Neue Kardinäle, Milliarden und ein mahnender Papst

Papst Franziskus hat heute 20 neue Kardinäle in den „Senat der Kirche“ aufgenommen. Bei der Auswahl hatte Franziskus klare Zeichen gesetzt: Traditionelle Kardinalssitze wie Venedig, Chicago oder Brüssel gingen leer aus. Dafür bekommen Myanmar, Tonga, die Kapverden und Panama erstmals einen Kardinal. Unter den neuen Purpurträgern ist auch der deutsche Vatikandiplomat Karl-Josef Rauber. Beim Gottesdienst am Vormittag im Petersdom sprach Franziskus einmal mehr mahnende Worte: Neid, Hochmut, die Suche nach dem eigenen Vorteil, Zorn oder Groll: „Das ist für einen Kirchenmann unannehmbar.“ Stattdessen wünscht er einen „ausgeprägten Gerechtigkeitssinn“ sowie Langmut, der für ihn gleichbedeutend ist mit der „Fähigkeit grenzenlos zu lieben“. Sein Finanzminister, Kardinal George Pell, hat unterdessen in einem Zeitungsinterview über seinen Vortrag gestern beim Konsistorium geplaudert.

Papst mahnt

Die Worte des Papstes waren deutlich: Das Kardinalat sei zwar eine Würde, aber kein Ehrentitel. Er sprach von Langmut, der gleichsam ein Synonym von Katholizität sei. Er sprach von der Liebe, die die Kirche sein müsse und stellte fest: Wahre Liebe sei nicht rücksichtslos, suche nicht ihren Vorteil, lasse sich nicht zum Zorn reizen und trage das Böse nicht nach. So stellt er sich Kirchenmänner vor, und so stellt er sich die Kirche vor. Das Hohelied der Liebe aus dem 1. Korintherbrief, das viele Brautpaare gerne für ihre Hochzeitsmesse wählen, legte er auf die Kirche und die Kirchenmänner aus.

Diese Predigt fügt sich ein in die vielen mahnenden Worte von Papst Franziskus an das Kirchenpersonal. Angefangen etwa beim Konsistorium im vergangenen Jahr, wo er die neuen Kardinäle dazu aufrief, sich von „höfischen Gewohnheiten und Verhaltensweisen wie Intrigen, Tratsch, Seilschaften, Günstlingswirtschaft und  Bevorzugungen“ fernzuhalten. Dann die Ansprache an die Führungsspitze der Römischen Kurie kurz vor Weihnachten mit den 15 Krankheiten. Dabei gilt grundsätzlich, dass Franziskus das Verhalten jedes Christen im Blick hat; dass er aber an die „offiziellen Vertreter“ der Kirche noch einmal einen höheren Maßstab anlegt.

Kardinal Pell plaudert

Was die Beratungen über die Kurienreform der vergangenen zwei Tage anbetrifft, dringen langsam Einzelheiten nach außen. So zeigen sich wohl doch sehr viele Kardinäle zufrieden mit den Maßnahmen, die in Bezug auf die Reform des Finanzbereichs eingeleitet wurden. Auch wenn noch nicht bis ins Detail klar ist, wie künftig dieser Bereich geordnet sein wird, unterstützen die meisten Kardinäle den eingeschlagenen Weg. Sie begrüßen es, dass die Kardinäle Pell und Marx externe Fachleute ins Boot geholt haben. Dabei geht es zum einen darum, Fehler und Skandale der Vergangenheit aufzuarbeiten, hier hat die Vatikanbank IOR in den vergangenen zwei Jahren große Fortschritte gemacht, sich einen Überblick über die Vermögenswerte zu verschaffen, die Buchhaltung zu vereinheitlichen und dann eine solide Finanz- und Vermögensplanung zu erarbeiten. Das braucht Zeit. Aber ein Anfang scheint gemacht.

Kardinal George Pell erklärte gegenüber dem Boston Globe, dass er den Kardinälen gestern unter anderem mitgeteilt habe, dass bei der Bestandsaufnahme Vermögen in Höhe von rund 1,5 Milliarden Dollar aufgetaucht sei, das zuvor nicht in den Büchern erfasst gewesen sei. Pell betonte, dass diese Gelder nichts mit illegalen Geschäften zu tun hätten, sondern schlicht mit der bisher sehr uneinheitlichen und undurchsichtigen Buchführung. Der langjährige Erzbischof von Sydney sagte allerdings nicht, wo dieses Vermögen gefunden wurde. Im Bereich der Vatikanbank IOR war das nach meinen Recherchen nicht gewesen. Pell hatte bereits im Dezember gegenüber der Presse von diesem Vorgang gesprochen. Den Kardinälen offenbarte er nun zudem, dass es eine große Lücke in der Pensionskasse des Vatikans gibt. Zwar seien die Pensionen für die nächsten fünf bis zehn Jahre gesichert. Doch um dies auch auf eine Perspektive von 20 Jahren garantieren zu können, müsse der Pensionsfond mit rund  800 bis 900 Millionen Dollar gestützt werden. Pell gab auch zu, dass es Widerstände gegen die Reform im Finanzbereich gebe, zeigte sich aber zugleich zuversichtlich, dass die größten Hürden genommen seien.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.