Papst bittet andere Kirchen um Vergebung

Gleich zwei ökumenische Akzente hat Papst Franziskus heute zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen gesetzt. Beim traditionellen ökumenischen Gottesdienst in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern bat er „als Bischof von Rom und Hirte der katholischen Kirche um Barmherzigkeit und Vergebung für das nicht Evangeliums gemäße Verhalten von Katholiken gegenüber Christen anderer Kirchen“. Zugleich rief er die Katholiken dazu auf, „zu vergeben, wenn sie heute oder in der Vergangenheit Verletzungen durch andere Christen erfahren haben“. Man könne nicht auslöschen, was geschehen sei, so Franziskus, „aber wir wollen nicht zulassen, dass das Gewicht vergangener Schuld weiter unsere Beziehungen vergiftet“. Am Mittag hatte der Vatikan angekündigt, dass Franziskus am Reformationstag ins schwedische Lund fahren wird, um gemeinsam mit Vertretern des Lutherischen Weltbunds ein Reformationsgedenken zu feiern.

(Quelle: reuters)

Papst Franziskus und Metropolit Athenagoras beim Gottesdienst in Rom. (Quelle: reuters)

Papst setzt eigenen Akzent zum Reformationsgedenken

Der Besuch in Schweden zum 31. Oktober hatte sich schon lange angedeutet. Nun ist er auch offiziell bestätigt. Franziskus wird gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund (LWB) einen eigenen Akzent zum Auftakt des 500-Jahr-Gedenkens der Reformation setzen. Er kommt dazu nicht nach Deutschland. Mit der Ortswahl Lund machen Papst und LWB deutlich, dass es sich bei dem 500-Jahr-Gedenken um eine internationale Angelegenheit handelt. In Lund wurde am 1. Juli 1947 der LWB gegründet. Heute hat er seinen Sitz in Genf und ist ein Zusammenschluss von 145 Mitgliedskirchen in 98 Ländern, denen mehr als 72 Millionen Christen angehören.

Seit langer Zeit gibt es enge ökumenische Kontakte zwischen dem Heiligen Stuhl und dem LWB. Einer der wichtigsten Meilensteine auf dem gemeinsamen Weg war die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, die am 31. Oktober 1999 in Augsburg unterzeichnet wurde. 2013 haben der Päpstliche Ökumenerat und der LWB ein Papier vorgelegt, in dem erstmals eine gemeinsame historische Aufarbeitung der der Ereignisse vor 500 Jahre vorgelegt wurde. Der Titel: „Vom Konflikt zur Gemeinschaft. Gemeinsame Lutherisch-Katholisches Reformationsgedenken im Jahr 2017“. Wie der Gottesdienst am 31. Oktober genau ablaufen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Der Vatikan wies heute eigens darauf hin, dass es der erste ökumenische Gottesdienst sein werde, dem der Papst und lutherische Geistliche gemeinsam vorstehen werden. In Lund ist neben dem Gottesdienst auch ein theologisches Symposion geplant.

Orthodoxes Konzil soll stattfinden – aber auf Kreta

2016 könnte zum Jahr der Ökumene werden. Neben der Ökumenereise nach Lund wird seit langer Zeit über eine mögliche Papstreise nach Armenien oder nach Serbien spekuliert. Diese könnte Ende Mai stattfinden. Zudem ist vom Gipfeltreffen der Vorsteher der orthodoxen Kirchen zu hören, dass das für Juni geplante panorthodoxe Konzil nun doch stattfinden soll. Bei der aktuellen Vorbereitungstagung, die seit Donnerstag in Chambésy bei Genf stattfindet, sind die orthodoxen Kirchenoberen offenbar auf einem guten Weg, um die noch bestehenden theologischen Probleme zumindest soweit zu klären, dass das Konzil stattfinden kann. Allerdings soll der Ort des Konzils aufgrund der aktuellen politischen Lage von Istanbul nach Kreta verlegt werden. Nachdem politisch derzeit heftigste Spannungen zwischen Russland und der Türkei bestehen, sahen sich die Vertreter der Russisch-orthodoxen Kirche nicht in der Lage, zu einem Konzil nach Istanbul zu reisen. Aus diesem Grund sowie der aktuellen Sicherheitslage nach den jüngsten Attentaten in Istanbul, war bereits das Vorbereitungstreffen vom Bosporus in die Schweiz verlegt worden.

Die Synaxis (Versammlung der orthodoxen Vertreter) geht noch bis 28. Januar. Erst nach dem Abschluss des Treffens dürfte endgültig klar sein, ob das Konzil wirklich stattfinden wird. Angesichts der Differenzen wird nun der Vorschlag diskutiert, das Konzil in mehreren Sitzungsperioden abzuhalten. Damit müssen nicht alle theologischen Fragen vor dem Treffen Konzilsauftakt im Juni geklärt werden. Das verschafft Luft und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Konzil, wie geplant, zum orthodoxen Pfingstfest am 19. Juni beginnen kann. Die Aufteilung auf mehrere Sessionen lässt auch die Möglichkeit bestehen, dass die zweite Sitzungsperiode, wie ursprünglich geplant, in Istanbul stattfinden kann. Dort wollte man sich eigentlich in der Hagia Irene treffen, wo 381 die Zweite Allgemeine Kirchenversammlung stattgefunden hatte. Doch die Kirche ist heute im Besitz des türkischen Staates, und der hat bisher keine Genehmigung für die Nutzung des Gebäudes durch die orthodoxen Kirchen erteilt. Mit der „Zwischenlösung“ einer ersten Konzilssitzung im alten Marienkloster Gonia auf Kreta gewinnen die orthodoxen Kirchen also Zeit, um politische, theologische und strukturelle Fragen zu klären.

Autorenbild

Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

33 Kommentare

  • Alberto Knox
    25.01.2016, 21:42 Uhr.

    das sind doch sehr erfreuliche nachrichten. schon p. hagenkord von radio vatican hat ja frank und frei seine einschätzung revidiert, dass die ökumene zu den reformatorischen kirchen franziskus nicht so sehr am herzen liegen könnte. ein schönes zeichen, dass er nach lund fahren will.
    überhaupt sollte man die lutherischen viel mehr beachten. im gegensatz zu den, pardon, steinzeitbetonorthodoxen aus russland kann man mit den lutherischen auch sachlich diskutieren. und es verbindet uns auch viel mehr mit ihnen. letztlich war auch luther nur ein guter (wenn auch maßlos polemischer) katholik (unbeschadet seines verabscheuenswerten antisemitismus, aber wer bis 1945 nicht als christ antisemit? eine große anzahl war es nicht).
    kein schöner auftakt ist, dass das fünfte constantinopolitanum in kreta beginnen muss. aber immerhin, es findet statt. das ist sehr gut. unser veni creator spiritus sollte die synode begleiten. vielleicht kann sich ja der patriarch von istanbul zur interkommunion mit uns (wir haben sie indirekt schon) durchringen. dringender freilich wäre eine echte liturgiereform der orthodoxen, die aus einer klerikerliturgie wieder eine liturgie des ganzen volkes macht.
    lieber herr erbacher, laden die orthodoxen eigentlich beobachter anderer konfessionen zum konzil ein, so wie das bei uns auf dem 2. vaticanum war? und wenn ja, haben diese dann so freizügige rechte an teilnahme und auch mitdiskussion wie bei uns damals?

    • bernardo
      31.01.2016, 18:15 Uhr.

      Zitat: „dringender freilich wäre eine echte liturgiereform der orthodoxen, die aus einer klerikerliturgie wieder eine liturgie des ganzen volkes macht.“

      Ihnen würde ich gerne das ans Herz legen, was Julia Klöckner manchen in der CDU ans Herz gelegt hat.

  • Silberdistel
    25.01.2016, 21:59 Uhr.

    Oha, dieses Thema lässt mich etwas ausholen, alldieweilen ich noch viel herumkomme und viele an Fahrzeugen angebrachten „Ichthyis“, dem symbolisierten Fisch als Zeichen des Christentums, meist vor mir am Heck des Fahrzeugs angebracht, begegne. Dieses uralte Symbol ist tatsächlich en masse unterwegs und oft veranlasst es mich auf langer Autobahnstrecke nachzudenken über dieses Christentum. Das auch mein Christentum ist und das vor annähernd schon 2 Jahrtausenden begann und noch immer seine Spuren, zumindest deutlich sichtbar auf deutschen Autobahnen, hinterlässt.
    Es lässt mich aber auch nachdenken über die Insassen solcher Fahrzeuge, welcher Gattung des „Ichthyis“ sie wohl angehören. Wikipedia beispielsweise listet die Menge an unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen auf, den s.g. Chismen, innerhalb der Christenheit. Selbst innerhalb einer christl. Konfession gibt es deutliche Abstufungen, wie rk in Bezug beispielsweise auf WvG wissen. Ist es also erlaubt auf dem nächsten Parkplatz den Insassen eines solch markierten Fahrzeugs zumindest ein freundliches Lächeln entgegen zu senden oder gar ein ebensolches Zunicken? – Klar ist es das! Die Christliche Botschaft ist ein Erfolgsmodell und Grundlage einer jeden vernünftigen wie humanen Gesellschaft, wie der unsrigen, des christlich geprägten Abendlandes.
    Wer also meint im Nächsten zuerst den Herätiker oder gar Sünder sehen zu müssen, der hat mM ohnehin die Worte Jesu nicht gelesen oder je verstanden. „PF“ hat sie wohl gelesen, verstanden – und lebt sie.

    • Silberdistel
      25.01.2016, 22:41 Uhr.

      PS: Manche der angeregten Diskussionen sowie Auslegungen um das wirklich wahre Christentum, erscheinen definitiv zu „überkopft“. Wie heisst es so schön: Ein voller Magen kann einen leeren Kopf zufrieden stellen, jedoch ein voller Kopf keinen leeren Magen.

    • Alberto Knox
      28.01.2016, 16:15 Uhr.

      es muss heißen: ichthys.

  • JasJu
    26.01.2016, 11:28 Uhr.

    Es ist schade, daß man nun das in Selbstauflösung begriffene Häuflein der Lutheraner hofiert. Wann entschuldigt sich eigentlich diese kirchliche Gemeinschaft bei der Kirche für die ungeheuren Missetaten an Katholiken, angefangen mit dem Raub tausender Kirchgebäude und Latifundien, der Vertreibung der Ordensleute, der Auflassung hunderter Klöster…
    Hoffen wir, daß der Papst seinen Auftritt nutzt, um diese Protestanten auf ihren Irrtum hinzuweisen und ihnen, nach Beichte und Buße, die Rückkehr in die Kirche ans reuige Herz zu legen.

    • Alberto Knox
      29.01.2016, 12:10 Uhr.

      „und ihnen, nach Beichte und Buße, die Rückkehr in die Kirche ans reuige Herz zu legen.“

      das ist die vorstellung der so genannten rückkehrökumene. diese ist seit dem 2. vaticanum keine katholische position mehr. sofern sie sich zu katholischen positionen bekehren wollen, bete ich für sie.

      • bernardo
        31.01.2016, 18:05 Uhr.

        @ Knox: Hören Sie auf, andere Blogger zu verbessern und ungefragt für andere Blogger zu beten.

        • Alberto Knox
          01.02.2016, 15:56 Uhr.

          @ bernardo: ich werde selbstverständlich andere, die gern gute katholiken sein wollen, darauf hinweisen, wo sie sich gegen den integren katholischen glauben verfehlen. würde ich das nicht tun, würde ich mich versündigen. sie fordern mich also dazu auf zu sündigen. hm, schwierig würde ich sagen. ich werde auch selbstverständlich für sie beten, dass sie zur vollen einsicht kommen. papst fanziskus sagt schließlich auch, dass wir immer füreinander beten sollen. das schadet gewiss auch ihnen nicht.

          • Silberdistel
            02.02.2016, 9:55 Uhr.

            Alberto Knox 15.56
            Wenn alle Angehörigen aller christl. Konfessionen in ALLERERSTER LINIE nur mal GUTE CHRISTEN sein wollten………. 😩

          • Alberto Knox
            02.02.2016, 10:57 Uhr.

            liebe silberdistel,

            ich kann ihren einwand verstehen. doch sehe ich zuerst einmal das gute im menschen.

          • bernardo
            02.02.2016, 11:58 Uhr.

            @ Knox: Ach so. Wer das griechische Wort für Fisch nicht richtig schreibt, vergeht sich also gegen den „integren katholischen Glauben“. Wenn ich das, was Sie hier schreiben, mit dem Weltkatechismus vergleiche, stelle ich mir die Frage, ob sich Jasju oder silberdistel gegen den katholischen Glauben vergehen – oder Sie? Gut, ich bin nicht so „square minded“ wie die katholischen Reaktionäre und Progressisten – mit mir kann man über alles reden. Nur ein „herrschaftsfreier Diskurs“ sollte es schon sein: Man kann sachliche Fehler richtigstellen, allerdings ohne den Duktus der Überheblichkeit. Vor allem aber ohne zu glauben, dass man andere „zur Einsicht bringen“ müsste.

            Spießertum und geistige Enge – das kennzeichnet heute den deutschen Gremienkatholizismus. Und nicht nur den. Schade.

          • Alberto Knox
            02.02.2016, 22:15 Uhr.

            gremienkatholizismus scheint ihr besonderes hassobjekt zu sein. indes bin ich in keinem einzigen gremium und strebe auch nicht danach.

  • Wanda
    26.01.2016, 16:56 Uhr.

    Danke Herr Erbacher, dass sie meine Antwort an Chrisma vom 23.01.17:12, in der ich Fakten aus der WELT zitierte und gegenüberstellte, unterschlagen.
    Damit disqualifiziert sich dieser Blog. Neutral sieht anders aus…

Kommentare geschlossen

Dieser Beitrag kann nicht länger kommentiert werden.