Synode: Die Diskussion geht weiter

Die Beratungen in Rom sind beendet, doch die Diskussion geht weiter. Und so soll es ja auch sein. Papst Franziskus möchte, dass jetzt ein Jahr lang weiter über die Herausforderungen für Ehe und Familie debattiert wird. In dieser Woche geschah das vor allem über die Printmedien. Teilnehmer der Synode, aber auch viele, die nicht dabei waren, meldeten sich zu Wort. Das Entscheidende aber wird sein, auch die Basis in diese Diskussionen einzubeziehen. Die Umfrage vom Jahresende 2013 darf nicht das einzige partizipative Element bleiben, mit dem die Gläubigen an dem ganzen Prozess beteiligt waren. Papst Franziskus hat sich diese Woche zurückgehalten. Sein Augenmerk lag auf der schwierigen politischen Situation im Nahen Osten. Dazu hatte er am Montag eigens mit den in Rom anwesenden Kardinälen beraten. Am Donnerstag hat er eine interessante Rede vor einer internationalen Strafrechtsvereinigung gehalten, in der er sowohl die Abschaffung der Todesstrafe als auch der lebenslangen Haft forderte. Letztere sei eine „verkappte Form der Todesstrafe“.

Johannes Paul II. ausgeschlossen?

Die Synode hat gezeigt, dass es vor allem bei den strittigen Themen unter den Bischöfen und Kardinälen durchaus große Uneinigkeit gibt. Hier braucht es ein Feedback der Gläubigen an die Oberen. Die katholische Kirche ist zwar keine Demokratie. Aber die Rückbindung dessen, was in Rom oder auch in der Deutschen Bischofskonferenz diskutiert wird, an die Basis ist unabdingbar, um nicht im luftleeren Raum schönen Theorien nachzuhängen und den Blick für die Realität wieder zu verlieren.

Die Reaktionen nach der Synode waren sehr unterschiedlich. Kardinal Joachim Meisner kritisierte in einem Beitrag für die Zeitung „Die Tagespost“, dass das Institut „Johannes Paul II. für Studien über Ehe und Familie“ bei der Vorbereitung der Synode und bei der Durchführung nicht beteiligt gewesen sei. Der heilige Johannes Paul II. sei von den Vorbereitungsgremien der Synode  „gleichsam ausgeschlossen“ gewesen, lautet Meisners Fazit. In der Tat war kein aktueller Mitarbeiter des Instituts an der Synode beteiligt. Allerdings hatte Papst Franziskus eigens Kardinal Carlo Caffarra, den Erzbischof von Bologna, in die Synode berufen. Er war von 1980 bis 1995 Leiter dieses Instituts und prägte in dieser Funktion ganz entscheidend die Familien-Theologie in der Ära Johannes Pauls II. Damit war einer der prominentesten Vertreter dieser Schule anwesend.

„Ungeist der Rechthaberei“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, warnte unterdessen vor einem „Ungeist der Rechthaberei“. Er hatte dabei in seinem Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ vor allem die Gegner von Erneuerungen in der katholischen Kirche im Blick. Dahinter stecke ein Denken, dass der Geist Gottes nur auf einer Seite am Werk sei. Das sei auch „theologisch nicht sauber.“ Der Geist gehe über die Grenzen der Kirchen hinaus, „und wir sollten offen sein, sein Wirken auch dort zu entdecken“. Marx sieht die Bilanz der Synode positiv. Schließlich habe Papst Franziskus Türen aufgestoßen und damit die Diskussion über Themen möglich gemacht, die es so früher nicht gab – etwa bei den wiederverheirateten Geschiedenen oder den Homosexuellen.

Was letzteres Thema anbetrifft, erklärte der Erzbischof von Westminster, Kardinal Vincent Nichols, dass der entsprechende Abschnitt im Abschlusstext der Synode aus seiner Sicht auch deshalb keine Zweidrittelmehrheit gefunden habe, weil er einigen Synodenvätern nicht weit genug ging. Für ihn seien in diesem Kontext drei Worte wichtig: Respekt, Willkommen und Wert. „Ich habe nach diesen Worten gesucht; aber sie waren nicht da. Daher glaube ich, dass es kein guter Abschnitt war.“ Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph E. Kurtz, ist über die Informationspolitik unglücklich. Er kritisiert, dass in der ersten Woche der Synode keine Kurzzusammenfassungen der einzelnen Statements der Synodenväter veröffentlicht wurden. Das war bei früheren Synoden üblich und Kurtz wünscht sich das auch für die Synode im Oktober 2015. Die Furcht, dass einige Synodenväter nicht offen sprechen würden, wenn Kurzzusammenfassungen publiziert würden, sei unbegründet, so Kurtz.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.