Die Ungeduld wächst

Außer Worten nichts gewesen? So hört es sich bisweilen an mit Blick auf das bisherige Pontifikat von Papst Franziskus, nicht nur in den Kommentaren hier im Blog. Und in der Tat hat Franziskus bisher die Kirche noch nicht auf den Kopf gestellt. Die Frage ist allerdings, ob er das überhaupt möchte? Zugleich sieht man bei genauerem Hinsehen, dass schon Einiges passiert ist. Für einen Jesuiten, der eigentlich gelernt hat, im ersten Jahr in einer neuen Aufgaben Hinzuschauen und nichts zu verändern, ist sogar schon viel passiert.

Er hat den Kardinalsrat eingesetzt, der ihn in wichtigen Fragen der Kirchenleitung berät. Dazu gehört auch die Reform der Kurie, aber nicht nur. Der Koordinator der K8-Gruppe, Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, besuchte am vergangenen Wochenende Deutschland und hat eine Reihe interessanter Interviews gegeben. Rodríguez Maradiaga ist ein enger Vertrauter von Papst Franziskus. Was er dem Kölner Stadtanzeiger in den Block diktiert hat, lässt aufhorchen: an eine Rückkehr von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nach Limburg glaubt er nicht, seinem Kardinals-Kollegen in spe und Chef der vatikanischen Glaubenskongregation Gerhard-Ludwig Müller rät er, flexibler zu werden.

Vatikanbank IOR macht Fortschritte im Kampf gegen Geldwäsche

Franziskus hat mehrere Kommissionen eingesetzt, die sich um Immobilien- und Finanzfragen kümmern sollen. Hier liegen jetzt erste Ergebnisse vor, die der Kardinalsrat Mitte Februar mit dem Papst beraten wird. Entscheidungen oder zumindest Weichenstellungen in diesem Bereich dürften also noch in der ersten Jahreshälfte fallen. Die Vatikanbank IOR hat denn auch heute eine dreiseitige Erklärung veröffentlicht, in der sie ihre Bemühungen um mehr Transparenz und Compliance ausführt. Konkrete Zahlen etwa über „faule“ Konten bzw. Kontoinhaber gibt es darin allerdings nicht. Dazu muss der Jahresbericht 2013 abgewartet werden, der bis Mitte des Jahres veröffentlicht werden soll, bzw. der Bericht der vatikanischen Finanzaufsicht AIF, der bis Frühjahr zu erwarten ist.

55 Prozent der Kunden (ca. 10.000) wurden bis Ende 2012 überprüft.  Fehlende Angaben etwa zur Legitimation der Kontoinhaber, zu verdächtigen Transaktionen etc. wurden ergänzt. Kontoinhaber, die laut IOR-Statut nicht berechtigt sind, ein Konto bei dem Institut zu führen, wurden aufgefordert, ihre Konten aufzulösen. Dies erfolgte laut Vatikanbank in enger Zusammenarbeit mit der vatikanischen Finanzaufsichtsbehörde AIF. Dadurch sollte wohl garantiert werden, dass „faule“ Konten oder Kunden unbemerkt entwischen können.

Stühlerücken im Vatikan

Franziskus hat erste Köpfe an der Kurienspitze ausgetauscht wie etwa den Kardinalstaatssekretär oder den Chef der Kleruskongregation. In der Folge hat auch auf der Referentenebene ein Stühlerücken eingesetzt. Hier mussten einige Prälaten bereits zum Jahresende ihre Posten räumen – u.a. in der Kleruskongregation. Weitere werden folgen. Zwar ist es eigentlich schon immer so, dass Kurienposten stets auf fünf Jahre vergeben werden. Doch in der Vergangenheit wurden die Quinquennien oft mehrfach verlängert. Unter Franziskus deutet sich an, dass nach maximal einer Verlängerung künftig Schluss sein wird. Dann geht es zurück ins Heimatbistum.

Es wird sich allerdings noch zeigen müssen, ob Franziskus sich mit seinem Vorhaben durchsetzen kann. Bei der Streichung der Monsignore-Titel ist ihm das ja nicht so ganz gelungen. Zwar gibt es in den Bistümern den Titel erst ab 65 Jahre; in der Kurie gilt diese Altersbeschränkung allerdings nicht. Dabei sei es gerade dort notwendig, stellte ein Kurienchef vor wenigen Tagen im Gespräch fest und schüttelte verzweifelt den Kopf angesichts der kurialen Ausnahmeregelung.

Nicht vergessen darf man, dass in der katholischen Kirche offen über Themen diskutiert wird, die noch vor wenigen Monaten Tabu waren. Dass etwa der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck in der neuen Zeitbeilage „Christ und Welt“ für ein offenes Gespräch über den Zölibat plädiert, wäre vor einem Jahr undenkbar gewesen.

P.S. Mit einem eindringlichen Appell zu mehr Engagement im Kampf gegen Armut und für Gerechtigkeit hat sich Papst Franziskus an das Weltwirtschaftsforum in Davos gewendet. Hier gibt es den deutschen Text der Botschaft.

P.P.S. Der Vatikan hat heute bestätigt, dass es Planungen für eine Papstreise nach Korea gibt. Diese könnte schon im August stattfinden. Sicher ist bisher nur die Reise ins Heilige Land vom 24.-26.5. Wahrscheinlich fährt Papst Franziskus auch zum orthodoxen Andreasfest am 30. November nach Istanbul. Korea wäre dann die dritte Auslandsreise für 2014. Damit wäre der Reisekalender für dieses Jahr voll.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.