19 neue Kardinäle und zwei Päpste

Papst Franziskus hat heute 19 neue Kardinäle ins Kardinalskollegium aufgenommen, darunter auch den Deutschen Gerhard Ludwig Müller. Der 66-Jährige ist Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation und damit einer der engsten Mitarbeiter von Papst Franziskus. Auffallend ist, dass die meisten der neuen Kardinäle aus Lateinamerika, Afrika und Asien kommen. Papst Franziskus möchte damit die Internationalisierung des „Senats der Kirche“ fortsetzen. Insgesamt gibt es mit dem heutigen Tag 122 Papstwähler. Erstmals hätten mit dem heutigen Konsistorium die Europäer nicht mehr die Mehrheit in einem Konklave, sondern „nur“ noch genau die Hälfte der Stimmen. Insgesamt gibt es jetzt 218 Kardinäle.

Franziskus setzt Akzente

Es ist das erste Konsistorium von Papst Franziskus. Er setzt damit klare Akzente. Traditionelle Kardinalssitze wie Turin, Venedig oder Los Angeles gingen dieses Mal leer aus; dafür sind einige der ärmsten Länder der Erde vertreten mit Haiti, Elfenbeinküste und Burkina Faso. Auch so holt der Papst die Armen ins Zentrum der Kirche. Gleich fünf neue Kardinäle kommen aus Lateinamerika. Franziskus nutzte den Gottesdienst, um zu Einheit in der Kirche und Frieden in der Welt aufzurufen. Er erinnerte an diskriminierte und verfolgte Christen.

Gleich zwei Überraschungen

Die Überraschung des Tages war die Teilnahme von Benedikt XVI. an dem Gottesdienst im Petersdom. Es war der erste öffentliche Auftritt des emeritierten Papstes in einem solchen Rahmen seit seinem Amtsverzicht am 28. Februar letzten Jahres. Mit Applaus wurde Benedikt XVI. im Petersdom empfangen. Bisher hatten viele darauf spekuliert, dass er bei der Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. am 27. April erstmals an einem öffentlichen Gottesdienst teilnehmen wird. Man wird sehen, ob jetzt sozusagen das Eis gebrochen ist und Benedikt XVI. öfters zu Gottesdiensten kommt. Franziskus hatte schon vor Monaten gesagt, dass er ihn immer wieder dazu eingeladen habe. Der amtierende Papst scheint damit kein Problem zu haben.

Im Gespräch beim Gottesdienst im Petersdom heute Morgen: Bishcof Franz-Peter Tebartz-van Elst und der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Norbert Trelle

Im Gespräch beim Gottesdienst im Petersdom heute Morgen: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Norbert Trelle.

Überraschend war auch ein zweiter Gast aus deutscher Sicht. Der Limburger Bischof Franz Peter Tebartz-van Elst war der Einladung von Kardinal Müller gefolgt und nach Rom gereist. Er nahm sowohl am Gottesdienst im Petersdom als auch am „bayerischen“ Fest für den neuen Kardinal im Innenhof der Glaubenskongregation teil. Am Nachmittag wurde er auch bei den Höflichkeitsbesuchen im Apostolischen Palast gesehen. Über die Causa Limburg wollte er nicht sprechen. Noch ist unklar, ob vor Beginn der Vollversammlung der Bischofskonferenz am 10. März noch eine Entscheidung fällt. Doch es wird immer unwahrscheinlicher. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, soll dem Vernehmen nach in der Woche zuvor nach Rom kommen. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür bisher nicht.

Sorge für Kirche im Herzen Roms

Kardinal Gerhard Ludwig Müller bekam übrigens die Titelkirche (in seinem Fall heißt das korrekt die Diakonie) S. Agnese in Agone. Das ist die berühmte Kirche an der Piazza Navona im Herzen Roms, an der unter anderem der bekannte Architekt Francesco Borromini (1599-1667) mitgebaut hat. Vor der Kirche steht der Vierströmebrunnen von Gian Lorenzo Bernini (1598-1680). Einer der Flüsse ist die Donau. So wird Müller auch in Rom immer an seine Bischofsstadt Regensburg erinnert, in der übrigens ebenfalls vier Flüsse fließen.

Die Tradition der Titelkirche oder Diakonie kommt daher, dass ursprünglich die Kardinäle Priester römischer Pfarreien waren. Daher müssen bis heute die Kardinäle eine Pfarrei oder Kirche in Rom haben. De facto sieht es so aus, dass der Kardinal in seiner Titelkirche bzw. Diakonie Gottesdienste hält und die Kirche auch finanziell unterstützt. Innerhalb des Kardinalskollegiums gibt es verschiedene Kardinalsklassen: Kardinalbischöfe, Kardinalpriester und Kardinaldiakone. Kardinäle, die auch Vorsteher einer Diözese sind, werden Kardinalpriester. Kardinäle, die an der römischen Kurie arbeiten, werden Kardinaldiakone. Bei ihnen heißt die Titelkirche „Diakonie“.

Infos zur Kardinal Gerhard Ludwig Müller und den neuen Kardinälen gibt es auch auf der Seite von heute.de. Das Interview mit Kardinal Müller dort ist eine Kurzversion des Interviews hier im Papstgeflüster.

Interview mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.