Papst: Einheit und kein Tratsch

Das waren noch einmal deutliche Worte, die Papst Franziskus zum Abschluss des Kardinalstreffens am Sonntag fand. In der Predigt rief er die Kardinäle zur Einheit und Zusammenarbeit auf. Sie träten nicht in einen Hofstaat ein, sondern in die Kirche von Rom. „Vermeiden wir alle höfische Gewohnheiten und Verhaltensweisen wie Intrigen, Tratsch, Seilschaften, Günstlingswirtschaft, Bevorzugungen, und helfen wir uns gegenseitig, sie zu vermeiden.“ Dass Franziskus sich bei einem solchen Anlass genötigt sieht, solch drastische Worte zu wählen, lässt tief blicken. Und es ist nicht das erste Mal, dass er diese Themen in dieser Deutlichkeit anspricht.

Papst: Dienen, nicht herrschen!

Auch wenn seit dem Amtsantritt von Papst Bergoglio Vatileaks kein Thema mehr ist, spricht vieles dafür, dass für Franziskus die Ergebnisse des Berichts der Kardinalskommission noch immer präsent sind. Er ist angetreten, um ein altes System zu zerschlagen und eine neue Kultur einzuführen. Dabei geht es nicht nur um Strukturen, sondern um Haltung und Verhalten. Er fordert von den Kardinälen Heiligkeit im Leben und nimmt sich dabei selbst nicht aus. „Lieben wir darum diejenigen, die uns feindlich gesonnen sind; segnen wir, die schlecht über uns sprechen; grüßen wir mit einem Lächeln, die es vielleicht nicht verdienen; trachten wir nicht danach, uns zur Geltung zu bringen, sondern setzen wir rechthaberischer Gewalt die Sanftmut entgegen; vergessen wir die erlittenen Demütigungen.“ Franziskus unterstrich zugleich noch einmal den Dienstcharakter des Amts. „Bischöfe, Kardinäle und der Papst sind Diener und keine Herrscher“, so Franziskus am Sonntag beim Mittagsgebet. Das sagt er nun auch schon seit Monaten gebetsmühlenartig – sprich: er scheint hier Handlungsbedarf zu sehen. Ein Kardinal meinte allerdings am Rande des Konsistoriums etwas frustriert, je öfter der Papst Tratsch und Intrigen kritisiere, umso schlimmer werde es.

Papst wirbt für Einheit

Auffallend ist, wie stark der Papst in seinen Ansprachen vom Wochenende die Einheit betonte. Am Samstag etwa: „Die Kirche braucht euch, eure Mitarbeit und vor allem eure Gemeinschaft – Gemeinschaft mit mir und untereinander.“ Am Sonntag: „Liebe Mitbrüder Kardinäle [Man beachte die Ansprache „Mitbrüder“], bleiben wir in Christus und untereinander geeint. Ich bitte euch, mir nahe zu sein, mit dem Gebet, dem Rat und der Zusammenarbeit.“ Auch beim Mittagsgebet sprach er noch einmal von der „Einheit der Kirche“. Nicht erst die zwei Beratungstage in der vergangenen Woche haben Papst Franziskus gezeigt, dass es große Differenzen im Kardinalskollegium gibt. Dabei geht es nicht nur um die Frage nach konservativ und progressiv, Reformer und Bewahrer, sondern die Linien verlaufen noch anders: Dogmatiker, Historiker und Kirchenrechtler, um nur einige Beispiele zu nennen, stehen nebeneinander und sprechen eher übereinander als miteinander.

Im Sinne der Einheit war auch der öffentliche „Auftritt“ von Benedikt XVI. am Samstag beim feierlichen Konsistorium mehr als nur eine persönliche Geste der Wertschätzung des emeritierten Papstes gegenüber den neuen Kardinälen. Die Umarmung von Franziskus und Benedikt XVI. in aller Öffentlichkeit, der freundliche Umgang der beiden miteinander ist wichtig, um Kontinuität zu bezeugen und Kritiker, auch im Kardinalskollegium, zu überzeugen, dass nur miteinander und nicht gegeneinander die Kirche eine Zukunft hat. Die Anwesenheit von Benedikt XVI. ist auch eine öffentliche Unterstützung für seinen Nachfolger, der nach knapp einem Jahr im Amt natürlich auch Wiederstände spürt.

Mit dem Treffen der Kardinäle ist ein Anfang gemacht auf dem „synodalen“ Weg der Reform beim Thema Ehe und Familie. Papst Franziskus wird am Ende Entscheidungen treffen müssen. Allerdings ist es bis dahin noch ein großes Stück Weg. Erst die Sondersynode in diesem Oktober, dann die Ordentliche Bischofssynode Im Oktober 2015. Der Diskussionsprozess ist eröffnet.

Einstellungsstopp sorgt für Unruhe

Für Unruhe in der römischen Kurie sorgt derzeit ein Brief von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin von vor wenigen Tagen. Darin hat er allen Dikasterien einen Einstellungsstopp verordnet; Zeitverträge dürfen nicht verlängert werden; Beförderungen sind ebenso ausgesetzt. Sonntagsarbeit und Überstunden sollen vermieden werden. Zwar ist klar, dass die anstehende Kurienreform zu Veränderungen beim Personal führen wird, doch betonen die Mitglieder der K8 immer, dass die Reform Zeit braucht. Mit der etwas übereilt wirkenden Aktion hat Parolin allerdings viele Mitarbeiter verschreckt. Dazu kommt, dass auch eine Kurienreform nicht automatisch bedeutet, dass weniger Personal gebraucht wird. In der Tat sollen Effizienz gesteigert und die Verwaltung verschlankt werden. Doch dazu müsste der Vatikan auch Kompetenzen abgeben an untere Ebenen. Vielleicht dient das Moratorium ja auch dazu, die Rekrutierung des Personals zu professionalisieren und ein faules System von Günstlingswirtschaft auszutrocknen. Das wäre wünschenswert.

P.S. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat auch am Sonntag an den Veranstaltungen rund um die Kardinalserhebung teilgenommen – etwa dem Empfang des Deutschen Botschafters beim Heiligen Stuhl für den neuen deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Für Tebartz-van Elst war es die Gelegenheit, am Rande etwa mit Vertretern der Bischofskongregation zu sprechen, die ja ein entscheidendes Wörtchen mitredet, wenn es um seine Zukunft geht. Zudem traf er in Rom auf eine ganze Reihe seiner Unterstützer wie die Kardinäle Joachim Meisner, Paul Josef Cordes und Walter Brandmüller.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.