Kardinal Woelki neuer Erzbischof in Köln

Die Entscheidung ist gefallen. Kardinal Rainer Maria Woelki ist neuer Erzbischof von Köln. Die Ernennung durch Papst Franziskus ist am Freitag erfolgt. Der 57-jährige Woelki kehrt damit in seine rheinische Heimat zurück. Von 2003 bis zu seiner Ernennung als Erzbischof in Berlin 2011 war er Weihbischof in Köln. Woelki wird Nachfolger seines einstigen Ziehvaters Kardinal Joachim Meisner. Der war erst Ende Februar nach Erreichen des 80. Lebensjahres in den Ruhestand gegangen ist. Die Ernennung eines Nachfolgers in nur knapp mehr als vier Monaten, das ist Rekordzeit für deutsche Verhältnisse. Widersprüchliche Berichte gibt es darüber, ob Woelki auf der Liste des Domkapitels stand oder nicht. 

Ernennung in Rekordzeit

Diese Rekordzeit dürfte in zwei Dingen begründet liegen. Zum einen ist Köln mit 2,1 Millionen Katholiken das zahlenmäßig größte Bistum in Deutschland und mit einem Etat von 800 Millionen Euro auch das finanzstärkste. Damit gehört es auch zu den reichsten Bistümern weltweit. Zum anderen ist der neue Nuntius in Berlin, Erzbischof Nikola Eterovic, bemüht, die Verfahren zügig voranzubringen. Da bei der Bedeutung Kölns wohl nur ein Kandidat in Frage kam, der bereits Erfahrung im Bischofsamt hat, musste kein aufwendiger Informativprozess stattfinden. Dieser geht zur Eignungsprüfung von Bischofskandidaten sonst immer einer möglichen Ernennung voraus und braucht Zeit. Widersprüchliche Berichte gibt es dazu, ob Kardinal Rainer Maria Woelki auf der Dreier-Liste war, die das Kölner Domkapitel über den Nuntius nach Rom geschickt hatte. Vertreter des Domkapitels hatten in der Vergangenheit wiederholt anklingen lassen, dass sie sich einen Erzbischof Woelki in Köln vorstellen könnten. Wenn er seine Bereitschaft signalisiere, werde man ihn auf die Liste setzen. Auf jeden Fall stand er auf der Liste, die aus Rom zurückkam.

Im Erzbistum Freiburg gab es ja vor wenigen Wochen eine böse Überraschung, als das Domkapitel keinen einzigen Namen mehr auf der Liste aus Rom wiederfand von denen, die sie nach Rom geschickt hatten. Angesichts der Worte von Papst Franziskus, stärker auf das Volk hören zu wollen, war das ein Schock – unabhängig von den Namen, die dann auf der Liste standen. Es geht hier ums Prinzip der Kandidatenfindung. Das Kölner Domkapitel hatte einen breit angelegten Dialogprozess gestartet, um sich über das gewünschte Profil des neuen Erzbischofs zu informieren. Im engeren Kreis wurde auch über konkrete Namen gesprochen, auch über Woelki. Die Art und Weise, wie Rom mit diesen sehr ernsthaft geführten Basisprozessen umgeht, wird zur Nagelprobe für das Pontifikat von Papst Franziskus. Nach den Ereignissen von Freiburg gesellte sich zur Euphorie zumindest in einigen Kirchenkreisen eine gehörige Portion Skepsis. Mit mehr Transparenz im Ernennungsverfahren könnte man Klarheit  schaffen. Deshalb ist es gut, dass die K9, der Kardinalsrat, in der vergangenen Woche auch erstmals über das Verfahren der Bischofsernennungen gesprochen hat.

Woelki in Berlin

Kardinal Woelki hatte 2011 zunächst einen schwierigen Start in Berlin. Nach seiner Ernennung charakterisierten ihn die Medien als konservativen Meisner-Zögling, der dem Opus Dei nahe stehe. Doch nach seinem Eintreffen in der Hauptstadt änderte sich das Bild schnell. Woelki zog in eine Dachgeschosswohnung im Berliner Arbeiterviertel Wedding, fuhr mit dem Fahrrad oder der S-Bahn durch die Stadt und traf sich bereits nach wenigen Wochen im Amt mit Vertretern des Lesben- und Schwulenverbands. Mit dem Berliner Oberbürgermeister Klaus Wowereit entwickelte sich eine gute Arbeitsbeziehung. Bei Woelkis Kardinalserhebung sangen Wowi und Woelki am Abend beim Empfang in der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl gemeinsam Karnevalslieder.

Die Berliner Katholiken sind zwiegespalten. Die einen freuen sich, dass Woelki als Caritasbischof der Deutschen Bischofskonferenz sehr starke sozialpolitische Akzente setzt und sich in seinem Bistum sehr dafür einsetzt, das Frauen in kirchliche Führungspositionen kommen. Woelki ist offen für Reformen in der katholischen Kirche. Vor allem die Katholiken im Ostteil der Stadt fühlen sich von dem rheinischen Katholiken Woelki nicht richtig verstanden. Bei der Planung und Umsetzung neuer Pastoralstrukturen angesichts des Rückgangs der Gläubigen, der Priesterzahlen und der finanziellen Mittel, knirschte es zuletzt innerhalb des Bistums. Ähnlich schwierig gestaltet sich der Plan Woelkis, die Hedwigskathedrale umzugestalten. Sein Weggang wird daher von den Berlinern mit gemischten Gefühlen aufgenommen werden.

Neben Kardinal Woelki wurden in den letzten Wochen auch immer wieder die Namen des Trierer Bischofs Stephan Ackermann, des ehemaligen Kölner Weihbischofs Heiner Koch, sowie des Essener Bischofs Franz-Joseph Overbeck genannt. Alle drei sind nun nicht zum Zuge gekommen. Overbeck würde als Sozialbischof und Militärbischof, in dieser Eigenschaft hat er bereits ein Büro in Berlin, natürlich auch gut in die Hauptstadt passen. Aber da ist jetzt erst einmal das Berliner Domkapitel dran, eine Dreierliste zusammenzustellen. Dann macht der Nuntius seine Arbeit, dann die Bischofskongregation in Rom und am Ende der Kette wird das Domkapitel wieder einen Umschlag mit drei Namen bekommen und darin hoffentlich mindestens einen vorfinden, den es zuvor nach Rom geschickt hat.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.