritärste Papst – das passt nicht zusammen. Brüderliches Eintreten der Christen füreinander und das Im-Stich-Lassen der Christen auf Lesbos – das passt nicht zusammen. (Am ärgerlichsten dann die Behauptung, die Papiere der Christen hätten nicht gestimmt, als ob die italienischen Grenzbeamten mit dem Papst Reisende wieder zurückgeschickt hätten.) Die Erklärungen zum Islam sind von einer – sorry – Oberflächlichkeit, dass ich mich gefragt habe, ob wir es nicht mit einer intellektuellen Niete zu tun haben. Man muss nicht, wie sein Vorgänger, die Feinheiten der Auseinandersetzungen um das Verhältnis von Glaube und Vernunft im Hochmittelalter kennen. Aber vom „wahren Islam“ zu schwatzen (welcher Islam ist denn der wahre?), die im Namen der Religon begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Katholiken gleichzusetzen, die aus Eifersucht ihre Freundin oder aus Wut ihre Schwiegermutter umbringen, zeugt von einem bestenfalls mediokren Verstand. Zur Azhar: Ich behaupte nicht, dass die Azhar den Terrorismus fördert, die Politik dieser Institution lässt es aber ratsam erscheinen, auf Distanz zu gehen, die Leute nicht zu umarmen und „Brüder“ zu heißen. Wie gesagt, gegen einen Dialog – einen intellektuell aufrichtigen – Dialog jenseits der Plattheiten und des Geplappers habe auch ich nichts. Er ist sogar dringend geboten.

        • bernardo
          24.08.2016, 22:20 Uhr.

          Ach, einen Punkt habe ich vergessen bzgl. Theorie und Praxis: Das Schimpfen auf die Mächtigen einerseits (Theorie) und die Tatsache, dass der Papst selbst ein Mächtiger ist und wie kaum einer seiner Vorgänger die Agenda der Mächtigen betreibt andererseits.

        • Alberto Knox
          25.08.2016, 17:17 Uhr.

          ob […]* die klarheit vermissen, sagt zuerst etwas aus über die beiden selber. da es genügend andere katholik*innen gibt – ja die überwältigende mehrzahl, die den papst klar und deutlich sprechen hört und auch versteht, erübrigt sich eine weitere diskussion.

          *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

        • Silvia
          25.08.2016, 19:51 Uhr.

          bernardo
          24.08.2016, 15:15 Uhr.

          Sie fragen sich, ob wir es mit einer intellektuellen Niete zu tun haben.

          Ich frage mich schon länger, ob es sich bei dem – mit Verlaub gesagt – Geschwätz des Papstes und seiner großen Redseligkeit um einen altersbedingten Prozess handelt.

          Ob und wann das anfängt oder ob überhaupt, dafür gibt es keine fixpunkte, das ist individuell verschieden.

          Der Eine kann mit 90 moch ganz klar im Kopf sein und der Andere schon mit Mitte / Ende 70 schon nicht mehr.

  • Silvia
    18.08.2016, 10:39 Uhr.

    Wanda
    17.08.2016, 17:35 Uhr.

    Volle Zustimmung! Zur Ergänzung: Der Papst macht sich nicht nur mitschuldig, er macht sich selbst und seine ganze Kirche unglaubwürdig.

    Was der Papst sagt und tut, fällt auf die ganze rk Kirche zurück.

    • bernardo
      25.08.2016, 10:56 Uhr.

      Dabei ist es ja seltsam, dass er selbst nicht zwischen der Person Jorge Mario Bergoglio und dem Papst Franziskus unterscheidet. Der Papst sei ein Sünder, sagt er, obwohl es richtiger gewesen wäre, von Bergoglio zu sprechen. (Ein Unterschied zu seinem Vorgänger, der penibel zwischen der Person Joseph Ratzinger mit ihren Privatmeinungen und dem das Lehramt vertretenden Papst Benedikt XVI. unterschied und der sogar über seiner Jesus-Monographie nur seinen Privatnamen stehen wissen wollte, was vom Verlag aus Marketinggründen abgelehnt wurde.) So weiß man denn nicht, ob ein im Flugzeug hingerotztes Interview oder einige Zeilen an Eugenio Scalfari von der REPUBBLICA ein lehramtlicher Akt oder die private Meinung Bergoglios sind. Ein idealer Papst macht seine Person gegenüber dem Papsttum klein; Franziskus hingegen macht das Papsttum gegenüber seiner Person klein…

  • Alberto Knox
    25.08.2016, 17:20 Uhr.

    „Ein Unterschied zu seinem Vorgänger, der penibel zwischen der Person Joseph Ratzinger mit ihren Privatmeinungen und dem das Lehramt vertretenden Papst Benedikt XVI. unterschied und der sogar über seiner Jesus-Monographie nur seinen Privatnamen stehen wissen wollte, was vom Verlag aus Marketinggründen abgelehnt wurde“.

    das zeigt letztlich, dass es ratzinger doch nicht um die unterscheidung von amt und person gegangen ist. wäre ihm die so wichtig gewesen, dann hätte er diese jesusbücher nicht publiziert. besonders peinlich die silber-goldenen bändel drin. natürlich war ratzinger besonders von seiner monomanen amtstheologie überzeugt…

    […]* anderswo scheinen sie ja kräftig über das papstgeflüster herzuziehen. nicht so ganz nett.

    *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netiquette editiert.

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