Professionell und ohne Tratsch

So wünscht sich Papst Franziskus die römische Kurie. Beim traditionellen Weihnachtsempfang für die Kurie setzte Franziskus heute den Akzent etwas anders als seine Vorgänger. Die nutzten den Anlass in der Regel, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und in einer Art programmatischen Rede noch einmal zentrale inhaltliche Akzente zu setzen. Jorge Mario Bergoglio beschäftigte sich ausführlich mit der Kurie. Dabei fand er auch viele lobende Worte für seine vatikanischen Mitarbeiter. Das tat vielen gut, zumal er in den vergangenen Monaten oft sehr kritisch über die römische Zentralverwaltung gesprochen hatte. Dies hatte bereits zu Unmut in der Kurie geführt; denn wie überall im Leben gibt es neben den schwarzen Schafen auch eine große Zahl von redlichen Arbeitern in den römischen Kurienbüros.

Papst Franziskus hat am Abend das vatikanische Kinderkrankenhaus Bambino Gesù besucht. Drei Stunden nahm er sich Zeit für die Begegnung mit den Kindern, ihren Eltern und dem Pflegepersonal. (reuters)

Das Lob verband Franziskus allerdings mit ganz klaren Aussagen zum Anforderungsprofil an die Kurialen:  „Menschen, die mit Sachkenntnis, Genauigkeit und Opferbereitschaft arbeiten und so ihre tägliche Pflicht mit Sorgfalt erfüllen.“ Professionalität und eine Haltung des „Dienstes“ ist für Franziskus entscheidend. Professionalität bedeutet für ihn „Sachkenntnis, Studium, Fortbildung“. Ohne Professionalität rutsche man ins Mittelmaß ab. „Wenn andererseits die Haltung nicht die des Dienstes für die Teilkirchen und ihre Bischöfe ist, wächst die Struktur der Kurie wie ein schwerfälliges Zollamt, eine bürokratische Untersuchungs- und Kontrolleinrichtung, die dem Wirken des Heiligen Geistes und dem Wachsen des Gottesvolkes keinen Raum lässt.“

Als drittes Kriterium fordert Franziskus die „Heiligkeit des Lebens“. Darunter versteht er zum einen ein Leben aus dem Glauben; zum anderen wird er aber auch ganz konkret. Heiligkeit in der Kurie bedeute auch Verweigerung aus Gewissensgründen gegenüber dem Tratsch, so Franziskus. „Der Tratsch verdirbt die Menschen, beeinträchtigt die Arbeitsqualität und schadet dem Betriebsklima.“ Schon mehrfach hatte der Pontifex in den vergangenen Monaten das Thema angesprochen. Er sieht das wohl als ein großes Problem in der Kurie. Allerdings gingen seine Appelle in der Vergangenheit auch darüber hinaus. Christsein und Tratsch vertragen sich für ihn nicht.

P.S. In den vergangenen Tagen haben eine ganze Reihe von Bistümern die Ergebnisse der Umfrage zur Vorbereitung der Familiensynode vorgestellt. Die Ergebnisse sind nahezu überall gleich. Es wird offenkundig, was schon seit langer Zeit bekannt ist: Lehre und Praxis der Gläubigen beim Thema „Ehe und Familie“ klaffen weit auseinander. Neu ist, dass dies nun erstmals offiziell von den Bistümern so dokumentiert wird. Eine komplette Aufstellung habe ich bisher nicht gefunden. Hier einige Ergebnisse ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Erzbistum Köln, Erzbistum München-Freising, Erzbistum Freiburg, Bistum Mainz, Bistum Münster, Bistum Osnabrück, Bistum Rottenburg-Stuttgart, Bistum Speyer, Erzdiözese Wien. Außerdem: Familienbund in Bayern, BDKJ.

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Jürgen Erbacher

Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.