Synode zu Ehe und Familie – Tag 4

Heute haben die Synodalen den ganzen Tag in Kleingruppen gearbeitet. Daher gibt es wenig zu berichten. Denn über die konkreten Beratungen wird nicht informiert. Wie überhaupt nur dürftig und selektiv informiert wird. Deshalb gibt es auch viele Desinformation, Gerüchte und Spekulationen. Am deutlichsten wurde das heute, als ein Akzent der Papstansprache von gestern bekannt wurde, den Vatikansprecher Federico Lombardi gestern nicht mitgeteilt hatte. Franziskus hatte vor einer „konspirativen Hermeneutik“ gewarnt, die hinter allem eine „Verschwörung“ wittere. Vielmehr gehe es um ein echtes Unterscheidungsvermögen, um nicht in dem, was letztendlich nur die eigenen Ängste und Obsessionen seien, das Böse zu sehen. Warum veröffentlicht der Vatikan nicht einfach die Worte des Papstes? Dann herrscht Klarheit.

Arbeit in Sprachgruppen begonnen

Darum bemühen sich einige Synodenväter, die ihre Beiträge im Internet veröffentlichen. Dazu gehören der gestern bereits zitierte kanadische Erzbischof Paul-Andre Durocher und der Belgier Johan Bonny. Dass die einzelnen Redebeiträge der Teilnehmer nicht veröffentlicht werden, ist ausdrücklicher Wunsch des Papstes. Er erklärte mehrfach, dass er so einen geschützten Raum bieten möchte, damit jeder frei sprechen könne. Er legt es dann in die Verantwortung jedes Einzelnen, seinen Beitrag zu veröffentlichen. Dieses Vorgehen hatte schon bei der letzten Synode sowohl bei Medienvertretern als auch einigen Synodenvertretern für Unmut gesorgt.

Am Freitag gibt es die ersten Ergebnisse aus den Sprachgruppen. Die deutsche Kleingruppe dürfte die homogenste sein, da die meisten Teilnehmer aus dem deutschen Sprachraum kommen. Das sieht in den übrigen Sprachgruppen schon anders aus. Teilweise ist dort die ganze Weltkirche in einer Kleingruppe versammelt – vor allem bei den englischen und französischen Sprachzirkeln. Der Erzbischof von Lille, Laurent Ulrich, wies daher heute beim Briefing darauf hin, dass in seiner Kleingruppe die Voraussetzungen, Probleme und Herausforderungen sehr unterschiedlich seien. Bevor hier eine theologische Diskussion über einzelne Themen möglich ist, müssen erst einmal die Hintergründe und verschiedenen Vorstellungen abgeglichen werden. Das ist beim deutschsprachigen Zirkel anders, zumal dort eine große Zahl von ausgesprochenen Theologen dabei ist mit den Kardinälen Müller, Kasper, Koch und Schönborn.

Kardinal Schönborn ist dann auch der Moderator der deutschsprachigen Gruppe. Erzbischof Heiner Koch ist der Relator. Er wird die Ergebnisse der Gruppe im Plenum präsentieren. Nachdem den Deutschsprachigen ein stickiger Raum ohne Fenster im Gebäude der Aula Nervi zugewiesen worden war, hat ab der zweiten Sitzung Kardinal Müller in der Glaubenskongregation den Sitzungssaal zur Verfügung gestellt. Dort tagt fortan der Kreis. Zum Auftakt haben die Teilnehmer einmal das Arbeitspapier komplett durchgelesen und vermerkt, an welchen Stellen sie Diskussionsbedarf haben. Für den Teil A des Arbeitspapiers werden diese Stellen bis morgen Nachmittag diskutiert. Zumindest im deutschen Sprachzirkel sind auch die Laien und Vertreter der anderen christlichen Kirchen aktiv in die Diskussion mit eingebunden.

Beim Blick auf die Moderatoren der verschiedenen Sprachzirkel fällt auf, dass alle Schattierungen vertreten sind. Mit den Kardinälen Robert Sarah (Gallicus B), George Pell (Anglicus A) und Angelo Bagnasco (Italicus C) leiten eher konservative, während andererseits mit Christoph Schönborn (Germanicus), Oscar Rodriguez Maradiaga (Hibericus A) und Vincent Gerad Nichols (Anglicus B) eher progressive Kardinäle die Diskussion führen. Ähnlich verhält es sich bei den Relatoren der Kleingruppen.

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Jürgen Erbacher

Seit Juli 2018 leite ich die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch", für die ich seit 2005 über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche berichte. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.

8 Kommentare

  • Alberto Knox
    07.10.2015, 23:17 Uhr.

    „Franziskus hatte vor einer ‚konspirativen Hermeneutik‘ gewarnt, die hinter allem eine ‚Verschwörung‘ wittere. Vielmehr gehe es um ein echtes Unterscheidungsvermögen, um nicht in dem, was letztendlich nur die eigenen Ängste und Obsessionen seien, das Böse zu sehen.“

    wenn man sich veröffentlichungen diverser „katholischer“ nachrichtenprotale wie die des privaten linzer lehramtes oder andere anschaut, kommt einem der verdacht, dass unser papst denen indirekt eine klatsche gegeben hat… 😉

    „Warum veröffentlicht der Vatikan nicht einfach die Worte des Papstes? Dann herrscht Klarheit.“

    herr erbacher, das kann ich nur unterstützen!

    • Wrightflyer
      11.10.2015, 16:13 Uhr.

      Es stellt sich tatsächlich die Frage wieviel Franziskus als Computermuffel vor dem Herrn tatsächlich an dem was im Netz vor sich geht mitbekommt.
      Eine deutschsprachige Seite wird er auf keinen Fall mitlesen, das ist klar.

  • Alberto Knox
    07.10.2015, 23:20 Uhr.

    den geschützen raum für die redefreiheit kann ich allerdings auch verstehen. gut, dass gerade die fortschrittlichen bischöfe ihre beiträge veröffentlichen: das zeigt, dass die wahrheit frei macht (joh 8,32) und man das licht der erkenntnis nicht verbergen muss!

  • Silvia
    08.10.2015, 20:27 Uhr.

    Hier ein Interview mit Ludwig Ringeifel, Chef der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) direkt aus Rom:

    http://www.katholisch.de/video/16271-der-start-der-synode-war-holprig

  • Wrightflyer
    08.10.2015, 21:26 Uhr.

    „Nachdem den Deutschsprachigen ein stickiger Raum ohne Fenster im Gebäude der Aula Nervi zugewiesen worden war, hat ab der zweiten Sitzung Kardinal Müller in der Glaubenskongregation den Sitzungssaal zur Verfügung gestellt.“
    Es steckt immernoch Gutes in Müller, auch wenn er von Karrierestreben, Anpassung und Kirchenhierarchie verdorben wurde!
    Ich habe mal ein Interview da http://www.kontinente.org/ (Meine Mutter hat die Zeitschrift im Abo und gibt sie mir immer weiter. Ich lese sie gern weil sehr viele und vielschichtige Ansichten aus anderen Ländern kommen die in unseren normalen Medien keinen Platz haben) mit ihm gelesen, das mich wirklich sehr positiv überrascht hat! Allerdings ging es da nicht um WvG noch um katholische Ehelehre noch um Sexualität.

  • JasJu
    09.10.2015, 12:03 Uhr.

    Der stickige Raum ohne Fenster ist doch eine passende allegorische Umsetzung für die linkskatholisch-deutschnationale Kirche.

    • Wrightflyer
      10.10.2015, 11:44 Uhr.

      Ich würde eher sagen daß die BEFREIUNG aus einem stickigen Raum ohne Fenster die passende Allegorie ist für das was Sie als „linkskatholisch-deutschnational“ bezeichnen.

      Glauben Sie auch die Märchen von der vorbildlichen afrikanischen Kleinfamilie aus Vater, Mutter und Kind? Außer beim Thema WvG, das in Afrika tatsächlich schon deswegen kaum eine Rolle spielt weil es kaum Scheidungen im juristischen Sinn gibt (dafür wird gelegentlich die Frau einfach davongejagt), sind viele Probleme z.B. in Afrika oder in Südostasien oder in Lateinamerika von unseren garnicht so weit weg. Abgesehen von der Tatsache daß dort NOCH weniger klassische bürgerliche Kleinfamilien aus Vater, Mutter und Kind existieren. Daneben gibt es aber überall, auch bei der alleinerziehenden lateinamerikanischen Frau oder in der Großfamilie oder bei einem kinderlosen Paar das Schöne. Und darauf kommt es an.

      Ein stickiger Raum ohne Fenster, das ist das was Sie hier bieten.

    • Wanda
      10.10.2015, 17:47 Uhr.

      JasJu 12:03
      – linkskatholisch-deutschnationale Kirche ? Einerseits ein Beweis für die Unkaputtmachbarkeit der deutschen Sprache und zugleich ein etwas dümmlicher Widerspruch, meinen Sie nicht ?
      Deutsch-national mit seiner eher rechts-konservativen Bedeutung geht wohl kaum mit „links“katholisch zusammen. […]*
      – Abgesehen davon: wenn Sie schon die stickige Luft für Irgendjemanden passend finden, warum nicht für die Ultrakonservativen des Klerus mit ihren langen Gewändern und zwar nach dem altbewährten Spruch „unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren“…

      *Der Beitrag wurde wegen des Verstoßes gegen die Netqiuette editiert.

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